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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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244 Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

. Abb. 5.60a,b Vergleich von einem OCT-Scan ohne EDI (a) und mit EDI (b). Die Chorioidea ist bei sonst identischem Scanprotokoll deutlich besser sichtbar mit EDI

daler Neovaskularisationen in der OCT mit zunehmender Krankheitsdauer immer schwieriger.

Besondere Anwendungen

Es gibt eine Reihe von Weiterentwicklungen der OCT, welche die Aufnahmequalität weiter verbessern oder Zugang zu gänzlich neuen Bildgebungsinformationen liefern. Hervorzuheben ist zum einen die verbesserte Chorioideadarstellung mittels „enhanced depth imaging“ (EDI), die von Spaide erstmalig beschrieben wurde. Durch eine Verschiebung der Nulllinie und zusätzlichen Feineinstellungen gelingt so eine tiefere Gewebeeindringung bis zur posterioren Begrenzung der Chorioidea (. Abb. 5.60). Eine andere interessante Entwicklung ist die Doppler-OCT, welche es über Phasenund Frequenzverschiebungen des Signals erlaubt, den Gefäßfluss darzustellen und auszumessen. Die breite Verfügbarkeit in der Klinik ist allerdings sicherlich noch einige Jahre entfernt.

Vorund Nachteile

Die OCT erlaubt extrem hochaufgelöste Bilder des Auges, welche ohne direkten Augenkontakt und in nur wenigen Sekunden entstehen. Das Spektrum reicht von Vorderabschnittsaufnahmen zu Bildern des Hinterabschnittes inklusive hinterem Glaskörper, Netzhaut und Chorioidea.

Die OCT-Technologie hat auch Limitationen, die ihre Anwendung einschränken. Sie ist angewiesen auf klare optische Medien, damit der Zielstrahl in ausreichender Stärke auf das Gewebe treffen kann. Medientrübungen wie z. B. eine Katarakt beeinträchtigen die Aufnahmequalität maßgeblich. Zudem ist der Scanbereich der OCT im Vergleich zu einem konventionellen Fundusfoto noch recht klein. Meist beschränkt sich die OCT auf die zentralen 20 Grad am hinteren Pol (. Abb. 5.61). Gerade im Bereich der posterioren Uveitis sind weiter peripher liegende Läsionen nur schwer mittels OCT zu erfassen. Großflächige Aufnahmen

. Abb. 5.61 Vergleich der Aufnahmebereiche eines 45 Grad Fundusfotos mit einem geläufigen OCT-Scanprotokoll (grüner Rahmen)

werden mit der weiter zunehmenden Scangeschwindigkeit eher möglich werden, jedoch wachsen auch die zu verarbeitenden Datenmengen extrem an, welches wiederum schnellere Rechner und Datenleitungen sowie noch größere Massenspeicher notwendig macht.

Die OCT hat sich rasant entwickelt, und die nächste Gerätegeneration steht schon in den Startlöchern. Die Entwicklung schreitet so schnell voran, dass die Bildinterpretation kaum hinterherkommt, die immer neuen Bildformate adäquat klinisch zuordnen zu können und alle Phänomene einschätzen zu lernen. Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass die OCT mittlerweile die wichtigste Bildgebung in der Augenheilkunde geworden ist. Sie erlaubt eine schnelle, hochaufgelöste und vor allem quantifizierbare Darstellung des Gewebes und ist im klinischen Alltag unverzichtbar geworden.

5.5Intraokulare Diagnostik (engl. intraocular diagnostics, aqueous humor analysis, diagnostic vitrectomy)

U. Pleyer, S. Metzner

5.5.1 Einleitung

Das Auge, v. a. der vordere Augenabschnitt, ist eine der wenigen Regionen des Körpers, die unmittelbar eine Entzündungsreaktion „in vivo“ beurteilen lässt. Dies kann auch für diagnostische Zwecke genutzt werden. Aufgrund des

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5.5  •  Intraokulare Diagnostik (engl. intraocular diagnostics, aqueous humor analysis, diagnostic vitrectomy)

problemlosen, einfachen Zugangs wird bevorzugt Kammerwasser zur Diagnostik herangezogen.

Zwar können auch viele Erkrankungen des hinteren Augenabschnittes durch Kammerwasseranalyse differenziert werden, bei einigen speziellen Krankheitsbildern (z. B. Lymphom) muss jedoch auf Glaskörperproben oder Retinabiopsien zurückgegriffen werden. Eine Reihe von Studien konnte klar den Vorteil der Kammerwasseranalyse bei infektiösen, erregerassoziierten und malignen Erkrankungen belegen.

