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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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6.1  •  Prinzipien (engl. therapy, principle concepts)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ben gezeigt, dass das Rezeptorkonstrukt Etanercept deutlich

die viralen als auch die parasitären Infektionen als granu-

 

weniger wirksam ist, als der Antikörper Adalimumab und

lomatöse anteriore Uveitis und/oder retinale Nekrose. Für

 

möglicherweise sogar bestimmte Autoimmunerkrankungen

diese Erreger gilt, dass sie zuvor klinisch inapparent gewe-

 

(z. B. MS, NNO oder Uveitis) induzieren kann. Der chimäre

sen sein können und unter Immunsuppression erstmals

 

Antikörper Infliximab enthält erhebliche Anteile murinen

klinische Symptome verursachen. So kann eine Toxoplas-

 

Ursprungs, die zu akuten Infusionsreaktionen und einem

mose-Chorioretinitis erstmals beim immunsupprimierten

 

Wirkungsverlust durch Bildung neutralisierender Antikör-

Erwachsenen auftreten, ohne dass zuvor chorioretinale

 

per gegen den Maus-Anteil bei wiederholten Infusionen

Narben vorhanden waren. Bakterielle Erreger verursachen

 

führen können. Aktuell werden mit Adalimumab Phase-III

bei immunsupprimierten Personen häufiger eine Endoph-

 

Studien bei Uveitispatienten durchgeführt.

thalmitis, als bei immunkompetenten (Ness et al. 2007).

 

Antikörper gegen CD20

Da die entzündlichen Begleitreaktionen bei Immunsuppri-

 

mierten alteriert sind und das klinische Bild verändern, ist

 

CD20 ist ein Molekül, das auf den Oberflächen von reifen B-

eine besonders sorgfältige und umfangreiche Diagnostik

 

Zellen exprimiert ist. Zwar werden B-Zellen üblicherweise

erforderlich, die möglichst den direkten Erregernachweis

 

mit Antikörperproduktion in Verbindung gebracht, aber

oder spezifische Antikörper aus dem Auge anstrebt. Die

 

sie spielen auch bei der Antigenpräsentation für T-Zellen

Serologie aus dem peripheren Blut ist i. d. R. wenig aussa-

 

und somit der Aktivierung einer Immunantwort eine Rolle.

gekräftig. Verlässliche Daten über die Häufigkeit solcher

 

Als Antikörper gegen CD20 wird in der Klinik Rituximab

Ereignisse liegen nicht vor.

 

eingesetzt, das bisher nur bei wenigen Uveitispatienten mit

Neuinfektionen unter Immunsuppression

 

M. Behçet und JIA-Uveitis zur Anwendung gekommen ist.

 

Ausblick

Immunsupprimierte sind für jegliche Infektionen, vor

 

allem Systeminfektionen, anfälliger, als nicht immunsup-

 

Möglicherweise werden in Zukunft weitere Biologika einen

primierte Personen. Dies betrifft besonders die Nasenne-

 

Stellenwert in der Uveitistherapie erhalten. Dazu gehören

benhöhlen, Atemwege und das Urogenitalsystem. Da die

 

Antikörper gegen IL-1, IL-2 oder IL-6 bzw. natürliche IL-

entzündlichen Begleitreaktionen (Abgeschlagenheit, Mü-

 

1-Rezeptorantagonisten (Anakinra) und ein Rezeptorkon-

digkeit, Fieber etc.) unterdrückt sind, können Infekte leicht

 

strukt gegen das co-stimulatorisch wirkende CTLA-4. Sie

übersehen werden und sich untypisch darstellen, wodurch

 

werden im Rahmen dieses Kapitels nicht weiter besprochen.

die Diagnostik erschwert wird.

 

 

 

Tumorund Gesamtmortalität unter

 

6.1.4 Nebenwirkungen

Immunsuppression

 

 

 

Das Immunsystem ist auch für die Abwehr von Tumoren

 

 

 

 

Die Immunsuppressiva sind als Substanzklasse grund-

bedeutend. Daher steigt unter Immunsuppression grund-

 

sätzlich mit den zwei wichtigen Nebenwirkungen der er-

sätzlich die tumorbedingte Mortalität.

