Добавил:
kiopkiopkiop18@yandex.ru t.me/Prokururor I Вовсе не секретарь, но почту проверяю Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:
Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
28.03.2026
Размер:
22.24 Mб
Скачать

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

404 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

Antigen

 

 

 

 

 

präsentierende

 

 

Antigen

 

T-Zelle

 

 

 

Zelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MHC

 

T-Zell-

 

 

 

HLA

 

Rezeptor

 

 

 

 

 

 

 

 

Chemokine und deren Rezeptoren

Granulom

IL-10; IL-12; IL-18

IL-1; IL-2; IL-15; IL-18; TNF α γ IFN; RANTES; MCP 1 α; MCP1

TNF α; IL-8

ACE

Bestätigung

 

Chronische Erkrankung/Fibrose

 

 

 

..Abb. 10.4  Schematische Darstellung zur Pathogenese der Sarkoidose. (Aus Joussen 2012)

von etwa 16,5/100.000 bei Männern und 19/100.000 bei Frauen. Es bestehen starke geografische und ethnische Unterschiede mit auffällig hoher Inzidenz in Skandinavien und bei farbigen US-Amerikanern. Die Mortalität durch Sarkoidose liegt bei ca. 1 bis 5 %.

10.2.3 Ätiologie und Pathogenese

Die Ursache der Sarkoidose ist unklar. Es wird bei genetisch prädisponierten Individuen eine überschießende T- Helferzelltyp-1- (TH1-)Reaktion gegen ein oder mehrere bisher unbekannte Antigene angenommen. Als Stimuli werden infektiöse und Autoantigene sowie Umwelteinflüsse vermutet.

Genetik

Die Sarkoidose ist eine genetisch komplexe Erkrankung. Es liegen eine Reihe von Hinweisen vor, die für eine genetische Prädisposition sprechen:

a)Es besteht eine variable Prävalenz und Inzidenz der Erkrankung sowie ein erheblicher Unterschied im Schweregrad der Erkrankung bei Individuen unterschiedlicher ethnischer Herkunft.

b)Beobachtungen für eine familiäre Häufung der Sarkoidose konnten belegt werden. Das relative Risiko schwankt hierfür zwischen dem 36–73-fachen in Studien aus UK und USA.

c)Es liegen Hinweise für eine HLA-assoziierte Disposition vor. Interessanterweise sind Korrelation zu finden, die ein erhöhtes Risiko aufweisen (HLA DR 11, 12, 14, 15, 17), während andere eher eine Protektion bieten (HLA DR1, DR4, HLA DQ*0202). Ein Promoter Polymorphismus für TNF α konnte bei Patienten mit Löfgren’s Syndrome bestätigt werden.

Immunologie

Eine T-Zell-Aktivierung in genetisch empfänglichen Individuen wird als entscheidender pathogenetischer Faktor angenommen. Die Interaktion zwischen den weiterhin unbekanntem/n Antigen (en) und Antigen-präsentie- renden Zellen führt als Th-1-Antwort zur Aktivierung von CD4+ Lymphozyten (.Abb.10.4). Die betroffenen Organe sind entsprechend mit CD4+ T-Zellen infiltriert. Eine komplexe Entzündungskaskade mit weiteren proinflammatorischen Mediatoren, v. a. Chemokinen und Cytokinen, wird initiert, die in Formation nicht-spezifischer Granulome mündet. Bei den meisten Patienten bildet sich diese Reaktion spontan zurück. Bei einigen werden allerdings Fibroblasten rekrutiert, die Matrixproteine produzieren und schließlich zur Fibrose führen. Offensichtlich liegt eine paradoxe Reaktion des Immunsystems der Sarkoidose zugrunde. Während einerseits die Lunge eine überschießende, immunologische Reaktion aufweist, besteht an anderer Stelle eine relative „Anergy“, die sich z. B. beim negativen Mantoux Test zeigt. Die Zytokine TNF-α, Interferon-γ und Interleukin-2 werden bei Sarkoidose von

405

10

 

10.2  •  Sarkoidose (engl. sarcoidosis; von griechisch„fleischartig“)

klinisches Bilder einer intraokularen Sarkoidose

Biopsie positiv

 

