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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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474 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

1

>> Für die Augenmitbeteiligung beim SLE reicht im Nor-

malfall die Behandlung der Systemerkrankung aus.

2

Patienten mit APS sollten in jedem Fall mit Antiko-

agulanzien behandelt werden.

3

Empfängnisverhütung

Auch wenn weiterhin vermutet wird, dass orale Kontrazep-

 

4

tiva, die Östrogene enthalten, ebenfalls ein erhöhtes SLE-

Erkrankungsrisiko beinhalten, gibt es doch gute Gründe

5

für die Anwendung der Pille bei Patientinnen mit SLE:

Patientinnen mit aktivem SLE ist von einer Schwan-

-gerschaft abzuraten.

6

Patientinnen unter Immunsuppressiva mit teratoge-

-ner Wirkung benötigen eine zuverlässige Verhütungs-

7

methode.

Die Anwendung der Spirale schützt unter immunsup-

-pressiver Therapie nicht zuverlässig vor Schwanger-

8

schaften und verschleiert unter Umständen Entzün-

dungen im Genitaltrakt.

 

9

Bei inaktiver oder moderater, stabiler Krankheitsaktivität

10

scheint die Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva si-

cher zu sein, sofern keine Antiphospholipid-AK nachweis-

 

bar sind. Patientinnen mit schwerer Krankheitsaktivität,

11

Blutgerinnungsstörungen oder Antiphospholipid-AK ist

eher vom Gebrauch der Pille abzuraten. Weitere Informa-

12

tionen zu Lupus und Schwangerschaft lassen sich auf der

Homepage der deutschen Lupus Erythematodes Selbsthil-

13

fegemeinschaft abrufen (s. u.).

 

14

10.14.9 Prognose

 

15

Die 10-Jahresüberlebensrate des SLE beträgt bis zu 90 %

bei erheblich variablen Krankheitsverläufen. Dabei stel-

 

len die häufigsten Todesursachen Urämie, Herzversagen,

16

neurologische Komplikationen sowie septische Kompli-

kationen dar.

 

17

10.14.10 Selbsthilfegruppen und hilfreiche

 

18

Websites

 

19

Unter der Homepage www.lupus-rheumanet.org der deut-

schen Lupus Erythematodes Selbsthilfegemeinschaft e. V.

20

können sich Patienten, Angehörige und Ärzte über den

SLE informieren.

21

 

22

 

10.15Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) und andere primäre systemische Vaskulitiden (engl. Wegener’s granulomatosis, granulomatosis with polyangiitis)

B. Nölle

ICD-10 Code M31.3 Wegener Granulomatose

Synonym: Wegener Granulomatose, Wegener’sche

Granulomatose, Morbus Wegener

10.15.1 Definition und Einteilung

Eine Granulomatose mit Polyangiitis (GPA, früher Wegener Granulomatose-WG-) ist eine granulomatöse Entzündung des Respirationstraktes und nekrotisierende Vaskulitis von kleinen und mittelgroßen Gefäßen. Eine Nierenbeteiligung ist häufig. Augenmanifestationen finden sich bei jedem zweiten GPA-Patienten. Davon abzugrenzen sind andere primäre systemische Vaskulitiden (PSV,

.Tab.10.29, .Tab.10.30):

Nomenklatur von Vaskulitiden gemäß der Internationalen Chapel Hill Consensus -Conference von 2012

Vaskulitis der großenGefäße (large vessel vasculitis, LVV)

Takayasu Arteriitis (TAK)

-– Riesenzellarteriitis (Giant cell arteritis, GCA)

Vaskulitis der mittleren Gefäße (medium vessel vasculitis, MVV)

Polyarteriitis nodosa (PAN)

-– Kawasaki Erkrankung (Kawasaki disease, KD)

Kleingefäßvaskulitis (small vessel vasculitis, SVV)

Antineutrophil cytoplasmic antibody (ANCA)- associated vasculitis (AAV)

Mikroskopische Polyangiitis (MPA)

Granulomatose mit Polyangiitis (Wegener) (GPA)

Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (Churg-Strauss) (EGPA)

Immunkomplexvaskulitis (Immune complex SVV)

Anti-glomeruläre Basalmembran (anti-GBM) Erkrankung

Kryoglobulinämische Vaskulitis (cryoglobulinemic vasculitis, CV)

IgA Vaskulitis (Henoch-Schönlein) (IgAV)

Hypokomplementämische Urtikariavaskulitis (HUV) (anti-C1q Vaskulitis)

 

 

 

 

 

475

 

 

10

 

 

 

 

 

 

 

 

