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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Retinale Gefäßerkrankungen_Joussen_2011.pdf
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16.3 · Klinik der Sichelzellretinopathie

eine Netzhautnekrose entsteht, die kein vitales Gewebe übrig lässt, das eine Angiogenese stimulieren kann. Im Gegensatz dazu ist die HbSC weniger schwer und führt zu einer chronischen Ischämie, aber zu weniger vollständigen Infarzierungen und ist daher mit einer kontinuierlichen Sekretion angiogener Substanzen durch die beschädigten Gewebe verbunden.

16.3Klinik der Sichelzellretinopathie

Praxistipp

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Lachsflecken, Glitzerflecken und schwarze Sonnenflecken sind frühe und späte Veränderungen von

retinalen Hämorrhagien und verursachen keine lang anhaltenden Visusminderungen.

Die proliferative Sichelzellretinopathie (PSR) ist die Hauptursache für einen schweren protrahierten Visusverlust bei Sichelzellpatienten. Sie findet sich häufiger bei Patienten mit einem gutartigeren systemischen Verlauf, wie bei Patienten mit HbSC oder HbS-ß-thal. Es bleibt unverstanden, warum die peripheren retinalen Kapillaren bei diesen Patienten stärker betroffen sind und in einer weiten Nicht-Perfusion und Ischämie resultieren.

Retinale Arterien und Venenverschlüsse können bei allen Patienten mit allen Genotypen vorkommen, haben aber eine ähnliche Inzidenz wie in der Normalbevölkerung.

Sichelzellmerkmalsträger sollten keine vasookklusiven Ereignisse in der Netzhaut zeigen. Falls doch muss nach einer erklärenden Co-Morbidität geforscht werden.

16.3.1 Nicht-proliferative Veränderungen

Retinale Gefäßverschlüsse und

Rekapillarisierung

Die retinalen Okklusionen zeigen sich erst und meist in der peripheren Netzhaut und führen nur selten zu einem Verlust der Sehschärfe aufgrund der sehr weit peripher gelegenen Gefäßobstuktionen. Periphere Vasookklusionen können bei der HbSS-Sichelzellretinopathie bereits ab dem 20. Lebensmonat nachgewiesen werden ( Abb. 16.2).

Obwohl retinale Kapillaren und präkapilläre Arteriolen der initiale Ort der Vasookklusion zu sein scheinen, sind im späteren Verlauf auch großkalibrigere Gefäße betroffen ( Abb. 16.3), wobei die Verschlüsse sich oft im Bereich arteriovenöser Kreuzungen ereignen. In Flach-Präparaten der Netzhaut mittels ADPase-Aktivität

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können Bereiche vitaler Blutgefäße von den okklusiven Bereichen unterschieden werden ( Abb. 16.2-16.5). Bei repetitiven Okklusionen der peripheren Netzhaut über einen längeren Zeitraum kommt es zu einer zentripetalen Verlagerung der peripheren Gefäßarkaden weg von der Ora serrata in Richtung Äquator. Das Endergebnis ist eine vollständig ischämische periphere Netzhaut ( Abb. 16.3). Haarnadelschlingen repräsentieren das originale verschlossene Gefäßlumen, wobei der zweite Kanal die Rekanalisation der Originalwand des verschlossenen Gefäßastes darstellt ( Abb. 16.4). Verbindungen zwischen Arteriolen und angrenzenden terminalen Venolen entstehen durch präexsistierende Kapillaren und resultieren in arteriovenösen Anastomosen an der Grenze zur ischämischen Netzhaut ( Abb. 16.5). Die Anastomosen zeigen in der Regel keine Leckage in der Fluoreszeinangiographie, was bestätigt, dass sie aus einer Verbreiterung präexsistierender Gefäße mit einer intakten Blut-Retina- Schrankenstruktur entstehen und keine echten Neovaskularisationen repräsentieren. Der durch die Okklusionen entstehende Rückwärtsdruck in den Gefäßen erweitert fokal die Gefäßwand ( Abb. 16.6). Die mechanische Reizung der Endothelzellen führt zur Proliferation und Ausbildung von Neovaskularisationen.

Die häufig zu findenden »angioid streaks« sind eine Manifestation, die nicht direkt durch eine Vasookklusion geschieht, sondern auch durch den Reperfusionsschaden nach einem vasookklusiven Ereignis mit einem oxidativen Schaden des Elastins. Die andere Ausnahme, ein Hyphäma, ist klinisch wichtiger, vor allem weil es die einzige okuläre Manifestation ist, die ein Risiko für Patienten mit einer HbAS darstellt. Innerhalb der Vorderkammer sicheln die Erythrozyten und verstopfen den trabekulären Ausfluss, dies führt zu einem hohen und prolongierten Augeninnendruckanstieg. Die Verwendung von Acetazolamid, das zu einer Azidifizierung und einer verstärkten Sichelung führt, sollte vermieden werden und eine chirurgische Entfernung angestrebt werden.

Blutungen, Schisiskavitäten, Glitzerflecken, und schwarze Sonnenflecken

Der okklusive Prozess ist mit intraretinalen Blutungen verbunden. Lachsflecken sind runde bis ovale Blutungen in den inneren Netzhautschichten. Die Läsionen haben bis zu 2 mm Durchmesser mit gut definierten Rändern und einer entweder flachen oder gewölbten Oberfläche. Solche Blutungen, die gewöhnlich in der mittleren Peripherie angrenzend an eine Arteriole zu finden sind, resultieren aus einer Leckage aus den durch Okkulsion und Ischämie geschwächten Gefäßwänden. Obwohl die Blutungen initial rot erscheinen, werden sie durch hämolytische Prozesse heller und erscheinen lachsfarben ( Abb. 16.7).

