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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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9.4  •  ARN, PORN (engl. Acute retinal necrosis syndrome, progressive outer retinal necrosis syndrome)

-Diagnose unterstützende, aber nicht erforderliche Kriterien PORN

– Perivenöse Aufhellung retinaler Infiltrate

Praxistipp  |              |

Eine Fundusuntersuchung in Mydriasis sollte bei jedem Patienten mit V. a. herpetische Uveitis, wie auch bei Patienten mit Herpes zoster im Bereich des Trigeminusastes V1 zum Ausschluss einer ARN/ PORN erfolgen.

9.4.5 Diagnostik

Primär wird die Diagnose von ARN und PORN klinisch anhand der Diagnosekriterien der Amerikanischen Uveitisgesellschaft gestellt, sodass die entsprechende Therapie bereits bei Verdachtsdiagnose eingeleitet werden kann. Ein Erregernachweis sollte auf jeden Fall und nicht nur in Zweifelsfällen angestrebt werden, um die antivirale Behandlung gezielt durchführen zu können.

Serologie

Serologische Testungen alleine sind aufgrund der hohen Seropositivität für Herpesviren in der allgemeinen Bevölkerung von geringem Interesse. Sie spielt nur eine Rolle bei positiver IgM-Testung mit Serokonversion im Zeitverlauf.

PCRund Antikörper (AK)-Bestimmungen aus Vorderkammeroder Glaskörperpunktat

Wesentlich aussagefähiger als die Serologie, ist der intraokulare Virusnachweis durch PCR-und AK-Bestimmun- gen. Die Vorderkammerpunktion stellt dabei ein sicheres Verfahren dar, durch das bis zu 0,2 ml Vorderkammerflüssigkeit gewonnen werden können. Die Durchführung der Punktion sollte in jedem Fall im OP unter sterilen Bedingungen erfolgen. Bei fehlendem Therapieansprechen und V. a. Maskeradesyndrom empfiehlt sich die Durchführung einer diagnostischen Vitrektomie, die gleichzeitig therapeutische Aspekte bei ausgeprägten Glaskörpertrübungen und drohender Amotio aufweisen kann.

Die PCR stellt eine direkte Virusdetektionsmethode dar mit einer Sensitivität für HSV und VZV-DNA von 25–100 % im Kammerwasser. Die höchste Sensitivität der PCR ist in den ersten beiden Wochen zu erwarten mit Verringerung im Zeitverlauf. Die Real-time-PCR erlaubt dabei eine Quantifizierung der Virusmenge mit Angabe von Viruskopien/ml Vorderkammerpunktat. Im Zeitverlauf gewinnen zunehmend AK-Bestimmungen mit Bildung des

..Abb. 9.19  HIV-positiver, homosexueller Patient mit atypischer Toxoplasmoseretinochoroiditis

Goldmann-Witmer-Koeffizienten (GWK) an diagnostischer Sicherheit. Dieses lässt sich durch die Latenzzeit der AK-Bildung erklären. Beim GWK wird die intraokulare AK-Aktivität gegen das Herpesvirus ins Verhältnis zur Serumgesamtaktivität gesetzt:

 

intraokularer AK - Titer

 

R3 = R1

 

 

÷

AK TiterSerum

 

 

 

 

R2

Gesamt - IgG intraokular

 

 

 

 

 

 

Gesamt - IgG Serum

 

 

 

 

 

 

 

Um diagnostische Sicherheit zu erlangen, wird der GWK häufig auf R3 > 3 heraufgesetzt, auch wenn ein Wert von R3 > 1 theoretisch ausreichend wäre.

9.4.6 Differentialdiagnosen

Bei primär vermuteter nekrotisierender Retinitis wird die Diagnose nach Balansard et al in 30 % durch die Differentialdiagnose gestellt (.Tab.9.11). Hier ist an erster Stelle die atypische Toxoplasmoseretinochoroiditis zu nennen, die ebenfalls durch Vorderkammerpunktion mit nachfolgender Bestimmung des GWK diagnostiziert wird. Mögliche Differentialdiagnosen und deren Ausschluss stellen dar:

Toxoplasmose-Retinochoroiditis (.Abb.9.19)

-Syphilis (.Abb.9.20) M. Behçet (.Abb.9.21)

