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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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148 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Medikamenten-Kombinationen

 

 

 

Immunglobuline oder

 

 

 

 

Reduktion bei

 

 

 

für resistente Fälle

 

 

 

 

Biologika

 

 

 

 

 

Ansprechen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cyclophosphamid

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

+ Hochdosis Steroid

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Azathioprin oder

 

 

 

Azathioprin oder

 

 

 

 

 

Mycophenolsäure

 

 

 

Mycophenolsäure

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Methotrextat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Methotrexat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Milde Entzündung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dapson oder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dapson oder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sulfapyridin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sulfapyridin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 4.20  Stufenschema der systemischen Therapie für das OCP. (Mod. nach Saw et al. 2008)

mend an Bedeutung. Bei fehlendem Ansprechen wird die Therapie mit zusätzlicher Gabe von Azathioprin erhöht. Bei fortgeschrittenem Stadium wird gleich zu Beginn eine Kombination aus Methotrexat oder Dapson + Azathioprin verabreicht. Bei einer Intoleranz gegen Azathioprin oder weiterem Fortschreiten erfolgt eine Umstellung auf Mycophenolsäure statt Azathioprin. Bei akuten Exazerbationen oder rasch fortschreitendem Befund wird ein Wechsel zu Cyclophosphamid (CYPH) empfohlen. Die Therapie mit CYPH ist auf 12 Monate zu begrenzen. Bei Ansprechen kann die Dosis wieder reduziert werden.

Biologika

Ein fehlendes Ansprechen auf die gängigen der Immunsuppressiva, das Auftreten von untragbaren Nebenwirkungen sowie Kontraindikationen gegen eine langfristige Immunsuppressivaeinahme sind Indikationen für einen Wechsel auf neue immunmodulatorische Medikamente (.Tab.4.12). Es existieren jedoch bis auf einzelne ErfolgVersprechende kleinere Studien und Fallberichte zur Anwendung beim okulären Pemphigoid keine umfassenden prospektiven Studien. Nachteile bestehen in den hohen Kosten, der aufwendigen Anwendung und der Entwicklung mit unter letaler Nebenwirkungen. Weitere kontrollierte Studien bezüglich der Anwendung beim okulären Befall werden notwendig sein.

4.4.8 Prognose

Für alle Immunsuppressiva gilt, dass sie mindestens 12 Monate angewandt werden sollten und dann ggf. bei Remission langsam reduziert werden können (s. Stufenschema). Bei schweren Formen oder kornealer Beteiligung mit konsekutiver Visuseinschränkung wird i. d. R. eine le-

benslange Therapie empfohlen. Regelmäßige Kontrollen sind notwendig, da die Erkrankung in 1/3 der Patienten rezidiviert. Diese sollten zu Beginn alle 6–8 Wochen, nach Erreichen einer Befundkonsolidierung alle 3–6 Monate erfolgen.

>> Trotz immunmodulatorischer Therapie kommt es bei 53 % der Patienten zu einer deutlichen Visusminderung; die Lesefähigkeit kann nur in 35 % der Betroffenen erhalten bleiben.

4.4.9Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

http://www.pemphigus-pemphigoid-selbsthilfe.de/

4.5Okuläre Beteiligung bei Stevens- Johnson-Syndrom (SJS) und Toxisch epidermaler Nekrolyse (TEN) (engl. Stevens-Johnson syndrome (SJS), toxic epidermal necrolysis (TEN))

A. Chronopoulos, M. Mockenhaupt, U. Pleyer

ICD-10 Code L12 Pemphigoiderkrankungen, L51.1 Erythema exsudativum multiforme; Stevens-Johnson-Syndrom

4.5.1 Definition und Einteilung

Das Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und die Toxisch epidermale Nekrolyse (TEN) sind akute, meist arzneimittelinduzierte, schwere Hautund Schleimhautreaktionen. SJS

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4.5  •  Okuläre Beteiligung bei Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) undToxisch epidermaler Nekrolyse (TEN)

.. Tab. 4.12  Übersicht über neue immunmodulatorische Verfahren

Wirkstoff

Wirkung

Dosierung

Hinweise

Wirkeintritt

Häufigste Nebenwirkungen

Immunglo-

Verdrängung der

0,4–0,8 g/kg alle 2–4 Wochen

Ca. 2 Wochen

Kopfschmerz

bulin

Autoantikörper

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übelkeit

 

 

 

 

 

Allergische Reaktionen

Rituximab

CD20-Antikörper

1000 mg i. v. alle

Initial 50 mg/h

Ca. 2 Wochen

Hypogammaglobulinämie

 

 

2 Wo

i. v.

