Добавил:
kiopkiopkiop18@yandex.ru t.me/Prokururor I Вовсе не секретарь, но почту проверяю Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:
Ординатура / Офтальмология / Учебные материалы / Entzündliche Augenerkrankungen Springer.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
28.03.2026
Размер:
22.24 Mб
Скачать

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

80 Kapitel 3  •  Okuläre Oberfläche – infektiös

Alternative Therapieformen

Die lokale Applikation von Ciclosporin A in einer Konzentration von 0,05 % scheint bei einigen Patienten mit posteriorer chronischer Blepharitis gegenüber Placebo und topischer Gabe von Antibiotika in Kombination mit einem Steroid den okulären Befund (wie Schirmer Test, Tränenaufrisszeit usw.) zu verbessern.

Die Gabe von Omgea-3 Fettsäuren in einer oralen Dosis von 1000 mg täglich verbesserte den klinischen Befund bei chronischer Blepharitis.

3.1.7 Prognose

Trotz intensiver Forschungsaktivitäten in den letzten Jahren ist die chronische Blepharitis mit derzeitigen Therapieansätzen, insbesondere bei Vorhandensein von Begleiterkrankungen wie Rosazea, kaum zu heilen. Das primäre Ziel der Behandlung ist deshalb die Linderung der Beschwerden. Die Patienten müssen zur Vermeidung von weiteren Augenschäden regelmäßig untersucht werden, um die Therapie bestmöglich anzupassen.

3.2Konjunktivitis/Keratitis – viral (engl. conjunctivitis)

H. Westekemper, K.-P. Steuhl

ICD-10 Code H10 Konjunktivitis, H16.2 Keratikonjunktivitis

3.2.1 Definition, Ätiologie

Die viralen Erkrankungen der Bindehaut und Hornhaut sind eine Gruppe heterogener Erkrankungen. Sie betreffen vorrangig die Augenoberfläche, oft unter Einbeziehung der benachbarten Strukturen, wie der Haut, der regionalen Lymphknoten oder des Augeninneren. Die häufigsten Erreger stammen aus der Gruppe der Herpes- oder Adenoviren. Aber auch Papillomaviren, die als High-Risk Serotypen Neoplasien der Augenoberfläche begünstigen, und Molluscom contagiosum spielen eine wichtige Rolle, insbesondere bei Patienten mit bestehender Immundefizienz oder -suppression.

3.2.2 Epidemiologie

Virusinfektionen basieren häufig auf einer sehr hohen Durchseuchung der Bevölkerung mit dem pathogenetisch relevanten Agens. Dies trifft z. B. für Herpesviren und Pa-

pillomaviren zu, die dann, häufig zeitlich entkoppelt vom Zeitpunkt der Erstinfektion, punktuell zur Erkrankung der infizierten Person führen.

Andere Viren führen durch ihre sehr hohe Kontagiosität und die nahezu vollständige Penetranz der Erkrankungssymptome nach der Erregerübertragung zu epidemieartigen Ausbrüchen von Erkrankungen, wie z. B. die

Adeno- oder Enteroviren.

3.2.3 Pathogenese

Viren sind kleine, 10–400 µm messende Einheiten, die ein einzeloder doppelsträngiges Nukleinsäure-Genom enthalten und von einem Protein-Kapsid umgeben sind. Sie sind auf die Replikation in Wirtszellen angewiesen, da sie keine eigenen Strukturen zur Energiegewinnung und Replikation enthalten. Man unterscheidet RNAund DNA-Viren. Die RNA-Viren können einzelnoder doppelsträngig, einzelsträng in positiver oder negativer Polarität vorkommen. Danach richtet sich die Notwendigkeit mRNA zu transkribieren. Von klinischer Relevanz ist die Kenntnis der Virusstruktur bei der Wahl der antiviralen Therapie, da diese in vielen Fällen auf die Transkriptionsmechanismen des Virus zielt. Das Virenkapsid interagiert mit dem Virusgenom wie mit der Wirtszelle und immunkompetenten Zellen, sodass ihm eine wichtige regulative Rolle bei der Integration des Virus in einen Organismus zukommt.

Infektionswege

Die Übertragung viraler Erkrankungen der Augenoberfläche erfolgt durch direkten Kontakt mit infizierten Erkrankten sowie durch Kontakt mit infiziertem Sekret oder kontaminiertem Kontakt-Material (ärztliche Instrumente, Türklinken, Schwimmbad; Kontaktoder Schmierinfektion). Teilweise kann ein Virus auch über Tröpfcheninfektion übertragen werden (z. B. EBV). Hinzu kommen sexuell übertragbare Virenerkrankungen, wie das HSV-2 und indirekt das HIV, da hier vor allem die opportunistischen Infektionen bei einer AIDS-Erkrankung relevante Pathologien an der okulären Oberfläche verursachen (z. B. Herpes-Zoster ophthalmicus, HSV-Keratitis, Molluscum contagiosum, Kaposi-Sarkom, Non-Hodgkin-Lymphome). Auch virale Infektionen können durch den Geburtskanal auf Neugeborene übertragen werden, wie beispielsweise eine Herpes-simplex-Infektion.