 

höhten Infektanfälligkeit und einer erhöhten Tumorrate

 

 

 

 

 

belastet (.Tab.6.4). Im Vergleich zur Therapie der Trans-

>> Es gibt allerdings auch Ausnahmen (Methotrexat,

 

plantatabstoßung oder rheumatischer Systemerkrankun-

Mycophenolat, Ciclosporin A), die damit erklärt

 

gen scheinen beide Nebenwirkungen bei der Uveitisthera-

werden, dass diese Wirkstoffe selbst eine antiprolife-

 

pie offenbar seltener aufzutreten, wahrscheinlich bedingt

rative Wirkung auf Lymphozyten haben. So wird z. B.

 

durch eine kürzere Therapiedauer (  Abschn.4.2).

MTX zur Lymphomtherapie eingesetzt, bei allerdings

 

viel höheren Dosierungen.

Infektanfälligkeit

Zu klinisch bedeutsamen Infektionen unter immunsuppressiver Therapie kann es grundsätzlich durch zwei verschiedene Mechanismen kommen:

1.Aktivierung einer latenten Infektion

2.Neuinfektion

Reaktivierung vorhandener Erreger

Dazu gehören vor allem die Viren der Herpesfamilie (HSV, VZV, CMV, EBV), Toxoplasma gondii und zunehmend Mycobacterium tuberculosis (Eid et al. 2008; Rohrbach et al. 2004; Holland 1989). Im Auge manifestieren sich sowohl

Die Gesamtmortalität berücksichtigt alle Todesursachen und ist in .Tab.6.5 dargestellt.

In den großen Indikationsbereichen Transplantation und Rheumatologie sind die Risiken hierfür gut untersucht. Für die Therapie okulärer Entzündungen sind erst in den letzten Jahren von der Arbeitsgruppe um Kempen (Kempen et al. 2009) retrospektive Auswertungen für die verschiedenen Wirkstoffe publiziert worden, die in .Tab.6.5 zusammengefasst sind. Sie zeigen, dass in diesem Indikationsgebiet die schweren Nebenwirkungen seltener sind, als bei Transplantation oder rheumatischen Erkrankungen.

260Kapitel 6  •  Therapie: Grundkonzepte

1.. Tab. 6.5  Anwendungsdauer verschiedener Substanzklassen, tumorbedingte und Gesamtmortalität verschiedener Immunsuppressiva bei der Therapie okulärer Entzündungen. (Modifiziert nach Kempen et al. 2009).

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Substanzklasse, Wirkstoff

Median der Therapiedauer*

Tumor-bedingte Mortalität

Gesamt-Mortalität

 

Jahre (25.–75. Perzentile)

Hazard-Ratio (95 % Konfidenzin-

Hazard-Ratio (95 % Konfidenz­

 

 

tervall)**

intervall)**

Alle Antimetabolite

1,4 (0,5–2,7)

0,89

(0,54–1,48)

1,08 (0,86–1,37)

Azathioprin

1,13

(0,60–2,14)

0,99 (0,72–1,38)

Methotrexat

0,89

(0,48–1,63)

1,02 (0,78–1,34)

Mycophenolat

0,83

(0,20–3,52)

0,90 (0,48–1,68)

Alle T-Zellinhibitoren

1,5 (0,4–3,5)

0,78

(0,38–1,59)

0,81 (0,59–1,11)

Ciclosporin A

0,82

(0,40–1,67)

0,79 (0,57–1,10)

Alle Alkylantien

0,9 (0,3–1,6)

1,74

(0,91–3,32)

1,17 (0,85–1,61)

Cyclophosphamid

1,61

(0,81–3,22)

1,14 (0,81–1,60)

Alle TNF-Inhibitoren

1,2 (0,4–2,0)

3,83

(1,13–13,01)

1,99 (1,00–3,98)

Infliximab

2,95

(0,40–21,83)

2,44 (0,90–6,62)

Systemische Kortikosteroide

1,02

(0,72–1,45)

1,13 (0,96–1,33)

*Daten zum Median der Therapiedauer sind für die Substanzklassen, nicht aber für die einzelnen Wirkstoffe gezeigt.

