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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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9.9  •  Endophthalmitis (engl. endophthalmitis)

voraussichtliche Keimspektrum zu berücksichtigen. Dieses unterscheidet sich bei den ätiologisch unterschiedlichen Endophthalmitisformen.

Postoperative Endophthalmitis  Als primäre Infektionsquelle sind die physiologischen Keime der Bulbusoberfläche und der Adnexen, z. B. gram-pos. Kokken, speziell der koagulase-negative Staphylococcus epidermidis (in rund 50 %) anzusehen (Han et al.1996, Speaker et al. 1991). Ferner gehören Propioni- und Corynebakterien dazu, die aufgrund ihrer geringeren Virulenz, insbesondere bei chronischen oder Spätmanifestationen einer Infektion, verursachend sind (Shirodkar et al. 2012). Obligat pathogene Erreger, wie Staphylococcus aureus und Streptokokken- Spezies, kommen vor allem bei antibiotisch-antiphlogis- tisch vorbehandelten Augen (z. B. chronische Blepharitis) oder immungeschwächten Patienten vor. Der Nachweis von gram-negativen Keimen (Coli, Enterokokken, Pseudomonas) ist ein Hinweis auf Hygienefehler seitens der operativen Einrichtung oder des Patienten. Den extrem seltenen fungalen Infektionen geht als lokaler Prozess oft eine Pilzkeratitis oder chronische Filterkisseninfektion voraus. Lang andauernde Steroidtherapien und allgemeine, immunologische Probleme addieren sich als Risikofaktoren hinzu (Hariprasad et al. 2008).

Posttraumatische Endophthalmitis  Spezifikum dieser Gruppe­ ist das Eindringen sowohl von fakultativ-patho- genen Keimen der Augapfeloberfläche (Staphylokokken) als auch von kontaminiertem Material. Das Infektionsrisiko ist naturgemäß höher als nach okulärer Chirurgie. Nachgewiesene Risikofaktoren für das Angehen einer Infektion sind große Wunden, eine gleichzeitige Linsenverletzung und unversorgte intraokulare Fremdkörper (Essex et al. 2004). Vor allem bei Verletzungen mit organischem Material (Landwirtschaftsverletzungen) ist mit einer hohen Keimbelastung, Mischinfektionen und hochpathogenen Keimen (Bacillus cereus, Pseudomonas, Streptokokken, Clostridien, Pilze) zu rechnen. Entsprechend ist die Prognose schlechter als bei der postoperativen Endophthalmitis (Al-Omran et al. 2007, Essex et al. 2004).

Endogene Endophthalmitis  Ausgehend von einem primären Infektionsherd im Körper entstehen durch hämatogene Aussaat choroidale oder retinale Keimabsiedlungen. In ca. 50 % kann von einer Pilzinfektion (bes. Candida, seltener Aspergillus und Cryptococcus-Spezies) ausgegangen werden (Neß et al. 2007). Die übrigen sind bakterielle Emboli. Staphylokokken spielen hier keine Rolle, hingegen

Streptokokken und gram-negative Enterobakterien. Schwere Darminfektionen, kontaminierte Injektionslösungen, Drainagen und Katheter sowie Drogenabusus (Spritzen, Nadeln) sind Quellen für infektiöse Streuherde. Abwehr-

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geschwächte Personen sind hierfür besonders disponiert (Schiedler et al 2004).

9.9.4 Klinik

Pathognomonisch für eine Endophthalmitis ist die Infiltration des Glaskörpers (Vitritis). Typische weitere Merkmale sind: Visusverlust, Schmerzen, Photophobie, Lidschwellung, rotes Auge (Hyperämie, Chemosis) und Hypopion (.Abb.9.30a–f). Diese Symptome sind zwar typisch, aber nicht zwangsläufig immer vorhanden.

