Добавил:
ivanov666
Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз:
Предмет:
Файл:Kant. Aphorismen
.pdf
Persönlichkeit und Philosophie
Es kann einem Philosophen nichts erwünschter
sein, als wenn er das Mannigfaltige der Begriffe oder
Grundsätze, die sich ihm vorher durch den Gebrauch,
den er von ihnen in concreto gemacht hatte, zerstreut
dargestellt hatten, aus einem Princip a priori ableiten
und alles auf solche Weise in eine Erkenntniß vereinigen kann.
Zu einem Philosophen gehören hauptsächlich zwei
Dinge: 1) Cultur des Talents und der Geschicklichkeit,
um sie zu allerlei Zwecken zu gebrauchen. 2) Fertigkeit
im Gebrauch aller Mittel zu beliebigen Zwecken.
Consequent zu sein, ist die größte Obliegenheit eines Philosophen und wird doch am seltensten angetroffen.
VII
VIII
IX
11

Kant. Aphorismen
Über Königsberg
Eine große Stadt, der Mittelpunkt eines Reichs, in
welchem sich die Landescollegia der Regierung desselben befinden, die eine Universität (zur Cultur der Wissenschaften) und dabei noch die Lage zum Seehandel
hat, welche durch Flüsse aus dem Inneren des Landes
sowohl, als auch mit angränzenden entlegenen Ländern
von verschiedenen Sprachen und Sitten einen Verkehr
begünstigt, — eine solche Stadt, wie etwa Königsberg
am Pregelflusse, kann schon für einen schicklichen Platz
zu Erweiterung sowohl der Menschenkenntniß als auch
der Weltkenntniß genommen warden…
12

WAS KANN ICH WISSEN?

Kant. Aphorismen
14

Was kann ich wissen?
Über die Vernunft und den Verstand
I
…daß es zwei Stämme der menschlichen Erkenntniß
gebe, die vielleicht aus einer gemeinschaftlichen, aber
uns unbekannten Wurzel entspringen, nämlich Sinnlichkeit und Verstand, durch deren ersteren uns Gegenstände
gegeben, durch den zweiten aber gedacht werden.
II
Wollen wir die Receptivität unseres Gemüths, Vorstellungen zu empfangen, so fern es auf irgend eine Weise afficirt wird, Sinnlichkeit nennen: so ist dagegen das
Vermögen, Vorstellungen selbst hervorzubringen, oder
die Spontaneität des Erkenntnisses der Verstand.
the understanding.
III
Alle unsere Erkenntniß hebt von den Sinnen an, geht
von da zum Verstande und endigt bei der Vernunft, über
welche nichts Höheres in uns angetroffen wird, den Stoff
der Anschauung zu bearbeiten und unter die höchste
Einheit des Denkens zu bringen.
15

Kant. Aphorismen
Die Vernunft in einem Geschöpfe ist ein Vermögen,
die Regeln und Absichten des Gebrauchs aller seiner
Kräfte weit über den Naturinstinct zu erweitern, und
kennt keine Grenzen ihrer Entwürfe.
Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne
Begriffe sind blind.
Der Verstand schöpft seine Gesetze (a priori) nicht
aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor.
Sie [Naturforscher] begriffen, daß die Vernunft nur
das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt, daß sie mit Principien ihrer Urtheile nach
beständigen Gesetzen vorangehen und die Natur nöthigen müsse auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber sich
von ihr allein gleichsam am Leitbande gängeln lassen
müsse…
IV
V
VI
VII
16

