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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

 

 

 

.. Tab. 10.33  Neoplasiehäufigkeit bei AAV

 

 

 

 

SIR

Konfidenzbereich

Entität

2,41

(0,66–6,17)

Blasen-Karzinom

3,23

(0,39–11,65)

Leukämie

1,11

(0,03–6,19)

Lymphom

2,78

(1,56–4,59)

Hautkarzinom (kein Melanom)

1,58

(1,17–2,08)

Alle AAV Patienten

1,92

(1,31–2,71)

Für GPA

1,2

(0,71–1,89)

Für MPA

Akne, Haarausfall, opportunistische Infektionen, Mundgeschwüre und schnelle Ermüdbarkeit an.

10.16Medikamenten-induzierte Uveitis

(engl. drug-induced uveitis)

T. Schlote

-Toxische Effekte Idiosynkratische Prozesse

Auslösung systemischer Krankheitsbilder mit einer

-Uveitis als Teilmanifestation

Melanin-assoziierte Mechanismen und Arzneimittel- interaktionenReaktivierung latenter Infektionen

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10.16.1 Definition und Einteilung

 

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Die Medikamenten-induzierte Uveitis ist eine uner-

wünschte Arzneimittelwirkung, die definitionsgemäß

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durch die bestimmungsgerechte Einnahme eines Arznei-

mittels hervorgerufen wird (.Tab.10.34). Es gibt keine

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gesonderte Klassifikation.

 

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10.16.2 Epidemiologie

 

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Zusammenfassende Daten zur Prävalenz und Inzidenz

der Medikamenten-induzierten Uveitis liegen nicht vor.

 

Insgesamt handelt es sich aber um seltene Ereignisse, die

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im Einzelfall häufig hinsichtlich des kausalen Zusam-

menhangs nicht abschließend geklärt sind. Die häufigste

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Medikamenten-induzierte Uveitisform ist die Uveitis an-

terior.

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10.16.3 Ätiologie und Pathogenese

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Über die Ätiologie und Pathogenese der Medikamen-

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ten-induzierten Uveitis ist wenig bekannt. Es ist anzu-

nehmen, dass es angesichts der pharmakologisch sehr

 

unterschiedlichen Arzneimittel, die diese Reaktion

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auszulösen vermögen, auch eine Reihe verschiedener

pathogenetischer Abläufe gibt. Zu den möglichen Ur-

 

 

sachen gehören:

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-Immunkomplex-Mechanismen

10.16.4 Klinik

Die Klinik kann an sich nur im Zusammenhang mit dem jeweiligen Arzneimittel beschrieben werden. Betrachtet man alle Medikamenten-bedingten Uveitiden gemeinsam, fällt allerdings auf, dass es sich zumeist um eine nicht-fibrinogene, mäßiggradige, nicht-granulomatöse Iritis handelt. Möglicherweise kommt es auch häufiger zu einem Makulaödem, als bei anderen Formen der Uveitis anterior. Neben der Uveitis anterior sind deutlich seltener auch eine retinale Vaskulitis bis Panuveitis beschrieben worden. Die sonst eher milde Uveitis anterior ist bei einzelnen Arzneimitteln auch als aggressiver bis hin zur Hypopioniritis beschrieben worden. Letztlich ist bei Auftreten einer Uveitis unklarer Genese immer auch die Medikamentenanamnese von Bedeutung und sollte hinsichtlich eines möglichen Zusammenhang geprüft werden.

>> Die akute Iritis ist die häufigste Form der Arzneimit- tel-induzierten Uveitis.

Uveitis nach lokaler Arzneimittelgabe (Ophthalmika)

Brimonidin

Der selektive Alpha-2-Rezeptoragonist Brimonidin vermindert den Augendruck durch Reduktion der Kammerwasserproduktion und durch einen Anstieg des uveoskleralen Abflusses. Zu den seltenen Nebenwirkungen eine

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10.16  •  Medikamenten-induzierte Uveitis (engl. drug-induced uveitis)

