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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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22

288 Kapitel 7  •  Infektiös

7.1Viral

7.1.1Herpes-Virus-assoziierte anteriore Uveitis (engl.: anterior uveitis, herpes simplex-, herpes zoster virus, Cytomegalievirus)

U. Pleyer

ICD 10 Code H22.0*Iridozyklitis bei anderenorts klassifizierten infektiösen und parasitären Krankheiten, Infektion durch Herpesviren (Herpes simplex) B00.5†

Synonyme dieses Krankheitskomplexes lauten: Herpes

(Kerato-)uveitis, Posner Schlossman Syndrom

Hintergrund – Historie

Typische Schilderungen von Infektionen mit Herpes Viren sind bereits von Hippokrates überliefert und in die Namensgebung herpes (ἕρπειν (herpein) für kriechen griech. = schleichen) eingegangen. Heute wird die Prävalenz der okulären Herpes simplex-Infektion mit etwa 149 pro 100.000 Personen angenommen (.Tab.7.1). Zahlreiche Studien belegen, dass die altersbezogene Seroprävalenz von HSV-1-Infektionen in der westlichen Welt in den letzten Jahren abgenommen hat. Demgegenüber ist in vielen weniger entwickelten Regionen eine steigende Durchseuchung von ca. 90 % innerhalb der ersten vier Lebensdekaden zu beobachten. Gleichzeitig sind Infektionen mit HSV-2, das bevorzugt für genitale Affektionen verantwortlich gemacht wurde, in den letzten 20 Jahren sehr stark angestiegen.

Dies wird darauf zurückgeführt, dass ein zunehmender Teil der Bevölkerung keine HSV-1-Infektion durchlaufen hat, die eine partielle Immunität gegenüber einer HSV- 2-Infektion bietet. Umgekehrt werden in Europa bis zu 50 % der genitalen Herpesinfektionen inzwischen durch HSV-1 verursacht. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich dadurch auf, dass, entgegen früheren Vermutungen, HSV-1 und HSV-2 gleichermaßen in allen Ganglien vorhanden sind, und damit eine strenge Trennung, z. B. für HSV-2 bei Herpes genitalis, nicht möglich ist.

Epidemiologie

Viren der Herpes viridae Familie können nach Angaben der WHO bei 60–95 % aller Menschen nachgewiesen werden. Der Mensch ist das einzige bekannte natürliche Reservoir für Herpes Viren. Bei ca. 60–95 % der Weltbevölkerung führt dies zu einer Serokonversion. Exzellente Adaptation des Erregers und wirtsspezifische Faktoren sind vermutlich prädisponierende Faktoren für die weltweit hohe Verbreitung. Bei den anterioren Uveitiden nimmt die virale Genese eine Sonderstellung ein. In einigen Zuweisungszentren beträgt ihr Anteil bis zu 30 %. Einige der

bislang als „idiopathisch“ eingestuften klinischen Erscheinungsformen konnten auf eine virusassoziierte Entzündung zurückgeführt werden.

Ätiologie und Pathogenese

Die Pathogenese der herpetischen Uveitis schließt ver- -schiedene Mechanismen ein:

Direkte zytotoxische Effekte und aktive, virale Reakti- -vierung und Replikation

Sekundäre Effekte mit ischämischer Vaskulitis und -lymphozytärer Infiltration z. B. der Iris

Viruspersistenz in neuronalem Gewebe Immunologische Reaktion gegen virale Antigene und sekundäre Autoantigene

Klinik: Augenbeteiligung – vom Leitbefund zur Diagnose

Herpes simplex Virus (HSV) – 1, 2

Die HSV assoziierte Uveitis ist initial durch einen akute, unilaterale Entzündung mit granulomatösen Endothelbeschlägen kennzeichnet. Sie kann eine stromale Herpeskeratitis begleiten, tritt allerdings häufiger ohne Keratitis auf. Posteriore Synechien und Irisstromadefekte sind weitere klinische Charakteristika (.Abb.7.1). Der z. T. ausgeprägte intraokulare Reizzustand kann zu Hypopyon und Hyphäma führen. Häufig tritt eine Trabekulitis auf die zumindest vorübergehend zur sekundären, z. T. erheblichen intraokularen Drucksteigerung führt (.Tab.7.2). Rezidive sind häufig.

