Добавил:
kiopkiopkiop18@yandex.ru t.me/Prokururor I Вовсе не секретарь, но почту проверяю Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:
Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
28.03.2026
Размер:
22.24 Mб
Скачать

253

 

6

 

 

 

 

 

Therapie: Grundkonzepte

M. Becker, A. Chronopoulos, I. Kötter, S. Michels, U. Pleyer, D.J. Salchow, S. Thurau

6.1Prinzipien (engl. therapy, principle concepts)  –  255

6.1.1Einleitung  –  255

6.1.2Therapieprinzipien bei infektiöser Uveitis  –  255

6.1.3Therapieprinzipien bei nichtinfektiöser Uveitis  –  255

6.1.4Nebenwirkungen  –  259

6.2

Medikamentöse Therapie aus rheumatologischer Sicht

 

(engl. medical treatment, rheumatology)  –  260

6.2.1

Einleitung  –  260

6.2.2

Die wichtigsten krankheitsmodifizierenden

 

Therapeutika (DMARD)  –  261

6.2.3

Zusammenfassende Darstellung der Biologika  –  265

6.2.4

Beispiele von Behandlungsalgorithmen in der Rheumatologie  –  266

6.2.5

Empfohlene Kontrollen, Therapiemerkblätter  –  267

6.3

Operative Behandlung des uveitischen Glaukoms

 

(engl. Glaucoma, surgery, uveitis)  –  267

6.3.1Definition und Geschichte  –  267

6.3.2Epidemiologie  –  267

6.3.3Ätiologie und Pathogenese  –  268

6.3.4Winkelblockglaukome  –  269

6.3.5Konservative Behandlung  –  269

6.3.6Perioperative Therapie  –  271

6.3.7Indikationen zur Operation  –  271

6.3.8Operationsmethoden  –  271

6.3.9Uveitisches Glaukom bei Kindern  –  273

6.3.10Zusammenfassung  –  273

6.4Vitrektomie bei intraokularen Entzündung

(engl. vitrectoms, pars plana vitrectomy (PPV))–  274

6.4.1Einleitung  –  274

6.4.2Grundsätzliche Überlegungen  –  274

6.4.3Indikation zur Vitrektomie  –  274

6.4.4Diagnostische Vitrektomie  –  275

6.4.5Therapeutische Vitrektomie  –  278

U. Pleyer (Hrsg.), Entzündliche Augenerkrankungen,

DOI 10.1007/978-3-642-38419-6_6, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

6.4.6Kombinationsmöglichkeiten: Linsenaustausch und Glaskörperentfernung  –  278

6.4.7Therapie des Makulaödems durch Vitrektomie  –  279

6.4.8Kombination Vitrektomie mit intravitrealem Triamcinolon  –  280

6.4.9Besonderheit: Kindliche Uveitis  –  280

6.4.10Zusammenfassung  –  280

Literatur  –  281

6.1  •  Prinzipien (engl. therapy, principle concepts)

6.1Prinzipien (engl. therapy, principle concepts)

S. Thurau

6.1.1 Einleitung

Die moderne Therapie der Uveitis begann in den fünfziger Jahren mit der oralen und topischen Therapie mit Kortikosteroiden (Gordon and McLean 1950). Später kamen die periund intraokularen Applikationsformen dazu. Mit der zunehmenden Kenntnis um die Nebenwirkungen, v. a. bei systemischer Anwendung, wurden steroidsparende Immunsuppressiva eingeführt. Hier stehen vor allem Azathioprin, Methotrexat, Ciclosporin A und die Mycophenolate im Vordergrund. Erst seit Ende der neunziger Jahre wurden auch für die Uveitistherapie zunehmend Biologika wie Interferon-α, TNF (Tumor-Nekrose-Faktor)-Blocker, anti-B-Zell-Antikörper und anti-Interleukin- bzw. anti- Interleukinrezeptor-Antikörper eingesetzt.

Untersuchungen zur Pathogenese der Uveitis ergaben auch Hinweise auf verschiedene bakterielle und virale Erreger. Daraus leiteten sich sehr schnell entsprechende antibiotische bzw. virustatische Therapien ab.

