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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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8.3  •  Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) und Uveitis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

JIA Subgruppe

ANA

Erkrankungsalter

Krankheitsdauer

Empfohlene Frequenz von

 

 

 

 

 

Spaltlampenuntersuchungen

 

 

 

(in Jahren)

(in Jahren)

(in Monaten)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oligoarthritis,

+

≤ 6

≤ 4

3#

 

 

 

 

seronegative

 

 

 

 

 

 

 

 

Polyarthritis,

 

 

 

 

 

 

 

 

Psoriasisarthritis,

 

 

 

 

 

 

 

 

unklassi zierte

 

 

 

 

 

 

 

 

Arthritis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

≤ 6

> 4

6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

≤ 6

≥ 7

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+

> 6

≤ 2

6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+

> 6

> 2

12

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

-

≤ 6

≤ 4

6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

-

≤ 6

> 4

12

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

-

> 6

n.r.

12

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Enthesitis-assoziierte

n.r.

n.r.

n.r.

12

 

 

 

 

Arthritis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

seropositive

n.r.

n.r.

n.r.

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Polyarthritis,

 

 

 

 

 

 

 

 

systemische

 

 

 

 

 

 

 

 

Arthritis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Patienten

n.r.

n.r.

n.r.

Entsprechend

 

mit bereits

 

 

 

dem individuellen

 

diagnostizierter

 

 

 

Uveitisverlauf

 

Uveitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 8.10  Empfohlene augenärztliche Screeningintervalle von Patienten mit juveniler idiopathischer Arthritis (n. r. = nicht relevant)

Uveitis, deren Schübe gewöhnlich unmittelbar festgestellt und behandelt werden (.Tab.8.6).

Wichtige Risikofaktoren für einen schweren Verlauf mit Entwicklung von visusmindernden Komplikationen sind ein früher Uveitisbeginn vor oder unmittelbar nach der Arthritis sowie der Schweregrad der Uveitis bei Erkrankungsbeginn. Gerade die Synechien dokumentieren einen hohen Entzündungsgrad während der Schübe.

8.3.5 Diagnostik

Die Kinder sollten immer gemeinsam vom Augenarzt und Kinderrheumatologen betreut werden. Die Augenuntersuchung erfolgt durch den Augenarzt, die weitere klinische Untersuchung sowie Laborund bildgebende Diagnostik durch den Kinderrheumatologen.

Um den Erkrankungsverlauf beurteilen zu können, müssen folgende Informationen zusammengetragen wer- -den:

Alter bei Uveitisdiagnose Alter bei Arthritisbeginn

Klassifikation der Uveitis nach den SUN Kriterien Arthritissubgruppe nach ILAR-Klassifikation Nachweis von ANA

-HLA-B27-Antigen und Rheumafaktor (RF) bisheriger Verlauf der Uveitis und Arthritis

Verlauf der Uveitis und Arthritis unter der bisherigen Therapie

Aktuelle Therapie Visusverlauf

Zellgrad in der Vorderkammer -Augeninnendruckverlauf

Strukturelle Komplikationen im Auge Verträglichkeit und unerwünschte Wirkungen unter

-der aktuellen und bisherigen Therapie Bisherige Augenoperationen

Uveitis Screening nach Arthritisbeginn

Den epidemiologischen Daten zur Arthritisund Uveitismanifestation entsprechend sollte das Uveitisscreening unmittelbar nach dem Nachweis einer Arthritis beginnen und in angemessenen Intervallen fortgesetzt werden (.Abb.8.10). Die Untersuchungsintervalle orientieren

324Kapitel 8  •  Nicht-infektiös

1.. Tab. 8.7  Differentialdiagnostik der wichtigen Erkrankungsentitäten im Kindesund Jugendalter, die mit Uveitis einhergehen können. Dargestellt werden unterstützende Labormarker, Uveitishäufigkeit und klinische Uveitissymptomatik

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Erkrankung

Charakteristika/Abklärung

Intermediäre Uveitis

Typisch sind retinale Gefäßleckagen und Glaskörperinfiltration. Häufige Komplikationen im Kindes-

 

alter sind Makulaödeme, vitreoretinales Traktionssyndrom und Neovaskularisationen. Im Kindesalter

 

sind Verläufe isoliert als Pars planitis oder auch im Zusammenhang mit multipler Sklerose möglich.

