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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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19

20

21

22

54 Kapitel 2  •  Extraokular/Adnexe

. Abb. 2.4a–d (Fortsetzung) Orbitale Myositis. a zeigt eine T1 gewichtete, fettgesättigte, Kontrastmittel-verstärkte Sequenz in koronarer Schichtung mit Darstellung der Tränendrüse bds. und Verdickung des M. rectus lateralis li. In axialer MR-Darstellung sieht man die großvolumige Raumforderung des M. rectus lateralis li. bis zur Orbitaspitze reichend in (b) in T2-Wichtung, in (c) in T1-Wichtung unter Fettsuppression mit Kontrastmittelapplikation, und in (d) erkennt man den Therapieerfolg durch systemische Glukokortikosteroide nach 5 Tagen (T1 Wichtung, Fettsuppression, Kontrastmittel)

. Abb. 2.5a,b Histologie von Orbitabiopsien bei IOE. Dargestellt sind HE-Färbungen von formalinfixierten Proben. a zeigt eine lymphatische dichte Zellinfiltration der Glandula lacrimalis. In b ist eine fokale lymphatische Orbitaentzündung abgebildet. Kleine, reife Lymphozyten dominieren das Entzündungsinfiltrat

oder zu beweisen. Deshalb ist eine Biopsie bei fortgeschrit-

largenetisch aufgearbeitet werden kann (. Abb. 2.5a,b).

tenen oder unklaren Fällen, bei Rezidiven bzw. Therapie-

Operationsbedingte Verletzungsgefahren sind bei der In-

versagern sinnvoll. In den genannten Studien wurde eine

dikationsstellung, Aufklärung und Durchführung der Bi-

Biopsie bei 29–100 % der IOE-Patienten einmal, ggf. auch

opsie zu beachten.

wiederholt durchgeführt. Eine Feinnadelaspirationsbiop-

 

sie ist möglich und etabliert, allerdings sind die diagnos-

2.1.7 Differentialdiagnosen zur IOE

tischen Aussagemöglichkeiten begrenzt, und sie hat ihren

Stellenwert im zellulären Ausschluss von Malignität. Bes-

 

 

ser ist eine inzisionale oder exzisionale Biopsie, die dann

Die IOE geht oft mit einer orbitalen Raumforderung ein-

umfassend histound immunhistologisch sowie moleku-

her, daher sind andere Gründe für eine Raumforderung

-Vaskulogene Läsionen (Lymphangiom, Hämangiom, Hämangioperizytom, A. carotis – Sinus cavernosusFistel (pulsierender Exophthalmus), Aneurysma
-(Dissektion)
Verschiedenes: Mucormykose bei Diabetes mellitus oder terminaler Niereninsuffizienz, Cholesterolgranulom, Migräne, Amyloidose, Neurofibromatose, multifokale Fibrosklerose, noduläre Fasziitis, noduläre Pannikulitis)

55

2

 

2.1  •  Idiopathische Orbitaentzündung (IOE)

.. Tab. 2.4  Wichtige und häufige Differentialdiagnosen zur IOE und wesentliche Charakteristika

 

Akuität/Beginn

Seite

Schmerz

Labor

Orbitabefund

Sonstiges

Schilddrüsenorbito-

+

2

+

TSH −, T3+,

RF++, Mot.-

Hyperthyreose

pathie

 

 

 

T4 +, T-Ak +

Lidretraktion

 

Lymphoproliferationen

+

1

LDH +, An-

RF ++, Mot. −,

B-Symptome

 

 

 

 

ämie

Ptosis +

 

Neoplasien/Metastasen

+

1

Variabel

RF ++

Variabel abhängig von

 

 

 

 

 

 

Neoplasie

IOE

+++

1

++

BSG +, CrP +

Variabel

Keine

Orbitale Zellulitis

++++

1

+++

Leuko +,

Rötung, RF ++,

Fieber, subperiostaler

 

 

 

 

Blutkultur +

Mot. −, Ptosis +

Abszess

Sarkoidose

++

2

+

ACE +, Lu-Fu.