Genetik, Immunologie

Abschnitt1.1.2. „Immunologie“

81

3

 

3.2  •  Konjunktivitis/Keratitis – viral (engl. conjunctivitis)

.. Tab. 3.2  Systematik der konjunktivalen und kornealen Viruserkrankungen

Virus

Manifestation

Symptomatik

Therapie

DNA-Viren

 

 

 

Herpes-simplex-Viren

Primär: Konjunktivitis

Follikuläre Konjunktivitis, kutane Vesi-

Antivirale Therapie lokal u/o

Typ 1 und 2

 

kel, präaurikuläre LK-Schwellung

systemisch

 

Rezidiv: Keratitis

Dendritische, stromale Keratitis

Antivirale Therapie lokal u/o

 

 

 

systemisch, ggf. lokale Steroide

Varicella-Zoster

Primär: Dermatoblepharitis,

Vesikuläre Hautveränderungen der

Symptomatisch

 

Keratokonjunktivitis

Lider, follikuläre Konjunktivitis

 

 

Rezidiv: Zoster Ophthalmicus

Potentiell Entzündung aller okuläre

5 × 800 mg Aciclovir Tbl. Alter-

 

 

Gewebe. Typische Hauteffloreszenze an

native: Famciclovir, Valaciclovir

 

 

Dermatomen orientiert

 

Epstein-Barr

Akute Dakryoa-

Lidschwellung, Entzündungszeichen,

Symptomatisch; bei Keratitis

 

denitis; Infektöse

Follikuläre Konjunktivitis, Keratitis

ggf. lokale Steroide unter anti-

 

Mononukleose;Burkitt-

(Typ 1–3)

viraler Abdeckung

 

Lymphom

 

 

Cytomegalie

Milde Konjunktivitis; Chori-

Follikuläre Konjunktivitis

Symptomatisch; Bei Chorioreti-

 

oretinitis (bei AIDS)

 

nitis systemisch antiviral

Adenoviren

Keratokonjunktivitis

Glasige Karunkelschwellung, wässrige

Symptomatisch, Hygienemaß-

 

 

Sekretion, Nummuli, präaurikuläre LK-

nahmen, Isolierung

 

 

Schwellung

 

RNA-Viren

 

 

 

Enteroviren (Enterovi-

Hämorrhagische Konjunk-

Konjunktivale Hämorrhagien

Symptomatisch, Hygienemaß-

rus, Coxsackievirus)

tivitis

 

nahmen, Isolierung

Influenza

Follikuläre Konjunktivitis

Unspezifisch

Symptomatisch supportiv

Paramyxoviren

 

 

 

Masernvirus

Cave! Masern-Keratopathie

Korneale Ulzerationen

Vitamin-A-Mangel ausgleichen

 

bei Mangelernährung

 

 

Mumpsvirus

Dakryoadenitis, Konjunkti-

Lidschwellung, Entzündungszeichen,

Impfempfehlungen beachten!

 

vitis, Keratitis, Iritis, Skleritis,

epitheliale und stromale Keratitis, VK-

 

 

Trabekulitis

Reizzustand

 

Rötelnvirus

Rötelnembryopathie

Katarakt, Hornhauttrübung, Mikroze-

Komplikationen behandeln

 

 

phalus, Glaukom

 

3.2.4 Klinik (allgemein)

Eine erste Übersicht über die systematische Einteilung unter Einbeziehung von Form der Erstmanifestation und Symptomatik bietet .Tab.3.2.

DNA-Viren

Herpesviren

Bei der Vielzahl der durch Herpesviren verursachten Augenerkrankungen lohnt es, sich die Systematik der Herpesviren kurz vor Augen zu führen. Die Herpesviren sind

in Sub-Gruppen klassifiziert. Dabei gehören die Herpessimplex- und Varizella-zoster-Viren zur Gruppe der Alphaherpesviren, das Cytomegalievirus zu den Betaherpesviren und das Epstein-Barr-Virus und das Humane-Herpes-Vi- rus 8 (Kaposi-Sarkom) zu den Gammaherpesviren. Die acht humanpathogenen Viren sind außerdem gruppenübergreifend als „Humane-Herpes-Viren“ klassifiziert und nummeriert.

Herpetische Konjunktivitis und Keratitis (Herpes-simplex- Virus, HSV-1, -2, Humanes-Herpesvirus-1, -2) Die Folgen

