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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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10.9  •  Akute retinal Pigmentepitheliitis (ARPE) (engl. Acute retinal pigment epithelitis (ARPE))

.. Tab. 10.13  Differentialdiagnosen zur multifokalen Choroiditis

Differentialdiagnosen

Charakteristika/Abklärung

APMPPE (Akute

Am hinteren Pol treten multiple, helle, flache, gelbliche bis weiße Herde auf, die mit Visusverschlechterung

posteriore multifokale

und zentralen oder parazentralen Skotomen einhergehen, oft von einer Papillitis begleitet. Prodromi beste-

placoide Pigmentepi-

hen aus Photopsien und einer grippeähnlichen Erkrankung. Meistens Visusverbesserung innerhalb weniger

theliopathie)

Wochen unter Hinterlassung von Depigmentierungen und feinen Pigmentumschichtungen. Zerebrale

 

Vaskulitis mit Zeichen eines Apoplex (bei jungen Patienten!) möglich

MEWDS (Multiple

Kleine, weiße, choroidale Läsionen der inneren Netzhautschichten oder des RPE; die Herdbefunde ver-

evanescent white dot

blassen im Verlauf, z. T. gelb-orange, granuläre Veränderungen im Makulabereich; Visusminderung und

Syndrome)

Gesichtsfeld-Veränderungen sind (nach Monaten) meist reversibel

ARPE (Akute retinale

Akute Entzündung des Pigmentepithels. Es treten passager feine Pigmentverschiebungen mit einem

Pigmentepitheliitis)

grauen Zentrum und gelblichem Hof auf, die zu Verschwommensehen führen. Spontanes Verschwinden

 

der Läsionen innerhalb von Wochen mit Visusnormalisierung

POHS (presumed

Kleine atrophische Läsionen des Pigmentepithels. Lokalisation in der Peripherie und der Makula. Peripapil-

ocular histoplasmosis

läre Atrophien. Keine Entzündungszeichen im Glaskörper oder in der Vorderkammer. Nur im Endemiege-

syndrome)

biet im mittleren Westen der USA.

SO (Sympathische

Beidseitige granulomatöse Panuveitis nach perforierender Verletzung oder Operation eines Auges. Cha-

Ophthalmopathie)

rakteristisch sind Infiltrate tief in der Aderhaut, die in der mittleren Peripherie beginnen und konfluieren

 

können. Häufig wird die Choroiditis von einer Papillitis und Vitritis begleitet. Oft fehlt die Vorderkammer-

 

beteiligung

nen führt. Diese können mit wiederholten intravitrealen Gaben von VEGF-Blockern (z. B. Bevacizumab, Ranibizumab) behandelt werden.

Beide hier aufgeführte Komplikationen können durch eine immunsuppressive Dauertherapie (s. o.) weitgehend vermieden werden.

10.8.6 Differentialdiagnosen

Die multifokale Choroiditis muss von verschiedenen anderen Entzündungen der Aderhaut und der Choriokapillaris abgegrenzt werden. Die wichtigsten Differentialdiagnosen sind in .Tab.10.13 zusammengefasst.

10.8.7Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

http://www.duag.org, http://www.uveitis-selbsthilfe.de, http://uveitis.jimdo.com, http://www.pro-retina-stiftung.de

10.9Akute retinal Pigmentepitheliitis (ARPE) (engl. Acute retinal pigment epithelitis (ARPE))

S. Thurau

ICD-10 Code H30.9 Chorioretinale Entzündung, unspezifisch

10.9.1 Einleitung

Die akute retinale Pigmentepitheliitis (ARPE) ist sehr selten und durch eine akute, passagere, isolierte Entzündung des retinalen Pigmentepithels (RPE) gekennzeichnet. Die Erstbeschreibung geht auf Krill und Deutman zurück, die eine entzündliche Genese vermuteten (Krill and Deutman 1972). Die Veränderungen des RPE sind dezent als Ansammlung kleiner Pigmentunregelmä-

ßigkeiten mit einer umgebenden Hypopigmentierung oder als zentrale Auffhellung in der Region der Makula zu sehen. Sie verursachen eine passagere Sehstörung ohne Schmerzen oder Beteiligung des Glaskörpers. Meist tritt nach 6–12 Wochen spontan eine Visusnormalisierung ein, es können aber auch zentrale Skotome bestehen bleiben. Betroffen sind häufig junge Erwachsene in der 2.–4. Lebensdekade. Meist ist nur ein Auge beteiligt, Rezidive sind selten.

