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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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5.2  •  Grundzüge der Immunantwort (engl. immunology, immune reaction, basical pathways)

sieht der von Klasse I sehr ähnlich, wird aber von zwei fast gleichlangen Glykoproteinketten, der konstanten α- und der variablen β-Kette, gemeinsam gebildet.

Die präsentierten Peptide liegen in der Bindungsgrube der MHC-Moleküle. Die Bindung erfolgt über komplementäre Oberflächen und elektrostatische Wechselwirkungen, ähnlich wie bei der Antigen-Antikörperbindung. Die Bindungsgruben der verschiedenen MHC-Moleküle sind unterschiedlich bezüglich der Oberflächen und Ladungen der Aminosäureseitenketten. Folglich müssen die bindenden Peptide an bestimmten Positionen entsprechende Aminosäuren haben, um in die MHC-Grube zu passen. Für die meisten HLA-Moleküle hat man die sog. „Ankerpositionen“ der Antigenpeptide definiert. Der T-Zell-Re- zeptor greift dagegen bestimmte Aminosäure-Positionen des MHC-Moleküls am Randbereich der Bindungsgrube und bestimmte Aminosäuren-Positionen auf der Oberfläche des präsentierten Peptids ab, die nicht mit den Ankerpositionen identisch sein müssen.

>> So kann ein einziger T-Zell-Rezeptor verschiedene Peptide erkennen (und verwechseln), wenn die vom Rezeptor gebundenen Aminosäuren gleich oder sehr ähnlich sind.

Zwischen den vom TZR erkannten Aminosäuren können durchaus völlig verschiedene Aminosäuresequenzen liegen (.Abb.5.11).

Die mehr oder weniger „punktuelle“ Verankerung der Peptide und eine gewisse Variabilität in den Ankerpositionen ermöglicht es jedem MHC-Molekül, eine große Zahl verschiedener Peptide zu binden und präsentieren. Die jeweils drei verschiedenen Klasse I bzw. Klasse II-Typen, von denen jeder normalerweise zwei verschiedene Allele, d. h. genetisch unterschiedliche Ausprägungen, von seinen Eltern geerbt hat, ermöglichen die Präsentation der meisten Proteinantigene in Peptidform. Dennoch kann es zu Lücken im Repertoire kommen, sowohl auf Seiten der Antigenpräsentation als auch der T- Zell-Erkennung.

Diese Variabilitäten ermöglichen dem Immunsystem, mit einer begrenzten Zahl an Rezeptoren bzw. MHC-Molekülen eine Vielzahl verschiedener Antigene zu erkennen, erhöht aber andererseits die Gefahr von Autoimmunität, z. B. wenn harmlose Autoantigene mit Erregerpeptiden verwechselt werden (antigene Mimikry). Dies ist wahrscheinlich der Auslöser vieler Autoimmunerkrankungen. Antigene Mimikry wurde nicht nur für Erregerpeptide, sondern sogar für harmlose Umweltantigene, wie Nahrungsproteine, demonstriert. Bei Patienten mit Uveitis wurden Kreuzreaktivitäten zwischen Peptiden von S-Antigen, Rotavirus und Kuhmilch-Kasein auf serologischer sowie T-Zell-Ebene nachgewiesen, nach-

dem sich gezeigt hatte, dass sowohl das Virusals auch das Kaseinpeptid im Tiermodell eine Uveitis induzieren können.

5.2.3 Antigenpräsentation auf HLA

MHC-Klasse I-Moleküle werden auf allen kernhaltigen Zellen exprimiert, MHC-Klasse II-Moleküle normalerweise nur auf antigenpräsentierenden Zellen wie dendritische Zellen (DC), Makrophagen und B-Zellen, aber auch auf aktivierten T-Zellen (nur bei Mensch und Ratte).

>> Unter bestimmten Bedingungen, z. B. bei Entzündung, können auch Gewebszellen HLA-Klasse II-Moleküle exprimieren und so Antigene für T-Helfer- Zellen präsentieren.

