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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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10.4  •  Sympathische Ophthalmie (SO) (engl. „sympathetic ophthalmia“, griech. sumpaqein = „mitleiden“)

. Abb. 10.22 ICG-Angiographie mit charakteristischen hypofluoreszenten Läsionen. (Aus Pleyer 2009)

. Abb. 10.23 Ultraschall (B-Scan) bei SO mit exudativer Aderhautamotio oben und begleitender Glaskörperinfiltration

ZNS einher. Bei nachgewiesenem Augentrauma sollten andere Formen von posttraumatischer Uveitis (posttraumatische Iridozyklitis) erwogen werden. Wird ein autoimmunes Geschehen vermutet, ist an eine multifokale Choroiditis zu denken Die infektiösen granulomatösen Uveitiden manifestieren sich typischerweise einseitig, müssen jedoch vor Beginn einer systemischem Immunsuppression ausgeschlossen werden.

10.4.7 Therapie

Ein rechtzeitiger Therapiebeginn ist essentiell für die Visusprognose des sympathisierenden Auges. Während die SO früher mit einer infausten Prognose quod ad visum verbunden war, kann heutzutage durch eine moderne immunsuppressive Therapie ein günstigerer Verlauf erreicht werden.

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426 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

..Abb. 10.24a–ca Histologischer Schnitt durch die Netzhautschichten mit lymphozytärer Entzündungsinfiltration, Makrophagen und Sklerosierung, sowie Netzhautablösung und Dalén-Fuchs-Knötchen, b Histologisches Enukleationspräparat mit lymphoplasmazellulärem Infiltrat und granulomatöser Entzündungsreaktion mit mehrkernigen Riesenzellen, c Histologisches Enukleationspräparat mit nicht-verkäsenden Granulomen und lymphozytärer Infiltration in der Aderhaut. (Mit freundlicher Unterstützung von Frau Dr. F. Weber, Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Regensburg)

.. Tab. 10.8  Differentialdiagnostische Krankheitsbilder

VKH-Syndrom

Anamnestisch keine Verletzung oder

 

Operation, häufiger systemische Betei-

 

ligung, Prodromi, Liquor-Pleozytose

Sarkoidose

Typische Laborbefunde (erhöhtes

 

ACE und Interleukin 2R), systemische

 

Manifestationen an Lunge, Haut und

 

Gelenken

Uveitis phacoana-

Meist einseitig, Eröffnung der Linsen-

phylactica

kapsel, primär keine Beteiligung der

 

Choroidea, Kombination aus Uveitis

 

phacoanaphylactica und SO möglich

Multifokale Cho-

Weniger akuter Verlauf, häufig junge

roiditis

Frauen zwischen 30. und 40. Lebens-

 

jahr betroffen

Posttraumatische

Kurzes Intervall zum Trauma, Vorder-

Iridozyklitis

kammerreiz, keine Beteiligung der

 

Choroidea

Infektiöse granu-

Typische Laborbefunde, Nachweis

lomatöse Uveitis

im Glaskörperpunktat, systemische

(Tuberkulose,

Manifestationen

Lues, Pilze)

 

Medikamentöse Therapie

Die adäquate Behandlung besteht in einer frühen und aggressiven antientzündlichen und immunmodulatorischen Therapie. Neben der Anwendung topischer Steroide zur Kontrolle des Vorderkammerreizes ist eine hochdosierte orale Steroid-Therapie von essentieller Bedeutung. Die initiale Dosis liegt bei 60–80 mg Decortin H täglich (~ 1 mg/kgKG) mit schrittweiser Reduktion über 2–3 Monate; eine Erhaltungsdosis von 10 mg sollte je nach Befund für 6–12 Monate fortgesetzt werden. Bei Patienten mit systemischen Nebenwirkungen, fehlendem Ansprechen auf Steroide oder klinischem Rückfall während des Ausschleichens sollte eine Kombination mit alternativen

Immunsuppressiva zur Einsparung von Steroiden eingeleitet werden. Gängige Substanzen sind Ciclosporin A, Azathioprin oder Chlorambucil. Grundsätzlich sollte eine hochdosierte Immunsuppression immer in enger Zusammenarbeit mit dem betreuenden Internisten und unter strenger Beachtung der Kontraindikationen erfolgen. Additiv zur systemischen Therapie können intravitreale Injektionen von Steroiden oder Anti-VEGF-Präparaten versucht werden.