>> Trotz all dieser Fortschritte stellt eine Uveitis weiterhin eine signifikante Bedrohung des Sehvermögens dar. In den entwickelten Ländern ist sie für etwa 5–20 % der Erblindungen ursächlich (Krumpaszky and Klauss 1996; Suttorp-Schulten and Rothova 1996; Rothova et al. 1996).

Der wesentliche Grund hierfür sind die Nebenwirkungen der zurzeit verfügbaren Medikamente zur Behandlung von Uveitis. Sie begrenzen sowohl die Zeitdauer als auch die Dosierung einer für den Erhalt des Sehvermögens erforderlichen Therapie.

Leitlinien zur systemischen Therapie der nichtinfektiösen Uveitis sind bereits 2005 von der „Standardization of Uveitis Nomenclature-Group“ (SUN) auf der Basis einer Publikation von Jabs veröffentlicht worden (Jabs et al. 2005; Jabs et al. 2000). Hierin werden u. a. Empfehlungen zur systemischen Kortikosteroidtherapie gegeben. So sollten nach einer initial hohen Dosis grundsätzlich höchstens 10 mg Prednisonäquivalent für die Dauertherapie angestrebt werden. Andernfalls empfiehlt die Leitlinie nach einem Zeitraum von 2 Monaten die zusätzliche Gabe von steroidsparenden Immunsuppressiva, da die Kortikosteroide wegen ihres ungünstigen Nebenwirkungsprofils für die Dauertherapie ungeeignet sind (Gordon et al. 1953; Tomkins-Netzer et al. 2012).

Trotzdem zeigt die später durchgeführte Untersuchung von Nguyen aus dem Jahre 2011, dass 62 % der von Uvei-

255

 

6

 

 

 

 

 

tisspezialisten behandelten Patienten eine Prednisonerhaltungsdosis von durchschnittlich 34 mg täglich erhielten, und die Leitlinie vielen der befragten Spezialisten nicht bekannt war (Nguyen et al. 2011). Dies bedeutet, dass die Therapie von Uveitispatienten vielfach unzureichend oder zu sehr nebenwirkungsbelastet ist und dass häufiger an den Einsatz von Immunsuppressiva gedacht werden sollte. Bereits vor über einem halben Jahrhundert wurde erstmals die Anwendung eines Immunsuppressivums bei Uveitis beschrieben (Roda Perez 1951).

6.1.2Therapieprinzipien bei infektiöser Uveitis

Schon bei dem begründeten Verdacht auf eine infektionsbedingte Uveitis sollte eine entsprechende antivirale, antibiotische oder antimykotische Therapie durchgeführt werden. Parallel dazu ist die Gabe von Kortikosteroiden zur Hemmung der begleitenden, immunologisch bedingten und destruktiven Entzündung erforderlich.

Besonders die akuten Entzündungen – wie z. B. die Endophthalmitis – erfordern ggf. auch eine frühzeitige Vitrektomie. Sie reduziert die Belastung mit Erregern und deren Toxinen und verbessert die Penetration von Antibiotika in den Glaskörperraum. Das Vorgehen ist im Einzelfall stark von der Intensität der Entzündung und dem vermuteten Erreger abhängig und wird in weiteren Kapiteln ausführlich dargestellt.

6.1.3Therapieprinzipien

bei nichtinfektiöser Uveitis

>> Die Therapie erfolgt primär immer mit Kortikosteroiden. Je nach Lokalisation der Entzündung können sie topisch, periokulär oder systemisch eingesetzt werden.

Das wichtigste Ziel ist es, die Entzündung einzudämmen, um weiteren Schaden für die intraokulären Strukturen zu vermeiden. Üblicherweise wird 1 mg/kg Körpergewicht Prednisolonäquivalent verwendet.

Nach den Empfehlungen von Jabs (Jabs et al. 2000) sollten die Kortikosteroide mit dem Ziel eines Absetzens über mehrere Wochen bis Monate reduziert werden (.Tab.6.1). Gelingt dies nicht innerhalb von 4–8 Wochen, so besteht die Indikation zur steroidsparenden immunsuppressiven Therapie. Dabei ist zu beachten, dass die Wirkung der Immunsuppressiva erst mit einer Verzögerung von einigen Wochen bis Monaten einsetzt, und sie daher zunächst mit Kortikosteroiden kombiniert verabreicht werden.