**Hazard-Ratio: Risikoverhältnis im Vergleich zu Personen ohne immunsuppressive Therapie. Adjustiert für Alter, Rasse, Geschlecht, Raucherstatus, anatomische Entzündungslokalisation, Seitigkeit der okulären Entzündung, Charlson Index Score (Komorbidität)

Mehrere Ursachen können dazu beitragen:

1.Patienten mit einer okulären Entzündung haben selten eine systemische Erkrankung, die – wie z. B. bei der rheumatoiden Arthritis – ohnehin erhöhte Risiken für Malignome und Infektionen tragen.

2.Für die Transplantation solider Organe konnte gezeigt werden, dass sich besonders im Transplantat Tumore wie Lymphome entwickeln können. Als Ursache wird u. a. diskutiert, dass eine chronische, latente Abstoßungsreaktion lokal Lymphozyten stimuliert, die im Verlauf malige entarten.

3.Die Dauer der Immunsuppression (.Tab.6.5) ist bei okulären Entzündungen deutlich kürzer, als bei den anderen wichtigen Indikationsgebieten.

Therapieüberwachung

Eine immunsuppressive Therapie muss auf jeden Fall internistisch überwacht werden.

Es müssen die substanzspezifischen Nebenwirkungen kontrolliert werden. Hierfür hat die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie Therapieüberwachungsformulare herausgegeben (http://dgrh.de/therapieueberwachen.html), die ständig aktualisiert werden und Hinweise für Arzt und Patienten enthalten (DGRH 2013). Obwohl bei diesen Formularen die Rheumatherapie im Mittelpunkt steht, haben sie im Hinblick auf die Kontrollen der Therapienebenwirkungen auch für die Uveitis Gültigkeit.

6.2Medikamentöse Therapie

aus rheumatologischer Sicht (engl. medical treatment, rheumatology)

I. Kötter

6.2.1 Einleitung

In der Rheumatologie gab es in den letzten 15 Jahren bahnbrechende Weiterentwicklungen in der Therapie. Insbesondere ist hier die Entwicklung der Biologika zu nennen, meist monoklonale Antikörper, die gegen spezifische Oberflächenrezeptoren von Zellpopulationen oder gegen proinflammatorische Zytokine gerichtet sind. Sog. „small molecules“, im Gegensatz zu den Biologika oral zu applizierende immunmodulatorische Substanzen, sind momentan in der Entwicklung. In erster Linie handelt es sich dabei um Tyrosinkinaseinhibitoren, die zentral in die Signaltransduktion der Zytokine eingreifen und deren Produktion hemmen. Seit 1950 stehen Glukokortikosteroide als breit wirkende Immunsuppressiva zur Verfügung, ab 1960 wurden die nicht-steroidalen Antirheumatika entwickelt, die, wie man heute weiß, allenfalls bei den Spondyloarthritiden ein Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder Remissionen induzieren können. Sulfasalazin wurde bereits in den 1940er Jahren entwickelt, fand aber erst viel später seinen Weg zurück in die Behandlung der Arthritiden. Im weiteren Verlauf kamen aus der Trans-

261

6

 

6.2  •  MedikamentöseTherapie aus rheumatologischer Sicht (engl. medical treatment, rheumatology)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steroide

 

 

Sulfasalazin

 

 

CSA

 

 

HDCT

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1930–40

1950

1960

1970

1980

1983

1990

1995

1998+

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gold,

 

 

NSAR

 

 

MTX

 

 

Kombi

 

 

Biologika

 

 

Penicillamin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hydroxy-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

chloroquin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LEF, MMF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 6.1NSAR: nicht-steroidale Antirheumatika. MTX: Methotrexat. CSA: Ciclosporin A, Kombi: Kombinationstherapien, LEF: Leflunomid, MMF: Mycophenolat Mofetil, HDCT: Hochdosis-Chemotherapie

.. Tab. 6.6  Die wichtigsten DMARDs im Überblick

Substanz

Zeit bis zum Wirkeintritt

Dosis, Applikation

Potential für Toxizität

MTX

1–2 Monate

10–30 mg p. o. oder s. c./WOCHE

Moderat

HCQ

2–6 Monate

2

× 200 mg p. o. tgl. (gewichtsadaptiert)

Niedrig

SSZ

1–3 Monate

2

×1000 mg p. o. tgl.

