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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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420 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

(.Abb.10.18). Während sich in der inneren Netzhaut nur dezente Veränderungen nachweisen lassen, finden sich in der äußeren Netzhaut z. T. ausgedehnte multiple und mulitilobiläre zystoide Räume. Diese scheinen durch eine Separation von Innenund Außensegmenten der Photorezeptoren zustande zu kommen. Die basalen und lateralen Wände dieser Zysten werden von Pseudomembranen gebildet, die aus den Photorezeptoraußensegmenten zusammen mit entzündlichem Fibrin zusammengesetzt scheinen.

Ultraschall

Der Ultraschall zeigt eine diffuse Verdickung der Aderhaut. Bei schlechtem Funduseinblick lässt sich auch das Vorliegen einer exsudativen Ablatio mit dem Ultraschall darstellen. Differentialdiagnostisch ist auf eine eventuelle Verdickung der Sklera zu achten, die auf eine Skleritis deuten würde, die sonst klinisch dem Fundusund FA-Befund bei VKH ähneln kann. Die Ultraschall Biomikroskopie (UBM) ist nützlich bei akuten Fällen, um Vorderkammerarchitekturveränderungen darzustellen, wenn eine supraziliäre Exsudation zur Abflachung der Vorderkammer und zu akuter Myopisation führt.

Laser Flare Photometrie (LFP)

Der Vorderkammerreiz ist bei VKH meistens über dem Limit ( > 14 ph/ms), bei der für diese Methode als Verlaufskontrolle zulässigen Werte. Der Vorteil der LFP besteht darin, dass diese Methode es vermag, einen subklinischen Anstieg des intraokulären Entzündungsgrades zu entdecken, den man an der Spaltlampe nicht wahrnehmen kann und so, neben anderen Methoden wie FA, ICGA und OCT, behilflich sein kann, eine andauernde Inflammation oder mögliche klinische oder subklinische Rezidive auszumachen.

Differentialdiagnosen (. Tab. 10.7)

Die sympathische Ophthalmie ähnelt dem VKH in vielen Aspekten, die Anamnese einer penetrierenden Bulbusverletzung oder einer intraokularen Operation sind hier richtungsweisend. Ein primäres intraokuläres B-Zell-Lym- phom kann ebenfalls neurologische Symptome bei ZNS Befall hervorrufen. Die chorioidalen Infiltrate beim Lymphom blockieren in der FA im Gegensatz zum VKH. Der Altersgipfel eines Lymphoms ist höher. Die Diagnose sollte zytologisch bzw. histologisch bestätigt werden.

Die posteriore Skleritis kann ein ähnliches klinisches Bild und ähnliche FA-Befunde präsentieren. Die Verdickung der Sklera im Ultraschall kann hier diagnostisch wegweisend sein, aber in seltenen Fällen auch beim VKH vorkommen.

Je nach Ausprägung des klinischen Bildes sollten alle Erkrankungen die mit chorioidaler Entzündung oder exsu-

..Abb. 10.18  OCT bei VKH: subretinale und intraretinale Flüssigkeit. Nach Therapie Resorption der Flüssigkeit

dativer Ablatio einhergehen können in die differentialdiagnostischen Erwägungen mit einbezogen werden.

10.3.6 Therapie

Die zwei wesentlichen Probleme in der Behandlung des VKH sind zum einen der verspätete Behandlungsbeginn durch verzögerte Diagnosestellung, besonders in nichtendemischen Regionen. Zum anderen das vorzeitige Ausschleichen der Behandlung anhand von klinisch sichtbaren Kriterien und nicht anhand der subtilen Zeichen der Aderhautentzündung.

