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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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10.12  •  Akute zonale okkulte äußere Retinopathie (AZOOR) (engl. Acute zonal occult outer retinopathy)

10.11.6 Therapie

Die Therapie bei der serpiginösen Choroiditis hat zwei Ziele:

1.Die Kontrolle der aktiven Entzündung

2.Die Prävention von Rezidiven

Bei Nachweis einer (latenten) Tuberkuloseinfektion muss eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Die aktuelle Literatur empfiehlt in der akut entzündlichen Phase hochdosierte Steroide intravenös für 3–5 Tage. Damit kann der akute Entzündungsschub in der Aderhaut verkürzt werden, sodass sich das Sehvermögen rascher erholt und der Endvisus besser wird, als ohne intravenöse Intervention. Bei begleitendem CMÖ im Rahmen der Choroiditis ist die intravitreale Gabe von 4 mg Triamzinolon wirksam

Da die Erkrankung grundsätzlich über viele Jahre in stark variablen Intervallen Rezidive zeigt, die jedes Mal eine irreversible Netzhaut-Schädigung hinterlassen können, ist unter Umständen eine chronische Therapie mit konventionellen Immunsuppressiva wie Ciclosporin und Methotrexat oder Mycophenolat indiziert. Die Entscheidung zum Einsatz von Immunsuppressiva sollte immer von der Bedrohungslage des zentralen Sehvermögens abhängig gemacht werden. Eine überwiegend periphere Beteiligung oder eine Manifestation an den nasalen, oberen oder unteren Rändern der Papille – also weit von der Makula entfernt – stellt in aller Regel keine Indikation zur präventiven Immunsuppression dar.

Bei einer kleinen Patientengruppe wurde auch Interferon-α2a erfolgreich eingesetzt (initial 4,5 Mio IE 3 × pro Woche für 3 Monate, dann 1 × pro Woche für weitere 3 Monate) und über 2 Jahre kontrolliert. Hierbei ist von besonderem Interesse, dass auch subretinale Neovaskularisationen in einen stabilen Narbenzustand übergingen.

Eine besondere Herausforderung stellt die Therapie bei nachgewiesener (latenter) Tuberkulose dar. Bei dieser Gruppe ist zusätzlich zur Immunsuppression der Einsatz von Tuberkulostatika notwendig, um eine lang anhaltende Remission zu erreichen. Ob eine 3-fach- oder 4-fach-The- rapie erforderlich ist, kann nur individuell unter Berücksichtigung aller infektiologischer Befunde entschieden werden (Isoniazid, Rifampizin, Ethambutol, mit oder ohne Pyrazinamid).

mer eindeutig möglich. Daher ist je nach Befund und Gefährdung des Sehvermögens unter Umständen trotzdem eine wirksame Therapie mit Kortikosteroiden oder auch Immunsuppressiva indiziert.

10.11.8Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

http://www.uveitis-selbsthilfe.de/, http://www.duag.org/, http://uveitis.jimdo.com/

10.12Akute zonale okkulte äußere Retinopathie (AZOOR) (engl. Acute zonal occult outer retinopathy)

U. Pleyer

ICD-10 Code H30.9 Chorioretinale Entzündung, unspezifisch

Abkürzung (AZOOR)

10.12.1 Definition und Einteilung

Die „Akute zonale okkulte äußere Retinopathie“ ist eine seltene unisowie bilaterale Erkrankung unbekannter Ätiologie, die durch fokale Degeneration der Photorezeptoren gekennzeichnet ist. Als Sonderform wurde eine „akute ringförmige äußere Retinopathie“ (AAOR), charakterisiert durch vorübergehende ringförmige (intraretinale) Ablagerungen, beschrieben.

10.12.2 Historie, Epidemiologie

Das Krankheitsbild wurde durch Donald Gass 1992 unter dem Akronym AZOOR (acute zonal occult outer retinopathy) als ein Syndrome eingeführt, das sich überwiegend bei Frauen mit zentralen Photopsien, progressiven Gesichtsfelddefekten und Flimmern präsentiert. Es handelt sich um eine sehr seltene Erkrankung, die junge (mittleres Alter: 36 Jahre), (meist weiße 90 %) Frauen (= 75 %) betrifft. Die Erkrankung wird den White-dot-Syndromen zugeordnet und tritt oft beidseits, jedoch in asymmetrischer Ausprägung auf.

10.11.7 Differentialdiagnosen

In .Tab.10.18 sind die wichtigsten abzugrenzenden Erkrankungen zusammengefasst. Gerade zu Beginn einer Choroiditis ist eine diagnostische Einordnung nicht im-

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Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

 

 

 

 

.. Tab. 10.18  Differentialdiagnosen zur serpiginösen Choroiditis

 

 

 

 

Differentialdiagnosen

Charakteristika/Abklärung

 

APMPPE (Akute posteriore

Am hinteren Pol treten multiple, helle, flache, gelbliche bis weiße Herde auf, die mit Visusverschlech-

 

multifokale placoide Pig-

terung und zentralen oder parazentralen Skotomen einhergehen, oft von einer Papillitis begleitet.