Die akute postoperative Endophthalmitis, vor allem nach Vorderabschnittseingriffen, tritt i. d. R. zwischen dem 2.–5. Tag nach einem intraokularen Eingriff auf (Intervall 1. Tag bis 4 Wochen) und zeigt o. g. Symptome (.Abb.9.30a). Da die Keiminokulation über die Operationswunde erfolgt, ist der Vorderabschnittsbefund diagnostisch richtungweisend. Die Infektion breitet sich dann in den Hinterabschnitt aus. Hypopion und Fibrin maskieren häufig die Schwere der vitrealen Beteiligung. Hilfreich ist die Sonographie, mit der sich die Glaskörperinfiltration einschätzen lässt. Eine mögliche retinale Beteiligung entzieht sich infolge der Medientrübung meist der Beurteilung. Wenn dennoch erkennbar, stellt sie sich als hämorrhagischeitrige Retinitis und Perivaskulitis dar. Je früher sich die Krankheitszeichen zeigen, desto höher sind die Virulenz des Erregers sowie die Keimbelastung einzuschätzen und desto eiliger ist die Einleitung der Therapie. Bei fortgeleiteten Infektionen kann der primäre Eingriff länger zurückliegen. Entscheidend ist, wann der externe Infektionsherd in das Innere des Auges penetriert ist (.Abb.9.30d).

Für die Endophthalmitis nach intravitrealer Medikamentengabe ist zu beachten, dass sich die Infektion aufgrund der direkten Inokulation von Erregern in den Glaskörperraum primär hier entwickelt (.Abb.9.30c). Photophobien können die ersten Beschwerden sein. Die üblichen Vorderabschnittssymptome entwickeln sich erst beim Vollbild der Entzündung. Bei dieser Form der Endophthalmitis besteht ein besonders hohes Risiko für eine Netzhautschädigung: erstens aufgrund der anatomischen Nähe zur Netzhaut (primärer Abszess im Glaskörperraum), zweitens ist häufiger als nach Kataraktchirurgie mit Streptokokken zu rechnen. Das gilt vor allem, wenn die Behandlungen nicht unter aseptischen Operationsbedingungen, sondern als sog. Office-Procedures durchgeführt werden (McCannel 2011). In den USA, wo die intravitreale Medikamentengabe nicht routinemäßig unter Operationsbedingungen durchgeführt wird, sind bei Infektionen bis zu 30 % durch Streptokokken verursacht, die durch Tröpfcheninfektion seitens des Personals das OP-Feld erreichen (Moshefeghi et al. 2011).

Manifestiert sich eine Endophthalmitis erst später als 4 Wochen postoperativ, spricht man von einer chroni-

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Kapitel 9  •  Infektiös

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 9.17  Klinisch relevante Differentialdiagnosen zur Endophthalmitis

 

 

 

 

 

 

Differentialdiagnosen

Leitsymptome

Charakteristika/Abklärung

 

M. Behçet

Hypopion (Uveitis anterior)

Ethnische Disposition, Aphthen, Oligoarthritis

 

 

 

hinweisend

 

HLA-B27-assoziierte Uveitis

Fibrinöse/Hypopion-Iritis (Uveitis

z. B. bei M. Reiter, M. Bechterew: Labor, Arthritis,

 

 

anterior)

Colitis, rezidiv. Schübe

 

Idiopath. intermediäre/posteriore

Vitritis

Sterile, ätiologisch unklare Uveitis ± Vaskulitis ±

 

Uveitis

 

Papillitis ± CMÖ, ohne assoziierte systemische

 

 

 

Symptome

 

Phakogene Uveitis

Hypopion, Vitritis

Sterile, granulomatöse Uveitis: Phakolyse, Linsen-

 

 

 

reste nach Katarakt-OP

 

UHG (Uveitis-Hyphäma-Glaukom)

Uveitis anterior mit Hämorrhagien,

Chron. mechanische Uveairritation: IOL-Rotation,

 

Syndrom

Vitritis, Sekundärglaukom

Haptikimpression, Op-Technik recherchieren

 

Sterile medikamenten-assoz.

Hypopion, Fibrin, Vitritis

Akute sterile Entzündung unklarer Ursache, am

 

(Pseudo-)Endophthalmitis

 

häufigsten nach Triamcinolon, selten nach anti-

 

 

 

VEGF-Gabe, keine Schmerzen, am 1.–2. Tag nach

 

 

 

intravitrealer Injektion

 

TASS (toxic anterior segment

Fibrinöse Uveitis anterior, Keratitis,

Akute sterile Entzündung durch intraoperative

 

syndrome)

Vitritis

Kontamination mit toxische Chemikalien, am

 

 

 

1.–2. Tag postoperativ

 

Okuläres Lymphom

Uveale/retinale Infiltration, „Vitritis“

Maligne Gewebeinfiltration und Pseudovitritis,

 

 

 

steroidresistent:

 

 

 

Probeentnahme, ZNS-Diagnostik!