Wichtige Seiten auf einen Blick

Arbeitskreis Vaskulitis der Patienten-Selbsthilfegruppe

www.vaskulitis.org

Deutsche Rheumaliga

www.rheuma-liga.de

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie

www.dgrh.de

European Vasculitis Study Group (EUVAS)

www.vasculitis.org

European League against Rheumatism (EULAR)

www.eular.org

American College of Rheumatology

www.rheumatology.org

Vasculitis Clinical Research Consortium (VCRS)

www.rarediseasenetwork.epi.usf.edu/vcrc/index.htm

Brimonidin-Therapie scheint auch die Auslösung einer granulomatösen, anterioren Uveitis zu gehören (Becker et al. 2004, Nguyen et al. 2008, Byles et al. 2000). Die Uveitis anterior trat i. d. R. erst nach längerer Anwendung von Brimonidin (> 1 Jahr) auf und zeigte sich schnell regredient unter lokaler Kortikosteroidtherapie, nachdem die Brimonidintherapie ausgesetzt wurde. Bei den von Byles und Mitarbeitern (2000) beschriebenen 4 Patienten mit beidseitiger Uveitis unter beidseitiger Brimonidintherapie wurde Brimonidin nach Abklingen der Uveitis an einem Auge erneut appliziert („rechallenge“). Es kam an diesem, erneut behandelten Augen innerhalb von 3 Wochen zu einem Uveitisrezidiv.

5-Fluorouracil

5-Fluarouracil (5-FU) wird am Auge als „off-label use“ überwiegend postoperativ nach filtrierenden Glaukomoperationen angewendet. Dabei kann eine meist milde verlaufende, anteriore Uveitis ausgelöst werden.

In einer Untersuchung von 105 Patienten mit 5-FU Behandlung entwickelten 9 Patienten (8,6 %) eine anteriore Uveitis, 4 Patienten (3,8 %) eine bakterielle Endophthalmitis (Ticho und Ophir 1991). Die anteriore Uveitis war bei den Patienten dieser Studie in einem variablen Zeitraum zwischen dem 4. und 18. Monat postoperativ beobachtet worden. Eine andere Ursache für die anteriore Uveitis konnte nicht gefunden werden. Die Uveitis sprach bei allen Patienten gut auf topische Kortikosteroide und Antibiotika an, bei 3 Augen kam es später zum Rezidiv.

Metipranolol

Für den als Glaukommittel eingesetzten Betablocker Metipranolol sind bisher über 80 Patienten mit einer anterioren Uveitis nach Applikation beschrieben worden (Akingbehin und Villada 1991). Die Pathogenese ist nicht geklärt. Eine Uveitisanamnese wiesen die Patienten nicht auf. Die Uveitis trat häufig zwischen der ersten und vierten Therapiewoche auf. Die Inzidenz für die Auslösung einer Uveitis durch

Metipranolol 0,6 % wurde auf 3,8/1000, für Metipranolol 0,3 % auf 1,3/1000 geschätzt.

Klinisch zeigte sich ein Vorderkammerreizzustand mit kräftigen Endothelbeschlägen bei meist blassem äußeren Auge, in einigen Fällen kombiniert mit hinteren Synechien. Unter topischer Kortikosteroidgabe klang der Reiz innerhalb von 2 bis 4 Wochen ab und neigte nicht zu Rezidiven.

Metipranolol ist aufgrund dieser Ereignisse Anfang der 90iger Jahre in den USA zurückgezogen worden. In Deutschland sind bislang keine Uveitisfälle berichtet worden.

>> Bei der Therapie des inflammatorischen Glaukoms sollte Metipranolol aufgrund dieser Ereignisse vermieden werden.

Mitomycin C (MMC)

Mitomycin C, das intraoperativ im Rahmen der filtrierenden und teilweise auch nicht-filtrierenden Glaukomchirurgie eingesetzt wird, kann zu schweren intraokularen Reizzuständen führen. Meist handelt es sich um eine Endophthalmitis durch Sickerkisseninfiltration (Inzidenz 0,2–1,5 %) (Greenfield et al. 1996), die nicht selten in einer Hypotonie endet (Costa et al. 1993). Insbesondere bei kindlichem Glaukom (Trabekulektomie) scheint das Risiko hoch (8 %) (Beck et al. 1998). Die häufigsten Erreger sind

Streptococcus sanguis und Haemophilus influenzae (Greenfield et al. 1996). Auch wenn die entstehende Entzündung meist beherrscht werden kann, resultiert nicht selten eine dauerhafte Visusminderung.

Neben diesen infektiös bedingten Reizzuständen wurden vereinzelt auch andere Formen der Uveitis berichtet. Dabei mögen auch direkt toxische Einflüsse eine Rolle spielen. In einer Fallserie wurde über 4 Patienten mit rezidivierender anteriorer Uveitis nach Trabekulektomie mit MMC berichtet (Hamid et al. 2009). In allen Fällen war keine Uveitis vorbekannt und ließ sich keine infektiöse Ursache ausmachen. Mittels topischer und

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490 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

.. Tab. 10.34  Arzneimittel mit gesicherter oder möglicher Assoziation zur Induktion einer Uveitis Ophthalmika

Arzneimittel

Anmerkung

Brimonidin

 