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

82 Kapitel 3  •  Okuläre Oberfläche – infektiös

einer herpetischen Keratitis zählen zu den häufigsten Er-

gefühl, Photophobie, Verschwommensehen und einer Rö-

blindungsursachen infektiöser Genese in der entwickelten

tung des Auges einher. In den folgenden 12 bis 24 Stunden

Welt. Der Übertragungsweg ist meistens direkt. Dabei wird

kommt es infolge der Virusreplikation in den Zellkernen

das Virus über die Schleimhäute des Empfängers inoku-

zu einer Schwellung der Zellen, die, nach der Freisetzung

liert. Das Virus gelangt nach okulärer oder extraokulärer

der Viren, das typische Bild einer dendritischen Figur

Infektion über retrograden axonalen Transport der Trige-

formen (.Abb.3.4a,b). Erst nach der Zerstörung der

minusanteile ins Ganglion trigeminale, wo es bis zu seiner

Basalmembran kommt es zu einem dendritischen Ulkus,

Reaktivierung latent residiert. Die Aktivierung des Virus

sodass auch erst dann eine Anfärbbarkeit mit Fluorescein

kann unmittelbar nach der Primärinfektion zu einer sym-

zu finden ist. Durch die Verschmelzung der Dendritika-

ptomatischen Infektion oder nach einer Latenz zu einem

Figuren kann sich im Verlauf ein geographisches Ulkus

Rezidiv führen. Kontrovers wird diskutiert, ob das Virus

entwickeln.

auch im kornealen Gewebe bis zu einer Reaktivierung hin-

In der Folge kommt es zur bekannten Hyposensitivität

terlegt bleibt. Historisch dominierte am Auge die Infektion

der Hornhaut, und es können sich feine subepitheliale Trü-

mit dem HSV-1, das überwiegend für die Infektionen im

bungen als Residuen der Dendritika-Figur zeigen.

orofacialen und okulären trigeminalen Versorgungsgebiet

Eine labortechnische Diagnostik ist bei einer typischen

verantwortlich ist. In den letzten Jahren ist aber epidemio-

Verlaufsform i. d. R. nicht notwendig. Es gibt aber die

logisch eine Verschiebung zu HSV-2-Infektionen, auch im

Möglichkeit, bei atypischen Verläufen durch eine Virenkul-

okulären Bereich, festgestellt worden. Gleichzeitig werden

tivierung oder eine Antigenbestimmung durch Immunflu-

auch mehr HSV1-Infektionen im Genitalbereich nachge-

oreszenz bzw. einen DNA-Nachweis mittels PCR die Diag-

wiesen.

nose zu sichern. Bei der Therapie stehen topische antivirale

Primäre okuläre HSV-Infektion: Typisch ist eine uni-

Präparate im Vordergrund. Bei unkomplizierten, einseiti-

laterale follikuläre Blepharokonjunktivitis mit Vesikeln an

gen Verläufen ist eine systemische Therapie nicht zusätz-

der angrenzenden Haut und den Lidern, selten mit der

lich notwendig. Sie kann aber bei einer erhöhten Toxizität

Bildung von Pseudomembranen. Begleitend, aber unspe-

der Lokaltherapie an der Augenoberfläche diese ersetzten

zifisch, ist die präaurikuläre Lymphknotenschwellung.

und hat eine ähnliche Effektivität gezeigt. Zusätzlich wird

Beidseitige Symptome kommen in 10 % der Fälle, überwie-

bei beidseitiger Erkrankung der Verlauf durch den Einsatz

gend bei Atopikern, vor. Eine Hornhautbeteiligung kommt

systemischer antiviraler Präparate günstig beeinflusst. Bei

allenfalls in Form einer Keratitis punctata superficialis vor.

einer Erkrankung im Kindesalter ist dieser Effekt wohl auf

Eine epitheliale dendritische Keratitis und eine stromale

die verbesserte Wirkstoffbereitstellung bei eingeschränkter

Beteiligung sind den Rezidiverkrankungen vorbehalten.

Compliance in der Lokaltherapie zu erklären.

Umgekehrt geht die HSV-Reaktivierung seltener mit einer

Stromale Keratitis: Die stromale Keratitis ist die Mani-

Konjunktivitis einher. Die Diagnose wird überwiegend kli-

festationsform einer okulären Herpes-simplex-Erkrankung

nisch gestellt. Bei unklarer Diagnose oder bei einer Neu-

mit der höchsten okulären Morbidität. Man unterscheidet

geboreneninfektion kann der Virennachweis per Kultur

eine nicht-nekrotisierende (interstitielle oder disziforme)

über die Flüssigkeit der Vesikel oder durch einen DNA-

von einer nekrotisierenden Form. Während die nicht-nek-

Nachweis erfolgen. Eine serologische Testung ist nur sinn-

rotisierende Herpes-simplex Keratitis (HSK) vorrangig eine

voll, wenn der Patient zuvor nachgewiesen HSV-negativ

Immunreaktion ohne aktive Virusreplikation darstellt, ist

war. Die primäre HSV-Infektion ist selbstlimitierend, die

die nekrotisierende HSK Folge einer Immunreaktion und

antivirale Therapie, sei sie lokal oder systemisch, trägt aber,

aktiver Virusreplikation. Eine interstitielle Keratitis wird

wenn auch eingeschränkt, zum rascheren Abklingen der

häufig durch die Verwendung topischer Steroide getriggert.

Symptome bei.