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10.3  •  Vogt-Koyanagi-Harada (VKH) Erkrankung (engl.Vogt–Koyanagi–Harada syndrome (VKH syndrome))

.. Tab. 10.7  Differentialdiagnosen des VKH

Sympathische Ophthalmie (DD schwie-

Anamnese, Vorgeschichte einer Verletzung oder Operation am Auge

rig, klinische Überlappungen)

 

Primäres intraokuläres Lymphom

GK Infiltration, subretinale, retinale Infltrate, weniger AH Befall

Posteriore Skleritis (DD kann schwierig

Skleraverdickung im Ultraschall (cave auch bei VKH möglich), ICG zeigt AH Befall bei VKH

sein)

 

Borreliose, Lues, Tuberkulose

Laboruntersuchungen, andere systemische Manifestationen

Sarkoidose

Laboruntersuchungen, andere systemische Manifestationen

APMPPE

Weniger exsudative Ablatio, weniger GK und VK Reiz, weniger Schmerzen

Uveales Effusions-Syndrom

Aderhaut-Amotio, wenig Entzündliche Veränderungen, Hyperopie, wenig Schmerzen

 

verdickte Sklera im US

Andere posteriore Uveitiden

Vgl. typische klinische Bilder

Akutes Stadium

Sobald die Diagnose gestellt ist, ist eine sofortige und aggressive Behandlung erforderlich. Ziel muss es sein, von Beginn an ausreichend rasch die entzündliche Aktivität in den Griff zu bekommen und Rezidive durch zu schnelles Reduzieren der Therapie zu vermeiden, um einen irreversiblen Schaden zu minimieren.

>> Auch wenn kein weltweit einheitlicher Konsens über die optimale Behandlung besteht, würden die meisten Uveitis-Spezialisten mit einer hochdosierten oralen Steroidtherapie beginnen (1–2 mg Prednisosolon/kg/die).

Manche Uveitis-Zentren beginnen mit einer drei bis viertägigen hochdosierten intravenösen Steroidtherapie mit z. B 1 g/d Methylprednisolon. Ein Ansprechen der Therapie ist in wenigen Tagen zu erwarten. Bei ausbleibender Besserung kann eine hochdosierte intravenöse Steroidtherapie zusammen mit der Gabe von Immunosuppressiva versucht werden.

Post-akutes Stadium

Während die Therapie der akuten Phase, mit kleinen Verschiedenheiten, weltweit ziemlich einheitlich ist, gilt dies weniger für die Therapie im post-akuten Stadium (2–6 Monate), obwohl dies auch eine wichtige Therapiephase ist. Zu diesem Zeitpunkt ist meistens die klinisch sichtbare Krankheit unter Kontrolle, und es besteht die Gefahr, zu schnell die Therapie zu reduzieren oder gänzlich zu beenden. In der Tat aber schreitet die Entzündung in dieser Phase oft fort, oder es gibt subklinische oder klinische Rezidive. Deswegen ist es von hoher Wichtigkeit, die Aderhautaktivität mit ICGA verfolgen zu können und im Fall von subklinischen oder klinischen Rezidiven mit der Kortikosteroidtherapie wieder hochzugehen und/oder zusätzlich Immunosuppressiva einzusetzen. Ein solches ICGA-assistiertes Therapiemonitoring

hat gezeigt, dass die Fundus Depigmentation (sunset glow fundus) vermieden werden konnte. Diese Therapie konnte erreichen, dass in einer kleinen Serie 7 von 9 Patienten frei von Krankheitszeichen mit einem Follow-up ohne Therapie von mehr als 25 Monaten blieben. Allerdings ist der zu bezahlende Preis eine viel längere Behandlung (27 Monate im Schnitt im Gegensatz zu 6–9 Monaten) und die zusätzliche Gabe von Immunosuppressiva in 7/9 Patienten. Das Ansprechen auf eine solch aggressive Therapie war viel besser, wenn es sich um Erstmanifestationen handelte, die sehr früh behandelt wurden. Einige Zentren gehen sogar noch weiter und behandeln von Beginn an mit Kortikosteroiden und Immunosuppressiva mit sehr guten Resultaten (z. B. seltenere Chronifizierungen). Die International Uveitis Study Group listet das VKH unter denjenigen Erkrankungen, bei denen der Einsatz dieser Medikamente gerechtfertigt ist. Was die nicht-steroidale Immunsuppression anbelangt, sind Ciclosporin A, Tacrolimus oder Azathioprin mit Erfolg und akzeptablen Nebenwirkungen eingesetzt worden. Sehr gute Erfahrungen haben die Autoren mit Mycophenolate Natrium (Myfortic®), das sehr effizient zu sein scheint und mit erstaunlich wenig Nebenwirkungen vergesellschaftet ist. Eine neuere Behandlungs-Alternative stellen Biologika, wie TNF-alpha Antagonisten, dar. Die Erfahrung beruht z. T. aber lediglich auf Einzelfallberichten.