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

256 Kapitel 6  •  Therapie: Grundkonzepte

.. Tab. 6.1  Empfohlene Leitlinie zur Dosierung von Prednison

oder Äquivalent bei chronischer Uveitis

Parameter

Empfehlung der Leitlinie

Initiale Dosierung

1 mg/kg/Tag

Maximale Erwachsenen-

60–80(–100) mg

dosis

 

Erhaltungsdosis

≤ 1 mg/Tag

Reduktionsschema

Über 40 mg/Tag: Reduktion um

 

10 mg/Tag alle 1–2 Wochen

 

40–20 mg/Tag: Reduktion um

 

5 mg/Tag alle 1–2 Wochen

 

20–10 mg/Tag: Reduktion um

 

2,5 mg/Tag alle 1–2 Wochen

 

10–0 mg/Tag: Reduktion um 1

 

bis 2,5 mg/Tag alle 1–2 Wochen

Modifiziert nach Jabs et al. 2000

Die immunsuppressive Therapie wird schrittweise eskaliert. Im ersten Schritt werden i. d. R. sog. konventionelle Immunsuppressiva wie Methotrexat, Sulfasalazin, Azathioprin, Mycophenolat oder Ciclosporin A verwendet. Ggf. können diese Substanzen miteinander kombiniert werden. Sollte auch hierunter keine ausreichende Kontrolle der Entzündung möglich sein, so können in einem nächsten Schritt auch Biologika, wie TNF-Blocker (z. B. Humira), bei bestimmten Indikationen (s. u.) Interferon-α2a oder selten auch ein anti-B-Zellantikörper (Rituximab) eingesetzt werden. Cyclophosphamid bleibt wegen der hohen Toxizität besonderen Fällen vorbehalten.

Die einzelnen Uveitisentitäten zeigen häufig unterschiedliche Verläufe, woraus sich Konsequenzen für die Therapie ergeben. So gibt es Entitäten mit generell höherem Bedarf an systemischer Immunsuppression und solche, bei denen die Indikation dazu meist nicht gegeben ist (.Tab.6.2).

Konventionelle Immunsuppressiva

Die konventionellen Immunsuppressiva werden pharmakologisch in verschiedene Klassen eingeteilt. Sie sind in

.Tab.6.3 mit ihren Hauptindikationen und wichtigen Nebenwirkungen zusammengefasst.

Antimetabolite

Antimetabolite hemmen bestimmte Stoffwechselwege und haben dadurch eine immunsuppressive Wirkung. In ihrer chemischen Struktur ähneln sie einem natürlichen Metaboliten, unterbrechen aber den jeweiligen Stoffwechselweg. Zur Therapie der verschiedensten Uveitisentitäten werden der Folsäureantagonist Methotrexat, das Purinanalogon Azathioprin und der Purininhibitor Mycophenolat erfolgreich eingesetzt. Darüber hinaus wird Methotrexat bevorzugt

.. Tab. 6.2  Einteilung der Uveitisentitäten nach Indikationen

zur Immunsuppression. (Modifiziert nach Durrani et al.)

Starke Indi-

– M. Behçet mit retinaler Beteiligung (Reti-

kationen

nitis, okklusive Vaskulitis)

 

– Sympathische Ophthalmopathie (bes. bei

 

jungen Patienten)

 

– Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom

 

– Nekrotisierende Skleritis oder periphere

 

ulzerative Keratitis im Rahmen einer

 

rheumatischen Grunderkrankung

 

– Granulomatose mit Polyangiitis (GPA,

 

früher M. Wegener)

 

– Rezidivierende Polychondritis mit Skleritis

 

– Iritis oder Iridozyklitis bei juveniler idio-

 

pathischer Arthritis, die unter konventio-

 

neller Steroidtherapie nicht ausreichend

 

anspricht oder zunehmend Komplika-

 

tionen und Steroidnebenwirkungen

 

entwickelt

Relative

– Intermediäre Uveitis

Indikationen

– Retinale Vaskulitis mit zentraler Gefäßle-

 

ckage

 

– Schwere chronische oder häufig rezidivie-

 

rende Iritis/Iridozyklitis

Fragliche

– Intermediäre Uveitis bei Kindern

Indikationen

– Sarkoidose-assoziierte Uveitis mit unzu-

 

reichender therapeutischer Wirkung von

 

Kortikosteroiden

bei der Uveitis im Rahmen einer juvenilen idiopathischen Arthritis eingesetzt, da es auch die Arthritis wirksam hemmt.