HLA-B27 assoziierte Uveitis

Akute anteriore Uveitis, wechselseitige schmerzhafte, symptomatische Schübe mit Fibrin und

 

Hypopion

Fuchs-Uveitis-Syndrom

Die Uveitis ist meist einseitig und mit asymptomatischem Verlauf. Charakteristisch sind diffuse feine

 

und speckige Keratopräzipitate, Köppe Knötchen, Glaskörperzellen und das Fehlen von Synechien.

 

Nach mehrjährigem Verlauf entsteht eine Irisatrophie und Heterochromie. Katarakte und Glaukome

 

sind häufig.

Tubulo-interstitielle Nephri-

Fieber, Gewichtsverlust, Unwohlsein, Arthralgie, und nephrotisches Syndrom. Häufig gleichzeitig

tisund Uveitis-Syndrom

beginnende bilaterale, schmerzhafte anteriore Uveitis

(TINU)

 

Reaktive Arthritis

Akute Mon-/Oligo-, seltener Polyarthritis mit Schwerpunkt untere Extremität, große/kleine Gelenke,

 

ggf. auch ISG und Wirbelsäule. Enthesitiden. Häufig HLA-B27 positiv. Wechselseitige akute, rezidivie-

 

rende anteriore Uveitis

Entzündliche Darmerkran-

Diarrhoe, blutiger und schleimiger Stuhl, Bauchkrämpfe, Fisteln, Abszesse, toxisches Megakolon.

kungen: M. Crohn, Colitis

Häufig HLA-B27 positiv. Bis 10–15 % wechselseitige Schübe einer asymptomatischen oder akuten

ulzerosa

symptomatischen anterioren Uveitis

Sarkoidose; autosomal domi-

Bei infantiler Sarkoidose entwickeln bis zu 60–70 % der Patienten eine oft beidseitige Uveitis.

nant Blau-Syndrom

Beim Blau-Syndrom (Mutation im NOD2-Gen) familiäre Häufung. Häufig asymptomatische Uveitis,

 

entweder als anteriore, intermediäre, posteriore oder Panuveitis. Die Uveitis hat oft granulomatösen

 

Charakter mit exsudativer retinaler Vaskulitis

Morbus Behçet

Typisch sind orale oder genitale Ulzera sowie vaskuläre, neurologische oder arthritische Beschwer-

 

den. 40–60 % sind HLA-B51 positiv. Bei 10–50 % tritt eine Uveitis auf: in Deutschland sind meist tür-

 

kische, gelegentlich auch deutsche Kinder betroffen. Oft beidseitige akute, rezidivierende anteriore,

 

posteriore (retinale Infiltrate und hämorrhagische Vaskulitis) oder Panuveitis

Systemische Vaskulitiden,

Diese können mit einer Vielzahl komplexer klinischer Symptome einhergehen. Die Bestimmung

Kollagenosen

von ANCA, ANA und dsDNS Antikörpern ist wichtig. Seltene Ursachen für anteriore oder posteriore

 

Uveitis im Kindesalter

Borreliose, Lyme-Arthritis

Für die Erkrankung sind Arthritis, Müdigkeit, neurologische und kutane Symptome typisch. Die

 

Diagnose wird mittels Serologie (Westernblot) bestätigt. Bei Kindern treten akute oder chronische

 

anteriore, intermediäre und posteriore Uveitis oder Panuveitis auf

Hereditäre Autoinflammati-

Typisch ist eine Mutation im NLRP3-Gen. Häufig sind Fieber und komplexe Veränderungen des Ner-

onssyndrome: CINCA/NOMID

vensystems, der Haut und der Gelenke. Bei 40–60 % tritt eine Konjunktivitis und oft eine bilaterale

 

anteriore, intermediäre oder posteriore Uveitis auf

Tuberkulose

Die Diagnose erfolgt mittels Hauttest, Thoraxröntgen und Interferon gamma release assay. Typisch

 

ist der granulomatöse Charakter der Entzündung. Diese kann alle Anteile des Auges betreffen. Am

 

häufigsten sind exsudative Läsionen am hinteren Augenpol.

Maligne oder nichtmaligne

Maligne Syndrome: Lymphome, leukämische Infiltrate, Retinoblastom (z.B mit Pseudohypopion)

Maskierungssyndrome im

und Medulloepitheliom.

