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Vortrag 5: „Die Abwanderung von Fachkräften"

Es ist eine bekannte Tatsache, dass ausländische Arbeitnehmer in vielen Ländern zum Teil über viele Jahre in der Industrie oder in Dienstleistungsberufen tätig sind. Diese ausländischen Arbeitnehmer verlassen ihr Heimatland, um in einem anderen Land Arbeit zu finden und Geld zu verdienen. Bei diesem Personen­kreis handelt es sich in der Regel um ungelernte Ar­beitnehmer, die in unterschiedlichen Arbeitsfeldern eingesetzt werden können. Dass nun aber auch Fach­kräfte - also Facharbeiter und Wissenschaftler, vor al­lem Techniker, Ingenieure und Ärzte - aus den armen Ländern in die reichen Länder wandern, ist ein Phä­nomen, das sich in großem Umfang erst seit den 70er Jahren abzeichnet. Um diesen Personenkreis geht es in dem folgenden Vortrag.

Wir wollen zunächst nach Gründen fragen, die zu dieser Abwanderung von Fachkräften führen. Eine Ursache dürfte in der geringen Bezahlung in ihrem Heimatland liegen, eine andere in der Tatsache, dass es in der Heimat nur begrenzte Möglichkeiten für ein berufliches Fortkommen gibt. Es fehlt beispielsweise an Kapital zum Aufbau einer Firma, es fehlt an dem Markt für die hergestellten Produkte, und für Dienst­leistungen gibt es keine angemessene Bezahlung. Also machen sich Fachkräfte auf den Weg in reichere Län­der, wo sie ihre Talente besser einbringen können und mehr verdienen.

Ein weiterer wichtiger Grund für die Abwanderung ist in der Tatsache zu sehen, dass in einigen Entwick­lungsländern die Zahl der Hochschulabsolventen extrem gestiegen ist, denn viele sehen ihre einzige Berufschance in einem Hochschulstudium. Nach einer Studie der Vereinten Nationen produzieren einige Länder etwa fünf Mal so viel Akademiker wie das Land eigentlich braucht. In der Wirtschaft würde man in diesem Zusammenhang von einer Überpro­duktion sprechen.

Hinzu kommt noch, dass die Bildungssysteme der Entwicklungsländer oft nach den Anforderungsprofi­len der Industriegesellschaften ausgerichtet sind. Das heißt: Fachkräfte werden dann nicht für die lokalen Bedürfnisse ausgebildet, sondern nach dem Standard und somit für den Arbeitsmarkt der Industriestaaten.

Hier einige Beispiele aus dem Bereich des Gesund­heitswesens und der Technik: Anstelle der Behand­lung von Infektionskrankheiten und TVopenkrankhei- ten oder von Unfallopfern beschäftigen sich die zukünftigen Ärzte in der Ausbildung mit Krankheiten, die für die Bevölkerung der Industriestaaten typisch sind. Auch auf technischem Gebiet werden Fachleute nach internationalen Standards ausgebildet, für die in ihrer Heimat keine passenden Arbeitsplätze zur Verfü­gung stehen. In Ländern, in denen der Arbeitslohn sehr niedrig ist, ist der Bau einer computergesteuerten Produktionsstraße wenig sinnvoll. Ein Techniker wird somit die erlernten Steuerungs- und Kontrollfunktio­nen nicht wahrnehmen können und sich einen Arbeitsplatz suchen müssen, für den er dann über­qualifiziert ist.

Ein weiterer Grund für die Abwanderung von Fach­kräften, vor allem von Wissenschaftlern, könnte auch sein, dass die Staatsausgaben für Forschung und Ent­wicklung in vielen Ländern sehr niedrig sind. Aus dem

Weltbildungsbericht von 1993 geht hervor, dass in ei­ner Vielzahl vor. Entwicklungsländern weniger als ein Prozent der Haushaltsmittel für Forschung und Entwicklung bereitgestellt werden. Dagegen geben die USA über 40 Prozent und europäische Staaten über 20 Prozent ihrer Haushaltsmittel dafür aus. Das hat zur Folge, dass Wissenschaftler in die reicheren Län­der abwandern, um Forschung zu betreiben.

