Добавил:
kiopkiopkiop18@yandex.ru t.me/Prokururor I Вовсе не секретарь, но почту проверяю Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:
Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
28.03.2026
Размер:
22.24 Mб
Скачать

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

278 Kapitel 6  •  Therapie: Grundkonzepte

..Abb. 6.14a,ba Normale Lymphozyten (MGG-Färbung), b B-Zell-Färbung (CD-19, APAAP-Färbung)

6.4.5 Therapeutische Vitrektomie

6.4.6 Kombinationsmöglichkeiten:

 

 

Linsenaustausch und

 

 

Viele proinflammatorische Zytokine befinden sich im

Glaskörperentfernung

 

Rahmen einer intraokularen Entzündung im Glaskörper

 

Die Entwicklung der mikroinzisionalen Kataraktund

(IL-1, IL-2, TNF-α, IL-6) und Vorderkammer (IL-6, IL-10,

IFN-γ, sVCAM, RANTES, IP-10). Die chirurgische Ent-

Glaskörper-Chirurgie bietet in den letzten Jahren zuneh-

fernung von Antigenen und proinflammatorischer Medi-

mend die Möglichkeit, beide Verfahren miteinander zu

atoren ist aus therapeutischer Sicht daher plausibel (ähn-

kombinieren. Von Vorteil ist die Entfernung störender Me-

lich wie bei einer Cataractoperation zur Entfernung von

dientrübungen in einer einzigen operativen Sitzung (Kom-

Linsenproteinen im Rahmen einer phakogenen Uveitis),

fort und schnellere Rehabilitation für Patienten, geringere

um das immunologische Milieu zu verändern, die Kont-

Kosten). Durch das kombinierte Vorgehen lassen sich

rolle der Entzündung zu verbessern und die Wirksamkeit

möglicherweise das Ausmaß der Entzündung und die Re-

einer anti-inflammatorischen Behandlung zu optimieren.

zidivhäufigkeit vermindern, ein bestehendes Makulaödem

Bei autologen und Fremdantigenen spielt Typ-II-Kollagen

und die Medikamentenbelastung verringern. Umgekehrt ist

eine große Rolle, wie man von Tiermodellen zur Uveitis

das operative Trauma durch das kombinierte Vorgehen er-

und Arthritis und von Patienten mit reaktiven T-Zellen

höht, was ein Rezidiv induzieren kann. Diese Gefahr kann

weiß. Zusätzlich sind nicht selten intraokulare Antikörper

durch eine minutiöse, präoperative Entzündungskontrolle

oder DNA infektiöser Organismen von Bedeutung. Der

und die Wahl möglichst klein-lumiger Zugänge (23G, 25G)

Glaskörperraum selbst dient auch als Reservoir von im-

ausgeglichen werden. Der Augendruck kann postoperativ

munreaktivem Material. Die Entfernung von autoreakti-

unerwartet reagieren (Hyper-, Hypotonie). Zusätzlich kön-

ven T-Helfer-Zellen wirkt ebenfalls anti-inflammatorisch,

nen wie bei jeder anderen Vitrektomie auch chirurgische

da diese sonst unspezifische Entzündungszellen rekrutie-

Komplikationen auftreten (iatrogenes Netzhautforamen,

ren können.

Amotio, Hämorrhagie etc.). Die gleichzeitige, kombinierte

Eine therapeutische Vitrektomie kann zur Entfernung

Implantation einer Intraokularlinse und die Auswahl eines

störender Glaskörpertrübungen durchgeführt werden,

möglichst biokompatiblen Materials werden deshalb von

aber auch zur Behandlung sekundärer struktureller Schä-

vielen Chirurgen kontrovers diskutiert. Bei kombiniertem

den im Rahmen spezifischer Augenpathologien. Hierzu

Vorgehen muss die Möglichkeit einer späteren, aufgrund

wurde in den letzten Jahren berichtet z. B. M. Behçet, bei

von Komplikationen notwendig werdenden Explantation

Makulaforamina, Birdshot Syndrom, Glaskörpertrübun-

berücksichtigt und mit dem Patienten vorbesprochen

gen oder Amotio retinae bei Toxoplasmose.

werden. Bei zu erwartendem postoperativen Vorderkam-

 

 

merreiz scheint das Anlegen einer basalen Iridektomie zur

 

 

Vorbeugung eines Pupillarblocks sinnvoll.