Intraokulares Lymphom (.Abb.9.22) Aspergillus-Endophthalmitis

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358 Kapitel 9  •  Infektiös

..Abb. 9.20a–c  Junger Patient mit okulärem M. Behcet; unter hochdosierter Steroidtherapie und immunsuppressiver Therapie bildeten sich die Infiltrate zügig zurück. Patient war HLA-B51 negativ, wies jedoch orale und genitale Aphthen auf

..Abb. 9.21  68 jähriger Patient mit 5 Wochen zuvor bestehendem schmerzlosem Geschwür im Bereich der Mundschleimhaut. Bei erhöhtem TPHA auf 1: 128 und reaktivem FTA-Abs-Test, aber nicht beurteilbarem VDRL-Test wurde die Diagnose einer Lues latens seropositiva (Frühsyphilis) gestellt

In jedem Fall sollten bei Vorliegen von ARN und PORN HIV und anderweitige Immundefekte ausgeschlossen werden.

Praxistipp  |              |

Bei unklarer Retinitis sowie V. a. ARN und PORN sollte immer eine VK-Punktion mit dem Versuch eines Erregernachweises durchgeführt werden, da diese einen hohen diagnostischen Wert bei geringem Nebenwirkungspotential bietet. Bei HIV-Patienten sollte eher eine PCR als AK-Bestimmungen durchgeführt werden, da ggf. keine relevante AK-Produktion aufgrund des Immunstatus stattfinden kann.

..Abb. 9.22  Patientin mit PIOL-primärem intraokularem T-Zell-Lym- phom, das durch PPV und Zytologie nachgewiesen wurde

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9.4  •  ARN, PORN (engl. Acute retinal necrosis syndrome, progressive outer retinal necrosis syndrome)

.. Tab. 9.11  Differentialdiagnosen bei ARN/PORN

Differentialdiagnosen

Charakteristika/Abklärung

Atypische Toxoplasmose-

Sehr große multifokale Läsionen; bilaterale sowie diffuse retinale Beteiligung; Panophthalmitis

Choreoretinis

Mögliche Differenzierung

 

 

– Gelb-weißer Läsionsaspekt tiefer; klar + glatt konfigurierte Grenzen; weniger Blutungen; Vaskulitis

 

 

 

neben Nekrosearealen lokalisiert; Retina zwischen Nekroseareal und Ora serrata selten involviert

 

– GWK, VK-Punktion

Syphilis

Iridozyklitis

 

Retinitismuster

 

 

– 1) Gelb-weiße Retinitisherde außerhalb der Gefäßbögen (mit massivem VK-Reiz)

 

 

– 2) Grau-weiße ringförmige oder landkartenartige Retinitis (auf Höhe des RPE) am hinteren Pol

 

 

– Jedoch Chorioretinitis mit kleinen punktförmigen, retinalen Infiltraten auch als Periarteriitis

 

 

 

möglich

 

 

Ca 50 % bilaterale Veränderungen

 

 

Vitritis

 

 

– Pfefferund Salzfundus

 

 

– Neuroretinitis: Papillitis, NH-Ödem, gestaute Venen, CWH’s, flammenförmige Blutungen, Maku-

 

 

 

lastern

 

– TPHA, VDRL, FTA-ABS

M. Behcet

Selten Hypopioniritis

 

– Okklusive Vaskulitis mit Blutungen

 

– Selten massive retinale Exsudation mit assoziierter Gefäßobliteration

 

– Retinitis mit verstreuten, weißen, oberflächlichen Infiltraten, die ohne Narbenbildung verheilen

 

Vitritis

 

– HLA-B51, Dg-Kriterien International Study Group for Behcet’s disease

Intraokulares Lymphom

Häufig mit granulomatöser, anteriorer Uveitis bis Pseudohypopion beginnend

 

– Flache, gelborange chorioretinale Infiltrate, unterschiedlicher Größe; überwiegend subretinal

 

 

lokalisiert, solitär oder an multiplen Stellen vorkommend; oft mit Blutungen

 

Meist Vitritis

 

– Leopardenfellzeichnung im Verlauf deutlicher

 

Zytologie

Aspergillus-Endophthal-

Flauschig-gelb-weiße, runde choroidale oder retinale Herde oft mit Blutungen

mitis

Herde werden prominent + können in GK einbrechen und führen zurEntwicklung einer En-

 

 

dophthalmitis mit zusätzlich Iritis, Pseudohypopion

 

Direkter Erregernachweis, PCR

9.4.7 Therapie

Auch wenn kein Konsensus über das optimale Therapieregime von ARN und PORN existiert, stellt ein Therapiebeginn mit intravenösem Aciclovir den aktuellen Goldstandard dar. Dieser basiert auf retrospektiven Fallserien. Aufgrund der niedrigen Inzidenz von ARN und PORN existieren wenige randomisierte Studien zu Dosierung und Dauer der Therapie.

