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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Retinale Gefäßerkrankungen_Joussen_2011.pdf
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20 Kapitel 2 · Optische Kohärenztomographie in der Diagnose retinaler Gefäßerkrankungen

Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist eine moderne, kontaktlose Bildgebung, die sowohl Querschnittaufnahmen als auch klinisch relevante, quantitative Mes-

2sungen des Augengewebes liefert. Dies ermöglicht nicht nur eine objektive Beobachtung des Krankheitsverlaufes

im Rahmen klinischer Studien und im klinischen Alltag, sondern auch eine Bewertung des Therapieerfolgs auf Basis reproduzierbarer Messdaten. Die Entwicklung der OCT schreitet rasch voran und lässt keinen Zweifel daran, dass diese Technologie auch die nächsten Jahre maßgeblich prägen wird.

2.1Übersicht

Die Entdeckung und Weiterentwicklung der optischen Kohärenztomographie (»optical coherence tomography« = OCT) hat die Diagnosestellung und das Krankheitsmanagement retinaler Gefäßerkrankungen maßgeblich beeinflusst, insbesondere durch die Darstellung feinster struktureller Veränderungen der Netzhaut als auch in der Erfassung und Quantifizierung des Makulaödems. Obwohl ihre Erstbeschreibung erst 20 Jahre zurück liegt, hat die OCT sich fest im klinischen Alltag und der klinischen Forschung etabliert und wird auch in absehbarer Zukunft eine herausragende Rolle spielen. Die Anwendung der OCT bei Diagnosestellung und Verlaufskontrolle retinaler Gefäßerkrankungen soll im Folgenden diskutiert werden.

2.2Hintergrund

Das Repertoire an Diagnostika, das Netzhautspezialisten in den frühen 90er Jahren zur Verfügung stand, basierte technisch auf Methoden, die schon zwei Jahrzehnte zuvor Anwendung gefunden hatten. Diese Phase der Stagnation wurde überwunden, als Mitte der 90er Jahre die Entwicklung von Computern und digitaler Bildbearbeitung zeitgleich geradezu explosionsartig voranschritt. Die Digitalisierung der Fundusphotographie und Fluoreszenzangiographie reduzierte die Wartezeit für Patienten und vereinfachte die Infrastruktur, die für die Entwicklung von Filmnegativen gebraucht wurde.

Unbeeindruckt von dieser rasanten Entwicklung in den Computerund Bildgebungstechnologien blieb die Art und Weise, wie diagnostische Bilddaten ausgewertet und interpretiert wurden, nahezu unverändert. Die Beurteilung angiographischer Befunde erforderte immer noch Training und Expertise und war zugleich geplagt von Subjektivität, schlechter Reproduzierbarkeit und beträchtlichen Differenzen zwischen verschiedenen Begutachtern.

Während dieser Zeit entwickelte Carl Zeiss Meditec unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit bereits eine noch junge Technologie, die in naher Zukunft das gesamte Feld revolutionieren sollte – OCT. Die Einführung dieser Technologie erforderte die Entwicklung gänzlich neuer Hardund Software sowie einen neuen Markt, um eine erfolgreiche Vermarktung sicherzustellen. Als wegweisend gilt dabei, dass sich Zeiss radikal von alten Industrienormen abkehrte. Anstatt einfach ein Fundusbild durch das Gerät zur Verfügung zu stellen, welches dann durch einen Kliniker befundet werden musste, entschied sich Zeiss dazu, automatisch quantitative Informationen aus den OCT-Bildern zu extrahieren. Dies galt als dramatische Abkehr von althergebrachten Standards, welche lediglich eine Darstellung der Fundusbilder für eine subjektive Beurteilung forderten, ohne jegliche automatisierte Messung oder Auswertung.

Mit der Spaltlampenbiomikroskopie als Goldstandard klinischer Befundung und der Fluoreszenzangiographie als primäres Hilfswerkzeug zur weiteren Krankheitstypisierung waren viele Kliniker Mitte der 90er Jahre skeptisch ob der Einführung der neuen Technologie. Bald jedoch wurden die Vorteile dieser kontaktlosen Schnittbildgebung offensichtlich. Vitreomakuläre Traktion zum Beispiel, zuvor unerkannt bei vielen Patienten, konnte mithilfe der OCT mit großer Sicherheit dargestellt und diagnostiziert werden. Ebenso konnten Makulaforamina und Zysten visualisiert und beobachtet werden. Mit der Einführung intravitrealer Injektionstherapie waren die letzten Zweifel beseitigt, dass die OCT einen hohen Stellenwert in der Quantifizierung von Netzhautödemen und subretinaler Exsudation innehaben würde. Das optimale Zusammenführen von OCT-Daten mit anderen klinischen Befunden, um eine umfassende Krankenbetreuung zu gewährleisten, ist immer noch ein fortlaufender Prozess.

2.2.1 Optische Kohärenztomographie

Eine vollständige Diskussion der OCT sprengt den Umfang und die Zielsetzung dieses Kapitels. Wir verweisen den interessierten Leser an andere, exzellente Literatur zu diesem Thema. Zusammengefasst basiert die OCT auf dem Prinzip der Interferometrie von Licht geringer Kohärenz. Analog der B-Bild-Sonographie nutzt die OCT die unterschiedliche Reflektivität von – in diesem Falle

– Lichtwellen, um zweidimensionale Schnittbilder der Netzhaut (Tomogramme) zu erstellen. Verschiedenartige Lichtquellen, typischerweise Superlumineszenzdioden (SLD) oder extrem kurz gepulste Laser (z.B. Femtosekundenlaser), werden verwendet, um Licht mit breiter Bandbreite zu erzeugen. Die axiale Auflösung der OCT