Niedrig

LEF

4–12 Wochen

20 mg p. o. tgl

Moderat

CSA

2–4 Monate

3 mg/kg KG p. o. tgl.

Moderat

AZA

2–3 Monate

2 mg/kg KG p. o. tgl.

Moderat

MTX: Methotrexat; HCQ: Hydroxychloroquin; SSZ: Sulfasalazin; LEF: Leflunomid; CSA: Ciclosporin A; AZA: Azathioprin; p. o.: per os; s. c.: subcutan

plantantionsmedizin und der Hämatoonkologie weitere

Drugs, NSAR). Die dritte Gruppe Therapeutika sind die

Medikamente hinzu, wie das Methotrexat, das heute als

vorgenannten Biologika, gefolgt von den kleinen Molekü-

Goldstandard zur Therapie der Rheumatoiden Arthritis

len (small molecules).

(RA) gilt sowie Ciclosporin A, Azathioprin, Cyclophos-

Die DMARDs sind in .Tab.6.6 aufgeführt. Hier sieht

phamid und Mycophenolat. Leflunomid, ein oral einzu-

man deutlich, dass sie sich vor allem im Wirkungseintritt

nehmendes Immunsuppressivum, hemmt die Lymphozy-

unterscheiden.

tenproliferation und wurde gezielt zur Therapie der RA

In .Tab.6.7 finden sich die Biologika im Vergleich.

entwickelt. Kürzlich wurde mit Belimumab das erste zur

Neben Unterschieden im Wirkmechanismus ist auch die

Therapie des systemischen Lupus erythematodes zugelas-

Applikationsform und -häufigkeit unterschiedlich.

sene Biologikum und mit Rituximab das erste Biologikum

Im Folgenden soll auf die wichtigsten DMARDs näher

zur Therapie einer Vaskulitis, der Granulomatose mit Po-

eingegangen werden.

lyangiits (Wegener) eingeführt. In den USA ist der erste

 

Tyrosinkinaseinhibitor, Tofacitinib, zur Behandlung der

6.2.2 Die wichtigsten

MTX-refraktären RA zugelassen worden – die Zulassung

in Europa lässt aufgrund Bedenken bezüglich der Neben-

krankheitsmodifizierenden

Therapeutika (DMARD)

wirkungen noch auf sich warten. Eine Übersicht über die

 

Entwicklungen findet sich in .Abb.6.1.

 

Glukokortikosteroide

Von krankheitsmodifizierenden Medikamenten (Di-

sease Modifying Antirheumatic Drugs, DMARDs) spricht

Die Glukokortikosteroide haben nach wie vor einen

man in der Rheumatologie in Bezug auf die RA. Gemeint

sehr großen Stellenwert in der Behandlung entzündlich-

sind Präparate, die eine so grundlegende Beeinflussung

rheumatischer Systemerkrankungen. Sie haben eine sehr

der Krankheitsaktivität erreichen, dass das Fortschreiten

breite immunsupprimierende Wirkung. So hemmen sie

der Erkrankung verlangsamt oder gar verhindert wird.

diverse proinflammatorische Zytokine über die Inhibi-

Hierin unterscheiden sich die DMARDs von den nicht-

tion von NFkB, ebenso die Leukotrienund Histamin-

steroidalen Antirheumatika (Nonsteroidal Antirheumatic

ausschüttung. Sie regulieren Adhäsionsmoleküle, hem-

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.. Tab. 6.7  Zugelassene Biologika im Überblick (Stand 06/2013)

 

Infliximab

Etaner-

Adali-

Certolizumab Pegol

Goli-

Abatacept

Rituximab

Toci-

Beli-

 