 

 

Ziel des kombinierten Vorgehens ist daher die Schaf-

 

 

fung einer möglichst unicameralen, immunologisch tole-

 

 

ranten Umgebung. Um die Implantation einer Intraokular-

 

 

linse zu ermöglichen, kann deshalb zusätzlich eine primäre

279

6

 

6.4  •  Vitrektomie bei intraokularen Entzündung (engl. vitrectoms, pars plana vitrectomy (PPV))

chirurgische Kapsulotomie in Erwägung gezogen werden. Anti-inflammatorische Zytokine, wie TGF-β aus Trabekelmaschenzellen und das Hochregulieren von CD4+ Foxp3+ regulatorischen T-Zellen, sollen hierbei die Immunantwort abmildern. Zudem können systemisch verabreichte Medikamente besser in okuläre Gewebe penetrieren, wodurch die verabreichte Gesamtmenge für den Patienten reduziert werden kann.

Ein kombiniertes Vorgehen ist bei ausgewählten Patienten mit Standardtechniken und -instrumenten sinnvoll. Kontrollierte Studien sind hierzu jedoch nicht publiziert. Grundsätzlich ist auf eine intraoperative Abhebung der hinteren Glaskörpergrenzmembran zu achten (bei Unsicherheit mittels Triamcinolon-Färbung). Bleibt die Glaskörperrinde an der Netzhaut haften, besteht die Gefahr, dass sich postoperativ ein Makulaödem entwickelt bzw. durch Kontraktion der sich später ablösenden Glaskörperrinde im weiteren Verlauf eine rhegmatogene Amotio auftritt. Gleichzeitig vorhandene strukturelle Pathologien sollten mitbehandelt werden (z. B. Peeling epiretinaler Membranen, Amotio, zyklitische oder subretinale Membranen im Rahmen einer PVR-Reaktion). Bei Pars planitis mit Neovaskularisationen ist eine periphere Laserkoagulation mit selektiver Kryokoagulation angebracht. Ebenfalls ist – falls keine Kontraindikationen bestehen – auf eine intraoperative Kortikosteroid-Anwendung zu achten (z. B. intravitreal Dexamethason 400 μg, intravitreal Triamcinolon 4 mg oder subtenonales Triamcinolon 40 mg).

6.4.7Therapie des Makulaödems durch Vitrektomie

Eine weitere biologische Plausibilität für eine PPV ist das medikamentös nicht mehr beeinflussbare Makulaödem. Zytokine und Chemokine induzieren eine Gefäßleckage und begünstigen eine feste Adhäsion und Fibrosierung der Glaskörperrinde mit der Makula. Eine Kontraktion der hinteren Glaskörpergrenzmembran und Membrana limitans interna führt zu einer anteroposterioren und tangentialen Traktion, die ein chronisches Makulaödem aufrechterhalten kann. Eine chirurgische Entfernung dieser Traktion vor Auftreten eines irreversiblen Schadens am RPE-Pho- torezeptoren-Komplex kann ein refraktäres Makulaödem vermindern. Trotzdem steht dieser therapeutische Ansatz immer im Spannungsfeld zum Vitrektomie-induzierten, also iatrogenen Makulaödem (korrespondierend zum Irvine-Gass Syndrom nach einer Katarakt-Operation). So berichtete z. B. Androudi et al. 2005 an 10/36 vitrektomierten Augen ein neu aufgetretenes, angiographisch erkanntes, zystoides Makulaödem.

Unzählige retrospektive, nicht-vergleichende, interventionelle Arbeiten sind in den vergangenen Jahrzehn-