 

Retinoblastom

„Vitritis“

Tumoraussaat im Glaskörper, Alter, Genetik

schen oder verzögert auftretenden Endophthalmitis, sie

trotz adäquater antiinflammatorischer Therapie (Ahmed

ist eine Sonderform der post-Katarakt-Endophthalmitis

et al. 2012). Sind Pilze beteiligt, können sich die Infektions-

(.Abb.9.30b). Subjektive Beschwerden sind meist milde,

zeichen auch unter dem Bild einer verzögert auftretenden

die Entzündungszeichen langsam progredient. Am Vor-

Endophthalmitis darstellen.

derabschnitt dominieren speckige Endothelpräzipitate und

Der ophthalmologische Befund bei der endogenen En-

ein granulomatöser Reizzustand. Pathognomonisch sind

dophthalmitis zeigt retinochoroidale Infiltrate mit Beteili-

plaqueartige weiße Infiltrate im Kapselsack. Sie entsprechen

gung des Glaskörpers, zunächst lokal am Herd, dann als dif-

sequestrierten Keimen und einer lokalen entzündlichen In-

fuse Vitritis (.Abb.9.30f). Dem sind einoder mehrmalige

filtration (Adan et al 2008). Ursächlich sind intraoperativ

Schübe einer Bakteriämie oder Fungämie vorausgegangen.

eingeschleppte, fakultativ pathogene Erreger der Augap-

Diese gehen meist mit Allgemeinsymptomen einher, können

feloberfläche (Propioni- und Corynebakterien, koagulase-

aber auch asymptomatisch bleiben. Auch wenn die Anam-

negative Staphylokokken, seltene Pilze), die sich durch lang-

nese oder der Allgemeinzustand des Patienten (intensivme-

same Vermehrung und fehlende Toxinbildung auszeichnen

dizinische Therapie, große Operationen, Drogenkonsum)

(Maalouf et al. 2012). Die Infektion bleibt lange im Kapsel-

diagnostisch hinweisend ist, gibt es Fälle immunkompetenter

sack und Vorderabschnitt lokalisiert. Sie kann aber jederzeit

Patienten ohne Hinweis auf den primären Streuherd (Schied-

zum Vollbild der Endophthalmitis aufflammen, nämlich

ler et al 2004). Hier muss eine umfassende internistische Ur-

dann, wenn eine kritische Keimzahl überschritten ist und

sachenabklärung veranlasst werden.

die Erreger in den Glaskörperraum geraten. Exazerbationen

Zumeist ist die klinische Diagnose einer Endophthal-

nach Nd-YAG-Kapsulotomie sind daher typisch.

mitis im Zusammenhang mit der Anamnese einfach. In

Das klinische Bild einer posttraumatischen Endoph-

einigen Fällen ist die Abgrenzung gegenüber mehr oder

thalmitis stellt sich i. d. R. wie eine akute postoperative In-

weniger heftigen, nicht-infektiösen Erkrankungen schwie-

fektion dar (.Abb.9.30e). Die subjektiven Symptome, wie

rig. Zahlreiche okuläre oder systemisch entzündliche oder

Visusverlust und Photopsien oder rotes Auge, sind bei ei-

maligne Erkrankungen verlaufen unter dem Bild einer

ner schweren verletzungsbedingten Schädigung nur einge-

Uveitis oder Panophthalmie. Eine Auswahl klinisch rele-

schränkt verwertbar. Warnzeichen sind eine Zunahme von

vanter Differentialdiagnosen, abhängig vom Leitsymptom,

Schmerzen, Entzündungszeichen und Medientrübungen

ist in .Tab.9.17 zusammengefasst.

