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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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203

5

 

5.3  •  DiagnostischesVorgehen, Labordiagnostik und interdisziplinäre Abklärung bei intraokularer Entzündung

Auch antientzündliche und immunsuppressive lösliche Faktoren sind vor allem im Kammerwasser zu finden und tragen ebenso zum Immunprivileg bei. Zu den suppressiven Faktoren gehören z. B. der „Transforming growth factor beta“ (TGF-β), α-Melanozyten-stimulierendes Hormon (α-MSH), Thrombospondin-2, Calcitonin gene-related peptide (CGRP), Indoleamine Dioxygenase (IDO), Macrophage migration inhibitory factor (MIF), Somatostatin (SOM) und

Vasoactive intestinal peptide (VIP). Sogar eine lösliche Form des FasL wurde im Kammerwasser nachgewiesen.

Zusätzlich zu den erwähnten Mechanismen zeigt das Auge ein weiteres Phänomen: „ACAID“ (anterior cham- ber-associated immune deviation). Antigene, injiziert in die Vorderkammer, den Glaskörper oder in den subretinalen Raum, induzieren eine systemische, spezifische Immuntoleranz.

Für die Induktion von ACAID sind außer dem Auge auch andere Organe wie Milz und Thymus wichtig, darüber hinaus auch das sympathische Nervensystem. Die ins Auge injizierten Antigene werden von speziellen antigenpräsentierenden Zellen (in der Maus sind es F4/80+ Makrophagen) über die Zirkulation in die Milz und in den Thymus transportiert. Im Thymus induzieren sie regulatorische NKT-Zellen (CD4–CD8–NK1.1+). Diese wandern in die Milz und sind dort an der Generierung regulatorischer CD8-positiver T-Zellen beteiligt, die sowohl Th1als auch Th2-vermittelte Entzündung supprimieren. ACAID verhindert nicht nur eine Uveitis, sondern sorgt auch für das verbesserte Überleben von Hornhauttransplantaten.

5.3Diagnostisches Vorgehen, Labordiagnostik

und interdisziplinäre Abklärung bei intraokularer Entzündung (engl. diagnostic approaches; laboratory diagnostics; interdisciplinary approach)

S. Thurau, U. Pleyer, G. Wildner

5.3.1 Historie

Die Abklärung bei intraokularer Entzündung hat einen ständigen Wandel durchlaufen. So standen in den 1920– 30er Jahren infektiöse Ursachen (Tuberkulose, Lues) im Vordergrund. Anschließend wurden v. a. Herdbefunde mit „Fokussuche“ in die ätiologische Abklärung und bei intraokularen Entzündungen vor allem Mund-, Kiefer-, Gesichtsund Zahnbereich einbezogen und zuletzt auch auf Amalgam erweitert. Zahnund HNO-Befunde stehen jedoch nicht mit einer Uveitis im Zusammenhang, sodass die Fokussuche diagnostisch und therapeutisch keine Konsequenzen hat.

Es kann erwartet werden, dass auch in Zukunft ähnliche Revisionen von „Lehrmeinungen“ vorgenommen werden müssen. Erst in den letzten Jahren haben sich einige „idiopathische“ Krankheitsbilder und Syndrome als z. B. erregerassoziiert herausgestellt (Fuchs Uveitis Syndrom, Posner Schlossman Syndrom).

5.3.2Allgemein: Grundsätze diagnostischer Vorgehensweise

Klinisch hat sich ein stufenweise Vorgehen )

- („ABC“-Regel aus

A: Anamnese

-B: Befunderhebung (Biomikroskopie, klinische Befunde) und

C: Consiliarische Untersuchung und weiterführende Untersuchungen (Labor-, Bildgebung)

und ggf. Facharztkonsultation bewährt.

Alle Elemente der Diagnostik bauen aufeinander auf und sollten eine möglichst zielgerichtete, rasche und ökonomisch vertretbare Abklärung für den Patienten ermöglichen.

>> Besondere Bedeutung muss akut verlaufenden Infektionen eingeräumt werden, die einer raschen spezifischen antiinfektiösen Intervention, z. B.„Akute Retina-Nekrose“ bedürfen.

A: Anamnese

Die Diagnostik beim Vorliegen einer intraokularen Entzündung muss stets mit einer ausführlichen Anamnese beginnen. Die allgemeine Anamnese kann von großer Bedeutung sein und spart oft unnötige kostenaufwendige Zusatzdiagnostik ein. Um dem (zeitlichen) Umfang der Anamnese gerecht zu werden, kann es sinnvoll sein, diese standardisiert zu erheben (Beispiel http:// augenklinik.charite.de/patienten/entzuendliche_augenerkrankungen/). Dies kann auch bei Patienten mit Verständigungsproblemen hilfreich sein, die ggf. mit Übersetzungshilfe die Anamnese bereits vorweg erhe-

-Kernpunkte der Anamnese sind

Welche Beschwerden liegen vor und seit wann (insbe-

-sondere Schmerzen, Rötung, Sehverschlechterung)? Beginn (akut oder schleichend)?

Vorhergehende Entzündungen/Operationen/Verletzungen der Augen ?

Verlauf (erstmals oder wiederholt)?

-Liegen systemische Grunderkrankungen vor? Körperliche Begleitsymptome?

Kontakt mit Kindern, Tieren?ben können.

 

204

Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

 

1

 

.. Tab. 5.8  Anamnestische Hinweise bei Uveitis

 

 

 

 

2

 

Symptom/Befund

Bemerkung

 

 

Augenschmerzen

Häufiger bei nicht-granulomatöser als bei granulomatöser Uveitis anterior

 

 

3

 

Lateralität

Einoder beidseitige Iritis. Einseitigkeit findet sich oft bei einem infektiösen Geschehen.

 

 

Rezidive mit wechselnder Seite liegen häufig bei HLA-B27-assoziierter Uveitis anterior vor. Eine

 

 

 

beidseitige Uveitis ist bei einer Sarkoidose häufig.

4

 

(Entzündlicher) Rückenschmerz

Früh morgens Schmerzen mit/ohne Steifigkeit.

 

 

 

Symptombesserung bei Bewegung. Hinweisend auf axiale Sponyloarthropathie (Axiale Spon-

5

 

 

dylarthropathie) HLA-B27+

 

 

Schmerzen (großer) Gelenke

Bei großen Gelenken: Borreliose bzw. reaktive Arthritis; M. Reiter

 

 

6

 

Erythema migrans (Zeckenstich in

Borreliose

 

 

der Anamnese?)

 

 

7

 

Psoriasis (selbst betroffen oder

Bei Augenbeteiligungen sind manchmal nur kleine und versteckte Hautareale betroffen, daher

 

Psoriasis in der Familie)

vollständige Integumentuntersuchung. Tüpfelnägel? Psoriasis in der direkten Verwandtschaft

8

 

 

ist hinweisend auf die Diagnose. HLA-B27 assoziiert

 

Häufiger Stuhlgang (> 2 × tägl.),

Entzündliche Darmerkrankungen. DD: Colitis ulzerosa

 

 

 

 

Bauch-, Oberbauchschmerzen,

 

 

9

 

Tenesmen

 

 

 

(Häufig) Aphten, Schleimhautläsi-

M. Behcet: häufig auch Arthritis und tiefe Thrombosen

10

 

onen (oral, genital)

 

 

 

Depigmentierung an Haut/Haa-

Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom (VKH)

11

 

ren, Zilien

 

 

 

Hautläsionen

Varizella-Zoster-Virus-, Herpes-simplex-Virus-Infektionen; Sarkoidose

 

 

 

 

Kopfschmerz

VKH Syndrom, M. Behçet

 

12

 

Fernreisen?

 

Es wird eine semiquantitative Graduierung des

13

 

 

 

Familienanamnese

 

-Reizzustandes vorgenommen:

 

 

Berufliche Tätigkeit

 

Vorderkammerzellen, Tyndallphänomen (s.a. Abschn.