RF +, Ptosis +,

Lymphadenopathie,

 

 

 

 

 

Mot. −

Erythem, Arthralgie

GPA (Wegener)

++

1

++

ANCA +

RF +, Ptosis +,

Rhinosinusitis, Sattel-

 

 

 

 

 

Mot. −

nase, B-Symptome

− = fehlt, nein, negativ, erniedrigt; + = ja, leicht, gering, langsam, erhöht; ++ = ja, mittel, mäßig; +++ = ja, stark, viel, schnell;

++++ = sehr stark, sehr viel, sehr schnell; 1 = einseitig; 2 = beidseitig; T-Ak = Thyreoidea stimulierende Antikörper; RF = Raumforderung; Mot. = Motilität

immer abzugrenzen, insbesondere endokrine Orbitopathien, Neoplasien, Orbitabeteiligungen bei systemischen Entzündungen, Infektionen, Trauma, Malformationen und Metastasen (.Tab.2.4).

-zz

-

--

-

Differentialdiagnosen zur IOE

Endokrine Orbitopathie

Maligne Erkrankungen (Lymphome, lymphoproliferative Erkrankungen, primäre orbitale Neoplasien (u. a. Rhabdomyosarkom, adenoidzystisches Karzinom, pleomorphes Adeno-Ca., malignes Melanom), orbitale Metastasen (Mamma, Lunge, Prostata, Hautmelanom, Aderhaut-Melanom, Hautkarzinom)

Infektion (infektiöse Zellulitis, Orbitaphlegmone) fortgeleitet aus NNH; Tuberkulose, Lues, Borrelien, Aspergillus, Parasitosen (Trichinose, Echinokokkose) Trauma (mit/ohne Infektion, Begleitentzündung, Fremdkörper, reparatives Riesenzellgranulom) Systemische Entzündungen mit Orbitabeteiligung (Sarkoidose, granulomatöse Polyangiitis (Wegener Granulomatose), M. Crohn, Riesenzellarteriitis,mikro skopische Polyangiitis, Polyarteriitis nodosa, Churg- Strauss-Syndrom, Sjögren Syndrom, Systemischer Lupus erythomatodes, Rheumatoide Arthritis, juvenile idiopathische Arthritis, HLA-B27 positive Ankylosierende Spondylitis, M. Behcet, Mittelliniengranulom, Riesenzellpolymyositis

Kongenitale Malformation, Histiozytosen (Dermoidzysten mit Ruptur), Xanthgranulome (ErdheimChester)

>> Pseudoexophthalmus

Lidretraktion

Hohe Myopie

Buphthalmus

Unterlidschwäche

-Enophthalmus des Partnerauges Asymmetrische Orbitaknochen Orbitaabflachung

2.1.8TherapieRelaxation der geraden Augenmuskeln

Bei der Behandlung der IOE finden entzündungshemmende Medikamente Anwendung. Es gibt keine Leitlinien oder kontrollierte prospektive Behandlungsstudien, aus denen das Vorgehen direkt abzuleiten ist, aber einige Übersichtarbeiten geben eine Struktur der IOE-Therapie (.Abb.2.6, .Tab.2.5). Folgendes Stufenschema hat sich bei der Therapie von IOE bewährt:

 

56

Kapitel 2  •  Extraokular/Adnexe

 

 

 

 

1

 

 

Orbitale Entzündung

 

 

 

 

 

 

 

2

 

 

 

 

 

 

3

 

 

Anamese und

 

 

 

 

augenärztlicher Befund

 

 

4

 

Konsiliar-

 

 

Bildgebung

Biopsie

 

 

Labor

 

 

 

abklärung

 

(Sono, CT, MRT)

Histologie

5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6

 

Spontane Besserung,

Milde Funktionsausfälle,

Schwere Funktionsausfälle,

 

keine Funktionsausfälle

 

 

geringer Progress

schneller Progress

 

 

kein Progress

7

 

 

 

 

 

 

Abwarten,

 

 

 

 

 

 

Therapie Stufe 2-4

Therapie Stufe 4-6

8

 

ggf. symptomatische Therapie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