Varizella Zoster Virus (VZV)

Etwa 2/3 aller Patienten mit Zoster ophthalmikus und Beteiligung des ersten Trigeminusastes („Hutchinsonzeichen“) entwickeln eine Augenbeteiligung. Intraokulare Entzündungen treten oft zeitversetzt, 2–3 Wochen nach Beginn der Dermatitis auf. Bei verzögertem Beginn werden ebenso wie bei Patienten gänzlich ohne Hauteffloreszenzen („sine herpete“) häufig schwerere Verläufe beobachtet. Granulomatöse, gräulich-bräunliche Hornhautendothelpräzipitate wurden z. T. treffend als „Leopardenmuster“ beschrieben. Sektorförmige Atrophien des Irisstromas, Synechien und sekundäre Drucksteigerung sind ebenso wie bei HSV häufig anzutreffen. Untersuchungen mit quantitatver PCR konnten belegen, dass der Schweregrad der Uveitis mit der Viruslast korreliert (.Tab.7.2).

Cytomegalievirus (CMV)

>> Ein deutlich abweichendes klinisches Bild von HSV und VZV Infektionen weisen Patienten mit CMV assoziierter, anteriorer Uveitis auf. Relativ asymptomatischer Verlauf und chronisch persistierender, mäßig ausgeprägter Reizzustand sind typisch.

289

7

 

7.1  •  Viral

.. Tab. 7.1  HSV-Epidemiologie

Prävalenz

149/100.000 Personen

Rezidive (HSV-Keratitis)

20 %–2 Jahre

 

 

40 %–5 Jahre

 

 

70 %–7 Jahre

 

Bilateral

10–12

% v. a. bei Atopie, Immunsuppression

Kinder

Weisenmeist

schweren Verlauf auf, v. a. bei Begleiterkrankungen (Neurodermitis, Atopie)

Virusassoziierte Uveitis

Virale Kerate-Uveitis

 

Virale anteriore Uveitis

 

Virale posteriore Uveitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vermutet

 

 

 

Gesichert

 

 

 

 

Nichtnekrotisierende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

herpetische

 

Nichtnekrotisierende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Retinopathien

 

herpetische

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Retinitis (HSV, VZV, CMV)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

VKH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

M. Behcet?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ICE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gesichert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

HSV, VZV

 

 

CMV

 

 

Rubella V.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PORN

 

ARN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Posner-

 

 

 

Fuchs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlossman

 

 

 

Uveitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Syndrom

 

 

Syndrom

 

 

CMV Retinitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 7.1  Manifestation der virusasoziierten Uveitis

Die Hornhautendothelpräzipitate sind meist fein, sternförmig in der unteren Hornhauthälfte lokalisiert und können gänzlich übersehen werden. In der konfokalen Mikroskopie wurden sie als „Eulenaugen“ beschrieben und als pathognomisch eingeschätzt. Irisatrophie und posteriore Synechien werden dagegen fast nie beobachtet. Demgegenüber imponiert ein oft deutlich gesteigerter intraokularer Druck. Zwei bisher als eigenständig betrachtete Krankheitsbilder, das Posner-Schlossman-Syndrom und das Fuchs-Uveitis-Syndrom (früher „Heterochromiezyklitis“) wurden wiederholt durch den Nachweis des Virusgenoms mittels PCR mit CMV in Verbindung gebracht. Es muss erwähnt werden, dass der CMV-Nachweis auch mittels PCR schwierig ist, und bei vielen Patienten mehrere Kammerwasseranalysen notwendig waren, bevor der Nachweis gelang. In Asien wurde bei unbehandelten Patienten bzw.

nach Ende der Therapie ein hohes Rezidivrisiko (ca. 75 % innerhalb 8 Monate) beobachtet.

Diagnostik

Bei vielen Patienten ist der klinische Befund bereits richtungsweisend. Klinisch können sich allerdings bei Patienten, v. a. ohne Hornhautbeteiligung und mit atypischer Präsentation, differentialdiagnostische Probleme ergeben. Für alle Formen Infekt-assoziierter, intraokularer Entzündungen ist der Erregernachweis hilfreich, um eine gezielte Behandlung einzuleiten. Dies trifft insbesondere für chronisch rezidivierende Verläufe und bei okulärer Hypertension zu. Idealerweise ist der klinische Verdacht durch Virusnachweis mittels PCR oder Antikörpersynthese zu bestätigen. Die Sensitivität der PCR-Analyse wird für HSVund VZV-DNA im Kammerwasser mit 25–100 % ange-

290 Kapitel 7  •  Infektiös

1

.. Tab. 7.2  Klinische Befunde bei anteriorer Herpesvirus assoz. Uveitis. (Mod. nach Wensing et al.)