Die vordere Uveitis sollte zusätzlich mit Steroid AT und Zykloplegika behandelt werden.

10.3.7 Follow-up und Prognose

Wie oben erwähnt, ist die Therapie des akuten Stadiums wenig kontrovers.

>> Es muss so schnell wie möglich und so stark wie nötig behandelt werden.

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422 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

In diesem Zusammenhang kann man sagen, dass VKH eine Entzündung darstellt, die sozusagen mathematisch anzugehen ist. Da der Entzündungsmechanismus exklusiv in der Aderhaut seinen Ursprung nimmt, und jene gut durchblutet und gut für systemische Behandlung erreichbar ist, „muss“ diese Entzündung durch die Therapie letztlich unter Kontrolle gebracht werden. Die offene Frage ist, ob sofort Immunsuppressiva zu den Kortikosteroiden gegeben werden sollen. Einige Zentren, speziell in „endemischen“ Gebieten, wo vermehrt mit schwer entzündlichen Fälle zu rechnen ist, haben dieses Vorgehen gewählt und berichten über eine sehr günstige Langzeitprognose. Die Autoren haben bis vor kurzer Zeit nur mit Kortikosteroiden anbehandelt, um bei leichten Fällen zu versuchen, Immunsuppressiva vermeiden zu können. Bei diesem Vorgehen mussten aber bei mehr als 75 % der Fälle wegen klinischen oder subklinischen Rezidiven während Verlaufskontrollen mit ICGA doch Immunsuppressiva dazugeben werden.

Das endgültige funktionelle Ergebnis entscheidet sich jedoch in der post-akuten Phase, wo der Follow-up, speziell der schleichenden Aderhautentzündung, nicht vernachlässigt werden darf. Die Autoren empfehlen monatlich eine ICG-Angiographie in den ersten vier Monaten, um die Resolution der HSF zu verfolgen und dann zweimonatlich, um ein mögliches subklinisches Wiederaufflammen von Aderhautherden rasch wahrnehmen und die Therapie entsprechend anpassen zu können.

Unbehandelt ist die Visusprognose des VKH schlecht, was bereits von Koyanagi im Jahre 1929 gezeigt wurde. Bei adäquater, rechtzeitiger und ausreichend langer ICGA assistierter Behandlung, ist jedoch die Prognose gut. Es ist sogar möglich, den chronischen Verlauf zu vermeiden, der „sunset glow fundus“ ist dann keine schicksalshafte Entwicklung mehr und sollte nicht als normal angesehen werden, sondern als die Konsequenz von ungenügend behandelten Fällen. Es gibt trotzdem vereinzelt schwere Verlaufsformen, bei denen der Visus trotz kombinierter immunsuppressiver Therapie verfällt.

10.3.8Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

http://www.uveitis-selbsthilfe.de/, http://www.duag.org/, http://uveitis.jimdo.com/, http://www.kopfschmerzen.de/ Service/Adressen/Selbsthilfegruppen

10.4Sympathische Ophthalmie (SO)

(engl. „sympathetic ophthalmia“, griech. sumpaqein = „mitleiden“)

T. Barth, U. Pleyer, H. Helbig

ICD-10 Code H44.1 Sympathische Uveitis ( Sonstige Endophthalmitis)

10.4.1 Definition und Einleitung

Die sympathische Ophthalmie (SO) ist eine seltene beidseitige, granulomatöse Panuveitis, die auf ein früheres Trauma oder einen chirurgischen Eingriff an einem Auge folgt. Prädisponierend sind besonders solche Verletzungen, bei denen Anteile der Uvea freigesetzt werden. Neben dem primär auslösenden Auge ist auch das Partnerauge involviert, das als „sympathisierendes“ Auge bezeichnet wird.

