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Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
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Topisches Ciclosporin A
Ciclosporin A (CSA) ist ein Immunsuppressivum, das durch Komplexbildung mit Cylophilin den Calcineurin-Phosphatase-Weg hemmt und somit die Transkription von T-Zell aktivierenden Zytokinen, wie IL-2, reduziert (Matsuda und Koyasu 2000). Die topische Anwendung von CSA führt, möglicherweise durch die lokale Ausschüttung von parasympathischen Neurotransmittern, zur vermehrten Produk-
Klinische Studien haben gezeigt, dass unkonservierte Kortikosteroid-Augentropfen, ausschleichend über einen kurzen Zeitraum (2–4 Wochen) appliziert, sowohl die subjektiven Symptome als auch die klinischen Zeichen des Trockenen Auges verbessern (Marsh und Pflugfelder 1999) (Pflugfelder et al. 2004). Diese Verbesserung reichte über den Behandlungszeitraum hinaus. Leider sind Kortikosteroide aufgrund ihres Nebenwirkungsspektrums nicht als Langzeittherapie der KCS geeignet. Sinnvoll ist jedoch ein Therapiezyklus, um das Ansprechen auf eine antientzündliche Therapie zu testen.
Topische Kortikosteroide

125

4

 

4.1  •  Keratoconjunktivitis sicca/Sjögren-Syndrom (engl. Dry Eye Syndrome)

.. Tab. 4.1  Differentialdiagnosen bei Sjörgen-Syndrom (SS)

Differentialdiagno-

Charakteristika/Abklärung

sen

 

Bakterielle Konjunk-

Mukopurulentes Sekret; bei

tivitis

chronischer oder hyperakuter Kon-

 

junktivtis: Bindehautabstrich

Adenovirale Konjunk-

Karunkelschwellung, follikuläre

tivitis

Konjunktivitis; evtl. Schnelltest auf

 

Adenoviren

Allergische Konjunk-

Kardinalsymptom: Juckreiz;

tivitis

papilläre Konjunktivitis, evtl.

 

dermatologische Abklärung und

 

Allergietestung

Für die Behandlung der Meibomdrüsendysfunktion stehen Tränenersatzmittel mit Lipiden wie Triglyceride, Phospholipide und Rizinusöl zur Verfügung. Eigenserumtropfen enthalten eine Vielzahl von epitheliotrophen Wachstumsfaktoren und antientzündliche Substanzen. Sie sind besonders für die Therapie des schweren Trockenen Auges sinnvoll. Ihre Herstellung unterliegt dem Arzneimittel und Transfusionsgesetz (Cursiefen et al. 2006).

4.1.6 Antientzündliche Therapie

Um den entzündlichen Kreislauf beim trockenen Auge zu durchbrechen, ist beim moderaten bis schweren Trockenen -Auge eine antientzündliche Therapie notwendig.

-

tion von Tränenflüssigkeit (Yoshida et al. 1999). In klinischen Studien führte die Behandlung mit

0,05%igen Augentopfen 2×/d zu einer Verbesserung der Keratopathie, erhöhten Werten im Schirmertest mit Anästhesie, Abnahme der subjektiven Beschwerden (z. B. Schleiersehen) und einer Verringerung der notwendigen Tränenersatztherapie (Sall et al. 2000). Diese klinische Besserung war verbunden mit einer Reduktion von Entzündungszellen und entzündlicher Markern an der Augenoberfläche (Kunert et al. 2000) (Turner et al. 2000). Ciclosporin A AT 0,05 % sind in den USA als Therapeutikum für das Trockene Auge im Handel erhältlich. In Deutschland besteht die Möglichkeit, CSA-AT in der Apotheke als Rezeptur herstellen zu lassen. Vor allem liposomales CSA

-Präparationen.

