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Vortrag 4: „Was ist Blut?"

Alle Wirbeltiere - das sind die Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Vögel und Fische -, alle Wirbeltiere besit­zen ein gut ausgebautes Netz von „Röhrchen", durch die Blut fließt. Damit das Blut in ausreichender Ge­schwindigkeit fließt, wird es von einer Pumpe ange­trieben, dem Herzen. Zusammen mit dem Herzen bil­den die Blutbahnen das Kreislaufsystem. Welche Aufgaben hat nun das Blut?

Es ist vor allem ein Transportsystem, das dafür sorgt, dass alle Teile des Körpers mit den lebensnotwendigen Substanzen versorgt werden. An erster Stelle steht da­bei die Versorgung mit Sauerstoff. Das Blut transpor­tiert den frischen Sauerstoff in alle Körperregionen und auf dem Rückweg nimmt es das Abfallprodukt Kohlendioxid (COz) mit, das dann über die Atmung ausgeschieden wird. Neben dem 'IVansport des Sauer­stoffs werden alle Stoffe aus der Nahrung an ihren Be­stimmungsort gebracht, z.B. die Vitamine. Die Abfall­produkte werden auf dem Rückweg mitgenommen und zu verschiedenen Organen gebracht, wo sie dann ausgeschieden werden. Das Blut sorgt zudem für die Verteilung der Hormone, die in verschiedenen Drüsen produziert werden und die verschiedene Körperfunk­tionen steuern und überwachen.

Neben dieser wichtigsten Funktion des Blutes, näm­lich dem Transport lebensnotwendiger Substanzen, ist das Blut sozusagen die „Polizei" im Körper, d.h., es wehrt fremde Eindringlinge, also Krankheitserreger, ab und vernichtet sie. Hierzu werde ich später noch Ge­naueres sagen.

Schließlich hat der Blutkreislauf noch eine dritte wichtige Aufgabe. Er sorgt für ausreichende Wärme. Hier müssen wir aber unterscheiden:

Amphibien, Reptilien und Fische besitzen keine gleich bleibende Körpertemperatur. Man nennt sie auch Kaltblüter. Das bedeutet, wenn die Außentempe­raturen steigen, dann steigt auch die Körpertempera­tur des Tieres. Sinken die Außentemperaturen, dann fällt die Körpertemperatur. Dies kann dazu führen, dass manche dieser Kaltblüter bei niedrigen Tempe­raturen fast in eine völlige Starre, also in Unbeweg- lichkeit, verfallen; dadurch verlangsamen sich auch die Körper- unc Stoffwechselfunktionen und die Tiere überstehen längere Kälteperioden. Bei wärmeren Außentemperaturen steigen die Körperfunktionen an und die Tiere werden wieder bewegungsfähig. Dies ist auch der Grund dafür, dass Kaltblüter oft die Sonne suchen, um ihre Körpertemperatur und so ihre Kör­perfunktionen zu aktivieren bzw. zu steigern.

Höhere Tiere: nämlich die Vögel, alle Säugetiere und natürlich der Mensch, sind so genannte Warmblü­ter. Sie haben bzw. sie brauchen eine gleich bleibende Körpertemperatur, die beim Menschen ca. 37° C be­trägt. Sinkt oder steigt die Körpertemperatur nur um wenige Grade, so kann dies lebensbedrohlich werden. Um eine gleich bleibende Temperatur zu erhalten, gibt es verschiedene Temperaturregelungsmechanismen, beim Menschen z.B. das Schwitzen bei sommerlich heißen Temperaturen, was für eine Abkühlung der Haut sorgt.

Wir wollen uns nun genauer anschauen, was Blut eigentlich ist, woraus es zusammengesetzt ist. Verein­tacht gesagt: Blut besteht zum einen aus Plasma, zum anderen aus verschiedenen Zellteilchen. Plasma ist eine gelbliche Flüssigkeit aus dem Hauptbestandteil Wasser, dazu kommen verschiedene Mineralsalze und andere chemische Substanzen.