 

 

 

 

 

 

 

 

2

 

HSV

VZV

CMV

Alter (Jahre) (Mittel, Erstmanife-

43

53

65

3

station)

 

 

 

Geschlecht (M : W)

1 : 1

1 : 1

1 : 3

4

Beginn – Verlauf

Akut, rezidivierend

Akut-chronisch

Chronisch

Intraokulardruck

+

+ − ++

++ − +++

5

Hornhautbeteiligung, Endothel

20–60 % Keratitis, variiert: fein-

20–60 % Keratitis meist

Selten, überwiegend isolierte

Präzipitate

disseminiert bis granulomatös

granulomatös

Endothelitis Stellata–granu-

6

 

 

 

lomatös

VK Reizzustand

(+) − +++

(+) − +++

(+) − +

 

 

Irisstroma Atrophie

+

++

Heterochromie (?)*

7

Posteriore Synechienbildung

+ − ++

+ − +++

O

 

 

38 %

40 %

 

8

 

(Anteriore) Glaskörperinfiltration

O − ++

 

O − ++

O − ++

 

 

 

 

 

Therapieerfolg/Prognose

Günstig, Langzeitprophylaxe

 

Günstig-mäßig

Variabel, abhängig vom Ver-

9

 

 

empfohlen

 

 

lauf der sekundären okulären

 

 

 

 

 

Hypertension

 

 

 

 

 

 

10

 

* wird überwiegend in Asien beobachtet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11

nommen. Zumindest vergleichbare Ergebnisse können

Therapie

 

12

mit der Antikörpersynthese und Bildung des Goldmann-

Behandlungsgrundsätze

 

Witmer-Koeffizienten (GWK) erreicht werden.

Die Therapie der herpetischen Uveitis basiert auf

 

 

 

 

-

antiviralen (.Tab.7.4),

 

13

>> Die u. U. klinisch schwierige Differenzierung zwi-

antientzündlichen und

 

 

schen HSVund VZV-Infektion kann ebenfalls durch

Augendruck senkenden Wirkstoffen.

 

 

14

 

Kammerwasseranalyse vorgenommen werden.

 

 

 

 

 

Alle bisher verfügbaren antiviralen Pharmaka sind ledig-

15

Der Nachweis von CMV im Kammerwasser hat in den

lich virusstatisch wirksam und eliminieren die Erreger

letzten Jahren neue interessante Ergebnisse gezeigt. In

nicht. Rezidive und ggf. Befall des Partnerauges können

 

mehreren Studien konnte eine Assoziation zum Posner-

durch längerfristige antivirale Behandlung vermindert

16

Schlossmann-Syndrom hergestellt werden. Serologi-

werden. Da lokal applizierte Virusstatika keine nennens-

sche Untersuchungen sind wegen des hohen Durchseu-

werten Wirkstoffkonzentrationen im Kammerwasser er-

17

chungsgrades und der entsprechenden Serokonversion in

reichen, wird systemisch behandelt. Bei anteriorer Uveitis

der Normalpopulation wenig aussagekräftig und bei der

ist die orale Applikation meist ausreichend, im Gegensatz

18

akuten Problematik selten hilfreich. Die isolierte, okuläre

zur Retinitis die initial intravenös oder intravitreal mit Vi-

Infektion mit Herpesviren führt nicht notwendigerweise

rustatika behandelt werden sollte.