 

mentepitheliopathie)

Prodromi bestehen aus Photopsien und einer grippeähnlichen Erkrankung. Meistens Visusverbesse-

 

 

rung innerhalb weniger Wochen unter Hinterlassung von Depigmentierungen und feinen Pigmen-

 

 

tumschichtungen. Zerebrale Vaskulitis mit Zeichen eines Apoplex (bei jungen Patienten!) ist möglich.

 

MFC (Multifokale Cho-

Multifokal auftretende helle Herde in der Aderhaut mit Depigmentierungen und randständigen

 

roiditis, einschließlich

Hyperpigmentierungen. Teilweise Entzündung in Glaskörper und Vorderkammer, die den Fundusein-

 

multifokaler Choroiditis mit

blick einschränken können. Häufig narbige Abheilung der Läsionen mit subretinalen Fibrosen und

 

Panuveitis) und PIC (punc-

Neovaskularisationen

 

tate inner choroiditis)

 

 

ARPE (Akute retinale Pig-

Akute Entzündung des Pigmentepithels. Es treten passager feine Pigmentverschiebungen mit einem

 

mentepitheliitis)

grauen Zentrum und gelblichem Hof auf, die zu Verschwommensehen führen. Spontanes Verschwin-

 

 

den der Läsionen innerhalb von Wochen mit Visusnormalisierung

 

POHS (presumed ocular

Kleine atrophische Läsionen des Pigmentepithels. Lokalisation in der Peripherie und der Makula.

 

histoplasmosis syndrome)

Peripapilläre Atrophien. Keine Entzündungszeichen im Glaskörper oder in der Vorderkammer. Nur im

 

 

Endemiegebiet im mittleren Westen der USA

 

VKH (Vogt-Koyanagi-Ha-

Beidseitige granulomatöse Uveitis, die bei Erkrankungsbeginn auch nicht-granulomatös sein kann.

 

rada-Syndrom)

Der hintere Abschnitt zeigt eine exsudative Entzündung mit Papillitis, Ablatio, Aderhautamotio und

 

 

dichter Vitritis. Im weiteren Verlauf flächige Depigmentierung („sunset glow“), vor allem bei asia-

 

 

tischen Patienten, mit irreversibler Visusminderung. Extraokuläre Manifestationen: Pleozytose (früh

 

 

im Krankheitsverlauf), Dysakusis, Alopezie, VItiligo, Poliosis

 

SO (Sympathische Ophthal-

Beidseitige granulomatöse Panuveitis nach perforierender Verletzung oder Operation eines Auges.

 

mopathie)

Charakteristisch sind Infiltrate tief in der Aderhaut, die in der mittleren Peripherie beginnen und

 

 

konfluieren können. Häufig wird die Choroiditis von einer Papillitis und Vitritis begleitet. Oft fehlt die

 

 

Vorderkammerbeteiligung.

10.12.3 Ätiologie und Pathogenese

Viele Befunde der Erkrankung lassen eine entzündliche Genese vermuten. Gass hat stets eine infektionsassoziierte (v. a. virale) Ätiologie favorisiert, während Jampol und Becker eher eine autoimmunologische Störung annahmen. Eine interessante Diskussion zu diesen beiden Standpunkten wurde im Am J Ophthalmol 2003 geführt. Es liegen zahlreiche Berichte zu sehr unterschiedlichen autoimmunologischen und infektiösen Begleiterkrankungen vor (.Tab.10.19).

10.12.4 Klinik: Vom Befund zur Diagnose

Als Leitbefunde der AZOOR hat Gass akut einsetzende Gesichtsfelddefekte (überwiegend temporal) und gleichzeitig bestehende Photopsien angeführt. Je nach Lokalisation der Skotome kann eine Visusminderung resultieren; überwiegend verbleibt jedoch ein Visus von 0,5 und besser bei ≥ 50 % der Patienten. Bei etwa 50 % der Patientinnen sind beide Augen betroffen (.Tab.10.20). Die Skotome weisen innerhalb der ersten 6 Monate meist Veränderungen im Verlauf auf; sie können sich sowohl vergrößern (bei ca. 5 %) als auch verkleinern (bei ca. 20 %). Bei etwa der Hälfte der Pati-

.. Tab. 10.19  Begleitende Krankheitsbilder bei Patienten mit

AZOOR

Erkrankung

Patienten (n)

MEWDS oder PIC

17

Hashimoto-Thyroiditis

7

Rezidivierende orale Herpes Läsionen

5

Infektiöse Mononukleose

4

Asthma bronchiale

3

Multiple Sklerose

4

M. Basedow

2

In Kasuistiken mit weiteren ophthalmologischen Befunden: Pars planitis, anteriore ischämische Optiko neuropathie (AION)

In Kasuistiken mit systemischen Krankheitsbildern: Myasthenia gravis, Diabetes mellitus (Typ I), M. Addison, CREST Syndrom, Sjögren-Syndrom, ankylosierende Spondylitis, Fibromyalgie, M. Crohn, Erythema multiforme, Erythema nodosum

