Добавил:
kiopkiopkiop18@yandex.ru t.me/Prokururor I Вовсе не секретарь, но почту проверяю Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:
Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
28.03.2026
Размер:
22.24 Mб
Скачать

318 Kapitel 8  •  Nicht-infektiös

1

Verlaufsparameter. Die Proteinurie bleibt i. d. R. auf einem

subnephrotischem Niveau.

2

Die Nierenbiopsie ermöglicht die definitive Diag-

nose der interstitiellen Nephritis. Histologisch zeigen

 

sich tubulointerstitielle Ödeme und eine Infiltration mit

3

inflammatorischen mononukleären Zellen (.Abb.8.6),

glomeruläre Strukturen dagegen sind unauffällig. Die La-

 

4

boruntersuchung zeigt eine erhöhte Blutkörperchensen-

kungsgeschwindigkeit (BSG), Anämie und Eosinophilie.

5

Das Serum-Kreatinin ist fast immer erhöht und übersteigt

häufig 2 mg/dl. In manchen Fällen lassen sich antinukleäre

 

Antikörper (ANA), antineutrophile zytoplasmatische Anti-

6

körper (ANCA) und Rheumafaktoren nachweisen. Außer-

dem wurden bei TINU-Patienten im Vergleich zu Patien-

7

ten mit einer Uveitis anderer Genese erhöhte Serumspiegel

von Lungenkrebs-assoziierten Protein 6 (KL-6) beobach-

 

tet. Ein spezifischer Serummarker existiert jedoch nicht.

8

Praxistipp  |              |

9

 

Empfehlungen zur diagnostischen Abklärung bei Ver-

 

 

dacht auf ein TINU-Syndrom

 

10

 

 

Anamnese (Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß)

-

Körperliche Untersuchung

 

11

Augenärztliche Untersuchung

 

Laboruntersuchungen:

 

12

Nierenfunktionstests (Kreatinin,

Harnstoff, GFR)

 

 

Urinuntersuchung (β2-Mikroglobulin)

 

 

 

 

 

 

Differential-Blutbild

 

13

-

Entzündungsparameter

 

Leberwerte

 

14

Bei Auffälligkeiten:

 

Ultraschall der Niere

 

 

 

 

Nierenbiopsie

 

15

 

 

– Nachweis von Autoantikörpern (z. B. ANA)

 

 

– Ausschluss andere Systemerkrankungen (z. B.

 

 

 

16

 

 

 

ANCA, ACE, sCD25)

 

 

 

 

 

 

17

8.2.6

Differentialdiagnostik

 

 

 

18

 

 

 

 

 

Besteht der Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen

 

19

Uveitis und interstitieller Nephritis müssen immer auch

andere Systemerkrankungen immunologischer Genese

20

und infektiöse Ursachen in Betracht gezogen werden

(.Tab.8.5). Vor allem die Sarkoidose und das Sjögren-

 

Syndrom ähneln dem klinischen Erscheinungsbild des

21

TINU-Syndroms und bedürfen einer

differenzierten

Abklärung. Auch das mögliche Vorliegen einer medika-

 

22

mentös induzierten interstitiellen Nephritis sollte bedacht

werden.

 

 

..Abb. 8.6  Lichtmikroskopie, HE Färbung, Nierenbiopsie mit dichtem gemischtzelligem Entzündungszellinfiltrat, das das Interstitium aufweitet. Neben Plasmazellen und Lymphozyten finden sich einzelne Eosinophile. Angeschnittene Tubuli, einzelne Tubuli zeigen eine verdickte Basalmembran sowie ein zusammengezogenes Lumen. (×100)

8.2.7 Therapie

Bei Patienten mit TINU-Syndrom sollten Diagnostik und Therapie von den behandelnden Disziplinen gemeinsam besprochen und ausgeführt werden. Aus didaktischen Gründen stellen wir dennoch die Behandlung hier nach Organen getrennt vor.