Die Antimetabolite verursachen häufig gastrointestinale Beschwerden. Methotrexat und seltener auch Azathioprin können Haarausfall verursachen. Bei allen Antimetaboliten kann es zu Schädigungen der Leber und des Knochenmarks kommen.

Calcineurininhibitoren, T-Zell-Inhibitoren

Die Calcineurininhibitoren hemmen nach Bindung an einen Rezeptor u. a. die Produktion von IL-2. Dadurch entfalten sie, besonders bei der Aktivierung von Effektor-T-Lympho- zyten, aber auch bei regulierenden (Treg-)Lymphozyten, die stark von IL-2 abhängig sind, eine suppressive Wirkung. Der wichtigste Vertreter dieser Substanzklasse ist Ciclosporin A, das in Deutschland derzeit als einziges Immunsuppressivum bei der Indikation Uveitis explizit zugelassen ist.

Die bedeutendsten Nebenwirkungen von Ciclosporin A sind die arterielle Hypertonie sowie die Induktion einer Niereninsuffizienz. Daneben werden seltener vermehrter Haarwuchs (oft an unerwünschten Stellen), Gingivahyperplasie, gastrointestinale Beschwerden und Kopfschmerzen beobachtet. Ciclosporin A hat eine enge therapeutische Breite und wird abhängig von der allgemeinen Nahrungsaufnahme sehr variabel resorbiert. Interaktionen von Ciclosporin A mit anderen Medikamenten können wechsel-

257

6

 

6.1  •  Prinzipien (engl. therapy, principle concepts)

.. Tab. 6.3  Konventionelle Immunsuppressiva mit Dosierungsangaben und wichtigen Nebenwirkungen

Substanzklasse

Wirkstoff

Anwendung

Dosierung

Wichtige Nebenwirkungen*

Antimetabolit

Methotrexat

Oral oder sub-

10–25 mg/Woche

Knochenmarkssuppression, Leukopenie,

 

 

kutan

 

Hepatotoxizität, Übelkeit, Gastritis, Diarrhöe,

 

 

 

 

Haarausfall

 

Azathioprin

Oral

1–3 mg/kg KG

Knochenmarkssuppression, Leukopenie,

 

 

 

 

Hepatotoxizität, Übelkeit (bes. bei Thiopurin-

 

 

 

 

Methyl-Transferase- (TPMT)-Mangel), Gastri-

 

 

 

 

tis, Haarausfall

 

Mycophenolat

Oral

2 × 1000 mg

Knochenmarkssuppression, Leukopenie,

 

mofetil

 

 

Hepatotoxizität, Übelkeit, Gastrits

 

Mycophenolsäure

Oral

2 × 1440 mg

Knochenmarkssuppression, Leukopenie,

 

 

 

 

Hepatotoxizität, Übelkeit, Gastrits

Calcineurin-

Ciclosporin A

Oral

2,5–5 (–7) mg/kg KG,

Nephrotoxizität, arterielle Hypertonie, Gin-

Inhibitor

 

 

verteilt auf 2 Tages-

givahyperplasie, Hepatotoxizität, Übelkeit,

 

 

 

dosen

Parästhesien, Kopfschmerzen

mTOR-Inhibitor

Sirolimus

Oral

2 × 2 mg

Knochenmarkssuppression, arterielle Hyper-

 

 

 

 

tonie, Übelkeit, Hypokaliämie, Hypophospha-

 

 

 

 

tämie, Hyperglykämie, Hypercholesterinämie,

 

 

 

 

Arthralgien, Fieber, Wundheilungsstörungen

 

Sirolimus

Intravitreal

44–880 µg

Nicht bekannt

 

Sulfasalazin

Oral

3–4 g, verteilt auf

Knochenmarkssuppression (Folsäureanä-

 

 

 

3 Tagesdosen

mie), Proteinurie, Hepatotoxizität, Husten,

 

 

 

 

Kopfschmerzen, Parästhesien, Übelkeit,

 

 

 

 

Erbrechen, Diarrhoe, Müdigkeit

Zytostatikum

Cyclophosphamid

Orale Langzeit-

1–2 mg/kg KG

Hämorrhagische Zystitis, Knochenmarkssup-

 