5.5.2 Historie

Witmer und Goldmann führten die Antikörperbestimmung mittels ELISA bereits in den 1950er Jahren ein und haben damit einen wesentlichen Beitrag zur Diagnostik intraokularer Entzündungen geleistet. Der Fortschritt bei labordiagnostischen Methoden mittels Polymerase-Ket- tenreaktion (PCR) hat die Möglichkeit eröffnet, auch mit kleinen Probenvolumina in der akuten Phase der Infektion den Nachweis von Erreger DNA bzw. RNA zu leisten.

5.5.3 Methoden

Grundsätzlich stehen mehrere Methoden zur Analyse intraokularer Proben zur Verfügung.

Zytologie Mikrobiologie (Kultur)

-Intraokulare Antikörperbestimmung (AK) Polymerasekettenreaktion

Zytokinanalyse

Zytologie (s. u.) und direkter Erregernachweis sind Ausnahmesituationen vorbehalten.

Im Vordergrund der Methoden zur Analyse von Kammerwasserproben stehen:

Prinzip/Methode

Intraokulare Antikörperbildung  Die Bildung spezifischer intraokularer Antikörper erfolgt durch B-Lymphozyten und Plasmazellen die u. a. im Glaskörper nachgewiesen werden konnten. Der Anteil an B-Lymphozyten steigt mit dem Grad entzündlicher Aktivität im Verhältnis zur Anzahl infiltrierender Zellen an. Es konnte gezeigt werden, dass eine dissoziierte Immunantwort mit Bildung spezifischer intraokularer Antikörper nach Infektion z. B. mit T. gondii auftritt und sich von der AK Bildung im Serum unterscheidet.

Goldmann-Witmer-Koeffizient  Die alleinige quantitative Bestimmung eines Antikörpertiters gegen ein definiertes Antigen ist für eine diagnostische Bewertung nicht

.. Tab. 5.18  Goldmann-Witmer-Koeffizient (K)

K

Interpretation

0,5–2

Keine autochthone AK-Produktion im Auge

2–4

Grenzwertiger Befund

≥ 4

Diagnostische intraokuläre AK-Produktion

K = Golmann-Witmer-Koeffizient

aussagekräftig, da es 2 Quellen für Antikörper im Kammerwasser gibt. Einerseits können sie bei intraokulärer Entzündung, mit gestörter Blut-Retina- und Blut-Kam- merwasser-Schranke, aus der Blutzirkulation passiv in das Auge diffundieren. Andererseits können sie direkt im Auge von B-Zellen produziert werden. Diese autochthone Produktion kann nur dann zu erhöhten Titern führen, wenn das Antigen auch im Auge vorhanden ist. Daher ist nur eine vergleichende Bestimmung von Antikörpern in Serum und Kammerwasser unter Berücksichtigung eines Referenzwertes, z. B. des Gesamt-Immunglobulinspiegels, aussagekräftig. Aus den Werten wird der Goldmann-Wit- mer-Koeffizient errechnet (.Tab.5.18).

Auswertung:

Ein Index über 3 wird als Beleg für eine spezifische intraokulare Infektion gesehen. Spezifische Antikörper können im Kammerwasser auch bei Infektionen im hinteren Augensegment nachgewiesen werden.

Wesentlicher Vorteil der Technik ist die hohe Spezifität der Antikörper, die noch über ca. 3–4 Wochen nach akuter Infektion nachweisbar ist. Nachteile sind, dass die Antikörperbildung eine Syntheseleistung von B-Lympho- zyten darstellt und zeitverzögert einsetzt. Allerdings sind bereits innerhalb von 3–5 Tagen spezifische Antikörper in experimentellen Modellen intraokular belegt. Liegt ein Immundefekt vor (z. B. bei HIV-Infektion), muss mit einer eingeschränkten/fehlenden Antikörperbildung gerechnet werden.

Da die Antikörperverteilung aufgrund der Kammerwasserdynamik innerhalb des Auges relativ gleichmäßig ist, kann davon ausgegangen werden, dass ein Vorderkammerbefund gut mit der Situation im hinteren Augenabschnitt korreliert. Für die Antikörperbestimmung sind die Mengen aus der Vorderkammer meist für 2–3 Erreger ausreichend. Für den Goldmann-Witmer-Koeffizienten ist eine gleichzeitig abgenommene Serumprobe (peripheres Blut) unerlässlich. Eine Kühlung ist nicht unbedingt erforderlich, eine Lagerung der Proben und des Serums kann bei −20 bis −70 °C erfolgen (.Tab.5.19).