Therapie der Nephritis

In einigen Fällen ist die renale Organbeteiligung selbstlimitierend. Die Nierenfunktionswerte normalisieren sich dann innerhalb eines Jahres. Eine fortschreitende Niereninsuffizienz hingegen macht eine Steroidtherapie erforderlich. I. d. R. wird Prednison in einer Dosis von 1 mg/kg KG über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten angewendet. In Einzelfällen wurden erfolgreiche Therapieverläufe ebenso unter immunsuppressiver Therapie mit Mycophenolat mofetil und mit einem TNF-α-Blocker beschrieben. I. d. R. sind Steroide aber ausreichend. Bei schwerer tubulärer Schädigung oder starkem Anstieg der Nierenretentionsparameter muss zudem ein temporäres Nierenersatzverfahren in Betracht gezogen werden.

Therapie der Uveitis

Zunächst wird mit häufig (stündlich) applizierten Lokal­ steroiden in Tropfenform behandelt. Prednisolonacetat 1 % penetriert von den kommerziell erhältlichen Lokalsteroiden am Besten in die Vorderkammer. Je nach Schwere der Entzündung müssen auch Mydriatika hinzugegeben werden. Diese sind aber i. d. R. nur für wenige Tage erforderlich. Die Lokalsteroide werden langsam (z. B. im wöchentlichen Abstand) reduziert. Spricht die

319

8

 

8.3  •  Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) und Uveitis.

.. Tab. 8.5  Differentialdiagnosen bei TINU-Syndrom geordnet nach Häufigkeit

Erkrankung

Unterscheidende Augenbefunde

Labormarker

Andere unterscheidende Befunde

Sarkoidose

Granulomatöse und nicht-granulo-

ACE, scd25

Patienten sind älter. Bihiläre Lymph-

 

matöse anteriore Uveitis. Intermedi-

 

adenopathie Röntgen Thorax

 

äre und posteriore Uveitis, „sarcoid

 

Relativ häufig: Erythema nodosum

 

spots“

 

 

Sjögren-Syndrom

Keine Uveitis. Sicca. Skleritis, Neuritis

ANA, SS-A, SS-B,

Mundtrockenheit

 

 

Ro-, La-Antikörper

 

Systemischer lupus erythe-

Keine Uveitis. Sicca. Skleritis, Neuritis

ANA, ds-DNA

Immunkomplex-glomeruolonephri-

matodes

 

 

tis, Niereninsuffizienz

Morbus Behçet

Häufiger Panuveitis oder posteriore

Orale und genitale Aphthen,

 

Uveitis

 

Herkunft

Granulomatose mit Polyan-

Skleritis, Keratitis. Selten Uveitis

ANCA

Lungen, NNH und Nierenbeteiligung

giitis

 

 

 

Infektionen (z. B. Tbc, Brucel-

Posteriore oder Panuveitis

Erregernachweis

Immunsupprimiert, Herkunft aus

lose, Yersiniose, Hanta)

 

 

Tbs-Endemiegebiet

Akute medikamentös indu-

S. w. auch nicht-granulomatös, ante-

Hautausschlag, Medikamentenana-

zierte interstitielle Nephritis

rior, bilateral, plötzlicher Beginn

 

mnese

Hyper-Ig4 disease

S. w. auch nicht-granulomatös,

IgG4 im Serum

Fieber, Histologie: lymphoplasmo-

 

anterior, bilateral, plötzlicher Beginn.

 

zytäre Entzündung mit IgG4+ Zellen

 

Einzelfallberichte

 

und ausgeprägter Fibrose

Entzündung nicht ausreichend auf Tropfen an oder liegen Komplikationen vor (z. B. ein Makulaödem), können orale Steroide oder lokale Steroidinjektionen erwogen werden.

>> Wichtig ist, dass eine Behandlung meist über mehrere Monate gegeben werden muss. So können niedrig dosierte Tropfengaben von 1–3× täglich über Monate erforderlich werden, damit die Entzündung nicht wieder aufflammt.

Nur in sehr seltenen Fällen erfordert die Ausprägung der Uveitis eine Gabe von systemischen Immunsuppressiva.

derholungsbiopsie Entzündungsaktivität nachgewiesen werden konnte.