Sie ist durch ein interstitielles Haze gekennzeichnet, wobei

HSV-Reaktivierung: Nach einer Latenzzeit, in der das

das Epithel intakt bleibt. Bei ansonsten geringen Entzün-

Virus im trigeminalen Ganglion verbleibt, kann es zu einer

dungszeichen, sowohl konjunktival als auch intraokular, ist

Reaktivierung der okulären Infektion kommen, diesmal

die Diagnose bisweilen schwierig, insbesondere wenn die

aber mit einem anderen Schwerpunkt der Manifestation.

Keratitis im Bereich einer alten herpetischen Narbe auf-

Nun steht die Keratitis mit der daraus resultierenden

tritt. Für die disziforme Keratitis wird auch das Synonym

kornealen Hyposensitivität auf der betroffenen Seite im

Endotheliitis verwendet, da sie im Bereich des runden bis

Vordergrund. Grundsätzlich können fast alle okulären

ovalen epithelialen und stromalen Ödems Endothelpräzi-

Gewebe betroffen sein, sodass zu den vorgenannten Ma-

pitate zeigt. Begleitend kann eine milde Iridozyklitis vor-

nifestationen auch die Iridozyklitis und Retinitis treten

handen sein. Einen vergleichsweise fulminanten Verlauf

können.

kann die nekrotisierende herpetische Keratitis nehmen.

Epitheliale Keratitis: Initial zeigt sich eine epitheliale

Die Diagnose wird häufig durch den Ausschluss anderer

Keratopathia punctata. Sie geht mit einem Fremdkörper-

purulenter Keratitiden mit bakteriellen Erregern oder Pil-

83

3

 

3.2  •  Konjunktivitis/Keratitis – viral (engl. conjunctivitis)

..Abb. 3.4a–d  Rezidiv einer Herpeskeratitis mit stromaler Infiltration (a) und fluorescein-positiver Dendritikafigur (b). Im Verlauf wiederholter Rezidive zunehmende Hornhauttrübung mit peripherer Vaskularisation (c). Im Verlauf weitgehende Rückbildung der stromalen Infiltrate und peripheren Vaskularisationen unter intensiver Lokaltherapie mit Tränenersatzmitteln und kontrolliertem Einsatz von lokalen Steroiden 6 Monate nach letztem Rezidiv (d)

zen gestellt. Ein tiefes stromales Infiltrat wird häufig von einer Ulzeration begleitet, die etwas exzentrisch zum Infiltrat angeordnet sein kann. Tiefe Narben und korneale Neovaskularisationen führen zu dem erheblichen Visusverlust in der Folge der Erkrankung. Eine perforierende Keratoplastik stellt eine Möglichkeit zur Rehabilitation dar, birgt aber das Risiko eines Herpes-Rezidivs im Transplantat.

Die Therapie der stromalen herpetischen Keratitis unterscheidet sich von der epithelialen insofern, als dass hier in der Lokaltherapie Glukokortikoide im Vordergrund stehen und die antivirale Therapie schwerpunktmäßig systemisch verabreicht wird. Die „Herpetic Eye Disease Study“ (HEDS) des National Eye Institutes hat in den 1990er Jahren versucht, die Therapie in einer prospektiven Multicenter-Studie auf die Basis zuverlässiger Daten zu stellen. Die systemische Abdeckung mit Aciclovir erfolgt mit 5 × 400 mg/d, sodass ein therapeutischer Spiegel auch im Kammerwasser erreicht wird. Die Gabe

von 400 mg 2× täglich resultiert lediglich in prophylaktischen Wirkspiegeln im Kammerwasser. Ein mögliches Konzept für die simultane Verwendung antiviraler und steroidaler Lokaltherapie wäre initial antiviral zu behandeln und dann Steroide zu ergänzen. Sollte eine korneale Einschmelzung drohen, müssen die Steroide abgesetzt werden. Die Therapie der herpetischen Keratitis ist in

.Tab.3.3 zusammengefasst.

Als Folge rezidivierender HSV-Erkrankungen können vor allem Störungen der Hornhautoberfläche durch intensive Lokaltherapie mit antiviralen Präparaten und durch neurotrophe Veränderungen infolge der Herpesinfektion auftreten. Damit betreffen die herpetischen Komplikationen das Hornhautepithel als toxische Epitheliopathie, wie auch tiefe korneale Schichten als neurotrophes und metaherpetisches Ulkus, vaskularisierte Narben, die z. T. rückbildungsfähig sind (.Abb.3.4c,d) und persistierende Narben (.Abb.3.5).

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

84 Kapitel 3  •  Okuläre Oberfläche – infektiös

.. Tab. 3.3  Therapie der herpetischen Keratitis (HSV). Systemische Gabe von Aciclovir bei eingeschränkter Nierenfunktion unter Kontrolle der Laborparameter (Kreatinin, Kreatinin-Clearance). Alternativ zur systemischen Therapie mit Aciclovir sind z. B. bei Resistenzen Valaciclovir oder Famciclovir möglich

HSV-Keratitis

Wirkstoff

Handelsname

Applikation

Steroide lokal

Systemisch anti-

 

 

 

 

 

viral

Primärinfektion: selbstlimitierend; lokale antivirale Therapie zur Verkürzung der Symptomatik

 

Blepharokonjunk-

Aciclovir

Zovirax® AS

3–5× tgl.

