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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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4.5  •  Okuläre Beteiligung bei Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) undToxisch epidermaler Nekrolyse (TEN)

..Abb. 4.26a,b  Mittelschwere Augenbeteiligung bei SJS/TEN. Auch nach erfolgreicher Eindämmung der entzündlichen Veränderung besteht weiterhin die Gefahr der funktionellen Schädigung, da die entzündliche Infiltration der Hornhaut in der chronischen Phase weiterhin okkult fortschreitet. Die entzündliche Destruktion der Tränendrüsen (Glandula lacrimalis, akzessorische Tränendrüsen) führt sukzessiv zur Tränenfilmsinstabilität, persistierenden epithelialen Defekten und Ulzerationen (a zentraler Hornhautulcus bei noch mäßig ausgeprägter Oberflächenentzündung, b entsprechender Aspekt des Hornhautulcus gefärbt mit Fluoreszein)

Expositionskeratopathien (oberflächliche/tiefe Neovaskularisationen sowie Pannusbildung) werden in dieser Phase ebenfalls oft beobachtet.

4.5.5 Diagnostik

Die Verdachtsdiagnose SJS/TEN wird primär klinisch gestellt, unterstützt durch die histologische Untersuchung einer Gewerbeprobe der Haut. Es gibt kein in-vivo oder in-vitro Testverfahren, welches das auslösende Agens von SJS/TEN sicher identifizieren kann und spezifische Laborparameter stehen nicht zur Verfügung. Die Risikobewertung von Arzneimitteln zur Auslösung von schweren blasenbildenden Hautreaktionen stützt sich in erster Linie auf klinisch-epidemiologische Daten. Dabei ist das Zeitintervall zwischen dem Einnahmebeginn eines Arzneimittels und dem Einsetzen der schweren Hautreaktion (meist 1–4 Wochen) ein kritischer Anamnesepunkt und muss ausreichend abgefragt werden. Zudem spielt es eine Rolle, ob das verdächtige Arzneimittel als Auslöser schwerer Hautreaktionen bekannt ist. Hauttestungen, wie z. B. Epikutantestungen und Reexpositionstestungen mit dem vermuteten Auslöser, sind häufig negativ verlaufen, letztere können aufgrund des Schweregrades der Reaktion zudem nicht empfohlen werden (Mockenhaupt, Liß 2011). Zu Beginn der Erkrankung ist die Einordnung des Exanthems bei SJS/TEN oftmals schwierig, vor allem wenn noch keine Schleimhautbeteiligung vorliegt. Auch wenn bereits Blasen und Erosionen der Haut vorhanden sind, lässt sich kaum abschätzen, ob das Maximum der Reaktion bereits erreicht ist oder ob die Hautablösung weiter voranschreitet (Mockenhaupt 2011). In der Histologie der Probebiopsie von befallenen Hautregionen zeigen sich nekrotische Keratinozyten, die in dissemi-

nierter Verteilung vorliegen oder aber zu einer kompletten Nekrose der Epidermis führen. Daneben findet sich eine Vakuolisierung der Basalmembranzone bis hin zur subepidermalen Spalte. In der oberen Dermis imponiert ein perivaskuläres, lymphohistiozytäres Infiltrat, in dem auch eosinophile Granulozyten vorkommen (Rzany, Hering et al. 1996). Durch Immunfluoreszenzuntersuchung lassen sich SJS/TEN und autoimmunologische bullöse Dermatosen unterscheiden.

Differentialdiagnostik

Als mögliche Differentialdiagnosen müssen in erster Linie das Staphylococcal scalded skin syndrome (SSSS), das mit einer intraepidermalen Blasenbildung einhergeht und durch Staphylokokkentoxin ausgelöst wird, aber auch das Generalisierte bullöse fixe Arzneiexanthem (generalized bullous fixed drug eruption; GBFDE) in Betracht gezogen werden.

