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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

 

 

 

 

 

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..Abb. 4.31a,ba Zustand nach peripherem Hornhautulkus und perforierender Keratoplastik bei rheumatoider Arthritis. b Befund etwa 2 Wo-

 

chen nach Keratoplastik. Rezidiv der ulzerativen Keratitis und nachfolgender Fadenlockerung (Fluoreszeinfärbung). (Aus Feist, Pleyer, 2010)

8

rungsprobleme, Wiedereinschmelzen des Hornhaut-

.. Tab. 4.18  Klassifikation von Episkleritis und Skleritis (nach

 

9

prozesses mit Fadenlockerung und erneute Perforation.

Watson und Hayreh)

 

Ein neueres Konzept zur Behandlung von PUK kann

Form

Unterform

Häufigkeit ( %)

 

-möglicherweise das „Crosslinking“ des Hornhaut-

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stromas bieten. Nach topischer Applikation eines

Episkleritis

Diffuse Episkleritis

 

 

Photosensitizers kann durch UV-Bestrahlung der

 

 

Noduläre Episkleritis

 

11

Hornhaut eine Quervernetzung von Kollagenfibril-

 

 

 

Skleritis

Vordere diffuse Skleritis

40 %

len erreicht und damit eine deutliche Stabilisierung

 

 

 

 

 

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gegenüber MMP erzielt werden. Bisher liegen hierzu

 

 

Vordere noduläre Skleritis

44 %

allerdings nur Einzelbeobachtungen vor.

 

 

Nekrotisierender Skleritis

 

13

 

 

 

 

mit Entzündung

10 %

4.6.7

Prognose

 

 

ohne Entzündung

4 %

 

 

 

(Skleromalazie)

 

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Die Visusprognose hängt vom Schwergrad und der Lokali-

 

 

Hintere Skleritis

2 %

 

 

 

 

 

15

sation der Ulzeration ab. Unbehandelte Patienten mit PUK

4.7.1

Definition und Einteilung

 

und Systemerkrankung weisen eine deutlich gesteigerte

 

 

Mortalität auf. Komplikationen bestehen v. a. in Superin-

 

 

 

 

 

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fektionen und Perforation der Kornea.

Als Episkleritis werden entzündliche Veränderungen be-

 

 

zeichnet, die auf das episklerale Gewebe begrenzt sind,

17

4.6.8

Selbsthilfegruppen

während die Skleritis tiefergelegene Strukturen (oft ein-

schließlich Ziliarkörper – Symptom: Schmerz) betrifft.

 

 

und wichtige Websites

Bei einer Skleritis handelt es sich um eine visusbedro-

18

Homepage: www.rheuma-liga.de, Homepage: www.sjoeg-

hende Entzündung des Auges, die weitere Strukturen ein-

 

beziehen und periphere ulzerative Keratitis, Uveitis und

19

ren-erkrankungen.de, http://www.netzwerk-selbsthilfe.com

Myositis zur Folge haben kann. Etwa 90 % aller Skleritiden

 

 

präsentieren sich im vorderen Augensegment. Die Skleri-

20

4.7

Episkleritis und Skleritis (engl.:

tis kann als nicht-nekrotisierende (diffuse und noduläre)

oder nekrotisierende Form verlaufen. Im Gegensatz zur

 

 

Scleritis; griechisch sklērós = spröde,

nicht-nekrotisierenden Skleritis (80–90 %) ist die nekroti-

 

 

hart)

21

 

sierende Variante seltener (10–15 %).

 

 

 

 

 

 

Die Differenzierung ist klinisch bedeutsam, da systemi-

 

U. Pleyer, J. Schlomberg

22

sche Erkrankungen bei der nekrotisierenden Variante sehr

 

 

viel häufiger (85–95 %), als bei der nicht-nekrotisierenden

 

ICD-10 Code H15.0 Skleritis

Skleritis (30–40 %) nachgewiesen werden können. Die

 

 

 

 

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4.7  •  Episkleritis und Skleritis (engl.: Scleritis; griechisch sklērós = spröde, hart)

 

 

 

 

1976 von Watson und Hayreh vorgestellte Klassifikation

Infiltrate mit Nachweis von CD20 positiven B-Zellen sowie

 

der Entzündungen des episkleraler und skleralen Gewe-

CD68 positiven Monozyten (35 %), CD3 positive T-Zellen

 

bes hat sich aus klinisch-therapeutischer Sicht bewährt

(17 %), CD8 positive T-Zellen (8 %) und dendritische Zel-

 

