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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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9.7  • „Neue“ seltene infektiöse posteriore Uveitis (engl. New infectious etiologies, posterior uveitis)

.. Tab. 9.14  Differentialdiagnosen bei DUSN

Differentialdiagnosen

Charakteristika/Abklärung

Fokale oder multifokale

Die Chorioretinitis tritt meist mit einer Vitritis, in 50 % mit einem Vorderkammerreizzustand und in

Chorioretinitis

40 % mit einem zystoiden Makulaödem auf. Die Läsionen sind klein, rund und gelbgrau auf Höhe

 

des RPEs oder der Choriokapillaris am hinteren Pol. Aber sie tritt meist bilateral auf.

APMPPE

Durch multiple große grauweiße Läsionen auf Höhe des RPE am hinteren Pol beginnend, dann hin-

 

ter den Äquator reichend gekennzeichnet. Meist jedoch bilateral und im Alter der 3. bis 5. Lebens-

 

dekade vorkommend

MEWDS

Betrifft gesunde junge Menschen (w > m). Zahlreiche sehr kleine schlecht begrenzte weiße Flecken

 

auf Höhe der äußeren Retina oder inneren Choroidea. Mit einem begleitenden Papillenödem

 

einhergehend und meist unilateral. Aber die Makula bleibt ausgespart. Sie zeigt nur ein granuläres

 

Erscheinungsbild. Der Visus erholt sich nach Wochen bis Monaten wieder.

Purtscher Chorioretinopathie

Multiple unioder bilaterale weiße Flecken, die Cotton-wool-Herden gleichen in der Retina sichtbar.

 

Allerdings häufig mit peripapillären Blutungen assoziiert. Anamnestisch schweres Trauma

Sarkoidose

Auftreten von multiplen blassgelben Infiltraten am hinteren Pol und weißliche Gefäßeinschei-

 

dungen (Kerzenwachsphänomen) sichtbar. Aber oft deutliche Beteiligung der vorderen Abschnitte

 

und gutes Ansprechen auf Cortison

i. v.-Gabe von 1 × 1 g Methylprednisolon (Urbason®) für 3 Tage, dann 40 mg Prednisolon p. o. für 1 Woche, dann ausschleichende Dosierung sein.

Durch eine erfolgreiche Laserkoagulation kann im Frühstadium sogar die Sehschärfe verbessert und die intraokulare Entzündung reduziert werden. Die Spotgröße sollte zwischen 200–300 µm, die Expositionszeit bei 200 ms, bei fehlender Reaktion bis 500 ms und die Energie bei 150–300 mW liegen. Ziel beim Koagulieren ist der Kopf, das Ende, in welche Richtung sich der Fadenwurm bewegt. Ein einzelner Laserschuss kann und sollte reichen, um den Fadenwurm zu töten.

Medikamentöse Therapie

In den Fällen, in denen die Nematode nicht gefunden wird, und das ist leider sehr oft der Fall, sollte eine medikamentöse Therapie mit Albendazol, einem Benzimidazolcarbamat, begonnen werden. Die Dosierung liegt bei 400 mg/d für 30 Tage. Besonders gut sprechen Patienten mit einer Vitritis auf diese medikamentöse Therapie an. Ansonsten variiert das Ansprechen der Nematoden von Motilitätsverlust bis hin zum Tod.

Pars-plana-Vitrektomie

Die Durchführung einer Pars-plana-Vitrektomie ist sicherlich nicht die Therapie der ersten Wahl. Allerdings können nur so Fadenwürmer zur genaueren Untersuchung gewonnen werden. Auch bei Nichtfortbewegen der Nematode von sensiblen Strukturen kann die Vitrektomie gegenüber einer Laserkoagulation Vorteile haben. Die Entscheidung zur Vitrektomie sollte aber genau abgewogen werden.

9.6.8 Prognose

Wenn die Diagnose schnell gestellt wird, und die Nematode erfolgreich bekämpft werden kann, ist eine Visuserholung möglich. Ansonsten kommt es zu einem irreversiblen Visusverlust durch Destruktion der Retina oder Entwicklung der Optikusatrophie.