14

-

Medikamente, sonstige therapeutische Maßnahmen

-5.1.1 und 5.1.4) und Glaskörper „haze“ -(trübung)

(Heilpraktiker, alternative Medizin)

werden beurteilt; ggf. Flaremeter (s. Abschn. 5.1.4)

15

-

Impfungen

 

Die Tonometrie ist stets wichtig, da einige Formen der

 

 

-Uveitis mit IOD-Erhöhung einhergehen (virale Genese,

 

Diese Hinweise können bereits eine Eingrenzung des dif-

Toxoplasmose); zudem kann eine sekundäre IOD-

16

ferentialdiagnostischen Krankheitsspektrums erlauben

Steigerung durch die Therapie mit Steroiden entstehen.

(.Tab.5.8).

 

Ein Ausgangsbefund des IOD ist daher wichtig.

 

 

17

B: Befunderhebung

 

>> Cave: Das HLA-B27 Antigen findet sich auch bei ca.

 

Eingrenzung des Entzündungsschwerpunktes

8–10 % in der Normalbevölkerung. Daher kann ein

18

und Graduierung des Reizzustandes

HLA-B27-positiver Patient auch eine andere Ätiologie

 

 

 

 

 

 

 

 

An die Anamnese schließt sich die Visusprüfung und

der Uveitis aufweisen.

19

erste Untersuchung der vorderen und stets auch hinte-

Morphologische Untersuchung

ren Augenabschnitte mit Spaltlampe und Funduskopie

 

an.

 

 

(Biomikroskopie)

20

Der Schwerpunkt der Entzündung wird festgelegt:

An allen Augenabschnitten können morphologische Be-

 

-Uveitis anterior, intermedia, posterior

funde erhoben werden, die oft eine weitere Eingrenzung

21

 

(dies grenzt die Differentialdiagnosen bereits deutlich

der DD erlauben. Als charakteristische Befunde werden

-ein – s. a. Abschn. 5.1.1, .Tab.5.9).

häufig granulomatöse und nicht-granulomatöse Formen

22

 

Entzündungstyp: granulomatös vs. nicht-granu-

differenziert. Eine verlässliche Unterscheidung lässt sich

-lomatös (ergibt Hinweise auf die Differentialdiag-

zwar nur histologisch sicher treffen, allerdings können kli-

 

 

nose)

 

nische Befunde sehr hilfreich sein.

 

 

 

 

205

 

 

5

 

 

 

 

 

 

 

5.3  •  DiagnostischesVorgehen, Labordiagnostik und interdisziplinäre Abklärung bei intraokularer Entzündung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 5.9  Ursachen der Uveitis, geordnet nach der Lokalisation der Entzündung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Uveitis anterior

 

Uveitis anterior plus Glaskörperbe-

Uveitis posterior

 

 

 

teiligung

 

 

 

 

 

HLA-B27+

HLA-B27 negativ

 

 

 

 

 

 

Idiopathisch

Idiopathisch

Intraokulare Fremdkörper

Idiopathisch

 

M. Bechterew

Trauma (Sympatische

Idiopathisch

Vaskulitis (einschließlich Neurovaskulitis,

 

M. Reiter

Ophthalmopathie)

Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom

oder bei M.Crohn, Colitis ulcerosa oder

 

M. Crohn

Fuchs Uveitis Syndrom

Systemischer Lupus erythematodes

Psoriasis)

 

Colitis ulcerosa

Sarkoidose

M. Behçet

Systemischer Lupus erythematodes

 

Psoriasis

Juvenile rheumatoide

Sympathische Ophthalmie

M. Behçet

 

 

Arthritis

Sarkoidose

Birdshot-Chorioretinopathie

 

 

Virusinfektionen:

Malignome

Sarkoidose

 

 

Herpes-zoster

Virusinfektionen:

APMPPE*

 

 

Masern

Herpes simplex

MEWDS**

 

 

Herpes-simplex

Herpes zoster

Serpiginöse Choroiditis

 

 

Epstein-Barr-Virus

Bakterielle Infektionen:

Virusinfektionen: Cytomegalievirus

 

 

Trauma

Tuberkulose

Retinitis

 

 

Fuchs Uveitis Syndrom

Brucellose

Akute Netzhautnekrose

 

 

Bakterielle Infektionen:

Borreliose

Bakterielle Infektionen

 

 

Syphilis

Parasitäre Infektionen:

Tuberkulose

 

 

Tuberkulose

Toxoplasmose

Parasitäre Infektionen:

 

 

Borreliose

Toxocariasis

Toxoplasmose

 

 

 

 

Histoplasmose

 

 

 

 

Toxocariasis

 

* AMPPE = akute multifokale placoide Pigmentepitheliopathie

**MEWDS = Multiple evanescent white dot syndrome.

-Nicht-granulomatöse intraokulare Entzündungen Leitbefunde und klinische Hinweise für granulomatöse sind die häufigere Form und durch ein lymphozytärund nicht-granulomatöse Reaktionsformen gehen aus

plasmazelluläres Infiltrat geprägt. In der akuten Phase können zusätzlich polymorphkernige Leukozyten auftreten und bei ausgeprägter Schranken-

-führen.

Beim Fuchs Uveitis Syndrom wurde eine interzelluläre Auskristallisation von Immunglobulinen in der Iris beobachtet, die für eine starke Aktivierung von B-Lymphozyten spricht. Dies kann ggf. auch die lange Persistenz der Antikörperpersistenz (ggf. Rubella Virus) erklären. Bei viralen Entzündungen (HSVKeratouveitis) kann das Muster der morphologischen Veränderungen von einer initial nicht-granuloma- tösen Entzündung in eine granulomatöse Reaktion

-übergehen.

Granulomatöse Entzündungen innerhalb des Auges können fokal isoliert oder disseminiert auftreten. Morphologisch entscheidendes Kriterium granulomatöser Entzündung sind Epitheloidzellen sowie mehrkernige Riesenzellen, die von einem lymphoyztären Infiltrat umgeben werden. Diese Reaktionsform wird fast ausschließlich am vorderen Augenabschnitt beobachtet; als Choroiditis tritt diese Reaktion dage-

gen nur sehr selten in Erscheinung, z. B. bei Sarkoi- dose.störung zur fibrinösen Uveitis oder zum Hypopion

-Hornhautendothelpräzipitaten Irisund

Aderhaut-Befunden

hervor.Muster und Erscheinungsbild von

C: Consiliarische Untersuchung und weiterführende Untersuchungen (Labor-, Bildgebung) und Facharztkonsultation

-Interdisziplinäre Abklärung/Betreuung

Bei entsprechenden klinischen Hinweisen kann die Konsultation eines Urologen, Dermatologen, HNOKollegen, Neurologen, Rheumatologen oder Pädiaters angezeigt sein. Eine immunsuppressive Behandlung sollte von einem Rheumatologen oder onkologischen Kollegen überwacht werden. Eine internistische Un- -tersuchung sollte erfolgen bei

V. a. Systemerkrankungen (z. B. SLE, Vaskulitis, Tbc, Syphilis, Borreliose, Kollagenosen, ulzerative

-oder granulomatöse Kolitis, Morbus Whipple?) Sofern eine langfristige systemische Therapie mit Kortikosteroiden (>3 Monate) oder immunmodulatorischen Substanzen geplant ist: Ausschluss von Kontraindikationen bzw. entsprechende Über-

 

206

Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

1

 

wachung einplanen (Tbc, Diabetes, Hypertonie,

 

Osteoporose?)

