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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

 

 

 

.. Tab. 4.8  Therapiemodalitäten bei okulärer GVHD

 

 

 

 

Antiinflammatorische Therapie

Topische Steroide, topisches Ciclosporin, systemische immunsuppressive Therapie

 

Benetzung

Tränenersatzmittel oder Augengele (konservierungsmittelfrei), Augensalben;

 

 

Acetylcystein-haltige Augentropfen (5–10 %); systemische Therapie: Pilocarpin,

 

 

Cevimeline

 

Eigenserum-Augentropfen

(alternativ: allogene Serum-Augentropfen)

 

Verminderung der Tränenfilm-Evaporation

Blepharitis-Therapie: warme Kompressen, Lidrandhygiene, topische antiinflamma-

 

 

torische Therapie (Calcineurin-Inhibitoren), systemische Therapie mit Doxycyclin/

 

 

Tetrazyklin, (partielle) Tarsorrhaphie

 

Verminderung des Tränenabflusses

Punctum Plugs, chirurgischer Tränenpünktchenverschluss

 

Sklerallinsen

 

Prävention von Infektionen

Prophylaktische Gabe (unkonservierter) antibiotischer Augentropfen bei Epithelde-

 

 

fekten oder Ulzera oder bei Verwendung von Verbandskontaktlinsen, ggf. prophy-

 

 

laktische anti-herpetische Therapie

 

Komplikations-Management

Verbandskontaktlinsen, epitheliales Debridement, Amnionmembran-ummantelte

 

 

Bio-onlays, Amnionmembrantransplantation, Lidchirurgie, partielle Bindehautde-

 

 

ckung, Tarsorrhaphie; Limbusstammzell-Transplantation, Keratoplastik

Management von Komplikationen

Bei (persistierenden) Epitheldefekten können neben Eigen- serum-Augentropfen auch Verbandskontaktlinsen unter Abdeckung mit unkonservierten antibiotischen Augentropfen sinnvoll sein. Die Amnionmembrantransplantation spielt bei nicht heilenden Hornhautepitheldefekten und -ulzera eine wichtige Rolle. Die perforierende Keratoplastik hat bei GVHD eine sehr schlechte Prognose aufgrund häufig wiederkehrender Hornhauteinschmelzungen.

4.4Okuläres Pemphigoid (engl. ocular cicatricial pemphigoid (OCP))

A. Rübsam, U. Pleyer

ICD-10 Code L12 Pemphigoidkrankheit, L12.1 Vernarbendes Pemphigoid, H13.3 Okuläres Pemphigoid

Zum Teil irreführende Synonyme für diese Erkrankung sind: Benignes Schleimhautpemphigoid, gutartiges Schleimhautpemphigoid, okuläres vernarbendes Pemphigoid

4.3.7 Prognose

>> Bei der okulären GVHD handelt es sich um eine inflammatorische Augenoberflächenerkrankung. Sie führt nicht nur zu einer reduzierten Lebensqualität durch ausgeprägte Beschwerden, sondern kann

in vielen Fällen die Sehfähigkeit herabsetzen und in schweren Fällen zur Erblindung durch korneale Komplikationen führen. Eine multimodale und

interdisziplinäre Therapie ist für die Behandlung von GVHD-Patienten essentiell.

4.3.8Selbsthilfegruppen und wichtige Websites

Weitere Informationen zu GVHD, GVHD-Kompetenz- zentren und den Publikationen aus den Arbeitsgruppen der Konsensus-Konferenzen sind unter www.ghvd.de zu finden.

4.4.1 Definition

Das okuläre Pemphigoid gehört zu einer Gruppe von seltenen, chronisch fortschreitenden Autoimmunerkrankungen, die vorwiegend die Schleimhäute befallen. Es ist eine immunpathologisch heterogene Gruppe mit unterschiedlichen klinischen Phänotypen, deren gemeinsames klinisches Korrelat eine subepidermale Blasenbildung durch Störung der Adhäsion zwischen Epidermis und Dermis, ist.

4.4.2 Historie

Die Erstbeschreibung des okulären Pemphigoides erfolgte wahrscheinlich bereits 1794 durch Wichmann. Auch Sattler, Graefe und Arlt beschrieben 1879 während einer „Tagung der deutschen ophthalmologischen Gesellschaft“ den typischen klinischen Verlauf eines OCP. Die Erkrankung wurde von Lever 1951 als „gutartiges Schleimhautpemphigoid“ bezeichnet, was dem tatsächlichen klinischen Bild jedoch

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4.4  •  Okuläres Pemphigoid (engl. ocular cicatricial pemphigoid (OCP))

Keratin lamente

BP 230

Plectin

Hemidesmosom

α6β4-Integrin

Uncein

Laminin 5

BP 180

Laminin 6

Lamina densa

Anker brillen (Kollagen VII)

..Abb. 4.12  Dermo-epidermale Junktionszone mit schematischer Darstellung der bisher charakterisierten Proteine (Aus Megahed 2004)

nicht gerecht wird. Im Jahr 2002 erfolgte die aktuell gültige

(BMZ) (.Abb.4.12). Prädisponierend scheinen immunge-

Festlegung von Nomenklatur und Therapiestandards.

netische Veranlagungen (HLA-Muster) und die Demaskie-

 

 

 

rung von körpereigenen Strukturen durch vorangegangene

4.4.3

Epidemiologie

entzündliche Prozesse („epitope spreading“) zu sein. Durch

die B und T-Zellaktivierung kommt es zum Entzündungs-

 

 

 

prozess mit Freisetzung proteolytischer Enzyme und Zy-

 

 

 