10.15  •  Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) und andere primäre systemischeVaskulitiden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 10.29  Inzidenz von primären systemischen Vaskulitiden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vaskulitis

Inzidenz*

m/w

Besonderes

Vaskulitisregi-

 

 

 

 

 

 

ster** (N = 982)

 

Riesenzellarteriitis

9–17

1 : 2

Bei > 50 J. Frauen: Inzidenz erhöht

27,7

 

 

 

 

 

 

(28–61)

 

 

 

 

Takayasu-Arteriitis

0,4–1

1 : 4

Weltweit gleich

0,9

 

 

 

Polyarteritis nodosa

0,4–2

3 : 1

In Frankreich häufiger

1,9

 

 

 

Kawasaki Syndrom

0–1

2 : 1

Bei Kindern in Japan unter 5 J.: Inzidenz

1,2

 

 

 

 

 

 

= 900

 

 

 

 

 

Granulomatose mit Polyangiitis

6–12

1,4 : 1

Norwegen 10.4; Deutschland 8; Spanien

19,5

 

 

 

 

 

 

4.9; Japan 0

 

 

 

 

Eosinoph. Granulomatose mit Polyangiitis

0,5–4,2

1 : 1

UK 4.2; Deutschland 1; Spanien 0.9

3,0

 

 

 

Mikroskopische Polyangiitis

2,6–11,6

?

Stadt 1.6; Land 13.9; Japan 14.8

5,5

 

 

 

Purpura Schönlein-Henoch

3–10

2 : 1

Kinder unter 14J.: 22.1

11,9

 

 

 

Leukozytoklastische Vaskulitis

4–9

?

13,5

 

 

 

Nicht klassifizierte Vaskulitis

?

?

13,7

 

 

 

*Anzahl/Millionen/Jahr; **Angaben in % laut Vaskulitisregister Schleswig-Holstein (Deutsches Ärzteblatt 2008;105:355–61)

-VariableVVV) Gefäßvaskulitis (variable vessel vasculitis,

Morbus Behcet (Behçet’s disease, BD)

-– Cogan’s Syndrom (CS)

Einzelorgan Vaskultis (single-organ vasculitis, SOV)

Kutane leukozytoklastische Angiitis

Kutane Arteritis

Primäre ZNS-Vaskulitis (primary central nervous system vasculitis, PACNS)

Isolierte Aortitis

-– Andere

Vaskulitis assoziiert mit Systemerkrankung

Lupus Vaskulitis

Rheumatoide Vaskulitis

Sarkoidose-Vaskulitis

-– Andere

Vaskulitis assoziiert mit wahrscheinliche Ätiologie

Hepatitis C Virus-assoziierte kryoglobulinämische Vaskulitis

Hepatitis B Virus-assoziierte Vaskulitis

Syphilis-assoziierte Aortitis

Medikamenten-assoziierte Immunkomplexvaskulitis

Medikamenten-assoziierte ANCA-assoziierte Vaskulitis

Neoplasie-assoziierte Vaskulitis

Andere

Typisch für die klinische Symptomatik von Vaskulitiden und insbesondere der GPA ist ihre ausgesprochene Variabilität der Manifestationen. Es fällt ein sehr breites Spektrum von Krankheitssymptomen auf. Die Vielfalt ist oft verwirrend und wirft erhebliche differentialdiagnostische Probleme auf. Häufige Begleitsymptome (sog. B- Symptome) wie Fieber, Nachtschweiß, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust lassen differentialdiagnostisch schnell an einen malignen Prozess oder an eine schwerwiegende Infektion denken. Da die Krankheitssymptome sehr heterogen sind und verschiedene medizinische Fachdisziplinen betreffen, sind im Laufe der Jahrzehnte viele synonyme Begriffe bei den unterschiedlichen Vaskulitiden verwendet worden. Seit der Internationalen Konsensuskonferenz von Chapel Hill 1992 und 2012 wird eine Systematik und einheitliche Nomenklatur bei den primären systemischen Vaskulitiden eingehalten. Die Klassifikationskriterien der Amerikanischen Gesellschaft für Rheumatologie (ACRKlassifikationskriterien) werden gerne zitiert und verwendet. Sie sind als Studienkriterien geplant worden und können nur verwendet werden, wenn eine Vaskulitis eindeutig nachgewiesen ist. Sie sollen nicht als primäre Diagnosekriterien verwendet werden.

