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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Checkliste Augenheilkund 3 auflage_Burk_2005

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Refraktive Hornhautchirurgie

26.2 Hornhautchirurgie

Operationsziel:

Optische Keratoplastik: Wiederherstellung transparenter optischer Medien durch eine Hornhauttransplantation zur dauerhaften visuellen Rehabilitation des Patienten (Abb. 26.5).

Tektonische (deckende) Keratoplastik: Wiederherstellung oder Stabilisierung der Bulbusintegrität (z. B. bei drohender Hornhautperforation).

Keratoplastik à chaud: Notfallmäßige Hornhauttransplantation.

Abb. 26.5 · Zustand nach perforierender Keratoplastik mit Hinterkammerlinsenimplantation (Triple procedure)

Vorbehandlung: Pilocarpin 2% AT (Miosis nicht bei kombinierter Operation mit Kataraktextraktion).

Nachbehandlung:

7 – 10 Tage lokale Antibiotikum-Steroid-Kombination.

Decortin-H 1 mg/kg KG für ca. 3 Tage p. o., anschließend Dosisreduktion je nach Befund; Acetazolamid 2 250 bis 2 125 mg p. o. für eine Woche.

Lokale Steroidmedikation für 6 Monate tgl., anschließend jeden 2. Tag für weitere 6 Monate.

Brille mit anatomisch geformtem Seitenschutz.

Bei herpetischer Ätiologie: Zusätzliche lokale und systemische Abschirmung mit

Aciclovir AS 4-mal tgl. für 8 Tage, Aciclovir 4 800 mg systemisch für 8 Tage, 4 400 mg für weitere 8 Tage, ggf. 4 200 mg für 6 – 12 Monate.

Prinzip:

Zügelnaht durch Mm. rect. sup. und inf.

Zentrierung anhand der optischen Achse und Ausmessen des geeigneten Trepanationsareals durch oberflächliche Markierung mittels Trepans; „Standardgröße“ 7,5 mm; bei Transplantatdurchmessern 6,5 mm steigt das Astigmatismusrisiko, bei Durchmessern 8,5 mm nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Transplantatreaktion zu (s. unten).

Intraoperative Präparation des Spendermaterials:

Das zur Transplantation freigegebene Hornhautgewebe (zurzeit Zustimmung des Spenders zu Lebzeiten oder postmortal Einwilligung von Angehörigen erforderlich) kann verwendet werden, wenn die Spenderserologie (HIV, Hepatitis; CMV) unbedenklich erscheint und der spaltlampenmikroskopische Befund der Spenderhornhaut hinsichtlich Stromaund Endothelbeschaffenheit einwandfrei ist; Personen mit Tollwutanamnese, Lymphom, Creutzfeldt-Ja- kob-Krankheit kommen als Spender nicht in Betracht; bei vorausgegangenen intraokularen Vorderabschnitteingriffen scheidet eine Spendergewebeverwendung für eine optische perforierende Keratoplastik in der Regel aus.

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Aus A.Burk u. R.Burk.: Checkliste Augenheilkunde, 4. Aufl. (ISBN 3-13-100573-4) © 2005 Georg Thieme Verlag, Stuttgart

26.2 Hornhautchirurgie

Das von dem Spenderbulbus mittels 15 – 16 mm Trepan gewonnene und in Hornhautkulturflüssigkeit verbrachte Korneoskleralexzisat wird mit dem Sieblöffel (Abb. 24.2: 5) steril aus dem Medium entnommen.

Bei Trepanation von endothelial auf einem Teflonoder Silikonblock (Abb. 26.6) erfolgt die Exzision wegen der geänderten Schnittgeometrie mit 0,2 – 0,3 mm größerem Trepandurchmesser (Ausnahme: Keratokonus); z. B. Empfängermarkierung 7,5 mm Trepan, Spenderexzision 7,7 mm Trepan.

Ist mit speziellen Trepansystemen eine Materialgewinnung von epithelialer Seite auf einer künstlichen Vorderkammer möglich, erfolgen Spendermaterialexzision und Empfängertrepanation mit identischem Trepandurchmesser.

