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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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144 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

.. Tab. 4.9  Extraokuläre Manifestationen des okulären Pemphigoids. (In Anlehnung an Chang 2005)

Lokalisation

Klinisches Bild

Häufigkeit

orale Mukosa

Desquamative Gingivitis: erythematöse Stellen, Blasen Erosionen und von Pseudomembranen

44–85 %

 

bedeckte Erosionen

 

Nasopharynx

Epistaxis, Ulzerationen, Heiserkeit, Stimmverlust

20–43 %

Haut

Generalisierter Befall: rekurrente vesikulobullöse nicht vernarbende Erosionen

17–23 %

 

Lokalisierter Befall: erythematöse Plaques mit rekurrenten Vesikeln, Blasen auf der Kopfhhaut

 

 

und Gesicht, Abheilung unter Narbenbildung

 

Larynx

Halsschmerzen, Heiserkeit, Ödeme, Vernarbungen, Strikturen

5–30 %

Ösophagus

Ulzera, Strikturen, Stenosen, Dysphagie

7–27 %

Anogenitale

Spasmen, Proktalgie

5–11 %

Medikament

 

lokal

 

 

 

systematisch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Idoxiurin

 

Pilocarpin

 

Dipeve n

 

Timolol

 

Guantehthädin

 

Practolol

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 4.15  Auslösende Medikamente eines Pseudopemphigiods

>> Auffällig ist die erhöhte Prävalenz von OCP Patienten zum Glaukom. Insbesondere bei Patienten mit lokaler Glaukommedikation ist oft nicht sicher zu unterscheiden, ob sie das okuläre Pemphigoid auslösen oder beide Erkrankungen unabhängig voneinander bestehen. Die Prognose nach Beendigung der Therapie ist hierbei günstig.

4.4.6 Diagnostik

Goldstandard ist die Biopsie (.Abb.4.16). Diese sollte vorzugsweise aus der Mundschleimhaut entnommen werden, da eine konjunktivale Biopsie mit dem Risiko der Exazerbation assoziiert ist. Bei negativen Befunden ist allein das klinische Bild diagnostisch entscheidend (.Abb.4.17, roter Pfeil).

..Abb. 4.16  Hautbiopsie mit direkter Immunfluoreszenzdarstellung von IgG in der Basalmembran (Vergr. 400:1). (Aus Pleyer und Müller, 2001)

145

4

 

4.4  •  Okuläres Pemphigoid (engl. ocular cicatricial pemphigoid (OCP))

Klinisches Bild mit progredienter Vernarbung

Biopsie mit Histologie und

 

Nachweis von Serumautoantikörpern

 

Anamnese weiterer extraokulärer

direkter Immun uoreszenz

 

(BP 180, 230, Laminin 5, Typ IV Kollagen)

 

Manifestationen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Positives Ergebnis

 

Positives Ergebnis

 

 

 

60–80%

 

20–50%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diagnose sicher

 

Diagnose sicher

 

Diagnose wahrscheinlich

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 4.17  Klinischer Leitfaden zur Diagnostik des okulären Pemphigoids. Steigerung der Sensitivität durch Western Blot oder ELISA. (Mod. nach Saw 2008)

.. Tab. 4.10  Differentialdiagnosen bei okulärem Pemphigoid

Differentialdiagnosen

Charakteristika/Abklärung

Bakterielle, virale Konjunktivitis

Akuter Beginn, konjunktivale Entzündungszeichen, einseitig/beidseitig, mit oder ohne eitrigem

 

Ausfluss. V. a. Adenoviren können zu Pseudomembranen und Symblephara führen. Klinik:

 

typischerweise präaurikuläre/submandibuläre Lymphadenopathie, ggf. Keratitis nummularis.

 

Diagnose mittels Bindehautabstrich, virale (Schnell-) Tests ggf. PCR zum Adenovirusnachweis

Rosazea

Tritt v. a. im Erwachsenenalter (> 30 Jahre) auf, verläuft chronisch. Anamnese: „Brennen“ mit

 

Beschwerden oft morgens, die sich im Tagesverlauf bessern. Symptome: brennende, trockene

 

Augen, gerötete Lidkanten, verkrustete Lidränder

 

Befunde: BUT verkürzt; Hautveränderungen durch Talgdrüsendysfunktion mit erythematös-

 

teleangiektatischen Veränderungen; ggf. Rhinophym gehäuft: Chalazien. Bei schwerem Verlauf

 

Symblephara möglich

Atopische Keratokonjunktivitis

Tritt v. a. im jungen Erwachsenenalter auf. Anamnese: oft atopische Dermatitis im Kindesalter.

