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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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2

 

 

 

 

 

Extraokular/Adnexe

M. Both, A. Eckstein, J. Esser, T. Neß, B. Nölle

2.1Idiopathische Orbitaentzündung (IOE) (engl. idiopathic orbital inflammation (IOI), idiopathic orbital inflammation syndrome (IOIS), nonspecific orbital inflammation

(NSOI), orbital inflammatory syndrome (OIS))  –  48

2.1.1Definition und Einteilung  –  48

2.1.2Epidemiologie  –  48

2.1.3Ätiologie und Pathogenese  –  48

2.1.4Histopathologie  –  49

2.1.5Klinik  –  50

2.1.6Diagnostik  –  50

2.1.7Differentialdiagnosen zur IOE  –  54

2.1.8Therapie  –  55

2.1.9Prognose  –  57

2.1.10Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  57

2.2Endokrine Orbitopathie (EO) (engl. Graves’ Orbitopathy (GO), Thyroid Eye Disease (TED))  –  57

2.2.1Definition und Einteilung  –  57

2.2.2Epidemiologie  –  57

2.2.3Ätiologie und Pathogenese  –  57

2.2.4Klinik  –  58

2.2.5Diagnostik  –  58

2.2.6Therapie  –  60

2.2.7Prognose  –  63

2.2.8Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  63

2.3Riesenzellarteriitis (RZA) (engl. Giant Cell Arteritis (GCA))  –  64

2.3.1Definition  –  64

2.3.2Epidemiologie  –  64

2.3.3Ätiologie und Pathogenese  –  64

2.3.4Klinik  –  64

2.3.5Diagnostik  –  65

2.3.6Differentialdiagnostik  –  67

2.3.7Therapie  –  67

2.3.8Prognose  –  68

2.3.9Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  68

Literatur  –  68

U. Pleyer (Hrsg.), Entzündliche Augenerkrankungen,

DOI 10.1007/978-3-642-38419-6_2, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

48 Kapitel 2  •  Extraokular/Adnexe

1

2.1

Idiopathische Orbitaentzündung

 

(IOE) (engl. idiopathic orbital

 

 

inflammation (IOI), idiopathic orbital

2

 

inflammation syndrome (IOIS),

 

nonspecific orbital inflammation

3

 

(NSOI), orbital inflammatory

 

syndrome (OIS))

4

B. Nölle, M. Both

ICD-10 Code H05.0, H0.5.1 oder H04.0

5

Synonym: idiopathische Orbitaentzündungssyndrom,

 

orbitaler Pseudotumor bzw. Pseudotumor orbitae (OPS,

6

PSO)

 

 

 

7

2.1.1

Definition und Einteilung

8

Eine benigne, idiopathische Entzündung im Bereich der

Orbita mit histologisch polymorpher, überwiegend lym-

 

9

phatischer Infiltration, variabler Fibrose und Fehlen einer

lokalen oder systemischen Grunderkrankung gilt als idio-

10

pathische Orbitaentzündung.

Eine IOE tritt akut (Stunden, wenige Tage, ca. 30 %

 

d. F.), subakut (Tage, wenige Wochen) oder chronisch (ei-

11

nige Monate) auf.

Anatomische Hauptmanifestationen einer IOE und

12

ihre Häufigkeiten geben eine Orientierung, was wie häu-

fig zu erwarten ist. Dabei sind Kombinationen möglich

 

(.Tab.2.1).

13

Anatomisch begründete Subtypen einer IOE sind

(nach Rootman & Nugent):

 

14

Anteriore IOE

Posteriore IOE

 

Diffuse IOE

 

Lakrimalische IOE

15

-Myositische IOE

16

Verschiedene histopathologische Klassifikationen existie-

17

ren nebeneinander. Es sollte zwischen einer

klassischen, entzündungszellreichen IOE,

18

sklerosierenden IOE,

granulomatösen IOE,

 

vaskulitischen IOE,

19

eosinophilen IOE

-differenziert werden.