Chirurgische Therapie

Während früher die rasche Entfernung eines verletzten Auges postuliert wurde, wird die Indikation zur Enukleation heutzutage zurückhaltender gestellt. Übliche Indikation für eine Enucleatio bulbi sind ein schmerzhaftes, blindes Auge. Eine penetrierende Verletzung allein stellt keinen Grund zur Augapfelentfernung dar, da die Inzidenz der SO extrem niedrig ist und eine chirurgische Sanierung günstige funktionelle Ergebnisse verspricht. Nach Ausbruch einer SO ist der Erfolg einer Enukleation des auslösenden Auges umstritten. Ein günstiger Krankheitsverlauf ist bei frühem operativem Eingreifen (innerhalb von 2 Wochen) vereinzelt beschrieben. Prinzipiell sollte bei jedem Auge mit möglichem Visuspotential ein konservativer Therapieversuch unternommen werden.

10.4.8 Verlauf und Prognose

Der Verlauf kann rezidivierend schubförmig bis chronisch progressiv sein. Ohne Therapie kommt es üblicherweise zur Phthisis bulbi und Erblindung des sympathisierenden Auges. Durch eine adäquate Behandlung mit immunsuppressiven Substanzen hat sich die Visusprognose bei SO deutlich gebessert. Eine intensive Nachbeobachtung ist wichtig, da es noch viele Jahre später zu Rezidiven kommen kann.

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10.5  •  Birdshot Retinochoroiditis Retinochoroiditis (engl. Birdshot chorioretinopathy)

>> Für die Praxis gilt, dass generell bei jedem Patienten nach okulärem Trauma oder augenchirurgischem Eingriff das lebenslange, wenn auch sehr kleine, Risiko für die Entwicklung einer SO berücksichtigt werden sollte.

scence White Dot Syndrome, Acute Posterior Multifocal Placoid Pigment Epitheliopathy oder Multifocal Choroiditis sind die Patienten bei Präsentation eher älter, meistens zwischen vierzig und sechzig Jahren.

10.4.9Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

http://www.uveitis-selbsthilfe.de/, http://www.duag.org/, http://uveitis.jimdo.com/

10.5Birdshot Retinochoroiditis Retinochoroiditis (engl. Birdshot chorioretinopathy)

P.B. Knecht, M. Papadia, C.P. Herbort

ICD-10 Code H30.9 Chorioretinale Entzündung, unspezifisch

10.5.1 Hintergrund

Die Birdshot (dtsch. „Schrotschuss“) Retinochoroiditis wurde zum ersten Mal im Jahre 1980 von Ryan und Maumenee beschrieben. Ein Jahr später beschrieb Gass 11 Patienten mit gleichen Befunden und nannte die Erkrankung „vitiliginous chorioretinitis“. Die Geschichte der Birdshot Retinochoroiditis ist also erst gut 30 Jahre alt! Sie zeichnet sich durch eine bilaterale posteriore Uveitis mit schwacher Beteiligung der anterioren Segmente und des Glaskörpers, aber einer starken Beteiligung der Retina sowie der Choroidea aus. Nahezu pathognomonisch sind die reisförmigen, radiär von der Papille ausgehenden, crèmefarbigen Läsionen in der Choroidea, die dem Fundus den typischen „Schrotschussaspekt“ der Birdshot Retinochoroiditis verleihen. Eine systemische Beteiligung ist bisher nicht sicher nachgewiesen worden.

10.5.2 Epidemiologie

Die Birdshot Retinochoroiditis ist eine seltene Erkrankung der Kaukasier und kommt praktisch nicht in asiatischen, hispanischen oder afrikanischen Bevölkerungsgruppen vor. Dies ist bei der Vogt-Koyanagi-Harada Erkrankung (VKH) genau umgekehrt. Die Birdshot Retinochoroiditis macht etwa 1,2 % aller Uveitisfälle in Europa und Nordamerika aus. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und im Gegensatz zu Erkrankungen, wie Multiple Evane-

