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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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342

 

Kapitel 9  •  Infektiös

 

 

 

 

 

1

 

.. Tab. 9.4  Behandlung der okulären Toxoplasmose – Indikationen zur Behandlung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2

 

Therapie

Pyrimethamin plus

+

 

 

+

+

 

 

 

Sulfadiazin plus

(für 12 Monate, evtl. alter-

Je nach Größe des Herdes

Je nach Größe des Herdes

 

 

 

Folinsäure

nierend mit Spiramyin)

 

(> 3× Papillengröße) und

(> 3× Papillengröße) und

3

 

 

 

 

 

 

 

Lokalisation

Lokalisation

 

 

 

 

 

 

 

(Makula-nah, hinterer Pol,

(Makula-nah, hinterer Pol,

 

 

 

 

 

 

 

innerer Gefäßbogen)

innerer Gefäßbogen)

 

 

 

 

 

 

 

 

4

 

 

 

Pyrimethamin plus

 

 

(+)

(+)

 

 

 

Clindamycin

 

 

 

 

 

5

 

 

 

Trimethoprim/

 

 

 

?

?

 

 

 

Sulfamethoxazol

 

 

 

 

 

6

 

 

 

Kortikosteroide (bei

+

 

 

+

+

 

 

 

Glaskörperinfiltration)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prophylaxe

Augenärztliche Kontrolle

+

 

 

 

+?

7

 

 

 

(alle 6 Monate)

 

 

 

 

 

 

 

 

Trimethoprim/

 

 

 

 

(+)3

 

 

 

 

 

 

 

 

8

 

 

 

Sulfamethoxazol

 

 

 

 

 

 

1 Bei unklarer Befundkonstellation erweitert um die vergleichende Analyse des Western-Blot-Profils im mütterlichenund kindlichen

 

 

9

 

Serum

 

 

 

 

 

 

 

2 Nur bei unklarer Serologie oder unklarem klinischen Bild

 

 

 

 

 

 

3 Nur 1 Studie bislang (Silveiro et al.)

 

 

 

 

 

10

 

bezysten stammen, herrühren. Im Zeitverlauf nimmt die

 

Akut erworbene Toxoplasmose mit Organkomplikati-

 

 

 

11

 

Vitalität der Gewebezysten in der Retina ab, sie sterben ab

-onen (z. B. OT) bei immunkompetenten Patienten

und reduzieren damit das Reservoir von Zysten und gleich-

 

Seronegative Organempfänger nach Organerhalt von

12

zeitig

das Risiko von Exazerbationen nach einer aktiven

-seropositiven Spendern

 

 

Episode. Dies könnte die auffällige Häufung von Rezidiven

-

Toxoplasmose bei immunsupprimierten Patienten

 

 

innerhalb des ersten Jahres nach einer aktiven Episode der

 

 

 

13

Retinochoroiditis erklären.

 

Am weitesten verbreitet zur Behandlung der OT ist eine

 

Keine Assoziation für Rezidive konnte dagegen für

Kombination aus Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folin-

 

 

14

 

kongenitaler ggf. später erworbener Infektion,

säure (.Tab.9.4, .Tab.9.5). Jedoch führt diese Therapie

-

Größe der Läsion,

 

bei ca. 25 % der Patienten aufgrund von Nebenwirkungen

15

Höhe der Antikörperantwort und

 

zum Abbruch der Therapie. Andere angewendete Medi-

Art der Therapie festgestellt werden.

 

kamente sind Clindamycin, Spiramycin und Cotrimoxa-

 

 

 

 

 

zol sowie Substanzen wie Atovaquon, Azithromycin, und

16

9.1.9

Therapie

 

Clarithromycin. Eine interessante neue Option stellt die

 

intravitreale Injektion von Clindamycin dar. .Tab.9.5 gibt

17

 

 

 

 

 

einen Überblick zu den wichtigsten zur Anwendung kom-

Auch unter „Experten“ gibt es keinen Konsens hinsicht-

menden antiparasitären Substanzen.

