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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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333

 

9

 

 

 

 

 

Infektiös

E. Bertelmann, S. Bopp, H.O.C. Gümbel, H. Heimann, M. Khairallah,

I. Khairallah-Ksiaa, A. Lipski, U. Pleyer, I. Seibel, S. Winterhalter

9.1Toxoplasmose Retinochorioiditis (engl.: ocular toxoplasmosis; von griechisch: „toxon“ = Bogen)  –  336

9.1.1Historisches  –  336

9.1.2Definition und Einteilung  –  336

9.1.3Epidemiologie  –  336

9.1.4Ätiologie und Pathogenese  –  336

9.1.5Klinik  –  337

9.1.6Vom Leitbefund zur Diagnose  –  337

9.1.7Diagnostik der okulären Toxoplasmose  –  339

9.1.8Faktoren, die den Verlauf der okulären Toxoplasmose beeinflussen  –  340

9.1.9Therapie  –  342

9.1.10Prävention  –  343

9.1.11Prognose  –  344

9.1.12Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  344

9.2Okuläre Toxokariasis (engl. ocular toxocariasis)  –  344

9.2.1Einleitung  –  344

9.2.2Ätiologie, Pathogenese  –  345

9.2.3Klinik  –  345

9.2.4Diagnostik  –  346

9.2.5Differentialdiagnosen  –  347

9.2.6Therapie  –  347

9.2.7Merksätze  –  348

9.2.8Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  348

9.3HIV assoziierte Uveitis (engl. HIV-associated uveitis)  –  348

9.3.1Definition  –  348

9.3.2Epidemiologie  –  348

9.3.3Ätiologie und opportunistische Infektionen  –  348

9.3.4Cytomegalievirus (CMV)-Retinitis  –  349

9.3.5Klinik  –  353

9.3.6Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  354

U. Pleyer (Hrsg.), Entzündliche Augenerkrankungen,

DOI 10.1007/978-3-642-38419-6_9, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

9.4ARN, PORN (engl. Acute retinal necrosis syndrome, progressive outer retinal necrosis syndrome)  –  354

9.4.1Historie  –  354

9.4.2Epidemiologie  –  354

9.4.3Ätiologie und Pathogenese  –  354

9.4.4Klinik  –  354

9.4.5Diagnostik  –  357

9.4.6Differentialdiagnosen  –  357

9.4.7Therapie  –  359

9.4.8Therapieempfehlung  –  361

9.4.9Intravitreale Injektionen  –  361

9.4.10Weitere Therapiemaßnahmen  –  361

9.4.11Komplikationen  –  361

9.4.12Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  362

9.5Bartonella (engl. Cat scratch disease, syn: cat scratch fever)  –  362

9.5.1Bartonella henselae – Katzenkratzkrankheit  –  363

9.5.2Uveitis und Infektionen mit B. quintana und B. henselae  –  364

9.5.3Bartonella bacilliformis – Morbus Carriòn und Verruga peruana  –  365

9.5.4Diagnostik  –  365

9.5.5Therapie  –  365

9.6Diffuse unilateral subakute Neuroretinitis (DUSN)

(engl. Diffuse unilateral subacute neuroretinitis)  –  365

9.6.1Definition und Einteilung  –  365

9.6.2Geschichte  –  365

9.6.3Epidemiologie  –  366

9.6.4Ätiologie  –  366

9.6.5Klinik  –  366

9.6.6Diagnostik  –  366

9.6.7Therapie  –  368

9.6.8Prognose  –  369

9.6.9Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  369

9.7„Neue“ seltene infektiöse posteriore Uveitis

(engl. New infectious etiologies, posterior uveitis)  –  369

9.7.1Definition und Einteilung   –  369

9.7.2Epidemiologie  –  370

9.7.3Ätiologie und Pathogenese  –  370

9.7.4Klinik  –  370

9.7.5West-Nil-Virus-Infektion  –  371

9.7.6Andere Viren  –  373

9.7.7Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  373

335

 

9

 

 

 

 

 

9.8Traumatische Uveitis

(engl. Ocular trauma, inflammation, uveitis)–  373

9.8.1Definition und Einleitung  –  373

9.8.2Epidemiologie  –  374

9.8.3Ätiologie und Pathogenese  –  374

9.8.4Klinik  –  375

9.8.5Diagnostik  –  375

9.8.6Differentialdiagnostik  –  376

9.8.7Therapie  –  376

9.8.8Prognose  –  377

9.8.9Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  377

9.9Endophthalmitis (engl. endophthalmitis)  –  377

9.9.1Einleitung  –  377

9.9.2Epidemiologie  –  377

9.9.3Ätiologie und Pathogenese  –  378

9.9.4Klinik  –  381

9.9.5Diagnostik  –  383

9.9.6Therapie  –  383

9.9.7Prognose  –  386

9.9.8Fazit  –  386

Literatur  –  387

9.9.9Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites  –  388

336 Kapitel 9  •  Infektiös

1

9.1

 

Toxoplasmose Retinochorioiditis

 

 

(engl.: ocular toxoplasmosis; von

 

 

 

griechisch: „toxon“ = Bogen)