Kindesalter

Nichtmaligne Syndrome: z. B.: M. Coats, juveniles Xanthogranulom, persistierender hyperplastischer

 

primärer Glaskörper, Neurofibromatose, Norrie Syndrom, Incontinentia pigmenti, Astrozytome,

 

kavernöse retinale Angiome, Frühgeborenenretinopathie

sich an der JIA-Subgruppe, der ANA-Positivität, dem Er-

Augenärztliche Diagnostik

krankungsalter, der Krankheitsdauer und der Uveitissym-

nach Uveitismanifestation

 

ptomatik (symptomatisch versus asymptomatisch). Damit

Die augenärztliche Untersuchung sollte obligat bei Erst-

soll die Diagnose einer Uveitis möglichst vor der Manifes-

vorstellung und bei Rezidiven und fakultativ bei Kontroll-

tation irreversibler Folgeschäden gestellt werden.

untersuchungen eine Anamnese, Visusbestimmung (mit

8.3  •  Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) und Uveitis.

altersentsprechenden Sehzeichen), Spaltlampenuntersuchung auf Zeichen einer Entzündung und Komplikationen, Tonometrie und Ophthalmoskopie in Mydriasis umfassen.

Zum Nachweis eines zystoiden Makulaödems oder anderer morphologischer Veränderungen, insbesondere der zentralen Netzhaut, kommt bevorzugt die nichtinvasive optische Kohärenztomographie (OCT) zum Einsatz: Die OCT unterstützt den biomikroskopischen Befund und ist zur Verlaufsdokumentation geeignet. Nur bei weiterhin unklaren Befunden ist heutzutage bei den Kindern eine Fluoreszeinangiographie sinnvoll. Bei okulärer Hypertension oder nachgewiesenem Glaukom sollten perimetrische und Papillen-morphometrische Untersuchungen erfolgen. Die Augendruckwerte müssen häufig kontrolliert werden, da sie bei Uveitiskindern sehr schwanken. Der Sehnervenbefund muss regelmäßig und kritisch beurteilt werden, weil der glaukomtypische Optikusbefund häufig vom Papillenödem überlagert wird. Bei visusbedrohten und wenig kooperierenden Kleinkindern kann eine Untersuchung in Kurznarkose erforderlich werden.

Eine diagnostische Pupillenerweiterung durch die Eltern hat sich als hilfreich herausgestellt, um bei Uveitispatienten mit hohem oder noch unklarem Rezidivrisiko während der Zeit zwischen zwei augenärztlichen Kontrollen Hinweise auf neue Synechienbildung zu bekommen und eine sofortige Kontrolle durch den Augenarzt zu veranlassen. Dieser sog. Taschenlampentest ist einmal wöchentlich sinnvoll.

Differentialdiagnostik

Das differentialdiagnostische Spektrum umfasst insbesondere andere Entitäten der anterioren Uveitis. Dazu gehören das Tubulointerstitielle Nephritisund Uveitis- (TINU) Syndrom, Fuchs-Uveitis-Syndrom und die HLA-B27-asso- ziierte akute anteriore Uveitis. Im Gegensatz zur Iridozyklitis sind bei der intermediären Uveitis die retinalen Gefäße betroffen. Bei einer Sarkoidose dominieren oftmals ein granulomatöser Charakter der Uveitis sowie exsudative Gefäßleckagen. Andere immun-vermittelte rheumatische Erkrankungen, systemische Vaskulitiden und Kollagenosen sind auszuschließen (.Tab.8.7).

Des Weiteren sind Infektionen auszuschließen, wie z. B. Tuberkulose und Borreliose. Lues ist im Kindesalter eine absolute Rarität. Maligne und nichtmaligne Maskierungssyndrome einer Uveitis sind im Kindesalter auch sehr selten.

8.3.6 Therapie

Antientzündliche Therapie

Nach aktuellem Kenntnisstand ist bei Uveitiskindern mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen nur eine sym-

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ptomatische Behandlung möglich, um die Entzündung zu hemmen.

>> Die sog.„Herdsanierungen“ – wie beispielsweise die Extraktion von Zähnen oder Tonsillen – sind verzichtbar, da sie den Krankheitsverlauf nicht verbessern.

Die Ziele der Therapie sind der Erhalt des Sehvermögens, die Behandlung des akuten Schubes und der etwaigen Komplikationen, die Prophylaxe von Rezidiven und Komplikationen, die Therapie der systemischen Grunderkrankung und das Vermeiden von unerwünschten Arzneimittelwirkungen.