MHC-Moleküle können nur auf Zelloberflächen erscheinen, wenn sie mit Peptiden beladen sind. Bei Entzündungen sind dies vor allem Peptide der infizierenden Erreger. Extrazelluläre Pathogene werden über Phagozytose aufgenommen und in den Lysosomen der Phagozyten getötet. Dort werden auch die Proteine des Erregers in Peptide gespalten und später auf MHC-Klasse II-Molekülen wieder auf der Zelloberfläche präsentiert. MHC-Klasse II-Mole- küle können Peptide unterschiedlicher Länge präsentieren, die Kernsequenz, die vom T-Zell-Rezeptor erkannt wird, ist aber immer 9 Aminosäuren lang. Die auf MHC-Klasse II präsentierten Peptide können auch auf den Zelloberflächen mit löslichen, extrazellulären Peptiden ausgetauscht werden, allerdings nur in geringem Maß. Dies ist bei Klasse I-präsentierten Peptiden nicht möglich. Außerdem werden auf MHC-Klasse I-Molekülen nur Peptide von 9 Aminosäuren Länge präsentiert. Diese entstammen der zelleigenen Proteinsynthese, die z. B. bei viralen Infektionen auch von den Viren mit benutzt wird und von Proteasomen in Fragmente entsprechender Länge geschnitten werden. Diese Peptide induzieren eine spezifische T-Zell-Antwort, wenn die antigenpräsentierende Zelle entsprechende sekundäre Signale beisteuert.

Wenn keine Infektion vorliegt, präsentiert eine Zelle auf Klasse I und Klasse II-Molekülen „Selbst-Peptide“ aus dem körpereigenen Stoffwechsel. Diese sollten von Effektor-Zellen ignoriert oder toleriert und nur von regulatorischen Zellen erkannt werden. Zu diesen auf MHC präsentierten körpereigenen Peptiden gehören auch Abbauprodukte von MHC-Molekülen selbst. Das bedeutet, dass ein bestimmtes MHC-Antigen sich „selbst“ oder andere körpereigene MHC-Moleküle in Peptidform präsentieren kann. Erstmals wurde dies für das HLA-B27- Molekül gezeigt, das ein hohe Assoziation mit verschiedenen Autoimmunerkrankungen hat (s. u.). Es wurde

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200 Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

CD8+ T-Zell-

Rezeptor

 

C

C

 

D

 

D C

 

 

D

 

 

D

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

E

E

Antigenpeptid

E

 

E

 

 

 

 

 

 

 

A

B A

 

A

B

A

HLA-Klasse-I

© G.Wildner

..Abb. 5.11  Antigenpräsentation und -erkennung durch T-Zellen. Das Antigenpeptid liegt in der Bindungsgrube der HLA-Klasse I-Mole- küls vor. Manche Seitenketten der Aminosäuren des Antigenpeptids passen in Vertiefungen in der Bindungsgrube des HLA-Moleküls (Ankerpositionen, A). Nicht alle Vertiefungen in der HLA-Bindungsgrube (B) und im T-Zell-Rezeptor (C) müssen ausgefüllt werden. Der T-Zell- Rezeptor (hier: von einer CD8+ T-Zelle) erkennt einige Seitenketten des Peptids, die nach oben gerichtet sind (D). Dazwischen liegende Aminosäure-Seitenketten des Antigenpeptids, die keine räumliche Behinderung darstellen, müssen weder an das HLA-Molekül noch

an den T-Zell-Rezeptor binden. (E) Erkennungsstellen zwischen HLAMolekül und T-Zell-Rezeptor

beschrieben, dass Peptide aus der Sequenz des HLA-B27 auf HLA-Klasse I sowie Klasse II-Molekülen präsentiert werden können. Man hatte gehofft, so die Krankheitsassoziationen von HLA-B27 mit verschiedenen Autoimmunerkrankungen erklären zu können.

Interessanterweise wird nicht nur die T-Zelle durch das präsentierte Peptid stimuliert, auch die antigenpräsentierende Zelle erfährt eine spezifische Aktivierung über das präsentierende MHC-Molekül. Abhängig vom MHCKlasse II-Typ, der ein Peptid erfolgreich präsentiert hat, werden in der APZ unterschiedliche Signaltransduktionswege induziert, die zur Sekretion verschiedener Zytokine führen, die wiederum den Typ der erkennenden T-Zelle beeinflussen. Peptide, die über HLA-Klasse II-DR präsentiert werden, induzieren vermutlich eine andere Immunantwort als die von HLA-DQ präsentierten.