ten seit der Erstbeschreibung einer Vitrektomie bei Uveitis publiziert worden. Dugel et al. berichtete 1992 über eine PPV ohne Membranpeeling in 11 Augen von 9 Patienten. Die Sehschärfe verbesserte sich in 7 Augen, die Leckage im Makulabereich reduzierte sich in 9 Augen. Kiryu et al. publizierten 2001 eine Fallserie mit 18 Augen von 14 Patienten mit einem therapierefraktären Makulaödem im Rahmen einer Sarkoidose-Uveitis. Die zu vitrektomierenden Patienten wurden in 2 Gruppen geteilt: bei 9 Augen wurde ein Peeling durchgeführt, bei weiteren 9 Augen nicht. Nach Angaben der Autoren verbesserte sich das Makulaödem bei jeweils 7 Augen in jeder Gruppe. Bei 7/14 Patienten waren Kortikosteroide (systemische Gabe bzw. Subtenonale Injektionen) oder Azetazolamid oder beide Therapieoptionen postoperativ zusätzlich erforderlich, um das Makulaödem zu vermindern. Wiechens et al. untersuchte 2001 die Wirksamkeit einer Vitrektomie auf ein Makulaödem in seiner retrospektiven Fallserie an 42 Augen mit einer intermediären Uveitis, 14 Augen mit einer chronischen Iridozyklitis bei juveniler rheumatoider Arthritis (JIA) und 12 Augen mit einer multifokalen Choroiditis. Die Patienten mit intermediärer Uveitis zeigten die besten anatomischen Ergebnisse mit einer partiellen oder kompletten Regression des Makulaödems in 59 % der operierten Augen.

In einem Literaturreview konnten bis 2005 alle Publikationen (n = 44, 1575 Patienten, 1762 Augen, 48 % mit intermediärer Uveitis) analysiert und verglichen werden. 26 Artikel berichteten über das Vorhandensein eins Makulaödems präoperativ und 32 Arbeiten postoperativ. Bei 68 % (708) der Augen wurde der Visus postoperativ gebessert, bei 12 % (124) verschlechtert und bei 20 % (202) blieb er unverändert. Ein bei 36 % der Augen präoperativ bestehendes Makulaödem verringerte sich auf 18 % postoperativ. Über eine Reduktion der systemischen immunsuppressiven Medikation konnte in 25 der 44 Arbeiten berichtet werden.

Diese retrospektiven Daten sind jedoch mit großer -Vorsicht anzusehen, weil

die publizierten Fallserien klein sind, Verlaufsuntersuchungen in unregelmäßigen Abstän-

-keine Kontrollgruppen vorhanden waren,

die Begleittherapie nicht standardisiert erfolgte, z. T. sehr heterogene Krankheitsbilder kombiniert

-beobachtet wurden,

die Visuserhebungen nicht standardisiert erfolgte, praktisch keine statistische Analyse durchgeführt

-wurde,

Einund Ausschlusskriterien oft schlecht definiert

-waren,

die Studien z. T. völlig unterschiedlich in Fragestellung, Methodik und Design waren.den erfolgten,

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

280 Kapitel 6  •  Therapie: Grundkonzepte

Erst nach 2005 sind prospektiv-randomisierte Pilotstudien erschienen. Quinones et al. verglichen an 18 Augen von 16 Patienten eine Standardimmunsuppression gegen Vitrektomie bei intermediärer Uveitis und zeigten ein besseres Ergebnis für Visus, Druck und Glaskörperinfiltration in der Vitrektomiegruppe: 82 % (9/11 Augen) PPV vs. 43 % (3/7) Immunsuppression. Drei Patienten hatten präoperativ ein Makulaödem, das durch die Vitrektomie komplett verschwand. Tranos et al. untersuchten 2006 in einer prospektiven, interventionellen, randomisierten, kontrollierten Pilotstudie die Wirksamkeit einer PPV auf ein bestehendes Makulaödem. Einbezogen wurden in die Studie 23 Augen von 23 Patienten mit einem inflammatorischen, therapierefraktären zystoiden Makulaödem bei chronischer intermediärer oder posteriorer Uveitis. Die Patienten wurden in 2 Therapiegruppen randomisiert: Vitrektomie (n = 12) vs. Immunsuppression (n = 11). Auch hier zeigte sich ein besseres Visusergebnis bei der chirurgisch behandelten Gruppe, wenngleich diese Verbesserung nicht immer angiographisch nachvollzogen werden konnte. Eine Sehschärfenverbesserung um 2 Zeilen 6 Monate nach Vitrektomie zeigte sich bei 50 %, aber nur in 18 % in der mit Immunsuppression behandelten Gruppe. Eine angiographische Verbesserung des zystoiden Makulaödems trat bei 33 % der Augen in der Vitrektomiegruppe und bei 14 % in der Immunsuppressionsgruppe auf. In dieser Pilotstudie mit kleiner Fallzahl ist die Nachbeobachtungszeit von 6 Monaten kurz. Präoperativ wurde nur für ein kurzes Zeitintervall eine Therapie mit oralen Kortikosteroiden durchgeführt. Über das Ausmaß der präoperativ bestandenen Glaskörpertrübung (Haze) wurde keine Aussage gemacht, ebenso wenig darüber ob ein Membranpeeling durchgeführt wurde oder nicht.