9

 

Weiterer Verlauf:

 

 

Weiterer Verlauf:

 

10

 

Befund stabil oder besser

 

Befund schlechter

 

 

 

 

 

= besser

= schlechter

 

 

 

 

 

11

..Abb. 2.6  Prozessabläufe bei IOE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12

 

.. Tab. 2.5  Therapie bei IOE

 

treten. Die Dosis kann dann wochenweise reduziert

 

 

 

(%)

werden (beispielsweise in 10 mg Schritten, ab 20 mg/d

13

 

 

in 2,5 mg Schritten). Die Ausschleichzeit sollte min-

 

 

 

 

Beobachtung

21

destens 8 Wochen betragen. In Fällen von Ineffektivi-

 

 

14

 

Antibiotikagabe

41

tät oder Intoleranz kann eine Steroidbolusgabe (z. B.

 

zwei bis fünf Tage je 250 bis 1000 mg Prednisolon i. v.)

 

 

 

15

 

NSAID

15

oder eine Umstellung auf höhere Behandlungsstufen

 

Orale Glukokortikosteroide

69–79

erfolgen. Alternativ kann auch eine lokale Injektion

 

 

Intravenöse Glukokortikosteroide

4

von Triamcinolon parabulbär erfolgen.

16

 

Stufe 4: Eine Bestrahlung der Orbita allein oder kom-

 

 

 

 

Immunsuppressiva

0–29

-biniert mit Glukokortikosteroiden oder NSAID inten-

17

 

Radiatio

12

siviert die Therapie. Eine orbitale Bestrahlung sollte mit

 

Chirurgie

2

einer Gesamtdosis von 10–30 Gray (1–2 Gy je Sitzung)

18

 

 

 

erfolgen. Der positive Effekt benötigt einige Wochen,

 

Stufe 1: Eine Beobachtung der IOE ist in Fällen von

auf Nebenwirkungen ist zu achten (Linsentrübung,

 

 

Sicca-Syndrom, Retinopathie, Sehnervenschädigung).

19

-milder Entzündungsaktivität ohne Funktionsein-

Stufe 5: Systemische Immunsuppressiva sind bisher

 

schränkung (ca. 20 % aller IOE) gerechtfertigt.

-nicht aufgrund von kontrollierten, randomisierten

20

 

Stufe 2: Ein Behandlungsversuch mit NSAID ist

Behandlungsstudien oder Leitlinien anzuwenden.

-sinnvoll bei milder IOE-Aktivität. Es sollte inner-

Fallberichte und Kohortenstudien begründen eine

 

 

halb von drei Wochen eine Besserung eingetreten

Behandlung mit Methotrexat, Azathioprin, Mykophe-

21

 

sein, sonst sind eine Beendigung der NSAID-Thera-

nolsäure-Mofetil, Ciclosporin A, Tacrolimus, Chloram-

 

pie und eine Intensivierung der Therapie angezeigt.

bucil, Leflunomid oder Cyclophosphamid. Ggf. können

 

 

22

 

Stufe 3: Bei mittlerer und schwerer IOE sollten syste-

die genannten Immunsuppressiva kombiniert werden,

-misch 1 bis 1,5 mg/kg/d Prednisolon gegeben werden.

um die Behandlungseffektivität zu erhöhen und das Ne-

 

 

Es sollte eine Besserung innerhalb von 3–7 Tagen ein-

benwirkungsprofil abzumildern (synergistische Effekte).

57

2

 

2.2  •  Endokrine Orbitopathie (EO) (engl. Graves’Orbitopathy (GO),Thyroid Eye Disease (TED))

.. Tab. 2.6  Verlauf bei IOE

 

(%)