HLA-Assoziationen bei Uveitis

Etliche HLA-Moleküle sind mit bestimmten (Autoim- mun-)Erkrankungen statistisch assoziiert. In der Ophthalmologie sind dies z. B. HLA-B27 und Iritis (z. B. bei axialer Spondyloarthropathie, AS, früher ankylosierende Spondylitis oder M. Bechterew genannt), HLA-B51 beim okularen Morbus Behçet, HLA-A29 bei der Birdshot-Cho- rioretinopathie (BCR) und HLA-DR4 beim Vogt-Koya- nagy-Harada-Syndrom (VKH).

Im Hinblick auf die Rolle der Antigenpräsentation durch HLA-Moleküle müssten demnach die pathogenen autoreaktiven Zellen bei BCR, Iritis und M. Behçet CD8+ zytotoxische T-Zellen sein, beim VKH-Syndrom dagegen CD4+ T-Helfer-Zellen. Für HLA-A29 wurde sogar gezeigt, dass es zwei Peptide des retinalen S-Antigen (Arrestin), einem Autoantigen bei Uveitis, präsentieren kann.

Fast 100 % aller Patienten mit BCR sind HLA-A29-po- sitiv, es ist die höchste Assoziation eines HLA-Antigens mit einer Erkrankung überhaupt. Obwohl 7 % aller Kaukasier HLA-A29 exprimieren, ist nur ein sehr kleiner Anteil Teil von ihnen von BCR betroffen. Auch nicht alle HLA-A29- positiven Uveitis-Patienten haben BCR. Obwohl HLA-A29 auch bei Asiaten und Afrikanern vorkommt, findet man diesen Uveitistyp dort nicht. Man vermutet daher eine zusätzliche genetische Assoziation, die bei den Kaukasiern für die Erkrankung verantwortlich ist, bei Nicht-Kaukasi- ern dagegen eher protektiv wirkt.

Die MHC-Gene liegen als Cluster auf einem Chromosom vor. Nahe beieinander liegende Gene werden oft als „Kopplungsgruppen“ gemeinsam vererbt, so treten bestimmte Kombinationen von HLA-A-, B- und C-Mo- lekülen gehäuft auf. Dazu gehören auch HLA-A29 und HLA-B44. HLA-B44 wird von inhibitorischen Rezeptoren auf natürlichen Killer-Zellen und einigen zytotoxischen T- Zellen erkannt. Interessanterweise fanden sich bei Birds- hot-Patienten signifikant gehäufte Kombinationen von HLA-B44 und „Killer inhibitory receptors“, die nur schwach miteinander interagieren und daher möglicherweise nicht effizient vor NK-Zell-Attacken schützen. Eine Beteiligung weitere Gene kann nicht ausgeschlossen werden, und endgütiger Beweis für die Rolle von HLA-A29/B44 bei BCR ist ebenso wenig erbracht wie für die Assoziationen der Uveitis mit HLA-B51 und B27.

Eine weitere Hypothese für die Assoziation von HLA- B-Molekülen mit der Uveitis ist die Ähnlichkeit zwischen einem Peptid aus der Sequenz vom HLA-B-Molekülen (auch HLA-B44) und einem Peptid des retinalen S-An- tigens, die eine kreuzreaktive Autoimmunantwort und so eine Entzündung im Auge initiieren könnte. Es wurde die Präsentation von Autoantigen-Peptiden auf B51 diskutiert, durch die es zu einer Stimulation zytotoxischer T-Zellen und einer Überaktivierung von neutrophilen Granulozyten kommt. Ähnlich wie HLA-A29 mit -B44 wird HLA-B51 in Kopplung mit MICA (MHC class I related gene) vererbt, das γδ T- und NK-Zellen stimulieren kann. Davon abgesehen beziehen sich die meisten Spekulationen zur Pathogenese des M. Behçet nicht auf das HLA-B51.

Die Assoziation von HLA-B27 mit Autoimmunerkrankungen ist seit Jahrzehnten ein Forschungsthema v. a. in der Rheumatologie. Schon früh wurden Hypothesen zur antigenen Mimikry aufgestellt, die sich durch Kreuzreak-

 

 

 

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5.2  •  Grundzüge der Immunantwort (engl. immunology, immune reaction, basical pathways)

 

 

 

 

 

 

 

tivitäten zwischen HLA-B27 und bakteriellen Antigenen

Ist der BZR dann nicht mehr autoreaktiv, kann die B-Zelle

 

zunächst auf serologischer Ebene zeigte. Später wurde an-

überleben und das Knochenmark verlassen.