5-Fluorouracil

Bei topischer Anwendung „off label“

Metipranolol

 

Mitomycin C

Bei topischer Anwendung „off label“

Prostaglandin-Analoga

Latanoprost, Bimatoprost, Travoprost

Systemisch eingesetzte Arzneimittel

 

Bisphosphonate

 

Chinin

Sehr fraglich

Cidofovir

 

Diäthylcarbamazin

 

Fluorochinolone

 

HAART (highly active anti-retroviral therapy)

 

Interferon alpha

 

Impfstoffe

BCG-Vakzine, FSME-Vakzine, Tuberkulinhauttest, Influenzavakzine,

 

Hepatitis B-Vakzine, Varizella-Zoster-Vakzine

Kortikosteroide

 

Orale Kontrazeptiva

Sehr fraglich

Rifabutin

 

Sulfonamide

 

TNF-alpha Inhibitoren

 

intravitrealer Kortikosteroidgabe ließ sich die Uveitis beherrschen.

In einer weiteren Fallserie wurde über 3 Patienten berichtet, die in einem variablen Zeitraum nach Trabekulektomie mit MMC eine herpetische Keratitis oder Keratouveitis entwickelten (Rao et al. 2009). Unter lokaler und systemischer Gabe von Aciclovir kam es zur Abheilung. Die Autoren vermuteten eine MMC-assoziierte Prädisposition.

Prostaglandin-Analoga

Unter dem Begriff der „Prostaglandin-Analoga“ werden antiglaukomatös wirksame Medikamente zusammengefasst, die pharmakologisch dem Prostaglandin-F2α verwandt sind und hauptsächlich den uveoskleralen Abfluss steigern. Zu den aktuell auf dem Markt befindlichen Arzneimitteln gehören Latanoprost, Bimatoprost, Travoprost und Tafluprost. Latanoprost ist das älteste dieser Arzneimittel und erhielt in den 90iger Jahren die Zulassung als Glaukommittel.

Die meisten Berichte zu einer möglichen Assoziation zwischen Prostaglandinanaloga und einer anterioren Uvei-

tis betreffen Latanoprost. Bei einer retrospektiven Untersuchung von 537 Krankengeschichten von Patienten, die mit Latanoprost behandelt wurden, zeigten 1 % (5 von 505) der Patienten ohne vorbekannte Uveitis eine Uveitis anterior, 23 % (3 von 13) der Patienten mit vorbekannter, aber inaktiver Uveitis ein Rezidiv und kein Patient (0 von 9) eine Verschlechterung einer aktiven Uveitis zum Behandlungsbeginn(Smith et al. 1999). In der letztgenannten Gruppe war allerdings kein drucksenkender Effekt von Latanoprost zu verzeichnen.

In einer anderen Fallserie bei 3 Patienten mit Uveitisassoziiertem Glaukom kam es innerhalb von 1 bis 2 Wochen nach Therapiebeginn mit Latanoprost zu einer Zunahme der Entzündungsaktivität und einem erhöhten Augeninnendruck (Sacca et al. 2001). Weitere Arbeiten haben ähnliche Beobachtungen dokumentiert.

Gerade Arbeiten der jüngeren Zeit kommen aber zu gegenteiligen Aussagen und Studienergebnissen. Chang und Mitarbeiter untersuchten 163 Augen von 84 Patienten mit einer Uveitis und erhöhtem Augendruck hinsichtlich der Entwicklung des Entzündungsreizes unter Latanoprost im Vergleich zu Patienten, die mit anderen Glaukommit-

10.16  •  Medikamenten-induzierte Uveitis (engl. drug-induced uveitis)

teln behandelt worden waren (Chang et al. 2008). Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit der anterioren Uveitis zwischen beiden Gruppen und auch kein Unterschied hinsichtlich der Entwicklung des Makulaödems. In einer weiteren, prospektiven Studie wurde die Wirksamkeit von Latanoprost im Vergleich zu Timolol/ Dorzolamid bei Patienten mit anteriorer oder intermediärer Uveitis und erhöhtem Augeninnendruck untersucht (Markomichelakis et al. 2009). Es ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen hinsichtlich des drucksenkenden Effektes und der Rezidivrate der Uveitis.

>> Prostaglandinanaloga als Glaukommittel können möglicherweise selten eine mild verlaufende Uveitis anterior reaktivieren oder auslösen. Die Prostaglandintherapie sollte in dieser Situation gestoppt werden.