9.9  •  Endophthalmitis (engl. endophthalmitis)

9.9.5 Diagnostik

Klinische Diagnostik

Bereits makroskopisch erkennbar sind ein akutes Lidödem, Chemosis, konjunktivale Hyperämie bei kürzlich operiertem Auge oder nach penetrierendem Trauma und ernst zu nehmende Hinweise auf eine Infektion. Typische spaltlampenmikroskopische Befunde sind Hornhautödem, zellulärer Vorderkammerreiz, Hypopion und Fibrinbildung mit Synechierung. Solange die Vitritis noch einen Funduseinblick zulässt, ist ophthalmologisch auf eine mögliche retinale Beteiligung (toxische Netzhautblutungen, leukozytäre Infiltration, Vaskulitis) zu achten. Ggf. muss man zur Abschätzung der Schwere der Hinterabschnittsentzündung eine B-Bild Sonographie durchführen. Speziell nach Trauma sind die Verletzungsfolgen oft komplex und im Ultraschall weitere Pathologien, wie Choroidalamotio, -blutung, Netzhautablösung, Glaskörperblutung, darzustellen, die in die Therapieplanung einzubeziehen sind.

Mikrobiologische Diagnostik

Ist die klinische Diagnose einer Endophthalmitis gestellt, wird gewöhnlich unmittelbar die Therapie eingeleitet. Dennoch ist zuvor eine mikrobiologische Erregeridentifizierung zu empfehlen. Dies geschieht entweder als Probeentnahme (TAP) oder im Rahmen einer diagnostischtherapeutischen pars plana Vitrektomie. Ein spezifischer Keimnachweis gelingt am häufigsten aus Glaskörpermaterial (bis zu 75 %), weniger gut aus Vorderkammerpunktat (Barza et al. 1997, Neß und Pelz 2000). Abstrichmaterialien von extern (Bindehaut, eitriges Sekret, Wunde) ergeben unzuverlässige Resultate. Sie fallen entweder negativ aus oder stimmen aufgrund des raschen Keimshifts nicht mit dem Ergebnis von intraokularem Material überein. Ferner ist zu beachten, dass aufgrund der kleinen Probenmenge und relativ geringen Keimausbeute eine unmittelbare Weiterverarbeitung gewährleistet ist. Dazu gehören ein rascher Transport ins Labor bei mindestens 25 °C und dort eine zügige Weiterverarbeitung. Ein Direktausstrich mit Gramund Giemsafärbung kann u. U. eine sofortige Erregerklassifizierung in gram-pos., gram-neg, Kokken, Stäbchen etc. ergeben. Ferner werden Kulturen auf unterschiedlichen Nährmedien angelegt und sowohl unter aeroben als auch anaeroben Bedingungen bebrütet. Bereits nach 1–2 Tagen kann ein Ergebnis vorliegen, sodass die antibiotische Therapie ggf. angepasst werden kann.

Bei verzögert auftretenden Infektionen, atypischen Verläufen oder Rezidiven ist von einem abweichenden Erregerspektrum auszugehen, und man sollte in Absprache mit dem Mikrobiologen spezielle Nährmedien einsetzen, die Bebrütungsphase auf mindestens 4 Wochen ausdehnen und gezielt auf Pilze prüfen.

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Ergänzende Methoden zur Keimdiagnostik können die diagnostische Trefferrate erhöhen. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn o. g. Verfahren kein Ergebnis erbringen und die Infektion durch die üblichen Antibiotika nicht zur -Ruhe kommt. Die Verfahren sind:

Histologie (Bakterienhaufen, Pilzhyphen, z. B. aus -Kapselsackmaterial)

Transmissions-Elektronenmikroskopie (intrazelluläre

-Erreger, wie Propionibakterien)

PCR (molekulardiagnostige Identifizierung durch Polymerase-Kettenreaktion aus Vorderkammerpunktat) (Lohmann et al. 2000)

>> Durchschnittliche Erregernachweisraten von 50 % sind heute nicht mehr adäquat. Durch Optimierung der Probenentnahme und verbesserte Logistik der mikrobiologischen Aufarbeitung lassen sich Nachweisraten von bis zu 85 % erreichen. Die empirisch eingesetzten Antibiotika sind in der überwiegenden Mehrzahl zwar hocheffektiv, in Problemfällen oder bei sehr seltenen Erregern muss jedoch eine dem Antibiogramm angepasste Therapie erfolgen

9.9.6 Therapie

Die Behandlung einer Endophthalmitis erfolgt aufgrund der Dringlichkeit i. d. R. auf empirischer Basis und muss ein breites Spektrum an potenziellen Erregern abdecken. Die Behandlungsziele umfassen nicht nur die Kontrolle der Infektion, d. h. die spezifischen Erreger medikamentös abzutöten, sondern auch Sekundärschäden durch bakterielle Toxine und die körpereigene Abwehr zu verhindern oder zu minimieren (.Tab.9.18, .Tab.9.19). Weitere operative Maßnahmen können im Verlauf folgen, um den bestmöglichen Visus zu erreichen.