 

tigene Mimikry auch auf T-Zell-Ebene postuliert. Auch die

T-Zellen durchlaufen im Thymus zwei Kontrollstati-

 

Stimulation von γδ T-Zellen von Patienten mit AS durch

onen, eine positive und eine negative Selektion. Zunächst

 

das o. g. HLA-B-Peptid wurde gezeigt. Neben der Idee, dass

werden im Cortex (Thymusrinde) diejenigen T-Lympho-

 

HLA-B27 bestimmte Erregerantigene besonders gut oder

zyten positiv selektioniert, die die eigenen HLA-Antigene

 

schlecht für CD8+ T-Zellen präsentiert, dominierte später

erkennen. Sowohl HLA-Klasse I wie auch Klasse II-Anti-

 

die Hypothese zur Selbstpräsentation von B27-Peptiden

gene werden auf corticalen Thymus-Epithelzellen (cTEC)

 

nach verstärktem Abbau fehlgefalteter HLA-Moleküle,

exprimiert. Im nächsten Schritt werden von den positiv

 

entweder präsentiert von HLA-B27 selbst oder von HLA-

selektionierten T-Zellen diejenigen eliminiert, die in der

 

Klasse II-Molekülen. Es wurde außerdem eine veränderte

Medulla (Thymusmark) auf mTEC (medullary thymic epi-

 

Antigenpräsentation bzw. -erkennung durch NK-Zell Re-

thelia cells) ektopisch exprimierte und präsentierte Auto-

 

zeptoren von Dimeren, gebildet aus HLA-B27 schweren

antigene erkennen (negative Selektion). Auch die Expres-

 

Ketten auf der Zelloberfläche, postuliert. Auch ein im-

sion retinaler Autoantigene wie S-Antigen (Arrestin) und

 

munregulatorischer Effekt eines Peptids aus der Sequenz

IRBP (interphotorezeptor-retinolbindendes Protein) ist im

 

des HLA-B27-Moleküls wurde gezeigt. Im Rattenmodell

Thymus nachweisbar. Nicht alle möglichen Autoantigen

 

konnte dieses Peptid eine experimentelle Uveitis verstärken

sind im Thymus gleichermaßen hoch exprimiert, daher

 

und außerdem Arthritis induzieren.

können auch T-Zellen mit starker Autoantigen-Bindung

 

Nicht alle der mittlerweile ca. 60 verschiedenen Subty-

des T-Zell-Rezeptors durchaus der negativen Selektion ent-

 

pen von B27 (die sich z. T. nur in einzelnen Aminosäuren

gehen. Ebenso wie die T-Zellen mit nur geringer Bindungs-

 

unterscheiden) sind krankheitsassoziiert, nur die häufigs-

fähigkeit (Avidität) können sie in die Peripherie entlassen

 

ten, HLA-B*2705, *2702, *2704 und *2707, findet man bei

werden und als regulatorische Zellen fungieren (natürliche

 

Patienten mit Spondylarthropathien. Die Rolle von Bak-

regulatorische Zellen, „nTregs“)

 

terien, v. a. der Darmflora, wird aktuell wieder diskutiert,

Periphere Toleranz

 

und weiterer Faktoren, die an der Entzündungsreaktion

 

beteiligt sind, wie IL-1α, IL-23-Rezeptor und ARTS-1/

Da nicht alle autoreaktiven T-Zellen durch die negative

 

ERAP-1 (eine Protease, die Zytokinrezeptoren spaltet und

Selektion eliminiert werden, gibt es noch weitere Schutz-

 

eine Rolle bei der Prozessierung von Antigen für die MHC-

mechanismen gegen Autoimmunität im Rahmen der pe-

 

Klasse I-Präsentation spielt). Da die B27-assoziierte Iritis

ripheren Toleranz.