Bei anderen Prostaglandinanaloga finden sich nur vereinzelt Berichte über die mögliche Auslösung einer Uveitis. Bezüglich Bimatoprost finden sich 2 Fallberichte über eine nicht-granulomatöse bzw. granulomatöse Uveitis anterior, die in beiden Fällen nach Aussetzen der Bimatoprosttherapie schnell abklang (Parentin et al. 2003, Packer et al. 2003). Hinzu kommt ein Fallbericht einer beidseitigen, granulomatösen Uveitis anterior unter Travoprost (Chiam 2011). Bei einem erneuten Ansetzen von Travoprost an einem Auge kam es dort erneut zum Rezidiv. Für Tafluprost liegen bislang keine Berichte vor.

Unabhängig von der Kausalität zeigte sich die Uveitis anterior eher milde. Nach Absetzen des Prostaglandinanalogons war ein schneller Rückgang der Entzündungsaktivität bei zusätzlicher lokaler Kortikosteroidgabe zu verzeichnen (  Abschn.9.16.4, Bisphophonate). Insgesamt kann hinsichtlich der Kausalität einer Prostaglandin-in- duzierten Uveitis anterior von einem möglichen, aber nicht gesicherten Zusammenhang gesprochen werden. Entgegen der früheren Einschätzung ist der Einsatz von Prostaglandinanaloga beim Uveitis-assoziierten Glaukom nicht prinzipiell auszuschließen und scheint auch im Durchschnitt mit einer guten Wirksamkeit verbunden zu sein (Horsley und Chen 2011). Da der Zusammenhang zur Uveitis auch nicht ausgeschlossen ist, sollten Prostaglandinanaloga bei Uveitis-assoziiertem Glaukom als Mittel zweiter Wahl betrachtet werden. Ihre Wirksamkeit sollte kritisch beurteilt werden.

>> Topische Prostaglandine sollten beim Uveitis-asso- ziierten Glaukom als Mittel zweiter Wahl betrachtet werden.

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>> Prostaglandinanaloga können Herpesviren reaktivieren, sodass sie bei virusinduzierter Uveitis/Keratitis nicht indiziert erscheinen.

Uveitis nach systemischer Arzneimittelgabe

Bisphosphonate

Bisphosphonate sind Osteolysehemmstoffe, die oral oder intravenös zur Therapie der tumorinduzierten Hyperkalzämie, Osteoporosebehandlung und bei der Pagetkrankheit eingesetzt werden. Die häufigste okuläre Nebenwirkung ist eine wahrscheinlich toxisch bedingte Konjunktivitis bei bis zu 30 % der Patienten (Schlote 2011).

Wesentlich seltener kann es auch zu einer Uveitis anterior, Skleritis und Episkleritis kommen. Eine Uveitis anterior ist praktisch für alle Bisphosphonate beschrieben.

Insgesamt sind Uveitis und Skleritis seltene Ereignisse nach Bisphosphonatgabe. In einer retrospektiven Kohortenstudie an 934.147 Einwohnern von British Colombia, die zwischen 2000 und 2007 augenärztlich untersucht wurden, befanden sich 10.827 Patienten mit oraler Biphospha- nat-Einnahme (Etminan et al. 2012). Bei diesen betrug die Inzidenz einer Uveitis 29/10.000 Personen/Jahr. Bei den Einwohnern ohne orale Biphosphonate betrug die Inzidenz 20/10.000 Personen/Jahr, sodass sich das erhöhte Risiko für eine Uveitis bestätigte. In einer weiteren epidemiologischen Studie ließ sich kein Unterschied hinsichtlich der Häufigkeit einer Uveitis anterior in Abhängigkeit von der Art der Applikation (oral oder parenteral) nachweisen (French 8 und Margo 2008). Das scheint auch für die Grunderkrankung und Bisphosphonatdosis der Fall zu sein.

>> Bisphosphonate können entzündliche Veränderungen, wie Konjunktivitis, Skleritis, Episkleritis und Uveitis anterior, auslösen. Der kausale Zusammenhang wird als gesichert eingeschätzt.

Die Pathogenese der Bisphosphonat-induzierten Uveitis ist nicht klar. Diskutiert werden eine Bildung von Immunkomplexen und idiosynkratische Prozesse.