410 Kapitel 16 · Sichelzellretinopathie

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Abb. 16.2 ADPase-inkubierte Netzhaut eines 20 Monate alten Patienten mit HbSS. a Niedrige Vergrößerung der weit peripheren Netzhaut mit kleinen Haarnadelschlaufen (Pfeil). b Im Bereich der Haarnadelschlaufen zeigen sich bei höherer Vergrößerung abrupt endende Kapillarsegmente. c Schnitt durch eine Haarnadelschlaufe. (Aus Lutty 2007)

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Abb. 16.3 54-jähriger HbSC-Patient mit einer nicht-perfundierten peripheren Netzhaut. a Dunkelfeldbeleuchtung der peripheren Netzhaut zeigt ein abruptes Enden der Gefäße in Haarnadelschlaufen und arteriovenösen Anastomosen zwischen verschlossenen Arterien und Venen. b Bei höherer Vergrößerung zeigen sich kleine Haarnadelschlaufen in einer der arteriovenösen Anastomosen. c Ein Schnitt durch die weißlichen Bereiche in a und b zeigt kollagene Schläuche, die die Zuflussgefäße einer autoinfarzierten Fächerproliferation repräsentieren. d Wenn das Areal, das in b gezeigt ist, im Hellfeld angesehen wird, zeigt sich ein »Schwarzer Sonnenfleck« genau an der Grenze von der perfundierten und nicht-perfundierten Netzhaut. e Ein Schnitt durch den »Schwarzen Sonnenfleck« in d zeigt, dass sich hypertrophe RPE-Zellen in diesem Bereich der atrophen Netzhaut verklumpt haben. (Aus Lutty 2007)

412 Kapitel 16 · Sichelzellretinopathie

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Abb. 16.4 Venenthrombosen bei einem 37-jährigen HbSS-Patienten. a Dunkelfeldbild des Bereiches. b Ein Schnitt am Knick des Gefäßes zeigt dicht gepackte Erythrozyten nachfolgend auf einen Fibrin-Thrombus. c Ein Schnitt jenseits der arteriovenösen Kreuzung zeigt in Teil A ebenfalls dicht gepackte sichelnde Erythrozyten folgend auf einen Plättchen-Fibrin-Thrombus mit Leukozyten. (a Dunkelfeldaufnahme einer ADPase Färbung, b-c Färbung mit Tuluidinblau und basischem Fuchsin) (Aus Lutty 2007)

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Abb. 16.5 Zwei retinale Haarschleifen bei einem 54-jährigen SC-Sichelzellpatienten. In a und b ist die ADPase-Aktivität der Haarnadelschlaufen im Dunkelfeld gezeigt. Die Arterien und Venen enden abrupt an der Grenze von der perfundierten zur nicht-perfundierten Netzhaut. Kollagene Schläuche sind an der Stelle der vormaligen Gefäße. In Schnitten kann gezeigt werden, dass sich neue Schläuche anstelle der alten Gefäße in der Oridinalarterie gebildet haben (c). In venösen Schläuchen (d) bilden sich die neuen Kanäle jedoch neben den alten Gefäßen, die sklerosiert sind. (Aus Lutty 2007)

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Abb. 16.6 Ungewöhnliche Gefäßformation im Bereich einer peripheren arteriovenösen Anastomose. a Bei geringer Vergrößerung zeigt sich ein flacher Aspekt, die Arterie und Vene sind an der Grenze zur nicht-perfundiertern Netzhaut zu finden. b Bei höherer Vergrößerung zeigen sich Haarnadelschlaufen in den Schenkeln der Y-förmigen Bifurkation. c Schnitt bei dem die ausgezogenen Schlaufen die »inner limiting membrane« durchbrechen . d Ein Fibrin-Koagel in einer Vene jenseits des betroffenen Segments. e Die betroffene Schlaufe ist jetzt auf dem Schnitt rechts. Ein anderer autoinfarzierter Bereich liegt links im Bild. (a und b Dunkelfeldaufnahmen der ADPase-Aktivität; c-e Schnitte gefärbt mit Toluidinblau-basischem Fuchsin) (Aus Lutty 2007)

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Abb. 16.7 a Lachsfleck bei einem 18-jährigen HbSC-Patienten. Die verschlossene Arteriole ist kalkweiß. Die oberflächliche retinale Blutung ist hämolysiert und damit lachsfarben. b Die Fluoreszeinangiographie des gleichen Bereiches zeigt eine Fluoreszeinblockade als Folge der Lachsfleckenblutung und retinale Kapillarausfälle im Versorgungsbereich der geblockten Arteriole. c Die Fluoreszeinangiographie des gleichen Bereiches 3 Wochen später mit einer teilweisen Reperfusion des Kapillarbettes. d Fundusphotographie desselben Patienten 4 Jahre später nach der Lachsfleckenblutung. Lediglich eine kleine Narbe auf dem Niveau des RPE erinnert an die Episode. (Aus van Meurs et al. 2007)