Tetrazykline

Tetrazykline sind bakteriostatische Antibiotika mit antientzündlicher Wirkung. Sie reduzierten die Synthese und Aktivität von Matrixmetalloproteinasen, die IL-1- und TNF-Produktion, die Kollagenase-Ak- tivität und B-Zell-Aktivierung (Solomon et al. 2000) (Kuzin et al. 2001). Tetrazyklinanaloga werden v. a. erfolgreich in der Therapie der Rosazea eingesetzt. Gerade bei einer Meibomdrüsendysfunktion scheint die Therapie mit oralen Tetrazyklinanaloga sinnvoll (Management and therapy of dry eye disease: report of the Management and Therapy Subcommittee of the

-International Dry Eye WorkShop 2007).

Makrolide

Topisches Azithromycin zeigte in einem murinen Keratitismodell neben der bekannten antibiotischen Aktivität auch eine entzündliche Wirkung mit Reduktion der Infiltration von Leukozyten sowie einer verminderten Expression von proentzündlichen Faktoren wie IL-1ß, TNFa und ICAM-1 (Sadrai et al. 2011). Azythromycin AT 1 % wurden in mehrere Studien erfolgreich in der Therapie der Blepharitis und Meibomdrüsendysfunktion eingesetzt (Haque et al.

-2010) (Foulks et al. 2010).

Omegafettsäuren

Omega-3 und 6 sind als essentielle Fettsäuren wichtig für die Homeostase der okulären Oberfläche. Sie müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Vor allem Omega-3 Fettsäuren wirken durch die Blockade proinflammatorischer Eicosanoide (Prostaglandin E2 und Leukotrien B4) sowie Reduktion der Zytokine IL-1 und TNF antientzündlich (James et al. 2000) (Endres et al. 1989). Orale Nahrungsergänzung mit systemischer Linolenund γ-Linolensäure vermin-

dern die Oberflächenentzündung und verbessern die Symptome des Trockenen Auges (Barabinoscheint hier besser verträglich zu sein, als andere

126 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

1

et al. 2003). Die topische Anwendung von Omega-

3-Fettsäuren reduzierte signifikant die Oberflächen-

2

anfärbung, die Zytokinexpression sowie die Entzün-

dungsreaktion in einem Mausmodell des Trockenen

 

Auges (Rashid et al. 2008). Auch die Applikation

3

von Resolvin E1-Augentropfen, einem Omega-3-FS-

Derivat, verbesserte die Tränenproduktion und

 

4

Oberflächenintegrität, reduzierte die Expression von

Cyclooxygenase 2 und verringerte die Infiltration

5

von Entzündung im Tierversuch (Li et al. 2010). Seit

neuestem stehen Omega-3-FS-Augentropfen für die

 

Behandlung des Trockenen Auges zur Verfügung.

6

-LidkantenpflegeDer Schmelzpunkt der Meibomlipide liegt bei

7

28–32 °C. Somit ist die freigesetzte Lipidmenge

abhängig von der Lidtemperatur. Heiße Kompressen,

 

Wärmemasken/-brillen sowie die Lidmassage sind

8

die Basis einer erfolgreichen Therapie der Meibom-

drüsendysfunktion.

 

9

Punctum plugs

-Der temporäre Verschluss der Tränenpünktchen ist

10

eine wirksame Methode bei hypovolämischem Tro-

ckenem Auge. Die häufigste „Komplikation“ ist ein

 

Verlust des Plugs (Tai et al. 2002).

11

>> Da die Verzögerung der Tränendrainage auch zur Per-

12

sistenz von toxischen und entzündlichen Faktoren an

der Augenoberfläche führt, ist parallel eine antient-

 

zündliche Therapie sinnvoll.