10.9.2 Pathophysiologie

Die Pathophysiologie der ARPE ist nicht geklärt. Offenkundig handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung. Es ist aber bislang nicht bekannt, ob die primäre Entzündung im RPE oder der äußeren Netzhautschichten liegt. Die publizierten Angiographieund OCT-Bilder legen die Vermutung nahe, dass die Entzündung vom RPE ausgeht.

Assoziierte Grunderkrankungen sind nur vereinzelt beschrieben worden. Die ARPE hat ophthalmoskopisch eine Ähnlichkeit der mit einer rötelnvirusinduzierten Re-

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448 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

tinitis, aber ein kausaler Zusammenhang zwischen ARPE

den äußeren Netzhautschichten der Photorezeptoren und

und Rubela konnte bisher nicht gezeigt werden. Manche

sogar der äußeren Körnerschicht. Nach einigen Wochen

ARPE-Patienten sind zwar positiv für Hepatitis C (Quil-

bilden sich diese Veränderungen wieder weitgehend zu-

len et al. 1994), aber ob hier ein kausaler Zusammenhang

rück, es können aber Unregelmäßigkeiten im RPE-Band

besteht, ist ebenfalls nicht geklärt.

bzw. in der Schicht der inneren und äußeren Segmente

 

verbleiben (Merkoudis and Granstam 2013).

10.9.3 Genetische Assozationen oder

 

familiäre Häufungen wurden bisher

10.9.5 Differentialdiagnose

nicht beschrieben. Klinik

 

Die ARPE muss von einem multiple evanescent white dot

 

 

 

 

Die Patienten bemerken am betroffenen Auge eine zen-

syndrome (MEWDS), einer akuten posterioren multifoka-

trale Sehverschlechterung mit Nebelsehen oder Meta-

len placoide Pigmentepitheliopathie (APMPPE) oder einer

morphopsien. Meist fehlen Photopsien oder Symptome

Chorioretinopathia centralis serosa (CCS) unterschieden

einer Glaskörperbeteiligung, wie flottierende Pünktchen.

werden. Die wesentlichen Charakteristika dieser Erkran-

Vorausgehende Erkrankungen mit grippeähnlichen Sym-

kungen sind in .Tab.10.13 zusammengestellt.

ptomen werden nur selten berichtet. Das Sehvermögen ist

 

meist nur mäßig beeinträchtig und besser als 0,6. Nur ver-

10.9.6 Therapie

einzelt sinkt der Visus auf 0,1 oder 0,2.

Bei der Fundoskopie fallen kleine hyperpigmentierte,

 

 

dunkelgraue Flecken auf, die auf dem Niveau des RPE

Der natürliche Verlauf der ARPE ist gutartig. In aller Regel

liegen und von einem helleren, gelblichen Hof oder einer

normalisieren sich Sehvermögen und Gesichtsfelddefekte

Depigmentierung umgeben sind. Nur selten sind mehr

ohne Therapie innerhalb von 6 bis 12 Wochen. Auch im

als 5 hyperpigmentierte Flecken zu sehen. Diese Läsionen

Langzeitverlauf entwickeln sich bei diesen Patienten keine

liegen meist in der Makula. Andere retinale Strukturen,

anderen retinalen Erkrankungen, die mit einer schlechten

Gefäße oder die Papille sind nicht beteiligt. Nur bei weni-

Prognose im Hinblick auf das Sehvermögen belastet wären

gen Patienten sind Glaskörperzellen zu finden.