 

zur Antikörperbildung im Serum. Ein verwertbarer Titer-

 

Als Wirkstoffe kommen in Betracht (.Tab.7.4):

19

anstieg ist zudem erst innerhalb von ca. 1–2 Wochen zu

 

 

 

erwarten. Zusätzlich können Kreuzreaktionen bei HSV

Aciclovir  Systemisch verabreichtes Aciclovir ist die Thera-

20

und VZV und polyklonale Stimulierung bei CMV die se-

pie der 1. Wahl bei HSV und VZV bedingter AAU. Wenn

rologischen Ergebnisse verfälschen.

innerhalb der ersten 2–4 Wochen kein therapeutischer Ef-

 

 

 

 

fekt nachzuweisen ist, muss eine Umstellung des Virusta-

21

Empfehlungen zur diagnostischen Abklärung bei Verdacht

tikums in Erwägung gezogen werden. Es können sowohl

auf anteriorer Herpes Virus UveitisDifferentialdiagnostik

Resorbtionsprobleme mit zu niedrigem Wirkspiegel als

 

22

(.Tab.7.3)

 

auch Aciclovir Resistenzen vorliegen (s. u.). Im ersten Fall

 

 

 

kann auf das besser bioverfügbare Valaciclovir umgestellt

werden.

291

7

 

7.1  •  Viral

.. Tab. 7.3  Differentialdiagnosen zur anterioren Uveitis (AU) bei Herpes simplexund Varizella Zoster Virus

Differentialdiagnose

Charakteristika

(HSV/VZV)

 

Fuchs-Uveitis-Syndrom

Überwiegend unilateral (bilateral < 10 %); disseminierte auch in der oberen Hornhauthemisphäre

 

(> 80 %); keine posterioren Synechien; Heterochromie (nur ca. 30 %); frühe Katarakt; häufig Glaskörper-

 

beteiligung (20–80 %); Rubella Virus Antikörper im Kammerwasser

Sarkoidose

Oft simultan bilateral; granulomatöse KPs; häufig Irisgranulome (Koeppe Knötchen); selten Irisatrophie;

 

Symptome der Allgemeinerkrankung? Röntgen Thorax (ggf. CT) und der kleinen Handund Fußknochen;

 

ACE; IL-2R; Kalzium und Phosphate im Serum; Serum-Lysozym

HLA-B27+ AU

Unilateral – ggf. alternierend; nicht-granulomatöse Entzündung (Fibrin); häufig Synechien; Symptome

 

der Allgemeinerkrankung: morgentl. Rückenschmerz ? HLA-B27? Röntgen der Sakroiliakalgelenke;

 

Rheumatologe!

Morbus Behçet (MB)

Beginnt häufig als AU; hyperakute AU; Symptome der Allgemeinerkrankung? Rezidivierende Aphten

 

(> 95 %)? HLA-B51? HLA-B5?; Internist, Dermatologe

TINU Syndrom

Oft simultan bilateral; anfangs meist Nephritis, Proteinurie und Fieber; nicht-granulomatöse Entzündung;

 

Jungen sind häufiger betroffen; ß2 Mikroglobulin im Urin; vermutl. unterschätzte DD auch im Erwachse-

 

nenalter

Posner Schlossman

Unilateral, relativ beschwerdefrei; wenige granulomatöse Endothelpräzipitate; dominantes Merkmal:

Syndrom

hoher Intraokulardruck; Kammerwasser: CMV, (HSV, VZV) Nachweis

ACE = Angioconverting Enzym; KP = Korneaendothelpräzipitate

Valaciclovir  Valaciclovir ist der Valyl-Ester des Aciclovirs. Die orale Bioverfügbarkeit des Valaciclovirs ist bei vergleichbarer Dosierung etwa 3-mal höher, als die des Aciclovirs. Valaciclovir zeigt dementsprechend eine gute Wirksamkeit gegen alle α-Herpesviren (HSV1, HSV2, VZV).

Brivudin  Brivudin ist vom Wirkmechanismus dem Aciclovir sehr ähnlich, da es ein Analogon des Nucleosid Thymidins darstellt und nach Phosphorylisierung durch die virale Thymidinkinase die virale DNAPolymerase blockiert. Es konnte eine gute Wirksamkeit gegen α-Herpesviren (HSV1, HSV2, VZV) gezeigt werden. Hauptvorteil ist die compliancefreundliche Einmalapplikation/Tag. Für die Langzeitprophylaxe liegen keine klinischen Studien vor, sodass Brivudin nur zur Akutbehandlung eingesetzt werden sollte.

Foscarnet  Foscarnet zeigt eine gute Wirksamkeit gegen alle Herpesviren sowie gegen einige Retroviren, wie HIV, bei allerdings hoher Nephrotoxizität.