20

Eine IOE zeigt eine ausgeprägte Variabilität bezüglich

 

Intensität und Ausbreitung der Entzündung. Das Spekt-

21

rum reicht von subklinischen Formen ohne Funktions-

einschränkung bis zu schmerzhafter Erblindung trotz

 

22

massiver systemischer Immunsuppression. Schmerzen,

Schwellung, Rötung und Überwärmung als klassische

 

Entzündungszeichen sowie Beeinträchtigung von Visus,

Gesichtsfeld, Farbensehen, Augenmotilität und Aussehen verringern die Lebensqualität der IOE-Patienten. Verlaufsuntersuchungen zeigen, dass eine klassische IOE oder vaskulitische IOE einfacher und erfolgreicher behandelbar ist, als eine granulomatöse IOE oder sklerosierende IOE.

2.1.2 Epidemiologie

Es sind keine validen epidemiologischen Daten zur Inzidenz und Prävalenz von IOE aus prospektiven Studien verfügbar. Unter allen Orbitaerkrankungen rechnet man mit 6–10 % IOE-Fällen bei Erwachsenen, meistens im mittleren Lebensalter. Bei Kindern liegt der Anteil geschätzt bei 7,8 bis 17 %. Die IOE betrifft Männer und Frauen etwa gleich häufig und kommt weltweit vor. Die von BirchHirschfeld bereits 1905 angegebenen Zahlen sind heute noch zutreffend. Er fand unter 150.000 unselektierten Augenpatienten 44 orbitale Raumforderungen, davon ordnete er erstmalig vier einer Orbitaentzündung zu und grenzte sie von Neoplasien ab.

2.1.3 Ätiologie und Pathogenese

Eine eindeutig anerkannte Pathophysiologie der IOE oder immungenetische Assoziationen sind nicht bekannt. Es werden verschiedene pathophysiologische Hypothesen für eine IOE diskutiert:

1.Eine infektiöse Genese wird u. a. angenommen, da nach Infekten mit Streptokokken, Borrelien, Tuberkelbakterien, Herpes-Zoster-Viren, HIV, EBV und Parasiten eine IOE auftreten kann.

2.Eine Autoimmunitätsgenese bzw. immunmediierte Genese wird angenommen, da IOE auch bei Systemerkrankungen, wie M. Crohn, SLE, Rheumatoider Arthritis, Myasthenia gravis, ankylosierender Spondylitis vorkommen kann. Eine entzündungshemmende Therapie mit Glukokortikosteroiden und Immunsuppressiva erzielt Erfolge. Im Entzündungsgewebe wurden erhöhte Werte von proinflammatorischen Zytokinen gefunden. Einige IOE-Patienten weisen zudem erhöhte Antikörper gegen Augenmuskel-spezifische Antigene auf.

3.Eine Unterform der IOE mit sklerosierender Histopathologie kann mit extraokulärer Manifestation von fibrosierender granulomatöser Entzündung (Fi­ brosklerose) auftreten. Es wurde in den letzten Jahren durch Studien belegt, dass IgG4-positive Plasmazellen hierbei vermehrt vorkommen. IgG4Erkrankungen kommen ubiquitär im Körper vor, mit häufiger Beteiligung der Orbita. Stone et al. geben an, dass früher definierte Erkrankungen, wie MikuliczSyndrom, Küttnertumor, Riedel-Thyreoiditis, mul-

2.1  •  Idiopathische Orbitaentzündung (IOE)

.. Tab. 2.1  Beteiligte Orbitastrukturen bei einer IOE

Struktur

%

Orbitafettgewebe

75

Tränendrüse

32–54

Extraokuläre Muskeln

19–50

Sehnerv

21

Sklera

4

Orbitaspitzensyndrom

6

Sonstiges Orbitagewebe (präseptal,

8–14

supraorbital, Gefäße)