2

 

Kontrolluntersuchungen bei Basistherapie mit

 

-immunmodulatorischen Substanzen

3

Laboruntersuchungen

Als „Minimaldiagnostik“ für alle Formen intraokularer

 

4

Entzündung wird nach DOG Leitlinie 14 (spätestens auch

ab dem zweiten Schub für anteriore Uveitis) eine ätiologi-

5

sche Abklärung empfohlen. Sie umfasst folgende Unter-

suchungen:

 

 

Differentialblutbild

6

 

CRP oder Erythrozytensenkungsgeschwindigkeit

 

Kreatinin, Elektrolyte, ASAT, ALAT, Urinstatus

7

 

HLA-B27 (stets bei fibrinöser AU)

 

ACE, IL-2R (Angiotensin-Converting-Enzym) (bei

-Verdacht auf Sarkoidose)

8

 

Bei Kindern: ANA (antinukleäre Antikörper)

 

Lues-Serologie (TPHA, TPPA), ggf. VDRL

 

 

9

 

Tuberkulose-Tests (z. B. Mendel-Mantoux Hauttest),

-ggf. Nachweis mit T-Lymphozytentransformati-

10

 

onstests (EliSpotT/Quantiferon): insbesondere bei

 

klinischem Verdacht auf eine Tuberkulose und zum

 

 

Nachweis einer latenten Tuberkulose

11

 

Borreliose-Serologie (IgG, IgM, und Western Blot)

 

Bei unklarer ätiologischer Einordnung: ggf. Kammer-

 

-wasserpunktion zum Nachweis von HSV, VZV, CMV

 

-

Bildgebende Verfahren:

12

-lose)Thorax (Fragestellung: Sarkoidose oder Tuberku-

13

 

-Spondylitis)Iliosakralgelenke (bei Verdacht auf ankylosierende

14

 

 

 

15

>>

Ergänzung zur Liste der Minimaldiagnostik

 

Eine HLA-B27-Typisierung ist nur bei nicht-gra-

 

 

- nulomatöser, akuter Iritis sinnvoll, da nur hierbei

16

 

ein Zusammenhang mit einem charakteristischen

 

Krankheitsbild besteht. In Mitteleuropa sind ca.

17

 

8 % aller Menschen positiv für HLA-B27, und

 

daher werden bei ungezielter Typisierung viele

18

 

positive Befunde erhoben, die aber keine diag-

 

nostische oder prognostische Bedeutung haben

 

 

 

 

werden.

19

 

Bei V. a. herpetischer Uveitis sollte beim immun-

 

- supprimierten Patienten auch eine PCR für EBV,

20

 

ggf. auch auf CMV durchgeführt werden.

 

ACE, IL2-R und Tuberkulose-Screening sind nur

 

 

- bei granulomatöser Uveitis indiziert.

21

 

Die Lues-Serologie sollte möglichst bei der Erst-

 

- vorstellung erfolgen, da eine Lues alle Uveitis-

22

 

bilder imitieren kann und sich daraus erhebliche

 

therapeutische Konsequenzen ergeben.

-Ein serologischer Nachweis von HSV, VZV, CMV, EBV aus dem peripheren Blut hat wegen der hohen Durchseuchungsrate keine diagnostische

-Bedeutung.

HLA-Typisierung: für einige Formen intraokularer Entzündung liegt eine genetische Prädisposition vor, die Hinweise zur DD bieten kann.

Bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT, -Endoskopie, Ultraschall)

Röntgen: Thorax bei V. a. Tuberkulose oder Sarkoidose. Das Röntgen der Sakroiliakalgelenke bei V. a. axialer Spondyloarthropathie (früher als ankylosierende Spondylitis oder M. Bechterew bezeichnet) hat

-tung, daher wird eher ein MRT empfohlen.

CT/MRT: Bei V. a. Sarkoidose und axialer Spondyloarthropathie. Bei Uveitis intermedia mit V. a. multiple

-Sklerose oder Lymphom

Endoskopie: Magen, Duodenum zum Ausschluss von

Colitis ulcerosa bzw. M. Crohn sowie zur Abklärung von Steroidkontraindikationen bei Ulkusanamnesenur eine niedrige Sensitivität bei hoher Strahlenbelas-

Hauttests

Tuberkulin-Hauttest (Intrakutantest nach MendelMantoux)

Die Infektion mit Mykobakterien hat in mehrfacher Hinsicht neue Bedeutung erlangt. Sie nimmt wieder weltweit an Häufigkeit zu (geografische Unterschiede), neue assoziierte Krankheitsbilder wurden beschrieben, und es sind neue diagnostische Maßnahmen verfügbar. Gleichzeitig weist die Behandlung mit antientzündlichen Wirkstoffen, v. a. Biologika (in erster Linie anti-TNF-Therapeutika) ein hohes Risiko auf latente Infektionen zu reaktivieren. Zuverlässige diagnostische Maßnahmen sind daher zum Ausschluss latenter Infektion zunehmend wichtig. Eine systemische immunsuppressive Behandlung sollte bei entsprechenden Patienten nur nach sorgfältiger Abwägung und unter tuberkulostatischem Schutz vorgenommen werden.

Beim Tuberkulin-Hauttest wird eine definierte Menge gereinigter und filtrierter Antigene aus Mykobakterien (Tuberkulin/PPD, Purified Protein Derivative) in die Epidermis gespritzt. Der Tuberkulin-Test ist ungefährlich und kann auch bei Schwangeren, stillenden Müttern oder Kleinkindern durchgeführt werden. Hatte das Immunsystem des Getesteten vorher Kontakt mit Mykobakterien (auch nach Tbc-Impfung), tritt innerhalb von drei Tagen eine Typ IV-Reaktion (nach COOMBS) mit Einwanderung von Abwehrzellen in die Haut ein (Rötung und Schwellung). Bereits sechs Wochen nach einer Infektion mit Mykobakterien wird der Test positiv. Bleibt die Haut an der Teststelle unverändert oder zeigt sich nur eine Rötung,

 

 

207

 

 

5

 

 

 

 

 

5.3  •  DiagnostischesVorgehen, Labordiagnostik und interdisziplinäre Abklärung bei intraokularer Entzündung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 5.10  Diagnostik-beeinflussende Faktoren bei Uveitis anterior

 

 

 

 

 

 

 

Patientenalter

Bei anteriorer Uveitis im Kindesalter: stets Minimaldiagnostik (s. o.)

 

Zahl der Rezidive

Mit dem ersten Rezidiv sollte eine Labordiagnostik (Minimaldiagnostik) erfolgen

 

Bekanntes Krankheitsbild (klinisch

Selten weitere Diagnostik notwendig (z. B. Fuchs Uveitis Syndrom, HSV induzierte anteri-

 

eindeutig)

ore Keratouveitis)

 

Visus

Je stärker der Visus bedroht ist, desto eher weitere Diagnostik

 

Immunstatus

Bei immuninkompetenten Patienten (medikamentöse Immunsuppression, AIDS, Karzi-

 

 

nome, Alter, genetisch bedingte Immundefizienz):

 

 

Erweiterte Diagnostik (infektassoziierte Genese, Maskeradesyndrom) bereits im Frühsta-

 

 

dium notwendig!

 

wird dies als negativ bewertet. Tuberkulin-Tests sind nur eingeschränkt verlässlich und können auch bei schweren, akuten Verläufen, wie bei einer Miliartuberkulose, negativ bleiben oder bei vorangegangener Impfung fälschlich positiv werden. Spezifischere Labor-Tests wie der QuantiferonGold®Test oder der ElispotTB®Test sind nicht mit diesen Fehlern behaftet und daher zu empfehlen.

zz Pathergie-Test

Eine Pustelbildung nach Hautpunktion oder intrakutaner Injektion von physiologischer Kochsalzlösung ist eines der Hauptkriterien zur Diagnose des Morbus Behçet. Der diagnostische Wert ist allerdings in Europa als zweifelhaft anzusehen, da nur ein kleiner Teil (< 10 %) gesicherter Behçet Patienten einen positiven Test aufweist und der Anteil positiver Testergebnisse sinkt, wenn die Hautstelle zuvor gründlich desinfiziert worden ist.

-Intraokulare Diagnostik

Erregernachweis: Bei allen Formen mit Verdacht auf intraokularer Entzündung auf eine infektassoziierte Ätiologie ist der Erregernachweis entscheidend um eine gezielte Behandlung einzuleiten. Dies trifft insbesondere für fulminante und visusbedrohende Verläufe, z. B. bei ARN zu. Der klinische Verdacht sollte

-bestätigt werden (  Abschn.6.6).

