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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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10.10  •  Punktförmige innere Choriopathie (PIC) (engl. Punctate Inner Choroidopathy (PIC))

.. Tab. 10.15  Gesichtsfeldbefunde bei Erstvorstellung PIC

(n = 22 Augen)

Gesichtsfelddefekt

Anzahl Augen (%)

Normales Gesichtsfeld

10 (45)

Vergrößerter blinder Fleck (BBS)

9 (41)

Zentralund Parazentralskotome

3 (14)

BBS = (Big Blind Spot) Vergrößerter blinder Fleck

Modifiziert nach Reddy et al., 1996

Pol und gelegentlich in der mittleren Peripherie, sehr selten noch weiter peripher (.Abb.10.40a–c). Gelegentlich findet sich subretinale Flüssigkeit um die Herde. Eine chorioidale Neovaskularisation muss in jedem Falle ausgeschlossen werden, da sie eine gefürchtete Komplikation bei PIC darstellt.

Perimetrie

Die Herde am hinteren Pol rufen Gesichtsfeldveränderungen hervor (.Tab.10.15), die sich perimetrisch gut darstellen lassen. Veränderungen der Gesichtsfelddefekte sind häufig ein besserer funktioneller Verlaufsparameter, als der reine Fernvisus.

Bildgebende Verfahren

Fluoreszenzangiografie (FA)

Die Herde stellen sich hyperfluoreszent dar, wobei die Hyperfluoreszenz in der Spätphase noch weiter zunimmt und gelegentlich Leckage zu sehen ist. Ansonsten ist die Fluoreszenzangiographie unauffällig. Besonderes Augenmerk ist auf das Vorliegen von CNV zu legen, da diese eine PIC komplizieren können (.Abb.10.41).

ICG Angiografie

Im Bereich der Läsionen ist eine Hypofluoreszenz zu beobachten, die wahrscheinlich auf narbige Umbauvorgänge innerhalb der Choriocapillaris zurückzuführen ist.

OCT

Es existieren nur wenige Untersuchungen, welche die Morphologie der PIC-Läsionen im OCT beschreiben. Channa et al. beschrieben generell 2 Arten von Läsionen. Zum einen Herde, die als Pigmentepithelabhebung mit hoher darunterliegender Reflektivität imponieren, zum anderen Störungen der äußeren Netzhautschichten ohne direkte Beeinträchtigung der Bruch’schen Membran oder der Chorioidea. Inwieweit dies mit der vermuteten Pathogenese in Einklang zu bringen ist, ist noch nicht bekannt.

..Abb. 10.41  Späte Angiographiephase eines Auges mit PIC. Der weiße Pfeil deutet auf eine aktive CNV, die schwarzen Pfeile auf weitere, narbige Herde hin. Die grüne Linie repräsentiert den unten links gezeigten OCT-Scan durch die Läsion

10.10.6 Differentialdiagnostik

Aufgrund der klinischen Präsentation müssen weitere autoimmunologische Retinopathien und Erkrankungen aus dem Spektrum der „White dot Syndrome“ (  Abschn.9.11) abgrenzt werden (.Tab.10.16).

10.10.7Therapie Behandlungsempfehlungen

Eine zielgerichtete Therapie existiert nicht. Bei Verläufen, die nicht durch das Auftreten einer CNV kompliziert werden, ist ein abwartendes Verhalten aufgrund der insgesamt guten Prognose gerechtfertigt. Grundsätzlich wurden bereits zahlreiche immunmodulatorische Therapieansätze verfolgt, wie z. B. die Verwendung von Kortikosteroiden, MMF, Sirolimus und anderen. Ein eindeutiges Votum für oder wider diese Therapieverfahren lässt sich aus den Studiendaten nicht ableiten. Sollte es jedoch zum Auftreten einer CNV kommen, so hat sich die Anwendung von intravitreal applizierten VEGF-Antagonisten durchgesetzt. In mehreren Berichten konnte die gute Wirkung bei aktiven CNV-Läsionen gezeigte werden, eine anschließende Narbenbildung lässt sich jedoch nicht verhindern, sodass auch dauerhafte Funktionseinschränkungen zu erwarten sind.