2

U. Pleyer

 

 

 

3

ICD-10 B58.0+ Augenerkrankung durch T. gondii

 

4

9.1.1

Historisches

 

5

Bereits kurz nach der Einführung des Ophthalmoskops

 

6

wurden vermutlich erste klinische Befunde einer Toxo-

plasmose Retinochorioiditis erhoben (.Abb.9.1). Der

7

Erreger der Toxoplasmose wurde dagegen vergleichsweise

spät, erstmals von Nicolle und Menceaux 1908 im Gewebe

 

eines nordafrikanischen Nagetieres (Ctenodactylus gundi)

8

beschrieben. Sie bezeichneten den Parasiten aufgrund sei-

ner bogenförmigen Gestalt („toxon“ = griech. für Bogen)

 

9

und des befallenen Nagetiers als „Toxoplasma gondii“. Als

erste klinische Manifestation der Infektion wurde die Au-

10

genbeteiligung bei einer kongenitalen Toxoplasmose durch

Janku 1923 beschrieben.

11

9.1.2

Definition und Einteilung

12

Die Toxoplasmose ist eine weltweit auftretende parasitäre

 

Zoonose und ein bedeutendes Problem weltweiter Erblin-

13

dung. Sie wird durch orale Aufnahme von Oozysten, die

durch infizierte Katzen ausgeschieden werden, oder durch

 

14

ungenügend gekochtes und rohes Fleisch erworben. Klinisch

wird die okuläre Toxoplasmose (OT) unterschieden nach

15

-Zeitpunkterworben) des Auftretens (kongenital, postnatal

 

-KlinischerRezidiv)

Manifestation (Primärinfektion – bzw.

16

-

Lokalisation

17

 

Zentral, juxtapapillär, „Zone 1“ Läsion in Anleh-

 

-nung an cmV Retinitis

 

 

-

Peripher: ausserhalb der Gefäßbögen; Sonderform:

18

 

„Punctate outer retinal toxoplasmosis“ (PORT)

 

 

charakterisiert durch multifokale, kleine Läsionen

 

 

 

19

 

 

in Retina und RPE

 

 

 

 

20

9.1.3

Epidemiologie

21

Die OT ist bei immunkompetenten Patienten die häufigste

Ursache einer posterioren Uveitis. In Mitteleuropa sind

 

22

schätzungsweise 16 bis 35 % aller Retinochoroiditiden durch

diesen Erreger bedingt. Das Risiko im Verlauf des Lebens

 

eine OT zu entwickeln variiert erheblich und wird in Groß-

britannien auf 18/100.000 geschätzt; in Westafrika wurden 382/100.000 veranschlagt. Die Prävalenz der OT schwankt zwischen 0,6 % in den USA bis zu 17,7 % in Südbrasilien. Diese sehr unterschiedlichen Angaben weisen bereits darauf hin, dass vermutlich sowohl geografische als auch Parasitensowie wirtsbezogene Faktoren bedeutsam sind.

9.1.4 Ätiologie und Pathogenese

Erregerzyklus und Infektionswege

Der Erreger T. gondii ist ein zu den Sporentierchen (Apicomplexa) gehörendes, obligat intrazelluläres Protozoon. Dem zu den Eukaryoten zugeordneten Parasiten gehören viele weitere, problematische Erreger, wie z. B. Plasmodien, die Erreger der Malaria an. Der Parasit kommt in der Natur in unterschiedlichen Formen vor. Die Oozyste, das Produkt des sexuellen Zyklus des Parasiten im Darm aller katzenartigen Tiere, setzt infektiöse Sporozoiten frei; der Tachyzoit ist die asexuelle invasive Form, während die Zyste (Bradyzoiten) im Gewebe lebenslang im Körper verweilt.

Das T. gondii Genom ist inzwischen vollständig entschlüsselt und erlaubt eine Differenzierung in 3 klonale Stämme, die mit I, II, und III bezeichnet werden. Sie unterscheiden sich aufgrund ihrer Virulenz und epidemiologischen Verteilung. Die meisten Isolate symptomatischer Infektionen in Europa (v. a. kongenitale Toxoplasmose und Reaktivierungstoxoplasmose bei AIDS) gehören zum Genotyp II. Stämme bei Tieren in Europa und den USA lassen sich ebenfalls meist dem Genotyp II zuordnen. Mittels stammspezifischer Peptide können Genotypspezifische Antikörper in Serumproben bestimmt werden. Interessanterweise gehören Stämme von Patienten mit OT oft zum Genotyp I oder II, oder es liegen komplexe neue Mischtypen vor:

Eigenschaften der drei Toxoplasma gondii- -Genotypen (Hauptstämme)

Typ I

– Stimuliert TH1-Immunantwort

– Schnelle Replikation

– Extrazelluläre Migration

– Verminderte Konversion in Bradyzoiten -– Häufiger bei AIDS-Patienten

Typ II

– Relativ avirulent (bei Mäusen)

– Verursacht chronische Infektion

-– Hohe Prävalenz bei Patienten: >80 %

Typ III

– Überwiegend bei Tieren

– Bisher selten Ursache bei Patienten