Zytokine können in Kammerwasser und Glaskörper mittels ELISA festgestellt werden und z. B. Hinweise bei B Zell-Lymphomen bieten (erhöhte IL-10 Syn-

-these; s. Abschn.6.6).

Zytologie und Histologie von Biopsiematerial:

Bindehaut (Granulome bei Sarkoidose), Glaskörper (Lymphom), Iris, Aderhaut, Netzhaut oder anderem

Material des Auges können eine endgültige Diagnose herbeiführen.durch Virusnachweis mittels PCR oder Antikörper

5.3.3Spezieller Teil: Differentialdiagnostik

nach Entzündungsschwerpunkt

Das differentialdiagnostische Vorgehen – orientiert nach der SUN Klassifikation – wird im Folgenden dargestellt.

Diagnostik der anterioren Uveitis

Allgemeine Faktoren, die diagnostische Maßnahmen bei anteriorer intraokularer Entzündung beeinflussen, sind in

.Tab.5.10 aufgeführt.

Leitbefunde: Nicht-granulomatöse/ granulomatöse Entzündungsreaktion

Nicht-granulomatöse Entzündungsreaktion

Morphologische Befunde können eine weitere Eingrenzung der DD erlauben (.Abb.5.12). Als Leitbefund kann zunächst eine Orientierung an granulomatösen bzw. nichtgranulomatösen Veränderungen erfolgen.

zz Leitbefund: Nicht-granulomatöse

Hornhautendothelpräzipitate (.Abb.5.13)

zz Leitbefunde: Fibrinexsudation (.Abb.5.14)

zz Leitbefunde: Hypopion

Ebenso wie die Fibrinexsudation weist das Auftreten eines Hypopions auf eine ausgeprägte vordere Gefäß-Kam- merwasser-Schrankenstörung hin (.Abb.5.15). Bei dem Leukozytensediment handelt sich um sedimentierte, nicht adhärierende Entzündungszellen, in aller Regel um Granulozyten. In der Differentialdiagnostik der endogenen Uveitis stehen, wie bei der Fibrinexsudation v. a. Erkrankungen aus dem Formenkreis der HLA-B27+ Sponyloarthropathien im Vordergrund (.Tab.5.11), auch M. Behçet sollte in Betracht gezogen werden.

1

2

3

4

5

6

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9

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22

208 Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anteriore

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Uveitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicht

 

 

Granulomatös

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Granulomatös

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Keratitis

 

Mit Skleritis

 

Irisatrophie

 

 

 

Maskerade

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

HSV, VZV

 

HSV, VZV

 

 

 

 

 

i.o. Fremdkörper

 

 

Cogan Syndrom

 

M. Wegener

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lupus erythematodes

 

Polychonditis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Borreliose

 

Panarteritis nodosa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reaktive Arthritis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cogan Syndrom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lupus erythematodes

 

 

 

 

 

 

HSV, VZV, CMV*

 

 

 

 

 

 

 

Borreliose

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Toxoplasmose

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lues

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 5.12  Flussdiagramm zu Leitbefunden und DD intraokularer, nicht-granulomatöser Entzündung. (* Befund im Frühstadium)

..Abb. 5.13  Klinischer Befund bei granulomatöser Uveitis: Endo-

..Abb. 5.14  Klinischer Befund bei nicht-granulomatöser Uveitis:

thelpräzipitate bei Fuchs-Uveitis-Syndrom (beachte die disseminierte

Fibrinexsudation in die Vorderkammer als typischer Befund bei HLA-

Verteilung der Präzipitate auch in der oberen Hemisphäre). Die

B27+ assoziierter, anteriorer Uveitis

Zusammensetzung dieser Beschläge entspricht denen der Vorder-

 

kammerzellen. Nicht-granulomatöse PKs sind meist sehr kleine,

 

einzeln liegende Zellen, die sich auf dem Endothel abgesetzt haben

 

(„Dusting“)

 

..Abb. 5.15  Klinischer Befund: Hypopion bei nicht-granulomatöser Uveitis anterior

209

5

 

5.3  •  DiagnostischesVorgehen, Labordiagnostik und interdisziplinäre Abklärung bei intraokularer Entzündung

.. Tab. 5.11  Assoziation: Hypopion zu verschiedenen Krankheitsbildern

 

Studienkollektiv (n)

Hypopion (n)

RR für ein Hypopion

Form der Uveitis Anterior

1513

44

 

Systemische Erkrankung/HLA Status

 

 

 

HLA-B27+ gesamt

286

19

2,60

Sponylarthropathie, gesamt

150

12

3,22

Sponylarthropathie, HLA-B27 positiv

80

10

4,30

Juvenile idiopathische Arthritis

142

6

1,32

Sarkoidose

245

2

0,22

Entzündliche Darmerkrankung

71

2

0,86

M. Behçet

85

13

4,93

Cave: Besonderheiten

 

 

 

Maskerade-Syndrome

 

 

Leukämie, Retinobla-

 

 

 

stom, Lymphom

Medikamentenassoziiertes Hypopion

 

 

Rifabutin

Mod. nach Zaidi AA et al., Hypopion in Patients with Uveitis. Ophthalmology 2010;117:366–372; RR = relatives Risiko

zz Leitbefunde: Keratouveitis

>> Die Keratouveitis (. Abb. 5.16) ist bei überwiegend unilateralem Verlauf oft auf eine virale Genese zurückzuführen und bedarf einer längerfristigen spezifischen Behandlung. Typische Veränderungen manifestieren sich als stromale Hornhauttrübung oder Endotheliitis und sind oft von Neovaskularisationen begleitet.

zz Leitbefunde: Irisstromaveränderungen

Befunde der Iris sind ebenfalls differentialdiagnostisch hilfreich und treten bei nicht-granulomatöser Entzündung, v. a. bei rezidivierendem Verlauf überwiegend, als Stromaalteration in Erscheinung.

Typische Befunde können z. B. bei viralen Infektionen (HSV, VZV) beobachtet werden (.Abb.5.17).

zz Leitbefund: Iris-Heterochromie

Die Iris-Heterochromie (.Abb.5.18) ist mit einer Prävalenz von vier Fällen unter einer Million Personen selten. Sie ist daher als spätes Zeichen rezidivierender Uveitis beachtenswert und kann bei verschiedenen (meist einseitig verlaufenden) infektionsassoziierten Entzündungen (Ru- bella-Virus-, selten Cytomegalie-Virus-assoziiert) beobachtet werden. Für Ernst Fuchs stellte die Heterochromie das Bezugskriterium bei der Beschreibung des nach ihm benannten Syndroms dar. Aktuelle Untersuchungen belegen allerdings, dass die Heterochromie nicht obligat ist und i. d. R ein spätes Zeichen des Fuchs-Uveitis-Syndroms ist (  Kap.7).

Anteriore Uveitis: Granulomatöse

Entzündungsreaktion (.Abb. 5.19)

zz Leitbefund: Granulomatöse Hornhautendothelpräzipitate

Granulomatöse KPs (.Abb.5.20, .Abb.5.21) sind fest anhaftend und können fein, sternförmig oder speckig groß sein. Histologisch handelt es sich um Makrophagen.

Eine eindeutige Differenzierung einer Uveitis in granulomatös und nicht-granulomatös ist oft klinisch nicht sicher möglich. Oft bestehen anfänglich nicht-granuloma- töse Beschläge, die im weiteren Verlauf mit zunehmender Aktivierung der Makrophagen durch T-Zellen granulomatös werden (Beispiel: HSV-assoziierte anteriore Uveitis).

-zz Leitbefunde: Irisstromaveränderungen Irissaumknötchen („Koeppeknötchen“, .Abb.5.22)

Irisstromaknötchen („Busaccaknötchen“,

.Abb.5.23)

Selten finden sich auch Irisgranulome an der Irisbasis nah beim Kammerwinkel. Sie werden Berlin’sche Knoten genannt.