9.6.9Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

www.rki.de (Robert Koch Institut, Berlin), www.uveitisselbsthilfe.de, www.duag.org, uveitis.jimdo.com, www. orpha.net, www.bsk-ev.org

9.7„Neue“ seltene infektiöse posteriore Uveitis (engl. New infectious etiologies, posterior uveitis)

M. Khairallah, I. Khairallah-Ksiaa, U. Pleyer

ICD-10 Code H20

9.7.1 Definition und Einteilung

Durch unterschiedliche Faktoren sind neue infektiöse Erreger auch für intraokulare Entzündungen ein aktuelles Thema geworden. Bislang waren diese Erkrankungen im Wesentlichen auf andere klimatische Regionen der Welt begrenzt. Durch verstärkte Reiseaktivitäten, längere berufliche Auslandsaufenthalte und Migration, sind neue

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370 Kapitel 9  •  Infektiös

Krankheitsbilder in der Differentialdiagnose infektiöser Uveitis zu berücksichtigen.

Überträger sind i. d. R Arthropoden („Gliederfüßler“)

9.7.2 Epidemiologie

Exakte Angaben zur Inzidenz und Prävalenz dieser Erkrankungen sind in Europa nicht verfügbar. Das Auftreten dieser Erkrankungen ist regional sehr unterschiedlich.

9.7.3 Ätiologie und Pathogenese

Bei allen Krankheitsbildern handelt es sich um Zoonosen. Hinweise auf die spezifischen Krankheitsbildern erfolgen in den Ausführungen (s. u.).

Erkrankungen, die durch Arthropoden als Überträger auftreten, sind zunehmend von Bedeutung. Sie übertragen eine breite Palette viraler und nichtviraler Erkrankungen, die u. a. durch Moskitostiche oder Zecken auf den Menschen übertragen werden. Sie treten überwiegend in tropischen und subtropischen Regionen auf, sind allerdings durch klimatische Veränderungen inzwischen z. T. auch in Südeuropa verbreitet. Die Allgemeinbeschwerden verlaufen oft subklinisch oder als milde febrile Erkrankungen; sie können allerdings auch schwer und potentiell letal verlaufen. Als Ursache einer intraokularen Entzündung kommen im Wesentlichen das West-Nil-Virus, Dengue-Fieber, Chikungunya und

Rickettsiose infrage. Die Diagnose dieser Erkrankungen ist primär aufgrund der Anamnese, epidemiologischer Daten und der klinischen Präsentation zu stellen. Durch serologische Untersuchungen kann die Infektion i. d. R. bestätigt werden. Weitere Viren, die kürzlich mit intraokularer Entzündung assoziiert wurden, sind Herpes Virus 6, Parvovirus B 19, Parechovirus und das Influenza Virus (H1NA1).

9.7.4 Klinik

Rickettsiose

Rickettsiosen sind weltweit verbreitet und obligat intrazelluläre, gramnegative Bakterien. Die meisten Übertragungen erfolgen überwiegend im Frühling und Sommer durch Zeckenstich. Sie können in 3 Gruppen unterschieden werden.

1.Zeckenbissfieber-Gruppe („Spottet-fever-group“), Mittelmeerfleckfieber

2.Fleckfiebergruppe („Typhus-group“)

3.Die Tsutsugamushi-Fiebergruppe („Scrub-typhus- group“).

Die Zeckenbissfieber-Gruppe wird im Mittelmeerraum, Zentralasien und den USA angetroffen. Überträger sind

i. d. R. Zecken, Flöhe, Milben und Läuse, die von Hunden aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt werden. Nach einer Inkubationszeit zwischen zwei und 21 Tagen tritt ein generalisiertes makulopapullöses Ekzanthem auf, das sich im Gesicht und an Hand sowie den Fußsohlen zeigt. An der Stichstelle und Haut können schwarze Flecken erkennbar sein. Systemische Zeichen sind Fieber und Kopfschmerzen; Komplikationen können interstitielle Pneumonie, Meningoenzephalitis, akutes Nierenversagen und Gerinnungsstörungen sein.