(.Tab.4.18). Ein Übergang der Entzündungsformen wird

len (4 %) festgestellt. Die lokale Synthese proinflammato-

 

selten beobachtet; eine gleichzeitige anteriore und poste-

rischer Cytokine durch infiltrierende Entzündungszellen

 

riore Beteiligung ist möglich.

verstärkt nicht nur den Entzündungsprozess, sondern

 

Zu den okulären Komplikationen gehören Sehver-

spielt auch für die Destruktion der extrazellulären Matrix

 

schlechterung, Uveitis anterior, periphere ulzerative Ke-

der Sklera eine wichtige Rolle. Sowohl TNF-α als auch IL-1

 

ratitis (PUK) und okuläre Hypertension. Diese treten we-

induzieren Matrix Metalloproteinasen (MMPs).

 

sentlich häufiger bei Patienten mit Skleritis (45 %) als bei

Auch im peripheren Blut konnten während aktiver

 

Episkleritis (19 %) auf.

Skleritis erhöhte Th17 Zellen nachgewiesen, werden.

 

 

 

 

Bezüglich zugrundeliegender Erkrankungen konnte in

 

4.7.2

Epidemiologie

einer Studie bei 451 Patienten mit Arthritis über einen

 

Beobachtungszeitraum von 3 Jahren das Auftreten einer

 

 

 

 

okulären Erkrankung mit dem Nachweis von Anti-CCP-

 

Episkleritis

 

Antikörpern und Rheumafaktoren in Verbindung gebracht

 

Die Episkleritis ist eine selbstlimitierende benigne Entzün-

werden. Somit könnte, insbesondere bei seropositiven RA-

 

dung der Episklera. Sie tritt vermehrt bei Erwachsenen im

Patienten, ein erhöhtes Risiko für eine inflammatorische

 

Alter von 20–50 Jahren auf, Frauen sind etwas häufiger

Augenerkrankung bestehen.

 

betroffen. Die Entzündung ist meist im Lidspaltenbereich

Chirurgisch-induzierte nekrotisierende

 

zu finden, oft im Bereich von Pinguecula. Die Lokalisation

 

kann jedoch auch wechseln. Ein Drittel der Patienten ent-

Skleritis (SINS = surgically induced

 

necrotizing skleritis)

 

wickeln irgendwann ein beidseitiges Auftreten.

 

Interessant sind die Beobachtungen, dass nach ophthal-

 

Skleritis

 

mologischen Eingriffen – überwiegend Clear-Kornea-

 

Die Prävalenz der Skleritis wird in der Bevölkerung mit

Kataraktextraktionen – im Bereich der Operationswunde

 

ca. 6 Fällen auf 100.000 Einwohner angegeben. Dabei wird

eine chirurgisch induzierte nekrotisierende Skleritis (SINS)

 

eine beidseitige Skleritis initial bei etwa 25 % der Patienten

auftreten kann. Dies sollte in die Differentialdiagnose ein-

 

beobachtet, während in weiteren 50 % der Fälle eine beid-

bezogen werden, sofern die Skleritis in den Wochen nach

 

seitige Manifestation erst im Krankheitsverlauf auftritt. Bei

Katarakt-, Glaukom-, Strabismusoder Netzhauteingriffen

 

der rheumatoiden Arthritis (RA) muss eine Skleritis bei

auftrat. In einer Serie von 52 Augen mit SINS traten 94 %

 

einer Prävalenz bei 0,2 bis 6,3 % als eine schwere Kompli-

als nekrotisierende anteriore Skleritis und die übrigen als

 

kation der Grunderkrankung angesehen werden.

noduläre anteriore Skleritis auf. Bei 75 % der betroffenen

 

 

 

 

Patienten waren 2 oder mehr Eingriffe vorausgegangen.

 

4.7.3

Ätiologie und Pathogenese

Das Intervall zwischen OP und Skleritis lag im Mittel bei

 

5,7 Monaten (1 Tag–3,5 Jahre). Es wird angenommen, dass

 

 

 

 

durch das Operationstrauma eine T-Zell-induzierte Immu-

 

Episkleritis

 

nantwort auf okulare Antigene verursacht wird. Da sich in

 

Die Ursache der Episkleritis bleibt weiterhin unklar. Es

über 60 % von SINS aber eine entzündliche Systemerkran-

 

wird vermutet, dass eine Systemerkrankung häufiger vor-

kung finden lässt, ist auch in solchen Fällen ein Ausschluss

 

liegt, als bislang angenommen.

von assoziierten Erkrankungen erforderlich.