Antibiotikatherapie

Der effektivste Weg, antimikrobielle Substanzen sofort und in ausreichender Dosierung „an den Ort des Geschehens“ zu bringen, ist die intravitreale Gabe. Das gilt für alle Formen der Endophthalmitis und ist somit der primäre Therapieansatz. Mit der traditionellen Kombination aus Vancomycin und einem Aminoglykosid, wie Amikacin, erreicht man über 95 % der möglichen Erreger (Endophthalmitis Vitrectomy Study Group 1995, Han et al. 1996). Aufgrund der potenziellen Retinatoxizität von Amikacin wird alternativ auch das Breitspektrumcephalosporin Ceftazidim eingesetzt. Die Halbwertzeit für die genannten Antiobiotika liegt bei ca. 2 Tagen, was zur Kontrolle einer primär intravitrealen Infektion meist ausreicht.

Die Rolle systemisch gegebener Antibiotika muss differenzierter betrachtet werden. Abgesehen von der endo-

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Kapitel 9  •  Infektiös

 

 

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 9.18  Dosierungsangaben für die antibiotische Therapie einer Endophthalmitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Intravitreale Injektion

Intravitreale Infusi-

Subkonjunktivale

Systemische Gabe

 

 

 

onslösung

Injektion

 

 

Vancomycin

0,1 mg/0,1 ml

0,2 mg/ml

25 mg

 

Amikacin

0,4 mg/0,1 ml

0,08 mg/ml

20 mg

 

Ceftazidim (ggf. + Vanco)

2,25 mg/0,1 ml

0,45 mg/ml

100 mg

3 × 2 g iv/d

 

Amphothericin B

0,005 mg/0,1 ml

0,02 mg/ml

5–10 mg

0,5–1,0 mg/kg KG iv

 

Voriconazol

0,05 mg/0,1 ml

Initial 800 mg iv/oral,

 

 

 

 

 

dann 400 mg/d

 

Imipenem/Cilastin

3–4× 500 mg iv

 

Moxifloxacin

Initial 800 mg, dann

 

 

 

 

 

400 mg/d (iv /oral)

 

Dexamethason

0,4 mg/0,1 ml

0,08 mg/ml

4 mg

 

 

Prednisolon

60–80 mg/d (1Woche)

 

Anmerkungen

Bei unklarem Verlauf

Antibiotikakonzen-

Durchwanderungs-

Indikation: nicht bei

 

 

nach 48–72 h wieder-

tration im vitrekto-

endophthalmitis (ex-

akuter/chron. post-

 

 

holen

mierten Auge wie nach

terner Infektionsherd)

Cataract-Eo, sonst

 

 

 

Injektion

 

meistens indiziert

genen Endophthalmitis, bei der sie auf die verursachende Infektionsquelle zielt, ist die systemische Gabe eine Begleitmedikation, um intravitreale Antibiotikaspiegel über einen längeren Zeitraum im Auge aufrechtzuerhalten. Ihre Rolle ist bei der postoperativen Endophthalmitis nach Kataraktchirurgie umstritten. Nach eigenen Erfahrungen und nach der Analyse der Endophthalmitis-Vitrectomy-Study, bringt sie keinen zusätzlichen Nutzen (Endophthalmitis Vitrectomy Study Group 1995). Bei anderen postoperativen Formen ist dies nicht untersucht und wird mangels anderer Daten im Allgemeinen empfohlen. Das gilt ebenso für die posttraumatischen Infektionen aus dem landwirtschaftlichen Bereich, bei denen mit kontaminiertem organischen Material und damit unüblichen Erregern gerechnet werden muss (Benz et al. 2004, Bhagat et al. 2011, Chhabra et al. 2006).