Trotz der insgesamt guten Prognose sind Rezidive aufgrund des immunologischen Hintergrunds der Erkrankung beschrieben. Aus diesem Grund sind regelmäßige augenärztliche und nephrologische Kontrollen erforderlich, bei normaler Nierenfunktion und Uveitis in Remission etwa 1–2 Mal pro Jahr.

8.2.9Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

www.uveitis-selbsthilfe.de/, www.duag.org/index.html

8.2.8 Prognose

Die Prognose des TINU Syndroms ist sowohl in Bezug auf Nierenfunktion als auch Sehfähigkeit gut. Dennoch kommt es bei ca. 25 % der Patienten zu Visus bedrohenden Komplikationen am Auge. Gerade ein Makulaödem kann sich hier als therapeutische Herausforderung erweisen. Bei den meisten Patienten ist die Uveitis zeitlich limitiert, kann aber mehrere Monate bis zu einem Jahr andauern. Nur selten persistiert die Uveitis länger. Genauso ist die Nephritis in aller Regel zeitlich limitiert. Allerdings gibt es Fallberichte, in denen noch Jahre nach der akuten Phase bei normalen Nierenfunktionsparametern in einer Wie-

8.3Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) und Uveitis. Ein ophthalmologischer und kinderrheumatologischer Überblick (engl. Juvenile idiopathic arthritis; psoriatic arthritis and ankylosing spondylitis)

A. Heiligenhaus, C. Heinz, M. Hennig, M. Niewerth, K. Minden

ICD-10 Code M08 Juvenile Arthritis, M08.1 Juvenile Spondylitis ankylosans, M08.3 Juvenile chronische Arthritis (seronegativ), polyartikulär beginnende Form, M08.4

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

320 Kapitel 8  •  Nicht-infektiös

Juvenile chronische Arthritis, oligoartikulär beginnende Form, M08.8 Sonstige juvenile Arthritis, L40.5+ PsoriasisArthropathie

Ältere Synonyme: Juvenile rheumatoide Arthritis, Juvenile chronische Arthritis

8.3.1 Definition

Die intraokuläre Entzündung bei Patienten mit juveniler idiopathischer Arthritis wird als JIA-assoziierte Uveitis bezeichnet.

8.3.2 Epidemiologie

Die juvenile idiopathische Arthritis ist die häufigste systemische Grunderkrankung bei der Uveitis im Kindesalter in den entwickelten Ländern. Entsprechend einer Metaanalyse von Publikationen im Zeitraum von 1980 bis 2004 betrug die kumulative Inzidenz der Uveitis bei Patienten mit juveniler Arthritis weltweit etwa 8–9 %. Die Uveitishäufigkeit weist geographische Unterschiede auf. Sie fällt in der Reihenfolge von Skandinavien (18 %), Deutschland (11–13 %), USA (10 %), Ostasien (5 %) und Südasien (3 %).

Das Uveitisrisiko ist nicht für alle JIA Kinder gleich groß. Patienten mit einer Oligoarthritis haben besonders oft eine Uveitis. Relativ häufig ist eine Uveitis auch bei Patienten mit unklassifizierter Arthritis, Psoriasisarthritis, Enthesitis-assoziierter Arthritis und Rheumafaktor (RF) -negativer Arthritis. Bei RF-positiver Arthritis und systemischer Arthritis (Still Syndrom) ist eine Uveitis untypisch (.Tab.8.6).

Ein wichtiger Risikofaktor für das Auftreten einer Uveitis ist der Nachweis von antinukleären Antikörpern (ANA) im Serum.

>> JIA Patienten mit Uveitis sind viel häufiger ANA-posi- tiv als Patienten ohne Uveitis.

Insofern müssen ANA-positive JIA Kinder besonders aufmerksam hinsichtlich des Auftretens einer Uveitis kontrolliert werden.