 

 

tivitis

 

Acic Ophtal®

3–5× tgl.

 

 

 

 

Acivision® AS

3–5× tgl.

 

 

 

 

Virupos® AS

3–5× tgl.

 

 

 

Trifluridin

Triflumann® AT

3–5× tgl.

 

 

 

Ganciclovir

Virgan® AG

3–5× tgl.

 

 

Rezidiv: epithelial: oft selbstlimitierend, aber Therapie reduziert herpetische Neuropathie und verkürzt Symptomatik

Epitheliale Keratitis

Aciclovir

Zovirax® AS

5× tgl.

Kontraindiziert

Aciclovir 400 mg

 

 

Acic Ophtal®

5× tgl.

 

5× tgl. ggf.

 

 

Acivision® AS

5× tgl.

 

alternativ zu

 

 

Virupos® AS

5× tgl.

 

Lokaltherapie bei

 

Trifluridin

Triflumann® AT

8× tgl.

 

tox. NW

 

Ganciclovir

Virgan® AG

5× tgl.

 

 

Stromale Keratitis: topische Steroide wichtig um Entzündung zu reduzieren. Antivirale Therapie

 

Interstitiell

Aciclovir

Zovirax® AS

3–5× tgl.

2 stdl. 1 % Predniso-

Ggf. 5 × 400 mg

 

 

Acic Ophtal®

3–5× tgl.

lon AT (Inflane-

Aciclovir, wenn

 

 

Acivision® AS

3–5× tgl.

fran forte® AT,

Lokaltherapie

 

 

Virupos® AS

3–5× tgl.

Predni-POS 1 %® AT,

bei intaktem

 

Trifluridin

Triflumann® AT

3–5× tgl.

Predni-Ophtal® AG,

Epithel schlecht

 

Ganciclovir

Virgan® AG

3–5× tgl.

Ultracortenol® AT)

penetriert

Disziform

Aciclovir

Zovirax® AS

3–5× tgl.

3–5× tgl. 1 % Pred-

Ggf. 5 × 400 mg

 

 

Acic Ophtal®

3–5× tgl.

nisolon

Aciclovir, wenn

 

 

Acivision® AS

3–5× tgl.

 

Lokaltherapie

 

 

Virupos® AS

3–5× tgl.

 

bei intaktem

 

Trifluridin

Triflumann® AT

3–5× tgl.

 

Epithel schlecht

 

Ganciclovir

Virgan® AG

3–5× tgl.

 

penetriert

Nekrotisierend

 

Cave lokale Toxizität

 

2× tgl. 1 % Pred-

5 × 400 mg

 

 

 

 

nisolon

Aciclovir

Varicella-Zoster Keratokonjunktivitis, Herpes-Zoster-Oph- thalmicus (Humanes-Herpes Virus 3)Primäre Infektion:

Eine primäre Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus ist als Windpocken-Erkrankung vor allem im Kindesalter bekannt. Eine Beteiligung der Augen ist mit Ausnahme von Vesikeln am Augenlid oder einer follikulären Konjunktivitis selten. Seit 2004 wird durch die STIKO eine Impfung gegen Varizellen für Kinder zwischen 11 und 14 Monaten empfohlen. Ob die Impfung eine Auswirkung auf die Her- pes-zoster-Erkrankungen hat, ist bis heute aufgrund nicht ausreichender Datenlage nicht erwiesen.

Latenz: Das Varizella-Zoster-Virus verbleibt jahrelang latent in den sensorischen Neuralganglien, im Falle des Zoster ophthalmicus in dem des N. trigeminus (N. V). Risikofaktoren für eine Reaktivierung sind höheres Lebensalter (60–90 Jahre), eine Immunsuppression, eine Malignomerkrankung, Bestrahlung, ausgedehnte Traumata oder Chirurgie oder eine HIV-Infektion.

Herpes Zoster Ophthalmicus: Im trigeminalen Versorgungsgebiet ist der N. ophthalmicus am häufigsten von einer Zoster-Reaktivierung betroffen. Eine Augenbeteiligung ist bei einer Einbeziehung des Versorgungsgebietes des N. nasociliaris (vesikuläre Dermatitis im Bereich der Nasenwurzel und -spitze) besonders wahrscheinlich. Typisch ist die strenge Einhaltung eines Dermatoms bei der Ausbildung der typischen vesikulären, später ulzerierenden Hautveränderungen. Die Patienten können bisweilen einige Tage vor Ausbruch des klinischen Vollbildes bereits Dysästhesien und Schmerzen im betroffenen Dermatom beschreiben. Langfristig stellt die Zosterneuralgie einen wesentlichen Faktor für die Morbidität der Patienten dar. Insbesondere bei immungeschwächten Patienten gibt es Verläufe, bei denen die typische Hauteffloreszenz fehlt (Zoster sine herpete). Hier kann eine laborchemische Diagnosesicherung erforderlich werden. Beim Herpes zoster ophthalmicus können alle okulären Gewebe von