 

lich der Therapie, da es kaum prospektive, randomisierte

Sondersituation: Infektion während

18

und placebokontrollierte Untersuchungen gibt. Hinzu

kommt, dass es sich bei der OT um eine selbstlimitierende

der Schwangerschaft

 

 

 

 

 

 

19

Erkrankung handelt. Da die Mehrzahl der zurzeit auf dem

Für den Fall einer fetalen Toxoplasmose-Infektion wäh-

Markt befindlichen Medikamente keine gesicherte Wirk-

rend der Schwangerschaft scheint sich eine antibiotische

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samkeit gegenüber Toxoplasma-Gewebszysten aufweist,

Therapie der Mutter bis zur Geburt sowie des Neugebore-

besteht das Hauptziel der Therapie in der Inhibition der

nen während des ersten Lebensjahres günstig auf Trans-

 

Parasiten-Replikation während der akuten Infektions-

missionsrate von Mutter zu Kind und schwere späterer

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phase. Akzeptierte Indikationen zur Behandlung der OT

retinochoroidaler Läsionen auszuwirken.

bestehen bei folgenden Situationen:

 

 

 

 

 

22

-

Kongenitale Infektion des Neugeborenen

>> Da die meisten Wirkstoffe als teratogen gelten,

Primärtoxoplasmose in der Schwangerschaft

 

wurde Spiramycin als am wenigsten toxische Subs-

 

 

 

 

 

tanz empfohlen.

 

343

9

 

9.1  •  Toxoplasmose Retinochorioiditis (engl.: ocular toxoplasmosis; von griechisch:„toxon“ = Bogen)

.. Tab. 9.5  Behandlung der okulären Toxoplasmose – Wirkstoffe

Pyrimethamin

Oral 200 mg Initialdosis, dann täglich 50 (< 60 kg Körpergewicht)

plus

bis 75 mg (> 60 kg Körpergewicht)

Folinsäure (Leucovorin)

Oral 10 bis 20 mg täglich (bis zu 50 mg)

plus eine der folgenden Substanzen:

 

 

Sulfadiazin

Oral 1000 (< 60 kg Körpergewicht) bis 1500 (> 60 kg Körpergewicht) mg alle 6 Std.

oder

 

 

Clindamycin

Oral oder i. v. 600 mg alle 6 h

oder

 

 

Atovaquon

Oral 1500 mg alle 12 h

oder

 

 

Azithromycin

Oral 900 bis 1200 mg täglich

oder

 

 

Trimethoprim-Sulfamethoxazol

Oral oder i. v. (5 mg TMP, 25 mg SMX)/kg Körpergewicht alle 12 h

oder

 

 

Kortikosteroide

Bei ausgeprägter Glaskörperbeteiligung: initial 1–1,5 mg/Kg/KG (Kurzzeittherapie)

Sekundärprophylaxe2

 

 

Trimethoprim-Sulfamethoxazol

Oral (160 mg TMP, 800 mg SMX) alle 3 Tage

 

1 Für keine der genannten Therapeutika liegen in kontrollierten Studien nachgewiesene Effekte vor

2 Die Rate der Reaktivierung wurde in 1 Studie von 23,8 auf 6,6 % gesenkt (Silveiro et al., Am. J. Ophthalmol. 2002)

 

 

 

Intravitreale Injektion

 

Durch die HAART Therapie hat sich der Immun-

Zur Behandlung einer visusbedrohlichen OT kann die IVI

-status und damit die Problematik opportunistischer

von Clindamycin eine Behandlungsoption sein.

Infektionen deutlich verbessert.

Es liegen mehrere Untersuchungen zur intravitrealen

Adjuvante Therapie

Applikation von Clindamycin bei OT vor. Die intravitreale

Clindamycin Applikation (1× IVI-monatlich: 400 µg/0,1 ml)

Zahlreiche Alternativen zur medikamentösen Behandlung

war vergleichbar zur kontinuierlichen systemischen The-

wurden versucht, die Kryotherapie, Laserphotokoagulation

rapie und wurde bei Unverträglichkeit bzw. während der

und Vitrektomie einschließen. Die Erwartungen an diese

Schwangerschaft als Indikation gesehen. Auch die gleichzei-

Behandlungsoptionen wurden durchwegs nicht erfüllt,

tige IVI mit Steroiden (Clindamycin 1,5 mg/0,1 ml + Dexa-

klare kontrollierte Studien sind allerdings nicht verfügbar.

methason 400 µg/0,1 ml) zeigte ähnlich positive Ergebnisse.