Seit der Entdeckung von Autoantikörpern gegen Neutrophilen zytoplasmatische Antigene (ANCA) 1982 haben sich Verständnis, Klassifikation, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie von Vaskulitiden enorm erweitert. Der Birmingham vasculitis activity score (BVAS) ist inzwischen als zuverlässiger Aktivitätsmaßstab für eine Vaskulitis anerkannt. Seit seiner ersten Publikation 1994

 

476

Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

 

 

 

 

 

1

 

.. Tab. 10.30  Überlebenszeit von primär systemischen Vaskulitiden (modifiziert nach Matteson, Mukthyar)

 

 

 

 

2

 

 

Überlebenszeit 1 Jahr

 

5 Jahre

 

 

 

 

Pat. (n)

Studien (n)

%

Pat. (n)

Studien (n)

%

 

 

 

3

 

GCA

 

 

 

 

 

82

 

 

 

 

 

 

 

4

 

TAK

 

 

 

 

 

70–93

5

 

PAN

 

 

 

 

 

75–80

 

 

 

 

 

 

 

6

 

KA

 

 

 

 

 

99

 

 

 

 

 

 

 

 

7

 

GPA

398

6

85–97

427

7

69–91

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EGPA

155

2

93–94

187

5

68–100

8

 

MPA

252

4

82–92

217

5

45–76

 

 

9

 

 

 

 

 

 

 

 

10

erfolgten mehrere Modifikationen. Es gilt jetzt der BVAS

Response: Ansprechen der Immunsuppression mit

 

Version 3.

 

 

 

-mehr als 50 % Reduktion der Krankheitsaktivität

11

 

Laut Empfehlungen der European League against Rheu-

und Ausbleiben von neuen Krankheitsmanifestatio-

matism (EULAR) und der European Vasculitis Study Group

nen

 

 

12

(EUVAS) von 2007 sollen bei einer GPA folgende Krank-

Rezidiv a) major: erneute Krankheitsakvitität mit

heitsstadien differenziert werden:

 

 

-potentieller Organoder Lebensbedrohung

13

 

Lokalisierte GPA: oberer oder unterer Respirations-

Rezidiv b) minor: erneute Krankheitsaktivität ohne

-trakt sind betroffen, entspricht dem früheren Initi-

-potentielle Organoder Lebensbedrohung

 

 

alstadium, es fehlen B-Symptome, der ANCA ist oft

Refraktär: Krankheitsaktivität unverändert oder

14

 

negativ, das Serum Kreatinin liegt unter 120 μmol/l

-zunehmend trotz mehr als 4 Wochen Therapie,

 

Frühsystemische GPA: systemische Vaskulitis,

 

fehlendes Ansprechen mit unter 50 %iger Reduktion

15

-keine Organoder Lebensbedrohung, B-Symptome

der Krankheitsaktivität nach 6 Wochen mit Immun-

 

vorhanden, ANCA meistens positiv, Serum Kreatinin

suppression. Chronisch-persistierende Erkrankung

 

 

unterhalb 120 μmol/l

 

 

mit mindestens einem majorund drei minor-

16

 

Generalisierte GPA: systemische Vaskulitisaktivität

Symptomen laut BVAS und mindestens 12 Wochen

-mit Organbedrohung, ANCA positiv, Serum Kreati-

Therapiedauer

 

 

17

 

nin unterhalb 500 μmol/l

 

 

Geringgradig daueraktiv: Persistenz von Minor-

 

Schwere generalisierte GPA: systemische Vaskulitis-

-symptomen, die unter niedrigen Steroiddosen zu

18

-aktivität mit Organversagen, ANCA meistens positiv,

stabilisieren sind und keine Eskalation erfordern.

 

Serum Kreatinin oberhalb 500 μmol/l

 

 

 

 

 

 

Refraktäre GPA: systemische Vaskulitisaktivität,

 

 

 

 

19

-Organversagen, ANCA meistens positiv, unabhängig

10.15.2 Epidemiologie

 

 

von Serumkreatininwert, Standardtherapie nicht

 

 

 

20

 

erfolgreich

 

 

 

Die GPA ist neben der Riesenzellarteriitis die zweithäu-

Bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden (also auch der GPA)

figste primäre systemische Vaskulitis. Im Durchschnitt

 

sind GPA-Patienten bei Diagnosestellung zwischen 40 und

21

sollen laut Empfehlungen der EULAR/EUVAS von 2007

55 Jahre alt, es gibt keine ausgeprägte Geschlechtsprädi-

folgende Krankheitsaktivitäten unterschieden werden:

lektion. Die GPA ist häufig bei Kaukasiern, jedoch selten

 

22

 

Remission: Dies bedeutet keine Krankheitsaktivität,

bei Afroamerikanern und Japanern. Genauere epidemio-

-die Art und Dauer der Immunsuppression sind zu

logischen Daten von primären systemischen Vaskulitiden

 

 

dokumentieren.

