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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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408 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

.. Tab. 10.1  Stadien der pulmonalen Sarkoidose

Stadi-

Röntgen Thorax

Häufig-

Rate spontaner

um

Befund

keit (%)

Remission (%)

0

Normal

5 to 10

I

Bihiläre Lympha-

50

55 bis 90

 

denopathie (BHL)

 

 

II

BHL und Parenchy-

25

40 bis 70

 

minfiltrate

 

 

III

Parenchyminfiltrate

15

10 bis 20

 

ohne BHL

 

 

IV

Fibrose

5 to 10

0 bis 5

From Costabel U. Sarcoidosis: Clinical update. Eur Respir J

Suppl 2001

..Abb. 10.9  Kutane Manifestation der Sarkoidose im Kindesalter (Erythema nodosum)

10.2.6Besonderheit: Sarkoidose im Kindesalter

Eine Sarkoidose tritt im Kindesalter sporadisch auf und ist damit eine seltene Ursache für intraokulare Entzündungen in diesem Alter. Die wichtigste Differentialdiagnose ist die idiopathische juvenile rheumatoide Arthritis (JIA), die in bis zu 80 % der Fälle als Ursache für eine anteriore Uveitis im Kindesalter gilt. Bei Kindern können zwei altersbezogene Präsentationen der Sarkoidose unterschieden werden. Bis zum 5. Lebensjahr steht eine Symptomtrias aus Hautbeteiligung (.Abb.10.9), Arthritis und Uveitis im Vordergrund. Hierbei tritt eine Uveitis bei bis zu 75 % der Patienten auf. Differentialdiagnostisch muss das Blau-Syndrom in Betracht gezogen werden. Bei älteren Kindern steht die Lungenerkrankung im Vordergrund. Hier finden sich aber ebenfalls Augenbeteiligung sowie Haut-, Leberund Milzbeteiligungen. Die Arthritis fehlt bei diesen Kindern jedoch häufig. Insgesamt ist der Krankheitsverlauf bei den älteren Kindern ähnlich dem bei Erwachsenen.

10.2.7 Klinik: Systemerkrankung

Die Sarkoidose ist ein ausgesprochen heterogenes Krankheitsbild, das alle Organe betreffen kann. Bei mehr als 90 % der Betroffenen geht die Erkrankung mit einer pulmonalen Manifestation einher. Daher wird ein „Staging“ der Erkrankung häufig an der Lungenbeteiligung orientiert (.Tab.10.1). Die akute Sarkoidose ist durch einen plötzlichen Krankheitsbeginn und Allgemeinsymptome, wie subfebrile Temperaturen, Gewichtsabnahme, Nachtschweiß, Müdigkeit und Abgeschlagenheit definiert. Sie geht mit einer systemischen Entzündung einher, entsprechend finden sich hier besonders hohe sIL-2R-Konzentrationen, die als Marker für die Entzündung gelten. Patienten mit einer akuten Sarkoidose weisen häufiger einen extrapulmonalen Befall, insbesondere der Leber, lymphatischer Organe und des hämatopoetischen Systems (Milz, Knochenmark) auf (.Tab.10.2). Auch Hyperkalzämien treten hier häufiger auf. Die häufigste Unterform der akuten Sarkoidose ist das „Löfgren-Syndrom“ (Frederick Heerfordt, 1871–1953, dänischer Ophthalmologe) mit der klassischen Trias: bihiläre Lymphadenopathie, Sprunggelenksarthritis und Erythema nodosum. Im Gegensatz zur akuten Sarkoidose mit Milzbeteiligung, hat dieses Krankheitsbild eine ausgesprochen gute Prognose und heilt i. d. R. spontan innerhalb weniger Monate aus. Neben einem akuten, schubförmigen Verlauf der Sarkoidose existiert ebenfalls eine progrediente, schleichende Form.