13

Sjögren-Syndrom (SS)  Für die Behandlung des Trockenen

 

14

Auges im Rahmen eines SS gelten dieselben Richtlinien,

wie für die KCS ohne Immunerkrankung. Meist findet

15

sich ein schweres hyposekretorisches Trockenes Auge, oft

assoziiert mit einer Meibomdrüsendysfunktion. Die Kon-

 

servierung der vorhandenen Tränenflüssigkeit z. B. mit

16

punctum plugs in Kombination mit einer antientzündli-

chen Therapie ist Standard. Bei schwerer Keratokonjunc-

17

tivitis sicca kann die permanente Verödung der puncta la-

crimalia sowie eine Verbands-Kontaktlinse unter lokalem

18

Antibiotikaschutz und hochfrequenter nicht-konservierter

Tränenersatztherapie hilfreich sein. Auch autologe Serum-

 

Augentropfen in einer Konzentration von 20 % bis 100 %

19

kommen hier sinnvoll zur Anwendung.

Behandlung der Xerostomie

20

-Durch zuckerfreie Bonbons und das Kauen von

zuckerfreiem Kaugummi sowie durch die Gabe

 

von Pilocarpin (s. dort) kann versucht werden, die

21

Restkapazität der Speichelproduktion anzuregen. In

fortgeschrittenen Fällen kommen Speichelersatzmit-

 

22

tel, z. B. Zellulosederivate, zur Anwendung. Aufgrund

des deutlich erhöhten Risikos für Karies und Paro-

 

dontose sollten regelmäßige zahnärztliche Kontrollen

erfolgen. Zur Besserung der nasalen Trockenheit werden pflegende Öle eingesetzt. Die gynäkologische Behandlung erfolgt durch Gele, östrogenhaltige

-Salben und Cremes (Hansen und Dorner 2010).

Systemische Therapie

Eine Evidenz-basierte systemische Therapie des SS ist nur durch wenige kontrollierte Studien belegt. Viele neue Medikamente befinden sich derzeit in klinischen Studien.

Orale Sekretagoga wie Pilocarpin (5 mg 2–4×/d) und Cevimelin (Zulassung nur in den USA; 30 mg 3×/d) können sowohl den Speichelfluss als auch – in geringerem Maße – den Tränenfluss verbessern. Nebenwirkungen, wie Schweißausbrüche, Kopfschmerzen und gastrointestinale Beschwerden, führen häufig zum Absetzen des Medikaments. Hydroxychloroquin, ein oraler Immunmodulator, zeigt keine wesentliche Wirkung auf die Siccabeschwerden bei SS. Rituximab, ein chimerischer monoklonaler Antikörper gegen CD20+ B-Lymphozyten, reduziert die systemischen Komplikationen des SS, die Wirkung auf das Trockene Auge ist enttäuschend. Auch Infliximab und Etanercept, Substanzen gegen Tumor-Nekrose-Faktor, demonstrierten in prospektiven Studien keine Verbesserung der objektiven Zeichen des Trockenen Auges. Mycopholat Mofetil und Interferon alpha-2 wurden in kleinen prospektiven Studien eingesetzt und führten sowohl zur Verbesserung der Tränendrüsenals auch der Speicheldrüsenfunktion. Orale Kortikosteroide, Ciclosporin und Methotrexat zeigten keine Wirkung auf die orale und okuläre Siccasymptomatik (Akpek et al. 2011).

4.1.7Selbsthilfegruppen und hilfreiche Websites

http://www.sjoegren-erkrankung.de/, http://www.rheuma- liga-berlin.de/Sjoegren-Syndrom, http://www.rheuma-on- line.de/selbsthilfe/selbsthilfegruppen

4.2Allergische Augenerkrankungen

(engl. Allergic conjunctivitis; atopic keratoconjunctivitis, Giant papillary conjunctivitis; vernal keratoconjunctivitis)

C. Heinz, A. Heiligenhaus

ICD-10 Code H10 Konjunktivitis H16.2 Keratokonjunktivitis

Synonym Frühjahrskatarrh; Heuschnupfen

4.2  •  Allergische Augenerkrankungen

4.2.1 Definition

Unter dem Sammelbegriff „Allergische Augenerkrankungen“ werden Erkrankungen mit sehr unterschiedlicher Pathogenese und Klinik zusammengefasst. Hierzu zählt man die allergische Rhinokonjunktivitis, die Keratokonjunktivitis vernalis (VKC), die gigantopapilläre Konjunktivitis (GKC) und die atopische Keratokonjunktivitis (AKC).