3.2  •  Konjunktivitis/Keratitis – viral (engl. conjunctivitis)

..Abb. 3.5  Vaskularisierte Hornhautnarbe nach rezidivierender Herpesinfektion

der Entzündung erfasst werden. Die Lider werden in die Hautveränderungen einbezogen. Bei schweren Entzündungen können Dystichiasis, Lidfehlstellungen und schwere Vernarbungen resultieren. Die Hornhaut kann epitheliale dendritische wie stromal interstitielle und disciforme Formen der Keratitis zeigen. Diese Manifestation des Zoster ophthalmicus ist damit klinisch kaum von einer Herpes-simplex-Keratitis zu unterscheiden. Auch beim Zoster kann es zu Hornhauttrübungen infolge tiefer Infiltrate, Ulzerationen und Neovaskularisationen kommen. Zudem entwickeln etwa 50 % der Patienten eine korneale Hypoder Anästhesie, womit in der Folge eine neurotrophe Keratopathie mit Ulkusbildung droht. Eine Beteiligung der vorderen Uvea mit Iritis, Vorderkammerreizzustand, speckigen Endothelpräzipitaten und passagerer Augeninnendruckerhöhung ist mit bis zu 40 % häufig. Selten dagegen, aber sehr aggressiv verlaufend, ist das akute retinale Nekrosesyndrom (ARN) mit okklusiver Vaskulitis, Vitritis und der Ausbildung initial peripherer retinaler Nekroseareale. Die ARN kann auch durch HSV-1, HSV-2, seltener durch CMV oder EBV ausgelöst werden (  Abschn.7.1).

Bei der Therapie des Herpes Zoster ophthalmicus steht die systemische antivirale Therapie im Vordergrund. Ziel ist die Eindämmung der okulären Komplikationen, die rasche Reduzierung der Schmerzsymptomatik, die Vermeidung einer postherpetischen Neuralgie und die Reduzierung des Rezidiv-Risikos. Aciclovir wird mit 5 × 800 mg oral dosiert, dabei ist auf eine normale Nierenfunktion zu achten. Alternativ können Famciclovir (3× tgl. 500 mg Tbl.), Valaciclovir (3× tgl. 1000 mg Tbl.) oder Brivudin (1× tgl. 125 mg) gegeben werden. Die systemische Therapie wird in dieser Dosierung 7–10 Tage verabreicht. Eine intravenöse Therapie ist bei immunsupprimierten Patienten mit dem Risiko einer Generalisierung indiziert. Bei intraokularer

85

 

3

 

 

 

 

 

Beteiligung mit anteriorer Uveitis sind lokale Steroide und Zykloplegika indiziert. Seit 2004 gehört die Impfung gegen das VZV zu den allgemeinen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Ziel der Impfung ist die Reduktion der Morbidität durch Komplikationen einer VZV-Erkrankung und eine erhöhte Herdenimmunität für nicht geimpfte Personen und Risikopersonen (Säuglinge, Schwangere, immundefiziente Personen).

Epstein-Barr-Virus (Humanes-Herpes-Virus 4)  Während die Infektion mit dem EBV in der Kindheit meistens stumm abläuft, ist sie im Jungendund Erwachsenenalter als Pfeiffersches Drüsenfieber, infektiöse Mononukleose oder „kissing disease“ bekannt. Die Übertragung erfolgt als Tröpfchenoder Schmierinfektion. Die Konjunktivitis ist oft einseitig follikulär bis granulomatös, z. T. mit der Bildung von Pseudomembranen verbunden. Sie heilt nach einigen Wochen spontan ab. Außerdem ist die EBV-Infektion eine häufige Ursache einer akuten Dakryoadenitis. Es wird eine Verbindung des EBV mit verschiedenen Formen der stromalen Keratitis vermutet. Dabei reicht das klinische Bild von subepithelialen Trübungen ähnlich einer Adenovirusinfektion bis hin zu tiefen Infiltraten mit Neovaskularisationen. Das Epstein-Barr-Virus wird insbesondere bei immunsupprimierten und -defizienten Patienten für die Entstehung von Lymphomen (z. B. Burkitt-Lymphom) mit verantwortlich gemacht. Das EBV kann in B-Lymphozyten eine latente Infektion unterhalten. Ein weiteres Herpesvirus, das bei der Tumorentstehung eine Rolle spielt ist das Humane-Herpes-Virus 8 im Zusammenhang mit dem Kaposi-Sarkom (bei AIDS-Patienten).

Cytomegalievirus (Humanes-Herpesvirus 5)  Bei einer erworbenen CMV-Infektion kann es neben unspezifischen Allgemeinsymptomen zu einer milden Konjunktivitis kommen, z. T. mit Bildung von Pseudomembranen. Schwere Verläufe mit einer Chorioretinitis stehen bei immundefizienten Patienten im Vordergrund. Neben der Kultivierung des Virus aus Tränenflüssigkeit kommt diagnostisch die serologische Titerkontrolle infrage. Die Therapie ist symptomatisch, bei immunsupprimierten Patienten sollte die Immunsuppression wenn möglich reduziert oder ausgesetzt werden, bei AIDS-Patienten kann eine Therapie mit Ganciclovir bei einer Retinitis sinnvoll sein.