Augenbeteiligung

Eine Augenbeteiligung tritt häufig auf und kann bei wenig symptomatischen Patienten leicht übersehen werden. Typisch ist eine beidseitige, nicht nekrotisierende Retinitis mit milder Glaskörperbeteiligung. Die weißlichen regionalen Infiltrationen der inneren Netzhautschicht liegen meist benachbart zu Gefäßen und variieren in Anzahl und Größe. Sie können Cotton-wool-spot-ähnlich erscheinen und bei starker Ausprägung mit Makulaödem und exsudativer regionaler Exsudation einhergehen. OCT-Unter- suchungen und Fluoreszenzangiographie zeigen in der Frühphase eine Hyperfluoreszenz mit späterer Anfärbung der retinalen Läsion. Gefäßläsionen sind ein wesentliches Kennzeichen der Rickettsien-Erkrankung und können sich als fokale oder diffuse vaskuläre Einscheidung, Leckage oder Verschluss darstellen. Es sind überwiegend die kleinen regionalen Arterien betroffen. Eine subklinische Aderhautbeteiligung kann ggf. in der ICG-Angiographie dargestellt werden. Weitere Augenbeteiligungen der Rickettsiose schließen Konjunktivitis, Keratitis, nicht-granulomatöse anteriore Uveitis, Papillenödem und Neuroretinitis sowie Endophthalmitis ein.

Laboruntersuchungen

Der klinische Befund ist von großer Bedeutung und kann serologisch bestätigt werden.

>> Antikörper werden frühestens nach 7 Tagen nachweisbar, als Bestätigung gilt ein bis zu vierfacher Titeranstieg.

Goldstandard ist die indirekte Immunfluoreszenz. Der Nachweis durch Westernblot und durch PCR war in Einzelfällen hilfreich.

Behandlung

Eine frühe Behandlung mit Tetrazyclinen, insbesondere Doxycxyclin (100 mg, 2× pro Tag für 7–10 Tage) verbessert die Prognose. Clarithromycin, Azithromycin und insbesondere Josamycin können als alternative Therapie bei Kindern und Schwangeren eingesetzt werden. Die Behandlung der Konjunktivitis und Keratitis kann durch zusätzliche

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9.7  • „Neue“ seltene infektiöse posteriore Uveitis (engl. New infectious etiologies, posterior uveitis)

topisch applizierte Antibiotika und Kortikosteroide positiv beeinflusst werden.

Prognose

Die Augenbeteiligung bei Rickettsiose weist oft einen selbstlimitierenden Verlauf auf. Die betroffenen Retinitisareale können ohne Narbenbildung innerhalb von 3–10 Wochen komplett verschwinden. Gründe für persistierende Visusminderung können Makulaödem, exsudative Netzhautabhebung oder Gefäßverschlüsse sowie Optikoneuropathie sein.

9.7.5 West-Nil-Virus-Infektion

Das West-Nil-Virus ist ein behülltes RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae, das in tropischen und gemäßigten Gebieten vorkommt. Das Virus infiziert hauptsächlich Vögel, die durch Moskitostiche infiziert werden und kann auch auf Menschen und Säugetiere übergreifen. Andere Übertragungswege sind Bluttransfusionen, Organtransplantation oder transplazentare Übertragung oder Stillen. Das Virus wurde erstmals im Westnildistrikt in Uganda 1937 nachgewiesen und ist in Afrika, Europa und der übrigen westlichen Hemisphäre verbreitet. Wiederholte Epidemien wurde überwiegend zwischen Juli und Dezember berichtet.

Klinik

Die Inkubationszeit beträgt ca. 3–14 Tage. Bei 80 % der Betroffenen treten keine Symptome auf. Die übrigen Betroffenen entwickeln ein grippeähnliches Bild; schwere neurologische Veränderungen treten bei etwa 1 % auf. Das Virus kann die Blut-Hirn-Schranke passieren und zu einer Enzephalomeningitis oder Paralyse führen. Die Mortalität kann bei Beteiligung des zentralen Nervensystems bis zu 10 % betragen und betrifft vor allem Ältere und DiabetesPatienten.

Augenbeteiligung

Eine überwiegend beidseitige multifokale Chorioretinitis stellt die häufigste Manifestation dar und tritt bei Patienten mit neurologischer Beteiligung auf. Chorioretinale Läsionen erscheinen gelblich mit tiefen runden Läsionen, die in der Angiographie zunächst eine Hypofluoreszenz und in der Spätphase eine Anfärbung aufweisen. Inaktive Läsionen verbleiben als runde atrophe Herde mit oder ohne zentrale Pigmentierung. Sie werden häufig als „Zielscheiben“-ähnlich charakterisiert. Die Läsionen sind meist mittelperipher gelegen mit unterschiedlicher Größe. Eine linienförmige Häufung der Herde wird als Kennzeichen der Nil-Virus-assoziierten Chorioretinitis angesehen. Die linienartige Anordnung wird auf den anatomischen Nervenfaserverlauf der Netzhaut zurückgeführt. In der

ICG-Angiographie können gut abgrenzbare hypofluoreszente Aderhautläsionen erkennbar werden, die in der Fluoreszenzangiographie kaum nachweisbar sind. Weitere Augenbeteiligungen schließen anteriore Uveitis, retinale Vaskulitis mit Optikusbeteiligung ein. Im Rahmen der neurologischen Beteiligung können Paralysen und Nystagmus auftreten.