 

tifokale Fibrosklerose, eosinophile angiozentrische Fibrose, entzündlicher Pseudotumor, mediastinale Fibrose, Ormond-Erkrankung, Periaortitis, entzündliches Aortenaneurysma, idiopathische hypokomplementämische tubulointerstitielle Nephritis alle in dieser IgG4-Gruppe aufgehen. Das IgG4-Molekül kann instabile Disulfidbrücken aufweisen, weshalb Fc-Interaktionen und asymmetrische bispezifische Antigenbindungen möglich sind, die zu ineffektiven Immunkomplexbildungen führen. Histologisch fallen dichte, diffus vorhandene, lymphoplasmazytische Infiltrate mit obliterativer Phlebitis und eosinophilen Infiltraten, aber kaum neutrophilen Granulozyten und Granulomen auf. IgG4-positive Plasmazellen (>10 Zellen je Blickfeld bei 200–400x Vergrößerung) oder eine Relation von IgG4+/IgG+ Plasmazellen > 40 % sind charakteristisch für eine IgG4-Erkrankung. Im Serum kann eine IgG4-Erhöhung über 135 mg/ dl auffallen, ist jedoch nicht zwingend vorhanden. In Spätstadien gehen diese o. g. Charakteristika verloren, und es ist dann nur noch eine uncharakteristische Gewebefibrose vorhanden. Triggermechanismen für IgG4-Erkrankungen können Infekte und Autoimmunität sein, die über eine Aktivierung des angeborenen Immunsystems, molekulare Mimikry oder Autoantigenpräsentation eine Immunreaktion in Gang setzen. Dabei werden Th1und Th2-Lymphozyten zu regulatorischen Treg aktiviert. Verschiedene Zytokine (IL-4, 5, 10, 13; TGF-ß) werden freigesetzt mit der Folge von Eosinophilie, Anstieg von IgE und IgG4 im Serum und Aktivierung einer lokalen Fibrose. In den Erfolgsorganen kommt es zur Zellinfiltration, Immunkomplexablagerung, Gewebeschädigung und Gewebeumbau. Überwiegend verlaufen diese Prozesse subakut und chronisch, ohne systemisch fassbare Entzündungsparameter, wie Fieber und CRP-Erhöhung, aber fast die Hälfte der Patienten weisen in der Anamnese oder aktuell Allergien auf.

49

 

2

 

 

 

 

 

4.Eine IOE ist nach Medikamentengabe von Zoledronat, Pamidronat, Interferon-alpha und Biphosphonaten möglich.

5.Trauma und abnorme Wundheilung werden als weiterer Mechanismus vermutet.

2.1.4 Histopathologie

Histopathologisch ist die IOE charakterisiert durch ein diffuses, polymorphes Entzündungsinfiltrat mit lymphoider, granulomatöser, sklerosierender, eosinophiler oder vaskulitischer Akzentuierung. Nach Mombaerts et al. werden folgende Formen unterschieden:

a)Klassischer orbitaler Pseudotumor (viele Entzündungszellen, insbesondere reife Lymphozyten, Plasmazellen, neutrophile und eosinophile Granulozyten, selten Makrophagen und Histiozyten, Zunahme von Gewebeödem und Fibrose)

b)Idiopathische sklerosierende Orbitaentzündung (wenige Entzündungszellen, viel Bindegewebssklerose und Hyalinisierung)

c)Granulomatöse Orbitaentzündung (Histiozyten und mehrkernige Riesenzellen)

d)Vaskulitische Orbitaentzündung (Vaskulitis der kleinen Gefäße)

e)Eosinophile Orbitaentzündung (Dominanz von eosinophilen Granulozyten)

Bei einer IOE ist eine Abgrenzung gegenüber lymphoproliferativen Erkrankungen immer notwendig. Sie ist sinnvoll und kann wegen Überlappungen der Erkrankungssymptomatik, Bildgebung und Histologie schwierig sein (s. u. sowie

.Tab.2.2). Durch Immunphänotypisierung und Klonalitätsbestimmungen der Gewebeprobe einer IOE sollte ein Ausschluss von Monoklonalität erfolgen. Je nach Dauer und Subtyp der IOE zeigt sich eine variable Fibrosierung mit Ummauerung und Ersatz von normalen Orbitastrukturen.