Was kann ich wissen?
Ein richtiger Verstand ist der: welcher nicht sowohl
durch Vielheit der Begriffe schimmernd ist, als vielmehr
durch Angemessenheit derselben zur Erkenntniß des
Gegenstandes, also zur Auffassung der Wahrheit das
Vermögen und die Fertigkeit enthält.
VIII
Über Wahrheit und Irrtum
Die alte und berühmte Frage, womit man die Logiker
in die Enge zu treiben vermeinte und sie dahin zu bringen suchte, daß sie sich entweder auf einer elenden Diallele mußten betreffen lassen, oder ihre Unwissenheit,
mithin die Eitelkeit ihrer ganzen Kunst bekennen sollten,
ist diese: Was ist Wahrheit?
Denn Wahrheit oder Schein sind nicht im Gegenstande,
so fern er angeschaut wird, sondern im Urtheile über
denselben, so fern er gedacht wird. Man kann also zwar
richtig sagen, daß die Sinne nicht irren, aber nicht darum, weil sie jederzeit richtig urtheilen, sondern weil sie gar
nicht urtheilen.
I
II
17

Kant. Aphorismen
…daß der Irrthum nur durch den unbemerkten Einfluß der Sinnlichkeit auf den Verstand bewirkt werde,
wodurch es geschieht, daß die subjectiven Gründe des
Urtheils mit den objectiven zusammenfließen und
diese von ihrer Bestimmung abweichend machen; so
wie ein bewegter Körper zwar für sich jederzeit die
gerade Linie in derselben Richtung halten würde, die
aber, wenn eine andere Kraft nach einer andern Richtung zugleich auf ihn einfließt, in krummlinige Bewegung ausschlägt.
…so scheint es uns doch nicht genug, sich bloß dasjenige vortragen zu lassen, was wahr ist, sondern was
man zu wissen begehrt.
Die Warheit ist nicht die Hauptvollkommenheit des
gesellschaftlichen Lebens: der schöne Schein treibt es
hier so wie in der Malerei viel weiter.
III
IV
V
18

Was kann ich wissen?
Über die Natur
Alles in der Natur, sowohl in der leblosen als auch in
der belebten Welt, geschieht nach Regeln, ob wir gleich
diese Regeln nicht immer kennen. — Das Wasser fällt
nach Gesetzen der Schwere, und bei den Thieren geschieht die Bewegung des Gehens auch nach Regeln.
Der Fisch im Wasser, der Vogel in der Luft bewegt sich
nach Regeln. Die ganze Natur überhaupt ist eigentlich
nichts anders als ein Zusammenhang von Erscheinungen
nach Regeln; und es giebt überall keine Regellosigkeit.
Dagegen versteht man unter Natur… den Inbegriff
der Erscheinungen, so fern diese vermöge eines innern
Princips der Causalität durchgängig zusammenhängen.
Denn wir haben es nicht mit der Natur der Dinge an
sich selbst zu thun, die ist sowohl von Bedingungen unserer
Sinnlichkeit als des Verstandes unabhängig, sondern mit
der Natur als einem Gegenstande möglicher Erfahrung…
I
II
III
19

Kant. Aphorismen
…die Natur muß folglich auch so gedacht werden
können, daß die Gesetzmäßigkeit ihrer Form wenigstens
zur Möglichkeit der in ihr zu bewirkenden Zwecke nach
Freiheitsgesetzen zusammenstimme.
IV
Über die Dinge an sich
Wir haben also sagen wollen: daß alle unsre Anschauung nichts als die Vorstellung von Erscheinung
sei; daß die Dinge, die wir anschauen, nicht das an sich
selbst sind, wofür wir sie anschauen, noch ihre Verhältnisse so an sich selbst beschaffen sind, als sie uns
erscheinen, und daß, wenn wir unser Subject oder auch
nur die subjective Beschaffenheit der Sinne überhaupt
aufheben, alle die Beschaffenheit, alle Verhältnisse der
Objecte im Raum und Zeit, ja selbst Raum und Zeit
verschwinden würden und als Erscheinungen nicht an
sich selbst, sondern nur in uns existiren können. Was es
für eine Bewandtniß mit den Gegenständen an sich und
abgesondert von aller dieser Receptivität unserer Sinnlichkeit haben möge, bleibt uns gänzlich unbekannt.
I
20
Соседние файлы в предмете [НЕСОРТИРОВАННОЕ]