Polymerasekettenreaktion (PCR)  Die PCR ist eine hoch sensitive Methode, die bereits kleinste Mengen an DNA

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Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

 

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 5.19  Verarbeitung von Kammerwasser

 

 

 

 

 

 

 

 

Gewünschte

Material, Maßnahme

Transport/Lagerung

Dringlichkeit der Wei-

 

Untersuchung

 

 

terverarbeitung

 

PCR

Spritze verschließen, nicht umfüllen!

Ungekühlt

Selber Tag

 

 

 

Bei Transportdauer von mehreren Tagen:

 

 

 

 

Kühlung, lediglich bei RNA-Viren ist einfrieren

 

 

 

 

bei −20 °C erforderlich

 

 

Antikörper-

Serumröhrchen nicht vergessen!

Ungekühlt. Bei Transportdauer von mehreren

1–3 Tage

 

Bestimmung

Umfüllen in ein anderes Röhrchen

Tagen Kühlung. Bei Lagerung > 1 Woche

 

 

 

möglich

tiefgefroren

 

..Abb. 5.62  Akute Netzhautnekrose. Die akut einsetzende Panuveitis kann auf eine Infektion mit VZV > HSV2 > HSV1 > CMV zurückgeführt werden. Eine rasche, möglichst spezifische Therapie ist wichtig. In einem Drittel der Fälle kann die ARN bilateral verlaufen

oder RNA nachweisen kann. Grundsätzlich reicht bereits ein einziges DNAoder RNA-Molekül für ein positives Signal aus. Das Ergebnis der Untersuchung kann innerhalb weniger Stunden geliefert werden. Daher hat sich die PCR für virale und bakterielle Infektionen bei bedrohlicher, progredienter intraokularer Entzündung, z. B. der akuten Netzhautnekrose (.Abb.5.62) oder Endophthalmitis, als vorteilhaft herausgestellt (  Abschn.8.8).

Der Nachweis von DNA/RNA erfordert einen sehr sorgfältigen Umgang mit dem Probenmaterial, um Kontaminationen möglichst auszuschließen. „Falsch positive“ Ergebnisse können ebenfalls darauf zurückgeführt werden, dass der Nachweis von DNA nicht notwendigerweise aktiv replizierende Organismen belegt.

Für die PCR werden meist nur sehr geringe Mengen benötigt (50–100 µl). In aller Regel ist eine PCR auf verschiedene Erreger gleichzeitig möglich. Die Zellzahl im Kammerwasser hat auf die Ausbeute der PCR und damit auf die Zuverlässigkeit der Diagnostik keinen Einfluss. Ein Umfüllen in ein Transportgefäß ist eine mögliche Quelle

für falsch positive Befunde. Die Probe sollte daher in der Tuberkulinspritze, mit der sie entnommen wurde, verbleiben, verschlossen werden und erst im Labor ggf. weiter aufgeteilt werden. Eine Kühlung (4 °C) ist vorteilhaft, eine Lagerung bei −70 °C, ggf. bei −20 °C ist für längere Zeiträume möglich (.Tab.5.19).

Zytokinanalyse  Zytokine können in Kammerwasser und Glaskörper u. a. mittels ELISA festgestellt werden. Besondere Bedeutung hat die Bestimmung bei V. a. B-Zell-Lym- phom erlangt, da B-Lymphozyten eine erhöhte IL-10 Synthese aufweisen.

Zytologie im Kammerwasser  Zytologische Untersuchungen sind bislang zu diagnostischen Zwecken wenig gebräuchlich und Ausnahmesituationen (Leukämie) vorbehalten. Mittels Durchflusszytometrie (FACS) können Zellsubpopulationen unterschieden werden, dies hat sich auch für wissenschaftliche Fragestellungen als interessant herausgestellt.

Mikrodissektion und Einzelzell-PCR Zur Diagnostik des Lymphoms können spezifische Techniken, wie z. B. die quantitative PCR, zur Anwendung kommen. Bei der Mikrodissektion werden einzelne Lymphomzellen mit Hilfe eines Lasers aus dem histologischen Präparat geschnitten und anschließend eine quantitative Einzelzell-PCR durchgeführt, um mRNA und Monoklonalität nachzuweisen.

5.5.4 Indikationen

Invasive diagnostische Maßnahmen können indiziert sein, wenn neben dem klinischen Bild andere diagnostische Schritte (bildgebende Verfahren, konventionelle Labordiagnostik) nicht zur Klärung und Einordnung einer Uveitis geführt haben. V. a.intraokulare Infektionen und „Maskaradesyndrome“ müssen dringlich differenziert und ggf. spezifisch behandelt werden.