-zz Histopathologische Charakteristika von IOE

Zellpolymorphismus Fehlen von Zellatypien

Oft Lymphfollikel mit Keimzentren (erschwerte Ab- -grenzung zu MALT)

Plasmazytoide Zellen und Endothelzellproliferatio- -nen möglich

Orbitale Volumenzunahme durch Zellen, Kollagen -und/oder azelllär

Lymphoide Hyperplasie, Granulationen, granulomatöse Entzündung, fokal noduläre Fibrose, Kapillarp-

-rolilferationen

Unterformen als okuläre Myositis, Dakryoadenitis, orbitale Vaskulitis, idiopathische sklerosierende Or-

50 Kapitel 2  •  Extraokular/Adnexe

1

.. Tab. 2.2  Histopathologie von IOE

 

 

 

2

Anzahl (n)

29–65

Biopsierate (%)

29–100

3

Klassische IOE

41–58

Sklerosierende IOE

17–50

4

Vaskulitische IOE

4

Granulomatöse IOE

4

 

5

Eosinophile IOE

< 4*

* bei Erwachsenen, bei Kindern bis 50 %

 

 

 

6

 

 

 

7

bitaentzündung mit/ohne retroperitonealer Fibrose

(IgG4-related disease), Orbitaspitzensyndrom (Tolosa-

 

Hunt)

 

8

zz Histopathologische Charakteristika von

 

9

extranodalen Lymphomen

 

Monomorphe lymphoide Zellinfiltration

10

Zellatypien, infiltratives Wachstum, Dutcher-Körper

Lymphoepitheliale Läsionen, reaktive follikuläre

 

-Zentren, fehlende Mantelzonen, plasmazellreich

11

Monoklonale Immunglobulinrestriktion, klonales

-Rearrangement (nach Salhany u. Pietra 1993)

12

2.1.5

Klinik

 

 

 

13

Patienten mit IOE entwickeln in ca. 30 % eine akute Sym-

 

14

ptomatik, sonst eine subakute oder chronische Form mit

Orbitaund Gesichtsschmerz, Lidschwellung, Lidrötung

15

und Augenprotrusion. (.Abb.2.1a–c) Die Mehrzahl zeigt

einen einseitigen Befund, bilaterale Verläufe sind bei bis

 

zu 26 % beschrieben, bei Kindern bis zu 45 %. Eine IOE

16

bei Kindern zeigt häufiger eine okuläre Mitreaktion in

Form einer Papillenschwellung, Perineuritis, exsudativer

17

Amotio, Skleritis und Uveitis. Auch findet sich häufiger

eine Eosinophilie. Risikofaktoren für eine IOE sind laut

18

einer Fallkontrollstudie ein erhöhter BMI, geringer so-

zioökonomischer Status, Anwendung von oralen Biphos-

 

phonaten und bei Frauen ein junges Lebensalter bei erster

19

Geburt.

 

 

 

 

 

20

>> I. d. R. ist eine IOE schmerzhaft, aber der Schmerz

korreliert nicht mit der Schwere der IOE.

21

Häufig kommt es zu einem Tränendrüsenbefall und/oder

einer okulären Myositis. Daneben können alle anderen or-

 

22

bitalen Strukturen betroffen sein (.Tab.2.3). Eine fokale

IOE ist schnell neoplasieverdächtig. Selten können isoliert

 

auch nur orbitale Gefäße entzündet sein (orbitale Angi-

itis, orbitale Thrombophlebitis). Abhängig vom Ausmaß der Raumforderung und deren Lage kommt es zu Motilitätseinschränkungen und Diplopie. Eine Visusverschlechterung kommt bei Sehnervbeteiligung, Optikuskompression oder apikalem Befall eher vor, als bei vorderen Befallsmustern.

>> Eine IgG4-positive IOE zeigt gegenüber einer IgG4negativen IOE schwerere Verläufe, mehr Bilateralität, mehr follikuläre Hyperplasien, mehr eosinophile Granulozyten, Plasmazellen und Lymphozyten, sowie mehr Fibrose.