 

 

 

B-Zellinhibitor

 

 

 

Infektanfälligkeit

 

 

 

 

 

Allergische Reaktionen

Daclizumab

Hemmung der

1 mg/kg alle 2 Wo

 

2–4 Wochen

Kopfschmerzen

 

IL-2 vermittelten

 

 

 

 

 

T-Zell-Aktivierung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Allergische Reaktionen

 

 

 

 

 

Neoplasien

 

 

 

 

 

Infektionen

Etanercept

Inaktivierung von

2x25 mg/Wo s. c.

max. 50 mg/Wo

2–4 Wochen

Kopfschmerzen

 

TNF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Allergische Reaktionen

 

 

 

 

 

Infektionen

Tacrolimus

T-Zellinhibitor

0,15–0,3 mg/kg/d

0,30 mg/kg/d

2–8 Wochen

Knochenmarkdepression

 

 

 

 

 

Hämaturie

 

 

 

 

 

Infektion

und TEN werden als eine Krankheitsentität von verschieden schwerer Ausprägung angesehen, die sich hinsichtlich ihrer auslösenden Faktoren und ihres Pathomechanismus nicht unterscheiden (Auquier-Dunant, Mockenhaupt et al. 2002). Im Bereich der Haut finden sich kokardenartige Hautveränderungen und Flecken, die häufig zu einer großflächigen Rötung konfluieren. Auf diesen Läsionen entwickeln sich Blasen, die zur Konfluenz neigen und zu einer teilweise ausgeprägten Hautablösung führen. SJS und TEN werden entsprechend dem Ausmaß der Hautablösung definiert und z. B. vom Erythema exsudativum multiforme majus (EEMM; EEM mit Schleimhautbeteiligung) unterschieden. Dieses weist gut abgrenzbare Kokarden (aus 3 konzentrischen Ringen mit zentraler Blase) in extremitätenbetonter Verteilung auf (.Abb.4.21), während bei SJS auf einem Exanthem aus Flecken und atypischen Kokarden (weniger scharf begrenzt und konfluierend) Blasen und Erosionen bis zu 10 % der Köperoberfläche (KOF) entstehen (.Abb.4.22). Die Gesamtoberfläche der betroffenen Haut spielt eine entscheidende Rolle in der Einteilung; bei der TEN beträgt die Hautablösung über 30 % der KOF (.Abb.4.23), dazwischen ist mit 10 %–30 % Hautablö-

..Abb. 4.21  Typische Kokarden in extremitätenbetonter Verteilung beim EEMM.

sung die SJS/TEN-Übergangsform definiert (.Tab.4.13) (Bastuji-Garin, Rzany et al. 1993). Diese Reaktionsformen gehen mit hämorrhagisch-erosiven Schleimhautveränderungen einher, die sich im Bereich des Mundes, Rachens, Kehlkopfs bis hin zu den Bronchien, der Nase sowie im

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Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

 

 

 

 

 

 

.. Tab. 4.13  Konsensusdefinition der schweren blasenbildenden Hautreaktionen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einteilung

EEMM

SJS

SJS/TEN-Übergangsfo

TEN mit Maculae

TEN auf großflächigen Erythe-

 

 

 

 

m

(Flecke)

men (ohne Flecke)

 

Hautablösung

< 10 %

< 10 %

10 %–30 %

> 30 %

> 10 %

 

Typische Kokar-

Ja

 

den

 

 

 

 

 

 

Atypische Kokar-

Erhaben

Flach

Flach

Flach

 

den

 

 

 

 

 

 

Maculae (Flecken)

Ja

Ja

Ja

 

 

 

 

 

 

 

Nach Bastuji-Garin et al. 1993

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 4.23  Atypische Kokarden und Flecke mit Blasenbildung > 30 % der Körperoberfläche bei TEN

..Abb. 4.22  Atypische Kokarden und Flecke mit Blasenbildung < 10 % der Körperoberfläche bei SJS

Bereich der Glans penis, vaginal, aber auch urethral und intraanal manifestieren können.