In der Literatur findet man eine Inzidenz von 0,87 Neu-

tokine, sowie der Bildung von Autoantikörpern gegen Pro-

erkrankungen pro eine Millionen Einwohner in Deutsch-

teine der BMZ wie dem Bullösen Pemphigoid Antigen 180

land. Sie liegt aber wahrscheinlich höher, da Patienten mit

und 230, Kollagen Typ XVII, Laminin 5, Laminin 6 und

minimalem Befall oft nicht oder nur spät adäquat diagnos-

dem hemidesmosomalen Integrin β4. Somit kommt es

tiziert werden. Frauen sind im Verhältnis 1,6 : 1 häufiger

zur Funktionsstörung der beteiligten Strukturproteine

betroffen. Eine ethnische oder geographische Prädilektion

mit Trennung von Epidermis und Dermis mit konsekuti-

ist bisher nicht nachweisbar. Das mittlere Erkrankungsalter

ver Blasenbildung.

liegt bei 64 Jahren. Es existieren jedoch auch Fallberichte

 

im Kindesund jungen Erwachsenenalter.

4.4.5 Klinik

 

 

 

4.4.4

Pathophysiologie

 

Je nach vorwiegend nachweisbarem Antibasalmembranan-

 

 

 

tikörper kommt es zur Ausprägung verschiedener Phäno-

 

 

 

Bis jetzt ist der exakte Pathomechanismus beim OCP nicht

typen. So werden das orale, das allgemeine Schleimhaut-

vollständig geklärt. Krankheitsauslösend sind Autoantikör-

pemphigoid und das okuläre Pemphigoid mit möglicher

per gegen Schlüsselkomponenten der Basalmembranzone

oraler Manifestation unterschieden.

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142 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stadium

Mondino und Brown

Foster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I

Fornixverkürzung < 25 %

Chronische Konjunktivtis mit

 

 

 

 

 

 

subepithelialer Fibrose

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

II

Fornixverkürzung 25–50 %

Fornixverkürzung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

III

Fornixverkürzung –75 %

Symblepharon, Keratopathie

 

 

 

 

 

 

Hornhautvaskularisation

 

 

 

 

IV

Obliteration der Übergangsfalte,

Keratinisierung, Ankyloblepharon

 

 

 

 

 

Keratinisierung

Endstadium

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Endstadium

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 4.13  Übersicht über die Stadieneinteilungen des okulären Pemphigoids

Klinik der okulären Manifestation

>> Die okuläre Beteiligung gehört zu den häufigsten Manifestationen des Schleimhautpemphigoides und tritt in 60–77 % der Patienten auf.

Im Frühstadium gleicht der Befund einer rezidivierenden Konjunktivitis mit konjunktivaler Hyperämie und Ödemen. Subjektiv zeigen sich unspezifische Symptome mit zunächst einseitiger Rötung, Fremdkörpergefühl und Sicca Symptomatik.

Diagnose-führend sind die sich durch rekurrente Entzündungsvorgänge ausbildenden Narbenareale, deren Schrumpfung eine Fornixverkürzung mit Ausbildung von Symblephara bedingt. Die progrediente narbige Verziehung der Lider mit Entwicklung von Trichiasis und Entropium sowie die Obliteration der Tränenausführungsgänge verursachen eine Verstärkung der Oberflächenproblematik und des konjunktivalen Reizzustandes. Dieses Zusammenspiel führt zur Entwicklung einer Expositionskeratopathie mit Erosiones, kornealen Neovaskularisationen und einer Keratinisierung der gesamten Oberfläche im Endstadium.

Eine genaue Stadieneinteilung und Aktivitätseinschätzung ist dabei besonders wichtig. Klinisch häufig angewandt wird eine Kombination der Einteilungen nach Mondino und nach Tauber und Foster (.Abb.4.13).

Aufgrund der Untersucherabhängigkeit der Beurteilung, sollte der Befund fotodokumentiert oder graphisch dargestellt werden. Der Verlust der Fornixtiefe im Krankheitsverlauf lässt sich graphisch oft besser als durch die Fotodokumentation festhalten (.Abb.4.14).

Klinik bei extraokulärer Manifestation

Einen Überblick über mögliche extraokuläre Manifestationen gibt .Tab.4.9. Bei manchen Patienten bilden sich nur einzelne Läsionen, andere zeigen ein generalisiertes, progressives Erscheinungsbild mit dem chronischen Befall unterschiedlicher Schleimhäute.

Medikamenteninduziertes okuläres Pemphigoid

Sowohl nach systemischer als auch lokaler Medikamentenanwendung wurden beim Pemphigoid ähnliche klinische Bindehautveränderungen beschrieben (.Abb.4.15). Die Tatsache, dass sehr unterschiedliche Medikamente nach lokaler Anwendung zu einem gleichartigen Verlauf führen, sprechen für eine Medikamenteninduktion des Pemphigoides, zumal bei einseitiger Medikamenteneinnahme oft nur ein rein unilateraler Befall vorliegt. Konservierungsmittelhaltige Augentropfen werden dabei oft als Auslöser vermutet, oder führen möglicherweise zur Exazerbation eines subklinischen Pemphigoides.

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4.4  •  Okuläres Pemphigoid (engl. ocular cicatricial pemphigoid (OCP))

 

Chronische progressive konjunktivale Vernarbung:

 

 

 

 

 

 

Name: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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RA: zentrale untere Fornixtiefe (mm): . . . . . . . . . . . . . . .

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LA: zentrale untere Fornixtiefe (mm): . . . . . . . . . . . . . . .

LA: zentrale untere Fornixtiefe (mm): . . . . . . . . . . . . . . .

Schrumpfung

Keratinisierung

Vernarbung/

punktförmige

Synechien

Keratitis

Konjunktivale

 

Fibrose

 

..Abb. 4.14  Klinische Verlaufsbeurteilung mittels schematischer Darstellung. (Aus Elder 1997)