2.1.6 Diagnostik

Klinische Untersuchungen

Es sollten folgende Abklärungen durchgeführt werden:

1.Beurteilung von Augenlid (Form und Funktion)

2.Orbitabeurteilung durch Palpation, Inspektion, Bildgebung im Hinblick auf Form und Funktion

3.Sehnervbeurteilung mittels Visus, Farbensehen, Gesichtsfeld, RAPD, Funduskopie

4.Beurteilung der vorderen und hinteren Augenabschnitte im Sinne einer allgemeinen augenärztlichen Befunderhebung

Untersuchungen im Labor

-Die Bestimmung folgender Parameter ist

zur Abgrenzung von wichtigen Differentialdiagno- -sen,

zur Einschätzung der aktuellen Entzündungsaktivität -und

-vor Therapiebeginn sinnvoll: -BSG

-CRP

-BB, Diff.-BB

-Elektrolyte

-Leberenzyme

-Schilddrüsenhormonstatus

-Nierenretentionsparameter

Autoantikörper (ANA, ANCA, Thyreoidea-stimu- -lierende Antikörper)

-ACE (Angiotensin converting enzyme)

-Rheumafaktor

-Serumelektrophorese und IgG4-Serumspiegel Ggf. weitere, individuell zu begründende Parameter

Je nach Wahl der durchgeführten Therapie und dem Verlauf der IOE sind Kontrollbestimmungen bzw. neue Bestimmungen von Laborparametern erforderlich.

51

2

 

2.1  •  Idiopathische Orbitaentzündung (IOE)

..Abb. 2.1a–ca Protrusio bulbi, Oberlidrötung, Lidschwellung, Ptosis bei IOE re. Diagnostische Mydriasis bds. bei 46jährigem Patienten,

b 45 Jahre alte Patientin mit Oberlidschwellung und leichter Lidhautrötung bei IOE li., c Rötung und Schwellung der Glandula lacrimalis bei IOE li. (gleiche Patientin wie bei b)

.. Tab. 2.3  Klinische Symptomatik und ihre Häufigkeit bei IOE

(Angaben in %)

 

Allgemein

Kinder

Kollektivgröße –

24–127

29

Patienten (n)

 

 

Kollektivgröße – betrof-

25–140

42

fene Augen (n)

 

 

Altersmittelwert (Jahren)

45

< 20

Geschlecht (m : w)

0,96 : 1

0.53 : 1

Anteil bilateraler Befall

4–26

45

Lidödem/Lidschwellung

75–79

93

Schmerz

58–69

69

Motilitätseinschränkung

50–54

45

Protrusio bulbi

32–63

24

Chemosis

29–35

55

Diplopie

31–38

21

Augenrötung

45–48

21

Visusminderung

17–21

48

Ptosis

17–19

42

Photophobie

?

28

Fundusveränderungen

8

35

Uveitis

2

24

Bildgebende Diagnostik

Eine Bildgebung mittels Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und/oder Sonographie unterstützt die Diagnose und kann oft sehr genau Ausmaß und Lokalisation der IOE-Raumforderung angeben. Die MRT kann am genauesten die Weichteilveränderung in der Orbita objektiv analysieren und dokumentieren. Sie sollte mit T1und T2-Wichtung, mit und ohne GadoliniumKontrastmittel sowie Fettsuppressionstechnik in transversaler und koronarer Schichtung erfolgen (.Abb.2.2a–d,

.Abb.2.3a–c, .Abb.2.4a–d). Es ist prinzipiell möglich, einer sicheren Abgrenzung von Lymphom, IOE und orbitaler Zellulitis nahe zu kommen, wenn diffusionsgewichtete Bilder erstellt werden. Die CT erlaubt keine klare Differenzierung und zeigt variable Befunde von Kontrastanreicherung. Sie grenzt IOE-Läsionen zum orbitalen Knochen sehr gut ab, Kalzifikationen können gut dargestellt werden. Die Sonographie kann, abhängig von der Untersuchererfahrung, insbesondere eine Myositis, Raumforderungen der vorderen und mittleren Orbita sowie eine Mitreaktion von Sklera und Tenon gut erfassen.