4.2.2 Inzidenz und Prävalenz

Grundsätzlich nimmt die Prävalenz allergischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten weltweit zu. Aufgrund nicht einheitlicher Definitionen okulärer allergischer Erkrankungen differieren die Häufigkeitsangaben erheblich. Ältere Untersuchungen gehen von einer Prävalenz von 15–20 % für eine allergische Konjunktivitis aus, wobei in neueren Untersuchungen diese Zahl bei bis zu 40 % liegt. Sowohl die Behandlungsrate als auch die Inzidenz von allergischen Augenerkrankungen war in einer japanischen Analyse im Alter von 10 Jahren gehäuft und mit zunehmendem Alter rückläufig. Hier lag das Verhältnis von Frauen zu Männern bei einer allergischen Konjunktivitis bei 2 : 1. Anders verhält es sich bei Patienten mit einer Keratokonjunktivitis vernalis. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, die häufiger Jungen (3 : 1) in der ersten Lebensdekade betrifft. Vor allem tritt diese Erkrankungen in warmen und trockenen Regionen auf, insbesondere dann, wenn zusätzlich eine Atopie bei dem Patienten selbst oder in der Familie vorliegt. Eine atopische Dermatitis tritt bei 10–20 % aller Kinder und nur bei 1–3 % aller Erwachsenen auf. Bei einem Teil dieser Patienten (25–42 %) findet sich auch eine atopische Keratokonjunktivitis mit einer oft begleitenden chronischen Blepharitis. Eine gigantopapilläre Konjunktivitis findet sich bei bis zu 20 % aller Kontaktlinsenträger. Eine gigantopapilläre Konjunktivitis kann auch durch Nahtmaterialien, Filterkissen, limbale Dermoide oder Hornhautfremdkörper verursacht werden.

4.2.3 Pathogenese

Allergien sind Hypersensitivitätsreaktion des Immunsystems, insbesondere auf Umweltallergene. Die Antwort des Immunsystems kann als IgE-vermittelte Hypersensitivitätsreaktion, als nicht-IgE-vermittelt (T-Zell-vermittelte Hypersensitivitätsreaktion) oder als Kombination aus beiden verlaufen (.Abb.4.6). Die allergische Konjunktivitis ist eine klassische IgE-vermittelte Reaktion. Bei der atopischen und vernalen Keratokonjunktivitis liegt eine Kombination aus einer IgE-vermittelten und einer nichtIgE (T-Zell)-vermittelten Reaktion zugrunde. Bei der gi-

127

 

4

 

 

 

 

 

gantopapillären Konjunktivitis fehlt die IgE-Reaktion und es findet sich nur eine schwache nicht-IgE Reaktion.

IgE-vermittelte Immunreaktion

Nach einer Sensibilisierung von prädisponierten Menschen kann es nach unterschiedlichen langen Zeiträumen der klinischen Inapperenz zur klinischen Manifestation einer allergischen Reaktion kommen. Bei den Patienten wird unter Vermittlung durch T-Helferzellen IgE in Plasmazellen produziert. Das Allergen vernetzt als Frühphasenantwort IgE-Bindungskomplexe auf Mastzellen, und es kommt durch Mastzelldegranulation mit Freisetzung vasoaktiver Amine zu einer histaminergen allergischen Sofortreaktion. Durch stimulierte Mastzellen, konjunktivale und korneale Epithelien, aktivierte eosinophile Granulozyten sowie Fibroblasten, die proinflammatorische Zytokine produzieren, entsteht die typische Spätphasenreaktion nach 4–8 Stunden mit einer die Allergenexposition überdauernden Symptomausbildung Die Aktivierung und Infiltration von eosinophilen Granulozyten ist eine wesentliche Ursache. Es kann dann bei chronischen allergischen Augenerkrankungen zu der Schädigung der Hornhautoberfläche kommen. Freigesetzte toxische Proteine aus eosinophilen Granulozyten (Major Basic Protein, Eosinophil Peroxidase, Eosinophil derived Neurotoxin, Eosinophil cationic Protein) werden in den Tränenfilm und in die Bindehaut sezerniert, binden an die Basalmembranen und führen zum Gewebeuntergang.