10.5.3 Ätiologie und Pathogenese

Die Birdshot Retinochoroiditis ist die Erkrankung in der Medizin mit der stärksten Assoziation zu einem humanen Leukozytenantigen (HLA). Je nach Literatur kann in 90 bis 100 % der Patienten das HLA-A29 nachgewiesen werden. Das HLA-A29 kommt nur in gerade 7–8 % der Normalpopulation vor und ist, nach Ausschluss anderer möglichen Ätiologien einer multifokalen posterioren Uveitis, ein wichtiger diagnostischer Parameter, nahezu ein „sine qua non“ der Diagnose. Wieso die Träger dieses HLA sensibler sind, eine Birdshot Retinochoroiditis zu entwickeln, ist unklar. Eine Möglichkeit wäre die Präsentation von Virusantigenen mittels dem HLA-A29, welche dann eine autoimmune Reaktion auslösen kann. Eine andere Gruppe konnte nachweisen, dass zwei Peptide des humanen retinalen Antigens stark an das HLA-A29 binden und so eine autoimmune Antwort ausgelöst wird.

Die Annahme, dass die Birdshot Retinochoroiditis eine T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung ist, wird dadurch unterstützt, dass in vitro, wie auch Tierexperimente, den Nachweis einer lymphozytären retinalen S-Antigenre- aktivität bei betroffenen Patienten erbrachten. Ein weiterer klinischer Hinweis für eine T-Zellabhängigkeit ist der Therapieerfolg mit T-Zell Inhibitoren.

10.5.4 Klinik

Systemische Assoziation

Eine systemische Assoziation wird bisher nicht angenommen. Es liegen aber Fallberichte vor, die die Birdshot Retinochoroiditis zusammen mit autoimmunem sensorineuralen Hörverlust oder Psoriasis assoziieren. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass diese Assoziazionen auf reinem Zufall basieren.

Symptome

Es ist wichtig zu wissen, dass diese Patienten initial nich- toder nur sehr selten über eine Visusminderung klagen. Sie sind vielmehr durch Floater gestört, nehmen eine Veränderung des Farbsehens wahr (meistens Blau-Gelb- Farbachse, manchmal aber auch Rot-Grün) oder leiden unter ausgeprägter Nyktalopie. Es gibt auch Patienten, die keine Symptome beklagen, und die typischen Birdshotläsionen (s. u.) zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt werden.

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428 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

. Abb. 10.25a,b Fluoreszeinund Indozyaningrün-Angiographie während der„wet phase“ der Birdshot Retinochoroiditis. Die Fluoreszein-An- giographie (a) zeigt eine Vaskulitis mit Einscheidungen der großen retinalen Venen sowie eine gesprenkelte Hintergrundhyperfluoreszenz durch diffuse kapilläre Leckage, das zu einem diffusen retinalen Ödem im posterioren Pol sowie der mittleren Peripherie führt. Man beachte, dass die Foveola nicht beeinträchtigt ist, und der Patient keine Beeinträchtigung der Sehschärfe bemerkte. Allerdings konnte eine massive konzentrische Einschränkung des Gesichtsfeldes nachgewiesen werden. Die Papille erscheint hyperfluorezent. In der Indozyaningrün-Angiographie (b) kann eine Aufhebung der choroidalen Gefässzeichnung durch eine diffuse Hyperfluoreszenz beobachtet werden, die zusammen mit den zahlreichen schwarzen Flecken eine aktive Choroiditis anzeigt

Vordere Bulbusabschnitte

Retina

Die vorderen Bulbusabschnitte sind bei der Birdshot Re-

Ein weiteres, typisches Zeichen der Birdshot Retinocho-

tinochoroiditis nur leicht involviert. Es ist allerdings nicht

roiditis ist die ausgeprägte Vaskulitis des posterioren Pols.

ganz korrekt, wenn man, wie als „Research Criteria for

Dies führt zu einer diffus-ödematösen Retina, und oft kann

Birdshot Retinochoroiditis“ publiziert, Endothelpräzipitate

ein Makulaödem, das in der Merheit der Fälle nicht ty-

als Ausschlusskriterium für diese Diagnose betrachtet.

pisch zystoid ist, beobachtet werden. Dieses diffuse Ödem

Die Autoren konnten in einer Serie zeigen, dass in einem

bildet sich langsam zurück und hinterlässt eine atrophe

nicht unerheblichen Teil der Patienten einzelne granulo-

Retina. Das Vorhandensein eines Makulaödems soll cha-

matöse Endothelpräzipitate beobachtet werden konnten.

