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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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10.8  •  Multifokale Choroiditis (MFC) (engl. multifocal choroiditis)

.. Tab. 10.11  Differentialdiagnosen APMPPE

Differentialdiagnosen

Charakteristika/Abklärung

Serpiginöse Choroiditis

Oft initial asymptomatisch. Beginn in unmittelbarer Nähe zur Papille mit meist schubförmiger

 

Progression. Schübe erfolgen praktisch immer zeitversetzt. Einzelne Areale können konfluieren und

 

werden symptomatisch, wenn die Makula erreicht ist. Nach Wochen – Monaten: Übergang in Pig-

 

mentverklumpung und Atrophie mit meist scharf demarkierten Rändern. Häufig subretinale Fibrose.

 

Verlaufskontrolle: ICG Angiografie; Perimetrie

ARPE (Akute retinale Pig-

Akute Entzündung des Pigmentepithels. Es treten passager feine Pigmentverschiebungen mit einem

mentepitheliitis)

grauen Zentrum und gelblichem Hof auf, die zu Verschwommensehen führen. Spontanes Verschwin-

 

den der Läsionen innerhalb von Wochen mit Visusnormalisierung

MEWDS (Multiple evane-

Kleine, weiße, choroidale Läsionen der inneren Netzhautschichten oder des RPE; die Herdbefunde

scent white dot Syndrome)

verblassen im Verlauf, z. T. gelb-orange, granuläre Veränderungen im Makulabereich; Visusminderung

 

und Gesichtsfeld-Veränderungen sind (nach Monaten) meist reversibel

Vogt-Koyanagi Harada

Vor allem bei asiatischen Patienten; beidseitige granulomatöse (initial auch nicht-granulomatöse)

Erkrankung (VKH)

Choroiditis. Meist bei zu Beginn: im früh extraokuläre Symptome/Befunde: Pleozytose bei ZNS Betei-

 

ligung , Dysakusis, Alopezie, VItiligo, Poliosis. Exsudative Entzündung mit Papillitis, Ablatio, Aderhau-

 

tamotio und dichter Vitritis. Im Verlauf: flächige Depigmentierung („sunset glow“), mit irreversibler

 

Visusminderung. Oft interdisziplinäre Betreuung notwendig

ARN (Akute Retina Nekrose)

Initial unilaterale rasch fortschreitende nekrotisierende Retinitis; beginnt in der peripheren Retina,

 

rasche zentrale Beteiligung möglich! Meist begleitende (granulomatöse) anteriore Uveitis; Notfallsi-

 

tuation! (Herpes-simplex-Virus, VZV, CMV Nachweis in Kammerwasser-Glaskörper)

Tapetoretinale Degenera-

Selten akute Manifestation; chronischer Verlauf ohne funktionelle Besserungstendenz (Perimetrie,

tionen

Visus); elektrophysiologische Zusatzuntersuchung

10.7.8 Patientenselbsthilfeorganisationen

(www.duag.org), http://www.uveitis-selbsthilfe.de, http:// uveitis.jimdo.com, http://www.pro-retina-stiftung.de

10.8Multifokale Choroiditis (MFC) (engl. multifocal choroiditis)

S. Thurau

ICD-10 Code H30.9 Chorioretinale Entzündung, unspezifisch

10.8.1 Einleitung

Die multifokale Choroiditis (MFC) ist eine entzündliche Erkrankung der Aderhaut. Sie beginnt in der oberflächlichen Kapillarschicht und ist daher eine Choriokapillaritis. Im Verlauf greift die Entzündung auf die tieferen Schichten der Aderhaut, des retinalen Pigmentepithels (RPE) und der Netzhaut über. Dann kann es zu einer Beteiligung des Glaskörpers und selten auch der Vorderkammer kommen.

Die meist kleinen Herde liegen unter der Netzhaut und sind im aktiven Entzündungsstadium unscharf begrenzt. Sie treten bevorzugt – aber nicht ausschließlich – am hinte-

ren Pol auf und hinterlassen kleine, unregelmäßig geformte Pigmentdefekte. Es kommt häufig zu Rezidiven mit subretinalen Neovaskularisationen und Fibrosen.

