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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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10.7  •  Acute Posterior Multifocal Placoid Pigment Epitheliopathie (APMPPE)

Betro enes Auge akut und im Verlauf

Partnerauge

 

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b-Welle

 

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b-Welle

 

 

 

 

 

 

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a-Welle

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a-Welle

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a-Welle

 

 

 

 

 

 

 

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a

akut

 

 

b

nach 8 Wochen

 

 

c

Partnerauge

 

 

..Abb. 10.33a–c  ERG Befund bei MEWDS mit reduzierter a-Welle (a), Erholung (b) und niedrigem Normalbefund am Partnerauge (c). (Mit freundlicher Genehmigung der Universitäts-Augenklinik Freiburg

.. Tab. 10.10  Differentialdiagnosen bei MWDES

Erkrankung

Patienten

Klinik

Sonstiges

MEWDS

F > M

Unilateral

ICG Angiogramm hypofluoreszente

 

junge Erwachsene

Visus ↓

Herde

 

 

Skotome

ERG ↓

 

 

grippeartige Prodromi

Vergr. Blinder Fleck

PIC

F > M

Bilateral

FLA hyperfluoreszente­ Herde mit

 

junge Erwachsene

Visus ↓

Exsudation

 

 

Skotome

1/3 CNV

APMPPE

F = M

Bilateral

Zellen in VK und GK

 

junge Erwachsene

Visus ↓

Zerebrale Vaskulitis möglich (50 %)

 

 

Skotome

 

 

 

grippeartige Prodromi

 

MFC mit Panuveitis

F ≥ M

Bilateral

Chronisch rezidivierend

 

 

Visus ↓

1/3 CNV

 

 

Floater

 

Birdshot Retinopathie

F = M

Bilateral

Langsam progredient

 

 

Visus ↓

Vitritis

 

 

Farbensehen ↓

> 90 % HLA-A29 positiv

MEWDS (multiple evanescent white dot syndrome); PIC (punctate inner chorioditis); APMPPE (acute posterior multifocal placoid pigmentepitheliopathy); MFC (multifocal chorioditis); CNV (choriodal neovascularization)

10.7.2 Epidemiologie

Meist sind junge Erwachsene, vereinzelt Kinder und ältere Menschen betroffen. Männer und Frauen erkranken gleich häufig. APMPPE ist selten und tritt weltweit auf.

10.7.3 Ätiologie und Pathogenese

Häufig wird ein vorausgehender Infekt mit grippeartigen Symptomen beschrieben. Weitere vorausgehende Infekte können Mumps, Borreliose und Tuberkulose sein.

Genetik

Weder eine familiäre Häufung noch eine Assoziation mit dem HLA-System sind bekannt.

Immunologie

Da anamnestisch häufig eine grippale Erkrankung vorausgeht, wird vermutet, dass zirkulierende Immunkomplexe in den kleinen Gefäßen eine Ischämie verursachen. So entsteht eine Vaskulitis der kleinen Aderhautgefäße nahe dem retinalen Pigmentepithel mit sekundärer Entzündung im Bereich des RPE. Fallberichte nach Grippebzw. Menigokokken-Impfung liegen vor. Eine überzeu-

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440 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

gende Erklärung für die Entstehung der Krankheit gibt es bisher nicht.

Antigene

Histologische und immunhistochemische Untersuchungen fehlen bisher. Zu Antigenen ist deshalb wenig bekannt.

10.7.4 Klinik

Klinik der APMPPE

Die Betroffenen bemerken an einem, typischerweise an beiden Augen eine plötzliche Sehverschlechterung bzw. Lichterscheinungen. Der Visus verschlechtert sich dabei um ein bis fünf Stufen, selten bis zehn Stufen. I. d. R. sind beide Augen simultan betroffen, es kann aber auch ein Auge um wenige Wochen verzögert erkranken. Danach tritt eine langsame Erholung des Visus über Wochen bis wenige Monate meist bis zum Erreichen des ursprünglichenVisus ein. Kleinere Gesichtsfelddefekte sind oft dauerhaft nachweisbar. Rezidive sind ungewöhnlich, und grippeartige Infekte gehen häufig voraus. Spaltlampenmikroskopisch sind i. d. R. keine oder nur wenige nicht-gra- nulomatöse Entzündungszeichen in der Vorderkammer zu erkennen. Im Glaskörperraum ist eine geringe bis mäßige Entzündung typisch.