Ganciclovir (GCV)  Da Ganciclovir eine 10–15fach bessere Wirksamkeit gegen CMV aufweist als Aciclovir, sollte Ganciclovir Medikament der 1. Wahl bei nachgewiesenem CMV-Virus sein (.Tab.7.5). Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen muss eine strengere Indikationsstellung erfolgen. Die Behandlungskonzepte zur Therapie der CMV assoziierten AU sind bisher weniger valide geprüft, als bei HSV/VZV (s. u.). Bislang liegen nur unzureichende Infor-

mationen zur Behandlung der CMV-assoziierten AU vor, die überwiegend aus Asien stammen. In Singapur wurde bei Therapie von 72 Augen mit CMV-AU GCV in allen Applikationsformen, d. h. topisch (Virgan Augengel), systemisch oder auch intravitreal (!) verwendet. Dabei stellte sich heraus, dass zur akuten Therapie systemisches oder intravitreal appliziertes GCV einen positiven Effekt zeigte; zur Rezidiv Prophylaxe hat sich lokales GCV (4x/d) als ebenso effektiv wie die systemische GCV Therapie herausgestellt.

Weitere Therapiemaßnahmen

Antiinflammatorische Therapie  Durch die antivirale Therapie werden die immunologischen Prozesse (Vorderkammerreiz, Trabekulitis, Vitritis, ggf. Vaskulitis) nicht beeinflusst. Daher werden meist lokal oder oral verabreichte Steroide notwendig. Die Steroidtherapie sollte stets nur in Begleitung einer effektiven antiviralen Behandlung erfolgen und muss am klinischen Verlauf „titriert“ werden.

Drucksenkende Therapie  Eine sekundäre okuläre Hypertension ist im akuten Stadium bei viralen AU oft vorhanden.

Durch eine konsequente antivirale und antientzündliche Behandlung (topische Steroide) tritt eine Druckregulation bei den meisten Patienten ein. Initial kann eine zeitlich begrenzte (meist ca. 2–4 Wochen), lokale drucksenkende Therapie erforderlich sein. Als Therapeutika kommen v. a. Carboanhydrasehemmer, ß-Blocker und

292 Kapitel 7  •  Infektiös

1

.. Tab. 7.4  Antivirale Therapeutika bei Uveitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2

 

Aciclovir

 

Valaciclovir

Ganciclovir

Brivudin

Initiale Tagesdosis

5 × 400 mg/d–5 × 800 mg/d p.o.

 

3 × 1000 mg

2 × 900 mg/d

1 × 125 mg p. o.

 

 

3

Erhaltungsdosis

2–3 × 400 mg /d für ca. 12 Monate

1–2 × 500 mg

2 × 450 mg/d

1–2 Wochen

Nebenwirkung

Kreatininanstieg

 

Blutbild

Leukopenie

Übelkeit

 

 

4

 

 

 

 

 

 

5

.. Tab. 7.5  Ergebnisse der Behandlung der CMV-positiven anterioren Uveitis mit unterschiedlichen Ganciclovir Applikationsformen

 

 

 

 

 

 

Anwendung/Anzahl der

Systemisches Gan-

Ganciclovir Gel

Ganciclovir intravi-

Ganciclovir Implant 3

 

6

Rezidive

ciclovir (19 Behand-

(17 Behandlungsepi-

treal injeziiert (7 Be-

(4 Behandlungsepi-

 

lungsepisoden)

soden)

 

handlungsepisoden)

soden)

 

 

 

7

Akute rezidivierende anteriore Uveitis

 

 

 

 

Versagen

1/11

4/11

 

1/4

0/1

8

Ansprechen

10/11

7/11

 

3/4

1/1

Rezidiv

8/10

4/7

 

3/3

1/1

9

 

Chronische anteriore Uveitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10

Versagen

1/8

2/6

 

2/3

0/3

Versagen

7/8

4/6

 

1/3

3/3

11

Rezidiv

6/7

1/4

 

1/1

3/3

 

 

12

Modifiziert nach Chee, 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13

Alpha-2-Agonisten, ggf. kombiniert in Betracht. Cho-

 

Zu den Faktoren, die mit eingeschränkter funktioneller

linergica (Cave: Blut – Kammerwasser Schrankenstörung)

Prognose assoziiert sind, zählen:

 

 

 

14

und Prostaglandinderivate (Cave: proinflammatorische

 

Zentrale Hornhautbeteiligung

 

Wirkung, Cystoides Makulaödem) sind weniger geeignet

-

Höheres Lebensalter

 

15

(.Tab.7.6).