Eine okuläre Beteiligung kommt bei diesen Reaktionen i. d. R. nicht vor. Zudem können autoimmunologische bullöse Dermatosen das Bild von SJS/TEN vortäuschen, die teilweise mit okulärer Beteiligung einhergehen können (Mockenhaupt 2009).

>> Okuläre Klinik

Rote Augen

Epiphora

Sicca-Symptomatik

Brennende Augenschmerzen

Blepharospasmus

Pruritus

-Augenmüdigkeit Visusabfall, Diplopie PhotophobieFremdkörpergefühl

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154 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

.. Tab. 4.14  Einteilung des Schweregrades der okulären Beteiligung (nach Sotozono)

Korneale Komplikationen

Keratitis superficialis

A0

A1

A2

A3

punktata

Kein Staining

Weniger als ein Drittel

Ein Drittel

Mehr als zwei Drittel

 

 

D0

D1

D2

D3

 

Keine Punktata

Lockere Dichte der

Mittlere Dichte

Überlappende Defekte

 

 

Punktata

 

 

 

0

1

2

3

Korneale epitheliale

Keine epitheliale

Weniger als ein Viertel

Ein Viertel bis zur Hälfte

Mehr als die Hälfte

Defekte

Defekte

der Hornhaut

der Hornhaut

 

Verlust von Limbus-

Keine Defekte

Verlust der Hälfte der

Verlust von mehr als der

Totaler Verlust der Lim-

stammzellen

 

Limbuszirkumferenz

Hälfte der Limbuszir-

buszirkumferenz

 

 

 

kumferenz

 

Konjunktivalisation

 

Weniger als ein Viertel

Ein Viertel bis zu Hälfte

Mehr als die Hälfte

Korneale Neovasku-

Keine Neovaskulari-

Nur in der Peripherie

Bis zur Grenze der

Zentrum der Hornhaut

larisation

sation

 

Pupille

 

Korneale Trübung

Iris mit Details sichtbar

Partielle Obskuration

Nur Pupillarsaum

Keine Einsicht

 

 

der Iris

erkennbar

 

Korneale Keratini-

Keine korneale Kerati-

Weniger als ein Viertel

Ein Viertel bis zur Hälfte

Mehr als die Hälfte

sation

nisation

 

 

 

Konjunktivale Komplikationen

 

 

 

 

0

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2

3

Konjunktivale Hy-

Keine Hyperämie

Milde Hyperämie

Moderate Hyperhämie

Schwere Hyperämie

perämie

 

 

 

 

Symblephara

Keine Symblephara

Nur konjuktivale Sym-

Weniger als die Hälfte

Mehr als die Hälfte der

 

 

blephara

der Hornhaut

Hornhaut

Augenlidkomplikationen

 

 

 

 

0

1

2

3

Trichiasis

Keine Trichiasis

Weniger als ein Viertel

Ein Viertel bis zur Hälfte

Mehr als die Hälfte der

 

 

der Lidkante

der Lidkante

Lidkante

Keratinisation der

Normale Bindehaut

Milde Irregularitäten der

Moderate Irregulari-

Schwere Irregularitäten

palp. Bindehaut

 

mukokutanen Junktion

täten der mukokutanen

der mukokutanen

 

 

 

Junktion

Junktion

Beteiligung der

Klare ölige Flüssigkeit

Gelblich-weiß

Dickflüssig-käsig

Keine Flüssigkeitsex-

Meibom’schen

 

 

 

pression

Drüsen

 

 

 

 

Beteiligung der

Normale Punkta

Iatrogene Okklusion

Vernarbung oben oder

Vernarbung oben und

Tränenpünktchen

lacrimalia

 

unten

unten

4.5.6 Therapie

randomisierten Studien geprüfte Therapiekonzepte. Allge-

 

 

mein gilt, dass alle Behandlungsmaßnahmen so schnell wie

Therapie bei okulärer Beteiligung

möglich eingeleitet werden müssen, um die Schäden mög-

Bisher gibt es weder für die Behandlung der systemischen

lichst zu minimieren. Demzufolge sollte auch eine akute

Erkrankung noch für die okulären Komplikationen in

Konjunktivitis intensiv therapiert werden, da schon eine

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4.5  •  Okuläre Beteiligung bei Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) undToxisch epidermaler Nekrolyse (TEN)