Den Nutzen aus dieser Situation haben die Industrieländer, denn beruflich qualifizierte Ein­wanderer sind nach wie vor gefragt. Zwischen 1960 und 1990 nahmen allein die USA und Kanada mehr als eine Million Immigranten aus Entwicklungslän­dern auf, die besondere berufliche Qualifikationen nachweisen konnten. Das bedeutet, dass Industrielän­der von einer hohen Zahl hochqualifizierter Fach­kräfte profitieren, ohne für deren Ausbildung etwas gezahlt zu haben.

Für die Entwicklungsländer dagegen bedeutet die Abwanderung von Fachkräften einen erheblichen Kapitalschwund. Wenn man davon ausgeht, dass mit jedem ausgebildeten Abwanderer eine Investition von 30 000 Mark verlorengeht, so verlieren nach Schät­zungen eines amerikanischen Instituts die Entwick­lungsländer eine jährliche Gesamtsumme von ca. zwei Milliarden Mark. Gewiss fließt ein Teil der Summe durch Zahlungen an das Heimatland wieder zurück, jedoch können diese Rücküberweisungen die Verluste nicht ausgleichen.

Lassen Sie uns abschließend Maßnahmen nennen, wie man diesem Trend der Abwanderung von Fach­kräften begegnen kann.

In dem bereits erwähnten Bericht der Vereinten Nationen wird die Forderung erhoben, die Industrie­länder sollten einen finanziellen Ausgleich an die Ent­wicklungsländer zahlen, wenn sie abgewanderte Fach­kräfte beschäftigen. An anderer Stelle wird der Vor­schlag gemacht, dass die aus Entwicklungsländern ab­gewanderten Fachkräfte eine Sondersteuer von zehn Prozent an ihr Heimatland zahlen sollten, womit ein gewisser Ausgleich geschaffen werden könnte.

Neben diesen finanziellen Überlegungen stehen dann Forderungen nach strukturellen, d.h. nach ge­sellschaftspolitischen und wirtschaftspolitischen Veränderungen in den Entwicklungsländern. Die wichtigste Forderung lautet: Die Entwicklungsländer müssen ihre Bildungssysteme stärker an den tatsächli­chen Erfordernissen ausrichten. Sie sollten den Bedürfnissen entsprechend den Inhalt der Ausbil­dungsgänge und damit auch der Berufe neu definie­ren.

Vor allem aber müssen Investitionen in Forschung und Bildung ermöglicht werden. Da die meisten Ent­wicklungsländer nicht über die finanziellen Mittel ver

-fügen, um Forschungszentren aufzubauen, sollten die Industrieländer beim Technologietransfer Hilfe leisten. Die Entwicklungsländer ihrerseits müssten ihre Infra­struktur verändern bzw. verbessern. Dadurch könnte ein besserer Zugang zu den internationalen Märkten geschaffen werden. All dies würde dazu führen, dass die Abwanderung von Fachkräften rückläufig wird und mittelfristig eine Trendwende zugunsten der Ent­wicklungsländer einsetzt.

Übrigens existiert im Deutschen kein sprachlicher Begriff für diese Abwanderung von Fachkräften. Im Amerikanischen hingegen wird diese Tatsache „Brain- Drain" genannt. Diese Bezeichnung setzt sich zusam­men aus den beiden Nomen „brain" = Gehirn, Ver­stand, Intelligenz und „drain" = Abwanderung. Wahr­scheinlich wird dieser Begriff „Brain-Drain" nun als Fremdwort in die deutsche Sprache eingehen.

(von Dietrich Eggers

)4,2 Lösungsschlüssel

3.1 Verstehen und Verarbeiten eines Hörtexte

sIm Lösungsschlüssel finden Sie Lösungsvorschläge und Lösungen zu den Prüfungsbeispielen

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