 

Skleritis

4.7.4 Klinik: Augenbeteiligung –

 

Da die Skleritis sich in unterschiedlichen klinischen Aus-

 

prägungen präsentiert, sind auch Unterschiede in Ätiolo-

vom Leitbefund zur Diagnose

 

 

 

 

 

 

 

gie und Pathogenese anzunehmen. Für keine Form liegt

 

 

 

 

 

 

Episkleritis

 

eine gesicherte HLA-Assoziation vor. Histopathologische

 

Untersuchungen zur Pathogenese belegen, dass insbeson-

Typische klinische Zeichen der Episkleritis sind akute,

 

dere lymphozytäre Infiltrate und Makrophagen im Ent-

häufig rezidivierende, entzündliche Veränderungen im

 

zündungsprozess eine Rolle spielen. In immunhistoche-

Lidspaltenbereich. Es sind überwiegend blande Verläufe

 

mischen Untersuchungen bei Patienten mit systemischen

zu beobachten, die nahezu asymptomatisch auftreten und

 

Autoimmunerkrankungen und nekrotisierender Skleritis

sich eher kosmetisch als funktionell für die Betroffenen

 

wurden in ungefähr 43 % der Patienten inflammatorische

äußern. Klinisch werden die episkleralen Entzündungen

 

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164 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

..Abb. 4.32  Noduläre Episkleritis

in diffuse und nodulär umschriebene Formen differenziert (.Abb.4.32, .Abb.4.33). Die noduläre Form, bei der die Entzündung auf einen Sektor beschränkt ist, ist mit 70 % häufiger, als die diffuse Form. Die Entzündung ist oberflächlich, und das Auge imponiert charakteristischerweise hell rot lachsfarbend in natürlichem Licht. Die episklerale Rötung verblasst nach Applikation von topischem Phenylephrin 2,5 % (Phenylephrintest).

zz Systemerkrankung/assoziierte Erkrankungen bei Episkleritis

Der überwiegende Anteil der Betroffenen weist keine systemische Grunderkrankung auf, daher werden häufig bei Erstmanifestation keine weiterführenden klinischen Abklärungen bei diesen Patienten vorgenommen. Treten häufig rezidivierende Entzündungen auf, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, eine Systemerkrankung nachzuweisen. In einer Analyse von 100 Patienten mit rezidivierender Episkleritis (an einem Tertiärzentrum) wurde bei etwa 30 % der Betroffenen eine Assoziation zu systemischen Erkrankungen belegt (.Tab.4.19).

Weiter wurden gefunden: Spongylitis ankylosans, Sarkoidose, M. Behçet. Die Episkleritis kann zudem selten infektiös bedingt sein (Herpes viridae, Katzen-Kratz- Krankheit, Borreliose), auch eine Rosazea kann mit einer Episkleritis einhergehen.

Klinik der Skleritis (Symptome und Befunde)

Anteriore Skleritis

Deutlich problematischer und symptomatischer als die Episkleritis verläuft die Skleritis. Die Patienten weisen oft einen hohen Leidensdruck auf. Diffuse und noduläre anteriore Skleritis (.Abb.4.34.Abb.4.36) sind meist mit heftigen bohrenden und stechenden Schmerzen z. T. bereits vor Auftreten klassischer entzündlicher Veränderungen verbunden, die sich nachts verschlechtern können und die Patienten aufwecken. Livide Färbung der Sklera und umschriebene diffuse, tiefe Gefäßinjektion und ein Sklera-

..Abb. 4.33  Diffuse Episkleritis

.. Tab. 4.19  Mit Episkleritis assoziierte Systemerkrankungen

(Nach Akpek et al., 1999)

Erkrankung

Patienten (n)

Atopie

12

Psoriasis

5

Rheumatoide Arthritis (RA)

4

Entzündliche Darmerkran-

4

kungen

 

Systemischer Lupus erythe-

4

matodes (SLE)

 

Myositis

3

Polychondritis

3

M. Wegener

1

Cogan-1-Syndrom

1

ödem charakterisieren den typischen klinischen Befund. Durch topisches Phenylephrin lässt sich durch die ausgelöste Gefäßkonstriktion der episkleralen Gefäße im Zweifelsfall die wichtige Unterscheidung zwischen episkleraler und skleraler Entzündung treffen.