Die sich aus den Leitbefunden ergebenden DD und die daraus resultierenden diagnostischen Schritte sind in

.Tab.5.12 zusammengefasst.

Uveitis intermedia

Streng genommen sind die Begriffe „Glaskörperentzündung“, „Vitritis“ oder „Hyalitis“ inkorrekt, da eine Infiltration in den Glaskörperraum nur durch die Gefäßanbindung eintreten kann. Quelle des entzündlichen Exsudates

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210 Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

..Abb. 5.16a,b  VZV-assoziierte Keratouveitis mit stromaler Trübung und entrundeter Pupille bei Irissphinkter-Alteration (a). HSV-assoziierte Keratouveitis mit stromaler Trübung und Hornhaut-Neovaskularisation (4–6 h, b)

..Abb. 5.17a–ba VZV-assoziierte anteriore Uveitis mit irregulärer, entrundeter Pupille bei Irissphinkter-Alteration und stromaler Atrophie der linken Seite. b Gleiche Patientin mit gleichzeitig bestehendem Iris-Stromadefekt bei regredienter Beleuchtung in der Spaltlampenmikroskopie

..Abb. 5.18  Patient mit typischem Fuchs-Uveitis-Syndrom. Irisstromaatrophie mit„verwaschenem Erscheinungsbild“; disseminierte Hornhautendothelpräzipitate, die auch in der oberen Hemisphäre auftreten. Intraokular konnten Antikörper gegen Rubella-Virus nachgewiesen werden

211

5

 

5.3  •  DiagnostischesVorgehen, Labordiagnostik und interdisziplinäre Abklärung bei intraokularer Entzündung

Evidence of systemic disease (eg, fever, malaise, weight loss, arthritis, rash)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Retinitis present

 

Occlusive vasculitis

 

Nonocclusive vasculitis

• CMV retinitis

 

• Behcet disease

 

• Multiple sclerosis

• Toxoplasmosis

 

• SLE

 

• Lyme disease

• Candidiasis

 

• PAN

 

• Sarcoidosis

• Behcet disease

 

• Wegener granulomatosis

 

• Whipple disease

• Herpes zoster/simplex

 

• HSV

 

• Crohn disease

• Syphilis

 

• VZV

 

• Rheumatoid arteritis

• Lymphoma

 

• EBV

 

• Polymyositis

• EBV

 

• Toxoplasmosis

 

 

 

 

 

 

 

 

• Toxocariasis

 

 

 

 

 

 

 

 

• Sarcoidosis

 

 

 

 

 

 

 

 

• Giant cell arteritis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

• Medical evaluation

 

• HLA-B51

 

• Neuroimaging

• Toxoplasmosis

 

• ANA, anti-ds DNA

 

• Lyme serology

• HIV serology

 

• ESR, C-reactive protein

 

• ACE

• Candida culture

 

• cANCA, pANCA

 

• Chest x-ray

• FTA-ABS, RPR

 

• ACE

 

• Gallium scan

• LumbarACE

 

• Temporal artery biopsy

 

• Muscle enzyme

puncturebiopsy

 

• Biopsy of other

 

 

 

 

• Neuroimaging

 

diseased tissue

 

 

 

 

• Vitreous biopsy

 

 

 

 

 

 

 

• PCR analysis of

 

 

 

 

 

 

 

vitreous biopsy

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

No evidence of systemic disease

Acute retinal necrosis

Frosted branch angitis

Birdshot retinochoroiditis

Eales disease

Pars planitis

Toxoplasmosis

Retinal arteritis and aneurysms

No further workup unless clinical situation warrants

..Abb. 5.19  Flussdiagramm und Algorithmus zu morphologischen Veränderungen und DD bei intraokularer granulomatöser Entzündung

..Abb. 5.20a,b  Klinischer Befund: Granulomatöse Uveitis anterior mit typischen Endothelpräzipitaten bei gesicherter Sarkoidose

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212 Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

..Abb. 5.21  Klinischer Befund: Granulomatöse Uveitis anterior mit typischen grau verfärbten Endothelpräzipitaten bei gesicherter HSVUveitis

..Abb. 5.22  Klinischer Befund bei granulomatöser Uveitis anterior: Granulome am Irissaum oder im Stroma bei Sarkoidose

..Abb. 5.23  Klinischer Befund bei granulomatöser Uveitis anterior: Granulom im Irisstroma

.. Tab. 5.12  Differentialdiagnosen und Maßnahmen bei anteriorer Uveitis

Befund

Verdachtsdiagnose

Empfohlene Untersuchung

Akute nicht-granulomatöse Iritis, einseitig,

Axiale Spondyloarthropathie

HLA-B27-Typisierung. Entzündungsparameter

bzw. die Seitigkeit wechselnd

 

(CRP); Untersuchung der Sakroiliakalgelenke

 

 

(MRT) mit rheumatologischer Abklärung

Akute nicht-granulomatöse Iritis, Konjunk-

Reaktive Arthritis (früher M. Reiter

Serologischer Nachweis einer durchgemach-

tivitis (anamnestisch vorangegangener

genannt)

ten Infektion mit gram-negativen Bakterien;

bakterieller Infekt, z. B. Blasenentzündung)

 

HLA-B27-Typisierung

mit Arthritis der großen Gelenke (v. a. Knie,

 

 

Hüfte)

 

 

Akute nicht-granulomatöse Iritis (Hypo-

M. Behçet

Fluoreszeinangiographie zum Ausschluss

pion). Schleimhautaphthen (oral), genitale

 

retinaler (okklusiver) Vaskulitis;

Ulzerationen

 

HLA-B51-Typisierung; Vorstellung beim Rheu-

 

 

matologen; Erythema nodosum

Chronische nicht-granulomatöse Iritis

Tubuläre interstitielle Nephritis mit

β2-Mikroglobulin in Blut, Urinuntersuchung;

(Jugendliche, junge Erwachsene)

Uveitis (TINU)

nephrologische Abklärung

Nicht-granulomatöse Iritis beim Jugend-

Juvenile idiopathische Arthritis mit

Kinderärztliche oder kinderrheumatologische

lichen, Kind oder Kleinkind

Uveitis

Abklärung; antinukleäre Antikörper (ANA),

 

 

CRP, HLA-B27

 

 

 

213

 

 

5

 

 

 

 

 

 

5.3  •  DiagnostischesVorgehen, Labordiagnostik und interdisziplinäre Abklärung bei intraokularer Entzündung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 5.12 (Fortsetzung)  Differentialdiagnosen und Maßnahmen bei anteriorer Uveitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Befund

Verdachtsdiagnose

Empfohlene Untersuchung

 

Granulomatöse Iritis oder Panuveitis, mit

Sarkoidose

Röntgen-Thorax, ggf. CT. ACE, IL-2-Rezeptor;

 

speckigen und zum Teil großen Endothelbe-

 

Biopsie von Bindehautknoten; Erythema

 

schlägen und Irisgranulomen

 

nodosum; internistische Abklärung

 

Granulomatöse Iritis, einseitig

Herpetische Uveitis, oder Keratou-

Pupillenentrundung, Augeninnendruckerhö-

 

 

veitis

hung, Irispigmentblattdefekte (Kirchenfen-

 

 

 

sterphänomen); Ausschluss einer retinalen

 

 

 

Nekrose; Vorderkammerpunktion für PCR oder

 

 

 

Antikörper zum Nachweis von HSV, VZV, CMV,

 

 

 

ggf. EBV (beim Immunsupprimierten)

 

Granulomatöse Iritis mit sehr kleinen Endo-

Fuchs-Uveitis-Syndrom

Irisstromaatrophie. Vorderkammerpunktion

 

thelbeschlägen, überwiegend einseitig

 

für Antikörper gegen Röteln (Goldmann-

 

 

 

Whitmer-Koeffizient)

 

Granulomatöse Iritis mit einzelnen spe-

Posner-Schlossman-Syndrom

Augeninnendruckanstiege bis 50 mmHg appl.