 

 

 

Biopsie nicht durchgeführt

 

 

 

Biopsie negativ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

keine bihiläre

 

 

 

keine bihiläre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lymphadenopathie

 

 

Lymphadenopathie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

 

 

 

 

+

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mind. 3 klinische

 

 

mind. 3 klinische

 

 

 

 

bihiläre

 

 

 

Zeichen einer

 

 

 

Zeichen einer

 

 

 

 

Lymphadenopathie

 

 

 

intraokularen

 

 

 

intraokularen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sarkoidose

 

 

 

Sarkoidose

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

 

 

 

 

+

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mind. 2 weitere

 

 

mind. 2 weitere

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

positive Tests

 

 

 

positive Tests

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

gesicherte

 

 

wahrscheinliche

 

 

 

vermutete

 

 

 

mögliche

 

okulare

 

 

okulare

 

 

 

okulare

 

 

 

okulare

 

Sarkoidose

 

 

Sarkoidose

 

 

 

Sarkoidose

 

 

 

Sarkoidose

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 10.5  Kriterien für die Wahrscheinlichkeit der Diagnose„okulare Sarkoidose“ (Konsensus Konferenz, Tokio, 2006)

den Entzündungszellen deutlich vermehrt produziert und fördern die Granulombildung. Das Angiotensin-konver- tierende Enzym (ACE) wird in den Epitheloidzellen der Granulome gebildet, was zu erhöhten ACE-Serumkon- zentrationen führt. Das Serum-ACE lässt sich dadurch als Biomarker der „Granulomlast“ nutzen und wird zur Verlaufsbeobachtung und Therapiesteuerung genutzt. Offensichtlich fehlen „eindämmende“ immunologische Mechanismen, die diese überschießende Immunreaktion kontrollieren. Es gibt zunehmend Hinweise, dass Sarkoidosepatienten auf harmlose Antigene, wie ubiquitär vorkommende atypische Mykobakterien und Propionibakterien, mit einer überschießenden Entzündungsantwort reagieren, sodass diese möglicherweise eine Rolle in der Pathogenese der Sarkoidose spielen könnten.

Antigene

Infektiöse Organismen, v. a. Mykobakterien, Borrelia burgdorferi und Propionibacterium acnes, wurden wiederholt als potentielle Antigene der Sarkoidose vermutet. Weiterhin führen Exposition gegenüber Beryllium, Aluminum und Zirkonium zu sarkoidoseähnlichen Granulomen.

10.2.4Klinik: Augenbeteiligung – vom Leitbefund zur Diagnose

Augenund Hautbeteiligungen präsentieren sich häufig als Leitbefunde. Aufgrund der hohen Variabilität der Erkrankung wurde 2006 der Versuch einer Klassifikation zur okularen Sarkoidose unternommen.

Dazu wurden folgende Leitbefunde herangezogen:

1.Granulomatöse Hornhautendothelpräzipitate, Iris Knötchen/Granulome (Koeppe/Busacca)

2.Knötchen im Trabekelmaschenwerk (TM) und/oder zeltförmige periphere anteriore Synechien

3.Glaskörpertrübungen „Schneebälle“

4.Periphere chorioretinale Läsionen (aktiv und/oder atroph)

5.Segmentale Periphlebitis (± „Kerzenwachsphänomen“) und/oder retinale Makroaneurismata in einem entzündeten Auge

6.N. optikus Granulome und/oder solitäre Aderhautgranulome

7.Beidseitigkeit

Weitere Diagnosekriterien sind:

1.Negativer Tuberkulin Hauttest

2.Erhöhte Serum ACE-Werte und/oder erhöhte Serum Lysozym-Werte

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

406 Kapitel 10  •  Nichtinfektiös

..Abb. 10.6  Akute anteriore Uveitis im Rahmen eines Löfgren-Syn-

..Abb. 10.7  Chronische anteriore Uveitis mit„Koeppe“-Knötchen am

Pupillarsaum

drome mit dichten„granulomatösen“ Kornea Präzipitaten

 