Der verbliebene Korneoskleralring wird zur mikrobiologischen Analyse eingeschickt.

Abb. 26.6 · Manuelle Trepanation des Spenderscheibchens auf einem Silikonblock (nach Paton)

Hornhauttransplantation:

Die Hornhautexzision am Empfängerauge wird mittels Rotoroder Handtrepans aus Sicherheitsgründen erst durchgeführt, nachdem das Spendermaterial in gewünschter Form trepaniert werden konnte.

Verschiedene Systeme ermöglichen eine Bulbusfixierung durch Unterdruck, alternativ wird der Bulbus mit einer Fasspinzette vom Operateur gegen Rotationsbewegungen stabilisiert.

Die Trepanation von Hand erfolgt bis in ca. 90% der Korneadicke; die Exzision wird mittels gebogener Keratotomiescheren komplettiert (Abb. 24.2; 3, 4; Abb. 26.7 a).

Das Exzisat verbleibt so lange steril am Operationstisch, bis ein sicherer Vorderkammerschluss durch das Spendergewebe erzielt ist.

Nach Anlegen einer Iridotomie (fakultativ) wird das Transplantat auf den Emp-

fängerbulbus aufgebracht (Abb. 26.7b) und mit 4 – 8 radiär verlaufenden Einzelknopfnähten (Nylon 10 – 0), beginnend bei 12 Uhr, vorläufig fixiert (Abb. 26.7d); die exakte Position der vorläufigen Naht bei 6 Uhr entscheidet über die gleichmäßige Transplantatausrichtung; die endgültige Naht besteht in einer fortlaufenden „Sägezahnnaht“ mit radiären Einstichen zum Wundrand (Abb. 26.7c) oder zwei gegeneinander versetzten, sternförmigen Nähten mit schräger M-förmiger Wundrandüberkreuzung (Abb. 26.7e).

Einzelknopfnähte finden Verwendung, wenn aufgrund einer verstärkten Hornhautvaskularisation oder Bowman-Membran-Schwäche (z. B. fortgeschrittener Keratokonus) mit einer frühzeitigen Fadenlockerung zu rechnen ist.

Flieringa-Ring: Dünner Metallring zur Bulbusstabilisation im Rahmen einer Keratoplastik bei Kindern, Aphakie oder Pseudophakie, der mit 4 – 6 Nähten (z. B. Seide 7 – 0) episkleral fixiert wird.

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Refraktive Hornhautchirurgie

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26 26.2 Hornhautchirurgie

Refraktive Hornhautchirurgie

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Abb. 26.7 · Perforierende Keratoplastik (nach Paton); siehe Text

Komplikationen:

Wundleckage:

Erkennen: Vorderkammer flach, Seidel-Test positiv (S. 33); ggf. Stufenbildung zwischen Transplantat und Wirtshornhaut.

Maßnahme: Nachlegen von Einzelknopfnähten im Bereich der Wundfistel.

Fadenlockerung (zumeist im Bereich präexistenter Vaskularisationen):

Erkennen: Relativ lose Fadenschlaufe, gelegentlich Ansammlung von zellulärem Debris im Bereich der lockeren Schlinge.

Maßnahme: Entfernung des lockeren Fadenanteils; bei fortlaufender Naht Anknoten der beiden Enden an jeweils eine nachzulegende Einzelknopfnaht; Nachlegen weiterer Nähte je nach individuellem Bedarf.

Transplantatreaktion (50% finden innerhalb von 6 Monaten postoperativ statt, auch später jederzeit möglich):

Erkennen: Frühzeichen retrokorneale Präzipitate, später weißliche Demarkationslinienbildung (Khodadoust; Abb. 26.8) endothelial, die unbehandelt von peripher in Richtung Transplantatzentrum fortschreitet; das Stroma zentral der Khodadoust-Linie ist noch klar, peripher davon ist es ödematös und eingetrübt; bei endothelialer Abstoßungsreaktion besteht zumeist ein Vorderkammerreizzustand mit ziliarer Injektion, Photophobie möglich;

die rein epitheliale Form der Abstoßungsreaktion tritt in den ersten drei Monaten postoperativ auf.