Hinterer Augenabschnitt

Charakteristisch sind multiple, flache, gelblich-weiße cremefarbene Plaques im Niveau des RPE. Diese Plaques sind unterschiedlich groß und gut abgegrenzt. Normalerweise beginnen diese plattenartigen Veränderungen im Makulabereich bzw. am hinteren Pol. Spätere Läsionen treten etwas peripherer auf. Sie sind nicht anterior des Bul- bus-Äquators zu finden. Ein zystisches Makulaödem tritt i. d. R. nicht auf. Eine Papillenschwellung kann gelegentlich vorkommen. Bei der Abheilung der Läsionen verlieren diese ihre Farbe. Ältere Läsionen können bereits abheilen während neue entstehen. Häufig bleiben RPE Verteilungsunregelmäßigkeiten zurück. Rezidive sind ungewöhnlich, kommen aber vor.

Besonderheiten der APMPPE im Kindesund Jugendalter

Nur wenige Fallberichte im Jugendalter ohne bekannte altersspezifische Besonderheiten liegen vor (Spital 2007).

Klinik der Systemerkrankungen

Zahlreiche Assoziationen mit Systemerkrankungen wurden beschrieben. Am häufigsten sind neurologische Symptome aufgrund einer zerebralen Vaskulitis. Kopfschmerzen werden mehrheitlich angegeben. Weniger häufig sind Parästhesien, Hypästhesien, Psychosen, Schwindel, Hör-

verlust und Lähmungen. Da auch Schlaganfälle ausgelöst werden können besteht Lebensgefahr. Andere Systemerkrankungen sind Erythema nodosum, Sarkoidose und Episkleritis.

10.7.5 Diagnostik

Visus  Im akuten Erkrankungsstadium fällt der Visus um ein bis fünf Zeilen, selten mehr, ab. Eine langsame Erholung über Wochen tritt meist ein.

Elektrookulogramm (EOG)  Das EOG ist während der Akutphase der Erkrankung deutlich beeinträchtigt, was für eine Mitbeteiligung des RPE spricht.

30-Grad Gesichtsfeld  Der Mean Defect (MD) beträgt im akuten Stadium 1 bis ca. 10 dB. Eine fast vollständige Erholung tritt mit Abheilung der Läsionen ein. Bei vielen Patienten bleiben leichte Defekte dauerhaft.

Fluoreszeinangiographie (.Abb. 10.34a–d) Die normale Aderhautfluoreszenz ist in der Frühphase im Bereich der Läsionen vermindert. Dies kann entweder durch Hypoperfusion oder durch Blockade durch die entzündlichen Läsionen erklärt werden. In der Spätphase tritt meist eine Hyperfluoreszenz auf. Nach Abheilen der Läsionen sind RPE-Fensterdefekte und -Maskierungen ohne Leckage in der Spätphase typisch.

Indozyaningrünangiographie  ICG-angiographische Zeichen sind zufällig verteilte ungleichmäßige geographische Hypofluoreszenzen am hinteren Pol, die besonders in den späten Aufnahmen sichtbar sind. Diese Zeichen verschwinden im Verlauf der Erkrankung bis auf wenige Ausnahmen, die choriokapillare Atrophien darstellen, völlig. Die in der ICG-Angiographie sichtbare Hypoperfusion belegt die Vermutung, dass primär die Durchblutung gestört ist (Pleyer 2005).

SD-OCT  Mehrere Arbeiten beschreiben die Befunde im SD-OCT (Goldenberg Retina 2012): Danach lassen sich für das jeweilige Erkrankungsstadium typische Veränderungen nachweisen (.Abb.10.35). Im akuten Entzündungsstadium ist eine gut abgegrenzte Erhebung im Grenzbereich des inneren und äußeren Segments zu erkennen. Hyperreflektives Material sowie subretinaler Flüssigkeit haben sich unter dem RPE angesammelt. In der subakuten Phase schwindet das hyperreflektive Material bis es in der Spätphase ganz verschwunden ist.

Zerebrale Kernspintomographie MRT  Entzündliche zerebrovaskuläre Veränderungen lassen sich am besten mit der

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10.7  •  Acute Posterior Multifocal Placoid Pigment Epitheliopathie (APMPPE)

..Abb. 10.34a–d  White lesions. a Fundusdarstellung, b Autofluroeszenzdarstellung, c/d Frühe und späte Hyperfluoreszens

Kernspintomographie nachweisen bzw. ausschließen. Die Liquorpunktion kann eine Pleozytose ergeben. Je nach Symptomen sind eine neurologische oder weitere fachärztliche Untersuchungen angezeigt.