10.2.8 Diagnostik

Aufgrund der hohen Variabilität der Erkrankung gibt es keinen allgemein gültigen Algorithmus zur Diagnostik

409

10

 

10.2  •  Sarkoidose (engl. sarcoidosis; von griechisch„fleischartig“)

.. Tab. 10.2  Organbeteiligung bei Sarkoidose

Organ

Patienten (%)

Mediastinale Lymphknoten

95–98

Lunge (Husten, Lungenobstruktion, Bronchiektasien, progressive Dyspnoe, Fibrose)

> 90

Leber (geringe Leberenzyme erhöht, selten: Leberversagen)

50–80

Milz (asymptomatische Splenomegalie)

40–80

Augen (Uveitis, KKS)

20–50

Muskuloskeletales System (Gelenkschmerz, Myopathie)

25–39

Periphere Lymphadenopathie (meist diskrete cervicale, axilläre, inguinal palpable, mobile Lymphknoten)

30

Hämatologische Veränderungen (Anämie, Leukopenie)

4–40

Haut (unspezifische Läsionen, Erythema nodosum)

25

Nervensystem (Hirnnervenparalyse, Raumforderung, periphere Neuropathie, Diabetes insipidus)

10

Herz (Überleitungstörungen, infiltrative Kardiomyopathie, „plötzlicher Herztod“)

5

Hyperkalziämie (Nephrocalcinose, Nephrolithiasis, Nierenversagen)

2–10

Speicheldrüse (unioder bilaterale Parotitis)

< 6

Gastrointestinal (Ösophagus, Appendix, Rektum, Pankreas)

< 1

der Sarkoidose. Dadurch erklärt sich, dass die Diagnose oft verzögert gestellt wird. Patienten mit primären Lungensymptomen werden deutlich später diagnostiziert, als Patienten, die sich mit dermatologischen oder ophthalmologischen Beschwerden präsentieren. Etwa 30–50 % der Sarkoidose-Patienten sind asymptomatisch und werden durch Röntgen-Thorax-Untersuchungen in der Routine entdeckt. Als essentielle Faktoren der Diagnose werden Klinik, radiologische Befunde, und histopathologische Bestätigung der Verdachtsdiagnose gefordert. Bei extrapulmonaler Sarkoidose kann die histopathologische Diagnosesicherung durch betroffene Hautareale oder auch Bindehautbiopsie erfolgen. Ein diagnostischer Algorithmus geht aus .Abb.10.10 und .Tab.10.3 hervor.

Die transbronchiale Lungenbiopsie bietet eine diagnostische Sicherung zwischen 60 % bis über 90 %. Geringere Risiken und nahezu gleichhohe diagnostische Wertigkeit kann mit endobronchialer Nadelaspiration unter Ultraschallkontrolle erreicht werden. Die Bronchoalveolarlavage (BAL) weist bei Patienten mit aktiver Lungensarkoidose meist eine Lymphozytose mit Ratio von 3.5 und höher der CD4/CD8 Lymphozyten auf. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass dieses Verhältnis auch im Glaskörperaspirat bei Vitrektomie nachweisbar ist. Allerdings sind Sensitivität und Spezifität nicht ausreichend, um die Diagnose zu sichern. Der typische Befund einer BAL-CD4-Lymphozytose ist jedoch nicht beweisend für eine Sarkoidose und kann auch bei anderen Lungenerkrankungen, beispielsweise einer „Rheumalunge“, auftreten. Mit Hilfe der BAL lässt

sich jedoch eine infektiöse Ursache der granulomatösen Erkrankung ausschließen. Im Rahmen der Routinediagnostik sollte immer eine Kultur auf Mykobacterium tuberculosis und Pilze angelegt werden.

Laboruntersuchungen

Das Angiotensin converting enzym (ACE) wird in den Epitheloidzellen der Granulome gebildet und kann zu erhöhten ACE-Serumkonzentrationen führen. Diese sind für den Blutdruck irrelevant. Obwohl das ACE bei ca. 50–80 % der Patienten mit aktiver Sarkoidose erhöht ist, sind Sensitivität und Spezifität nicht adäquat, um die Diagnose zu stellen. Bei etwa 20–50 % der Patienten liegt ein unauffälliger ACE-Spiegel vor. Dies kann auf ein frühes oder inaktives Stadium oder einen chronisch „ausgebrannten“ Befund zurückgeführt werden. Die Höhe des Serumspiegels hat keinerlei prognostische Bedeutung. Das Serum-ACE lässt sich jedoch als Biomarker der „Granulomlast“ nutzen und wird zur Verlaufsbeobachtung und Therapiesteuerung genutzt.