 

ckigen Endothelbeschlägen, überwiegend

 

Vorderkammerpunktion für PCR oder Antikör-

 

einseitig

 

per gegen HSV, VZV, CMV

 

Granulomatöse Iritis beim Jugendlichen

Blau-Syndrom

Genetische Untersuchung (NOD); Erythema

 

oder Kind

 

nodosum

 

Granulomatöse Iritis oder Panuveitis.

Tuberkulose

Quantiferon Gold-Test®; Elispot Tb-Test®, HIV-

 

 

 

Test, Röntgen/CT des Thorax; Sputumdiagnos-

 

 

 

tik und Liquorpunktion

 

Iritis, Panuveitis, einseitig oder beidseitig,

Syphilis

Serologie (TTPA; FTA-ABS; VDRL; HIV-Test);

 

granulomatös oder nicht-granulomatös

 

Internistisch-infektiologische Abklärung, ggf.

 

 

 

mit neurologischer Untersuchung

 

Iritis, Panuveitis, einseitig oder beidseitig,

Borreliose

ELISA; Immunoblot für IgG und IgM; Fluores-

 

granulomatös oder nicht-granulomatös

 

zeinzangiographie

 

sind Venolen der sensorischen Netzhaut. Dies lässt sich sowohl klinisch beobachten (Einscheidungen, sog. „sheathing“ der peripheren Netzhautgefäße) als auch in der Fluoreszeinangiografie darstellen (  Kap.9).

Diagnostik der intermediären Uveitis

Bei der intermediären Uveitis können als assoziierte Erkrankungen Sarkoidose und multiple Sklerose, sehr selten auch Lues oder Borreliose, auftreten und sollten initial diagnostisch ausgeschlossen werden. Eine assoziierte Erkrankung findet sich typischerweise erst im Erwachsenenalter, nur sehr selten bei Kindern und Jugendlichen. Schon ab dem mittleren Lebensalter sollte man bei der Erstmanifestation einer intermediären Uveitis auch an ein intraokulares Lymphom denken, sodass weitere diagnostische Schritte (diagnostische ppV, MRT des Schädels) bei solchen Patienten durchgeführt werden sollten.

Wichtige DD bei intermediärer Uveitis sind (.Tab.5.13).

Uveitis posterior

Die Krankheitsbilder bei posteriorer Uveitis sind vielfältiger, als die bei der anterioren Uveitis. Mittels Minimaldiagnostik werden Sarkoidose, Tuberkulose und Lues ausgeschlossen. Die weitere Diagnostik sollte befundabhängig vorgenommen werden.

Leitbefund (.Tab. 5.14, .Tab. 5.15)

-Uveitis posterior (zusätzlich zur Basisdiagnostik,

.Tab.5.15)

Differentialblutbild

Toxoplasmose-Serologie (falls klinischer Anhalt für Toxoplasmose nicht ausreichend). Cave: Die Sero-

-in Europa bei Erwachsenen > 25 %! Evtl. Toxocara-Serologie bei Kindern

Tuberkulin-Test (Mantoux-Hauttest, falls früher

-keine Impfung erfolgt ist), Quantiferontest HLA-A29 (bei klinischem Bild und V. a. Birdshot

-Chorioretinitis)

HLA-B51 (der Nachweis kann die Diagnose eines M.

-Behçet unterstützen)

Thorax CT (bei klinischem Verdacht auf Sarkoidose

-ohne bisherige histologische Sicherung) Glaskörperpunktion/diagnostische Vitrektomie (bei

-Therapieresistenz, bei V. a. Lymphom möglichst vor einer Steroidtherapie)

NMR (bei Verdacht auf intraokulares Lymphom zum

-Ausschluss einer ZNS-Beteiligung) Netzhautbiopsie (bei Bedrohung des zweiten Auges nach massiver Schädigung des ersten Auges)konversion der asymptomatischen Bevölkerung liegt

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214

Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

 

 

 

 

 

.. Tab. 5.13  Differentialdiagnosen und Maßnahmen bei intermediärer Uveitis

 

 

 

 

 

 

Befund

Verdachtsdiagnose

Empfohlene Untersuchung

 

Intermediäre Uveitis, beidseitig, mit peri-

Multiple Sklerose

Neurologische Untersuchung, MRT, Liquor-

 

pherer Vaskulitis und häufig pars plani-

 

punktion

 

tischen Infiltraten

 

 

 

Intermediäre Uveitis, einoder beidseitig.

Intraokulares Lymphom

Nachweis atypischer Zellen im Vitrekto-

 

Retinale oder choroidale Infiltrate, „Leopar-

 

miepräparat! (Cave: vorangegangene Stero-

 

denfellzeichnung“

 

idtherapie führt zur Apoptose – verhindert

 

 

 

Nachweis)

 

 

 

Hilfreich: erhöhtes IL-10 im Kammerwasser

 

 

 

(Quotient IL-10/IL-6)

 

Intermediäre Uveitis, beidseitig, granulo-

Sarkoidose

Röntgen-Thorax, ggf. CT. ACE, IL-2-Rezeptor.

 

matöse Panuveitis. Glaskörperinfiltrate,

 

Biopsie von Bindehautknoten. Erythema

 

perlenkettenartig angeordnet.

 

nodosum. Internistische Abklärung.

.. Tab. 5.14  Ursachen bzw. assoziierte Grunderkrankungen einer Uveitis posterior, geordnet nach klinischem Befund (Verdachtsdiagnose)

Retina

 

 

Choroidea

 

Nekrose

Vaskulitis

Retinitis (ohne Nekrose)

Multifokal

Nodulär

M. Behçet

Sarkoidose Birdshot Chori- M. Behçet

Sarkoidose

Tuberkulose

CMV

oretinopathie

Syphilis

Sympathische Ophthalmie

Syphilis

HSV

M. Eales

Birdshot Chorioretinopathie

Vogt-Koyanagi-Harada-

Sarkoidose

VZV

M. Behçet

Acute zonal occult outer

Syndrom

 

EBV

Multiple Sklerose

retinopathy (AZOOR)

Akute posteriore multifo-

 

Toxoplasma gondii

Systemischer Lupus ery-

 

kale placoide Pigmentepi-

 

Lymphom

thematodes

 

theliopathie (APMPPE)

 

 

Polyarteriitis nodosa

 

Birdshot-Chorioretino-

 

 

Wegener-Granulomatose

pathie

 

 

Syphilis

 

Lymphom

 

 

Borreliose

 

Syphilis

 

 

Tuberkulose

 

Borreliose

 

 

HSV

 

M. Whipple

 

 

VZV

 

Histoplasmose

 

 

CMV

 

Bartonellose

 

 

EBV

 

 

 

 

 

.. Tab. 5.15  Wichtige diagnostische Maßnahmen bei klinischer Verdachtsdiagnose posteriore Uveitis

 

 

 

 

 

 

Befund

 

Verdachtsdiagnose

Empfohlene Untersuchung

 

Akute Netzhautnekrose

 

Infektiöse Genese: viral oder

Vorderkammeroder Glaskörperpunktion mit

 

 

Toxoplasma gondii

Nachweis von VZV, HSV, CMV, EBV, Toxoplasma

 

 

 

gondii (mittels PCR oder Antikörpersynthese)

 

 

 

Ggf. auch chorioretinale Biopsie.

 

Retinitis, (okklusive) Vaskulitis, Hypopyon

Morbus Behçet

HLA-B51, anamnestisch orale Aphthen?,

 

 

 

internistisch-rheumatologische Abklärung,

 

 

 

Fluoreszeinangiographie

 

Tief-retinale reiskornartige Aufhellungen

Birdshot-Chorioretinopathie

HLA-A29, Fluoreszeinund Indocyaningrün-

bevorzugt peripapillär am hinteren Pol, kleine

 

Angiographie

 

retinitische Exsudationen, Vaskulitis, Papillitis

 

 

 

Tief-retinale, kleine choroiditische Läsionen.

