- •Seminar zum Thema „Phraseologie“
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- •1. Allgemeines
- •2. Merkmale der Phraseologismen
- •2.1. Idiomatizität
- •2.2. Stabilität
- •2.3. Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit
- •3. Klassifikationen der Phraseologismen
- •3.2. Strukturell-semantische Klassifikation
- •4. Sinnrelationen zwischen den Phraseologismen
- •4.1. Phraseologische Polysemie und Homonymie
- •4.2. Phraseologische Synonymie
- •4.3. Phraseologische Antonymie
- •5. Funktion von Phraseologismen
- •6. Übersetzung von Phraseologismen
2. Merkmale der Phraseologismen
Als Merkmale von Phraseologismen werden von Fleischer (1983, S. 307) folgende Charakteristika angeführt:
Ihr besonderer Charakter als feste Wortverbindungen ergibt sich vor allem aus ihrer (semantischen) Idiomatizität und ihrer (semantisch-syntaktischen) Stabilität. Damit zusammen hängt ihre Speicherung (Lexikalisierung) als lexikalische Einheit, die bei der Textgestaltung reproduziert wird.
2.1. Idiomatizität
Eine Wortverbindung wird dann als idiomatisch angesehen, wenn die Summe der Bedeutungen der einzelnen Komponenten nicht der Bedeutung der Wortverbindung entspricht, z.B.: ein alter Hase - 'ein erfahrener Fachmann', eine lahme Ente - 'ein Mensch ohne Initiative', aus der Haut fahren - 'wütend sein'. Einzelne Wortverbindungen können als freie Wortverbindungen möglich sein und existieren neben der festen Wortverbindung: jemandem den Kopf waschen - 'jemanden tadeln', zur Kasse gebeten werden - 'bezahlen müssen'.
Es gibt unterschiedliche Grade der Idiomatizität. Lässt sich ein Phraseologismus semantisch nicht aufgliedern, d.h., dass beide Komponenten phraseologisch gebunden sind, so spricht man von vollidiomatischen Wendungen (vollidiomatisch; vollidiomatisiert): Kohldampf schieben - Hunger haben', jemandem einen Bären aufbinden - 'jemandem etwas Unwahres sagen', etwas übers Knie brechen - voreilig handeln'. Es sind meist „bildhafte", metaphorische oder metonymische Ausdrücke, die durch einen Vergleich motiviert sind.
Im Gegensatz dazu stehen Phraseologismen, die semantisch aufgliederbar sind, d.h., dass nur ein Teil phraseologisch gebunden ist. Sie werden als teilidiomatische Wendungen bezeichnet. Dazu gehören Phraseologismen, wie: diebische Elster - 'diebische Frau', eine Schraube ohne Ende -'eine Angelegenheit ohne Ende, faule Ausrede - 'wenig überzeugende Ausrede’.
Lose Verschmelzungen der Komponenten kommen durch usuellen Gebrauch, die häufige gemeinsame Verwendung zu Stande. Die Wörter dieser losen Wortverbindungen sind aber nur in geringem Maße zu einer Bedeutungseinheit geworden. Dass eine gewisse Verschmelzung vorhanden ist, zeigt sich in der Aufhebung der Mehrdeutigkeit der einzelnen Konstituenten. Ein spezielles Semem wird durch die Kontextpartner in der Konstruktion fixiert. Beispielsweise wird in den Wendungen mit zivil in zivile Preise ein Semem mit positiver Wertungskomponente fixiert. Das Semem MODERN wird unterdrückt. Bei den losen Verschmelzungen lässt sich aber die Gesamtbedeutung noch kompositionell aus den Gliedern erschließen.
Nichtidiomatische Phraseologismen sind u. a. die strukturellen Phraseologismen wie in Bezug auf oder sowohl... als auch, die Relationen zwischen Größen anzeigen. Auch die Kollokationen gehören zu dieser Gruppe: Wäsche waschen, einen Vertrag abschließen. Auch nichtidiomatischen Konstruktionen, die als Phrase, Klischee, Schablone, Stereotyp bezeichnet werden, gehören zu dieser Gruppe. Diese Arten von Wortverbindungen entstehen oft im Stil der Massenkommunikation (Zeitung, Rundfunk). Sie fungieren vielfach als Benennungseinheiten, als "Formeln". Mit dem Auftreten einer Komponente erwartet man die zweite Komponente. Dazu zählen auch: nach Augenzeugenberichten, nach bisher unbestätigten Meldungen, wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, u.a.m.