Die Uveitis anterior kann einoder beidseitig auftreten, akut in der Manifestation (rotes, schmerzhaftes Auge), aber milde im Verlauf. Sie kann sich bereits 24–48 Stunden nach Therapiebeginn mit Bisphsophonaten entwickeln. Vereinzelt sind auch schwerere Verläufe dokumentiert. Sehr selten scheint auch eine Panuveitis (beschrieben für Alendronsäure) oder Uveitis posterior (beschrieben für Pamidronsäure) möglich zu sein (Asenso Sanchez et al. 2004, Haverbeke et al. 2003). Bemerkenswert ist der Fall einer bilateralen, schweren, fibrinösen Uveitis, die sich bei einem Patienten mit Latanoprost nach Infusionstherapie mit Pamidronsäure entwickelte (Ramasamy et al. 2007). Latanoprost wurde ausgesetzt und eine lokale und systemische Kortikosteroidtherapie durchgeführt. Nachdem Latanop-

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492 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

rost wieder angesetzt wurde, kam es zum Uveitisrezidiv, sodass hier der Verdacht auf eine Arzneimittelinteraktion gegeben ist.

Die Therapie der Bisphosphonat-induzierten Uveitis anterior besteht im Absetzen des auslösenden Bisphophonats und einer lokalen Therapie mit Kortikosteroiden und Zykloplegika. Bei schwereren Verläufen kann auch eine systemische Kortikosteroigabe notwendig werden. Nach Abklingen der Uveitis muss auf individueller Basis entschieden werden, ob die Therapie mit dem Bisphosphonat wieder aufgenommen werden sollte. In diesem Fall sind Rezidive der Uveitis möglich. Alternativ kann auch ein anderes Bisphosphonat – ggf. mit Kortisonprophylaxe – zum Einsatz kommen. Ein Rezidiv der Uveitis ist aber auch dann nicht auszuschließen.

Chinin

Eine anteriore Uveitis ist nur sehr vereinzelt im Zusammenhang mit einer Chinintherapie beschrieben worden (Hustead 1991, Spitzberg 1979). Unter topischer Kortikosteroidtherapie kam es zum folgenlosen Abheilen der Uveitis. Unklar bleibt bei diesen seltenen Fällen, ob der Uveitis nicht andere Ursachen zugrunde lagen.

Cidofovir

Cidofovir ist in der Bundesrepublik Deutschland zur intravenösen Behandlung der Cytomegalievirus-(CMV)-Re- tinitis bei Erwachsenen mit AIDS und ohne renale Dysfunktion zugelassen. Die Anwendung darf nur erfolgen, wenn andere Substanzen ungeeignet erscheinen. Cidofovir wurde zeitweise auch intravitreal bei AIDS Patienten mit CMV Retinitis eingesetzt, gehört aber heute nicht mehr zu den empfohlenen Virustatika (Zierhut 2010). Für beide Darreichungsformen ist die Auslösung einer Uveitis anterior beschrieben. Diese kann sich bereits wenige Tage nach Beginn der Therapie entwickeln. Eine weitergeführte Cidofovir-Therapie bei AIDS Patienten mit ausgeheilter CMV Retinitis unter HAART stellt bei Anstieg der CD4 T Lymphozyten ein Risikofaktor für die so genannte Immune Recovery Uveitis dar (siehe HAART) (Song et al. 2003).

Die Cidofovir-assoziierte Uveitis kann nicht nur im Zusammenhang mit AIDS/HAART auftreten. So finden sich u. a. eine Reihe von Berichten über eine Cidofovirausgelöste Uveitis anterior bei nierentransplantierten Patienten mit einer BK-Nephropathie (Infektion mit humanem Polyomavirus), die eine niedrig-dosierte intravenöse Cidofovirtherapie zur Behandlung der Nephropathie erhalten hatten (Lopez et al. 2006). In einer kleinen Fallserie kam es immerhin bei 35 % der Patienten zur Uveitis, wobei die betroffenen Patienten eine schlechtere Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min) und geringere Transplantatüberlebensrate aufwiesen als die Patienten ohne Uveitis.

Die Cidovofir-assoziierte Uveitis anterior kann mit topischer Kortikosteroidgabe, Zykloplegika und Beenden der Cidofovirtherapie ausreichend behandelt werden. Rezidive oder eine persistierende Hypotonie sind möglich.

Diethylcarbamazin

Dieses gegen Onchocerca volvulus und Loa Loa gerichtete Medikament ist in der Bundesrepublik Deutschland nicht zugelassen. Durch die mit dem Absterben von Filarien verbundene starke Aktivierung des Immunsystems kann es zu einer ausgeprägten Entzündungsreaktion in der Vorderkammer kommen. Eine starke Immunkomplexbildung mag zu den okulären Veränderungen beitragen. Neben der Uveitis wurden auch andere okuläre Veränderungen beschrieben: Gesichtsfeldeinengungen, Papillenabblassungen, korneale Stippung und Trübung und eine Chorioretinitis (Greene et al. 1983). Eine Uveitis ist sowohl nach systemischer als auch nach lokaler Therapie beschrieben (Fraunfelder 1996). Die Therapie ist ggf. dem intraokularen Reiz anzupassen.

