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Kant. Aphorismen

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Persönlichkeit und Philosophie
Es kann einem Philosophen nichts erwünschter sein, als wenn er das Mannigfaltige der Begriffe oder Grundsätze, die sich ihm vorher durch den Gebrauch, den er von ihnen in concreto gemacht hatte, zerstreut dargestellt hatten, aus einem Princip a priori ableiten und alles auf solche Weise in eine Erkenntniß vereini­gen kann.
Zu einem Philosophen gehören hauptsächlich zwei Dinge: 1) Cultur des Talents und der Geschicklichkeit, um sie zu allerlei Zwecken zu gebrauchen. 2) Fertigkeit im Gebrauch aller Mittel zu beliebigen Zwecken.
Consequent zu sein, ist die größte Obliegenheit ei­nes Philosophen und wird doch am seltensten angetrof­fen.
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Kant. Aphorismen
Über Königsberg
Eine große Stadt, der Mittelpunkt eines Reichs, in welchem sich die Landescollegia der Regierung dessel­ben befinden, die eine Universität (zur Cultur der Wis­senschaften) und dabei noch die Lage zum Seehandel hat, welche durch Flüsse aus dem Inneren des Landes sowohl, als auch mit angränzenden entlegenen Ländern von verschiedenen Sprachen und Sitten einen Verkehr begünstigt, — eine solche Stadt, wie etwa Königsberg am Pregelflusse, kann schon für einen schicklichen Platz zu Erweiterung sowohl der Menschenkenntniß als auch der Weltkenntniß genommen warden…
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WAS KANN ICH WISSEN?
Kant. Aphorismen
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Was kann ich wissen?
Über die Vernunft und den Verstand
I
…daß es zwei Stämme der menschlichen Erkenntniß gebe, die vielleicht aus einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel entspringen, nämlich Sinnlich­keit und Verstand, durch deren ersteren uns Gegenstände gegeben, durch den zweiten aber gedacht werden.
II
Wollen wir die Receptivität unseres Gemüths, Vor­stellungen zu empfangen, so fern es auf irgend eine Wei­se afficirt wird, Sinnlichkeit nennen: so ist dagegen das Vermögen, Vorstellungen selbst hervorzubringen, oder die Spontaneität des Erkenntnisses der Verstand.
the understanding.
III
Alle unsere Erkenntniß hebt von den Sinnen an, geht von da zum Verstande und endigt bei der Vernunft, über welche nichts Höheres in uns angetroffen wird, den Stoff der Anschauung zu bearbeiten und unter die höchste Einheit des Denkens zu bringen.
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Kant. Aphorismen
Die Vernunft in einem Geschöpfe ist ein Vermögen, die Regeln und Absichten des Gebrauchs aller seiner Kräfte weit über den Naturinstinct zu erweitern, und kennt keine Grenzen ihrer Entwürfe.
Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.
Der Verstand schöpft seine Gesetze (a priori) nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor.
Sie [Naturforscher] begriffen, daß die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe her­vorbringt, daß sie mit Principien ihrer Urtheile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die Natur nöthi­gen müsse auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber sich von ihr allein gleichsam am Leitbande gängeln lassen müsse…
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Was kann ich wissen?
Ein richtiger Verstand ist der: welcher nicht sowohl durch Vielheit der Begriffe schimmernd ist, als vielmehr durch Angemessenheit derselben zur Erkenntniß des Gegenstandes, also zur Auffassung der Wahrheit das Vermögen und die Fertigkeit enthält.
VIII
Über Wahrheit und Irrtum
Die alte und berühmte Frage, womit man die Logiker in die Enge zu treiben vermeinte und sie dahin zu brin­gen suchte, daß sie sich entweder auf einer elenden Dial­lele mußten betreffen lassen, oder ihre Unwissenheit, mithin die Eitelkeit ihrer ganzen Kunst bekennen sollten, ist diese: Was ist Wahrheit?
Denn Wahrheit oder Schein sind nicht im Gegenstande, so fern er angeschaut wird, sondern im Urtheile über denselben, so fern er gedacht wird. Man kann also zwar richtig sagen, daß die Sinne nicht irren, aber nicht dar­um, weil sie jederzeit richtig urtheilen, sondern weil sie gar nicht urtheilen.
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II
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Kant. Aphorismen
…daß der Irrthum nur durch den unbemerkten Ein­fluß der Sinnlichkeit auf den Verstand bewirkt werde, wodurch es geschieht, daß die subjectiven Gründe des Urtheils mit den objectiven zusammenfließen und diese von ihrer Bestimmung abweichend machen; so wie ein bewegter Körper zwar für sich jederzeit die gerade Linie in derselben Richtung halten würde, die aber, wenn eine andere Kraft nach einer andern Rich­tung zugleich auf ihn einfließt, in krummlinige Bewe­gung ausschlägt.
…so scheint es uns doch nicht genug, sich bloß das­jenige vortragen zu lassen, was wahr ist, sondern was man zu wissen begehrt.
Die Warheit ist nicht die Hauptvollkommenheit des gesellschaftlichen Lebens: der schöne Schein treibt es hier so wie in der Malerei viel weiter.
III
IV
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Was kann ich wissen?
Über die Natur
Alles in der Natur, sowohl in der leblosen als auch in der belebten Welt, geschieht nach Regeln, ob wir gleich diese Regeln nicht immer kennen. — Das Wasser fällt nach Gesetzen der Schwere, und bei den Thieren ge­schieht die Bewegung des Gehens auch nach Regeln. Der Fisch im Wasser, der Vogel in der Luft bewegt sich nach Regeln. Die ganze Natur überhaupt ist eigentlich nichts anders als ein Zusammenhang von Erscheinungen nach Regeln; und es giebt überall keine Regellosigkeit.
Dagegen versteht man unter Natur… den Inbegriff der Erscheinungen, so fern diese vermöge eines innern Princips der Causalität durchgängig zusammenhängen.
Denn wir haben es nicht mit der Natur der Dinge an sich selbst zu thun, die ist sowohl von Bedingungen unserer Sinnlichkeit als des Verstandes unabhängig, sondern mit der Natur als einem Gegenstande möglicher Erfahrung…
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II
III
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Kant. Aphorismen
…die Natur muß folglich auch so gedacht werden können, daß die Gesetzmäßigkeit ihrer Form wenigstens zur Möglichkeit der in ihr zu bewirkenden Zwecke nach Freiheitsgesetzen zusammenstimme.
IV
Über die Dinge an sich
Wir haben also sagen wollen: daß alle unsre An­schauung nichts als die Vorstellung von Erscheinung sei; daß die Dinge, die wir anschauen, nicht das an sich selbst sind, wofür wir sie anschauen, noch ihre Ver­hältnisse so an sich selbst beschaffen sind, als sie uns erscheinen, und daß, wenn wir unser Subject oder auch nur die subjective Beschaffenheit der Sinne überhaupt aufheben, alle die Beschaffenheit, alle Verhältnisse der Objecte im Raum und Zeit, ja selbst Raum und Zeit verschwinden würden und als Erscheinungen nicht an sich selbst, sondern nur in uns existiren können. Was es für eine Bewandtniß mit den Gegenständen an sich und abgesondert von aller dieser Receptivität unserer Sinn­lichkeit haben möge, bleibt uns gänzlich unbekannt.
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