Labordiagnostik

Spezifische Antikörper können im Serum und Liquor nachgewiesen werden. Die RT-PCR ist hoch spezifisch, allerdings weniger sensitiv als die Serologie. Die Virämie ist oft nur einige Tage nachweisbar und verschwindet sobald IgM-Antikörper gebildet werden.

Behandlung

Bislang existiert keine effektive Behandlung der Infektion. Bei schweren Verläufen werden unterstützende Maßnahmen mit Ribavirin, Interferon-Alpha 2B und -Beta sowie intravenöse Immunglobuline versucht. Bei Augenbeteiligung sind zusätzlich lokale Steroide bei anteriorer Uveitis sinnvoll. Eine Laserkoagulation ist bei Neovaskularisationen aufgrund okklusiver Vaskulitis angezeigt. Eine pars- plana-Vitrektomie kann bei Glaskörper-Einblutung und Traktion notwendig sein.

Prognose

Die Augenbeteiligung weist meist einen selbst limitierenden Verlauf auf, der zur Visuserholung bei den meisten Patienten führt. Bei Makulabeteiligung, choriodaler Neovaskularisation oder Glaskörperblutung sowie ischämischen Läsionen der Netzhaut und des Nervus opticus können Folgeschäden verbleiben.

Der Prävention muss Vorrang eingeräumt werden um die Infektion zu kontrollieren. Es werden starke Anstrengungen unternommen, die Virusausbreitung durch Geflügelüberwachung und Kontrolle der Moskitoausbreitung einzudämmen. Eine Impfung befindet sich in Erprobung.

Dengue-Fieber

Das Dengue-Fieber wird durch einen von 4 Serotypen des Dengue-Virus verursacht. Es gehört zur Familie der Flaviviren und wird durch den Stich des Weibchens der Gelbfiebermücke übertragen. Es ist eine der wichtigsten Erkrankung in tropischen und subtropischen Gebieten und in etwa 100 Ländern verbreitet. Nach Schätzungen der WHO sind jährlich ca. 50–100 Mio. Erkrankungen mit 500.000 schweren Krankheitsverläufen und 22.000 Todesfällen zu verzeichnen.

Klinik

Die Inkubationszeit variiert zwischen 3–14 Tagen, die meisten Infektionen verlaufen mild mit unspezifischem

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372 Kapitel 9  •  Infektiös

Fieber wie bei einem grippalem Infekt. Die Symptome umfassen Fieberschübe (bis 40°) mit Schüttelfrost, Meningismus, Muskelund Gliederschmerzen und einem Exanthem. Die Symptome klingen nach 3–7 Tagen wieder ab. Bei ca. 3–4 % der Betroffenen kommt es zu einem schweren Verlauf mit hämorrhagischem Fieber, das zum „Dengue-Schock-Syndrom“ führen kann. Etwa 1–5 % dieser Verläufe enden tödlich. In der Phase des Schocks mit ausgeprägter Hypertonie können disseminierte Petechien aufgrund einer sekundären Thrombozytopenie auftreten.

Augenbeteiligung

Bei ca. 10 % der hospitalisierten Patienten treten innerhalb eines Monats aufgrund der Thrombozytopenie Hyposphagma auf. Es können unterschiedliche Veränderungen am hinteren Augenabschnitt mit retinalen Hämorrhagien, Vaskulitis und subretinalen Veränderungen eintreten. Entsprechende Befunde können im OCT dargestellt werden. Weitere Befunde betreffen seröse Retinaabhebung, Gefäßverschlüsse, Papillenödem und Neuroretinitis.

Labordiagnostik

Innerhalb des ersten Fieberschubs können die RNA-Viren durch PCR nachgewiesen werden. Der Antikörpernachweis (IgM) ist schwieriger und oft erst nach Abklingen der Virämie möglich. Der Umgang mit Patientenmaterial unterliegt strengen Sicherheitsvorschriften (Labore Sicherheitsstufe 3). Die Erkrankung ist meldepflichtig.