(Prost 1989). Einzelne Patienten sind zwar mit Kortikos-

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es in aller

teroiden behandelt worden, ob es aber dadurch zu einer

Regel zu einer spontanen Remission, bei der sich aber die

rascheren Erholung kommt, konnte wegen der Seltenheit

Pigmentveränderungen nicht wieder zurück bilden müs-

der Erkrankung nicht gesichert werden. Die vorhandene

sen, sondern mehr oder minder ausgeprägt bestehen blei-

Datenlage besteht zwar nur aus Einzelbeobachtungen, den-

ben. Funktionelle Residuen in Form eines Zentralskotoms

noch kann empfohlen werden, auf eine Therapie der ARPE

sind selten.

zu verzichten.

10.9.4 Bildgebung

10.9.7 Prognose

 

 

 

Angiographie

Die Prognose der ARPE Ist auch ohne Therapie in aller

Die Fluoreszeinangiographie zeigt im aktiven Stadium ei-

Regel gutartig. Es kommt meist innerhalb von 3 Monaten

ner ARPE einen kleinen Fensterdefekt unter der foveolären

zu einer spontanen Verbesserung. Nur sehr selten bleibt

avaskulären Zone (.Abb.10.39a,b). Exsudationen aus der

eine Visusminderung in Form eines Zentralskotoms. Ob

Papille oder den retinalen Gefäßen fehlen. Die Indocyanin-

eine Steroidtherapie Vorteile bringt, ist nicht bekannt.

grünangiographie zeigt nach ca. 2–4 Minuten eine zentrale

Assoziierte Grunderkrankungen, die eine prognostische

Hyperfluoreszenz und nach 10 bis 30 Minuten ein meist

Bedeutung haben könnten, sind ebenfalls nicht bekannt.

hypofluoreszentes Zentrum mit einer ringförmigen, kokar-

 

denartigen Hyperfluoreszenz (Baillif et al. 2011).

10.9.8 Selbsthilfegruppen

 

 

Optische Kohärenztomographie (OCT)

und hilfreiche Websites

Im aktiven Stadium einer ARPE ist das Reflexband der in-

 

 

neren und äußeren Segmente unterbrochen oder kuppel-

http://www.duag.org, http://www.uveitis-selbsthilfe.de,

förmig verdickt (.Abb.10.39c). Auch das RPE-Band kann

http://uveitis.jimdo.com, http://www.pro-retina-stiftung.de

im Bereich der klinisch sichtbaren Läsion unterbrochen

 

sein. Gelegentlich finden sich auch verstärkte Reflexe in

 

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10.10  •  Punktförmige innere Choriopathie (PIC) (engl. Punctate Inner Choroidopathy (PIC))

..Abb. 10.39a–c  ARPE. a: Die Leeraufnahme vor der FLA zeigt eine zentral in der foveolären avaskulären Zone liegende Hyperfluoreszenz (Pfeil). Der helle Fleck rechts daneben ist ein gerätetechnischer Reflexartefakt. b: 39 Sekunden nach der Fluoreszeininjektion zeigt dieselbe Stelle einen kleinen Fensterdefekt, der im Laufe der Angiographie nicht zunimmt. c: In der OCT stellt sich die kuppelförmige Verdickung des RPE dar.

10.10Punktförmige innere Choriopathie (PIC) (engl. Punctate Inner Choroidopathy (PIC))

F.M. Heussen, U. Pleyer

ICD-10 Code H.20

10.10.1 Definition und Einteilung

Die „punktförmige innere Choroidopathie“ ist eine seltene Erkrankung, die durch fokale Degeneration im retinalen Pigmentepithel und der Chorioidea charak-

terisiert ist. Häufig tritt die Erkrankung bilateral auf und beschränkt sich auf den hinteren Pol und die mittlere Peripherie.

10.10.2 Historie, Epidemiologie

Diese Erkrankung aus dem Formenkreis der White-dot- Syndrome wurde 1984 von Watzke et al. erstmalig beschrieben. Häufig sind jüngere Patienten im Alter zwischen 18 und 40 Jahren betroffen. Frauen wesentlich öfter als Männer (W : M = 9 : 1). Die betroffenen Augen sind zumeist myop und weisen ansonsten eine leere Augenanamnese auf.