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452 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

Vom Befund zur Diagnose

(klinischer Algorithmus, Entscheidungsbaum)

Junge, myope Frauen

Symptome / Leitbefunde

Verschwommensehen + Gesichtsfelddefekte +

Photopsien

Fundoskopie:

Mehrere gelbliche Herde am hinteren Pol, teils kon uierend

Perimetrie

Befunde s. Tabelle

OCT

akut: Pigmentepithelabhebung,

 

Unregelmäßigkeiten in den Innen-

 

und Außensegmenten der

 

Photorezeptoren

FA

Hyperƒuoresezenz, ggf. später noch

 

Leckage, CAVE: CNV

ICG

Hypoƒuoreszenz der

 

Choriokapillaris

 

 

Abgrenzung zu DD (s. 5.1.)

Diagnose: PIC

*Nachbeobachtung zunächst 4–6 wöchentlich; dann 3–6 monatlich (*indiv. Abweichung möglich)

Perimetrie, ERG, OCT, ICG

5.1. Di erentialdiagnosen

..Abb. 10.42  Vom Befund zur Diagnose – der klinische Entscheidungbaum

10.10.8 Verlauf und Prognose

Obwohl die Erkrankung beidseits verläuft und mit CNV einhergehen kann, ist die Prognose relativ gut. Die meisten Patienten erreichen eine Sehschärfe von > 0,5 nach Abheilung. In bis zu 20 % der Fälle jedoch kommt es aufgrund von CNV oder ausgeprägter subretinaler Fibrose zu einer starken Visusminderung auf unter 0,1. Skotome können sich im Verlauf der Krankheit etwas bessern, im Bereich residueller Narben bleiben sie jedoch bestehen.

10.10.9Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

http://www.uveitis-selbsthilfe.de/, http://www.duag.org/, http://uveitis.jimdo.com, http://www.pro-retina-stiftung.de

10.11Serpiginöse Choroiditis (engl. Serpiginous choroiditis)

S. Thurau

ICD-10 Code H30.9 Chorioretinale Entzündung, unspezifisch

10.11.1 Einleitung

Die serpiginöse Choroiditis ist eine beidseitige, rezidivierende, progressiv verlaufende Entzündung der Choriokapillaris, der Aderhaut und des retinalen Pigmentepithels. Die Erstbeschreibung geht zurück auf Junius. Die Erkrankung verläuft in einzelnen Schüben, die funktionsarme Narben und Atrophien hinterlassen, letztere können auch mit Hilfe der Perimetrie dokumentiert werden. Zwischen den Schüben können Monate oder Jahre liegen, nach langer Remission kann sich der Visus wieder verbessern. Eine Ursache oder Auslöser für die Schübe sind nicht bekannt. Die serpiginöse Choroiditis ist eine seltene Ursache einer Uveitis posterior (< 2 %) und betrifft beide Geschlechter etwa gleich häufig, bevorzugt zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr.

10.11.2 Klinische Zeichen

Typischerweise kommt es zu einer erst einseitigen, später beidseitigen Verschlechterung des zentralen Sehvermögens, Metamorphopsien oder beidseitigen Skotomen. Vorderkammer und vorderer Glaskörper sind meist entzündungsfrei, allerdings zeigen sich in etwa 50 % der Patienten im hinteren Glaskörper Zellen und ein Tyndallphänomen. Es entwickeln sich atrophische Narben mit Verlust von retinalem Pigmentepithel und Choriokapillaris. Pigmentverklumpungen sind am Rande und im Zentrum der Läsionen zu finden. Charakteristisch sind die gewundenen, sich schlängelnden chorioretinalen Läsionen, die mit jedem Schub größer werden und sich aus den schon vorhandenen Narben entwickeln. Aktive Schübe können von exsudativer Ablatio, RPE-Abhebung und retinaler Vaskulitis begleitet sein.

Es werden drei Verlaufsformen voneinander unterschieden (.Tab.10.17).