Wird die Indikation zur systemischen Therapie gestellt, ist zu berücksichtigen, dass ausreichende Spiegel frühestens nach einem Tag erreicht werden. Früher wurden Kombinationen bestehend aus Vancomycin, Amikacin, Flucloxacin oder Ceftazidim gegeben, um sowohl die gram-positive als auch gram-negative Seite abzudecken. Sie weisen jedoch eine schlechte Penetration der Blut-Retina- Schranke auf. Man hat stets angenommen, dass bei einer Entzündung diese Barrieren permeabel werden, und die Medikamente doch in hinreichender Konzentration in das Auge gelangen. Heute stehen die neueren Breitspektrumantibiotika aus der Gruppe der Fluoroquinolone/ Gyrasehemmer (Moxifloxacin) und die Carbapeneme aus der Gruppe der ß-Lactam-Antibiotika (Imipenem/Ciles-

tan) zur Verfügung, die nachweislich nicht nur eine gute Gewebegängigkeit aufweisen, sondern zudem die meisten Organismen erfassen, die eine exogene bakterielle Endophthalmitis verursachen.

Die Rolle von subkonjunktival applizierten Antibiotika ist umstritten. Grundsätzlich können damit für eine kurze Zeit hinreichende Wirkspiegel in der Vorderkammer erreicht werden, nicht hingegen im hinteren Augenabschnitt. Mit den neueren, handelsüblichen topischen Gyrasehemmern (Ofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin) stehen wirksame Lokaltherapeutika zur Verfügung, die in die angrenzenden Gewebe (Hornhaut, Vorderkammer) penetrieren. Ihre Anwendung ist als ergänzende Maßnahme zu verstehen, um bei schweren Endophthalmitisverlaufsformen alle Routen der medikamentösen Infektionsabwehr zu nutzen (Kowalski et al. 2012, Smiddy et al 2005).

Bei Verdacht auf eine exogene oder endogene Pilzinfektion sind Antimykotika einzusetzen, üblicherweise in­ travitreal, topisch und systemisch kombiniert. Die Therapie erfolgt, abhängig vom klinischen Verlauf, grundsätzlich über einen längeren Zeitraum (bis zu 6 Wochen). Traditionell wird die Initialbehandlung mit Amphothericin B intravitreal und systemisch begonnen, später mit Imida­ zolderivaten (Ketoconazol, Fluconazol) oral fortgesetzt. Heute steht mit Voriconazol eine noch effizientere und besser verträgliche Alternative zur Verfügung, die als intravitreale und systemische (parenteral oder oral) Applikationsweise erfolgen kann (Hariprasad et al. 2010, Wykoff et al. 2008).

 

 

 

 

 

 

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9.9  •  Endophthalmitis (engl. endophthalmitis)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 9.19  Therapieprinzipien bei den unterschiedlichen Endophthalmitisformen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Akute postop. Eo

Chron. postop. Eo

Posttraumat. Eo

Endogene Eo

Endogene Eo

 

 

(bakt.)

 

 

(Bakt.)

(Pilze)

 

Vitrektomie

Obligat

Obligat mit Kapsul-­

Obligat

Optional

Obligat

 

 

 

ektomie

 

 

 

 

 

 

 

Intravitreale

Vancomycin/Ami-

Vancomycin/Ami-

Vancomycin/Ami-

abh. vom Schwe-

Vorconazol (altern.

 

Antibiotika

kacin intravitreal,

kacin intravitreal

kacin intravitreal

regrad

Amphothericin B)

 

Systemische

Optional Gyra-

Nein

Ja (Gyrasehemmer,

Obligat Breitspek-

Obligat Voriconazol

 

Antibiotika

sehemmer, Car-

 

Carbapeneme)

trum, abh. vom

o. Amphotericin B

 

 

bapene (unnötig

 

 

Primärherd

 

 

 

 

 

bei post-Cataract

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Infektion)

 

 

 

 

 

 

 

 

Subkonj. Antib-

Nein

Nein

Optional

Nein

Nein

 

tiotika

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abmerkungen

1. bei mildem

1. chir. Kapsel-

1. Fremdkörper

1. primär Herd-

1. primär Herd-

 

 

Verlauf ggf. nur

sackrevision,

suchen!

suche und syste-

suche und

 

 

intravitreale

primär IOL

2. Ggf. Antibiotika

misch Antibiose

systemische

 

 

Antibiotika

belassen

nach Kulturer-

2. Op und intravi-

Therapie

 

 

2. bei Durchwan-

2. Entfernung bei

gebnis anpassen

treale Antibio-

2. Vitrektomie/An-

 

 

derungs-Eo (z.B.