Etwas näher möchten wir uns mit den Zellteilchen beschäftigen. Wichtigster Baustein im Plasma sind die roten Blutkörperchen (Erythrocyten). Sie besitzen kei­nen eigenen Zellkern, können sich nicht vermehren und werden daher in der Rege) auch nicht als lebende Zellen angesehen. Die roten Blutkörperchen sind dehnbar und elastisch und sie sehen wie flache Scheibchen aus mit einer Vertiefung in der Mitte an der Ober- und der Unterseite. Solch ein rotes Blutkör­perchen zerfällt nach ca. 50 bis 100 Tagen. Wir Men­schen besitzen eine ungeheure Menge an roten Blut­körperchen, ca. 25 Billionen. Da sie sich nach einer relativ kurzen Dauer zersetzen, bilden wir in jeder Mi­nute, ja in jeder Sekunde Millionen neuer roter Blut­körperchen. Diese roten Blutkörperchen sind für den Transport des Sauerstoffs und den Abtransport des Kohlendioxids zuständig; die roten Blutkörperchen bringen also den Sauerstoff in alle Körperregionen.

Die weißen Blutkörperchen (I^ukocyten) bilden ei­nen weiteren wichtigen Bestandteil des Blutes. Sie sind größer als die roten Blutkörperchen und ihre An­zahl ist auch wesentlich geringer als die der roten Blutkörperchen. In Ruheposition haben sie eine kugelförmige Gestalt, aber sie sind sehr elastisch. Sie verfügen über einen hoch entwickelten Zellaufbau, besitzen einen Zellkern und können sich mit Hilfe kleiner Füßchen frei bewegen. Weiße Blutkörperchen werden als lebende Zellen angesehen. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, Bakterien und andere Fremdkörper aufzufressen, zu vernichten. Deshalb verfügen wir, wenn wir krank sind, über eine größere Menge weißer Blutkörperchen, denn das Eindringen von Krankheits­erregern in den Körper regt die Produktion von weißen Blutkörperchen an.

Ein dritter Bestandteil im Blut sind die Blutplätt­chen (Thrombocyten). Sie leben nur etwa ein bis zwei Tage und spielen eine wichtige Rolle bei Verletzungen: Zusammen mit den roten Blutkörperchen bilden sie Pfropfe - wir können uns das etwa vorstellen wie einen Korken, mit dem wir eine Flasche verschließen -, um den Blutstrom nach außen zu stoppen und das Blut in

die Blutbahnen zurückzudrängen und um Bakterien, die mit der Luft eindringen, einzufangen.

Dies war nur ein sehr grober Aufriss der wichtigsten Bestandteile und Aufgaben des Blutes. Wichtig sind aber genauere Kenntnisse über die Blutzusammenset­zung z.B. bei Transfusionen. Eine Bluttransfusion ist häufig eine lebensrettende Maßnahme, wenn es bei Unfällen oder bei Operationen zu lebensgefährlichen Blutverlusten kommt. Dabei müssen aber die verschie­denen Blutgruppen und die Verträglichkeit der Blut­gruppen untereinander beachtet werden. Wir unter­scheiden zunächst vier verschiedene Blutgruppen: Das sind die Blutgruppen 0, A, B und AB. So können zwar alle Menschen - also auch solche mit der Blutgruppe A, B und AB - Blut der Blutgruppe 0 erhalten, Men­schen mit der Blutgruppe 0 dürfen aber nur das Blut von Blutgruppe 0 erhalten, nicht das Blut von den Blutgruppen A, B und AB, um nur ein Beispiel zu nennen. Zudem fehlt bei etwa 15 % aller Menschen ein Protein im Blut, das den Blutfaktor bestimmt, diese Menschen haben dann den Rhesusfaktor nega­tiv. Menschen, bei denen sich dieses Protein im Blut befindet, haben den Rhesusfaktor positiv. Werden die Verträglichkeiten der Blutgruppen untereinander bei Transfusionen missachtet, kann dies tödliche Folgen haben.

Fassen wir also zusammen:

Alle Wirbeltiere besitzen ein geschlossenes Kreis­laufsystem, durch das Blut fließt. Säugetiere, Vögel und auch der Mensch sind so genannte Warmblüter, das Blut sorgt also für eine gleich bleibende Körper­temperatur. Das Blut bildet ein weit verzweigtes Trans­portsystem, so dass alle Regionen des Körpers mit not­wendigen Substanzen wie Sauerstoff, Nährstoffen u.a. versorgt werden können. Das Blut besteht aus Plasma, roten und weißen Blutkörperchen und den Blutplätt­chen. Es enthält zudem Salze und Hormone. Das Blut hält Eindringlinge vom Körper fern bzw. vernichtet sie. Die Blutplättchen sorgen dafür, dass der Blut­verlust bei Verletzungen nicht zu groß ist.

(von Claudia Wiemer)

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