Das Behandlungskonzept ist abhängig von der Entzündungsaktivität der Uveitis, den Komplikationen und dem Risiko eines irreversiblen Sehverlustes. Zudem muss auch die entzündlich-rheumatische Grunderkrankung bedacht werden. Viele der Patienten bedürfen wegen des schweren Verlaufes von Uveitis und Arthritis einer Behandlung mit Immunsuppressiva und Biologika. Bei Patienten mit alleiniger Uveitis ohne Arthritis, die aber antinukleäre Antikörper aufweisen, ist der Uveitisverlauf oft vergleichbar dem bei schwerer JIA-assoziierter Uveitis, sodass sie ebenso aggressiv behandelt werden müssen.

In der Behandlung der Uveitis wird eine absolute Zellfreiheit in der Vorderkammer angestrebt. Auch Fibrinbildung oder Keratopräzipitate mit Hornhautödem und Visusminderung müssen behandelt werden. Die Bedeutung des alleinigen Nachweises von Endothelpräzipitaten oder eines positiven Tyndall-Effektes für die Therapieentscheidung wird derzeit kontrovers diskutiert. Sie stellen aber noch keine eindeutige Therapieindikation dar. Der positive Tyndall-Effekt dokumentiert eine Störung der Blut-Kam- merwasserschranke durch eine akute Inflammation oder eine persistierende Schädigung der Blut-Kammerwasser- schranke und korreliert mit vorhandenen Komplikationen und einem schlechteren Visusverlauf.

Behandlung des Uveitisschubes  Eine aktive Uveitis muss behandelt werden. Topische Kortikosteroide gelten als initiale Therapie. Die Behandlung der anterioren Uveitis bei JIA Kindern sollte mit hochpotenten Zubereitungen (Prednisolonacetat 1 % oder Dexamethason 0,1 %) in ausreichender Häufigkeit beginnen. Die Tropfengabe kann anschließend bei Zellfreiheit und fehlenden Präzipitaten innerhalb von 6 Wochen reduziert werden (.Abb.8.11). Nicht-steroidale Antiphlogistika sollten nicht als alleinige Therapie der aktiven anterioren Uveitis eingesetzt werden. Eine zusätzliche systemische Kortikosteroidgabe ist nur bei schwerer aktiver Uveitis mit Hypotonie, Makulaödem oder dichter Glaskörpertrübung sinnvoll. Sie sollte auf wenige Wochen begrenzt werden.

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326 Kapitel 8  •  Nicht-infektiös

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TNF-

 

 

 

 

TNF-Inhib./

 

 

 

 

 

IL-1-/IL-6-

 

 

 

2. TNF-

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhibitor

 

 

 

 

Abatacept

 

 

 

 

 

Antagonist

 

 

 

Inhibitor

 

 

 

 

 

/PhysiotherapieErgotherapie Hilfsmittelversorgung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MitbetreuungPsychosoziale

 

 

 

 

DMARDs

 

 

 

 

TNF-Inhibitor

 

 

 

MTX/IL-6-/

 

 

 

SASP/MTX/

 

 

 

 

 

 

(v.a. MTX)

 

 

 

 

(ggf. + MTX)

 

 

 

IL-1-Inhibitor

 

 

 

TNF-Inhibitor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oligoarthritis

 

 

 

 

Polyarthritis

 

 

sJIA

 

 

 

EAA

 

 

 

 

 

 

 

NSAR/

 

 

 

 

NSAR/GCS

 

 

NSAR/

 

 

 

NSAR/

 

 

 

 

 

 

 

 

i.a. GCS

 

 

 

 

MTX

 

 

GCS syst/i.a.

 

 

 

i.a. GCS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Medikamentöse Therapie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 8.11  Antientzündliche Therapie der Uveitis bei juveniler idiopathischer Arthritis. Therapiealgorithmus

Behandlung der chronischen oder chronisch rezidivierenden Uveitis  Bei vielen Kindern mit chronischer Uveitis kann die Entzündung allein mit topischen Steroiden beherrscht werden. Die Dosis ist dem individuellen Verlauf anzupassen. Da bei einer mehrmonatigen höher dosierten Tropfengabe die Gefahr für typische Nebenwirkungen – insbesondere Katarakt und Augendrucksteigerung – steigt, sollte möglichst niedrig dosiert werden.

>> Bei mehrmonatiger Anwendung sollte die Dosis drei Tropfen am Tag nicht überschreiten.