Differentialdiagnostik

Schwierig kann die Abgrenzung zu anderen posterioren Uveitiserkrankungen sein. Ähnliche Läsionen am hinteren Pol wurden bei M. Wegner und/mit posteriorer Skleritis beschrieben. Krankheitsverläufe, die später zu Veränderungen ähnlich einer serpiginösen Chorioretinitis führen, wurden von (Nussenblatt) (sog. „AMPiginous choroioretinopathy“) beschrieben.

Auch die Vogt-Koyanagi-Harada-Krankheit kann eine APMPPE vortäuschen.

Leichter fällt die Abgrenzung zur altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Drusen sind deutlich kleiner und die Sehbeschwerden sind weniger akut. Erbliche Netzhautdystrophien, wie Zapfen-Stäbchendystrophien (z. B. Morbus Best), verlaufen chronisch ohne Besserungstendenz und sind mehr auf die Makula begrenzt.

Aufgrund der klinischen Präsentation müssen weitere Retinochoroidopathien und „White dot Syndrome“ abgrenzt werden (.Tab.10.11).

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442 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

..Abb. 10.35  Klassifikation der akuten posterioren multifokalen plakoiden Pigmentepitheliopathie anhand von SD-OCT (spectral domain optical coherence tomographie). Zu sehen sind rotfreie Nezthautfotographien und OCT-Bilder von vier Stadien. Die schwarzen Pfeile in allen rotfreien Aufnahmen und OCT-Bildern zeigen auf korrespondierende Läsionen in beiden Bildern. a, Stadium 1a: Hyperakute Phase (sichtbar bei Erkrankungsbeginn). Gut abgegrenzte kuppelartige Anhebung der Verbindung zwischen innerem und äußerem Segment (inner segment IS/outer segment OS). Hyperreflektives Material ist mit einer variablen Menge subretinaler Flüssigkeit zwischen IS/OS und dem retinalen Pigmentepithel (RPE). b, Stadium 1b: akute Phase (ca. 2–4 Tag nach Krankheitsbeginn). Abflachung der gut abgegrenzten kuppelförmigen Läsion begleitet von der konstanten Verdickung des IS/OS-Bandes und Hyperreflektivität der äußeren Körnerschicht (outer nuclear layer ONL). c, Stadium 2: subakute Phase (ca. nach 2 Wochen). Deutliche Trennung zwischen der IS/OS-Verbindung und dem RPE mit wenig subretinaler Flüssigkeitsansammlung. Die Hyperreflektivität des ONL, die deutlich in der akuten Phase zu sehen war, wird schwächer und eine Verdünnung dieser Schicht ist nun sichtbar. d, Stadium 3: Spätphase (nach ca. 1,5 Monaten) Aufbrechen und teilweise Verschwinden der IS/OS-Verbindung mit Verdickung und akzentuierter Hyperreflektivität des RPE. Die IS/OSund RPE-Schichten erscheinen vereint. e, Stadium 4: Auflösungsphase (nach ca. 3 Monaten). Zwei hyperreflektive Bänder, die IS/OS-Verbindung und das RPE erscheinen wieder als zwei separate unterscheidbare Bänder

10.7.6 Therapie

 

10.7.7 Prognose

 

 

 

Aufgrund des seltenen Auftretens der Erkrankung liegen keine kontrollierten Studien vor. Bei insgesamt günstiger Prognose benötigen viele Patienten keine Therapie. Eine hochdosierte Steroidtherapie, die über wenige Wochen ausgeschlichen wird, hat sich in der Praxis in der Therapie der Augenerkrankung bewährt. Je nach Krankheitsausprägung und Verlauf sowie weiterer Erkrankungen kann auch eine systemische Immunsuppression in Absprache mit anderen Fachgruppen erforderlich sein. Es existieren Berichte über Therapien mit Cyclophosphamid, Mitoxantrone u. a.

Die Prognose der APMPPE in Bezug auf die Sehfunktion ist gut. Die Sehschärfe kann sich nach einigen Wochen vollständig erholen. Sichtbar bleiben jedoch retinale Pigmentepithelveränderungen. Rezidive sind ungewöhnlich. Sollte bei jungen Erwachsenen ein dauerhafter ernster Sehschaden auftreten muss die Diagnose in Zweifel gezogen werden. Die Prognose ist bei älteren Patienten ab der 6. Dekade deutlich schlechter. Als Spätkomplikation kann eine choroidale Neovaskularisation auftreten. Nach Fallberichten kann diese mit intravitrealen Anti-VEGF- Injektionen erfolgreich behandelt werden.