Die diffuse anteriore Skleritis ist charakterisiert durch eine Zone von Rötung und Skleraödem, das i. d. R. häufiger sektoriell auftritt (60 %), aber auch den gesamten anterioren Bulbus betreffen kann. Bei der nodulären anterioren Skleritis findet man einen livide-rötlichen Knoten, der nicht verschieblich ist und die darüber liegende Episklera aufwirft.

Nekrotisierende Skleritis

Die schwerste Form der Skleritis ist die nekrotisierende Skleritis, ca. 60 % der Betroffenen entwickeln systemische Komplikationen, 40 % erblinden, und das Mortalitätsrisiko ist aufgrund möglicher systemischer Komplikationen bei einer Vaskulitis erhöht (.Abb.4.37a–d, .Abb.4.38a–d).

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4.7  •  Episkleritis und Skleritis (engl.: Scleritis; griechisch sklērós = spröde, hart)

..Abb. 4.34  Noduläre Skleritis anterior vor Therapie

..Abb. 4.35  Noduläre skleritis anterior nach Therapie

 

..Abb. 4.36  Milde diffuse Skleritis anterior

..Abb. 4.37a–d  Klinischer Verlauf eines Patienten mit nekrotisierender Skleritis. Unter intensiver systemischer Immunsuppression (MTX, Infliximab) fast restloses Abheilen

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166 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

..Abb. 4.38a–d  Dramatischer klinischer Verlauf, beginnend mit einer einfachen diffusen Skleritis (.Abb. 4.35) und im Verlauf Entwicklung einer schweren nekrotisierenden Skleritis trotz Immunsuppression. Staphylombildung mit Vorwölben der darunter liegenden Uvea

Patienten mit einer nekrotisierenden Skleritis mit Entzündung leiden typischerweise unter starken Schmerzen. Klinisch zeigt sich ein entzündetes, randbetontes Areal. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einer zentralen, avaskulären, ödematösen Quellung der Sklera kommen, die einschmilzt und die darunter liegende Uvea durchscheinen lässt. Typisch sind auch die veränderten tiefen episkleralen Gefäße. Diese weisen große Anastomosen um die entzündlichen Läsionen auf. Unbehandelt kann sich die nekrotisierende Skleritis nach posterior ausbreiten und zur Erblindung führen.

Eine nekrotisierende Skleritis (.Abb.4.39a,b) kann auch ohne Schmerzen ablaufen. Die nekrotisierende Skleritis ohne Entzündung weist tückischerweise keine Schmerzsymptomatik auf. Sie wird auch als Skleromalacia perforans bezeichnet. Bei wenig symptomatischem Verlauf stellen sich die Patienten daher häufig erst im weit fortgeschrittenen Stadium vor. Hier ist die Sklera häufig so verdünnt, dass die Uvea nur noch von einer dünnen Bindegewebsbrücke aus Konjunktiva bedeckt wird. Kommt es zu einem Anstieg des intraokularen Drucks, so kann sich die darunter liegende Uvea staphylomartig vorwölben. Spontane Rupturen sind selten, jedoch können Mikrotraumata ausreichen, um eine Bulbusruptur hervorzurufen.

Posteriore Skleritis

Einen völlig abweichenden klinischen Verlauf bietet die posteriore Skleritis (.Abb.4.40a–c). Visusminderung und Schmerz stehen im Vordergrund, daneben können Proptosis, Sehminderung und selten Bulbusmotilitätsstörungen auftreten. Klinisch imponiert ein variables Bild mit exsudativer Amotio, Papillenödem, retinalen Blutungen, chorioidalen Falten, eingeschränkter Bulbusmotilität und Proptosis. Durch eine Ziliarkörperbeteiligung lässt sich der oft „tiefsitzend“ empfundene Schmerz und die Hyperopisierung erklären.

zz Systemerkrankungen bei Skleritis

Die Angaben zu begleitenden Systemerkrankungen schwanken zwischen 15–50 %, dies kann u. a. auf Zuweisungsmuster (z. B. an Tertiärzentrum) zurückgeführt werden.

>> Da bei etwa 10 % der Patienten mit Skleritis diese Entzündung die Erstmanifestation einer Systemerkrankung darstellt, sollten grundsätzlich alle Skleritis-Patienten auf das mögliche spätere Auftreten anderer Krankheitserscheinungen aufmerksam gemacht werden.