Histoplasmose

Serologie auf Histoplasmose

 

Patient aus dem (mittleren) Westen der USA

 

 

 

(Endemiegebiet)

 

 

 

 

215

5

 

5.3  •  DiagnostischesVorgehen, Labordiagnostik und interdisziplinäre Abklärung bei intraokularer Entzündung

.. Tab. 5.15 (Fortsetzung)  Wichtige diagnostische Maßnahmen bei klinischer Verdachtsdiagnose posteriore Uveitis

Befund

Verdachtsdiagnose

Empfohlene Untersuchung

Granulomatöse Infiltrate, Vaskulitis

Sarkoidose

Röntgen Thorax (ggf. CT), ACE; IL-2R; PPD; ggf.

 

 

Biopsie der Tränendrüse (vorher Ultraschall),

 

 

Bindehautbiopsie bei Knötchen; internistische,

 

 

rheumatologische Abklärung. Bei Hautbe-

 

 

funden (Erythema nodosum v. a. bei Kindern)

 

 

dermatologische Abklärung

Granulomatöse Uveitis, tiefe choroidale Infil-

Sympathische Ophthalmopa-

Fluoreszeinund Indocyaningrün-Angiographie,

trate (Dalen-Fuchs-Knoten), Vaskulitis

thie bei positiver Anamnese

Ausschluss von Sarkoidose und infektiösen

 

für okuläres Trauma

Ursachen (Tuberkulose, Syphilis, viraler Retina-

 

 

nekrose, Toxoplasmose)

Retinitis, Choroiditis (v. a. Choriokapillaritis),

Borreliose

Fluoreszeinund ggf. Indocyaningrün-Angiogra-

Vaskulitis, Papillitis, granulomatöse oder nicht-

 

phie, Lyme-Serologie

granulomatöse Uveitis

 

 

Retinitis, Choroiditis (v. a. Choriokapillaritis),

Syphilis

Lues-Serologie (TTPA; FTA-ABS; VDRL) HIV-Test

Vaskulitis, Papillitis, granulomatöse oder nicht-

 

Die Lues-Serologie sollte bei Erstvorstellung

granulomatöse Uveitis

 

einer Uveitis immer abgeklärt werden.

Choroidale Granulome, begleitende Exsuda-

Toxocariasis. Besonders bei

Fluoreszeinangiographie, Serologie, Ultraschall

tionen

jungen Patienten und Her-

 

 

kunft aus Osteuropa

 

Fokale retinale Nekrose, Pigmentierte Narben

Toxoplasmose

Überwiegend klinische Diagnose, Serologie,

(Satellitenherd), begleitende Vaskulitis

 

wobei lediglich ein negativer Befund die Dia-

 

 

gnose unwahrscheinlich macht. Kammerwasser

 

 

(Glaskörper-Punktat); im akuten Stadium eher

 

 

PCR; ab ca. 2.–6. Woche Antikörpernachweis

 

 

zuverlässiger

Granulomatöse Infiltrate, Vaskulitis, exsudative

Tuberkulose

Fluoreszeinund Indocyaningrün-Angiographie,

Entzündung, Papillitis

 

Mantoux-Hauttest; Röntgen/CT des Thorax;

 

 

Sputumdiagnostik; Quantiferon Test; ElispotTB

 

 

DD: Sarkoidose (s. o.), internistisch-pulmolo-

 

 

gische Abklärung; HIV-Abklärung

Serpiginöse Choroiditis

Latente Tuberkulose

Fluoreszeinund Indocyaningrün-Angiographie,

 

 

Mantoux-Hauttest; Röntgen/CT des Thorax;

 

 

Quantiferon Test; ElispotTB

Exsudative Ablatio, diffuse Pigmentaufhel-

Vogt-Koyanagi-Harada-

Fluoreszeinund Indocyaningrün-Angiographie,

lungen am hinteren Pol

Syndrom

Lumbalpunktion während eines akuten Schubs;

Vaskulitis, Papillitis. Umschriebene Depig-

 

Haarfollikelbiopsie (Melanozyten?); neurolo-

mentierung von Haut und Haaren, Kopf-

 

gische Abklärung

schmerzen

 

 

Zellreiche Glaskörperinfiltrate, retinale und

Intraokulares Lymphom

Fluoreszeinund Indocyaningrün-Angiographie,

choroidale, gelbliche Infiltrate, leopardenfellar-

 

neurologische, onkologische Abklärung mit

tige Pigmentumschichtungen

 

Liquorpunktion und cMRT. Glaskörperbiopsie

 

 

mit zytologischer Aufarbeitung

 

216

Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

 

 

1

 

 

Flowchart for the Evaluation of Retinal Vasculitis

2

 

 

Perivascular exudation

 

 

 

Rule out: Diabetic retinopathy

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Radiation retinopathy

 

3

 

 

 

Vein occulation

 

 

 

 

Hyperviscosity syndrome

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sickle cell retinopathy

 

4

 

CBC, urinalysis, ACE, CXR, FTA-ABS,

 

 

 

 

uorescein angiogram

 

 

5

 

 

 

 

 

6

 

 

Evidence of systemic disease

 

No evidence of

 

 

 

(eg, fever, malaise, weight loss,

 

 

 

 

 

systemic disease

7

 

 

arthritis, rash)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8

 

 

 

 

 

9

Retinitis present

Occulsive vasculitis

Nonocclusive vasculitis

• Acute retinal necrosis

• EBV

• Behcet disease

• Multiple sclerosis

• Frosted branch angitis

• Birdshot retinochoroiditis

• CMV retinitis

• SLE

• Lyme disease

 

• Eale disease

10

Toxoplasmosis

• PAN

• Sarcoidosis

• Pars planitis

• Candidiasis

• Wegener granulomatisis

• Whipple disease

• Toxoplasmosis

• Behcet disease

• HSV

• Crohn disease

 

• Retinal arteritis

11

• Herpes zoster/simplex

• VZV

• Rheumatoid arteritis

and aneurysms

• Syphilis

• EBV

• Polymyositis

 

 

Lymphoma

• Toxoplasmose

 

 

12

 

 

• Toxocariasis

 

 

 

 

• Sarcoidosis

 

 

 

 

 

• Giant cell arteritis

 

 

13

 

 

 

 

 

14

• Medical evaluation

• HLA-B51

• Neuroimaging

No further workup

• Toxoplasm

• ANA, anti-ds DNA

• Lyme serology

unless clinical situation

 

 

• HIV serology

• ESR, C-reactive protein

• ACE

warrants

15

• Candida culture

• cANCA, pANCA

• Chest x-ray

 

• FTA-ABS, RPR

• ACE

• Gallium scan

 

 

 

 

• LumbarACE

• Temporal artery biopsy

• Muscle enzyme

 

16

 

puncturebiopsy

• Biopsy of other

 

 

• Neuroimaging

diseased tissue

 

 

 

 

 

 

Vitreous biopsy

 

 

 

17

• PCR analysis of

 

 

 

 

vitreous biopsy

 

 

 

 

 

 

 

 

18

..Abb. 5.24  Algorithmus zur DD bei Vaskulitis der Retina

 

 

19

Vaskulitis (zusätzlich zur erweiterten Basisdiagnostik,

Evtl. immunhistochemische Untersuchung einer

20

s o., .Abb.5.24)

 

-Sklera-Biopsie zum Ausschluss einer Vaskulitis

ANA, Anti-Kardiolipin-Antikörper

Choroiditis: Befund-Morphologie

 

-ANCA

 

21

 

Entzündungen der Aderhaut werden als Choroiditis be-

 

Uveitis mit Skleritis (zusätzlich zur erweiterten Basisdi-

zeichnet. Oft sind mit der Aderhaut auch das retinale

22

agnostik, s. o.)

 

Pigmentepithel und sogar die Netzhaut entzündlich ver-

-ANA

 

ändert.

