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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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353

9

 

9.3  •  HIV assoziierte Uveitis (engl. HIV-associated uveitis)

.. Tab. 9.10  Darstellung der intravitrealen Therapiemöglichkeiten als Induktionstherapie

Intravitreale Virustatika

Initiale Dosierung

Mögliche Nebenwirkung

Relative Indikation

Ganciclovir IVT

2000 mg/0,1 ml 2× Woche

Ablatio retinae

Makulanahe Retinitis, keine systemische

 

 

Endophthalmitis

Therapie möglich

Ganciclovir Medikamen-

4,5 g

Wie Ganciclovir IVT

Wie Ganciclovir IVT, 6 Monate Wirk-

tenträger

 

 

stoffabgabe

Foscarnet IVT

2400 mg/0,1 ml

Wie Ganciclovir IVT

Wie Ganciclovir IVT, Resistenz gegen

 

2× Woche

 

Ganciclovir

Formivirsen IVT

165 mg/0,1 ml 1× Woche

Wie Ganciclovir IVT

Resistenz gegen Ganciclovir

 

 

Uveitis anterior

 

..Abb. 9.14  Ganciclovir Medikamententräger (Vitrasert®) im Glaskörperraum mittels GRIN-Endoskop intravitreal aufgenommen

dig, auf eine Erhaltungstherapie mit einem Medikamententräger zurückzugreifen.

Bei Verdacht auf eine Resistenz der CMV-Retinitis gegen Ganciclovir hat sich eine Kombination von Ganciclovir i. v. mit Foscarnet IVT als wirksam erwiesen. Als weiteres Reservemittel bei dem Verdacht einer resistenten CMV-Erkrankung ist das Oligonukleotid Formivirsen, das über einen Antisens-Mechanismus IVT resistente CMVStämme in der Replikation und bei einer Injektion pro Woche innerhalb einer dreiwöchigen Induktionstherapie eine CMV-Retinitis stoppen kann.

Immune recovery uveitis (IRU)

Die hoch aktive antiretrovirale Therapie (HAART) hat bei einigen Patienten mit einer vorbestehenden CMV-Retinitis zu einem paradoxen Krankheitsbild, der IRU geführt. Das wiedererstarkte Immunsystem hat die narbig veränderten Netzhautareale mit CMV-Antigen als fremd erkannt und eine autoimmune Entzündungsreaktion zur Folge.

9.3.5 Klinik

Nach den Leitlinien des US Public Health Service (USPHS) ist der Abbruch der systemischen antiviralen CMVTherapie ab einer Immun-Rekovaleszenz unter HAART von einer CD4-Zellzahl von 100 Zellen/µl möglich ohne im Vergleich zu Patienten unter einer antiviralen CMVErhaltungstherapie eine Verschlechterung des Visus oder eine erhöhte Rezidivhäufigkeit zu riskieren.

Die frühe Behandlung einer CMV-Retinitis und das schnelle Ansetzen von HAART hat in einer großen Gruppe von Patienten ergeben, dass das Risiko eines großen Gesichtsfeldausfalls durch Nekrose der Netzhaut 6 mal geringer ist, als in einer Gruppe von Patienten mit großen Retinitisarealen und spät angesetzter HAART Therapie. Die Größe der Retinitisareale scheint auch mit der Möglichkeit des Auftretens einer IRU zu korrelieren, die wiederum selten zu permanenten Gesichtsfeldausfällen führt. In einer großen Langzeitstudie wurde die Inzidenz der IRU bei 1,3/100 Patienten mit vorbestehender CMV-Rertinitis ermittelt. Im Gegensatz stand die Inzidenz bei neu diagnostizierter CMV-Retinitis und gleichzeitig angesetzter HAART bei 3,6/100 Patienten.