 

Ähnlichkeiten mit einem Tiermodell zeigt, in dem eine

Dazu gehört die physische Trennung von Antigen

 

akute Uveitis innerhalb von wenigen Stunden nach Injek-

(Sequestrierung) und den autoreaktiven T-Zellen. Naive

 

tion bakterieller Endotoxine auftritt, könnte auch Autoin-

T-Zellen wandern nicht in Gewebe ein, sondern sind nur

 

flammation beteiligt oder ursächlich sein.

in der Zirkulation und in sekundären lymphoiden Orga-

 

 

 

nen (Milz, Lymphknoten, Peyersche Plaques, Blinddarm,

 

5.2.4 Toleranz

Tonsillen) zu finden. Normalerweise sind auch intrazellu-

 

läre Antigene für autoreaktive Zellen nicht erreichbar. Ne-

 

 

 

ben dieser immunologischen „Ignoranz“ gibt es noch die

 

 

 

 

Um die Integrität des Organismus zu wahren, muss sicher-

Möglichkeit der Antigenpräsentation ohne aktivierende

 

gestellt werden, dass das Immunsystem nicht gesunde Kör-

Sekundärsignale, was zur Induktion einer Toleranz führt.

 

perzellen oder andere körpereigene Strukturen attackiert.

Tolerogene dendritische Zellen z. B. exprimieren weder

 

Dazu gibt es verschiedene Mechanismen der Toleranzin-

ausreichend Mengen an HLA-Molekülen, noch vermitteln

 

duktion: die zentrale und die periphere Toleranz.

sie kostimulatorische Signale. Statt zu proliferieren und Zy-

 

Zentrale Toleranz

tokine zu produzieren, gehen die T-Zellen in Anergie über

 

– ein Zustand der permanenten „Stilllegung“ einer T-Zelle.

 

Unreife B-Zellen werden nach ihrer Bildung im Knochen-

Eine solche Zelle kann unter normalen Bedingungen nicht

 

mark auf Autoreaktivität getestet und u. U. eliminiert. Zu

mehr reaktiviert werden.

 

diesem Zeitpunkt besteht der B-Zell-Rezeptor (BZR) aus

Statt des aktivierenden Liganden CD28 auf der T-

 

der fertigen schweren Kette und einer leichten „Surrogat“

Zelle können die kostimulatorischen Moleküle CD80

 

Kette, die primär die individuelle leichte Kette ersetzt. Ist

und CD86 der APZ auch das CTLA-4 (Cytotoxic T Lym-

 

diese Kombination autoreaktiv, erhalten die B-Zellen noch

phocyte-Associated Antigen-4) aktivieren und so eine

 

eine zweite Chance. Nach dem sog. „Rezeptor-Editing“ der

Inhibition der T-Zelle bewirken. Dies wird bereits thera-

 

schweren Kette wird die „echte“ leichte Kette des Antikör-

peutisch genutzt. Es gibt außerdem noch die Möglichkeit,

 

pers rearrangiert und mit der schweren Kette kombiniert.

autoreaktive T-Zellen über die Interaktion zwischen Fas

 

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202 Kapitel 5  •  Hintergrund/Diagnostische Grundkonzepte

(CD95 auf der APZ) und dem Fas-Liganden (CD95 L, T- Zelle) zu töten.

Die aus dem Thymus stammenden nTregs, die den T- Helfer-Zell-Marker CD4, den IL-2-Rezeptor CD25 sowie den Transkriptionsfaktor Foxp3 (CD4+CD25+Foxp3+ Zellen) koexprimieren, überwachen die Peripherie und unterdrücken autoreaktive T-Zellen. Dies geschieht entweder durch direkten Zellkontakt über inhibitorische Rezeptoren oder über die Ausschüttung suppressiver Zytokine wie IL-10 oder TGF-β, möglicherweise aber auch über beide Wege. Das bereits oben erwähnte CTLA-4, das von nTregs exprimiert wird, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Wenn nTregs mit ihrem spezifischen Antigen aktiviert sind, können sie auch Effektor-T-Zellen anderer Antigenspezifitäten unterdrücken. Dieses Phänomen nennt man „Bystander-Suppression“. Es handelt sich dabei um einen lokalen Effekt, da sich alle unterdrückten T-Zellen verschiedener Spezifitäten in unmittelbarer Nähe zueinander und zur Treg befinden müssen.

Auch für B-Zellen existieren periphere Toleranzmechanismen. Eine B-Zelle kann in der Peripherie ohne kostimulatorische Signale, wie sie z. B. durch T-Zell-Hilfe vermittelt werden, nicht überleben.