Die Bezeichnung „multifokale Choroiditis“ wird nicht einheitlich verwendet. Viele Autoren haben einzelne prägnante Formen beschrieben und mit eigenen Namen belegt, die z. T. breiten Eingang in die Klinik gefunden haben, aber nach aktueller Einschätzung nicht unbedingt eigenständige Krankheitsbilder repräsentieren. So sollte der Begriff „multifokale Choroiditis mit Panuveitis“ (MCP) vermieden werden, da die Herde in der Choriokapillaris bei beiden Formen nicht voneinander zu unterscheiden sind, und uveitische Aktivität nicht immer in Glaskörper und Vorderkammer vorhanden ist. Als „punctate inner choroiditis“ (PIC) wurde eine MFC-Form benannt, die lediglich aus kleineren Läsionen besteht, sich aber ansonsten nicht von der MFC unterscheidet. Ähnliches gilt für die Begriffe „multifokale innere Choroiditis“ (MIC), „disseminierte innere Choroiditis“ (DIC) und „Pseudo-POHS“ (Pseudo-presumed ocular histoplasmosis syndrome) bzw. „POHS-ähnlich“. Die „progressive subretinale Fibrose“ beschreibt die lediglich Komplikation der Fibrose bzw. Neovaskularisation bei der MFC. Diese Bezeichnungen sollten nicht mehr benutzt werden.

Dagegen ist das echte „presumed ocular histoplasmosis syndrome“ (POHS) tatsächlich ein eigenständiges Krankheitsbild, das sich einerseits epidemiologisch von der MFC unterscheidet, weil es nur bei Patienten aus dem

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444 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

..Abb. 10.36  Multifokale Choroiditis bei 30-jähriger Patientin. Peripapilläre Narben und 3 Läsionen in und temporal oberhalb der Makula. Zwischen den beiden zentraleren Läsionen (Sternchen) zeigt sich eine subretinale Fibrose (Dreieck) mit hyperpigmentiertem Rand und einem atrophisch-hellen Saum

Endemiegebiet der Histoplasmose (mittlerer Westen der USA) auftritt. Außerdem zeigen Patienten mit POHS einen positiven Hauttest auf Histoplasmoseantigen, der bei der multifokalen Choroiditis nicht nachgewiesen werden kann, was auf eine infektiöse Ätiologie schließen lässt.

10.8.2 Klinische Zeichen

Die Symptome der MFC umfassen Visusverschlechterung, das Sehen von Nebel und flottierenden Pünktchen, Skotome und stark störende Photopsien. Die MCP kann einoder beidseitig auftreten, ist dann aber meist asymmetrisch. Häufig sind junge Frauen mit myopen Augen betroffen. Die Läsionen sind im aktiven Stadium unscharf begrenzt und können von einer nicht-granulomatösen Vitritis und anterioren Uveitis begleitet sein. Heilen die Aderhautläsionen ab, so hinterlassen sie kleine Atrophien, die den Blick auf die Sklera freigeben (.Abb.10.36). Größere Herde zeigen Pigmentansammlungen und können von einem helleren, gräulich-atrophischen Randsaum umgeben sein. Aktive Herde werden oft von einem messbaren Skotom begleitet, das unter Therapie kleiner und flacher wird. Peripapilläre Narben treten erst im Verlauf, vor allem bei Rezidiven, auf. Insgesamt sind Rezidive relativ häufig und die Ursache für weiter zunehmende Sehstörungen.

Viele Patienten leiden unter den Photopsien, die sowohl im aktiven Schub als auch in der Remission auftreten können. Letztlich kann nur die genaue Verlaufsdokumentation (Foto) und Untersuchung (Angiografie) helfen, zwischen Rezidiv und einfacher Photopsie zu unterscheiden.

..Abb. 10.37a,b  Aktive multifokale Choroiditis bei 27-jähriger Patientin. a: Bei Erstvorstellung zeigt sich eine subretinale CNV mit Blutung und Exsudation sowie die atrophische Narbe (Dreieck), aus der die Neovaskularisation hervorgegangen ist. b zeigt den Befund 7 Jahre später nach weiteren zentralen und peripapillären Rezidiven (Sternchen)

Die wichtigsten Komplikationen sind subretinale Fibrosen beziehungsweise Neovaskularisationen, die sich zwischen zwei Läsionen ausbreiten können (.Abb.10.36,

.Abb.10.37a,b) und bei bis zu 30 % der Patienten auftreten. Diese Komplikationen können, je nach Lage, eine erhebliche Visusverschlechterung nach sich ziehen. Epiretinale Gliosen treten vor allem bei Patienten mit Vitritis oder anteriorer Uveitis auf.