10.4.2 Historie

Bereits im antiken Griechenland wurde im Corpus hippocraticum auf das Risiko einer Erblindung des Partnerauges nach schwerer Verletzung eines Auges hingewiesen. Im Mittelalter beschrieb der sächsische Hofokulist Bartisch ähnliche Gefahren nach okulärem Trauma. Der Schotte William Mackenzie differenzierte 1840 erstmals explizit die Symptome der Erkrankung und prägte den Begriff der „sympathetic ophthalmia“. Die histopathologische Charakterisierung erfolgte schließlich im Jahre 1905 durch den Wiener Augenarzt E. Fuchs. Elschnig postulierte 1910 die autoimmune Genese der Erkrankung und führte uveales Gewebe als Stimulus für die Ausbildung einer SO an.

10.4.3 Epidemiologie

Zuverlässige Aussagen zur Inzidenz sind aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und der klinisch basierten Diagnostik sehr schwierig. Im amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) wurde bei ca. 16 % aller Augenverletzungen die Entwicklung einer SO beobachtet. Deutlich geringere Fallzahlen sind aus den beiden Weltkriegen (1914–1918 und 1939–1945) überliefert. Aus dem Vietnamund dem Golfkrieg sind lediglich Einzelfälle bekannt. Die genaue Ursache für die Abnahme der Inzidenz im letzten Jahrhundert ist unklar, vermuten werden jedoch Fortschritte in der chirurgischen Wundversorgung sowie eine kalkulierte postoperative Antibiotikatherapie. Heutzutage wird die Inzidenz der SO mit ungefähr 0.03/100.000 pro Jahr

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10.4  •  Sympathische Ophthalmie (SO) (engl.„sympathetic ophthalmia“, griech. sumpaqein = „mitleiden“)

angegeben. Während früher Männer aufgrund des höheren Unfallrisikos häufiger von einer SO betroffen waren, findet sich in aktuellen Daten keine Geschlechterprädisposition. Ebenso wenig gibt es ein Abhängigkeit von Alter oder ethnischer Herkunft. Das Intervall zwischen primärem Trauma und Manifestation einer SO kann zwischen 2 Wochen und 50 Jahren liegen; in den meisten Fällen (~80 %) wird eine Zeitspanne von 3 Monaten bis zum Beginn der SO-Symptomatik beschrieben. Während früher okuläre Traumata ätiologisch am bedeutsamsten waren, hat sich neuerdings das Verhältnis in Richtung der Netzhautchirurgie verlagert. Gass berechnet in einer Serie von ungefähr 15.000 Vitrektomien die Inzidenz der SO mit 0,01 %, bei Assoziation der Vitrektomie mit einer penetrierenden Verletzung mit 0,06 %. In einer prospektiven Studie in Großbritannien und Irland wird das Risiko für die Entwicklung einer SO mit bis zu 1 : 800 pro Vitrektomie und 1 : 1152 pro retinologischem Eingriff (Vitrektomie oder Buckelchirurgie) berechnet. Bezüglich der Art des operativen Eingriffes wird nahezu jedes ophthalmochirurgische Verfahren erwähnt. Neben den immer häufiger werdenden vitreoretinalen Operationen wird das Auftreten einer SO auch nach nicht Bulbus-eröffnenden Verfahren, wie den zyklodestruktiven Eingriffen sowie nach Brachytherapie oder Glaukomund Kataraktchirurgie beschrieben. Bei den Orbitaeingriffen wurde früher die Evisceratio bulbi im Vergleich zur Enukleation mit einem höheren SO-Risiko in Verbindung gebracht; neuere Studien finden keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Verfahren.