Fluorochinolone

Fluorochinolone sind Antibiotika aus der Gruppe der Chinolone, die die Funktion der bakteriellen DNA-Gyrase hemmen. Sie finden breite Anwendung als Ophthalmika und systemisch eingesetzte Antibiotika. In einer retrospektiven Analyse wurden jüngst 40 Patienten mit einer Uveitis unter systemischer Therapie mit verschiedenen Fluorochinolonen beschrieben (Hinkle et al. 2012). Im Mittel entwickelte sich die beidseitige Uveitis innerhalb von 13 Tagen nach Therapiebeginn.

>> Der kausale Zusammenhang zwischen systemischer Fluorochinolon-Therapie und Uveitis wird aktuell auf der Basis der WHO-Definition als möglich eingestuft.

HAART

Die Cylomegalievirus (CMV)-Retinitis ist eine typische opportunistische Infektion im fortgeschrittenen Stadium bei Patienten mit AIDS und schwerer Immunschwäche (CD4+ T-Lymphozytenzahl < 50 Zellen/μl). Vor der Einführung der „highly active anti-retroviral therapy“ (HAART) entwickelten bis zu 25–40 % der AIDS Patienten eine CMV-Re- tinitis. Die sehr effektive HAART führt zu einem Anstieg des CD4-Wertes und bewirkt eine massive Reduktion in der Inzidenz der CMV Retinitis.

Im Verlauf der HAART kann sich aber eine Immun- Rekonstitutions-Uveitis (Immune Recovery Uveitis, IRU) entwickeln. In einer Studie an 374 AIDS Patienten wurde eine IRU bei rund 10 % der Patienten beobachtet (Kempen et al. 2006). Andere Studien berichteten über eine Häufigkeit zwischen 30–60 % (Karavellas et al. 2001, Arevalo et al. 2003). Die Häufigkeit der Immune Recovery Uvei-

10.16  •  Medikamenten-induzierte Uveitis (engl. drug-induced uveitis)

tis scheint zuzunehmen, wenn eine begleitende antivirale Therapie mit Cidofovir trotz Anstieg der CD4 T-Lymhozy- tenzahl und ausgeheilter CMV Retinitis fortgeführt wird, und die CMV Retinitis größere Areale der Netzhaut betroffen hatte (Karavellas et al. 2001, Song et al. 2003).

Obwohl es sich klinisch meist um eine Uveitis anterior handelt, scheint das klinische Spektrum auch eine Papillitis, Glaskörperinfiltration, Makulaödem und epiretinale Membranbildung zu umfassen. Die Immune Recovery Uveitis wird unspezifisch mit lokaler Kortikosteroidgabe und Zykloplegika behandelt.

>> Mit dem Anstieg der CD4+ T Lymphozyten unter HAART bei AIDS ist auf das Auftreten einer Immun Recovery Uveitis zu achten.

Interferon alpha

Interferone (IFN) sind Zytokine, die zur Therapie zahlreicher viraler, autoimmuner und maligner Erkrankungen eingesetzt werden. Interferon alpha und beta finden auch in der Ophthalmologie Anwendung beim Morbus Behçet, therapieresistenten Makulaödemen und verschiedenen Uveitisformen. Insbesondere für Interferon alpha sind retinale Veränderungen (Blutungen, Cotton-Wool-Herde, retinale Gefässverschlüsse) und eine anteriore ischämische Optikusneuropathie als mögliche okuläre Nebenwirkungen beschrieben worden.

Im Rahmen einer Interferon alpha Therapie in Kombination mit Ribavirin bei Patienten mit chronischer Hepatitis C sind einige Fälle einer okulären Sarkoidose in Form einer Panuveitis beschrieben worden (Doycheva et al. 2009). Die Sarkoidose entwickelte sich im Mittel 1 bis 2 Jahre nach Therapiebeginn mit Interferon alpha. Die Therapie bestand in einer Reduktion der Interferondosis und topischer Kortikosteroidgabe sowie vereinzelt in zusätzlicher systemischer Kortikosteroidgabe.

>> Die Therapie der chronischen Hepatitis C mit Interferon alpha kann zur Manifestation einer Sarkoidose mit okulärer Beteiligung führen.

Während der Interferontherapie der Hepatitis C ist zudem das Auftreten eines Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom und die Reaktivierung einer Toxocariasis beobachtet worden.