10.8.3 Weitere Untersuchungen

Bildgebung

Ein wichtiges diagnostisches Mittel ist die Angiografie (.Abb.10.38a–d). Mit der Fluoreszeinangiografie (FA) lässt sich die aktive Entzündung von Netzhaut, Papille und den Gefäßen darstellen (.Abb.10.38a). Die simultane Indocyaningrünangiografie (ICGA) zeigt das tatsächliche Ausmaß der Aderhautbeteiligung in Form von hypofluoreszenten, nichtperfundierten Arealen (.Abb.10.38b).

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10.8  •  Multifokale Choroiditis (MFC) (engl. multifocal choroiditis)

..Abb. 10.38a–d  Aktive multifokale Choroiditis bei 31-jähriger Patientin. a Fluoreszeinangiografie nach 29 Minuten. Multiple exsudierende Läsionen mit begleitender Papillitis und Phlebitis. b Indocyaningrünangiografie nach 29 Minuten. Die hypofluoreszenten Perfusionsdefekte in der Choriokapillaris zeigen die Entzündung der oberflächlichen Aderhautschicht. Die Pfeile zeigen die gleichen hypofluoreszenten Areale, die in D auch das OCT darstellt. c und d Das OCT 2:23 Minuten nach Beginn der Angiografie zeigt zwei Läsionen des Pigmentepithels und der Photorezeptoraußensegmente. Die grünen Pfeile weisen auf die selben Läsionen in der ICGA in B hin

Sie sind typischerweise unregelmäßig scharf begrenzt und entsprechen den vaskulitisch okkludierten Arealen der Choriokapillaris. Manchmal zeigen sich in den Spätphasen der ICGA in der Tiefe der Aderhaut große Venen mit hyperfluoreszenten vaskulitischen Exsudationen. Mithilfe der OCT kann die Schädigung der Photorezeptoraußensegmente und des retinalen Pigmentepithels dargestellt werden (.Abb.10.38c,d).

Funktionelle Untersuchungen

Mit der computergestützten Perimetrie können Skotome entsprechend der Areale aktiver Entzündung dokumentiert werden. Heilen die Läsionen ab, so wird die Fläche der Skotome kleiner, und auch die Tiefe der Defekte nimmt ab. Insofern ist die Perimetrie ein geeignetes Hilfsmittel für die Dokumentation eines Therapieerfolgs.

Ähnliches gilt für das multifokale ERG (mERG), das bei Entzündungsaktivität reduziert ist, wobei Areale mit

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Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

 

 

 

 

.. Tab. 10.12  Immunsuppressive Therapie bei multifokaler Choroiditis

 

 

 

 

 

Wirkstoff

Dosierung

Bemerkung

 

Azathioprin

Ca. 2 mg/kg KG, verteilt auf

Gute Wirksamkeit und Verträglichkeit bei MFC mit oder ohne Panuveitis;

 

 

2–3 Tagesdosen

Wirkungseintritt erst nach 4–6 Wochen

 

Ciclosporin

Ca. 2–3 mg/kg KG, verteilt auf

Gute Wirksamkeit. Nebenwirkungen sind etwas häufiger als bei Azathio-

 

 

2 Tagesdosen

prin; Wirkungseintritt erst nach 4–6 Wochen

 

Mycophenolat

Mofetil: 2 × 1000 mg tägl. Na-

Gute Wirksamkeit und Verträglichkeit bei MFC mit oder ohne Panuveitis;

 

 

Salz: 2 × 720 mg tägl.

Wirkungseintritt erst nach 4–6 Wochen

 

Methotrexat

10–15 mg einmal pro Woche

Bei MFC gibt es nur wenig Erfahrung zur Wirksamkeit; Wirkungseintritt erst

 

 

 

nach 2–4 Monaten

Skotomen noch tiefere ERG-Defekte aufweisen. Aber auch nach Abheilung der Läsionen kommt es bei ca. 75 % der Patienten nur zu einer partiellen Erholung des mERG. Möglicherweise erklärt die im ERG nachweisbare Störung der intraretinalen Signalverarbeitung die weiter bestehenden Symptome und Photopsien der Patienten noch lange Zeit nach der Abheilung.