Die Hauptproblematik, Persistenz des Erregers einschließ-

Sondersituation: Immunsupprimierter

lich der Zysten kann durch diese Maßnahmen nicht beein-

flusst werden.

Patient

 

 

Eine Sondersituation liegt insbesondere bei HIV-positiven -Patienten vor.

Unbehandelt treten bei allen Betroffenen Reaktivie-

-meist eine Dauerbehandlung durchgeführt.

Die Therapie muss besondere Umstände der Patienten berücksichtigen. Pyrimethamin ist bei vorbestehender Knochenmarkdepression kontraindiziert. Da Zidovodin als Antiretroviraltherapie ebenfalls eine Knochenmarkdepression verursacht, muss dieses

-Problem besonders kritisch betrachtet werden. Sulfonamidallergien sind bei HIV-positiven Patienten

-häufig anzutreffen und daher nicht indiziert. Häufigste Therapeutika sind Clindamycin, seltener Tetrazyclin.rungen innerhalb weniger Monate auf, daher wird

9.1.10 Prävention

Bei kritischer Situation: zentrale Läsion der OT, oculus ultimus, kommt eine langfristige Rezidivprophylaxe in Betracht. In einer prospektiven, brasilianischen Studie konnte durch eine intermittierende Gabe von Trimethoprim/Sulfamethoxazol (2×/Woche) die Rate der RetinochorioiditisReaktivierungen über einen längeren Zeitraum signifikant zu vermindern.

Ausblick für die Zukunft – Immunisierung?

Tierexperimentelle Untersuchungen konnten zumindest einen partiellen Schutz vor der z. T. tödlich verlaufenden Infektion durch eine Vakzination belegen. Aufgrund der

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344 Kapitel 9  •  Infektiös

Beobachtung dass eine vorangegangene mütterliche Infektion einen immunologischen Schutz für das Neugeborene bietet, erscheint es denkbar eine Vakzine zu entwickeln. Inwieweit sich dies auf eine ophthalmologische Anwendung auswirkt bleibt offen.

Fazit

Die OT bleibt eine wichtige Differentialdiagnose bei posteriorer Uveitis. Viele Fragen sind unbeantwortet geblieben. Neue Erkenntnisse zur Wechselwirkung zwischen Erregerund patientenspezifischer Faktoren könnten künftig den klinischen Verlauf besser verstehen lassen. Dies könnte dazu führen, dass ein individuelles Risikoprofil erstellt wird, um Therapie und Prognose darauf abzustimmen.

9.1.11 Prognose

Bei immunkompetenten Patienten kann die Prognose der OT als günstig bezeichnet werden. Der Verlauf akuter Entzündungsschübe ist selbstlimitiert.

Kritisch müssen allerdings Läsionen in Makulanähe beurteilt werden. Größe der Läsion, die Nähe zur Makula und Länge der Entzündung korrelierten in verschiedenen Untersuchungen mit einer ungünstigen Prognose. Von 58 Patienten mit zentralen Läsionen endeten 45 % mit einem Visus von 0,2 oder darunter.

9.1.12Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

www.uveitis-selbsthilfe.de, www.duag.org, uveitis.jimdo. com, www.orpha.net, www.bsk-ev.org

Hinweis: Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projektes werden Erkenntnisse zur Klinik und Pathogenese der Toxoplasma gondii Retinochoroiditis gesammelt.