Impfstoffe

Impfstoffe können wahrscheinlich nur sehr selten eine Uveitis auslösen oder reaktivieren. Beschrieben wurde ein solcher möglicher Zusammenhang für Influenzavakzine, Bacille-Calmette-Vakzine, der FSME-Impfung, Varizella- Zoster-Vakzine, Hepatitis B-Vakzine und den Tuberkulosehauttest. Die Behandlung der Uveitis anterior erfolgt lokal mit Kortikosteroiden und Zykloplegika.

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Das 2009 pandemisch aufgetretene Grippevirus H1N1 führte zu einer massiven Anwendung des Impfstoffs. Dabei trat bei 2 Kindern eine akute Iritis in Kombination mit einer exsudativen Amotio auf (Tayo et al. 2011).

Kortikosteroide

Die mögliche Auslösung einer Uveitis unter topischer Kortikosteroidgabe ist in der Vergangenheit wiederholt berichtet worden. Angesichts eines Zeitraums von Jahrzehnten und der allgemeinen Häufigkeit der Behandlung mit topischen Kortikosteroiden sind diese möglichen Fälle als sehr seltene Ereignisse anzusehen. Im Gegensatz zur sonstigen therapeutischen Vorgehensweise ist in einem solchen Verdachtsfall die Beendigung der topischen Kortikosteroidtherapie als Therapie der Wahl zu betrachten. Unklar bleibt allerdings die Ursache einer solchen Reaktion, da die meisten Autoren keine systemische Grunderkrankung bei ihren Patienten nachweisen konnten. Der Gedanke einer möglichen Aktivierung einer viralen (Herpes simplex) oder bakteriellen Infektion liegt zumindest nahe. Interessant ist daher eine Publikation aus dem Jahr 1974, bei der 14 von 17 Patienten (82 %) mit einer Uveitis anterior unter topischen Kortikosteroiden einen positiven FTA-ABS Test auf Treponema pallidum aufwiesen (Shin et al. 1976). Die Kortikosteroid-induzierte Uveitis sollte deshalb immer zu einer besonders sorgfältigen Suche nach lokalen oder systemischen Infektionszeichen führen.

>> Eine Uveitis anterior unter topischer Kortikosteroidgabe sollte immer als eine potenziell infektiös bedingte Uveitis betrachtet werden. Trotzdem ist zunächst die Beendigung der Koritkosteroidgabe als T. d. W. anzusehen.

Davon abzugrenzen ist die intravitreale Injektion von Kortikosteroiden (Triamcinolon, Dexamethason). Es handelt sich dabei v. a. um das in einer kristallinen Lösung vorliegende Triamcinolonacetonid, dessen Injektion zu verschiedenen Formen der intraokularen Entzündung führen

-Pseudoendophthalmitis Sterile Endophthalmitis Infektöse (bakterielle) Endophthalmitiskann:

Bei der Pseudoendophthalmitis handelt es sich um die Ablagerung von Triamcinolonkristallen in der Vorderkammer in Form eines Pseudohypopions. Es liegt keine eigentliche entzündliche Reaktion vor. Da die Kristalle auch die trabekulären Abflusswege verlegen (Überfrachtungsmechanismus), kann es zu einem starken Anstieg des Intraokulardrucks innerhalb der ersten Woche nach Injektion kommen, sodass eine Vorderkammerspülung notwendig sein kann. Bei der sterilen Endophthalmitis liegt dagegen

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494 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

eine tatsächliche entzündliche Reaktion vor, bei der sich aber kein Erreger nachweisen lässt. Die Inzidenz liegt zwischen 0,1 % und 10 %. Ursachlich kann eine Immunreaktion gegen Triamcinolon oder Begleitstoffe der Injektionslösung oder eine atypische bakterielle Infektion vorliegen. Die sterile Endophthalmitis tritt bereits innerhalb von 2 Tagen post injectionem mit geringem Reizzustand und wenig Beschwerden auf und klingt zumeist innerhalb einer Woche ohne zusätzliche antiobiotische Therapie wieder ab.

Davon abgegrenzt werden muss die infektiöse Endophthalmitis, die in ihrem Erscheinungsbild wesentlich akuter und bedrohlicher zu Tage tritt (Schmerzen, progrediente Visusminderung, rotes Auge, zunehmende Glaskörperinfiltration) und den Behandlungsrichtlinien für die postoperative Endophthalmitis unterliegt.

>> Nach intravitrealer Injektion von Triamcinolon sind Pseudoendophthalmitis, sterile Endophthalmitis und bakterielle Endophthalmitis als mögliche postoperative Veränderungen zu differenzieren.