 

therapie

 

pression, Hepatotoxizität, Kardiomyopathie,

 

 

 

 

Sekudärtumore, Haarausfall, Infertilität,

 

 

 

 

Teratogenität

 

Cyclophosphamid

Intravenöse

500–1000 mg/m2

Hämorrhagische Zystitis, Knochenmarkssup-

 

 

Stoßtherapie

KOF

pression, Hepatotoxizität, Kardiomyopathie,

 

 

(alle 4 Wochen

 

Sekundärtumore, Haarausfall, Infertilität,

 

 

für 24 Wochen)

 

Terotogenität

Stand: Mai 2013; In Deutschland hat von den hier aufgeführten Substanzen lediglich Ciclosporin A die Indikation für Uveitis. Die anderen Medikamente werden aber als Off-Label-Therapie häufig verordnet. Mycophenolsäure und Sirolimus zur intravitrealen Anwendung werden derzeit in Phase-III-Studien bei der Uveitis untersucht. *Die Auflistung der Nebenwirkungen ist nicht vollständig. Im Einzelfall müssen Fachliteratur und Fachinformationen eingesehen werden.

seitig die jeweiligen Wirkspiegel stark verändern. Ggf. sind entsprechende Blutkontrollen erforderlich.

Ciclosporin A kann zur Therapie aller autoimmunen Uveitisentitäten eingesetzt werden. Aufgrund seines ungünstigen Nebenwirkungsprofils ist es teilweise von den Mycophenolaten verdrängt worden. Lange Zeit galt es als das wichtigste Medikament in der Therapie des M. Behçet mit retinaler Augenbeteiligung, ist aber hier durch das wesentlich besser wirksame Interferon-α weitgehend ersetzt worden.

mTOR (mammalian Target Of Rapamycin)- Inhibitor

Sirolimus, ein Makrolid, hemmt Lymphozyten, die über den IL-2-Rezeptor-Signalübertragungsweg aktiviert wur-

den. Es blockiert das sog. mTOR-System, das in vielen Zellen eine aktivierende Wirkung hat. Sirolimus ist bislang nur vereinzelt zur systemischen Therapie von Uveitiden eingesetzt worden, da es u. a. schwere Wundheilungsstörungen verursacht. Derzeit wird es in klinischen Phase-III Studien für die intraokuläre Anwendung untersucht.

Zytostatika

Zytostatika hemmen das Zellwachstum bzw. die Zellteilung. Als Immunsuppressivum findet lediglich das Alkylans Cyclophosphamid Verwendung. Cyclophosphamid ist ein ausgesprochen potentes Immunsuppressivum, bei dem aber erhebliche Nebenwirkungen auftreten können. Die wichtigsten davon sind Infertilität sowie die langfris-

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

258

Kapitel 6  •  Therapie: Grundkonzepte

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 6.4  Biologika mit Dosierungsangaben und wichtigen Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

 

 

 

Substanzklasse

Wirkstoff

Anwendung

Dosierung

Wichtige Nebenwirkungen*

 

Zytokin

Interferon-α2a

Subkutan

6 Mio IE tägl. – 3 Mio IE

Grippeähnliche Symptome, Depressionen,

 

 

 

 

3× pro Woche (Kötter

Leukopenie, ischämische Retinopathie, Vaskulitis,

 

 

 

 

et al. 2003)

medikamenteninduzierter Lupus erythematosus,

 

 

 

 

 

Antikörper gegen Schilddrüsengewebe, Anti-

 

 

 

 

 

DNA-Antikörper

 

Antikörper gegen

Infliximab

Intravenös

3–5 mg/kg KG, alle

Allergische Infusionsreaktion, Leukopenie, Anä-

 

TNF-α

 

 

4–6 Wochen, die

mie, Infektionen, Demyelinisierungen, Neuritis

 

 

 

 

2. Gabe 2 Wochen

nervi optici, Anti-DNA-Antikörper, Kopfschmer-

 

 

 

 

nach der Erstinfusion

zen, Depressionen

 

Antikörper gegen

Adalimumab

Subkutan

40 mg alle 2 Wochen

Reaktion an der Injektionsstelle, Infektionen,

 

TNF-α

 

 

 

Leukopenie, Anämie, Anti-DNA-Antikörper, Kopf-

 

 

 

 