10.8.4 Pathophysiologie

Bereits 1973 wurde von Nozik und Dorsch die multifokale Choroiditis als eine entzündliche Erkrankung beschrieben. Untersuchungen von Patienten mit der Indocyaningrünangiografie zeigen, dass es sich bei der multifokalen Choroiditis um eine primäre Erkrankung der Choriokapillaris handelt, die mit einem Verschluss der oberflächlichen Kapillaren einhergeht. Sekundär kommt es zu einer Beteiligung des tiefen Aderhautstromas und der Netzhaut, die sich in der Fluoreszeinangiografie als Exsudation darstellt. Zu diesen Beobachtungen passt auch eine histologische Untersuchung, die bei einem Auge nach mehrmonatiger MFC den Verlust von Pigment im RPE und allen Schichten der Aderhaut zeigt. Die lymphozytären Infiltrate bestehen überwiegend aus B- und nur wenigen T-Zellen und liegen zum größten Teil tief in der Aderhaut. In der Netzhaut findet man perivaskulär nur wenige T-Zellen. Im Bereich der Läsion zeigen sich subretinale Neovaskularisationen.

Obwohl die choroidalen Läsionen klein und rundlich sind, sind sie nicht-granulomatös. Dazu passt auch die Art der begleitenden Vitritis bzw. anterioren Uveitis.

10.8.5 Therapie

Therapie der akuten Entzündung bei MFC

Da die multifokale Choroiditis zu irreversiblen Destruktionen führt, muss die Therapie im aktiven Entzündungsschub diesen Prozess möglich schnell stoppen. Dazu werden am besten hochdosierte Kortikosteroide intravenös

verabreicht; sollte die Läsion nicht direkt der Fovea benachbart sein, kann auch eine orale Therapie ausreichen.

Rezidivprophylaxe

Langfristig stehen aber die Rezidivprophylaxe und die Vermeidung von Komplikationen am hinteren Pol im Vordergrund der therapeutischen Überlegung. Hierfür ist eine immunsuppressive Therapie mit Azathioprin, Ciclosporin, Mycophenolat oder Methotrexat erforderlich. Sie kann nicht nur die Rezidivrate, sondern auch die Bildung von subretinalen Fibrosen, Neovaskularisationen und epiretinalen Gliosen reduzieren (.Tab.10.12). Niedrig dosierte Steroide haben diese Wirkung auch bei chronischer Anwendung nicht.

Wie bei allen Indikationen zur Immunsuppression muss davon ausgegangen werden, dass auch bei der MFC ca. 1/3 der Patienten nicht auf die Medikation ansprechen. In solchen Fällen reicht es meist, auf ein anderes Immunsuppressivum umzusteigen. Zu berücksichtigen ist auch die Tatsache, dass alle Immunsuppressiva einen verzögerten Wirkungseintritt haben und nicht sofort ansprechen, wie es bei den Kortikosteroiden der Fall ist.

Wie lange eine immunsuppressive Therapie durchgeführt werden soll, ist nicht untersucht. Man geht davon aus, dass für mindestens ein Jahr – eventuell auch 2 Jahre – Rezidivfreiheit angestrebt werden soll, bevor ein Ausschleichoder sogar Absetzversuch unternommen wird. Der Patient muss über das Rezidivrisiko aufgeklärt werden und sollte im Falle einer Verschlechterung kurzfristig intravenös mit hochdosierten Kortikosteroiden behandelt werden. In einer solchen Situation muss ggf. auch über die Wiederaufnahme der Immunsuppression entschieden werden.

Therapie der Komplikationen

Zystoides Makulaödem: Das zystoide Makulaödem kann gut mithilfe einer retrobulbären Triamzinoloneingabe behandelt werden, kann aber trotzdem rezidivieren.

Subretinale Neovaskularisation: Der umschriebene Verlust von Choriokapillaris verursacht eine lokale Ausschüttung von vascular endothelial growth factor (VEGF), das zur Entwicklung von subretinalen Neovaskularisatio-