Orale Kontrazeptiva

Trotz jahrzehntelanger und breitester Anwendung sind nur wenige Fallberichte über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und einer Uveitis anterior publiziert worden. Der bereits in den 70iger Jahren geäußerte Verdacht ließ sich in der Folgezeit nicht erhärten. Ein kausaler Zusammenhang zwischen oralen Kontrazeptiva und Uveitis wird mittlerweile als unwahrscheinlich eingeschätzt.

Rifabutin

Das Antibiotikum Rifabutin wird zur Prophylaxe und Therapie der Mycobacterium-avium-Komplexinfektion bei AIDS-Patienten und anderen immunkompromitierten Patienten eingesetzt. Bei der Rifabutin-assoziierten Uveitis scheint es sich um eine dosisabhängige, toxische Form der Uveitis zu handeln (Tseng et al. 1995). Ursprünglich war eine Uveitis während Dosisfindungsstudien bei einer täglichen Dosis von 1200 mg aufgetreten. Bei niedrigeren Dosierungen von 300–600 mg täglich stellt die Uveitis eine seltene Komplikation dar. Vermutlich gibt es auch innerhalb dieser Dosierungsbreite noch einen Einfluss auf die Häufigkeit der Uveitis. Möglicherweise wird das Risiko einer Uveitis durch gleichzeitige Gabe von Fluconazol oder Clarithomycin erhöht.

Es handelt sich zumeist um eine einoder beidseitige Uveitis anterior, die sich innerhalb weniger Wochen bis mehrerer Monate nach Therapiebeginn mit Rifabutin entwickeln kann. Schwerere Verläufe mit Hypopion-Iritis und retinaler Vakulitis sind möglich.

Die Therapie besteht im Absetzen von Rifabutin und der lokalen Gabe von Kortikosteroiden und Zykloplegika.

Darunter kommt es normalerweise zu einem Abklingen der Uveitis.

Sulfonamide

Sulfonamide gehören zu den mit am häufigsten eingesetzten Antibiotika. Im Gegensatz dazu ist bisher nur über wenige Patienten mit einer Uveitis unter Sulfonamiden berichtet worden. Man darf deshalb davon ausgehen, dass es sich um ein sehr seltenes Ereignis handelt.

Die beidseitige Uveitis anterior wurde überwiegend unter Therapie mit Trimethoprim-Sulfamethoxazol beobachtet und trat bereits innerhalb der ersten Woche nach Therapiebeginn auf (Tilden et al. 1991). Bei einer Reihe von Patienten kam es gleichzeitig zur einer toxischen epidermalen Nekrolyse oder einem Stevens-Johnson-Syn- drom. Das Absetzen der Sulfonamide und eine topische Kortikosteroidtherapie sind ausreichend. Bei erneutem Ansetzen der Sulfonamide ist mit Rezidiven der Uveitis zu rechnen.

Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)-alpha-Inhibitoren

Der Tumor-Nekrose Faktor-alpha (TNF-alpha) ist ein wichtiges entzündliches Zytokin in der Pathogenese der Uveitis. Auf dieser Basis haben sich TNF-alpha-Inhibitoren auch in der Therapie der endogenen Automimmunuveitis etablieren können.

Dies lässt sich allerdings nicht für alle TNF-alpha- Inhibitoren gleichermaßen zusammenfassen. Dass zuerst verfügbare Etanercept erwies sich als weniger effektiv in der Behandlung der Uveitis als erhofft (Galor et al. 2006). Ausserdem zeigte sich, dass Etanercept selbst eine Uveitis anterior auszulösen mag, wenn es im Rahmen nicht-oph- thalmologischer Indikationen eingesetzt wird (Lim et al. 2007). Das andere TNF-Inhibitoren wie Infliximab und Adalimumab als Therapeutika bei der endogenen Uveitis eingesetzt werden können und nicht generell mit einem erhöhten Risiko der Uveitisauslösung assoziiert scheinen, spricht dafür, dass es bei der Etanercept-assoziierten Uveitis um ein substanzspezifischen Phänomen, jedoch nicht um ein allgemeines Problem der TNF alpha-Inhibitoren handelt.

>> Etanercept zeigt eine verminderte Wirksamkeit bei der Uveitis, als andere TNF-alpha-Inhibitoren und kann selbst eine Uveitis auslösen.

Neben dieser Etanerceptund nicht TNF-alpha-Inhibi- toren-spezifischen Uveitisauslösung sind in jüngster Zeit einige Fallberichte publiziert worden, die bei allen TNF- alpha-Inhibitoren, die zur Therapie systemischer Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden, zur Auslösung einer Sarkoidose mit Uveitis führen können (Seve et al. 2012). Die TNF-alpha-Inhibitortherapie muss in diesen Fällen