Maßnahme: Hochdosierte lokale und systemische Steroidapplikation bei endothelialer Abstoßungsreaktion (Prednisolonacetat 1% AT stündlich für mindestens drei Wochen, Dosisreduktion über Monate; Prednisolon 2 mg/kg KG täglich mit Dosisreduktion auf 1 mg/kg KG innerhalb von 7 – 14 Tagen, langsam ausschleichen); bei epithelialer Reaktion kann die lokale Therapie ausreichend sein.

Endophthalmitis: s. S. 435 .

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Abb. 26.8 · Endotheliale Transplantatabstoßung: weißliche Demarkationslinienbildung (Khodadoust-Linie)

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Refraktive Hornhautchirurgie

Hornhautfadenentfernung bei fortlaufendem Faden nach Keratoplastik

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Konzept: Indikation: die fortlaufende Nylonnaht 10 – 0 nach einer Keratoplastik sollte etwa nach 15 – 18 Monaten entfernt werden (das Auge sollte zuvor ca. 2 Monate „steroidfrei “ sein).

Vorund Nachbehandlung: Tropfanästhesie; postoperativ antibiotische AS (z. B. Gentamicin).

Prinzip: Tropfanästhesie; Einsetzen des Lidsperrers; geringste Leuchtstärkeneinstellung am Operationsmikroskop; Durchtrennen jeder 2. Fadenschlinge im Bereich der Wirtshornhaut (z. B. Sato-Messer); Fadenentfernung durch Fassen der nichtdurchtrennten isolierten Schlingen mit feiner Knüpfpinzette.

Lamelläre Keratoplastik

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Konzept: Transplantation einer die oberflächlichen Hornhautschichten umfassenden Spenderhornhautlamelle.

Operationsziel der optischen lamellären Keratoplastik: Wiederherstellung transparenter optischer Medien durch die Transplantation oberflächlicher Hornhautschichten zur dauerhaften visuellen Rehabilitation des Patienten unter Belassen von Empfängerendothel, Descemet und tiefem Stroma (Abb. 26.9).

Operationsziel der lamellären tektonischen Keratoplastik: Schaffung normaler Hornhautdickenverhältnisse.

Indikation:

optische lamelläre Keratoplastik: Exzision opaker Hornhautstromaanteile (meist innerhalb des oberen Drittels) bei gutem Empfängerendothel;

tektonische (deckende) Keratoplastik: Bei vorausgegangenem diffusen Stromaverlust z. B. zur Vorbereitung einer späteren perforierenden Keratoplastik; Ausgleich von Hornhautstromasubstanzverlusten nach Exzision kornealer Dermoide oder rezidivierender Pterygien;

Vorbehandlung: s. perforierende Keratoplastik (S. 465).

Nachbehandlung: 7 – 10 Tage lokale Antibiotikum/Steroidkombination; Mydriasis; lokale Steroidmedikation für 6 Monate tgl., anschließend jeden 2. Tag für weitere 6 Monate; Brille mit anatomisch geformtem Seitenschutz.

Prinzip:

Zügelnaht durch Mm. rect. sup. und inf.

Zentrierung anhand der optischen Achse und Ausmessen des erforderlichen Tre-

panationsareals durch oberflächliche Markierung mittels Trepans; Transplantat- 469

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Refraktive Hornhautchirurgie

26.2 Hornhautchirurgie

größe 12 mm möglich, zumeist nicht über 8 mm bei lamellärer Präparation mit Mikrokeratom: Hornhautepithel, Bowman und oberflächliche Stromaanteile werden in vorgewählter Schnitttiefe automatisch separiert.

Bei manueller Präparation wird zunächst mit dem Trepan bis in zwei Drittel Stromatiefe zirkulär trepaniert, anschließend werden die Kollagenlamellen mit einem feinen Spatel in der erforderlichen Tiefe getrennt; hierbei sollte auf eine Hornhautspülung verzichtet werden, um die Präparationstiefe besser kontrollieren zu können und eine Stromaquellung zu vermeiden.