Adenovirale Keratokonjunktivitis

Grundsätzlich können viele Adenoviren (Subgruppen A–F) im Erkrankungsverlauf eine Konjunktivitis hervorrufen. Es besteht aber eine Affinität der unterschiedlichen Serotypen zu bestimmten Geweben (Gewebetropismus).

Die aus augenärztlicher Sicht gefürchtete, weil hochinfektiöse und mit visusbegrenzenden Komplikationen

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

86 Kapitel 3  •  Okuläre Oberfläche – infektiös

verbundene Keratokonjunktivitis epidemica (KCE) wird zumeist von den Adenovirus-Serotypen 8, 19 oder 37 der Subgruppe D verursacht. Die KCE tritt zumeist in Epidemien, vor allem in Regionen hoher Bevölkerungsdichte und in Einrichtungen mit engem Kontakt der betroffenen Personen, auf. Die Übertragung erfolgt über das infizierte Sekret, ärztliche Instrumente oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Adenoviren bleiben auf Oberflächen bis zu 6 Wochen vermehrungsfähig. Dies stellt hohe Anforderungen an Hygienemaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen und betroffenen Haushalten oder Einrichtungen, um einen Ausbruch effektiv einzudämmen. Zusätzlich erschwert die lange Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen die Kontrolle. In der Akutphase kommt es zu einer follikulären Konjunktivitis mit ödematöser Schwellung und Injektion der Bindehaut und mit einer charakteristischen Karunkelschwellung (.Abb.3.6). Die Patienten sind durch ein intensives Fremdkörpergefühl und erhöhte Blendempfindlichkeit gestört. Bei schweren Verläufen können konjunktivale Hämorrhagien und Pseudomembranen hinzukommen. Immer gehört eine Palpation der präaurikulären Lymphknoten zur Untersuchung, die häufig vergrößert sind. Meist beginnt die Erkrankung einseitig, nach einer Latenz von einigen Tagen folgt oft das zweite Auge. Die okulären Symptome können mit einer Erkältung bzw. einer leichten Pharyngitis vergesellschaftet sein. In der chronischen Phase (7 bis 14 Tage nach Erkrankungsbeginn) bilden sich subepitheliale korneale Infiltrate aus, sog. Nummuli (.Abb.3.7). Sie entstehen durch die Immunantwort der Keratozyten auf die virale Infektion.

Beim pharyngokonjunktivalen Fieber (Serotypen 3 oder 7) stehen die Allgemeinsymptome mit Fieber, Kopfschmerzen und einer Pharyngitis im Vordergrund. Die Konjunktivitis ist leichter und verläuft ohne relevante oder mit nur geringer Hornhautbeteiligung.

Die Diagnose wird überwiegend klinisch gestellt. Für die Keratokonjunktivitis epidemica besteht jedoch seit 2001 Meldepflicht gemäß § 7 (1) IfSG, da sie eine erhebliche praktische Bedeutung als nosokomiale Infektion hat (Robert-Koch-Institut, www.rki.de). Die Meldung erfolgt nicht-namentlich durch den behandelnden Arzt. Für den labordiagnostischen direkten Virusnachweis stehen der Nukleinsäure-Nachweis mittels PCR (1. Wahl) und der Antigennachweis mittels direktem Immunfluoreszenztest (IFT) zur Verfügung (beide aus einem Konjunktivalabstrich). Die Viruskultivierung ist eine sehr zeitaufwendige Referenzmethode. Wichtig für das Testergebnis ist, dass bei der Entnahme des Bindehautabstriches ausreichend viele Epithelzellen gewonnen werden. Kommerziell verfügbare Schnelltests erreichen in Spezifität und Sensitivität nicht die diagnostische Qualität des DNA-Nachweises mittels PCR. Sie basieren meist auf einem Antigennachweis mittels direkter Immunfluoreszenz.

..Abb. 3.6  Keratokonjunktivitis epidemica, Akutstadium

..Abb. 3.7  Nummuli nach Keratokonjunktivitis epidemica

Therapeutisch stehen zunächst hygienische und unterstützende Maßnahmen im Vordergrund. Dabei ist besonders auf eine effektive Händeund Oberflächendesinfektion mit viruziden Desinfektionsmitteln zu achten. Außerdem bestehen detaillierte Vorgaben für die Instrumentendesinfektion in medizinischen Einrichtungen (s. a.: Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert KochInstitut (RKI) und des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Es existiert keine kausale Therapie. Die antivirale Lokaltherapie hat sich in Studien nicht als erfolgreich erwiesen. Es gibt Hinweise aus kleinen Kohorten, dass allgemeine antiseptische Substanzen wie Povidon-Jod als lokale Applikation das Krankheitsgefühl mildern und die Erkrankungsdauer leicht verkürzen. Da sie allgemein gut verträglich sind, kann die Applikation, insbesondere in einer frühen Erkrankungsphase, sinnvoll sein. Abgesehen von der Behandlung in der frühen Akutphase der Erkrankung kommt der Therapie der Nummuli eine besondere Bedeutung zu, weil sie die Rehabilitationszeit deutlich verkürzen kann. Steroide haben sich hier nicht bewährt, da sie nach dem Absetzen zu ausgeprägten Rezidiven und