 

 

Zustand nach perforierender Keratoplastik

Resistenztestung  Bei schweren HSV/VZV-Infektionen,

Vorbestehende glaukomatöse Optikoneuropathie

 

 

 

16

die nicht innerhalb weniger Tage auf eine korrekt durch-

Prävention  Eine VZV Impfung bietet einen effektiven

geführte antivirale Therapie mit Aciclovir ansprechen, be-

Schutz gegen schwerwiegende Verläufe der VZV assozi-

17

steht der Verdacht einer Resistenzentwicklung. Es ist mög-

ierten Uveitis und wird seit August 2004 für alle Kinder

lich, die Resistenz der isolierten Virusstämme in vitro zu

und Jugendlichen empfohlen (Robert Koch Institut, Ber-

18

prüfen und, ähnlich wie bei Bakterien, eine Bestimmung

lin). Da mit steigendem Alter der Schutz nachlässt, wird für

der Minimalen Hemm-Konzentration (MHK) durchzu-

Risikogruppen im Alter (Zulassung ab 50 Jahre) in einigen

 

führen.

 

 

Ländern eine Vakzination mit einem modifizierten Leben-

19

 

 

 

dimpfstoff (Zostavax) empfohlen.

 

>> Virusstämme, die nur bei Aciclovirkonzentrationen

 

 

 

20

von > 3 µM hemmbar sind, gelten als resistent.

 

>> Merksätze: An das Vorliegen einer HSV/VZV AU sollte

Prognose  Die funktionelle Prognose ist überwiegend

 

stets gedacht werden, wenn

 

 

 

eine granulomatöse, anteriore Uveitis,

21

günstig. Einschränkungen bestehen bei zentraler Horn-

 

mit ggf. wiederkehrender, unilateraler Manifesta-

hautbeteiligung. Bei chronischem Verlauf ist die intra-

 

- tion,

 

22

okulare Hypertension/Glaukom prognostisch

wichtig.

 

intraokularer Druckerhöhung oder

Zwischen HSV und ZVZ bestehen keine prognostischen

 

eine Irisatrophie

 

 

Unterschiede.

 

 

 

-vorliegen.

 

293

7

 

7.1  •  Viral

.. Tab. 7.6  Behandlungsoptionen, -kombinationen zur intraokularen Drucksenkung bei viraler anteriorer Uveitis

 

Alpha-2-Agonisten

Betablocker

CAI

Cholinergika

PGA

Alpha-2-Agonisten

 

+

+

 

+

Betablocker

+

 

+

 

+

CAI

+

+

 

 

+

Cholinergika

 

 

 

 

 

PGA

+

+

+

+/−

 

CAI = Carboanhydrase Inhibitor; PGA = Prostaglandin Agonist

Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

http://www.uveitis-selbsthilfe.de, http://www.duag.org, http://uveitis.jimdo.com, http://www.schmerzliga.de/

7.1.2Fuchs-Uveitis-Syndrom (FUS) (engl. Fuchs Heterochromic Iridocyclitis)

C.-D. Quentin

Definition und Einteilung

ICD-10 Code H22.0*Iridozyklitis bei anderenorts klassifizierten infektiösen und parasitären Krankheiten

Synonyme: Heterochromiezyklitis Fuchs

Das Fuchs-Uveitis-Syndrom (FUS) ist eine chronische, typischerweise bereits in den ersten Lebensdekaden auftretende milde Form der Iridozyklitis, die sehr oft nicht erkannt und erst beim Auftreten ihrer Komplikationen, wie Katarakt und sekundär Glaukom, diagnostiziert wird. Fuchs charakterisierte 1906 erstmals anhand von 38 Patienten das nach ihm benannte Krankheitsbild mit seinen typischen Komplikationen. Der Begriff der „Heterochromie“ bei der Namensgebung wurde im letzten Jahrzehnt (im deutschsprachigen Raum) fallengelassen, da diese nur bei etwa 30 % der erkrankten Augen (relativ spät im Verlauf der Erkrankung) wegweisend ist.