T-Lymphozyten

T-Lymphozyten spielen sowohl in der IgE-vermittelten- als auch in der nicht-IgE-vermittelten-Reaktion eine bedeutende Rolle. Abhängig vom Subtyp der T-Zellen produzieren die Zellen ein TH1 (IL-2, IFN-γ)- oder TH2 (IL-4, -5) -spezifisches Zytokinmuster und sind damit in der Lage, weitere Zellen zu stimulieren. Zytogene des TH2-Musters stimulieren die Infiltration von eosinophilen Granulozyten und finden sich gehäuft bei vernaler Keratokonjunktivitis und der allergischen Rhinokonjunktivitis, während man bei atopischer Keratokonjunktivitis eine Kombination aus einer TH1und TH2-Antwort findet.

>> Regulatorische T-Zellen spielen ebenfalls eine entzündungshemmende Rolle bei allergischen Augenerkrankungen. Besondere Bedeutung hat dies bei einer Keratoplastik bei bekannter Allergie, da das Immunprivileg durch eine Dysfunktion der regulatorischen T Zellen gestört ist.

Zytokine, Wachstumsfaktoren und Proteasen

Verschiedene Zytokine (IL-4, -5, -6, -8, -13, TNF) und Adhäsionsmoleküle (Eotaxin, VCAM, VLA/4) sind im Verlauf von allergischen Augenerkrankungen verantwortlich

 

128

Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

 

 

 

 

1

 

 

 

 

G

Lymphknoten

 

 

 

 

BLUT

GEWEBE

 

 

 

2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FcεRI

 

 

 

IgE

 

 

 

Rezeptor r

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

F

3

 

 

Mastzelle

 

 

 

 

 

 

 

 

Histamine

 

 

 

Plasmazelle

 

 

 

 

 

 

 

 

4

 

 

Degra-

 

IL-4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5

 

 

nulierung

 

 

 

 

IL-4

 

 

 

 

H

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A

 

 

 

 

 

 

6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

B-Zell-

B-Zelle

 

 

 

 

 

 

 

 

7

 

 

Allergen

 

 

 

D Rezeptor

 

 

 

 

 

 

 

 

Antigen

 

 

 

 

 

 

Antigen

 

 

 

8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

B

präsentierende Zelle

T-Zellrezeptor

CD40

IL-4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CD40L

 

 

 

 

 

 

 

 

9

 

 

 

 

Präsentiertes

 

T-Zelle

Th2-Zelle

 

 

 

 

 

 

10

 

 

 

 

Antigen

 

 

 

 

 

 

 

 

MHC II

 

 

E

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

B7

11

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CD28

 

12

 

 

 

 

 

 

 

C

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13

..Abb. 4.6  Das Antigen gelangt in den Körper und wird von einer Antigen-präsentierenden Zelle (APZ) aufgenommen. Die aktivierte APZ

 

präsentiert das Epitop des Allergens und führt zu einer Differenzierung von T-Lymphozten (Th) in Th2-Zellen. Gleichzeitig kommt es durch

14

Stimulation durch die Th2-Zellen zu einer Aktivierung von B-Lymphozyten, die wiederum in Plasmazellen differenzieren und spezifische Ig-

Antikörper gegen das Allergen ausbilden. Bei der allergischen Sofortreaktion führt durch erneuten Kontakt mit dem spezifischen Allergen die