Obschon die kumulative Uveitisinzidenz bei Mädchen höher ist als bei Jungen – da mehr Mädchen an eine JIA erkrankt sind als Jungen – stellt das weibliche Geschlecht keinen unabhängigen Risikofaktor für die Entwicklung einer Uveitis dar.

Eine Uveitis ist besonders häufig bei Kindern mit einer frühen Arthritismanifestation. In Studien aus Deutschland und Finnland betrug das mittlere Alter bei Arthritismanifestation 3,8 bzw. 4,8 Jahre bei JIA Kindern mit Uveitis,

aber 7,0 bzw. 7,3 Jahre bei jenen ohne Uveitis. Nur etwa 5 % der Patienten entwickeln eine Uveitis bevor sich die Arthritis bemerkbar macht. Da dies in aller Regel in einem äußerlich unauffälligen Auge und ohne Symptome erfolgt, werden bei Diagnosestellung oft schon weit fortgeschrittene Befunde und Komplikationen nachgewiesen. Die Uveitis manifestiert sich bei 75 % der Patienten mit Manifestation der Arthritis oder in den ersten 12 Monaten danach, bei 90 % in den ersten 4 Jahren nach Auftreten der Arthritis. Danach tritt die Uveitis nur noch selten auf.

Erkrankungsrisiko und klinische Merkmale scheinen von der ethnischen Gruppe abhängig zu sein. Beispielsweise hatten kanadische Kinder europäischer Herkunft ein höheres Uveitisrisiko als Kinder nichteuropäischer Herkunft, und mittelamerikanische JIA-Kinder mit Uveitis erkrankten im Gegensatz zu europäischen Kindern sehr spät und waren meist ANA-negativ.

Über die longitudinale Entwicklung der Uveitishäufigkeiten wird spekuliert. Nach Untersuchungen in der Schweiz und in Deutschland scheinen die Uveitishäufigkeiten bei Rheumakindern über die Jahre etwas rückläufig zu sein, vermutlich durch den vermehrten Einsatz von Immunsuppressiva und Biologika.

8.3.3Immunpathogenese der JIAassoziierten Uveitis

Aufgrund des engen Zeitfensters der Uveitismanifestation

– mit einem Altersmedian von etwa 4 Jahren und einem nachfolgend abfallenden Erkrankungsrisiko – ist ein Zusammenhang mit Reifungsprozessen des angeborenen und erworbenen Immunsystems, des Hormonstatus sowie ggf. gleichzeitiger exogener Pathogene (häufige Infekte bei Kleinkinder) möglich. Immunologische Fehlregulationen in den individuellen JIA Subgruppen sind möglicherweise von entscheidender Bedeutung.

In den auch klinisch betroffenen Strukturen der Uvea (Iris und Ziliarkörper) wurde histopathologisch eine nichtgranulomatöse Entzündung mit Plasmazellen und Lymphozyten nachgewiesen. Immunhistochemisch konnten im entzündlichen Infiltrat primär B-Lymphozyten und nur wenige T-Lymphozyten nachgewiesen werden. Ein weiterer Hinweis für eine relevante Rolle der B-Zellen ist die gute klinische Wirksamkeit eines anti-CD20 Antikörper. Die vergleichsweise schlechte klinische Wirksamkeit von Ciclosporin A belegt eine eher untergeordnete T Zellbedeutung.

Das Kammerwasser von Patienten mit JIA-assoziierter Uveitis enthält im Vergleich zu Nicht-Uveitispatienten höhere Spiegel unterschiedlicher pro-inflammatorischer Zytokine, Adhäsionsmoleküle und Chemokine. Da vergleichbar hohe Spiegel aber auch bei der idiopathischen Uveitis

321

8

 

8.3  •  Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) und Uveitis.

.. Tab. 8.6  Häufigkeit, Symptomatik und Komplikationen der anterioren Uveitis bei den Subgruppen der juvenilen idiopathischen

Arthritis

Erkrankung

Uveitisrisiko

Symptomatik

Komplikationen

Oligoarthritis persistent

15–20 %, oft bds.

Meist asymptomatisch

Häufig

Oligoarthritis extended

25–40 %, oft bds.