.. Tab. 4.15  Okuläre Beteiligung je nach Schweregrad bei SJS und TEN

Untersuchungsbefunde

Milde Beteili-

Mittelschwere Beteiligung

Schwere Beteiligung

gung

 

 

Konj. Hyper-

Membranöse Konjunktivitis

Lider

ämie

Hornhautepitheldefekte

Symblephara, Trichiasis, Dystrichiasis, Blepharitis:

Chemosis

Hornhautulcera

schwere Dysfunktion der Meibom’schen Drüsen

Photophobie

Hornhautinfiltrate

Hornhaut

 

Ausfluss (katarrhalisch, mukös,

schwere Ulzera, Neovaskularisation, Keratinisation, marginale Keratitis,

 

membranös)

Konjunktivalisation der Hornhaut, Stromale Trübung, Perforation

 

 

Konjunktiva

 

 

Fibrose, konjunktivale Vernarbung, Fornixverkürzung, Ankyloblephara

geringe Regredienz des okulären Oberflächenschadens die Beschwerden und die sekundären Veränderungen deutlich reduzieren und die Visusprognose erheblich verbessern kann. Der von Sotozono et al. entwickelter Algorithmus ist eine neue Methode zur Abschätzung der visuellen Entwicklung, objektiviert das Ausmaß der okulären Beteiligung und ist klinisch einfach anzuwenden (.Tab.4.14) (Sotozono, Ang et al. 2007).

Wird die Verdachtsdiagnose SJS/TEN gestellt, muss unverzüglich ein okulärer Ausgangsbefund erhoben werden. Eine antiinflammatorische Therapie, entweder mit lokalen Steroidtropfen (z. B. unkonservierte Prednisolon-Augen- tropfen 5 × d) oder mit immunmodulierenden Substanzen, wie Ciclosporin A, zusammen mit intensiver Oberflächenpflege (konservierungsstofffreie Tränenersatzmittel) ist unabdingbar (Kuper, Pleyer et al. 1995). Bei Verdacht einer Symblepharonbildung ist das Ausstreichen der Fornices mit einem Glassspatel zu empfehlen, um Synechien/ Pseudomembranen zu lösen; Der Entzündungsreiz kann mit kortisonhaltiger Salbe gedämpft werden. Bei ausgeprägter Schleimbildung und/oder Membranenbildung müssen diese, eventuell unter der Anwendung von AcetylcysteinGel, entfernt werden (Mukasa and Craven 2008). Bei Epitheldefekt der okulären Oberfläche, v. a. der Kornea, sind unkonservierte, antibiotische Augentropfen zu empfehlen. Eine systemische antibiotische Abdeckung ist meistens nicht erforderlich und soll in Zusammenhang mit der gesamten Klinik sowie den Laborparametern individuell entschieden werden.

>> Es muss betont werden, dass es Assoziationen zwischen Antibiotika und SJS/TEN gibt; insofern ist es selbsterklärend, dass bei einem Patienten mit Augenbeteiligung nicht derselbe antibiotische Wirkstoff eingesetzt werden sollte, der möglicherweise die Reaktion ausgelöst hat (Furrer, Mayer et al. 2002).

Die Dämpfung des Bindehaut-Hornhautreizes kann auch mit autologen Serumtropfen versucht werden, die sich als

sehr vorteilhaft erwiesen haben (Quinto, Campos et al. 2008).