 

cept

mumab

 

mumab

 

 

lizumab

mumab

Molekül

Chimärer monoklo-

Humanes

Humaner

Humanisiertes PEGyliertes

Humaner

Humanes Fusions-

Chimärer monoklonaler

Huma-

Humaner

 

naler Antikörper

Fusions-

mono-

Fab-Fragment

mono-

protein

Antikörper

nisierter

mono-

 

 

protein

klonaler

 

klonaler

 

 

mono-

klonaler

 

 

 

Antikörper

 

Antikör-

 

 

klonaler

Antikörper

 

 

 

 

 

per

 

 

Antikör-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

per

 

Target

TNF-alpha

TNF-alpha

TNF-alpha

TNF-alpha

TNF-

T-Zelle

B-Zelle

IL-6 Re-

BLyS

 

 

 

 

 

alpha

 

 

zeptor

 

Fc-Kompo-

Vorhanden

Vorhan-

Vorhanden

Fc frei

Vorhan-

Vorhanden

Vorhanden

Vorhan-

Vorhan-

nente

 

den

 

 

den

 

 

den

den

Initialthe-

Ja

Ja

Ja

rapie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dosierung

Induktion: 3 mg/

1 × 50 mg

40 mg s. c.

Induktion: 400 mg s. c. in

50 mg

Induktion: 10 mg/

2 Infusionen a 1000 mg i.v.

8 mg/kg

10 mg/kg

 

kg in Woche 0,2,6,

s. c./Wo-

alle 2 Wo-

Woche 0,2,4, dann 200 mg

s. c. alle

kg i.v.in Woche

im Abstand von 2 Wochen,

monat-

Tag 0,14

 

dann 3–7,5 mg/

che oder

chen

alle 2 Wochen

4 Wochen

0,2,4, dann 10 g/kg

bei GPA 4 × 375 mg/m2

lich

und 28,

 

kg alle 8 Wochen,

2 × 25 mg

 

 

 

monatlich; 125 mg

wöchentlich. Wiederho-

 

dann alle

 

alternativ 3 mg/kg

s. c./Wo-

 

 

 

s. c. wöchentlich

lung bei RA alle 6 Monate

 

4 Wochen

 

alle 4 Wochen

che

 

 

 

 

empfohlen

 

 

Applika-

Intravenös über

Subkutan

Subkutan als

Subkutan als Fertigspritze

Subkutan

Intravenös über

Intravenös über

Intrave-

Intrave-

tion

120 Min.

als Fer-

Fertigspritze

 

als Fertig-

30 Min., subkutan

195–255 Min.

nös über

nös über

 

 

tigspritze

oder PEN

 

spritze

als Fertigspritze

 

60 Min.

60 Min.

 

 

oder PEN

 

 

oder PEN

 

 

 

 

Zulassung/

RA, PsA, AS, PSO,

RA, PsA,

RA, PsA, AS,

RA

RA, PsA,

RA, JiA

RA, NHL, CLL

RA, JiA

SLE

Indikation

MC,CU,juv. MC,

AS, JIA,

JIA,P SO,

 

AS

 

 

 

 

 

juv. CU

PSO, juv.

MC, CU

 

 

 

 

 

 

 

 

P, juv. PsA

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SO

 

 

 

 

 

 

 

Monothe-

Nein

Ja

Ja

Ja

Nein

Nein

Nein (nur bei GPA/MPA)

Ja

Ja

rapie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zulassung

08/1999

02/2000

09/2003

10/2009

10(2009

05/2007

03/2006; 05/2013

02/2009

03/2011

seit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fachin-

März 2012

Juli 2012

August 2012

September 2012

Juni 2012

Oktober 2012 s. c.,

Juni 2012, Juni 2012 (AAV

Juli 2012

März 2013

formation

 

 

 

 

 

März 2012

 

 

 

Stand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grundkonzepte Therapie:  •  6 Kapitel 262

263

6

 