Die Patienten mit einer IRU klagen bei deutlich verbessertem Immunstatus über einen zentralen Visusverlust am betroffenen Auge mit CMV-Retinitisnarbe. Als häufigste Ursache ist ein zystoides Makulaödem (ZMÖ) aber auch eine epiretinale Gliose ophthalmoskopisch und mit entsprechender Bildgebung (OCT, FLA) zu sehen. In fortgeschrittenen Stadien der IRU kann durch die bestehende intraokulare Entzündung eine Traktionsablatio retinae auftreten. Die Therapie des ZMÖ erfolgt symptomatisch durch nicht-steroidale Antiphlogistika und/oder lokale Steroide, aber auch die pars plana Vitrektomie kann bei epiretinalen Membranen und Traktionen notwendig werden.

354 Kapitel 9  •  Infektiös

1

9.3.6

Selbsthilfegruppen und hilfreiche

 

Websites

2

Deutsche AIDS-Hilfe Berlin, Wilhelmstr. 138, 10963

-Berlin, www.aidshilfe.de

3

family practice notebook: www.fpnotebook.com/hiv/

-eye/ hvrtnts.htm

 

4

9.4 ARN, PORN (engl. Acute retinal

 

5

 

necrosis syndrome, progressive outer

 

retinal necrosis syndrome)

6

S. Winterhalter

7

ICD-10 Code

 

Synonyme: Kirisawa-Urayama Uveitis

8

Abkürzungen ARN, PORN

 

 

9

9.4.1

Historie

10

Die ARN wurde 1971 erstmalig durch Akira Urayama als

 

Syndrom beschrieben, das aus einer akuten unilateralen

11

Panuveitis besteht, die mit einer retinalen Periarteritis

einhergeht, zu einer diffusen nekrotisierenden Retinitis

12

führt und schließlich in einer rhegmatogenen Amotio

mündet. Zu Ehren ihres Lehrers Professor Naganori Kiri-

 

sawa schlugen die Autoren den Begriff der Kirisawa-Ura-

13

yama Uveitis vor. Young und Bird führten 1978 den Begriff

der BARN bei Bilateralisation der ARN vor.

 

14

Erst 1982 gelang Culbertson der entscheidende Schritt

in der Klärung der Pathogenese. Er konnte in ultrastruk-

15

turellen Untersuchungen an enukleierten Augen mit ARN

Herpesviren in allen Netzhautschichten nachweisen. Von

 

der ARN ist die PORN abzugrenzen, die 1990 erstmalig

16

durch Forster beschrieben wurde. Bis heute ist nicht be-

kannt, warum über die ARN nicht vor den 1970er Jahren

17

berichtet wurde.

 

 

18

9.4.2

Epidemiologie

 

 

19

Herpesviren können über nahen Kontakt mit Sekreten,

Haut oder mukösen Membranen von infizierten Personen

20

übertragen werden, sodass die Herpesvirendurchseuchung

in der Bevölkerung sehr hoch ist. Eine okuläre Infektion

 

mit HSV2 scheint in den meisten Fällen über die okuloge-

21

nitale Route zu erfolgen. Die Prävalenz der Seropositivität

steigt mit dem Alter und variiert geographisch. In den USA

 

22

konnte eine positive HSV1 Serologie bei 50 % der 30jähri-

gen mit hohem sozioökonomischem Status und bei 80 %

 

mit niedrigem Sozialstatus erhoben werden, wobei die Prä-

valenz mit dem Alter ansteigt. Eine VZV-Serokonversion wurde in den USA bei fast 90 % der 60jährigen gefunden.

Auslöser für ARN und PORN können alle Viren der Herpesgruppe sein: Herpes simplex Typ 1 und 2 (HSV 1,2), Varicella zoster Virus (VZV), Epstein Barr Virus (EBV) und Cytomegalieviren (CMV). VZV scheint jedoch mit bis zu 80 % die häufigste Ursache darzustellen.

Die Literatur belegt eine charakteristische Altersverteilung. In einer Metaanalyse lag das mittlere Alter bei Auftreten einer ARN durch HSV2 bei 24,3 Jahren, durch HSV1 bei 44,3 Jahren und durch VZV bei 52,4 Jahren.