 

 

zeigen .Tab.10.29, .Tab.10.30.

 

477

10

 

10.15  •  Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) und andere primäre systemischeVaskulitiden

10.15.3 Ätiologie und Pathogenese

Die bisher bekannten Einflußfaktoren für eine Vaskulitis (genetische Prädisposition, Umweltfaktoren, Infektion und Immunsystem) zeigen eine komplexe Interaktion, die mit zunehmender Datenfülle unübersichtlich geworden ist. Dies zeigen exemplarisch die ANCA, die von einem diagnostischen Seromarker zu einem pathophysiologisch relevanten, multiaktivem Teamplayer des Vaskulitisszenarios aufgestiegen sind (ANCA-Zytokin-Sequenzmodell). Neben der Vaskulitispathogenese sind die Prozessabläufe einer granulomatösen Entzündung noch nicht sehr gut aufgeklärt.

Gefäßwandeigenschaften scheinen ein wichtiger Schlüssel für die Vaskulitispathogenese zu sein. Die Variabilität des Gefäßsystems bei der Geburt wird lebenslang erhöht, abhängig vom Alter, Ernährung, Erkrankungen, Mutationen und Umweltfaktoren. Weiter Einfluss nehmend sind genetische Suszeptibilität, Geschlecht und Im- -munantworten. Hoffman formuliert folgende Hypothesen:

Die Gefäßinfrastruktur spielt eine Schlüsselrolle bei

-wird.

Angeborene und erworbene Gefäßeigenschaften sind aufgrund von Alter, Umweltfaktoren, wie früheren Infektionen und spontanen Mutationen, wichtige

-Faktoren für Zellwandverarbeitung.

Bei einigen Vaskulitiden ist die Immunantwort nor-

-mal, jedoch die Abnormalität des Gefäßsubstrates verantwortlich für die Vaskulitis.

Erworbene immunologische Auffälligkeiten können relevant sein, lokal verschieden ausfallen und damit

die Gefäßempfänglichkeit und Krankheitsausprägung determinieren.der Musterfestlegung, wie auf Gefäßangriffe reagiert

Entzündliche Pathomechanismen

bei einer Vaskulitis und/oder Granulomen

Hypersensitivitätsmechanismen nach Coombs und Gell sind auch bei den primären systemischen Vaskulitiden von Bedeutung (1–4).

1.Die Typ-I-Überempfindlichkeitsreaktion mit erhöhten IgE-Spiegeln, einer Blutund Gewebeeosinophilie und entsprechender Gewebszerstörung findet sich bei der EGPA.

2.Eine Typ-II-Überempfindlichkeitsreaktion wird durch Antikörper-vermittelte Gewebeschäden hervorgerufen. Zytotoxische T-Zellen spielen eine weitere, besondere Rolle. ANCA können mit aktivierten neutrophilen Granulozyten Gefäßendothelzellschäden verursachen. Die vermehrte Degranulation von neutrophilen Granulozyten führt zur Freisetzung von Sauerstoffradikalen, was weitere Zellschäden perpetuiert. Insbesondere IgG4-ANCA scheinen effektiv zu sein.

Komplementfaktoren unterstützen dies (C5a). Die Migration von Leukozyten durch die Gefäßwand in das Gewebe, wird von Integrinen und Immunglobulinen Supergenfamilienmitgliedern realisiert. Hier ist insbesondere das vaskuläre Zelladhäsionsmolekül 1 (VCAM-1) zu nennen. Dieses interagiert mit VLA-4 auf Leukozyten. Das interzelluläre Adhäsionsmolekül 1 (ICAM-1) bindet dann LFA-1 oder Mac-1 auf Lymphozyten. Die Gefäßendothelien können ICAM-1 und VCAM-1 exprimieren. Das Ausmaß dieser Expression ist abhängig von proinflammatorischen Zytokinen wie Interleukin-1, TNF-alpha und Interferon-gamma sowie Chemokinen.

3.Eine Typ-III-Überempfindlichkeitsreaktion schädigt die Gefäßinnenwand durch zirkulierende Immunkomplexe. Sie wird bei Polyarteriitis nodosa, Pupura- Schönlein-Hennoch und kryoglobulinämischer Vaskulitis beobachtet. Bei ANCA assoziierten Vaskulitiden fehlen Immunkomplexablagerungen (pauci-immune Vaskulitis). Hier wird aber diskutiert, ob möglicherweise der Mechanismus Idiotyp/Antiidiotyp eine Rolle spielt.