Epidemiologie

Die Häufigkeit des FUS wird in der Literatur zwischen 2–11 % aller Uveitiden angegeben. Die Prävalenz mag auch noch höher liegen, da die Erkrankung anfänglich für die Patienten symptomlos verläuft, und im Frühstadium der FUS die diskreten Veränderung an der Hornhautrückfläche und Iris erst bei gezielter Suche zu erkennen sind. Ein Geschlechtsoder Rassen-spezifisches Erkrankungsrisiko ist nicht nachweisbar.

Ätiologie und Pathogenese

Die Ursache des FUS ist bisher nicht eindeutig geklärt, wobei biochemischenund epidemiologischen Untersuchung der letzten Jahre eine Röteln-Virus (induzierte) Genese immer wahrscheinlicher werden lassen. Seit der Erstbeschreibung 1906 durch Fuchs sind die verschiedensten Hypothesen diskutiert worden.

1.Sympathikusläsion, die zu einer verminderten adrenergen Innervation der Iris mit geringerer Pigmenteinlagerung führt. Diese Annahme konnte bisher für das FUS aber nicht bewiesen werden.

2.Ein genetischer Erklärungsversuch wurde fallen gelassen, da keine HLA Assoziation und kein Mendelscher Erbgang nachzuweisen vorliegen. Auch erkranken monozygote Zwillinge individuell (allein).

3.Toxoplasma gondii Infektion des Auges als Auslöser eines FUS wurde immer wieder vermutet, da auch Fuchs schon periphere chorioretinische Narben bei einigen seiner Patienten beschrieb. Ein Toxoplasmose Infektion des Auges als Ursache des FUS ließ sich aber nicht nachweisen, sodass von einer Assoziation beider Erkrankungen gesprochen wird.

4.Eine immunologische Erkrankung wird diskutiert, da im Kammerwasser Plasmazellen, B-Lymphozyten vom Typ CD8+, oligoclonales IgG , Immunglobuline, IL 10 und IL6 sowie IFN-α nachzuweisen sind.

5.Röteln-Virus Infektion: 2004 wurde erstmals bei 52 Augen mit einem FUS in allen Augen der Röteln-Vi- rus-Antikörper im Kammerwasser nachgewiesen. Das Röteln Virus Genom wurde bei 18 % der Augen mittels PCR gefunden. Dieses Ergebnis konnte von anderen Untersuchergruppen bestätigt werden. Zusammenfassend wurden bei insgesamt 128 von 129 Augen Röteln- Virus-Antikörper im Kammerwasser der Augen mit einem FUS gefunden und bei zwei weiteren Augen auch das Röteln-Virus Genom. Unterstützt wird die Röteln Hypothese durch eine epidemiologische Studie aus den USA, die einen Rückgang des FUS seit der Einführung der Impfung gegen das Röteln-Virus feststellte.

294 Kapitel 7  •  Infektiös

1

Klinik

 

Diagnostische Hauptkriterien sind:

2

 

Hornhaut-Endothelbeschläge: sternförmig, fein,

-weiß, untypisch diffus verteilt

3

 

Vorderkammer mit wenigen Zellen (1+) und diskre-

-tem Tyndall-Phänomen

 

 

Fehlende hintere Synechien

4

-Weißes, schmerzfreies Auge ohne iritische Miosis

5

Nebenkriterien des FUS, die erst im Verlauf der chronischen

Uveitis auftreten:

 

 

 

 

 

Heterochromie in 30 %, die bei sehr heller oder dun-

6

-kelbrauner Iris nicht auffällt (.Abb.7.2)

-

Pimentblattatrophie der Iris bei Retroillumination

7

(Kirchenfensterphänomen, .Abb.7.3)

 

Atrophisches Irisstroma mit sichtbaren radiär verlau-

-fenden Irisgefäßen

8

 

Koeppeund Busacca-Granulome am Pupillarsaum

-und auf der Iris Oberfläche

9

 

„Brückengefäße“ im Kammerwinkel, die bei der

-Gonioskopie zu erkennen sind

10

-derChorioretinaleAugen

Narben in der Peripherie bei 12–30 %

11

Die Heterochromie ist ein Nebenkriterium; denn:

a)

Sie entwickelt sich erst im Verlauf der Erkrankung.