15

Antigen-Antikörper-Bindung mit dem auf der Oberfläche von Mastzellen exprimierten IgE zur Degranulation mit der Liberation von vasoaktiven

Aminen und Histamin. In der Spätphase setzen korneale und konjunktivale Epithelien insbesondere auch eosinophile Granulozyten toxische

Zytokine frei, die dann die weitere Freisetzung von weiteren Zytokinen, Wachstumsfaktoren und Proteasen fördern und damit die Ausbildung

16

chronischer Gewebeveränderungen einleiten. (Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Pleyer, Charité Berlin)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17

für die Stimulierung, Aktivierung und Infiltration weiterer

reliert mit einer extensiven Infiltration von Eosinophilen

Effektor-Zellen. Damit tragen sie bei chronischen Verläu-

und einer überschießenden TH2 Reaktion.

18

fen zur Gewebeschädigung bei. Wachstumsfaktoren, wie

 

 

 

 

z. B. Transforming growth-Faktor-ß (TGF-ß), sind eben-

4.2.4

Klinik

 

 

falls maßgeblich am Gewebeumbau und -abbau beteiligt,

 

19

z. B. der Fibrosierung und Papillenbildung. Eine besondere

 

 

 

 

Bedeutung für die Entstehung von oberflächlichen Horn-

Typische subjektive allergische Beschwerden am Auge sind

20

hautläsionen haben die sezernierten Matrix-Metallopro-

Jucken, Epiphora, Schleimbildung und Fremdkörperge-

teinasen.

 

 

 

fühl. Je nach Form der Erkrankung stehen unterschiedliche

 

Gewebeumbau

 

 

 

Symptome im Vordergrund. Einzelne Symptome können

21

 

 

 

völlig fehlen.

 

Mastzellen, Eosinophile und Fibroblasten können sich ge-

In der objektiven Beurteilung fallen meist eine kon-

 

22

genseitig aktivieren, steuern und führen zur Bildung von

junktivale Hyperämie und eine Bindehautschwellung

Bindehautnarben und fibrovaskulären Papillenhypertro-

(Chemosis), Follikel (Lymphozytenansammlungen mit

 

phien. Die Hornhautbeteiligung bei VKC und AKC kor-

zentralem Gefäß) und Papillen (epitheliale Gewebever-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

129

 

 

 

 

4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4.2  •  Allergische Augenerkrankungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

allergische Symptome

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ohne Hornhautbeteiligung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mit Hornhautbeteiligung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ohne Kontaktlinse

 

 

 

 

mit Kontaktlinse

 

ohne atopische

 

 

mit atopischer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dermatitis

 

 

Dermatitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

≥ 4 Tage pro Woche

< 4 Tage/Woche

 

gigantopapilläre

 

 

Konjunktivitis

 

 

atopische

 

 

 

länger als 4 Wochen

kürzer als 4 Wochen

 

Konjunktivitis

 

 

 

vernalis

 

 

Keratokonjunktivitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

chronische allergische

akute allergische

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rhinokonjunktivitis

Rhinokonjunktivitis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..Abb. 4.7  Diagnose von allergischen Augenerkrankungen

mehrung mit umgebenem Gefäß) auf. In der Abgrenzung der unterschiedlichen allergischen Erkrankungen ist die Hornhautbeteiligung hilfreich (.Abb.4.7).

Allergische Rhinokonjunktivitis

Nach der ARIA-Klassifikation (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma) wird die früher als saisonale und perenniale bezeichnete allergische Konjunktivitis als Komorbidität einer Rhinokonjunktivitis eingeordnet. Die Erkrankung ist intermittierend, sofern die Beschwerden entweder weniger als 4 Tage pro Woche oder kürzer als 4 Wochen anhalten. Bei häufigeren oder längeren Beschwerden bezeichnet man die Erkrankung als persistierend. Am häufigsten finden sich hier als auslösende Allergene inhalative Pollen-, Tierhaar-, Schimmelpilzund Hausstaubmilben-allergene.