4.Die Typ-IV-Überempfindlichkeitsreaktion wird durch Zellen vermittelt (DTH-Reaktion). Antigen lockt Lymphozyten an, die dann Zytokine freisetzen und Makrophagen und weitere Lymphozyten rekrutieren und aktivieren. Die Zellaktivierung führt zur Ausbildung von Granulomen und Riesenzellen, wie sie bei der Riesenzellarteriitis, der Takayasu Vaskulitis und der Granulomatose mit Polyangiitis gesehen werden.

5.Eine abnorme Immunregulation findet sich beispielsweise bei fortgeschrittener HIV-Infektion. Hier fehlt eine Expression von Adhäsionsmolekülen und Zytokinen des vaskulären Endothels, dies löst dennoch endotheliale Dysfunktionen aus, die einer Vaskulitis entsprechen. Ursächlich hierfür können Infektionen, Immunkomplexe und Anti-Endothelzellantikörper sein.

6.Direkte Gefäßendothelzellschäden können durch Infektionserreger wie CMV, HSV, Rickettsien, Pilze und Bakterien verursacht sein und eine Vaskulitis ermöglichen. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Vaskulitis und Infektion ist nur bei Panarteriitis nodosa und Hepatitis B-Virus bzw. Kryoglobulinämie und HCV anerkannt. Zahlreiche weitere Hinweise, dass Infektionen einen Kofaktor für systemische Vaskulitiden bilden, zeigt .Tab.10.31. Die Beziehung von GPA und Staphylokokkus aureus in den oberen Luftwegen wurde bereits durch Friedrich Wegener selbst vermutet und von verschiedenen Autoren gestützt. Vermutlich ist hier auch der Effekt von Trimethoprim-Sulfame- thoxazol zu sehen. Infektionen bei GPA können lokal TNF-alpha freisetzen, Endothelzellen aktivieren, Neu-

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

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14

15

16

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19

20

21

22

478 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

.. Tab. 10.31  Vaskulitis und Infektion (modifiziert nach Molloy)

 

Vaskulitis

RZA*

TAK

PAN

KA

GPA

MPA/EGPA

CV

LCA

Behcet

Erreger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

Hepatitis A (HAV)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

Hepatitis B (HBV)

 

 

 

+++

 

 

 

++

 

+

Hepatitis C (HCV)

 

 

 

 

 

 

 

+++

 

+

Cytomegalie

 

 

++

 

 

 

 

+

 

+

(HHV 5)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Epstein-Barr

 

 

 

 

+

 

 

+

 

+

(HHV 4)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herpes simplex

 

 

++

 

+

 

 

 

 

++

(HHV 1,2)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Varicella zoster

 

 

 

+

 

 

 

 

 

 

(HHV3)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Parvo B19

++

++

 

+

 

+

 

+

 

+

Humanes Immun-

 

 

 

+

 

 

 

++

 

+

defizienz (HIV)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Parainfluenza

++

++

 

 

 

 

 

 

 

 

Adeno

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bakterien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Streptokokken

 

 

 

++

+

 

 

 

 

++

Staphylokokken

 

 

 

 

+

++

 

 

 

+

Borrelien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

Mykobakterium tbc.

 

 

++

 

 

 

 

 

 

 

Chlamydien

 

++

++

 

+

 

 

 

 

 

Helicobacter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Yersinien

 

 

 

+

 

 

 

 

 

+

Campylobacte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

Salmonellen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

Sonstiges

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

Lactobacillus

 

 

 

 

++

 

 

 

 

 

Candida

 

 

 

 

++

 

 

 

 

 

Nocardia

 

 

 

 

 

+

 

 

 

 

 

* Abkürzungen .Tab. 10.29. +++ = Assoziation sehr verdächtig; ++ = Assoziation möglich; + = Assoziation nicht unmöglich, Einzel-

berichte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

trophile aktivieren und über den ANCA-Weg weitere

krobielle Antigene als Superantigene T-Zellen über T-

neutrophile Granulozyten aktivieren. Möglicherweise

Zellrezeptor V Betaregion aktivieren. Schwierig davon

hat eine molekulare Mimikry hier eine Bedeutung.

abzugrenzen sind opportunistische Infektionen, z. B.

Außerdem besitzt Staphylokokkus aureus Zellwandbe-

durch Parvovirus B19, Nocardia und andere.

standteile, die mitogen wirken und dadurch B-Zellen

7. Es liegen zahlreiche Hinweise vor, dass T-Zell-ab-

polyklonal aktivieren können. Zusätzlich können mi-

hängige Autoimmunreaktionen bei einer GPA vor-