(AKC, .Abb. 4.18)

Akut rezidivierende, meist beidseitige Konjunktivitis allergischer Ursache. Tarsal oft Papillen;

 

häufig mit Keratokonus assoziiert. Leitsymptom: Pruritus.

Stevens-Johnson-Syndrom

Anamnese (meist durch Medikamente ausgelöst); ausgeprägte allgemeine Schleimhautbeteili-

 

gung (oral, genital, gastrointestinal). Typische kokardenartige Hautveränderungen, auf diesen

 

Läsionen entwickeln sich (konfluierende) Blasen, die zur Konfluenz neigen und zur ausgeprägten

 

Hautablösung führen

Paraneoplastischer Pemphigus

Anamnese: mit Tumorerkrankung assoziiert (z. B. Non-Hodgkin-Lymphom, CLL, Sarkome,

 

Thymome). Die Läsionen des paraneoplastischen Pemphigus stellen sich polymorph, wie eine

 

Mischung aus dem Pemphigus vulgaris und dem Erythema exsudativum multiforme, dar. Die

 

Haut und Schleimhäute sowie Mundhöhle können betroffen sein. Tumorsuche! Histologie:

 

Akantholysen und Dyskeratosen sowie Anlagerung von Immunglobulinen an der Basalmembran,

 

Antikörpern gegen Desmoplaktin I und II, BP-Antigen, Desmoglein

Graft versus Host Erkrankung

Anamnese: Knochmarktransplantation. Hyperämie, oft ausgeprägte Blepharitis serosanguinöses

(GvHD, nach KnochenmarktransExsudat, Pseudomembranöse Konjunktivitis, subtarsale Vernarbung/Fibrose ggf. Symplepharon-

plantation)

bildung

Skleritis

Anamnese: rezidivierende, akute schmerzhafte noduläre oder diffuse Augenrötung. Ödem und

 

zelluläre Infiltration der gesamten Dicke der Sklera. Häufiger bei Frauen; meist ab der fünften Le-

 

bensdekade. Häufig: Assoziation mit rheumatol. Erkrankungen (rheumatoide Arthritis, Wegener

 

Granulomatose). Diagnose anhand von klinischem Befund; Serologie mit RF, ANA, cANCA, CRP

Aufgrund/anhand der klinischen Präsentation müssen weitere entzündliche Erkrankungen berücksichtigt werden.

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146 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

..Abb. 4.18  49 jähriger Patient mit atopischer Blepharokonjunktivitis

 

 

Symblepharon:

 

 

 

 

Konjunktiva Z-Plastik, Mundschleim-

 

 

Trichiasis:

 

hauttransplantat mit Mitomycin C

 

Entropium:

 

Anwendung

 

anteriore lamelläre Reposition,

Kryoepilation, Argonlaser-Behandlung

 

 

 

 

 

Mundschleimhauttransplantat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Limbusstammzellinsu zienz:

 

 

 

 

 

 

 

korneale Keratinisierung:

Limbusstammzelltransplantation

 

 

 

 

 

 

 

Keratoprothese

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Perforation:

 

 

 

 

 

 

 

Erosio Korneae:

Perforierende Keratoplastik

 

 

 

 

 

 

 

Amniontransplantation Tarsorrhaphie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ober ächenstörung:

 

 

 

 

 

 

 

Keratinisierung Lidränder/

Tränenersatzmittel (unkonserviert),

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Konjunktiva:

Autologe Serumtropfen, Punctum pluqs,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vitamin A Salbe oder Tropfen (0,05%)

Uhrglasverbände, Kontaktlinsen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blepharitis:

 

 

akute In ammationsphase:

 

 

Lidkantenp ege,

 

 

niedrig dosierte Steroide z.B.

 

 

ggf. Doxyciclin per os

 

 

 

Fluormetholone

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 4.19  Überblick über konservative Behandlungsoptionen beim okulären vernarbenden Pemphigoid

Differentialdiagnostik

Das okuläre Pemphigoid ist bei rein okulärer Beteiligung oft nur schwer von anderen Ursachen der vernarbenden Konjunktivitis abzugrenzen (.Tab.4.10).

4.4.7 Therapie

Konservative Behandlung

Da die konjunktivale Vernarbung nicht reversibel ist, sind die lokale Behandlung der Oberflächenproblematik durch konservative Verfahren (.Abb.4.19) und die Kontrolle der immunmediierten Entzündungsreaktion durch systemische immunmodulatorische Medikamente primäre Therapieziele.