Näheres unter: www.augenklinik.charite.de/patienten/ entzuendliche_augenerkrankungen/toxoplasmose

9.2Okuläre Toxokariasis (engl. ocular toxocariasis)

E. Bertelmann, U. Pleyer

ICD-10 Code B83 Toxokariasis

Synonyme: okuläre Larva migrans interna, Toxocarainfektion des Auges

9.2.1 Einleitung

Die Erreger der Toxokariasis gehören nach der zoologischen Systematik zu den Würmern (Helminthen). Darunter

haben insgesamt drei Klassen medizinische Bedeutung

-

Saugwürmer (Trematoda) Bandwürmer (Cestoda) Fadenwürmer (Nematoda)

Die Toxocaren zählen zu den Fadenwürmern. Medizinisch bedeutsame Angehörige der Saugwürmer sind beispielsweise die Schistosomen als Erreger der Bilharziose. Wichtige Vertreter der Bandwürmer sind die Echinococcus-Arten als Erreger der Echinokokkose und die Würmer der Gattung Taenia als Darmparasiten, z. B. der Rinderbandwurm.

Die Fadenwürmer als Klasse der Toxocara-Arten haben einen spindelförmigen unsegmentierten Körper einer Länge von wenigen Millimetern bis zu einem Meter. Die Würmer sind getrenntgeschlechtlich. Die Würmer durchlaufen bei der Entwicklung vom Ei zum adulten Tier 4 Larvenstadien. Das Heranwachsen ist mit 4 Häutungen verbunden. Bei einigen Arten erfolgt die gesamte Entwicklung in dem gleichen Endwirt, während andere Arten im Zuge dieses Entwicklungsprozesses einen Zwischenwirt benötigen. Ein Teil der Entwicklung kann sich auch in der Außenwelt abspielen.

.Tab.9.6 zeigt die wichtigsten für Infektionskrankheiten des Menschen verantwortlichen Fadenwürmer.

Entsprechend ihrem Lebensraum lassen sich die für Menschen pathogenen Fadenwürmer in 3 Gruppen einteilen.

1.Gruppe 1 lebt im Darm: Arten der Ordnung der Spulwürmer (z. B. Ascaris lumbricoides), außerdem die Peitschenwürmer (Trichuris), einige Hakenwürmer (z. B. Acylostoma duodenale), der Madenwurm und der Zwergfadenwurm.

2.Gruppe 2 lebt im Blut und Gewebe: Filarien (z. B: Loa loa oder Onchocerca volvolus). Letze Art ist der Erreger der Flussblindheit, wobei die adulten Würmer im Bindeund Fettgewebe leben, während die Larven (= Mikrofilarien) in weitere Organe, insbesondere das Auge, eindringen.

3.In Gruppe 3 sind die Larven die krankheitsauslösenden Lebensformen.

Verwandte Würmer der gleichen Ordnung können in verschiedene Gruppen bezüglich des Lebensraums gehören.

Die Spulwürmer der Gattung Toxocara gehören zu den Fadenwürmern, deren Larven die für den Menschen pathogene Lebensform darstellt (Gruppe 3) (Larva migrans interna). Außerdem gehören die Hakenwurmarten (Acylostoma) mit tierischem Endwirt (z. B. Hund) zu dieser Gruppe (Larva migrans externa, Ancylostoma braziliense). Für diese Würmer ist der Mensch ein Fehlwirt, d. h. die

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9

 

9.2  •  OkuläreToxokariasis (engl. ocular toxocariasis)

.. Tab. 9.6  Für Infektionskrankheiten des Menschen bedeutsame Ordnungen der Fadenwürmer (Nematoden)

Ordnung

Gattung

Lebensraum des adulten Wurms

Erkrankung

Filariida

Onchocerca volvolus

Subcutis Larve: Auge

Flussblindheit

 

Loa loa

Subcutis

Loaose

Strongylida

Ancylostoma duodenale

Dünndarm

Hakenwurmkrankheit

 

Ancylostoma braziliense

Larve: Haut

Larva migrans externa

Ascaridida

Ascaris lumbricoides

Dünndarm

Spulwurmbefall

 

Toxocara canis

Larve: Auge und andere Organe

Toxokariasis

Oxyiurida

Enterobius vermicularis

Dickdarm

Madenwurmbefall

Rhabditida

Strongyloides

Dünndarm

Zwergfadenwurmbefall

Trichurida

Trichuris trichiura

Dickdarm

Trichuriose

aufgenommen Eier können sich im menschlichen Organismus zu Larven, aber nicht zu adulten Würmer entwickeln.