Keratokonjunktivitis vernalis

Die Keratokonjunktivitis vernalis tritt meist nur während der wärmeren Jahreszeit (Mai bis Oktober) in Deutschland auf. Im Vordergrund stehen Epiphora, Schleimbildung und massive Photophobie. Teilweise verläuft die Erkrankung aber auch ganzjährig. Beide Augen sind betroffen, zeigen aber häufig eine sehr unterschiedliche Ausprägung. Klinisch imponieren die aus Ansammlungen von eosinophilen Granulozyten bestehenden Trantas Dots am Limbus (limbale Form) (.Abb.4.8a). Als weitere Verlaufsform kann aber auch die Ausbildung von tarsalen Papillen im Vordergrund stehen (palpebrale Form). Meist handelt sich um eine Kombination aus beiden Verläufen. Im Rahmen der Erkrankung können sich auch Hornhautveränderun-

gen mit einer superfiziellen Keratitis, einem Schildulkus und einer Plaquebildung auf der Hornhautfläche entwickeln. Seltener kann eine vernale Konjunktivitis auch erst im Erwachsenenalter manifest werden. Auch hier finden sich palpebrale und limbale Verlaufsformen, wobei eine Hornhautbeteiligung seltener ist.

Gigantopapilläre Konjunktivitis

Hauptproblem bei der gigantopapillären Konjunktivitis ist eine zunehmende Kontaktlinsenunverträglichkeit und ein vermehrtes Schleiersehen. Auf der oberen tarsalen Bindehaut kommt es zur Ausbildung von großen Papillen mit zunächst morgendlicher Schleimansammlung (.Abb.4.8b). Träger weicher Kontaktlinsen sind häufiger betroffen als Träger harter Kontaktlinsen. Das klinische Bild kann dem einer palpebralen Keratokonjunktivitis vernalis gleichen. Eine Hornhautbeteiligung ist aber untypisch.

Atopische Keratokonjunktivitis

Eine atopische Keratokonjunktivitis (AKC) tritt meist im Rahmen einer atopischen Dermatitis auf. Wenn keine oder andere atopische Erkrankungen vorliegen, bezeichnet man die AKC als atypisch. Die Patienten leiden vorrangig unter einer Photophobie, die die Lidöffnung verhindern kann. Zudem zeigt sich oft eine atopische Blepharokonjunktivitis mit geröteten und verkrusteten Augenlidern und bei extremen Formen mit einer Mazeration der Lidhaut (.Abb.4.8c). Eine Staphylokokken-assoziierte Blepharitis mit einer marginalen Keratitis kann den Verlauf weiter verschlechtern. Die Bindehaut ist hierbei chronisch entzündet

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130 Kapitel 4  •  Okuläre Oberfläche – nicht infektiös

..Abb. 4.8a–ea Keratokonjunktivitis vernalis (limbale Form) mit Trantas Dots in Rückbildung, b Gigantopapilläre Konjunktivitis mit Riesenpapillen und Schleimauflagerung am Oberlid, c Patientin mit schwerer atopischer Dermatitis, Blepharitis und Mazeration der Lidhaut, d Keratinisierung der nasalen Bindehaut mit subkonjunktivaler Fibrose bei atopischer Keratokonjunktivitis, e Schildulkus bei atopischer Keratokonjunktivitis

und zeigt eine papilläre Hypertrophie. Im fortgeschrittenen

perficialis oder durch eine filamentöse Keratitis zu erklä-

Stadium entwickelt sich eine diffuse Bindehautfibrosierung

ren. Weitere Komplikationen sind Schildulzera, muköse

und Keratinisierung in der nasalen Lidspalte im Bereich

Plaques und Hornhauteinschmelzungen bis hin zur Per-

des unteren Tränenpunktes (.Abb.4.8d). Die zum Teil

foration (.Abb.4.8e).

extreme Photophobie ist durch eine Keratitis punctata su-