Die MRT zeigt bei Befall der Tränendrüse (TD) meistens eine diffus nach hinten vergrößerte TD mit erhaltener Figur und umgebender Entzündungsreaktion und dadurch verwaschenen Rändern der TD. Bei IOE-Befall von Augenmuskeln erscheinen diese fokal oder diffus verdickt, einzeln oder multipel, mit und ohne Sehnenverdickung, perimyositischer Begleitentzündung mit Verwischung des Muskelrandes. Bei der endokrinen Orbitopathie sind die Muskelsehnen immer von einer Schwellung ausgespart, und die Muskeln sind oft bilateral in der Reihenfolge inferior > medial > superior > lateral betroffen. Das orbitale Weichgewebe bei IOE zeigt häufig eine diffuse Infiltration, mitunter bulbusumkleidend unter Einschluss des Sehnerv. Entzündliche Mitreaktionen und Verdickungen von Präseptum, Sklera, Episklera, Tenonkapsel und Uvea sind möglich. Der Sehnerv kann eine verdickte Nervenscheide aufweisen und eine perinervale Entzündung zeigen, die in das orbitale Fettgewebe ausstrahlt. Die orbitalen Raumforderungen sind histologisch unterschiedlich zusammengesetzt und ergeben daher verschiedene Muster in MRT, CT bzw. Sonographie. Eine Ausdehnung der Entzündung entlang am Sehnerven, der oberen oder unteren Orbitafissur nach zentral ist selten möglich, sodass im Verlauf auch das zerebrale Nachbargewebe betroffen werden kann.

Diagnostik mittels Biopsie

Keine aktuelle bildgebende Technik ist in der Lage, zweifelsfrei relevante Differentialdiagnosen (s. u.) auszuschließen

1

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52 Kapitel 2  •  Extraokular/Adnexe

. Abb. 2.2a–d MRT-Orbita, coronare Schichtführung, T1-Wichtung mit Fettsättigung, i.v. Kontrastmittel. Darstellung der Orbitaentzündung re. oben überwiegend extrakonal unter Einbezug der Tränendrüse mit kleinen intrakonalen Anteilen, mittlere Orbita bis in die Spitze reichend. a–d zeigt das Ausmaß einer großen orbitalen Raumforderung in mehreren Schichten. Die linke Orbita zeigt physiologische Dimensionen der Tränendrüse und orbitalen Muskeln. Die NNH sind regelrecht und frei belüftet

53

2

 

2.1  •  Idiopathische Orbitaentzündung (IOE) 

. Abb. 2.3a–c MRT bei Sinusitis ethmoidalis und orbitaler Zellulitis rechts als DD zur IOE. T2-Wichtung TIRM-Sequenz, koronare Schichtführung in (a,b); T1-Wichtung mit Fettsättigung und transversale Schichtführung in (c). Anterior (a,c) und posterior (b, c) zeigt sich eine Intensitätserhöhung der medialen Orbita re. bei subtotaler Verlegung des Sinus ethmoidalis re. (a–c) und Schleimhautschwellung der Nasenhaupthöhle und Kieferhöhle re. (a,b). Die Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen schließt eine IOE aus

. Abb. 2.4a–d Orbitale Myositis. a zeigt eine T1 gewichtete, fettgesättigte, Kontrastmittel-verstärkte Sequenz in koronarer Schichtung mit Darstellung der Tränendrüse bds. und Verdickung des M. rectus lateralis li. In axialer MR-Darstellung sieht man die großvolumige Raumforderung des M. rectus lateralis li. bis zur Orbitaspitze reichend in (b) in T2-Wichtung, in (c) in T1-Wichtung unter Fettsuppression mit Kontrastmittelapplikation, und in (d) erkennt man den Therapieerfolg durch systemische Glukokortikosteroide nach 5 Tagen (T1 Wichtung, Fettsuppression, Kontrastmittel)