 

schmerzen, Depressionen, Demyelinisierungen

 

Antikörper gegen

Rituximab

Intravenös

2 Infusionen mit je

Infusionsreaktion, grippeähnliche Symptome,

 

B-Zellen

 

 

1000 mg im Abstand

Blutdruckschwankungen, Thrombembolie, Übel-

 

 

 

 

von 2 Wochen; kann

keit, Erbrechen, Diarrhoe, Leukenzephalopathie

 

 

 

 

ggf. nach 6 Monaten

 

 

 

 

 

wiederholt werden

 

Stand: Mai 2013; In Deutschland können diese Wirkstoffe nur als Off-Label-Therapie verordnet werden. Adalimumab subcutan wird derzeit in Phase-III-Studien bei der Uveitis untersucht.

* Die Auflistung der Nebenwirkungen ist nicht vollständig. Im Einzelfall müssen Fachliteratur und Fachinformationen eingesehen werden.

tige Induktion von Lymphomen, weshalb Cyclophosphamid nur noch sehr selten eingesetzt wird.

Biologika

Biologika sind Wirkstoffe, die in gentechnisch veränderten Organismen synthetisiert werden. Es handelt sich um Proteine; meist Antikörper (z. B. anti-TNF-Antikörper wie Adalimumab), Konstrukte aus einem Rezeptorund Antikörperteil (z. B. der TNF-Hemmer Etanercept) oder Zytokine (z. B. Interferon-α). Die Herstellung und Reinigung dieser großen Moleküle ist ausgesprochen aufwändig. Erste Biologika wurden in den späten 80-iger Jahren entwickelt. Bislang ist kein Biologikum für die Anwendung bei Uveitispatienten zugelassen, allerdings sind bereits zulassungsrelevante klinische Studien initiiert (.Tab.6.4).

Interferon

Bereits 1996 wurde Interferon-α erstmals zur Therapie der Uveitis bei M. Behçet eingesetzt (Sanchez Roman et al. 1996). Inzwischen hat sich Interferon-α2a bei dieser Uveitisentität durchgesetzt. Trotz guter Wirkung mit beschriebenen Langzeitremissionen begrenzen die Nebenwirkungen, von denen Depression und chronische grippeähnliche Symptome die bedeutendsten sind, die breite Anwendung. Interferon-α2a reduziert die Expression des Interferon-α- Rezeptors und hemmt die T-Zell-Aktivierung. Gleichzeitig stimuliert es natürliche Killerzellen (NKZ), die möglicherweise regulatorische Funktionen haben können. Es hemmt

Interleukin-8 (IL-8), die Emigration von Lymphozyten aus den Lymphknoten und ist anti-angiogenetisch mit einem therapeutischen Effekt bei Vaskulitiden. Darüber hinaus haben die Interferone eine antivirale und antineoplastische Aktivität. Die Mechanismen der Immunmodulation, die bei systemischer Gabe erreicht wird, sind noch nicht geklärt.

Interferon-α2a kann auch bei therapierefraktärem uveitischem Makulaödem verabreicht werden.

TNF-Blocker (Tumor-Nekrose-Faktor)

TNF-α-Blocker interferieren mit dem Zytokin Tumor- Nekrose-Faktor-α. In der Immunantwort hat TNF-α eine inflammatorische Wirkung. Es bindet an den TNF-Rezep- tor und erhöht die Expression weiterer inflammatorischer Zytokine, und darüber hinaus hat es in Gelenken und Bindegewebe auch einen direkten gewebsdestruierenden Effekt. Die TNF-Blocker neutralisieren TNF-α und haben keinen eigenen entzündlichen Effekt.

Im Jahre 2001 wurde die Wirkung der beiden TNF-Blo- cker Infliximab und Etanercept auf die Uveitis beschrieben (Munoz-Fernandez et al. 2001; Reiff et al. 2001). Später wurde der humanisierte monoklonale Antikörper Adalimumab eingeführt. Etanercept ist ein Konstrukt aus einem TNF-Rezeptor und der konstanten Region eines IgG-Mole- küls. Trotz Fehlens einer Studie, die die beiden Wirkstoffe Etanercept und Adalimumab direkt miteinander vergleicht, hat sich zur Uveitistherapie Adalimumab durchgesetzt. Viele publizierte Einzelbeobachtungen und Fallserien ha-