rakteristisch für diese Erkrankung sein, sodass dies auch

Dies allerdings nur bei Patienten, die spät diagnostiziert

als unterstützendes Kriterium in den „Research Criterias for

wurden oder die Therapie verweigerten. Das Fehlen von

Birdshot Retinochoroidopathy“ genannt wird. In diesem Zu-

posterioren Synechien konnten wir allerdings auch bei

sammenhang ist aber schon jetzt zu sagen, dass sehr oft die

allen unseren Patienten bestätigen. Mittels Laser-Flare-

Foveola ausgespart wird und die bestkorrigierte Sehschärfe

Photometrie (LFP, s.a. Abschn. 5.1.4) konnte auch nur

oft nicht eingeschränkt ist. (. Abb. 10.25)

eine minimale Blut-Kammerwasser-Schrankenstörung

Unbehandelt kann sich das Bild einer Pseudoretinitis

nachgewiesen werden und ist sicher kein geeignetes In-

Pigmentosa entwickeln. Neben den knochenbälkchenarti-

strument, den Verlauf dieser Erkrankung zu monitori-

gen Pigmentveränderungen kommt es auch zu einer Eng-

sieren.

stellung der Gefässe.

Glaskörper

Papille

Die Glaskörperbeteiligung bei der Birdshot Retinochoro-

Wie in verschiedenen anderen posterioren Uveitiden

iditis ist leicht mit diffusem entzündlichen Infiltrat und

kommt es auch bei der Birdshot Retinochoroiditis zu einer

wenig herabgesetzter Sicht auf das posteriore Segment.

Papillitis. Da dies ein unspezifischer Befund ist, kann eine

Gemäss den „Research Criterias for Birdshot Retinochoro-

Papillitis nicht als diagnostisches Kriterium, aber für den

idopathy“ sollte eine Glaskörperbeteiligung von maximal

klinischen Verlauf verwendet werden.

zwei + nach der Definition von Nussenblatt et al. vorlie-

Unbehandelt kommt es zu einem Abblassen der Papille

gen.

im Rahmen einer Pseudoretinitis Pigmentosa.

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10.5  •  Birdshot Retinochoroiditis Retinochoroiditis (engl. Birdshot chorioretinopathy)

..Abb. 10.26  Fundusfotographie von typischen Birdshotläsionen. Zahlreiche ovale, reisförmige, depigmentierte Birdshotläsionen sind zu erkennen. Sie zeigen in einem radiären Muster von der Papille zur Peripherie. Dieser Patient verweigerte die Therapie über zehn Jahre

Choroidea

In der Choroidea sind die für die Birdshot Retinochoroiditis typischsten Veränderungen sichtbar. Die ovalen, reisförmigen, radiär angeordneten, crèmefarbigen entzündlichen Läsionen geben dieser Erkrankung die charakteristische Funduspräsentation, die einem „Schrotschuss“ ähnelt. (.Abb.10.26) Diese Läsionen können aktive entzündliche Infiltrate oder auch vernarbte Entzündungsherde des Aderhautsstromas repräsentieren. Im Gegensatz zur verbreiteten Meinung sind diese Birdshotläsionen allerdings nicht von Anfang an sichtbar und treten erst nach einer Weile ohne oder insuffizienter Therapie auf.

Die Birdshot Retinochoroiditis kann sich auch ähnlich wie Spätformen als tapetoretinale Degenerationen zeigen, ohne die typischen Läsionen, aber mit grossflächigen Atrophieherden von retinalem Pigmentepithel sowie Teile der Choroidea. Es ist allerdings unklar, ob diesem Bild typische Birdshotläsionen vorausgegangen waren und die Atrophie erst sekundär aufgetreten ist (.Abb.10.27).

..Abb. 10.27  Fundusfotographie einer weit fortgeschrittenen Bird­ shot Retinochoroiditis. Diese Patientin zeigt ein ähnliches atrophisches Fundusbild, wie bei Patienten mit tapetoretinalen Degenerationen. Die Patientin leidet seit über zwanzig Jahren an dieser Krankheit