10.4.4 Ätiologie

Penetrierende Verletzungen und chirurgische Eingriffe sind die häufigsten Ursachen für die Entstehung einer SO. Die genaue Pathogenese der Erkrankung ist unklar. Es wird ein autoimmunes Geschehen vermutet, das durch die Präsentation von uvealen Antigenen getriggert wird, die im Rahmen des primären Traumas freigesetzt werden. Das Konzept einer zellulären Autoimmunreaktion gegenüber choroidealen oder retinalen Antigenen wurde in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen. Durch die Freisetzung von normalerweise auf das Auge beschränkten Antigenen und die Überwindung der Blut-Retina- Schranke kommt es zur Antigen-abhängigen Aktivierung von T-Lymphozyten, die über die Zirkulation das unverletzte Auge erreichen und dort eine Immunreaktion auslösen. Genetische Faktoren scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen. Eine Assoziation zu bestimmtem HLA-Antigenen der Klasse II wurde nachgewiesen. Dabei wurde unter anderem die Bedeutung des HLA-DRB1*0405 erkannt, das auch beim VKH-Syndrom als prädisponierend gilt.

..Abb. 10.19  Granulomatöse Uveitis anterior bei histologisch gesicherter SO mit Endothelpräzipitaten, hinteren Synechien und einem großen Irisgranulom, zusätzlich Silikonölbläschen oben

10.4.5 Klinik

Die Erkrankung beginnt meist schleichend und zeigt einen progressiven Verlauf, der durch mehrfache Exazerbationen gekennzeichnet ist. Die häufigsten Symptome sind beidseitig auftretende Sehstörungen, Blendempfindlichkeit, dumpfe Schmerzen und Photopsien. Das auslösende Auge ist oft chronisch entzündet, teilweise begleitet von einer schmerzhaften Phthisis. Das sympathisierende Auge kann anfangs noch eine akzeptable Sehschärfe zeigen. Aufgrund transienter Hyperopie und einer Akkommodationsschwäche kommt es besonders zum Verschwommensehen in der Nähe. Selten treten systemische Manifestationen wie Hautveränderungen (Vitiligo, Alopezie), Hörstörungen oder Meningismus mit lymphozytärer Pleozytose in der Lumbalpunktion auf. Hier zeigen sich deutliche Parallelen zum VKH-Syndrom.

10.4.6 Diagnostik

Klinische Kriterien

Das ophthalmologische Bild ist sehr variabel, typisch sind jedoch rezidivierende Entzündungen. Die Diagnosestellung basiert im Wesentlichen auf Anamnese und klinischer Untersuchung. Neben einer typischen Krankengeschichte mit posttraumatischen oder postchirurgischen Sehstörungen, findet sich oft eine charakteristische Reduktion der Akkommodationsbreite. An der Spaltlampe erkennt man eine granulomatöse Iritis mit speckigen Endothelbeschlägen und hinteren Synechien (.Abb.10.19). Der Glaskörper zeigt eine zelluläre Infiltration. Anfangs besteht oft eine Papillitis, die mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks einhergehen kann. Später kommt es zu einer disseminierten Chorioretinitis mit gelb-weißlichen, teilweise konfluierenden Herden der Aderhaut, die sich aufhellen und in ein atrophisches Narbenstadium übergehen (.Abb.10.20). Als typische Leitbefunde werden oft die sog. Dalén-Fuchs-

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424 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

. Abb. 10.20 Fundusfoto eines sympathisierenden Auges bei SO mit multiplen rundlichen chorioretinalen Herden. (Aus Pleyer 2009)

Knötchen angeführt. Hierbei handelt es sich um gelbliche

 

subretinale Läsionen der mittleren Netzhautperipherie, die

. Abb. 10.21 Fluoreszeinangiographie bei SO mit Papillenleckage

sich allerdings nur bei 30 % der Patienten finden und auch

und multiplen hyperfluoreszenten Läsionen, nebenbefundlich beste-

hen bei hoher Myopie zentrale Dehnungsherde mit chorioretinaler

bei anderen posterioren Uveitiden, wie dem VKH-Syndrom

Atrophie

oder der okulären Sarkoidose, vorkommen. Eine exudative

 

Ablatio retinae tritt bei besonders schweren Verläufen auf.