3.Veränderte Leberenzymwerte

4.Röntgen-Thoraxbefund mit Hilusveränderungen (BHL)

5.Thorax-CT bei Patienten mit unauffälligem Röntgen Thoraxbefund

Basierend auf diesen Diagnosekriterien wurden 4 Evidenzgrade für eine okulare Sarkoidose abgeleitet (.Abb.10.5)

1.Gesicherte okulare Sarkoidose:

Biopsie gesicherte Diagnose mit klinisch entsprechender Uveitis

2.Wahrscheinliche okulare Sarkoidose:

Biopsie wurde nicht durchgeführt; jedoch RöntgenThoraxbefund mit Hilusveränderungen

3.Vermutete okulare Sarkoidose:

Biopsie wurde nicht durchgeführt; kein positiver Rönt- gen-Thoraxbefund, jedoch 3 der aufgeführten intraokularen Befunde und 2 positive Labor-/bildgebende Befunde sind vorhanden

4.Mögliche okulare Sarkoidose:

Lungenbiopsie war negativ, jedoch 4 der aufgeführten intraokularen Befunde und 2 positive Laborbefunde sind vorhanden

10.2.5 Klinik der okularen Sarkoidose

Bei bis ca. 80 % der Patienten mit systemischer Sarkoidose liegt eine Augenbeteiligung vor. Überwiegend präsentiert sie sich als Uveitis anterior. Bei 25 % der Patienten ist der hintere Augenabschnitt mit Uveitis posterior oder Optikoneuropathie betroffen.

Akute anteriore Uveitis  Eine akute anteriore, häufig unilaterale Uveitis wird, v. a. im Rahmen des Löfgren-Syndroms gesehen (.Abb.10.6). Erythema nodosum und bilaterale

Lymphadenopathie der Lunge können die granulomatöse Uveitis begleiten.

Chronische anteriore Uveitis  Chronische, anteriore intraokularen Entzündung verlaufen häufig subtil und nehmen einen undulierenden Verlauf. Sie präsentieren sich überwiegend bilateral mit granulomatösen Hornhautpräzipitaten und Irisgranulomen (.Abb.10.7). Etwa die Hälfte der Betroffenen weist einen rezidivierenden Entzündungsverlauf mit posterioren Synechien, Sekundärglaukom und Katarakt auf. Ein Übergang in eine Panuveitis kann eintreten und bei zusätzlicher Glaskörperbeteiligung tritt oft ein zystoides Makulaödem als wesentliche Komplikation hinzu.

-Weitere Beteiligungen am vorderer Augenabschnitt

Im Rahmen der Hautbeteiligung bei Sarkoidose kön-

-Knötchen auftreten.

Orbitabeteiligungen zählen mit weniger als 1 % zu den eher seltenen klinischen Manifestationen einer Sarkoidose. Sie können isoliert als schmerz-

hafte Ophthalmoplegie ggf. mit Visusminderung in Erscheinung treten. Von einer einoder beidseitige Tränendrüsenaffektion wurde bei 7 % bis zu 70 %, v. a. bei farbigen Patienten, berichtet. Sie verläuft meist asymptomatisch, kann allerdings auch zur

-Keratokonjunktivitis sicca führen.

Eine Skleritis wird eher selten bei Sarkoidose beobachtet und imponiert meist als noduläre oder diffuse

-Beteiligung.

Bindehautgranulome können einen wichtigen Hinweis auf eine Sarkoidose bieten und können, da leicht zugänglich, zur Biopsie und Diagnosesicherung

genutzt werden. Sie reagieren rasch auf eine Steroidtherapie und sollten daher initial sorgfältig abgeklärtnen Lidveränderungen als schmerzfreie subkutane

407

10

 

10.2  •  Sarkoidose (engl. sarcoidosis; von griechisch„fleischartig“)

..Abb. 10.8a–c  Uveitis posterior bei Sarkoidose mit multifokaler Chorioiditis und retinaler Gefäßbeteiligung (Angiografie)

werden. Chronische Verläufe der Konjunktivitis wurden mit sekundären Veränderungen als Keratokonjunktivitis sicca, Symblepharonbildung und pemphigoidähnlichen Verläufen beobachtet.

