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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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386 Kapitel 9  •  Infektiös

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ist hilfreich, die inflammatorischen Symptome am vorde-

ren Augenabschnitt zu beherrschen.

2

 

 

      |

 

Praxistipp  |       

 

Therapieempfehlung für die postoperative Endoph-

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thalmitis nach Katarakt-Operation abgeleitet aus den

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Ergebnissen der Endophthalmitis Vitrectomy Study

(1995)

 

 

 

Therapie 1. Wahl (Akuttherapie indiziert, vitreore-

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- tinale Versorgung möglich): Vitrektomie mit Probe-

 

entnahme, breitbasiger intraokularer Antibtiotika-

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gabe (Vancomycin, Amikacin), keine postoperative

 

systemische Antibiotikagabe

 

 

Therapie 2. Wahl (Akuttherapie indiziert, keine

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- vitreoretinale Versorgung möglich, evtl. bei mil-

 

 

den Verlaufsformen mit grobem Funduseinblick):

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Probeentnahme mit intravitrealer Antibiotikagabe

 

(Vancomycin/Amikacin)

9

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9.9.7 Prognose

 

 

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Die Prognose der Endophthalmitis ist trotz der effizien-

ten Therapiemöglichkeiten nach wie vor ernst. Abgesehen

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von der Ätiologie der Infektion beeinflussen zahlreiche

weitere Variablen die Prognose: der Zeitpunkt der Mani-

 

festation und der medikamentös-operativen Versorgung,

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der Ausgangsvisus, der verursachende Erreger (Viru-

lenz, Toxizität), eine mögliche Netzhautinfiltration und

 

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postoperative Komplikationen sowie Begleitpathologien

(.Abb.9.27).

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Infektionsbezogene negative Prognosefaktoren

 

frühe Manifestation: 1.–2. Tag

 

 

schlechter Ausgangsvisus: HBW, LP

 

 

Latenz zw. Diagnose und Therapie: > Stunden

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-BacillusHaupterreger: Streptokokken*, gram-neg. Keime,

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multiresistente Erreger: MRS Staph. aureus, VRSS

-(Vancomycin), MR gram-neg. Keime

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Netzhautinfiltration: tox.-hämorrhagische Retinitis

 

 

Op-Komplikationen: intraop. Netzhautdefekt

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Begleitpathologien: Netzhautablösung, Trauma-assoz.

-Läsion (Miller et al. 2004, Soriano et al. 2006)

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Die Daten zur akuten Endophthalmitis nach Katarakt-

 

Operation sind am besten untersucht. Während mit o. g.

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Behandlungsgrundsätzen eine Kontrolle der Injektion in

mehr als 95 % möglich ist, wird ein brauchbarer Visus

 

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(≥0,1) in nur 85 % erreicht, die Hälfte davon auf 0,5 und

besser (Endophthalmitis Vitrectomy Study Group 1995,

Shirodkar et al. S2012). Die chronische, postoperative In-

fektion hat eine vergleichsweise günstige Prognose. Eigene Untersuchungen an 31 Augen ergaben zu 65 % ein gutes funktionelles Ergebnis mit Endvisus ≥0,5. Auch wenn zahlenmäßig weniger gut erfasst, sind die Visusergebnisse nach Endophthalmitis bei anderen ophthalmochirurgischen Eingriffen (z. B. Vitrektomie, fistulierende Glaukom-OP) deutlich schlechter, und rund 80 % der Augen bleiben auf einem niedrigen Visusniveau ≤ 0,1 (Leng et al. 2011, Park et al. 2012). Neuere Untersuchungen zum Ausgang einer Infektion nach intravitrealer Medikamentengabe zeigten ebenfalls eine ernste Prognose: Signifikante Verbesserungen gegenüber dem Ausgangsvisus treten nur in 20–50 % auf (Simunovic et al 2012).

Im Vergleich zur postoperativen Endophthalmitis schneiden die Resultate bei Infektionen nach offener Bulbusverletzung ebenfalls schlechter ab. Gelangen patienteneigene Keime von der Bulbusoberfläche mit der Wunde ins Auge, kann man mit der Therapie eine vergleichbar gute Infektionskontrolle wie bei der postoperativen Endophthalmitis erzielen. Kommt es jedoch zur Inokulation von „fremden“ Erregern aus kontaminiertem Material (z. B. mit Bacillus, Pilze, Pseudomonas, Mykobakterien bei landwirtschaftlichen Verletzungen), so können sich Lücken in der Breitspektrum-Antibiose auftun und die Initialtherapie nicht greifen. Hinzu kommt die Trauma-assoziierte Vorschädigung. Bei Trauma-assoziierten Infektionen kann man nur in bestenfalls einem Drittel der Augen einen brauchbaren Visus von 0,05 oder besser erreichen (Al-Omran et al. 2007, Cornut et al. 2012).

9.9.8 Fazit

Das Damoklesschwert einer Infektion schwebt über jeder invasiven Maßnahme, bei der die Integrität des Bulbus verletzt wird. Effektive Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe haben die Inzidenz erheblich senken können. Nicht beeinflussbar ist das Risiko bei bulbuseröffnenden Verletzungen oder bei der Möglichkeit, dass im Rahmen einer Bakteriämie oder Septikämie eine Infektion auf hämatogenem Wege in das Auge gerät. Hinsichtlich der Therapie liegen bis auf die EVS zwar keine randomisierten Studien vor, die heutigen Konzepte bezüglich Antibiotikawahl und Zusatzmaßnahmen sind jedoch wissenschaftlich gut begründet und effektiv, sowohl für bakterielle als auch Pilzinfektionen. Für alle Formen der Endophthalmitis spielen die intravitreale Antibiotikagabe und auch die Vitrektomie eine beherrschende Rolle, daneben auch die systemische Medikation. Abhängig von der Ätiologie werden diese drei Tools differenziert eingesetzt.