Aus Publikationen 1992 bis 2011

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10.12  •  Akute zonale okkulte äußere Retinopathie (AZOOR) (engl. Acute zonal occult outer retinopathy)

.. Tab. 10.20  Fundusbefunde bei Erstvorstellung AZOOR

(n = 154 Augen)

Befund

Anzahl Augen

 

(%)

Normaler Fundus

117 (76)

White annular ring

17 (11)

Zonen mit depigmentiertem RPE

12 (8)

Zonen mit RP-ähnlichen Veränderungen

6 (4)

Zonen mit RP-ähnlichen Veränderungen

2 (1)

und CME

 

Unspezifische Veränderungen

1 (1)

 

 

*modifiziert nach Monson und Smith, 2011

 

 

 

.. Tab. 10.21  Gesichtsfeldbefunde bei Erstvorstellung AZOOR

(n = 147 Augen)

Gesichtsfelddefekt

Anzahl Augen (%)

Vergrößerter blinder Fleck (BBS

29 (20)

BBS + Zentralskotom

36 (24)

Inferotemporal, Skotome

3 (2)

Superotemporal bogenf. Skotome

4 (3)

Ringskotom

3 (2)

Ringskotom + Zentralskotom

7 (5)

Ringskotom + Zentralskotom + BBS

10 (7)

Nasale Hemianopsie + multiple Skotome

2 (1)

Superiore Hemianopsie + BBS

4 (3)

2-Quadranten mit peripheren Skotomen

3 (2)

3-Quadranten Skotome + BBS

3 (2)

Multiple parazentrale Skotome

2 (1)

Temporal/parazentrale Skotome + BBS

2 (1)

Temporale Skotome

4 (3)

Nasale Skotome + BBS

8 (5)

Parazentrale Skotome

5 (3)

Periphere konzentrische Einengung + BBS

10 (7)

Periphere konzentrische Einengung +

4 (3)

zentrale Skotome + BBS

 

BBS = (Big Blind Spot) Vergrößerter blinder Fleck. Modifiziert nach Monson und Smith, 2011

enten werden fleckförmige Pigmentierungen und Läsionen des RPE beobachtet. Sie sind vermutlich Folge des Untergangs der Photorezeptoren. In der ICG-Angiografie lassen sich entsprechende hypofluoreszente Areale darstellen.

Junge, myope Frauen

Symptome / Leitbefunde

akut einsetzende Gesichtsfelddefekte

Fundoskopie: unau älliger Befund

Perimetrie

Befunde s. Tabelle

ERG

pathologische Zapfenantworten,

 

Latenz im Flicker-ERG

OCT

akut: Veränderungen im

 

Grenzbereich der Innen-

 

/Aussensegmente

ICG

Hypo„uoreszenz der

 

Choriokapillaris

 

 

Abgrenzung zu DD (s. 5.1.)

Diagnose: AZOOR

Perimetrie, ERG, OCT, ICG

5.1. Di erentialdiagnosen

..Abb. 10.44  Vom Befund – zur Diagnose (klinischer Algorithmus, Entscheidungsbaum)

10.12.5 Diagnostik

Die Diagnose basiert auf klinischen Beschwerden und zusätzlicher Funktionsdiagnostik (ICG-Angiographie; Elektrophysiologie).Es liegen initial meist wenige klinischmorphologische Korrelate vor (.Abb.10.44).

Spaltlampe/Fundoskopie

Bei reizfreiem vorderem Augenabschnitt können bei ca. 50 % der Betroffenen Zellen im Glaskörper nachgewiesen werden. Zusammen mit selten auftretenden Gefäßeinscheidungen (ca. 10 %) kann dies als intermediäre Uveitis imponieren. Im Verlauf von Monaten treten milde RPE Alterationen auf.

Perimetrie

Gesichtsfeldveränderungen liegen bereits initial bei > 30 % der Betroffenen vor (.Tab.10.21) und betreffen über-

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458 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

..Abb. 10.45  Ganzfeld-Elektroretinogramm mit im Seitenvergleich links z. T. deutlich reduzierten und Stäbchen- (oben) und Zapfenantworten (unten)

wiegend Vergrößerung des blinden Fleckes (75 %) oft in Verbindung mit weiteren Skotomen sowie konzentrische Einengung des GF (50 %).

Bildgebende Verfahren

Fluoreszenzangiografie (FA)  Initial liegen oft regelrechte Perfusionsverhältnisse vor, die im Verlauf durch geringe Leckage an Papille und Makula auffällig werden können. Im Spätstadium (> 6 Monate) können unregelmäßige Hy-

perfluoreszenz mit Fensterdefekten in den betroffenen Netzhautarealen auftreten.

ICG-Angiografie  Eine Hypofluoreszenz im Bereich der betroffenen Choriokapillaris wurde als häufigste Veränderung belegt. Bei einem Fallbericht wurden zusätzlich peripher gelegene hyperfluoreszente Veränderungen gesehen (Abe).