Meist asymptomatisch

Häufig

RF-negative Polyarthritis

5–10 %, oft bds.

Meist asymptomatisch

Häufig

Psoriasis-Arthritis

a) Beginn Kleinkindalter: bis 20 %, oft bds.

a) Meist asymptomatisch

a) Häufig

 

b) Beginn Schulkindalter:

b) Asymptomatisch / symptoma-

b) Gelegentlich

 

10 % wechselseitig/bds.

tisch

 

Enthesitis-assoziierte

10 %, wechselseitige Schübe

Symptomatisch

Selten

Arthritis

 

 

 

RF-positive Polyarthritis

Sehr selten

Systemische Arthritis

Sehr selten

Sonstige Arthritis

10 %, oft bds.

Meist asymptomatisch

Häufig

nachgewiesen wurden, sind dieses zwar unspezifische Befunde, die aber dennoch neue therapeutische Optionen darlegen. Beispielsweise wird die klinische Relevanz des erhöhten Kammerwasserspiegels von pro-inflammatorisch wirksamem TNF-alpha oder IL-6-Zytokin durch die Wirksamkeit einer Therapie mit TNF-Inhibitoren und anti-IL6R (Tocilizumab) belegt.

Wie zuvor dargestellt, gilt die ANA-Positivität als wichtiger Risikofaktor für die Uveitis in der Oligoarthritisgruppe. Die Rolle von Autoantikörpern in der Immunpathogenese der Uveitis ist aber weiterhin unklar. Es wurde immunhistochemisch nachgewiesen, dass Serum-Autoantikörper an intraokulären Strukturen binden können. Dieses Bindungsmuster ist aber nicht spezifisch für die JIA-Uveitis, da es auch bei Patienten mit idiopathischer Uveitis nachgewiesen werden kann. Der Nachweis gebundener Autoantikörper korreliert gut mit einem chronischen Uveitisverlauf und Komplikationen, aber nicht mit dem Nachweis von Serum-ANA. Zusammen mit dem Nachweis von Autoantigenen mittels ELISA im Patientenserum (z. B. high mobility group box-HMGB- Protein-1/-2) wird nicht ausgeschlossen, dass bestimmte Autoantigene eine Rolle zu Beginn oder während des chronischen Entzündungsprozesses spielen könnten. Dabei könnte es sich um „pathogen-associated molecular patterns“ (PAMPs), welche exogene Immunaktivatoren sind (z. B. LPS), oder „damage associated molecular patterns

(DAMPs) im chronisch entzündeten Gewebe handeln. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise intrazelluläre Proteine (z. B. Heat shock Proteine, HMGB-1, S-100-Proteine), die bei Zellschädigung an der Zelloberfläche exprimiert werden können. Über die Bindung an „pattern recognition Rezeptoren“ kann einen Rekrutierung von Entzündungszellen erfolgen.

Es ist also möglich, dass der Erkrankung eine genetische Prädisposition zugrunde liegt. In einem kritischen Zeitfenster während der immunologischen Reifung und ggf. unter hormoneller Steuerung könnte die Entzündung dann nach einem Kontakt mit exogenen und / oder endogenen Pathogenen ausgelöst und unterhalten werden.

8.3.4 Klinik

Symptomatik

Die Augenentzündung bei JIA Patienten ist typischerweise eine anteriore Uveitis. Betroffen sind meist Iris und Ziliarkörper (Iridozyklitis). Intermediäre und posteriore Uveitis sowie Panuveitis sind untypisch. Bei 70–80 % der Patienten sind beide Augen betroffen. Der Verlauf bei den ANA-positiven Arthritispatienten (meist Oligoarthritis) ist chronisch oder chronisch rezidivierend. Die Uveitis bei JIA-Patienten ist nicht-granulomatös mit feinen und mittelgroßen Keratopräzipitaten, Zellen und Tyndall und einem unterschiedlichen Grad von Zellen im Glaskörper. Schwere Schübe können mit Fibrinbildung und Hypopion einhergehen. Das betroffene Auge erscheint dennoch äußerlich i. d. R. unauffällig und weiß (asymptomatisch,

.Tab.8.6, .Abb.8.7). Die betroffenen Kinder geben selten Beschwerden an. Die Diagnose wird insofern meist im Rahmen des Uveitis-Screenings gestellt. Gelegentlich fallen die Kinder erst durch ihren schlechten Visus auf (.Abb.8.8).