4.5.2 Epidemiologie

Die Inzidenz von SJS/TEN sowie deren Übergangsformen liegt bei 1–2 Fällen/eine Million Einwohner/Jahr (Rzany, Mockenhaupt et al. 1996). Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer (Mockenhaupt 2009). Damit gehören SJS/TEN zu den seltenen Erkrankungen, die allerdings mit einer hohen Letalität einhergehen, die bei TEN 45 % übersteigen kann (Mockenhaupt 2011). Es lässt sich feststellen, dass das Risiko zu versterben mit dem Ausmaß der Hautablösung und dem Alter des betroffenen Patienten steigt.

4.5.3 Ätiologie und Pathogenese

In epidemiologischen Studien konnte für verschiedene Arzneimittel ein erhöhtes Risiko zur Auslösung von SJS/ TEN festgestellt werden.

>> Insgesamt kann man davon ausgehen, dass etwa 75 % der SJS/TEN-Fälle arzneimittelinduziert sind, während 25 % parainfektiös oder idiopathisch auftreten (Mockenhaupt 2011).

Zu den Arzneimitteln mit hohem Potential zur Auslösung von SJS/TEN gehören Allopurinol, antibakterielle Sulfonamide inklusive Sulfasalazin, Carbamazepin, Lamotrigin, Nevirapin, nicht-steroidale Antirheumatika vom OxicamTyp, Phenobarbital und Phenytoin. Dabei ist das Risiko in den ersten Wochen der Einnahme (4 Wochen bis 4 Tage vor Reaktionsbeginn) am höchsten. Ein deutlich geringeres, aber immer noch signifikantes Risiko konnte für verschiedene Antibiotikagruppen sowie nicht-steroidale Antirheumatika vom Essigsäuretyp (z. B. Diclofenac) festgestellt werden. Im Gegensatz dazu konnte für eine Vielzahl häufig eingesetzter Substanzen, wie z. B. Betablocker, ACE-Hemmer, Diuretika, orale Antidiabetika (auch Sulfonylharnstoffe), Acetylsalicylsäure und Ibuprofen, keinerlei erhöhtes Risiko für SJS/TEN gezeigt werden (Mockenhaupt, Viboud et al. 2008).

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4.5  •  Okuläre Beteiligung bei Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) undToxisch epidermaler Nekrolyse (TEN)

Genetik

Obwohl schon seit ca. 20 Jahren eine genetische Prädisposition bei Patienten mit schweren Hautreaktionen vermutet wird (Roujeau, Huynh et al. 1987), ließ sich erst in neueren Arbeiten konkret zeigen, dass diese Prädisposition spezifisch für bestimmte Arzneimittel ist und starke ethnische Unterschiede aufweist. So konnte z. B. der hochsignifikante Zusammenhang (100 %) zwischen Carbamaze- pin-induziertem/-er SJS bzw. TEN und HLA-B*1502 bei Han-Chinesen in der Untersuchung von europäischen Patienten nicht bestätigt werden (Lonjou, Thomas et al. 2006). Bei Allopurinol-induziertem/-er SJS bzw. TEN hingegen konnte HLA-B*5801 sowohl bei Han-Chinesen (100 %) als auch bei Europäern (55 %) nachgewiesen werden (Lonjou, Borot et al. 2008). Es handelt sich offenbar um arzneimittelspezifische Reaktionsformen, d. h. ein bestimmter genetisch prädisponierter Patient reagiert nur auf ein spezifisches Arzneimittel mit SJS/TEN. Somit lässt sich feststellen, dass das Risiko für SJS/TEN nicht nur mit der Einnahme hochverdächtiger Medikamente, sondern auch mit einer genetischen Prädisposition in Zusammenhang steht.