6.4.8Kombination Vitrektomie

mit intravitrealem Triamcinolon

Naheliegend erscheint es, zur Behandlung eines Makulaödems eine Vitrektomie mit einer intravitrealen Triamcinolongabe (IVTA) zu kombinieren. In einer retrospektiven Analyse von Triamcinolon-assistierten Vitrektomien an 6 Patienten mit einer proliferativen Vitreoretinopathie (PVR) bei therapierefraktärer Uveitis verschiedener Ätiologie und zusätzlicher 4 mg IVTA am Ende des Eingriffs bei 4/6 Patienten verbesserte sich die Sehschärfe in 4/6 Patienten, und in 6/6 war die postoperative Entzündungsaktivität vermindert. Gutfleisch et al. publizierten in einer retrospektiven Auswertung den Effekt einer Pars Plana Vitrektomie mit zusätzlicher intravitrealer Injektion von 4 mg Triamcinolon an 19 Augen mit therapierefraktärem, inflammatorischem zystoidem Makulaödem unterschiedlicher Ätiologie. Angiographisch verbesserte sich das Ma-

kulaödem bei 58 % der operierten Augen nach 6 Wochen. Der Visus stieg bei 42 % nach 3 Monaten und bei 28 % nach 12 Monaten an. Nach 12 Monaten war das Makulaödem bei 44 % weiterhin verbessert und nur bei 12 %. verschlechtert Typische Kortikosteroid-induzierte Nebenwirkungen traten bei 85 % der phaken Augen in Form einer zusätzlichen Linsentrübung auf. Ein erhöhter intraokularer Druck war bei 27 % nach 2 Wochen und bei 11 % nach 12 Monaten feststellbar.

Die zusätzliche IVTA scheint in den meisten Augen das zystoide Makulaödem zu verringern. Allerdings scheint dieser Effekt bei vielen Patienten temporär zu sein und mit den typischen Nebenwirkungen einherzugehen.

6.4.9 Besonderheit: Kindliche Uveitis

Garweg et al. veröffentlichten 2007 ein Literaturreview und eine eigene Fallserie mit 29 vitrektomierten Augen von Kindern mit Uveitis. In dieser Serie wurde eine Reduktion des Makulaödems von 36 % auf 6.9 % erreicht mit entsprechender Verbesserung der Sehschärfe bei 79.1 % der Fälle. Die Kortikosteroid-Behandlung konnte ebenfalls von präoperativ 80 % der Fälle auf 30 % und die immunsuppressive Therapie von 30 % auf 10 % der Patienten reduziert werden.

Giuliari et al. publizierten 2010 eine retrospektive Studie, bei der 28 Augen von 20 Patienten mit aktiver Uveitis (mittleres Alter zum Operationszeitpunkt 11,2 Jahre) mit oder ohne Immunsuppression operiert wurden (14 % wurde gleichzeitig Katarakt-operiert). Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 13,5 Monate. 96 % der operierten Augen (27/28) zeigten eine kontrollierte Entzündung mit oder ohne zusätzlicher Immunsuppression, die nur moderat gesenkt werden konnte. Durch die Operation konnte nur eine milde Reduktion der systemischen immunmodulierenden Therapie erreicht werden. Bei 14 % (n = 4) war es möglich, eine Intraokularlinse zu implantieren.

Die Datenlage zur Vitrektomie bei kindlicher Uveitis ist nur sehr eingeschränkt. Insbesondere die bei Kindern sehr fest adhärente hintere Glaskörpergrenzmembran erschwert den Eingriff deutlich. Wong & Capone untersuchten hierzu kürzlich zusätzliche Gaben von intravitrealem Ocriplasmin, um mithilfe der pharmakologischen Vitreolyse den Eingriff zu erleichtern Die Entscheidung und Durchführung sollte spezialisierten Zentren vorbehalten sein.

6.4.10 Zusammenfassung

-Eine Vitrektomie scheint für viele definierte Situationen bei intraokularen Entzündungen ein wirksamer Ansatz zu sein.