Aciclovir

Der antivirale Effekt von Aciclovir wurde erstmalig 1977 beschrieben und war das Resultat einer systematischen Suche nach einem Medikament, das die virale Thymidinkinase inhibiert. Dabei besitzt Aciclovir eine 200fach größere Affinität zur viralen, als zur zellulären Thymidinkinase. Aciclovir wird, dadurch dass es bevorzugt von der viralen Thymidinkinase zu Aciclovirmonophosphat abgebaut wird, von infizierten Zellen aufgenommen.

Die infizierten Zellen vervollständigen dann die Phosphorylierung zu Aciclovirtriphosphat, der aktiven Form des Aciclovirs. Der Einbau von Aciclovirtriphosphat in die virale DNA-Polymerase führt zu einem Abbruch der Virusreplikation. Die inhibitorische Aktivität des Aciclovirs gegenüber den unterschiedlichen Herpesviren variiert erheblich. Die 50%ige inhibitorische Aktivität (IC50) von Aciclovir gegenüber HSV-1 beträgt < 0,1 µM bei den meisten und 2,0 µM für die resistenten Virusstämme. VZV weist mit 1,3 bis 20,6 µM und EBV mit 0,3–25,0 µM eine mittlere IC50 auf. CMV dagegen weist mit einer IC50 von 200µM eine geringe Sensitivität gegenüber Aciclovir auf. Die orale Bioverfügbarkeit von Aciclovir beträgt nur 15–30 %. Die höchsten Serumkonzentrationen können 1,5 bis 2,5 h mit 0,6 bis 1,6 µg/ml nach oraler Gabe gemessen werden bei einer kurzen Plasmahalbwertszeit von 3 Stunden. Daher ist eine 5× tägliche Dosierung bei oraler Gabe erforderlich. Die intravenöse Aciclovirgabe mit 5–10 mg/kg dagegen führt zu einer Plasmakonzentration

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360 Kapitel 9  •  Infektiös

von 10–20 µg/ml. Die gute Gewebegängigkeit von Aciclovir führt zu einer 50%igen Liquorkonzentration im Vergleich zur Plasmakonzentration. Aciclovir wird zu 62 bis 91 % über die Nieren ausgeschieden. Zur intraokulären Penetration von Aciclovir sind wenige Studien vorhanden. Eine einzelne Studie berichtet über eine intraokulare Konzentration von 17,9 µM nach intravenöser Gabe von 13 mg/kg 3× tgl. Dieses deckt die meisten ARN assoziierten Herpesstämme ab. Aciclovirresistenzen sind trotz des weit verbreiteten Gebrauchs bei immunkompetenten Patienten mit 0 bis 0,6 % relativ niedrig. Immunsupprimierte Patienten weisen dagegen Aciclovirresistenzen von ca. 5 % auf. Die höchsten Aciclovirresistenzen mit bis zu 30 % wurden bei Patienten mit Z. n. Knochenmarkstransplantation berichtet. Zu 95 % sind Aciclovirresistenzen durch Mutationen der viralen Thymidinkinase bedingt, können aber auch durch Mutationen der DNA-Polyme- rase entstehen.

Foscarnet

Foscarnet weist eine gute Wirksamkeit gegen alle Herpesviren sowie gegen einige Retroviren wie HIV auf. Es liegt als Pyrophosphatanalogon direkt in seiner aktiven Form vor und ist dementsprechend unabhängig von der viralen Thymidinkinase. Da Foscarnet eine hohe Nephrotoxizität aufweist, die 25 % der Patienten betrifft, sind regelmäßige Kreatininkontrollen mit einer Dosisanpassung an die renale Funktion erforderlich.

Ganciclovir

Ganciclovir weist eine 10bis 15fach bessere Wirksamkeit gegen CMV und EBV als Aciclovir auf. Dagegen besteht jedoch eine schlechtere Wirksamkeit des Ganciclovirs gegen HSV und VZV.