Ausheilung

66

inaktiv und rezidivfrei

17–63

Rezidiv

37–39

aktiv progredient, therapierefraktär

17

Medikamentenfrei

21

1 Medikament

50

2 Medikamente

25

-Stufe 6: Biologika wie TNF-a Blocker, Rituximab, Daclizumab oder intravenöse Immunglobulingaben sind in Einzelfällen erfolgreich gewesen. Auch hier fehlen randomisierte kontrollierte prospektive Behandlungsstudien, die die Indikation und Behandlungsdauer begründen. Aber in Einzelfällen

wird man auf diese Therapieoption zurückgreifen müssen. 4> 2 Medikamente

Bei Organbedrohung, Schmerzen oder Sehverschlechterung ist jeweils eine Therapieeskalation notwendig. In Einzelfällen kann eine chirurgische Exzision bei günstiger Lage, monofokalem Befall und besonders bei sklerosierendem Subtyp sinnvoll sein. Im ungünstigsten Fall kann wegen therapierefraktären Schmerzen bei Erblindung eine Exenteratio orbitae als chirurgische ultima ratio notwendig werden.

2.1.9 Prognose

I. d. R. ist eine restitutio ad integrum durch eine Behandlung einer IOE möglich (.Tab.2.6). Zum Verlust des Auges bzw. Erblindung kommt es nur sehr selten. Eine frühzeitige und ausreichende Diagnostik und eine konsequente und adäquate Therapie verbessern die Langzeitprognose. Zahlen, welche Erfolge nach 1,5 bzw. 10 Jahren Verlauf einer IOE erreichbar sind, sind bisher nicht bekannt. Bedingt durch die Seltenheit der IOE und den Aufwand von prospektiven Studien gibt es bisher keine Langzeitstudiendaten.

2.1.10Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

Kontakte über Rheumaliga, European League against Rheumatism (EULAR):

www.rheuma-liga.de, www.eular.org

2.2Endokrine Orbitopathie (EO)

(engl. Graves’ Orbitopathy (GO), Thyroid Eye Disease (TED))

J. Esser, A. Eckstein

ICD-10 Code H06.2 Exophthalmus bei Funktionsstörung der Schilddrüsen

2.2.1 Definition und Einteilung

Die Endokrine Orbitopathie (EO) ist eine entzündliche Erkrankung verschiedener orbitaler Gewebe (Augenmuskeln, Orbitafett, Tränendrüsen), die in den meisten Fällen mit einer Schilddrüsenautoimmunerkrankung vom Typ M. Basedow (seltener auch mit einer Hashimoto-Thyre- oiditis) assoziiert ist. Auf eine initiale, akut-entzündliche Phase folgt eine chronisch-fibrosierende Phase.

2.2.2 Epidemiologie

Bei den meisten Patienten besteht eine enge zeitliche Beziehung (± 6 Monate) zwischen dem Auftreten der Autoimmunthyreopathie und der Orbitopathie. Die EO kann aber auch erst viele Jahre nach Beginn der Schilddrüsenerkrankung auftreten, dann meist im Zusammenhang mit einem Rezidiv der Schilddrüsenüberfunktion. Selten tritt die EO aber auch ganz unabhängig bzw. lange vor der Schilddrüsenerkrankung auf. Bei 75 % der EO-Pati- enten ohne primär assoziierte Schilddrüsenerkrankung findet man schilddrüsenspezifische Antikörper (TRAK, Anti-TPO-AK), und die Hälfte dieser Patienten entwickelt innerhalb von 18 Monaten noch eine Schilddrüsenerkrankung.

2.2.3 Ätiologie und Pathogenese

Als Ursache werden gemeinsame Autoantigene von Schilddrüse und Orbitagewebe vermutet. Fast alle Patienten mit EO weisen im Serum Anti-TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) auf, deren Spiegel zum Schweregrad der Schilddrüsenund der Orbita-Erkrankung korrelieren. In der Schilddrüse stimulieren die TRAK den TSH-Rezeptor und verursachen dadurch eine Hyperthyreose. In der Orbita werden die Orbitafibroblasten entzündlich stimuliert. Diese proliferieren und produzieren in pathologischem Ausmaß extrazelluläre Matrix und differenzieren zu Fettzellen. Die Folge sind Entzündungszeichen (z. B. Ödeme), eine Fibrose der äußeren Augenmuskeln (wie Motilitätsstörungen, Doppelbilder) sowie der Lidhebermuskeln