Immunologie

SJS/TEN werden als immunologisch mediierte Reaktionen angesehen und sind nach dem heutigen Stand der Wissenschaft multifaktoriell bedingt. Die Immunologie dieser speziellen Hautreaktionen hat sich von der klassischen Theorie der Antigen-Antikörper-Reaktion ausdifferenziert, um neue Konzepte der Hypersensitivitätsreaktion ans Licht zu bringen. Die medikamentöse Therapie ist ein Gleichgewicht zwischen der therapeutischen und schädlichen Medikamentenwirkung. In diesem Kontext sind besonders die Nebenwirkungen rätselhaft (Typ-B-Reaktionen oder „off-Target-Reaktionen“), die durch das Immunsystem verursacht werden und nicht vorhersehbar sind. Jedes Medikament kann theoretisch Typ-B-Reaktionen auslösen, die Frequenz unterscheidet sich jedoch erheblich. Die klinische Erfahrung zeigt, dass Antibiotika, v. a. Sulfonamide sowie Antiepileptika am häufigsten Überempfindlichkeitsreation hervorrufen. Die möglichen Pathomechanismen sind recht komplex und durch hohe immunologische Diversität gekennzeichnet (Haptene, ko-stimmulatorische Agente, Antigene, Immunogene) (Pichler 2003; Pirmohamed, Friedmann et al. 2011). Die Gefahr der Sensibilisierung und der Schwere der klinischen Symptome hängen von dem Aktivierungsgrad des Immunsystems, der Dosis, der Exposition, dem Expositionsweg, der Dauer der Exposition, dem Geschlecht und der immungenetischen Veranlagung (insbesondere HLA-B Allele) (Alfirevic and Pirmohamed 2010) ab.

Um eine Immunantwort auszulösen, sind zwei Vorgänge notwendig, nämlich das Vorhandensein eines Anti-

gens, erfasst durch spezifische T-Zellen Rezeptoren sowie die Reifung von Immunzellen, erfasst durch dendritische Zellen, die wiederrum T-Zellen aktivieren. Der Reifungsprozess bei Medikamenten-Typ-B-Reaktionen kann durch oxidativen Stress oder durch die irreversible Modifikation von Stress-Sensor-Proteinen erfolgen (Mizuashi, Ohtani et al. 2005; Megherbi, Kiorpelidou et al. 2009). Die proHapten Hypothese versucht diesen Vorgang zu beschreiben und postuliert, dass ein chemisch inertes Medikament durch normale Prozesse des Stoffwechsels bioaktivierten werden und dadurch chemisch reaktive Zwischenstufen oder Haptene erzeugen kann. Solche Haptene stellen Reifungssignale für z. B. latente virenspezifische CD8+ Zellen dar, deren Vorhandensein in SJS/TEN pathognomonisch ist (Kano and Shiohara 2009).

SJS/TEN werden, wie bereits erwähnt, als immunologisch mediierte Reaktionen angesehen, in der Dermis überwiegen CD4+, in der Epidermis CD8+ T-Zellen. Man kann daher SJS/TEN vergleichbar einer Graft-versus-Host- Erkrankung (GvHD) als T-Zell-vermittelte Reaktion auffassen. Zytotoxische T-Zellen (CD8+) können, verstärkt durch das Freisetzen von Perforinen und Zytokinen (z. B. Tumornekrosefaktor (TNF-α), Apoptoseprozesse initiieren. Die akute Nekrose der Keratinozyten bei SJS/TEN wird auf einen solchen ausgedehnten Prozess zurückgeführt. Dabei ist zu beachten, dass es bei diesen CD8+ Zellen zu einer Oberflächenmarkerkonversion von CD45RA auf CD29 kommt, was auf eine verstärkte Antigenstimulation hindeutet (Edward J. Holland 1996). Allerdings konnte mittlerweile gezeigt werden, dass eines der wichtigsten Zytokine in der Akutphase von SJS/TEN das kationische Protein Granulysin ist, da es die stärkste Zytotoxizität in der Blasenflüssigkeit von Patienten mit SJS/TEN aufwies. Seine Konzentrationen in der Blasenflüssigkeit lagen in einer 2- bis 4-fachen Größenordnung höher als die von anderen zytotoxischen Proteinen (Perforin, Granzym B oder löslichem Fas-Liganden) und die Reduktion von Granulysin reduzierte die Toxizität. Zudem korrelierte die Konzentration von Granulysin in der Blasenflüssigkeit positiv mit dem Schweregrad der Erkrankung, d. h. sie war höher bei Patienten mit TEN verglichen mit SJS. Daraus ließe sich der Schluss ziehen, dass Granulysin ein Marker für den Schweregrad von SJS/TEN ist und einen Angriffspunkt für potentielle Therapien bietet (Chung, Hung et al. 2008).