Genetik

Eine moderate Assoziation scheint zu den Klasse II HLAAntigenen DQw7 (Phänotyp Bw62) und DR4 bei Kaukasiern in den USA zu bestehen sowie für HLA-Aw33, -B44 und DRw6 in Japan. Besonders agressive Verlaufsformen werden beim HLA-DR9-Phänotyp vermutet.

9.4.3 Ätiologie und Pathogenese

Um die Charakteristika der viralen Retinitis zu definieren wurden Tiermodelle entwickelt.

Humanes CMV scheint dabei ein von HSV und VZV abweichendes Replikationsmuster aufzuweisen. Die CMV-Replikation wurde anhand von Zellkulturen, wie retinalen Gliazellen und Pigmentepithelzellen, untersucht. Eine Virusreplikation findet dabei langsam, aber kontinuierlich statt. Um herauszufinden, welche Zytokine bei der CMV-Replikation in retinalen Pigmentepithelzellen eine Rolle spielen, wurden unterschiedliche Zytokine, wie IFN-γ, IFN-β, IL-1β, TGF-β und TNF-α untersucht, die unter unterschiedlichen immunopathologischen Bedingungen im Auge anwesend sind. Die größte antivirale Rolle scheinen dabei IL-1β und IFN-γ in diesem in vitro System aufzuweisen. Ein IFN-γ-Mangel ist möglicherweise im Endstadium der Immunsuppression für die Pathogenese der CMV-Retinitis verantwortlich. Eine verbesserte immunologische Situation führt dann möglicherweise zu einer Leukozyteninfiltration der Netzhaut, die Zellen mit latenter viraler Antigenexpression erkennen, sodass eine sog. „immune recovery“ Uveitis in Abwesenheit einer aktiven Virusreplikation entsteht.

9.4.4 Klinik

ARN

Typisches funduskopisches Erscheinungsbild der ARN stellen gelb-weiße Netzhautinfiltrate dar, die primär in der Peripherie alle Netzhautschichten infiltrieren und eine rapide zirkumferentielle Progression aufweisen. Pe-

355

9

 

9.4  •  ARN, PORN (engl. Acute retinal necrosis syndrome, progressive outer retinal necrosis syndrome)

..Abb. 9.15  Gesunder, 45jähriger männlicher Patient, der sich mit leichter Sehverschlechterung und Punktesehen vorstellte. Bei V. a. ARN zeigte sich im Verlauf unter intravenöser Aciclovirtherapie eine zunehmende Optikusneuritis, Vitritis und Arteriitis, sodass unter Aciclovirschutz und nach Diagnosesicherung durch VK-Punktion orale Steroide gegeben wurden. VK-Punktionsergebnis: AK-Quotient für VZV noch nicht signifikant erhöht, aber PCR für VZV hoch positiv

..Abb. 9.16  Bei Erstvorstellung zeigten sich beim gleichen Patienten beim Blick in die Peripherie die für ARN typischen retinalen Infiltrate mit Konfluierungstendenz neben Arteriitis und mäßiger Vitritis bei geringer Uveitis anterior mit einzelnen feinen Endothelpräzipitaten. Visus: 0,7

rivaskuläre Blutungen, Gefäßeinscheidungen und Gefäßobliterationen sind Ausdruck der okklusiven Vaskulitis (.Abb.9.15.Abb.9.18). Vorderkammerund Glaskörperreizzustand können in unterschiedlichem Ausmaß ebenfalls vorliegen. Eine milde Papillenrandunschärfe kann frühzeitig vorhanden sein und im Krankheitsverlauf im Sinne einer Papillitis zunehmen. Eine herpetische granulomatöse Uveitis anterior kann mit einem für Herpesviren typischen Sekundärglaukom im Rahmen einer Trabekulitis einhergehen. Eine exsudative Amotio tritt selten auf. Wesentlich häufiger entsteht eine rhegmatogene Amotio aufgrund von Glaskörperzug und ausgeprägten Nekrosearealen. Selten bleibt die Retinitis auf