10.2.9Differentialdiagnostik (.Tab. 10.4)

10.2.10Therapie

Die Behandlung der okularen Sarkoidose richtet sich nach Lokalisation und Schwere der Augenmanifestion. Da eine systemische (z. B. Lungen-)Beteiligung zunächst

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410 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

V.a. Sarkoidose

Biopsie mit Granulomnachweis:

Kein Anhalt für Tuberkulose, Pilzinfektion,

Malignome oder andere Ursachen?

Hinweis auf Sarkoidose

ja

 

nein

 

 

 

Sarkoidose

Sarkoidose ist möglich;

Suche nach anderen Diagnosen

Klinische Anzeichen, die eine Sarkoidose vermuten lassen:

Beidseitige Adenopathie der Hilusgefäße in der Röntgenübersichtsaufnahme

Erythema nodosum Uveitis

Fleckförmige Hauteffloreszenzen

Biopsie mit Granulomnachweis

 

 

 

 

 

 

 

 

Negativ, aber kein Hinweis auf eine

 

ja

alternative Diagnose vorhanden

 

 

 

 

 

 

Parameter, die stark mit dem Vorhandensein einer Sarkoidose assoziiert sind: erhöhtes ACE, BAL (CD4:CD8 > 3 5), Panda/lamba Zeichen in der Diagnostik mit Gallium-67, Lupus pernio

nein

ja

Sarkoidose

..Abb. 10.10  Diagnostischer Algorithmus. (Modifiziert nach Baughman 2003)

.. Tab. 10.3  Empfehlungen zur diagnostischen Abklärung bei

Verdacht auf Sarkoidose

Anamnese (berufliche und allgemeine Exposition, Symptome)

Körperliche Untersuchung

Röntgen-Thorax a-p

Lungenfunktionsprüfung: Spirometrie und Diffusion Kapazität für CO2

Blutbild

Serum: Kalzium, Leberenzyme (ATP, GOT, alkalische Phosphatase), Kreatinin

Urinanalyse

Elektrokardiogramm

Augenärztliche Untersuchung

Tuberkulin Test

oft unbekannt ist, wird oft ein schrittweises Vorgehen notwendig (.Abb.10.11). Bei milder akuter, anteriorer Uveitis sind topische Steroide (Prednisolon 1,0 % oder Loteprednol 0,5 %) ausreichend wirksam. Bei fortbestehenden Beschwerden und/oder deutlicher Beteiligung des Glaskörpers haben sich periokulare oder intravitreale Steroidinjektionen (Triamcinolon, Dexamethason Implant) bewährt. Auf adäquate Kontrolle des Intraokulardruckes muss geachtet werden. Bei bilateraler, intermediärer oder posteriorer Uveitis (auch ohne extraokulare Beteiligung) ist die systemische Steroidtherapie zu erwägen. Empfohlen wird eine einmal eingeleitete systemische Therapie mit Kortikosteroiden für etwa 6 Monate fortzusetzten. Begonnen wird mit 0,5–1,0 mg/kgKG Prednisolon, darauf folgt meist eine Reduktion um 10 mg im 4-Wochen-Intervall.

>> Aufgrund der Hyperkalzämieneigung sollte auf die Gabe von Vitamin-D-Präparaten zur Osteoporoseprophylaxe verzichtet werden.