Das Spendergewebe (s. u.) wird mit Nylon 10 – 0 wie bei einer perforierenden Keratoplastik fixiert (s. oben).

Präparation des Spendermaterials bei lamellärer Keratoplastik: Falls ein Mikrokeratom mit „künstlicher Vorderkammer“ verfügbar ist, kann das lamelläre Exzisat wie bei der perforierenden Keratoplastik aus einem korneoskleralen Scheibchen von epithelial gewonnen werden; anderenfalls erfolgt die Präparation des Spendergewebes mit Mikrokeratom oder manuell (wie bei der lamellären Exzision am Empfängerauge; s. oben) aus einem intakten Spenderbulbus.

Abb. 26.9 · Lamelläre Keratoplastik

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27.1 Kataraktextraktion

27 Kataraktchirurgie

27.1 Kataraktextraktion

Allgemeines

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Konzept:

Operationsziel A: Entfernung der getrübten Linse.

Operationsziel B: Optische Rehabilitation durch Implantation einer Kunstlinse (individuelle Anpassung).

Vorund Nachbehandlung:

Präoperative lokale Medikation am Operationstag: Mydriasis.

Postoperative lokale Medikation: Steroidale/antibiotische Augentropfen, Schutzbrille oder Lochkapselverband.

Zusätzliche Vorund Nachbehandlung für planbare Kataraktoperation bei bestehender chronischer Uveitis:

Operation im schubfreien Intervall: Vorderkammer und Glaskörperlakunen sollten 3 Monate zellfrei sein; ein Tyndalleffekt weist auf die chronische Blut-Kammer- wasser-Schrankenstörung hin und stellt keine Kontraindikation zur Kataraktoperation dar.

Präoperative lokale Medikation: 3 Tage präoperativ Therapie mit Prednisolonacetat 1% 4-mal tgl.; bei bekannter Steroidresponse (Augeninnendruckerhöhung) Indometacin oder Diclofenac AT 4-mal tgl.

Präoperative systemische Medikation: 2 Tage präoperativ Prednisolon 1 – 1,5 mg/ KG und 25 – 50 mg Indometacin 3-mal tgl.

Postoperativ richtet sich die Lokaltherapie nach dem Reizzustand; Prednisolonacetat 1% muss ggf. stündlich appliziert werden.

Postoperativ Abbau systemisch applizierter Steroide nach Möglichkeit innerhalb von 2 Wochen; nichtsteroidale Antiphlogistika sollten für 8 Wochen gegeben werden.

Prinzip:

Operationstechniken zu A: 1. Phakoemulsifikation, 2. extrakapsuläre Kataraktextraktion, 3. intrakapsuläre Kataraktextraktion, 4. Phakektomie.

Implantationstechniken zu B:

Hinterkammerlinsenimplantation: 1. kapselsackfixiert, 2. sulkusfixiert, 3. rhexisfixiert, 4. sulkusnahtfixiert.

Vorderkammerlinsenimplantation: 1. kammerwinkelgestützt, 2. irisfixiert.

Phake Intraokularlinsen (PIOL): Implantation von Kunstlinsen zur Refraktionskorrektur ohne Entfernung der natürlichen Linse bei noch vorhandener Akkommodationsfähigkeit, z. B. bei hoher Myopie.

Refraktive Kataraktchirurgie mit „Clear lens Extraktion“: Entfernung der klaren natürlichen Linse und Ausgleich der Ametropie durch eine geeignete Kunstlinse, z. B. bei hohem Brechungsfehler und Presbyopie.

Kunstlinsenklassen:

Faltbare Intraokularlinsen (IOL) sind aus hydrophobem oder hydrophilem Acrylat oder Silikon, nicht faltbare IOL bestehen aus PMMA (Polymethylmethacrylat, Plexiglas).

Monofokale Kunstlinsen: Nur eine Refraktion (meistens Fernkorrektur); die Kontrastsehschärfe ist größer als bei multifokalen IOL.