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10.11  •  Serpiginöse Choroiditis (engl. Serpiginous choroiditis)

.. Tab. 10.16  Differentialdiagnostik bei PIC

Differentialdiagnosen

Charakteristika/Abklärung

AAOR (acute annular

Skotome, wie bei AZOOR, aber keine Photopsien; ringförmige, intraretinale Ablagerungen die zunächst

outer retinopathy)

zunehmen, bevor sie innerhalb von ca. 2 Wochen verschwinden

CAR (Cancer associated

Skotome und Photopsien, wie bei AZOOR, meist fortschreitender Funktionsverlust; Nachweis von

Retinopathie)

retinalen Autoantikörpern (v. a. Anti-Recoverin)

MEWDS (Multiple

Kleine weiße chorioidale Läsionen der inneren Netzhautschichten oder RPE; die Herdbefunde verblas-

evanescent white dot

sen, im Verlauf z. T. gelb-orange granuläre Veränderungen im Makulabereich; Visusminderung und

Syndrome)

GesichtsfeldVeränderungen sind (nach Monaten) meist reversibel

MIC (multifocal inner

Meist bsd., kleine weiße periphere chorioidale Läsionen mit Vitritis; im Verlauf mit scharfen ausgestanzt

choroiditis)

wirkenden demarkierten, pigmentierten Rändern

ARN (Akute Retina

Initial unilaterale rasch fortschreitende nekrotisierende Retinitis; beginnt in der peripheren Retina; oft

Nekrose)

begleitend granulomatöse anteriore Uveitis; Notfallsituation! (Herpes-simplex-Virus, VZV, CMV Nachweis

 

in Kammerwasser-Glaskörper )

AIBSE (acute idiopathic

Meist unilaterale, akute symptomatische Vergrößerung des blinden Fleckes ohne morphologische

blind spot enlargement

Sehnervveränderung; ERG Veränderungen meist nur nasal, parafoveal (nicht im Ganzfeld-ERG, wie bei

syndrome)

AZOOR); FLA – z. T. Leckage im Papillenbereich

Klassische oder peripapilläre geographische Form

Die Läsionen beginnen an oder in unmittelbarer Nähe zur Papille und schreiten in die Peripherie fort (.Abb.10.43). Die Erstmanifestation wird nicht immer vom Patienten wahrgenommen. Erst mit der Ausdehnung der Herde bzw. dem Erreichen der Makularegion kommt es zu entsprechenden Beschwerden. Die Erkrankung verläuft bilateral, wobei das 2. Auge initial oft noch keine Veränderungen zeigt. Die einzelnen Schübe treten typischerweise nicht gleichzeitig in beiden Augen auf. Der Visus nimmt erst relativ spät ab, wenn die Makula erfasst ist.

Makuläre Form

Sie beginnt in der Makularegion und hat ebenfalls einen schubförmigen Verlauf. Die Rezidive treten in aller Regel am Rande bestehender Herde auf. Wegen der früheren Beteiligung der Makula ist hierbei die Visusprognose besonders schlecht. Im Bereich der Narben können sich subretinale Neovaskularisationen und Fibrosen entwickeln.

Atypische Form

Als atypisch oder multifokal wird eine seltene Form bezeichnet, die in der Peripherie beginnt und in deren Verlauf sich unabhängig von der ersten Läsion neue Herde bilden. Auch ein multifokaler Beginn ist beschrieben worden, der zunächst Ähnlichkeit mit einer APMPPE aufweist. Die Herde können konfluieren und die Visusprognose ist insgesamt ungünstig, wodurch sie sich von der APMPPE unterscheidet.

10.11.3 Weitere Untersuchungen

Fluoreszeinangiographie (FA)

In den Frühphasen der FA sind aktive Läsionen hypofluoreszent und zeigen in den Spätphasen Anfärbung und Leckage. Alte Atrophiezonen sind aufgrund des Choriokapillarisverlusts früh hypofluoreszent, ihre Ränder färben sich jedoch im weiteren Verlauf an. Gelegentlich finden sich bei aktiven Schüben phlebitische Exsudationen.

Indocyaningrün-Angiographie (ICGA)

Bei der Indocyaningrünangiographie imponieren in allen Stadien vor allem die hypofluoreszenten Areale. Sie repräsentieren die fehlende Perfusion der Choriokapillaris, die durch die primäre Entzündung der oberflächlichen Aderhautschicht bedingt ist (non-perfusion). ICGA-Hypofluo- reszenzen reichen oft weiter als klinisch oder fluoreszeinangiographisch sichtbare Läsionen und zeigen damit die tatsächliche Läsionsgröße an. Subklinische Läsionen können in späten Phasen der Angiographie hyperfluoreszent sein oder Leckagen aus tiefen Aderhautgefäßen zeigen.

