Der Stil der Belletristik
Dieser Stil stellt eine ganz besondere Verwendungsweise der Sprache dar. Die Belletristik benutzt die Sprache als Material und ästhetisiert ihn. Das Spezifische der künstlerischen Werke ist eine besondere Bildkraft, sie entsteht als Folge der Bildlichkeit (Vergleiche Metaphern, Metonymien usw. rufen lebhafte Vorstellungen, Assoziationen hervor) und Bildhaftigkeit. Die genannten Merkmale bilden die Grundlage der Emotionalität und Expressivität solcher Texte.
Bereich:
die Gesamtheit der künstlerischen Werke
Aufgabe, Zweck, Funktion:
Widerspiegelung der Realität durch Ästhetisierung eines Inhaltes (Sprache als Baumaterial für Kunst)
ästhetische Einwirkung auf den Leser, auf sein Gemüt, die Formung des eigenen Ichs des Lesers
Substile:
Epos (Prosa)
Drama (Dramen)
Lyrik (Gedichte…)
Erscheinungsformen / Redegenres:
Epik: Roman, Novelle, Erzählung, Kurzgeschichte, Fabel, Märchen, Sage, Legende, Parabel usw.
Lyrik: die Ode, die Elegie, die Hymne, das Lied, das Sonett (Als konstante Elemente der Lyrik können im Wesentlichen Rhythmus, Vers und Metrum genannt werden, nur teilweise Reim und Strophe.)
Dramen: Tragödie, Komödie, Drama als Gattung
Stilzüge:
primär: Expressivität – sie wird erreicht durch sekundäre Stilzüge:
sekundär:
Bildlichkeit
Bildhaftigkeit
Emotionalität der dargestellten Welt
Sprachliche Realisierung:
Man kann nicht von der Dominanz bestimmter sprachlicher Mittel bei der Ausformung dieser Stilzüge sprechen. Die Sprache der schönen Literatur ist abhängig vom Autor, der bestimmte Sprachmittel gebraucht, um seine poetische Intention zu verwirklichen.
phonetische Ebene:
Reim,
Lautinstrumentierung,
Assonanz, Alliteration,
Sprechweise der handelnden Personen.
lexische Ebene:
Tropen
bewertende Wörter
charakterologische Lexik
stilistisch expressive Synonyme
Wörter mit gesenkter und gehobener Stilfärbung
grammatische Ebene
Morphologie:
Tempus Das alles wird bestimmt von dem Autor und dient
Modus seiner künstlerischen Intention.
Genus verbi
Wortarten
Syntax:
Satzlänge
Satzarten
Satzformen
markierte/expressive Wortfolge
Stilfiguren
Der Stil des Alltags
Bereich:
Alltagsleben: Freundeskreis, Bekanntenkreis, Familienkreis, also nicht offizielle Sphäre, sowie der sprachliche Umgang mit den Kollegen und mit Unbekannten ohne jegliche offizielle Bindung.
Aufgabe, Zweck, Funktion:
spontane ungezwungene Verständigung im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis;
man tauscht seine Gedanken, Gefühle, Eindrücke aus;
man lässt sich sprachlich gehen, man legt seine Gefühle an den Tag, man gibt sich frei.
Substile:
der alltäglich-berufliche Verkehr, auf der Arbeit
zu Hause in der Familie
nicht offizielle persönliche Verständigung (auch mit unbekannten Menschen)
Das Gemeinsame für alle diese Formen ist Verstoß gegen orthoepische, lexische und grammatische Norm der Sprache, weil die Gesprächspartner jede sprachliche Anstrengung minimisieren.
Genres:
Streit - Privatbriefe
Unterhaltung - Postkarten
Telefongespräch - Tagebücher
Berichte mit Alltagsthematik - Zettel
Erzählungen aus dem Alltag
Stilzüge:
primär: Ungezwungenheit
sekundär:
Emotionalität (man drückt alle Gefühle aus, denn man fühlt sich ungezwungen);
Bildlichkeit (Tropen, aber keinesfalls als ein Merkmal der Poetizität, z. B.: Schaf, dummes! – als Ausdruck der Unzufriedenheit);
Bildhaftigkeit (Anschaulichkeit) neben der Konkretheit der Sprache. der Sender versucht das Wesentliche zu unterstreichen und das Gesprochene anschaulich darzustellen;
Nachlässigkeit (eine gewisse Nichtbeachtung der sprachlichen Norm);
Kürze (Sprachökonomie – aber nichts Gemeinsames mit der Kürze des Stils des offiziellen Verkehrs)
Sprachliche Realisierung:
phonetische Ebene:
viele Abweichungen von der Norm:
Assimilationen (ham wir = haben wir)
Zusammenziehungen (wenns, hats, vorm Haus)
Synkopen (fahrn, drin), Apokopen (sag'), Aphäresen ('raus), Elision (sag' ich)
lexische Ebene:
Wörter mit gesenkter Stilfärbung (umg, salopp und derb)
Vulgarismen, Argotismen, Jargonismen
Abtönungspartikeln (ja, aber, halt, mal), Interjektionen
Schwammwörter (Ding, Zeug, Sache, Spaß, machen, tun…)
Modewörter, Lieblingswörter, Flickwörter, Floskeln aller Art (sozusagen, na und, ja, mal)
Fremdwörter (besonders aus dem Engl.) in der Jugendsprache
Tropen, Epitheta, Vergleiche
ungenaue Bezeichnungen von Sachverhalten und Personen (irgendwer) sowie ungenaue Maß-, Mengen- und Zeitbezeichnungen (am Tage so und so)
Vagheitsindikatoren werden produziert, wenn man problemhafte Betrachtungen formuliert (denk ich mal, was weiß ich)
grammatische Ebene
Morphologie:
spezifische Mehrzahlformen (Jungs…)
eigenartige Deklinationsformen der Substantive („Vatern“, „Muttern“)
Artikel vor Personennamen
Verwechslung von Dativ und Akkusativ (Berlinisch)
Pronominaladverbien in Form „von was“ = wovon
Syntax:
Einfachsätze
parataktisches Nebeneinander
expressive Wortfolge
Ausrufesätze
Ellipse, Parenthese, Nachträge, Prolepse und andere Erscheinungsformen des Abweichens von syntaktischen Regeln