Ein wichtiger Grundsatz ist, jegliche Manipulationen an der Konjunktiva auf ein Minimum zu beschränken, da diese als Auslöser einer Reaktivierung der Erkrankung gefürchtet sind. Sind Operationen notwendig, sollten minimal invasive Verfahren, wie der Clear cornea Zugang im Rahmen einer Kataraktchirurgie, bevorzugt werden. Ausgedehnte Operationen führen oft zu iatrogener Schädigung, und speziell die Keratoplastik hat eine ungünstige Prognose.

Systemische Immunsuppression

Erfahrungsgemäß ist bei 75 % der Patienten im Krankheitsverlauf neben einer lokalen auch eine systemische Therapie erforderlich (.Tab.4.11). In 10–40 % schreitet die Erkrankung trotz Therapie weiter fort.

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4

 

4.4  •  Okuläres Pemphigoid (engl. ocular cicatricial pemphigoid (OCP))

.. Tab. 4.11  Übersicht über Immunsuppressiva, in der Anwendung beim okulären Pemphigoid

Wirkstoff

Wirkung

Initiale

Maximale

Wirkeintritt

Häufigste Neben-

Kontrollparameter

 

 

Dosierung

Dosierung

 

wirkungen

 

Azathioprin

Purin

1 mg/kg/d

2,5–4 mg/

1–3 Monate

Leukopenie

Blutbild 4–6 wö-

 

 

 

kg/d

 

 

chentlich

 

Metabolismus

 

 

 

Thrombozytopenie

Leberwerte

 

 

 

 

 

Hepatitis

 

Methotrexat

Pyrimidin-

5–15 mg/

20 mg/Wo-

2 Wochen

Cytopenie

Blutbild 2–4

 

Synthese

Wochen

chen

 

 

wöchentlich

 

 

 

 

 

Arterielle Hypertonie

Leberwerte

 

 

 

 

 

Hepatotoxisch

 

Mycophenolat

Purin

2 × 500 mg/d

2 × 1,5 g/d

2–12 Wochen

Diarrhoe

Blutbild 4–6

 

 

 

 

 

 

wöchentlich

Mofetil

Synthese

 

 

 

Gastrointestinale NW

Leberwerte

 

 

 

 

 

Infektionen

 

 

 

 

 

 

Neutropenie

 

Cyclophospha-

Alkylans

1,5–2 mg/

6 mg/kg/d

1–2 Wo

Anämie

Blutbild 1–4

mid

 

kg/d

 

 

 

wöchentlich

 

B-Zell-Inhibitor

 

 

 

Leukopenie

Urinanalyse

 

 

 

 

 

Myelodysplasie

Gabe von Mesna

 

 

 

 

 

Hämorrhagische

 

 

 

 

 

 

Zystitis

 

 

 

 

 

 

Teratogen

 

 

 

 

 

 

Kanzerogen

 

Dapson

Hemmung von

1,5–2 mg/

300 mg/d

3–6 Wochen

Hämolyse

Blutbild 1–4

 

Neutrophilen

kg/d

 

 

Knochenmarks­

wöchentlich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

depression

 

 

 

 

 

 

Methämoglobinämie

 

Etwa 25 % der Patienten profitieren nicht von einer

mid sogar nach 8–12 Wochen eintritt. Daher sollten zu

systemischen Immunsuppression, aufgrund einer milden

Behandlungsbeginn Kortikosteroide in ausschleichender

Verlaufsform oder des bereits fortgeschrittenen Alters bei

Dosierung (Prednisolon 1–2 mg/kg/KG) oder in der Er-

Diagnosestellung. Auch bei Patienten im ausgebrannten

haltungsdosis (< 10 mg/Tag), und in schweren Fällen als

Endstadium ist keine weitere Immunsuppression notwen-

Hochdosistherapie (Methylprednisolon 500 mg–1 g i. v.,

dig.

als morgendliche Dosis an je 3 Tagen) verordnet werden.

Die Therapie erfolgt nach dem Stufenprinzip

Bei Stadium I–II erfolgt zunächst eine Therapie mit

(.Abb.4.20). Zu beachten ist, dass die Wirkung der Im-

Methotrexat oder Sulfasalazin. Die historische Therapie

munsuppressiva erst nach 6–8 Wochen, bei Cyclophospha-

mit Dapson verliert aufgrund geringerer Wirkung zuneh-