Eine systemische Immunsuppression ist dann erforderlich, wenn mit topischen Steroiden innerhalb von 3 Monaten keine Reizfreiheit zu erzielen ist, neue Komplikationen oder medikamentenbedingte Nebenwirkungen auftreten (.Abb.8.11). Bei sehr hohem Entzündungsgrad muss die Behandlung früher intensiviert werden. Immunsuppressiva haben häufig nicht nur einen steroidsparenden Effekt, sondern verbessern auch den langfristigen Uveitisverlauf. Methotrexat ist derzeit das Medikament der ersten Wahl. Sollte innerhalb von 4 Monaten keine Reizfreiheit erreicht werden, neue Komplikationen oder medikamentenbedingte Nebenwirkungen auftreten, sollte ein weiteres Immunsuppressivum oder Biologikum – nach heutigem Stand ein TNF-alpha Inhibitor – eingesetzt werden. Die anti-TNF-Antikörper (z. B. Infliximab, Adalimumab) werden wegen ihrer guten Wirksamkeit favorisiert und sind wirksamer als Etanercept. Bei Therapieversagen werden andere klassische Immunsuppressiva (Azathioprin. Mycofenolat mofetil, Leflunomid) oder Biologika (Abatacept,

Tocilizumab, Rituximab) eingesetzt. Hervorzuheben ist, dass bei der Verwendung von immunsuppressiven Medikamenten eine mehrjährige Erfahrung im Umgang und Kontrollen der Arzneimittel vorhanden sein sollte.

Therapie der Komplikationen

Synechien

>> Primär wird angestrebt, Synechien zu vermeiden, da sie mit einem schlechteren Sehvermögen und Kataraktbildung verbunden sind.

Während schwerer Schübe der Uveitis (Zellen ≥ 2+, Tyndall ≥ 2+, Laserflare-Werte ≥ 20 Photonen/mSek.) sollten daher Zykloplegika appliziert werden, um frische Synechien zu lösen und neue zu vermeiden. Bei hoher Rezidivrate sind kurzwirksame Wirkstoffe (Tropikamid) als Prophylaxe zur Nacht angezeigt.

Katarakt

>> Die Kataraktbildung ist die häufigste Komplikation bei JIA-assoziierter Uveitis. Gelegentlich ist sie bei Diagnosestellung schon vorhanden.

Die typische hintere Schalentrübung führt nicht selten früh zur Visusminderung. Bedeutungsvolle Risikofaktoren für die Kataraktbildung sind eine höher dosierte langfristige Kortisongabe (≥ 3 × Augentropfen täglich), ein persistierender Vorderkammerreiz (≥ 1+ Zellen) sowie hintere Synechien.

8.3  •  Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) und Uveitis.

Die Operation ist wegen Bandkeratopathie, breiter Synechien, enger Pupille, Blutungsneigung, Fibrosemembranen und Glaskörpertrübungen i. d. R. technisch sehr anspruchsvoll (.Abb.8.8, .Abb.8.9). Das perioperative Management ist besonders schwierig, wenn die Linsentrübung bei sehr jungen Patienten mit chronisch aktiver Uveitis rasch fortschreitet. Denn typischerweise entwickeln Kinder mit JIA Uveitis nach der Operation eine schwere Entzündungsreaktion, welcher regelmäßig die Entwicklung von hinteren Synechien, Iris-Capture, dichte Membranen vor und hinter der IOL, okuläre Hypotonie, Hinterkapselfibrosierung, IOL Dezentrierungen oder zystoides Makulaödem folgen. Riesenzellablagerungen auf der IOL entstehen nicht selten auch ohne einen offenkundigen Zellgehalt in der Vorderkammer.

Das bevorzugte OP Verfahren bei allen Patienten mit JIA-assoziierter Uveitis war insofern die Lensektomie und anteriore Vitrektomie. Die Implantation einer Intraokularlinse galt lange als obsolet. Zur Visusrehabilitation erfolgte eine Kontaktlinsenanpassung bzw. Starbrillenanpassung. Wegen der damit verbundenen Nachteile wurde vor Jahren die Implantation von Intraokularlinsen eingeführt.