Systemische immunmodulierende Therapien

Der Vorbzw. Nachteil einer Steroidtherapie wird bis heute weltweit kontrovers diskutiert (Schneck, Fagot et al. 2008). Ähnliches gilt für andere immunmodulierende Therapien wie z. B. Cyclophosphamid, Ciclosporin oder intravenöse Immunglobulinen (IVIG) (Mockenhaupt M 2011). Laut einer großen retrospektiven Analyse zur Anwendung von Glucocorticosteroide, kann eine initiale kurze Steroidanwendung in mittlerer bis höherer Dosierung (100–500 mg) den Ausgang der schweren Hautreaktion positiv beeinflussen. Dies konnte für IVIG nicht nachgewiesen werden (Schneck, Fagot et al. 2008). IVIG werden zur Therapie von SJS und TEN eingesetzt, da Antikörper in gepoolten humanen Immunglobulinen in-vitro die FAS-mediierte Keratinozytennekrosen blockieren (Viard, Wehrli et al. 1998). Auch hier gibt es widersprüchliche Studienergebnisse (Faye and Roujeau 2005). In einer prospektiven Untersuchung hingegen wurde gezeigt, dass weder die Progression der Erkrankung gestoppt noch die Reepithelialisierung befördert werden konnte. Zudem war die Letalität, verglichen mit dem zur Evaluierung der Prognose entwickelten SCORTEN, höher als erwartet (Bachot, Revuz et al. 2003). Dabei handelt es sich um ein Instrument zur Bewertung des Schweregrades von SJS/ TEN, das innerhalb der ersten Tage im Verlauf der Reaktion angewendet werden sollte. Verlässliche Daten zum Einfluss der immunmoduierenden Therapie auf die okuläre Schleimhautbeteiligung und das Auftreten von Spätschäden gibt es nicht.

Thalidomid, ein effektiver TNF-α-Blocker, der erfolgreich zur Behandlung der GvHD eingesetzt wird, erwies sich in der Therapie von TEN als schädlich und ist kontraindiziert (Wolkenstein, Latarjet et al. 1998). Weitere TNF-α-Antagonisten zur Behandlung von SJS/TEN werden aktuell noch diskutiert, allerdings liegen bislang nur Einzelfallberichte vor (Mockenhaupt 2009).

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156 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

Somit kommt der supportiven Therapie bei Patienten mit SJS/TEN die größte Bedeutung zu. Sie ähnelt bei ausgedehnter Blasenbildung der von Verbrennungspatienten und schließt adäquate Volumensubstitution, Schmerztherapie, Erhöhung der Umgebungstemperatur, desinfizierende Wundbehandlung etc. ein (Struck, Hilbert et al.; Roujeau, Chosidow et al. 1990).

>> Aufgrund der verschiedenen Manifestationen ist eine interdisziplinäre Betreuung notwendig. Vor allem kommt hier den Augenärzten eine wichtige Aufgabe zu.

Chirurgische Maßnahmen bei okulärer Beteiligung

Die Behandlung von akuten okulären Komplikationen muss sehr früh mit einer intensiven Oberflächenbehandlung beginnen. Chronische Komplikationen sind hauptsächlich auf eine Insuffizienz der Limbusstammzellen oder Vernarbung der Lidränder zurückzuführen und stellen eine Herausforderung für den behandelnden Arzt dar. Die häufigste Spätkomplikation von SJS/TEN ist die ausgeprägte Sicca-Symptomatik infolge der Destruktion von Meibom’schen Drüsen und sekundär der Glandula lacrimalis. Oberstes Gebot ist die Entfernung von keratinisierten Plaques und Membranen aus der Lidkantenrückfläche. Amnionmembrantransplantation und Limbusstammzelltransplantation mit kultivierten Epithelzellen haben günstige Ergebnisse gezeigt und werden aktuell zunehmend angewendet (Koizumi, Inatomi et al. 2001; Giasson, Bouchard et al. 2006; Shay, Kheirkhah et al. 2009). Die Amnionmembrantransplantation wirkt unterstützend auf die Wundheilung chronischer Ulzera und weist eine immunmodulatorische Wirkung auf. Die Transplantation von limbalen (Dua and AzuaraBlanco 1999) oder mesenchymalen Stammzellen bei Limbusstammzellinsuffizienz stellt eine weitere Option dar. Mesenchymale Stammzellen sind multipotent und können sich im gewebespezifischen Milieu in korneale Epithelzellen ausdifferenzieren (Liu, Sheha et al.). Nachteilig ist, dass sich bei allogener Transplantation stets eine immunsuppressive Therapie anschließen muss und auch darunter Allograftreaktionen auftreten können. Die bereits bestehenden Risiken einer sekundären Infektion werden zusätzlich erhöht.