6.2  •  MedikamentöseTherapie aus rheumatologischer Sicht (engl. medical treatment, rheumatology)

men die Lymphozytenfunktionen und induzieren deren Apoptose, und sie hemmen die Leukozytenmigration. Leider haben die Glukokortikoide erhebliche Nebenwirkungen, sodass sich ihr Einsatz heute hochdosiert auf die Behandlung akuter und bedrohlicher Zustände, vor allem bei Kollagenosen und Vaskulitiden, beschränkt sowie auf die überbrückende mittelhochdosierte Therapie der anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bis zum Wirkungseintritt der DMARD oder BiologikaTherapie. Die einzige Entität, die in der Rheumatologie oft ausschließlich mit Glukokortikoiden behandelt wird, ist die Polymyalgia rheumatica (PMR), manchmal auch die damit oft assoziierte Großgefäßvaskulitis (Riesenzellarteriitis, RZA). Die Cushing-Schwelle liegt bei 7,5 mg Prednisolonäquivalent, darüber ist mit einer Osteoporose zu rechnen. Hier wird dann prophylaktisch die Gabe von 1000 iE Vitamin D3 empfohlen. Die zusätzliche Gabe von Calcium wird heute nicht mehr praktiziert, da neben einem erhöhten kardiovaskulären Risiko auch kein sicherer Zusatznutzen besteht.

Azathioprin (AZA)

Azathioprin ist ein Antimetabolit, der aus der Transplantationsmedizin in die Rheumatologie übernommen wurde. Es ist seit 1961 im Einsatz und für ein breites Spektrum entzündlich-rheumatischer und Autoimmunerkrankungen zugelassen. Es wird über mehrere aktive 6-Thioguaninmetabolite, die als Purinantagonisten fungieren, in die inaktive 6-Thioharnsäure umgewandelt. 0,3 % aller Menschen haben eine verringerte Aktivität des für diese Umwandlung erforderlichen Enzyms Thiopurin-Methyltransferase (TPMT), was dazu führt, dass es vermehrt zu hämatotoxischen Nebenwirkungen kommt. In der Rheumatologie wird AZA am häufigsten bei Kollagenosen und Vaskulitiden als Erhaltungstherapie nach erfolgreicher Remissionsinduktion, z. B. mit Cyclophosphamid, eingesetzt bzw. bei milderen Verläufen auch als Primärtherapie. Hier sind vor allem der Systemische Lupus Erythematodes (SLE) und der Morbus Behcet (MB) zu nennen. Die übliche Dosis beträgt 2 mg/kgKG, bei TPMT Polymorphismus muss die Dosis reduziert werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass Patienten unter AZA nicht gleichzeitig Allopurinol einnehmen, da hierdurch die Spiegel der aktiven AZA Metaboliten unkontrollierbar erhöht werden, mit der Folge von Nebenwirkungen (Zytopenien und Leberwerterhöhungen).

Methotrexat (MTX)

MTX ist ein Folsäureantagonist, der aus der Hämatoonkologie in die Rheumatologie übernommen wurde. Die in der Rheumatologie übliche Dosis liegt bei 10–30 mg/Wo- che oral oder subkutan. Die Bioverfügbarkeit ist subkutan

besser, sodass hierdurch ggf. eine Wirkverstärkung erreicht werden kann.

>> MTX ist das DMARD der ersten Wahl bei der Rheumatoiden Arthritis und der juvenilen idiopathischen Arthritis.

Zugelassen ist es auch für die Psoriasis und Arthritis psoriatica. Es vermag Remissionen zu induzieren und die Progression aufzuhalten. Es dient auch als Kombinationspartner für andere Therapien, vor allem DMARD und verschiedene Biologika, die nur in Kombination mit MTX zugelassen sind. Dies zum einen, weil nachgewiesener Maßen hierdurch eine bessere Wirkung erzielt werden kann zum anderen, weil eine Bildung antiidiotypischer Antikörper mit konsekutivem Wirkverlust der Biologika hierdurch vermindert wird. Als „off-label“ Therapie wird MTX zum Beispiel auch bei der Riesenzellarteriitis und der PMR sowie bei der GPA eingesetzt. Für diese Entitäten ist die Evidenzlage relativ gut. Am Tag nach MTX sollten maximal 50 % der applizierten MTX-Dosis mit Folsäure substituiert werden, um Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Schwindel, Schleimhautulzera, Diarrhoen, Kopfschmerzen, Leberwerterhöhungen, zu verhindern. Im Allgemeinen ist MTX gut verträglich.