 

Typische Komplikationen sind Kataraktentwicklung, Sekun-

als auch im sympathisierenden Auge. Neben den primären

därglaukom, chorioretinale Narben und Optikusatrophie.

Veränderungen durch Trauma oder chirurgischen Eingriff

Bildgebung

imponiert eine beidseitige diffuse, nicht-nekrotisierende

granulomatöse Entzündungsreaktion der Uvea mit lym-

In der Fluoreszeinangiographie zeigen sich multiple hy-

phozytärer Begleitreaktion als Zeichen einer chronisch-

perfluoreszente Läsionen im Bereich der chorioretinalen

aktiven Entzündung. Die lymphoplasmazelluläre Infiltra-

Infiltrate (. Abb. 10.21). Diese entsprechen Fensterdefek-

tion mit Ausbildung von Nestern aus Makrophagen und

ten des retinalen Pigmentepithels. Darüber hinaus sieht

Epitheloidzellen führt zu einer ausgeprägten Verdickung

man eine irreguläre Aderhautfüllung mit fleckigem Stai-

der Aderhaut. Daneben findet sich eine charakteristische

ning, eine Pooling im Bereich der serösen Ablatio sowie

Phagozytose von Pigmentgranula durch Epitheloidund

eine Papillenleckage. Da sich die Erkrankung vornehmlich

Riesenzellen. Durch die Invasion von Lymphozyten und

im Bereich der Choroidea abspielt, ist die Durchführung

Epitheloidzellen kommt es zur Ausformung pathogno-

einer ICG-Angiographie (ICGA) sinnvoll. In der Früh-

monischer Dalén-Fuchs-Knötchen zwischen retinalem

phase der ICGA werden typischerweise hypofluoreszente

Pigmentepithel und Bruch-Membran (. Abb. 10.24a–c).

Herde der Aderhaut („dark dots“) dargestellt, die durch

Immunhistochemisch dominiert ein T-lymphozytäres In-

choroidale Infiltration oder Blockade durch darüber lie-

filtrat mit CD4-positiven T-Helferzellen im Frühstadium

gendes Ödem entstehen (. Abb. 10.22). Diese dunklen

und CD8-positiven T-Zellen in fortgeschrittenen Phasen

Flecken verschwinden unter Therapie und verhalten sich

der Erkrankung.

ähnlich wie beim VKH-Syndrom. Im Ultraschall B-Scan

Differentialdiagnosen (.Tab. 10.8)

finden sich Verdichtungen im Glaskörper, eine verdickte

Aderhaut sowie gelegentlich eine exudative Ablatio retinae

Prinzipiell sollten alle Krankheitsbilder, die mit choriore-

(. Abb. 10.23). Bei gutem Einblick lassen sich mittels opti-

tinaler Infiltration oder exsudativer Ablatio einhergehen,

scher Kohärenztomographie der Status der äußeren Netz-

differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden. Ist

hautschichten sowie eine seröse Begleitablatio erfassen, die

anamnestisch kein okuläres Trauma belegt, sollten andere

nach Therapiebeginn reversibel sind.

nicht-infektiöse granulomatöse posteriore Uveitiden wie

Histopathologie

Sarkoidose und die seltene phakoanaphylaktische En-

dophthalmitis bedacht werden. Das VKH-Syndrom zeigt

Die klassischen von Fuchs beschriebenen histopathologi-

funduskopisch ein der SO sehr ähnliches Bild, geht jedoch

schen Befunde bei SO finden sich sowohl im auslösenden

häufiger mit systemischen Manifestationen an Haut und