Das Immunprivileg des Auges: ACAID (Anterior chamber-associated immune deviation)

Potentielle Autoantigene des Auges sind meistens sequestriert, d. h. nur im Auge exprimiert und durch die Blut- Retina-Schranke vom Immunsystem separiert. Zwar werden okulare Autoantigene auch im Thymus exprimiert und tragen so zur zentralen Toleranz bei, können aber aufgrund der Sequestrierung für das Immunsystem außerhalb des Auges keine konventionelle periphere Toleranz induzieren. Solche Zellen könnten z. B. durch kreuzreaktive Umweltantigene (wie Viren, Bakterien u. a.) aktiviert werden, dann die Blut-Retina-Schranke überwinden und durch Reaktivierung mit Autoantigen im Auge eine Entzündungsreaktion (Uveitis) auslösen.

Die empfindlichen, nicht-regenerationsfähigen Strukturen des Auges werden durch ein „Immunprivileg“ geschützt.

>> Als„Immunprivileg“ werden solche Bereiche im Körper bezeichnet, in denen transplantierte Fremdgewebe, im Gegensatz zu anderen Körperregionen, eine verlängerte Lebensdauer aufweisen. Immunprivilegiert sind vor allem die Organe, die lebenswichtig und essentiell für die Reproduktion sind sowie ein geringes Regenerationspotential besitzen. Neben den Augen sind dies Ovarien, der schwangere Uterus, Hoden, Nebennierenrinde, Haarfollikel und auch manche Tumore.

Das Immunprivileg wurde 1948 von Medawar beschrieben, als nach heterotoper Hauttransplantation in Augenvorderkammer und Gehirn die Abstoßungsreaktion ausblieb. Etwas später wurde dann auch die Hornhaut als immunprivilegiertes Gewebe beschrieben.

Ein Immunprivileg wird durch die Kombination verschiedener Faktoren gewährleistet. Dazu gehören anatomische und physiologische Schranken sowie immunregulatorische Prozesse.

>> Ein„Immunprivileg“ bedeutet nicht, dass keine Immunreaktionen in diesen Geweben stattfinden, es werden lediglich destruktive Entzündungsreaktionen unterdrückt.

Injektionen von Antigen, wie etwa Zellen in Vorderkammer und Hirn, führen zwar zur Produktion spezifischer Antikörper, T-Zell-Antworten werden jedoch verhindert.

>> Häufig fehlen Lymphgefäße in immunprivilegierten Bereichen, wodurch der Transport von Antigen in Lymphknoten erschwert wird.

Blut-Retina- und Blut-Hirn-Schranken zeichnen sich durch Tight Junctions zwischen den Gefäßendothelzellen aus, welche die Passage nicht-aktivierter Leukozyten verhindern. Nur bereits aktivierte Immunzellen können ins Auge eindringen. Auch für Moleküle größer als ca. 400 Da, wozu auch Antikörper und Komplementfaktoren gehören, ist die Blut-Retina-Schranke nicht durchlässig.

In immunprivilegierten Organen wird HLA-Klasse I auf Zelloberflächen nur gering exprimiert, dies schützt vor Attacken durch zytotoxische T-Zellen bei Virusinfektionen. Auch Tumorzellen reduzieren häufig ihre MHC-Klasse I- Expression, um von CTLs nicht erkannt zu werden, allerdings werden Zellen mit fehlender oder geringer MHCKlasse I-Expression von NK-Zellen angegriffen. Zu ihrem Schutz exprimieren immunprivilegierte Gewebe zusätzlich sog. „nicht-klassische“ MHC-Moleküle, die Klasse Ib-Mole- küle, die wiederum von inhibitorischen Rezeptoren auf NKZellen erkannt werden und so einen Angriff verhindern.

Auch Oberflächenmoleküle auf immunprivilegierten Geweben, wie die „Complement regulatory proteins“ (CRP, nicht zu verwechseln mit C-reaktivem Protein) können vor immunologischen Attacken schützen. Hierzu zählen z. B. CD46 und CD55, die die Aktivierung der Komplementkaskade verhindern. Die Expression des Fas-Liganden CD95 L induziert Apoptose in aktivieren T-Zellen und Neutrophilen, die ihrerseits Fas bzw. CD95 tragen. Auch der zur Tumornekrose-Familie gehörende „TNF-related apoptosis-inducing ligand“ TRAIL findet sich auf Zellen in immunprivilegierten Organen und kann Entzündungszellen eliminieren.