Sehr vorteilhaft und subjektiv angenehm hat sich die Anwendung von skleralen Kontaktlinsen erwiesen (Romero-Rangel, Stavrou et al. 2000; Gungor, Schor et al. 2008). Sklera-Linsen können den Visus bei ca. 50–90 % der betroffenen Patienten je nach Indikation und Schweregrad verbessern (Romero-Rangel, Stavrou et al. 2000). Als Nachteil sind die hohen Behandlungskosten (900 €/ Linse), die zum Teil fehlende Kostenübernahme durch die

Krankenkassen und der individuelle Anpassungsaufwand anzusehen (Tougeron-Brousseau, Delcampe et al. 2009). Zu den langfristigen einfachen aber wichtigen Behandlungszielen gehören die manuelle Entfernung von störenden Zilien und die Rekonstruktion von Lidfehlstellungen. Sollte es auch nach wiederholten chirurgischen Eingriffen nicht zur Normalisierung der okulären Oberflächenanatomie mit rezidivierenden, schlecht heilenden Epitheldefekten kommen, kann als ultima ratio eine Keratoprothese erwogen werden (Liu, Okera et al. 2008).

4.5.7Prognose der okulären Komplikationen

Wie bereits erwähnt, können konventionelle Therapien den Langzeitkomplikationen nicht ausreichend vorbeugen. Dies ist problematisch, da die schwersten Folgeerscheinungen häufig die Augen betreffen. Chronische ophthalmologische Komplikationen treten tendenziell häufiger bei Patienten mit anfänglich okulärer Beteiligung auf (Gueudry, Roujeau et al. 2009) und gelten als die schwerste langfristige Komplikation mit dem größten Einfluss auf das berufliche und soziale Leben.

Der von Sotozono et al. entwickelte Algorithmus für die Beurteilung von chronischen okulären Manifestationen bei Patienten mit SJS/TEN zeigt, dass die Schwere der Augenbeteiligung signifikant mit der visuellen Langzeitprognose korreliert, so haben z. B. Augen mit höherer Punktzahl im Verlauf einen schlechteren Visus. Dieser Algorithmus bietet eine neue objektive Methode zur Abschätzung der visuellen Entwicklung von SJS/TEN-Patienten (Sotozono, Ang et al. 2007).

Die anfängliche okuläre Reaktion bei SJS/TEN ist durch Entzündung und Nekrose der Bindehaut gekennzeichnet, oft begleitet von einer Zerstörung der Becherzellen. Dies führt mit einer Prävalenz von ca. 59 % zu der häufigsten langfristigen okulären Komplikation, nämlich zum trockenen Auge und im Verlauf zu weiteren kornealen Komplikationen (Roujeau, Phlippoteau et al. 1985; Revuz, Penso et al. 1987; Oplatek, Brown et al. 2006). Das Ausmaß der Hornhautbeteiligung ist meistens von der Lidkantenbzw. tarsalen Narbenbildung mitbeeinflusst (meistens im oberen temporalen Fornix). Lidkantenbzw. tarsale Abnormalitäten führen zum Lidschluss-assoziierten Hornhautmikrotrauma (Cher 2003). Ist die Limbusstammzellenzone intakt und gesund, kann der Hyperproliferationsreiz eine Plattenepithelmetaplasie sowie Pannusbildung induzieren. Ist die Zone aber stark vorgeschädigt, kann dies zur Limbusstammzelleninsuffizienz mit Durchbruch der junktionalen limbalen Barriere von konjunktivalen Fibroblasten und Konjunktivalisation der Hornhaut führen (Knop and Reale 1994).