>> Bei nachgewiesenem CMV und EBV als Ursache von ARN und PORN sollte daher Ganciclovir Medikament der 1. Wahl sein.

Ganciclovirresistenzen sind aufgrund einer Mutation der UL97-Kinase des CMV-Virus möglich. Aufgrund des möglichen Nebenwirkungsprofils mit mutagenen, karzinogenen, fraglich teratogenen und hämatotoxischen Wirkungen (Neutropenie, Anämie) sowie Diarrhöen, sollte eine strenge Indikationsstellung erfolgen.

Brivudine

Brivudine ist vom Wirkmechanismus dem Aciclovir sehr ähnlich, da es ein Analogon des Nucleosid Thymidins darstellt und nach Phosphorylisierung durch die virale Thymidinkinase die virale DNA-Polymerase blockiert. Es konnte eine gute Wirksamkeit gegen HSV und VZV gezeigt werden.

Orale Prodrugs

Valaciclovir

Valaciclovir stellt das L-Valyl-Ester von Aciclovir dar und ist das orale Prodrug von Aciclovir. Valaciclovir bildet ein Substrat für seine aktive intestinale Aufnahme, sodass hieraus signifikant höhere systemische Spiegel im Vergleich zu oraler Aciclovirgabe resultieren. Nach seiner Absorption unterliegt Valaciclovir einem first pass Metabolismus und wird zu Aciclovir und L-Valine-Aminosäure abgebaut. Der weitere intrazelluläre Metabolismus sowie die Ausscheidung entsprechen dem des Aciclovirs. Eine einzelne 1 g Gabe von Valaciclovir führt zu einer mittleren Bioverfügbarkeit von 54,2 % des enthaltenen Aciclovirs. Eine Gabe von 250 mg Valaciclovir 4xtgl. resultiert in vergleichbaren systemischen Konzentrationen wie die Gabe von oralem Aciclovir 800 mg 5× tgl. Eine tägliche Gabe von 2 g Valaciclovir 4xtgl. resultiert in identischen Serumspiegeln, wie 10 mg/kg intravenös verabreichtes Aciclovir 3× tgl.

Famciclovir

Famciclovir stellt das orale Prodrug von Penciclovir dar und wird wie Aciclovir bevorzugt von der Virus-spezifi- schen Thymidinkinase zu Penciclovirmonophosphat phosphoryliert. Eine weitere Phosphorylisation findet dann durch die infizierten Zellen zu Pencilovirtriphosphat statt. Penciclovirtriphosphat besitzt eine 100fach größere Affinität zur viralen Thymidinkinase, als Aciclovirtriphosphat, ist aber weniger effektiv als Inhibitor der HSV-DNA-Po- lymerase. Die IC50 von Famciclovir scheint der IC50 von Valaciclovir zu entsprechen. Die mittlere Bioverfügbarkeit von Penciclovir beträgt 77 % mit Spitzenserumkonzentrationen nach 1 h. Die mittlere Eliminationshalbwertszeit über die Nieren gesunder Erwachsener beträgt 2 h, verlängert sich jedoch in mit VZV, HSV1 und HSV2 infizierten Zellen. Eine intravitreale Konzentration von 1,21 µg/ ml konnte nach einer Famciclovirgabe 500 mg 4× tgl. gefunden werden. Dieses entspricht einer therapeutischen Konzentration gegenüber nicht resistenten HSV1, HSV2 und VZV-Stämmen.

Valganciclovir

Die Effektivität von Valganciclovir, dem oralen L-Valyl- Ester-Prodrug von Ganciclovir, gegenüber CMV konnte in einer Multicenterstudie nachgewiesen werden. Nach Phosphorylisation des Ganciclovirsubstrates hemmt dieses die Bindung des Deoxyguanosintriphosphates zur DNA-Po- lymerase, sodass die virale DNA-Synthese gehemmt wird. Die orale Bioverfügbarkeit des Valganciclovirs übersteigt die des oralen Ganciclovirs um das 10-fache. Eine Gabe von 900 mg Valganciclovir führt zu einer vergleichbaren AUC (area under the concentration-time curve), wie 5 mg/ kg intravenös verabreichtes Ganciclovir. Die Eliminations-