Hinterer Augenabschnitt

Intermediäre Uveitis  Glaskörperinfiltrationen mit „Schneebällen“, v. a. in der unteren Zirkumferenz, können als charakteristisches, allerdings nicht diagnostisches Zeichen einer Sarkoidose beobachtet werden. Sie können initial, aber auch noch Jahre nach systemischer Erkrankung auftreten. Die Sarkoidose gilt in der Abklärung der intermediären Uveitis als eine der häufigsten Ursachen (DD: latente Enzephalitis disseminata, Borrelieninfektion).

Posteriore Uveitis  Beteiligungen des hinteren Augenabschnittes (.Abb.10.8a–c) werden häufiger bei europäischen, ggf. afroamerikanischen Patienten beobachtet. Entzündliche Veränderung der Netzhautgefäße, des retinalen Pigmentepithels und der Aderhaut können als isolierte Manifestation der Sarkoidose auftreten. Sie sind mit 14–43 % häufig und werden mit einem erhöhten Risiko einer ZNS Beteiligung in Verbindung gebracht.

Typische Befunde sind segmentale Gefäßeinscheidungen, die auf eine Periphlebitis, seltener Arteriitis zurückgeführt werden. Sie sind unspezifisch und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten (Multiple Sklerose).

Häufig handelt es sich um einen asymptomatischen Zufallsbefund. Es können allerdings auch Leckage und Gefäßverschluss auftreten, die mit Ödem, intraretinaler Blutung, Ischämie und cotton-wool-Herden einhergehen. Perivenöse Erscheinungen mit „Kerzenwachsphänomen“ wurden von Franceschetti („tache de bougie“) beschrieben, sie sind allerdings eher selten zu finden. Bei ca. 10 % der v. a. jüngeren Patienten mit Netzhautbeteiligung treten ischämische Veränderungen mit Neovaskularisationen auf. Sowohl peripapillär als auch intraretinal können sie zu Glaskörpereinblutungen führen.

Choroiditis  Solitäre Aderhautgranulome können isoliert ohne begleitende Uveitis auftreten. Sie können von einer exsudativen Ablatio begleitet sein und u. U. den Eindruck eines metastatischen Aderhauttumors erwecken. Treten multiple choroidale Läsionen am hintern Pol auf, sind als Differentialdiagnosen Birdshot Retinochoriditis und multifokale Chorioiditis zu berücksichtigen. Die Sarkoidose führt v. a. zu kleinen chorioretinalen Läsionen der unteren Zirkumferenz im Gegensatz zu den genannten Differentialdiagnosen. Angiografische Darstellungen, bevorzugt als Indozyaningrün (ICG), können Aufschluss über die morphologische Situation bieten und ggf. choroidale Neovaskularisationen darstellen.

Als seltene Manifestationen der Sarkoidose am hinteren Augenabschnitt, muss die posteriore Skleritis, meist mit Schmerzen assoziiert, berücksichtigt werden.

Neurophthalmologische Präsentationen  Bei ca. 12 % der Patienten mit Sarkoidose treten neurologische Beschwerden auf. Eine neurophthalmologische Beteiligung wird bei ca. jedem 4. Patienten durch Neuritis, Hirnnervenparese oder Enzephalopathie symptomatisch. Durch direkte Infiltration des neuronalen Gewebes, Kompression oder chronische Meningitis werden unterschiedlichste klinische Bilder beobachtet, die häufig nur schwierig von multipler Sklerose und uveomenigealen Syndromen (VKH) zu differenzieren sind. Durch die Magnetresonanztomographie des Schädels lässt sich ein ZNS-Befall am besten erfassen. Charakteristisch ist die Granulombildung im Hypophysenstil, die häufig zum Diabetes insipidus führt. Neben der Granulombildung wurden auch basale Meningitiden und insultartige Krankheitsbilder beschrieben. In den letzten Jahren hat sich die FDG-Positronenemmissionstomogra- phie als ein sehr hilfreiches Verfahren erwiesen, da sie das Ausmaß des Organbefalls bei nachgewiesener aktiver Sarkoidose einzuschätzen vermag.