>> Aufgrund seiner Teratogenität sollte MTX keinesfalls während einer Schwangerschaft gegeben werden und ist 4 Monate vor Eintreten einer Schwangerschaft abzusetzen.

Leflunomid (LEF)

Leflunomid ist ein Pyrimidinantagonist. Es hemmt die Dihydroorotatdehydrogenase und somit die Lymphozytenproliferation, insbesondere aktivierter T-Lymphozyten. Es ist zur Therapie der RA (seit 1999) und der Arhtritis Psoriatica (PsorA) zugelassen. Eine häufige off-label Anwendung ist die Remissionserhaltung bei GPA, basierend auf einer Studie von Metzler et al.

Die übliche Dosis liegt bei 20 mg täglich peroral. Es wird in der Leber rasch zu Teriflunomid umgewandelt und je zur Hälfte renal und hepatobilär eliminiert. Die Halbwertszeit der Substanz ist extrem lang, kleine Mengen können sogar über Monate nachgewiesen werden. Bei Auftreten schwerer Nebenwirkungen oder Eintreten einer Schwangerschaft (auch LEF ist teratogen), muss LEF mit Cholestyramin „ausgewaschen“ werden, Gleiches gilt aufgrund der häufig zu beobachtenden Wundheilungsstörungen auch für größere elektive operative Eingriffe. Häufige Nebenwirkungen sind Leberwerterhöhungen, eine arterielle Hypertonie und eine Polyneuropathie. Beim Auftreten Letzterer muss das LEF ebenfalls ausgewaschen und dauerhaft abgesetzt werden.

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264 Kapitel 6  •  Therapie: Grundkonzepte

Antimalariamittel, Hydroxychloroquin/ Chloroquin (HCQ, CQ)

Hierbei handelt es sich um 4-Aminoquinolone. Diese reichern sich im lyosomalen Kompartiment, vor allem von Monozyten und Makrophagen, an und blockieren so vermutlich die Antigenpräsentation. Diese immunmodulierenden Effekte stellen sich erst nach 6 Monaten ein. HCQ und CQ sind für die Therapie der RA und für die JIA zugelassen, außerdem für mildere Manifestationen des SLE (vor allem Arthritis und Haut). In den letzten Jahren wird der Einsatz von HCQ beim SLE für alle Patienten favorisiert, da auch der Verlauf von Schwangerschaften sowie Gerinnungsproblemen bei SLE günstig beeinflusst wird. Auch eine Verbesserung des bei SLE erhöhten kardiovaskulären Risikos wird diskutiert. Hydroxychloroquin scheint insgesamt besser verträglich zu sein, insbesondere führt es seltener zu den gefürchteten okulären Nebenwirkungen. Die übliche Dosis von HCQ beträgt 2 × 200 mg, es wird allerdings gewichtsadaptiert dosiert.

Sulfasalazin (SSZ)

Hier handelt es sich um eine Azo-Verbindung zwischen Sulfapyridin und 5-Aminosalicylsäure, die im Darm in die beiden Einzelkomponenten gespalten wird. Beide haben immunmodulatorische Effekte: sie hemmen proinflammatorische Zyokine, induzieren eine Apoptose von Lymphozyten, und Sulfapyridin wirkt auch als Folsäureantagonist. Es ist zur Behandlung der RA, JIA sowie der Spondyloarthritiden (SPA) mi peripherer Gelenkbeteiligung zugelassen. Es hat eine schubvermindernde Wirkung auf die HLA-B27 assoziierten anterioren Uveitiden. Wesentliche Nebenwirkungen sind Leukopenien, Leberwerterhöhungen, Allergien (Sulfonamid!) und eine passagere Hemmung der Spermatogenese. Die übliche Dosis (einschleichend) liegt bei 2 × 1000 mg p. o.