3.2  •  Konjunktivitis/Keratitis – viral (engl. conjunctivitis)

..Abb. 3.8  Bindehautpapillom mit typischen punktförmigen Gefäßkonvoluten an der Oberfläche und „feeding vessels“

zusätzlich bei langer Anwendung zu steroidalen Nebenwirkungen führen. Dagegen hat sich bei ausgeprägten Nummuli die lokale Gabe von Ciclosporin A Augentropfen in der klinischen Erfahrung als effektiv erwiesen, wenn auch der Nachweis der Wirksamkeit bisher nicht in randomisierten, kontrollierten Studien gezeigt wurde. Dabei wurden Konzentrationen zwischen 0,5 % und 1 % verwendet. Diese müssen jeweils von einer Apotheke hergestellt werden. In den USA sind 0,05%ige Ciclosporin A-AT (Restasis®, Allergan) zugelassen. Wichtig ist, dass die Therapie extrem langsam ausgeschlichen wird, um Rezidive zu vermeiden.

Molluscum contagiosum

Synonym: Dellwarze. Die Ansteckung erfolgt über direkten Kontakt mit Erkrankten. Typisch sind kleine kreisrunde Läsionen an der Haut oder dem Augenlid mit einer zentralen Einziehung. Begleitend besteht häufig eine chronische follikuläre Konjunktivitis, die flache lineare Bindehautnarben verursachen kann. Direkt konjunktivale Warzen sind selten, aber möglich. Auch Lidrandläsionen können Viruspartikel in den Tränenfilm abgeben, der damit hoch infektiös wird. Das Virus kann nicht kultiviert werden. Therapeutisch kommt die Kryokoagulation der Dellwarzen oder eine Exzision infrage. Ein sehr ausgedehnter Befall der Gesichtshaut und der Lidränder kann bei einer AIDSErkrankung auftreten.

Papillomaviren

Insbesondere die Stämme 6, 11, 16 und 18 werden bei proliferativen Erkrankungen der Augenoberfläche nachgewiesen. Dazu gehören Pterygia ebenso wie gutartige Bindehautpapillome (.Abb.3.8) und konjunktivale intraepitheliale Neoplasien (CIN; .Abb.3.9), wobei letztere als Präkanzerosen des konjunktivalen Plattenepithelkarzinoms (Pe-Ca) einzustufen sind. Im Mittel liegt die Prävalenz der HPV-Infektion beim Plattenepithelkarzinom der Bindehaut bei 33,8 %. Einige Studien finden bis über

87

 

3

 

 

 

 

 

..Abb. 3.9  Conjunctivale intraepitheliale Neoplasie (CIN) an typischer Lokalisation im unteren Fornix

90 % Positivität. Man geht davon aus, dass die HochrisikoProteine E6 und E7 in Verbindung mit einer Hochrisiko- HPV-Infektion (HPV-16 oder -18) als Onkogene fungieren und eine maligne Transformation der Epithelzellen in Präkanzerosen oder ein invasives Karzinom einleiten können. HPV ist allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach nicht alleine für die Entstehung eines PE-Ca’s verantwortlich sondern vielmehr als ein Kofaktor anzusehen.

RNA-Viren

Paramyxoviren (Masern, Mumps, Röteln, Newcastle-Virus)

Bei einer postnatal erworbenen Maserninfektion gehört die follikuläre Konjunktivitis zum typischen Krankheitsbild mit Katarrh und Husten, außerdem dem typischen Exanthem und dem fieberhaften Verlauf der Erkrankung. Koplik’sche Flecken können sich an der Bindehaut ausbilden, selten kann eine epitheliale Keratitis hinzutreten. In Entwicklungsländern führt die Verbindung einer Maserninfektion mit einer Vitamin-A-Mangelernährung zur sog. Masern-Keratopathie bei Kindern, die durch Hornhautulzerationen gekennzeichnet ist.

Beim Mumps-Virus kann begleitend zur Parotitis auch eine Dakryoadenitis auftreten. Weiterhin sind neben der follikulären Konjunktivitis entzündliche Veränderungen an weiteren okulären Geweben möglich (Keratitis, Iritis, Skleritis, Trabekulitis).

Je früher in der Schwangerschaft eine Röteln-Infek- tion (Rubella-Virus) transplazentar übertragen wird, desto schwerer sind die okulären Veränderungen. Sie umfassen Mikrophthalmus, Hornhauttrübungen, Katarakt, Iris-Hypoplasie, Iridozyklitis, Glaukom und Retinopathien.

Die Eliminierung der Masern und Röteln Viren in Europa ist ein Ziel der WHO, nachdem in Skandinavien und dem amerikanischen Kontinent einheimische Masern be-