12

b)

Sie ist nicht nachweisbar, wenn beide Augen in 4–10 %

 

vom FUS betroffen sind.

 

c)

Sie kann invers anzutreffen sein, wenn bei kompletter

13

 

Iris-Stromaatrophie das dunkle Pigmentblatt sichtbar

 

wird.

 

 

 

 

14

Die Heterochromie stellt somit kein Frühsymptom dar. So-

15

wohl die Koeppe-Knötchen am Pupillarsaum als auch die

Busacca-Knötchen oberflächlich im Irisstroma werden nur

 

bei gezielter Suche entdeckt. Auffällig und untypisch für

16

eine vordere Uveitis ist die fehlende Miosis, die Schmerz-

freiheit und das blasse Auge. Dies erklärt, weshalb Patien-

17

ten mit einem FUS häufig verspätet diagnostiziert werden.

Erst, wenn Komplikationen sich durch die chronische vor-

18

dere Uveitis bemerkbar machen, wie eine Sehverschlech-

terung oder das sekundär Glaukom mit Schmerzen, wird

 

ein Augenarzt aufgesucht.

19

Komplikationen

20

1.

Die Cataracta complicata mit subkapsulärer Trübung ist

 

in 60–80 % der Patienten mit einem FUS anzutreffen.

 

 

Die Chirurgie der Katarakt mittels Phakoemulsifikation

21

 

und Hinterkammerlinsen Implantation ist im Gegensatz

 

zu anderen Uveitiden unproblematisch und ohne ver-

 

 

22

 

mehrten postoperativen Entzündungsreiz. Bei der Para-

 

zentese der Vorderkammer tritt typischerweise eine zarte

 

 

Kammerwinkelblutung auf (Amsler–Zeichen). Feine

..Abb. 7.2  Heterochromie des rechten Auges bei FUS

Neovaskularisationen im Kammerwinkel, sogenannte „Brückengefäße“, sind die Quelle dieser Blutungen.

2.Das sekundäre Glaukom ist in 9–59 % als Offenwinkelglaukom die bedrohlichste Komplikation für das Sehvermögen. Ausgeprägte Fluktuationen des Augendruckes erschweren die Diagnostik. Häufig wird das Glaukom auch erst nach der Kataraktoperation erkannt. Kontrovers wird diskutiert, ob das sekundär Glaukom eine Komplikation der Katarakt Operation ist oder das Ergebnis der langjährigen, chronischen Erkrankung. Die medikamentöse Therapie ist unbefriedigend und die Ergebnisse der fistulierenden Glaukomoperationen, ob mit oder ohne Glaukom Implantat vom Typ Molteno oder Ahmed, liegen nach 4 Jahren nur bei 50–76 %.

3.Glaskörpertrübungen im Sinne einer vorderen Vitritis können gelegentlich sehr ausgeprägt sein. Sollten sie Visus-relevant sein, können sie durch eine vordere Vitrektomie während der Kataraktoperation simultan entfernt werden.

Diagnostik

Aufgrund der fehlenden klinischen Zeichen einer vorderen Uveitis (rotes, schmerzhaftes Auge) wird das FUS häufig bei Routineuntersuchung übersehen. Meistens wird es erst erkannt, wenn die einseitig Cataracta complicata zur Visuseinschränkung führt, oder das sekundäre Glaukom sich mit Schmerzen bemerkbar macht. Die Diagnose des FUS kann i. d. R. allein anhand der aufgeführten klinischen Hauptund Nebenkriterien gestellt werden. Bestehen periphere Netzhautnarben oder liegt eine Vitritis vor, sollte eine internistischeund labortechnische Minimaldiagnostik zum Ausschluss einer Toxoplasmose, Sarkoidose, Borreliose und Tuberkulose erfolgen.

Bei einer anterioren Uveitis und nicht sicheren Nachweis der genannten Hauptund Nebenkriterien, z. B. fehlender Heterochromie wegen Beidseitigkeit der Uveitis oder sehr ausgeprägter Glaskörpertrübungen, kann durch eine diagnostische Vorderkammerpunktion in Tropfanästhesie Kammerwasser zum Nachweis von Antikörpern gegen Röteln Viren (RV)gewonnen werden. Der RV Antikörper