Im Gegensatz dazu entwickelt sich bei der akuten anterioren Uveitis (AAU) innerhalb weniger Stunden nach einsetzenden Schmerzen eine starke Augenrötung, Tränenfluss, Lichtscheu und Visusabfall (symptomatisch,

.Abb.8.9). Die Schübe treten wechselseitig auf. Die AAU

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

322 Kapitel 8  •  Nicht-infektiös

..Abb. 8.7  Chronische asymptomatische anteriore Uveitis bei Kind mit Oligoarthritis. Äußerlich unauffälliges Auge, fast zirkuläre hintere Synechien

..Abb. 8.8  Chronische asymptomatische anteriore Uveitis bei Kind mit Oligoarthritis. Äußerlich unauffälliges Auge, fast zirkuläre hintere Synechien, fibrovaskuläre Membran auf der Linse, Katarakt

befällt häufiger HLA-B27-positive Patienten mit Enthesi- tis-assoziierter Arthritis (.Abb.8.8).

Die Uveitis verläuft oftmals über viele Jahre. Häufig bestehen längere Phasen von Inaktivität, die mehrere Jahre dauern können. Oft verläuft die Uveitis biphasisch: nach einer ggf. auch mehrjährigen initialen Phase kommt die Uveitis zwischen dem 8–10 Lebensjahr häufig zur Ruhe, um während der Pubertät noch einmal aktiv zu werden.

Komplikationen

Zu den typischen Komplikationen der Uveitis bei juveniler Arthritis zählen entsprechend der anatomischen Lokalisation der Entzündung in Iris und Ziliarkörper die Band-

..Abb. 8.9  Akute anteriore Uveitis bei HLA-B27 positivem Jungen. Gerötetes, schmerzhaftes Auge, Fibrinreaktion in der Vorderkammer

keratopathie, die Synechien, die Katarakt, das Glaukom und das Makulaödem. Nicht selten (20–40 %) bestehen bei Diagnosestellung bereits Komplikationen. Die Komplikationsrate steigt bei einem längeren Krankheitsverlauf und wird bei Problempatienten mit 10-jährigem Verlauf mit 50–90 % beziffert.

Die Prozentsätze einzelner Komplikationen schwankten in den unterschiedlichen Studien sehr, was auf Unterschieden in Klientel, Nachbeobachtungszeit, Messmethode und Definitionen beruht:

Katarakt (19–81 %) Bandkeratopathie (12–70 %)

-Synechien (8–75 %)

Okuläre Hypotonie und Phthisis (5–19 %) Makulaödem (4–41 %)Glaukom (8–42 %)

Patienten mit hohem Entzündungsgrad haben häufig auch ein Papillenödem. Seltener sind dichte Glaskörperinfiltration mit Visusminderung und ggf. Traktionsmembranen zum Ziliarkörper oder zur Netzhaut. Möglich ist auch eine Amblyopie durch obige Komplikationen und auch durch eine einseitige Zykloplegie, Kontaktlinsenfolgen und unerwünschte Wirkungen durch Kortison.

Bei asymptomatischem Verlauf können zwischen den augenärztlichen Kontrollen unbemerkt schwere Schübe entstehen. Innerhalb weniger Tage entstehen ggf. Fibrinmembranen in der Vorderkammer und im vorderen Glaskörper, posteriore Synechien, okuläre Hypooder Hypertonie. Makulaödeme können sich innerhalb weniger Wochen entwickeln und Bandkeratopathien oder Katarakte innerhalb weniger Monate. Patienten mit asymptomatischem Verlauf entwickeln häufiger Komplikationen, als Patienten mit symptomatischer akuter anteriorer