9.2.2 Ätiologie, Pathogenese

Die Toxokariasis als Erkrankung des Menschen stellt die systemische Infektion mit der Larve des Spulwurms der Arten Toxocara canis oder catis dar, wobei die T. canis-

Infektion die deutliche häufigere Form der Erkrankung darstellt. Symptome der systemischen Infektion können vielfältig sein und umfassen Fieber, Husten, Schwächegefühl, gastrointestinale Beschwerden, Lymphadenopathie und Eosinophilie. Häufiger ist die systemische Infektion jedoch asymptomatisch. Die Infektion ist als eine der häufigsten Parasitosen weltweit anzusehen. Endwirt von T. canis ist der Hund, von T. cati die Katze. Lebensraum der adulten Würmer der Art T. canis ist der Darm des Hundes, wo der Fortpflanzungszyklus durch Abgabe von Eiern beginnt. Die befruchteten Eier des Hundespulwurms sind im Kot der genannten befallenen Tiere enthalten, mit dem sie an die Umwelt gelangen. Der Mensch kann sich durch orale Aufnahme der Eier aus kontaminiertem Material infizieren. Verschmutzte Sandkästen auf Spielplätzen, mit Hundekot verunreinigte Erde sowie das Streicheln von Hunden, die ein mit Spulwurmeiern kontaminiertes Fell haben, sind die Hauptinfektionsquellen für den Menschen, besonders für Kleinkinder. Die Übertragung auf den Menschen geschieht, wenn mit Eiern kontaminierte Finger in den Mund gelangen. Eine weitere Infektionsmöglichkeit für den Menschen besteht darin, sich von einem infizierten Tier das Gesicht ablecken zu lassen. Kürzlich wurde eine Toxocara Larve bei einer Schweinefleisch-Routinekontrolle auf Trichinen in einem Schlachthof in Norwegen gefunden. Ob durch diesen bekanntgewordenen Einzelfall evtl. weitere mögliche Infektionswege für den Menschen aufgedeckt wurden, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Im Verdauungstrakt des infizierten Menschen entwickeln sich die Eier zu Larven. Dabei stellt der Mensch einen Fehlwirt des Hundespulwurms dar, d. h. die Larven können sich nicht zu adulten, weiter vermehrungsfähigen Spulwürmen entwickeln. Die Larven können aber den Darm verlassen, über die Blutbahn in weitere Organe eindringen und dort symptomatisch werden (Lunge, Leber, Gehirn, Auge). Im befallenen Gewebe erzeugen die Larven eine granulomatöse Reaktion. Die Larven sind im menschlichen Körper bis zu 10 Jahren überlebensfähig. Dabei kann das primär befallene Organ auch wieder verlassen werden, die Larven können in weitere Organe gelangen und auch dort granulomatöse Entzündungsreaktionen hervorrufen.

Die systemische Hundespulwurminfektion verläuft oft asymptomatisch. Eine typische Blutbildveränderung (wie bei vielen Wurminfektionen) besteht in einem deutlichen Anstieg der eosinophilen Granulozyten (Eosinophilie, Leukoyztose, IgE Anstieg bei 80 %). Wenn Symptome auftreten, können diese vielfältig sein und Fieber, Hepatomegalie, Cholestase, Husten, Asthma, Magen-Darm- Beschwerden, Urtikaria sowie eine neurologische Symptomatik bis hin zu Epilepsie und Lähmungen umfassen.

Systematische Zahlen über die Epidemiologie der Erkrankung in Deutschland liegen nicht vor, da es sich um eine nicht-meldepflichtige Erkrankung handelt. Auch systematische Daten hinsichtlich der Übertragungswege, z. B. der Kontamination von Spielplätzen, existieren nicht. In einer regionalen Untersuchung der Kontamination der Umwelt fanden sich in 16 % der Proben Toxocara Eier. Die Proben stammten zum größten Teil von Spielplätzen.

9.2.3 Klinik

Der symptomatische Befall des Auges mit Hundespulwurmlarven wird als okuläre Toxokariasis bezeichnet.