Добавил:
Upload Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:
Лисак для 3 курса, Теорграмматика, лекции.doc
Скачиваний:
3
Добавлен:
01.04.2025
Размер:
622 Кб
Скачать

2. Hauptzüge der deutschen Grammatik

Das grammatische System jeder Sprache ist eine zusammenhängende Totalität und nicht eine mechanische Verbindung von selbständigen Bestandteilen. Die einzelnen grammatischen Erscheinungen der Sprache muss man nicht gesondert, sondern aufeinanderbezogen betrachten.

Vom Standpunkt der Wortstruktur aus ist der grammatische Bau der deutschen Sprache durch eine Vereinigung von flexivischen und analytischen Mitteln gekennzeichnet. Mit Recht bezeichnet man in der letzten Zeit die deutsche Sprache gewöhnlich als eine flexivisch-analytische.

Dasselbe gilt eigentlich mehr oder weniger auch für alle übrigen modernen indoeuropäischen Sprachen. Alle modernen germanischen Sprachen (mit Ausnahme des Isländischen) sind ärmer an der Flexion als das Deutsche, die russische Sprache dagegen reicher, obwohl die analytische Bildungsweise der grammatischen Formen auch im Russischen stark vertreten ist.

Sehr charakteristisch für die deutsche Sprache ist der Gebrauch der inneren Flexion, die in anderen germanischen Sprachen eine bescheidene Rolle spielt. In Verbindung mit der äußeren Flexion und den analytischen Mitteln der Grammatik führt die innere Flexion oft zu einer beträchtlichen Übercharakterisierung, d. h. zur Bezeichnung eines und desselben grammatischen Inhalts durch mehrere grammatische Formmittel. So wird in der Form die Wälder der Plural dreimal zum Ausdruck gebracht: mit Hilfe des Umlauts, des Pluralmorphems -er und der Plufalform des Artikels. Tatsächlich kann die Anzahl der Formen mit Pluralbedeutung noch beträchtlicher sein: im Satz Die blühenden Wälder lockten ihn kommt die Semantik des Plurals auch in der Flexion des Adjektivs und des Verbs zum Ausdruck. Fast vollständig fehlt dagegen die Übercharakterisierung im Englischen, wo die innere Flexion ganz zurückgedrängt ist und keine Kongruenz zwischen den Substahtivattributen und dem Substantiv selbst besteht. In der russischen Sprache nimmt die Übercharakterisierung einen bedeutenden Platz ein.

Sehr wesentlich für die morphologische Struktur des Wortes im Deutschen ist die ungleichmäßige Verteilung der Flexion. Bei einigen Redeteilen ist die Flexion bedeutend stärker ausgebildet als bei den anderen. Besonders arm an der Flexion ist das Substantiv. Nicht nur das Verb, sondern auch das demonstrative und possessive Pronomen und das Adjektivhaben viel reichere Flexionssysteme als das Substantiv. Sehr reich an Flexion ist der Artikel, obgleich er nur ein Hilfs- oder Formwort ist. Auch im Englischen gibt es einen gewissen Unterschied in der Flektierbarkeit verschiedener Redeteile, aber hier bleiben das Adjektiv und andere Wortarten, die als Bestimmung des Substantivs auftreten, unflektiert.

Zu den charakteristischsten Merkmalen der deutschen Morphologie gehört die Bildung einer Reihe von Formen mit variabler Flexion. Es sind Formen, die in einer und derselben grammatischen Funktion, eine und dieselbe grammatische Bedeutung zum Ausdruck bringend, verschiedenartig flektiert werden können. So bekommt das Adjektiv in einem und demselben Kasus, Geschlecht und Numerus zuweilen die „starken" (pronominalen), zuweilen die „schwachen" (nominalen) Endungen: schönes Wetter — das schöne Wetter. Auch mehrere Substantive, besonders die Eigennamen und die Bezeichnungen für Titel, Berufe usw., haben, variable Flexionsformen: Karls Bücher— Karl Mullers Bücher. Auch in der englischen Sprache sind variable grammatische Formen vorhanden. Jedes Substantiv, wenn es im Genitiv steht, bekommt die Endung -s im Falle, wenn es das letzte Glied der Substantivgruppe bildet, und bleibt ohne Endung, wenn es nicht an der letzten Stelle in der Gruppe steht. Vgl: a professor's lecture — Professor Brown's lecture — a professor of Oxford University's lecture. Aber die Adjektive, falls sie nicht substantiviert sind, werden von irgendwelcher Variabilität überhaupt nicht betroffen, und der Gebrauch des Genitivs ist im Englischen ziemlich beschränkt. Die Variabilität der Flexion ist im Englischen weniger entwickelt als im Deutschen. Was die russische Sprache betrifft, so finden wir hier análoge Formen der Wortgruppen mit einem Eigennamen als Kernglied (книга Ивана - книга Иван Ивановича).

Auf dem Gebiete der Wortstellung spielt eine ausschlaggebende Rolle der verbal-prädikative Rahmen, der den ganzen Satz außer seiner ersten Stelle umfasst und strukturell zusammenhält.