Mycophenolsäure und Mycophenolat Mofetil (MPA, MMF)

Dies sind Purinantagonisten, die vor allem in der Transplantationsmedizin zur Verhinderung von Organabstoßungen eingesetzt werden. Es wird die Inosin-Mono- phosphat-Dehydrogenase gehemmt (IMP), die für die Neusynthese von Guanosin wichtig ist. Aktivierte T-Lym- phozyten sind auf Guanosin angewiesen. Die Lymphozytenaktivität wird durch MPA massiv unterdrückt. Die übliche Dosis von MMF beträgt 2–3 × 1000 mg p. o., die von MPA 2 × 720 mg. Zugelassen sind beide in der Rheumatologie leider nicht, es gibt aber eine Evidenzlage Level A für eine gute Wirksamkeit bei Lupus-Nephritis, sodass dies auch von den europäischen und amerikanischen Nephrologenverbänden trotz fehlender Zulassung nun als Einsatzgebiet empfohlen ist. MPA ist teratogen, weitere

häufige Nebenwirkungen sind bei MMF Diarrhoen (dies kann oft durch Umstellung auf MPA beherrscht werden) und Leberwerterhöhungen.

Cyclophosphamid (CYC)

CYC ist ein Alkylans, das ebenfalls aus der Hämatoonkologie in die Rheumatologie übernommen wurde. Es ist für sämtliche Autoimmunerkrankungen mit „bedrohlichem Verlauf“ offiziell zugelassen (was daran liegt, dass die Zulassung bereits vor einigen Jahrzehnten erfolgte, als man damit noch deutlich unkritischer war, als heute). Haupteinsatzgebiet in der Rheumatologie sind die schweren Verlaufsformen von Kollagenosen und Vaskulitiden, insbesondere die GPA mit Nierenoder Lungenbeteiligung, der SLE mit Nierenoder ZNS Beteiligung sowie die Systemsklerose mit Lungenbeteiligung. Die heute üblichen Dosierungsschemata sind entweder 750 mg/m2 alle 3 Wochen i. v. (Austin Schema), 15 mg/kg KG alle 2 Wochen i. v. (CYCLOPS-Studie) oder 500 mg absolut alle 2 Wochen i. v. (EURO Lupus Schema). Die perorale Gabe von 2 mg/kg KG tgl. (FAUCI Schema) wurde aufgrund der hohen Kumulativdosen und des damit verbundenen hohen Sekundärmalignomrisikos weitestgehend verlassen. Haupt-Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen, die Zytopenie sowie eine Urotoxizität (hämorrhagische Zystitis). Diese ist durch den Metaboliten Acrolein bedingt, protektiv kann der Radikalfänger Mesna gegeben werden. Als kritische Kumulativdosis bezüglich der Entwicklung von Sekundärmalignomen werden 30 g betrachtet.

Ciclosporin A (CSA)

CSA ist ein Calicneurininhibitor. Bei schlechter oraler Bioverfügbarkeit wird es als Mikroemulsion verabreicht. Es kam aus der Transplantationsmedizin in die Rheumatologie. Eine ähnliche Substanz ist das Tacrolimus, das in der Rheumatologie aber nicht zugelassen ist. CSA hemmt spezifisch die T-Lymphozyten. Es verhindert die Dephosphorylierung eines Faktors, der zur Aktivierung des IL-2 Gens erforderlich ist, sodass die CSA behandelten Lymphozyten durch Antigene nicht mehr stimuliert werden können. CSA ist in der Rheumatologie zur Behandlung der schweren RA, der Psoriasis sowie der Uveitis (auch explizit bei Morbus Behcet) zugelassen. Es wird relativ häufig zur Behandlung schwererer Manifestationen des M. Behcet eingesetzt. Die übliche Dosis beträgt 3 mg/kg KG. Häufige Nebenwirkungen sind Lanugobehaarung, Gingivahyperplasie, Niereninsuffizienz, arterielle Hypertonie.