4.5.4 Klinik

Klinik der okulären Beteiligung

Die für die Patienten oftmals schweren Folgeerscheinungen manifestieren sich regelmäßig an den Augen. Sie resultieren aus den funktionellen/histologischen Veränderungen des konjunktivalen Epithels, die mit Trockenheit

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152 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

..Abb. 4.24a,b  Akute (mittelschwere) Augenbeteiligung bei SJS/TEN. Bilaterale konjunktivale Hyperämie mit Chemosis und borkigem Sekret. Ausgeprägte Entzündung der tarsalen Konjunktiva/Lidkanten (a) mit Blepharitis posterior sowie Lidkanten-Meibomdrüsenverickung (b). Die Beteiligung der Meibom’schen Drüsen führt zur Trockenheit und zum instabilem Tränenfilm und im weiteren Verlauf zur Veränderungen des konjunktivalen Epithels

..Abb. 4.25a,b  Akute (schwere) Augenbeteiligung bei SJS/TEN. Nach dem Ablauf der akuten Entzündungsphase und vor allem ohne Behandlung entwickeln sich persistierenden epithelialen Defekten. Dies kann zur Keratinisierung/Bindehautverwachsungen (a nasal, b temporal) und Symblepharonbildung führen, die im Verlauf schwere morphologische und funktionelle Schäden hinterlassen. Die persistiende entzündliche Infiltration der Limbusbereich führt zur Destruktion der Limbusstammzellen

und instabilem Tränenfilm einhergehen. Zwischen 69 % und 82 % der mit Verdacht auf SJS aufgenommenen Patienten entwickeln eine akute okuläre Beteiligung (Edward J. Holland 1996; Yip, Thong et al. 2007; Gregory 2008), 25 % davon schwersten Grades. Bei TEN liegt der Anteil zwischen 50 % und 88 % (Power, Ghoraishi et al. 1995; Chang, Huang et al. 2007). Aufgrund der Seltenheit von S JS/TEN wird die Augenbeteiligung oftmals nicht oder zu spät diagnostiziert.

Das akute Stadium der okulären Beteiligung dauert ca. 2 bis 6 Wochen und ist durch erythematöse Augenlider, purulente Bindehautentzündung und eitrige Keratitis gekennzeichnet. Etwa 25 %–50 % der Betroffenen entwickeln eine schwere Entzündung der tarsalen Konjunktiva/ Lidkanten (Edward J. Holland 1996). Die Oberflächenentzündung wird häufig von Pseudomembranenbildung bzw. membranöser Konjunktivitis begleitet (Foster, Fong et al. 1988) (.Abb.4.24.Abb.4.26). Eine ausführliche Auflistung der okulären Symptome mit Graduierung der

Schwere der okulären Beteiligung geht aus den .Tab.4.14,

.Tab.4.15 hervor.

Nach der akuten inflammatorischen Phase folgt eine Phase mit persistierenden epithelialen Defekten und Ulzerationen. Ohne Behandlung können hieraus Hornhautvernarbung, Keratinisierung und Symblepharonbildung resultieren, die im Verlauf schwere morphologische und funktionelle Schäden hinterlassen (Thiel, Richter et al. 1990; Tugal-Tutkun, Akova et al. 1995; Sotozono, Ang et al. 2007). Auch nach erfolgreicher Behandlung und Eindämmung der akuten entzündlichen Veränderung besteht weiterhin die Gefahr funktioneller Schädigung, da die entzündliche Infiltration der Hornhaut in der chronischen Phase weiterhin okkult fortschreiten kann (De Rojas, Dart et al. 2007).

Vernarbungen der Lidkanten und Destruktion der Meibom’schen Drüsen sowie Lidfehlstellungen (Entropium, Ektropium) führen zu schweren Alterationen der Tränenfilmstabilität mit ausgeprägten Sicca-Problemen.