 

 

ANCA

 

 

217

5

 

5.3  •  DiagnostischesVorgehen, Labordiagnostik und interdisziplinäre Abklärung bei intraokularer Entzündung

Photorezeptoren

RPE

Choriokapillaris

Aderhautstroma

ICGA

3–5 min

10 min

30 min

..Abb. 5.25  ICGA im normalen Auge. Nach 3 min. ist ICG (grün) aus den fenestrierten Kapillaren ausgetreten und durchtränkt die Choriokapillaris (oben). In der Angiographie (ICGA; unten) zeigen sich retinale Gefäße und die Struktur der oberflächlichen Aderhaut. Nach 10 min. ist der Farbstoff tief in das Aderhautstroma diffundiert, und es kommt zu einer gleichmäßigen Anfärbung der Aderhaut. Nach 30 min. ist ein Teil des ICG hepatisch ausgeschieden und aus dem Aderhautstroma diffundiert. Die retinalen Gefäße enthalten nur noch wenig ICG und stellen sich wieder dunkel dar. (Abb. mit freundlicher Genehmigung des Springer-Verlags, Thurau S, Wildner G 2010)

>> Da eine Entzündung in jeder dieser Schichten bei der Fundusuntersuchung als heller Fleck erscheint, wird gern der Begriff „white-dot-syndrome“ verwendet, obwohl damit keinerlei Aussage über den Entzündungsort gemacht wird. Daher sollte der Begriff „white-dot-syndrome“ nicht mehr verwendet werden.

Lokalisation der Entzündung mittels Angiographie

Mithilfe der Indozyaningrün-Angiographie (ICGA) kann der Ort der Entzündung sehr gut eingegrenzt werden (  Abschn.5.4.1). Sie ist zur Diagnostik der Choroiditis daher unentbehrlich. Indocyaningrün wird im kurzwelligen Infrarot angeregt und emittiert im langwelligen Infrarotbereich. Da das Pigment des RPE und der Aderhaut für infrarotes Licht durchgängig ist, können die tiefen Aderhautschichten sehr gut sichtbar gemacht werden. Indocyaningrün (ICG) ist zwar ein kleinmolekularer Farbstoff, da er aber zu ca. 98 % an Albumine und Globuline bindet, verhält er sich wie ein großmolekularer Farbstoff. Daraus ergeben sich zwei Besonderheiten.

das Aderhautstroma und durchtränkt die gesamte normale Aderhaut mit ICG (.Abb.5.25, 1: 10 min.). Im weiteren Verlauf diffundiert es in die Tiefe des Aderhautstromas und wird im venösen Gefäßsystem wieder rückresorbiert (.Abb.5.25, 1: 30 min.).

2.ICG diffundiert erst bei sehr starker Schädigung des Gefäßendothels aus dem Lumen in das Gewebe.

Im Gegensatz zur Fluoreszeinangiographie (FA) zeigen entzündliche Läsionen daher praktisch keine Exsudationen (wobei aber 30 min. nach der Farbstoffinjektion sehr heftige Exsudationen vereinzelt doch dargestellt werden können). Stattdessen bilden sich in den ersten 5–10 min. entzündliche Infiltrate in der Aderhaut, entzündliche Perfusionsdefizite oder Kapillarverschlüsse und Narben der Choriokapillaris als Hypofluoreszenzen ab. Bleibt das Areal im weiteren Verlauf der Angiographie nach 10 bis 30 min. dunkel, so liegen Atrophien, Narben, Perfusionsdefekte oder tiefgreifende Granulome vor. Kleine, nicht durchgreifende, entzündliche Läsionen, die initial hypofluoreszent sind, verändern ihr Aussehen und zeigen

1.ICG verlässt nach ca. 1 min. die stark fenestrierten Ennach 10 bis 30 min. eine Isooder Hyperfluoreszenz. Im dothelien der oberflächlichen Aderhautschicht (ChoGegensatz zur FA sieht man hypofluoreszente Blocka-

riokapillaris, .Abb.5.25, 1: 3–5 min.), diffundiert in dephänomene in der ICGA nur bei stark hyperpigmen-

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Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

 

 

 

.. Tab. 5.16  Einteilung der Aderhautentzündungen nach der betroffenen Schicht

 

 

 

 

Aderhautlokalisation

Erkrankungsentität

 

Entzündungen der Choriokapillaris

MEWDS (Multiple evanescent white dot syndrome)

 

 

APMPPE (Akute posteriore multifokale plakoide Pigmentepitheliopathie)

 

 

Multifokale Choroiditis, einschließlich PIC (punctuate inner choroiditis)

 

 

Serpiginöse Choroiditis

 

 

AZOOR (acute zonal occult outer retinopathy)

 

Primäre Entzündungen des Stromas

Sympathische Ophthalmopathie

 

 

Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom

 

 

Birdshot Chorioretinopathie

 

Sekundäre Entzündungen des Stromas

Sarkoidose

 

 

Tuberkulose

 

 

Syphilis

 

 

Andere Infektionen

.. Tab. 5.17  Differentialdiagnose chorioretinaler Läsionen anhand der Narbenbildung

Ohne Narbenbildung

Nicht abgrenzbare Narbe

Atrophische Narbe mit pig-

Diskrete, später aufhellende Narbe

 

 

mentiertem Rand

(Atrophie ohne pigmentierten

 

 

 

Rand) mit oder ohne aktiver Ver-

 

 

 

änderung

MEWDS

APMPPE

Multifokale Choroiditis

Birdshot-Uveitis

Bartonella-assoziierte

Serpiginöse Choroiditis

Choroidopathia interna punc-

 

„Neuroretinitis“

 

tata (PIC)

 

HIV-assoziierte Mikroan-

PORN (herpetische Retinitis)

Diffuse subretinale Fibrose

 

giopathie

 

 

 

Akute vitelliforme Maku-

 

Uveitis bei Toxoplasmose, Borre-

 

lopathie

 

liose, Lues, Tbc, Sarkoidose

 

 

 

Choroiditis/Chorioretinitis bei

 

 

 

Pneumozystis Infektion und

 

 

 

Mykosen (HIV)

 

 

 

Sympathische Ophthalmopa-

 

 

 

thie, VKH, bakterielle Uveitis

 

 

 

(Roth Spots)

 

APMPPE = akute posteriore multifokale plakoide Pigmentepitheliopathie; MEWDS = multiple evanescent white dot syndrom; PIC = punctate inner choroidopathy; PORN = progressive outer retinal necrosis; VKH = Vogt-Koyanagi-Harada Syndrom (mod. nach Garweg, 2010)

tierten Narben oder Raumforderungen (Herbort et al. 1998).

Einteilung der Aderhautentzündungen

Der Schwerpunkt einer Choroiditis kann in der oberflächlichen Choriokapillaris oder im Stroma lokalisiert sein (.Tab.5.16). Die stromalen Entzündungen werden weiter in primäre und sekundäre Formen unterteilt. Liegt eine assoziierte Systemerkrankung oder Infektion vor, dann ist die Choroiditis sekundär, andernfalls primär. In

.Tab.5.16 sind die wichtigsten Entitäten der Aderhautentzündungen entsprechend ihrer Lokalisation eingeteilt. Weitere Einzelheiten zu den jeweiligen Entitäten finden sich bei den entsprechenden Buchkapiteln.

Anhand der Narbenbildung lässt sich eine weitere Einteilung vornehmen, die differentialdiagnostisch hilfreich sein kann (.Tab.5.17).

Ergeben sich erste Verdachtsmomente hinsichtlich einer spezifischen Ätiologie der Entzündung, seien es typische auf das Auge beschränkte Erkrankungen (z. B. okuläre Toxoplasmose) oder Hinweise auf eine Systemerkrankung (z. B. Morbus Behcet, Sarkoidose, .Abb.5.26), so werden in einem weiteren Schritt gezielt Informationen zur Bestätigung oder zum Ausschluss solcher Erkrankungen gewonnen.

Die diagnostischen Maßnahmen sind von verschiedenen Faktoren abhängig (.Tab.5.17).