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5.5  •  Intraokulare Diagnostik (engl. intraocular diagnostics, aqueous humor analysis, diagnostic vitrectomy)

.. Tab. 5.20  Indikation und Anmerkungen zur Kammerwasseranalyse

Verdachtsdiagnose

Zeitpunkt der Punktion

Bevorzugte Analysen-

Kommentar

 

 

methode

 

HSV-Keratouveitis

Aktive Erkrankung

PCR und/oder AK

Sensitivität bei Kombinierter Analyse ca. 90 %

Fuchs-Uveitis-Syndrom

Jederzeit

AK und PCR

In Europa überwiegend Rubella Virus, in Asien

 

 

 

oft CMV

Akute Retina-Nekrose

Aktive Erkrankung

PCR (+AK)

Notfallsituation

Toxoplasmose Retino-

Aktive Erkrankung

AK; PCR bei atypischen

Hauptsächlich Bei atypischen Verläufen

choroiditis

 

und schweren Verläufen

 

CMV Retinitis

Aktive Erkrankung

PCR ( + AK)

Lokale Antikörper Synthese kann bei HIV+ Pt.

 

 

 

reduziert sein

Intraokulares

Jederzeit

Analyse der Zytokine

Analyse in Spezialisierten Zentren, Cave

Lymphom

 

Interleukin 2, 6, 10

Steroide!

 

 

 

Vermutl.auch zur Therapieverkaufskontrolle

 

 

 

geeignet

 

 

 

AK = Antikörpersynthese, PCR = Polymerase chain reaction

 

 

 

 

 

 

Häufige Erkrankungen, z. B. die Herpesvirus-assozi- ierte-(Kerato) Uveitis und die Toxoplasmose-Retinocho- rioiditis können durch serologische Untersuchungen oft nicht verifiziert werden, da auch bei gesunden Personen eine hohe „Durchseuchungsrate“ (Serokonversion) besteht. Hier hat sich die Analyse von Kammerwasserproben klinisch bewährt.

Einige wichtige Indikationen und Differentialdiagnosen zur Kammerwasseranalyse gehen aus .Tab.5.20 hervor

-Vorderer Augenabschnitt

Herpes simplex Virus

Herpes zoster Virus (atypische Verläufe ohne Hautbe- -teiligung)

Cytomegalie Virus assoziierte AU (z. B. Posner- -Schlossman)

Rubella Virus (Fuchs-Uveitis-Syndrom)

Posteriore Uveitis

Akute Retinanekrose (VZV, HSV, cmV)

-Toxoplasmose-Retinochorioiditis Pilzinfektionen

Maskerade Syndrom (intraokulares B-Zell Lymphom Zytokinanalyse)Retinitis bei HIV+

5.5.5Vorderkammerpunktion (technische Aspekte)

sen werden (.Tab.5.3). Von einer Punktion unmittelbar an der Spaltlampe, die in angelsächsischen Publikationen propagiert wird, raten wir ab. Die Volumina einer Vorderkammerpunktion sind sehr gering. Bei phaken Augen liegen sie zwischen 100 und 200 µl und sind bei myopen-, pseudooder aphaken Augen um ca. 50–100 µl größer. Um ein möglichst großes Volumen unter sicheren Bedingungen zu gewinnen, hat sich folgendes Vorgehen bewährt.

Praxistip  |              |

-Durchführung einer Vorderkammerpunktion

Lokalanästhesie: Tropfanästhesie (z. B. Conjun-

-Lidocain)

Lidreinigung und Ausspülen des Bindehautsacks mit 1 % Povidon-Iod. Zilien durch sterile Folie zu-

-rückschlagen. Steriles Abdecken. Lidsperrer. Punktion der Vorderkammer: Cave ggf. vaskularisierte Region der Hornhaut (z. B. v. a. HSV Keratouveitis) meiden! Punktion der Vorderkammer mit 31-G-Nadel auf Tuberkulinspritze und Aspiration von 100–250 µl Kammerwasser in der Limbusregion. Stellen der Vorderkammer mit BSS zur Vermeidung von Hypotonie (Ziliarkörperabhebung)

-und Kammerwinkeladhärenz.

Topische Antibiose (z. B. Azytromycin oder Moxiflo- xacin Augentropfen)cain®; 5 % Tetracain) oder Gelanästhesie (z. B. 1 %

Die Vorderkammerpunktion kann mit geringem Aufwand durchgeführt werden; auf sterile Kautelen wie bei jedem anderen intraokularen Eingriff muss allerdings hingewie-