Behandlung

Es existiert keine ursächliche Therapie. Alle Pharmaka, die zur Thrombozytopenie beitragen können, sollten vermieden werden. Bei hämorrhagischem Fieber sind Hospitalisation mit intravenöser Flüssigkeitszufuhr und Überwachung notwendig. Bei Augenbeteiligung wurden lokale sowie systemische Steroide ebenso wie intravenöse Immunglobuline angewendet. Eine Behandlungsindikation wird bei infektionsassoziierter Uveitis und Neuritis mit Visusabfall auf weniger als 0,5 gesehen.

Die Augenbeteiligung weist meist einen selbstlimitierenden Verlauf mit deutlicher Besserung innerhalb von 2–4 Wochen auf. Bei Makulabeteiligung oder Optikusschädigung verbleiben entsprechende Schäden. Die wichtigste Maßnahme bleibt die Prävention vor infizierten Moskitostichen. Eine Vakzination befindet sich in der Entwicklung.

Chinkungunya

Das Wort Chikungunya heißt „der gekrümmt Gehende“ und stammt ursprünglich aus Tansania. Das ChikungunyaVirus ist ein Einzelstrang-RNA-Virus, das durch den Stich der infizierten Anophelesmücke übertragen wird. Es wurde

zunächst 1953 in Tansania isoliert und betrifft große Teile Afrikas, Indiens und Ostasiens. 2008 wurde erstmals ein Stamm auch in Südeuropa nachgewiesen. In Deutschland wurden 2006 53 Fälle gemeldet. Im Jahr 2007 wurden auch in Deutschland erstmals Eier der Asiatischen Tigermücke nachgewiesen.

Klinik

Die Inkubation beträgt 1–12 Tage. Der Beginn der Erkrankung ist abrupt und durch hohes Fieber charakterisiert mit grippeähnlicher Symptomatik mit Fieberarthralgie, Myalgie, Kopfschmerz und Hautausschlag. Asymptomatische Verläufe sind selten (3–25 % serologisch nachgewiesene Infektionen). Eine schwere, beeinträchtigende Polyarthritis ist charakteristisch. Hautveränderungen werden bei etwa der Hälfte der Patienten als makulopapulläres Exanthem, das 2–3 Tage bestehen bleibt, beobachtet. Bei schwerem Verlauf können Multiorganversagen und neurologische Komplikationen letal enden.

Augenbeteiligung

Einoder beidseitige akute anteriore Uveitiiden und Retinitiden werden am häufigsten beobachtet. Sie können in jedem Stadium der Erkrankung, auch nach Abklingen der systemischen Erscheinungen auftreten. Es wurden nichtgranulomatöse oder granulomatöse anteriore Uveitiden mit deutlich erhöhtem intraokularem Druck berichtet. Posteriore Synechien sind untypisch; der klinische Verlauf überwiegend günstig. Die Erkrankung kann sich auch als Retinitis mit Makulaödem und begleitender Glaskörpertrübung präsentieren. In der Fluoroeszenzangiographie sind in der Frühphase eine Hypofluoreszenz und später hyperfluoreszente Läsionen mit Gefäßleckagen und Nonperfusionsareale erkennbar. Die Veränderungen können auch im OCT durch erhöhte Reflektivität der Nervenfaserschicht dargestellt werden und eignen sich zur Verlaufskontrolle. Die Retinitis klingt innerhalb einiger Wochen ab. Als weitere Befunde können bei Chinkungunya Konjunktivitis, Episkleritis, Keratitis sowie multifokale Chorioditis, Neuroretinitis, Gefäßverschlüsse, sowie Optikusneuritis und Paresen beobachtet werden. Die Prognose ist überwiegend günstig, allerdings kann bei Optikusbzw. Makulabeteiligung eine Visuseinschränkung verbleiben.

Labordiagnostik

In der akuten Phase kann durch RT-PCR das Virus nachgewiesen werden. Im weiteren Verlauf sind im ELISA Antikörper nachweisbar. Bereits zwei Tage nach Beginn der Erkrankung können IgMund IgG-Antikörper selektiert werden.

Behandlung

Es exisitiert keine spezifische Therapie. Nicht-steroidale Antiphlogistika werden z. Z. zur Therapie der Arthralgie