Durch die technischen Fortschritte in der Chirurgie und potenterer antientzündlicher Medikamente hat sich auch das Kataraktmanagement bei Uveitiskindern weiter entwickelt. Mit der atraumatischen mikroinzisionalen Schnitttechnik können nun bessere Visusergebnisse erzielt werden. Vor der OP muss eine absolute Reizfreiheit erzielt werden. Heutzutage ist bei ausgewählten Patienten eine IOL Implantation vertretbar. Verfügbar sind moderne IOL Designs und Materialien, welche eine gute Biokompatabilität gewährleisten. Die Implantation setzt aber eine konsequente antientzündliche Therapie vor und nach der OP voraus, i. d. R. mit Immunsuppressiva und Biologika. Postoperative Probleme mit der IOL treten insbesondere bei Kleinkindern mit aktiver Uveitis zum Zeitpunkt der OP und ohne adäquate Immunsuppression auf. Insofern sollte eine IOL bei JIA Kindern nur dann implantiert werden, wenn eine langfristige Reizfreiheit garantiert werden kann, wozu klassische Immunsuppressiva oder TNF-alpha Inhibitoren eingesetzt werden. Die topische Steroidgabe sollte in der Woche vor der OP gesteigert werden und nach der OP langfristig in reduzierter Häufigkeit fortgesetzt werden, um Riesenzellauflagerungen zu vermeiden. Als gute Alternative gegenüber einer hochdosierten perioperativen systemischen Kortisongabe haben sich intravitreale Injektionen eines Kortikoiddepots herausgestellt, wozu Triamcinolon acetonid oder das biodegradable Dexamethason-Implantat (Ozurdex®) zur Verfügung stehen.

Okuläre Hypertonie und Glaukom  Okuläre Hypertension und Glaukom sind typische und häufige Komplikationen bei Patienten mit JIA-assoziierter chronischer Uveitis.

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>> Zum Druckanstieg kommt es selten in der initialen Phase der Uveitis sondern oft erst wenige Jahre nach Beginn der Uveitis und nachdem eine Reizfreiheit erzielt wurde.

Im Allgemeinen handelt es sich um ein Offenwinkelglaukom. Die Diagnose wird oft spät gestellt, was darauf beruht, dass die Augendrücke sehr stark schwanken, und mitunter nur kurzfristige Druckspitzen auftreten, die vom Kind unbemerkt bleiben. Bleibt der Augendruck unkontrolliert, folgen progressive Sehnervenschäden und Gesichtsfelddefekte. Glaukomtypische Veränderungen am Sehnerv werden bei Uveitiskindern aber oft erst im fortgeschrittenen Stadium festgestellt, da die Papillenbeurteilung durch die Trübung der optischen Medien und das Papillenödem erschwert wird. Gesichtsfelduntersuchungen sind im Kindesalter oft nicht verlässlich. Insofern sollten zum Versorgungsstandard bei diesen Patienten mit hohem Glaukomrisiko engmaschige Druckmessungen zu unterschiedlichen Tageszeiten, regelmäßige funduskopische Papillenuntersuchungen sowie computergestützte Morphometrien zählen.

Am Anfang steht immer die topische antiglaukomatöse Therapie, um den Augendruck zu senken. Als Zieldruck sollte möglichst < 21 mmHg, bei fortgeschrittener Optikopathie sogar vorzugsweise < 15 mmHg angestrebt werden.

Bei Kindern mit Uveitis sind topische Carboanhyd- rase-Inhibitoren die Medikamente erster Wahl. Danach können Betablocker stehen, die möglichst in niedriger Konzentration (z. B. 0,1 % Timolol) gegeben werden sollten, um systemische Nebenwirkungen zu vermeiden, wie eine Apnoe. Alpha Agonisten sollten möglichst nur bei Kindern über sechs Jahren gegeben werden, da sie gelegentlich zentralnervöse unerwünschte Wirkungen entfalten können. Da Prostaglandine und Prostamide wegen ihres Wirkungsmechanismus zu Entzündungen und Makulaödem führen können, sollten sie nur unter entsprechend engmaschiger Kontrolle gegeben werden.

>> Parasympatomimetika sind bei phaken Uveitispatienten kontraindiziert.

Aber nicht selten lässt sich der Augendruck bei Uveitiskindern mit Augentropfen nicht ausreichend senken. Systemische Carboanhydrasehemmer können passager hinzugefügt werden, aber ihr Langzeiteinsatz wird nicht selten durch ihre schlechte Verträglichkeit limitiert. Bei einem Drittel der Kinder sind daher letztlich chirurgische Verfahren notwendig, um den Augendruck zu normalisieren.

Bezüglich der Auswahl des operativen Verfahrens kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließende Empfehlung gegeben werden.