kleine Areale limitiert. Eine virale Encephalitis (HSV1) und Meningitis (HSV2) kann eine ARN begleiten und sollte bei Verdacht unbedingt ausgeschlossen werden. Die klinischen, charakteristischen Merkmale der ARN wurden 1994 von der Amerikanischen Uveitisgesellschaft definiert und von Holland veröffentlicht. Die Kriterien lassen sich in für die Diagnose erforderliche und nicht erforderliche Kriterien einteilen. Die für die Diagnosestellung erforderlichen Kriterien umfassen im Wesentlichen die Trias: periphere Retinitis, okklusive Vaskulitis und intraokularer Reizzustand. Interessanterweise wurde der Virusnachweis bei den Diagnosekriterien nicht eingeschlossen.

>> -Diagnosekriterien der ARN

Erforderliche Kriterien

– Ein oder mehrere randunscharfe Infiltrationsareale, die alle Netzhautschichten betreffen und in der peripheren Netzhaut beginnen. Primäre makuläre Infiltrate treten selten auf, gelten jedoch nicht als Ausschlusskriterium.

– Schnelle Krankheitsprogression durch Läsionsausbreitung sowie Bildung neuer Läsionen mit Konfluierungstendenz

– Ausbreitung zirkumferentiell und in Richtung hinterer Pol

– Okklusive Vaskulitis, insbesondere Arteriitis - – Vorderkammerund Glaskörperreizzustand

Diagnose unterstützende, aber nicht erforderliche Kriterien ARN

– Optikusneuritis und -atrophie

Skleritis

Schmerzen

 

356

Kapitel 9  •  Infektiös

 

 

1

 

 

 

 

2

 

 

 

 

3

 

 

 

 

4

 

 

 

 

5

 

 

 

 

6

 

 

 

 

7

 

 

 

 

8

 

 

 

 

9

. Abb. 9.17a–b FAG bei Erstvorstellung zentral und mit Blick in die temporale Peripherie

 

 

 

 

10

 

 

 

 

11

 

 

 

 

12

 

 

 

 

13

 

 

 

 

14

 

 

 

 

15

 

 

 

 

16

. Abb. 9.18 a–b Blick in die Peripherie beim gleichen Patienten mit zuerst besserer Abgrenzbarkeit und schließlich langsamer Auflösung der

 

 

retinalen Infiltrate unter Aciclovirtherapie. Ein prophylaktischer Laserriegel wurde gesetzt. Weiterhin Visus: 0,7

17

PORN

 

ist aufgrund von häufigen Virustatikaresistenzen und dem

18

Von der ARN ist die PORN abzugrenzen. Die PORN

Auftreten einer Amotio retinae sehr schlecht.

tritt häufig bei immunsupprimierten Patienten auf. Die

 

 

 

Amerikanische Uveitisgesellschaft legt jedoch ausdrückli-

> Diagnosekriterien der PORN

19

chen Wert auf die Unabhängigkeit vom Immunstatus des

Erforderliche Kriterien

Patienten bei ARN und PORN. Die PORN zeichnet sich

-

Primärer Befall der äußeren Netzhautschichten

20

durch eine extreme Progressionstendenz der anfangs

– Erst im Verlauf auftretende, in oder an Infilt-

eher kleinen Infiltrate, die meist am hinteren Pol beginnen

 

rationsareale angrenzende Vaskulitis

 

und in die Peripherie voranschreiten, aus. Ein intraokulä-

– Kleine multifokale Infiltrate mit Beginn am

21

rer Reizzustand mit Vitritis und Uveitis anterior ist eher

 

hinteren Pol und Ausbreitung in die Peripherie

gering vorhanden. Retinale Vaskulitis und Optikusneuritis

– Geringer oder nicht vorhandener intraokula-

 

22

treten seltener, als bei der ARN auf. Dagegen ist die Reti-

 

rer Reizzustand

nitis jedoch häufig bilateral zu finden. Die Visusprognose

Extrem schnelle Krankheitsprogression