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Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

 

 

 

. Tab. 10.14 Differentialdiagnosen zur ARPE

 

 

 

 

Differentialdiagnosen

Charakteristika/Abklärung

 

MEWDS (Multiple

Kleine, weiße, choroidale Läsionen der inneren Netzhautschichten oder des RPE; die Herdbefunde ver-

 

evanescent white dot

blassen im Verlauf, z. T. treten gelb-orange, granuläre Veränderungen im Makulabereich auf; Visusminde-

 

Syndrome)

rung und Gesichtsfeld-Veränderungen sind (nach Monaten) meist reversibel.

 

APMPPE (Akute

Am hinteren Pol treten multiple, helle, flache, gelbliche bis weiße Herde auf, die mit Visusverschlechte-

 

posteriore multifokale

rung und zentralen oder parazentralen Skotomen einhergehen, oft von einer Papillitis begleitet. Prodromi

 

placoide Pigmentepi-

bestehen aus Photopsien und einer grippeähnlichen Erkrankung. Meistens Visusverbesserung innerhalb

 

theliopathie)

weniger Wochen unter Hinterlassung von Depigmentierungen und feinen Pigmentumschichtungen.

 

 

Zerebrale Vaskulitis mit Zeichen eines Apoplex (bei jungen Patienten!) möglich

 

CCS (Chorioretinopathia

Nichtentzündliche Abhebung der zentralen Neuroretina. Akut kommt es zu einer Hyperopisierung. Die

 

centralis serosa)

Fluoreszeinangiographie zeigt das typische „Rauchfahnenphänomen“. Die OCT zeigt die Abhebung der

 

 

Neuroretina, wodurch sich die CCS klar von einer ARPE unterscheidet. Nach Resorption der subretinalen

 

 

Flüssigkeit können sich Pigmentverschiebungen entwickeln, die allerdings meist ausgedehnter sind, als

 

 

bei der ARPE. Rezidive sind relativ häufig. Unter systemischer Steroidtherapie kann es zur Verschlechte-

 

 

rung bzw. zur Erstmanifestation einer CCS kommen.

. Abb. 10.40a–c Angiographiebilder mit zentralen (a) und weiter peripher gelegenen PIC-Läsionen (b,c). Typischerweise ist nur der hintere Pol und die mittlere Peripherie betroffen

10.10.3 Ätiologie und Pathogenese

Es wird eine autoimmune Pathogenese angenommen, die auf einer genetischen Prädisposition beruht. Da manche Krankheitsbilder der White-dot-Syndrome überlappende Charakteristika aufweisen, erscheint die Erklärung plausible, dass diesen auch gemeinsame Genloci zugrunde liegen. Dies Genloci wiederum könne durch Umweltfaktoren, wie z. B. Infekte oder Stress, getriggert werden und so zum Ausbruch der Erkrankung führen.

10.10.4Klinik: Vom Befund zur Diagnose (klinischer Algorithmus, Entscheidungsbaum, . Abb. 10.42)

Die Patienten berichten bei Erstvorstellung häufig von Verschwommensehen, Photopsien und zentralen bzw. parazentralen Skotomen auf zunächst nur einem Auge, obwohl

in vielen Fällen funduskopisch bereits beidseits Läsionen zu sehen sind. Diese Läsionen sind als fleckförmige Herde sichtbar, die sich häufig auf den hinteren Pol konzentrieren. Die gemessene Sehschärfe ist meist gut, kann jedoch bei zentral gelegenen Läsionen auch reduziert sein.

10.10.5 Diagnostik

Die Diagnose basiert auf klinischen Beschwerden und zusätzlicher Funktionsdiagnostik (Angiographie; Elektrophysiologie, . Abb. 10.41).

Spaltlampe/Fundoskopie

Der vordere Augenabschnitt sowie der Glaskörper sind regelhaft reizfrei. Am Fundus zeigen sich 100–300 µm große, rundliche Herde auf Höhe des RPE. Die Herde sind von geblicher Farbe, schlecht abgegrenzt und können teils konfluieren. Lokalisiert sind diese Läsionen am hinteren