Rezidiv

 

tika abh. vom

tibiotika zur lo-

 

 

Filterkisseninfek-

3. DD: prim. Pilzin-

 

Schweregrad

kalen Infektions-

 

 

tioin, Keratitis)

fektion

 

der Retina/GK-

kontrolle nötig

 

 

erweiterte

 

 

Beteiligung,

 

 

 

 

 

Antibiose (lokal,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

systemisch)

 

 

 

 

 

 

 

 

Vitrektomie

Die Vitrektomie als Bestandteil der Endophthalmitistherapie folgt der Überlegung, infektiöse Organismen und ihre Toxine zu reduzieren, die entzündlichen Infiltrationen und fibrinös-eitrigen Beläge zu beseitigen und die potenziell destruktive Abwehrreaktion zu stoppen sowie Raum für die intravitreale Antibiotikagabe zu schaffen. Damit sollen der Folgeschaden einer Erregerinvasion limitiert, die Prognose verbessert und die Visuserholung beschleunigt werden. Tierexperimentell ist dieses Konzept belegt. Auch lässt sich nach Vitrektomie klinisch besser beurteilen, ob die Infektion unter Kontrolle ist. Im Falle einer postoperativen oder posttraumatischen Endophthalmitis werden ferner mitverursachende Faktoren, wie eine instabile Wunde, Linsenreste, intraokulare Blutungen oder eine Ablatio, behandelt. Auf der anderen Seite muss das Operationsrisiko einer Glaskörperentfernung bei hochentzündlichem, infiziertem Auge mit Medientrübungen gesehen werden. Verbindliche Empfehlungen, wie „gründlich“ eine Vitrektomie bei Endophthalmitis sein sollte, gibt es nicht. Eine Teilvitrektomie ist in Bezug auf Netzhautkomplikationen sicher risikoärmer als eine vollständige Vitrektomie einschließlich der Entfernung epiretinaler Entzündungsmembranen. Ob letztere mit einer besseren Visusprognose einhergeht, ist nicht untersucht.

Für die postoperative Endophthalmitis nach Kataraktchirurgie hat sich gezeigt, dass eine Vitrektomie bei schweren Verlaufsformen der post-Katarakt-Endophthal-

mitis bessere Visusresultate ergeben hat als bei alleiniger Antibiotikagabe (mit Biopsie zwecks mikrobiologischer Diagnose), während dieser Vorteil bei leichteren Verlaufsformen nicht mehr festzustellen war (Endophthalmitis Vitrectomy Study Group 1995). Das Studiendesign und die Ergebnisse der Endophthalmitis-Vitrectomy-Study wurden jahrelang vehement diskutiert, vor allem zwischen den amerikanischen und europäischen Kollegen (Kuhn und Gini 2005). Hierzulande ist die Vitrektomie bei postoperativer Endophthalmitis ein fester Bestandteil der Behandlung und die alleinige intravitreale Antibiotikagabe auf Ausnahmefälle beschränkt.

Für alle anderen Formen der Endophthalmitis ist die operative Glaskörperentfernung obligates Element des Behandlungskonzepts (Aldave et al. 1999, Clark et al. 1999, Bhagat et al. 2011).

Steroidtherapie

Um die destruktiven Auswirkungen der Entzündungsreaktion und Sekundärschäden zu minimieren, schlagen viele Autoren vor, begleitend Steroide intravitreal oder systemisch zu geben. Auch wenn das Konzept auf schlüssigen Überlegungen beruht, fehlt die wissenschaftliche Evidenz; tierexperimentelle und klinische Untersuchungen dazu fallen widersprüchlich aus, sodass verbindliche Empfehlungen nicht gegeben werden können. Die topische Gabe gehört zum Standard der postoperativen Medikation und