Autofluoreszenz

Durch den Verlust des Pigmentepithels sind alte Narben nicht autofluoreszent. Aktive Areale am Rand einer Atrophiezone erscheinen hyperfluoreszent, bis sie anschließend atrophieren und ihre Autofluoreszenz verlieren.

OCT

Das OCT weist bei aktiver Entzündung oft ein zystoides Makulaödem nach. In den Atrophiezonen kann der Verlust der Photorezeptoren, des retinalen Pigmentepithels und der Choriokapillaris gezeigt werden.

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Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

 

 

 

 

.. Tab. 10.17  Klinische Manifestationen der serpiginösen Choroiditis

 

 

 

 

Bezeichnung

Beschreibung

 

Klassische oder peripapil-

Beginn der Herde an oder in unmittelbarer Nähe der Papille. Schubförmiges, vom Ursprungsherd

 

läre geographische Form

ausgehendes, zentrifugales Fortschreiten. Die Makula ist erst spät betroffen.

 

Makuläre Form

Beginn in der Region der Makula. Schubförmige, vom Ursprungsherd ausgehende Progression. Häufig

 

 

subretinale Neovaskularisationen und Fibrosen

 

Atypische Form oder

Beginn in der Peripherie, teilweise multifokal. Schubförmige Progression von alten Läsionen ausge-

 

multifokale serpiginöse

hend. Die einzelnen Herde konfluieren im Verlauf und können die Makula erreichen. Initial ödema-

 

Choroiditis, oder „relentless

töses RPE, nach 2–3 Monaten Übergang in Pigmentverklumpung und Atrophie. Große Aderhautge-

 

placoid chorioretinitis“

fäße sichtbar in den Läsionen. Häufig subretinale Fibrosen. Ausbreitung über die gesamte Netzhaut

 

 

möglich. Teilweise Beginn unter dem Bild einer APMPPE. Rezidivierend mit atrophischen Herden,

 

 

Progression kontinuierlich am Rand alter Narben. Die einzelnen Herde sind zentral grau pigmentiert

 

 

und haben helle, aktive Ränder.

..Abb. 10.43  Patient mit serpiginöser Choroiditis an beiden Augen. Am rechten Auge zeigt sich die typische Form, die von der Papille ausgeht und sich in mehreren Schüben über die Makula ausgebreitet hat. Am linken Auge hat sich neben dem klassischen peripapillären Beginn in der Makularegion eine eigenständige Atrophiezone entwickelt (s. Pfeile)

10.11.4 Histologische Befunde

Histologische Befunde von serpiginösen Choroiditiden sind selten. Sie zeigen Atrophien der Choriokapillaris, des retinalen Pigmentepithels und der Photorezeptorschicht mit Pigmentumschichtungen. Die tieferen Schichten der Aderhaut mit den größeren Gefäßen erscheinen normal. In der Aderhaut liegen lymphozytäre Infiltrate.

10.11.5 Pathogenese

Die histologischen und angiographischen Befunde weisen auf eine entzündliche Genese. Vor allem das therapeutische Ansprechen auf Steroide und Immunsuppressiva spricht für eine Autoimmunerkrankung.

Für eine kleine Gruppe von Patienten konnten bereits in den 70-er Jahren Infektionen mit M. tuberculosis gezeigt werden. Seit kurzem können mit Hilfe des QuantiferonTests latente Infektionen mit M. tuberculosis sicher nachgewiesen werden, und man findet sie vor allem – aber nicht nur – in Endemiegebieten und bei Patienten mit der atypischen Form. Die entsprechenden therapeutischen Konsequenzen daraus wurden von Gupta in Form der tuberkulostatischen Therapie gezogen. Ob Tuberkuloseinfektion auch bei Patienten, die nicht aus Endemiegebieten kommen, eine Rolle spielen, kann derzeit nicht sicher eingeschätzt werden.

Verschiedene andere Erreger wurden bei der serpiginösen Choroiditis nur in Einzelfällen nachgewiesen, ohne dass eine Kausalität gesichert werden konnte.