Bei etwa 5 % der mit systemischen Kortikosteroiden behandelten Patienten gelingt es nicht, die Erkrankung mit

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10.3  •  Vogt-Koyanagi-Harada (VKH) Erkrankung (engl.Vogt–Koyanagi–Harada syndrome (VKH syndrome))

.. Tab. 10.4  Differentialdiagnosen der pulmonalen Sarkoidose

Differentialdiagnose

Charakteristika

Bronchialkarzinom

Noduläre Verschattungen

Lymphatische Systemerkrankungen

Lymphadenopathie

Andere interstitielle Lungenerkrankungen

Infiltrate, Lungenfunktionsstörungen

Exogen-allergische Alveolitis

Nachweis von Granulomen

Tuberkulose, atypische Mykobakteriosen

Nachweis von Granulomen

Aspergillose

Nachweis von Granulomen

Pneumokoniosen

Konsolidierende Infiltrate

Bronchiolitiden, Langerhans-Zell-Histiozytose

Granulome

Blau-Syndrom

Kutane Granulome, Uveitis im Kindesalter

Berylliose

Metallverarbeitende Berufe

Nach: Prasse A, Müller-Quernheim J. Sarkoidose (2009). Internist. 50:581–90.

einer angemessenen Kortikoiddosis befriedigend zu kontrollieren. Bei diesen Patienten kann eine immunsuppressive Kombinationstherapie mit Azathioprin oder Methotrexat + Prednisolon hilfreich sein. Bei Therapieversagen bzw. Krankheitsprogress unter einer immunsuppressiven Kombinationstherapie ergeben sich derzeit mehrere Möglichkeiten. Zunächst kann auf eine Tripeltherapie mit Prednisolon, Methotrexat und Azathioprin eskaliert werden. Weiterhin kann die zusätzliche Gabe von anti- TNF-Therapien (z. B. Infliximab) erwogen werden. Diese Präparate sind jedoch bisher nicht für die Sarkoidose zugelassen. Kürzlich wurde ein gutes Ansprechen bei Kindern auf Adalimumab berichtet.

10.2.11 Prognose (.Tab. 10.5)

Die Sarkoidose nimmt häufig einen guten Spontanverlauf mit vollständiger Ausheilung. Bei 1/3 der Fälle ist jedoch mit einem chronischen Verlauf zu rechnen. Obwohl fatale Verläufe bei pulmonaler, kardialer und neurologischer Sarkoidose vorkommen, konnten epidemiologische Studien für europäische Kohorten keine Übersterblichkeit im Vergleich zur Gesamtbevölkerung zeigen.

10.2.12Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

Die Deutsche Sarkoidose-Vereinigung e. V. bietet Hinweise für den Alltag im Leben mit der Sarkoidose und zu rehabilitativen Aspekten: (http://www.sarkoidose.de).

10.3Vogt-Koyanagi-Harada (VKH) Erkrankung (engl. Vogt–Koyanagi– Harada syndrome (VKH syndrome))

H. Helbig, C.P. Herbort

ICD-10 Code H30.8 Sonstige Chorioretinitiden (incl. Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom)

Synonyme: uveomeningitisches Syndrom. Der Begriff „Harada-Syndrom“ wurde vor allem für Erkrankungen mit posteriorer okulärer Manifestation verwendet.

10.3.1 Definition und Geschichte

Der erste VKH-Patient wurde im Jahre 1906 von Alfred Vogt beschrieben. Im Jahre 1929 wurde die erste große Serie von VKH Patienten durch Yoshizo Koyanagi in deutscher Sprache publiziert. Diese Arbeit schildert zugleich den natürlichen Verlauf der Krankheit, auf dem die heute bekannten verschiedenen klinischen Stadien basieren (s. u.), da damals keine Entzündungshemmer zur Verfügung standen. Bereits im Jahre 1926 hatte Einosuke Harada schon eine Studie mit 5 Patienten publiziert, die alle Zeichen der hinteren Uveitis bei VKH zeigten. In Japan wird VKH heute noch als „Harada-byô“ (Harada Krankheit) bezeichnet.

Die Vogt-Koyanagi-Harada-Erkrankung (VKH) ist eine bilaterale granulomatöse Panuveitis auto-immuner Genese. VKH ist assoziiert mit Manifestationen am Zentralnervensystem, Gehör und Haut. Diagnostische Kriterien für das VKH wurden auf einem Workshop 1999 konsentiert und 2001 publiziert (Read RW et al. AJO 2001).