Multifokale IOL (MIOL): Unterschiedliche Refraktionen; prozentuale Lichtintensitätsverteilung zwischen Ferne/Nähe häufig 50/50, aber auch 70/30 für das dominante Auge und 30/70 für das nicht dominante Auge als binokulares Implantatsystem verfügbar.

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Kataraktchirurgie

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Kataraktchirurgie

27.1 Kataraktextraktion

Refraktive MIOL besitzen mehrere teils auch asphärisch korrigierte Zonen unterschiedlicher Refraktion, die Fokussierung erfolgt durch Lichtbrechung.

Diffraktive MIOL bestehen aus einer zentralen refraktiven Optik und einer diffraktiven Rückfläche, bei der die Fokussierung aus Lichtbeugung resultiert.

Potenziell akkommodative Intraokularlinsen befinden sich in klinischer Erprobung, die nachweisbare Akkommodation erreicht zzt. lediglich bis zu 1 dpt.

Varianten der IOL Optik: asphärische IOL, torische IOL, Blaufilterlinsen.

Phakoemulsifikation mit Hinterkammerlinsenimplantation

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Konzept: Entfernung von zentraler Linsenvorderkapsel, Kern und Rinde, belassen des Kapselsackes (periphere Vorderkapsel, Äquatorregion, Hinterkapsel).

Vorund Nachbehandlung: siehe oben.

Prinzip:

Operationstechnik (Beispiel):

Einsetzen des Lidsperrers.

Anlegen von Parazentesen temporal und nasal (bei 12 Uhr Zugang); Präparation eines sklerokornealen Tunnelschnittes mit Telleroder Diamantmesser, zunächst ohne Vorderkammereröffnung (Tunnellänge ca. 3 mm, Tunnelbreite je nach Faltlinsentyp ca. 2,5 bis 3,2 mm).

Vorderkapseleröffnung (Abb. 27.1a und 27.2 a) mittels zirkulärer Kapsulorhexis (unter Endothelschutz mit Viskoelastikum); Tunnelschnittöffnung zur Vorderkammer mit Lanze; Entnahme des vorderen Kapselblattes.

Hydrodissektion von Linsenkern und Rinde durch Injektion von BSS (balancierter Salzlösung) zwischen Vorderkapsel und Linsenrinde sowie zwischen Linsenrinde und Linsenkern (Hydrodelineation); Linsenkernmobilisation durch Rotation; Gabe eines Viskoelastikums in die Vorderkammer.

Phakoemulsifikation des Linsenkerns (Abb. 27.1b und 27.2 b); Rindenabsaugung (Abb. 27.2c), Vorderkapselepithelaspiration (Rhexisrand und Äquatorbereich) und Hinterkapselpolitur über Saugspülhandgriff und ggf. Polierkanüle.

Gabe von Viskoelastikum in die Vorderkammer; Implantation der Kunstlinse in den Kapselsack (Abb. 27.1c und Abb. 27.2d); ggf. Platzieren der Haptik in die gewünschte Position mittels eines Spatels oder Rotationshäkchens.

Pupillenverengung durch Acetylcholingabe; Absaugen des Viskoelastikums; Tonisieren des Bulbus durch BSS-Instillation.

Wundverschluss: Tunnelschnitt normalerweise selbstdichtend; als Prophylaxe gegen einen Astigmatismus inversus oder bei nicht wasserdichtem Wund-

verschluss nach Bulbustonisierung Adaptation des Schnittes mit z. B. Nylon 10 – 0.

Komplikationen: ab S. 474.

a

b

c

Abb. 27.1 · Phakoemulsifikation mit Intraokularlinsen(IOL-)Implantation a Kapsulorhexis; b Phakoemulsifikation; c IOL-Implantation

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27.1 Kataraktextraktion 27

Kataraktchirurgie

a

b

c d

Abb. 27.2 · Phakoemulsifikation mit Hinterkammerlinsenimplantation a Zirkuläre Kapsulorhexis, Entnahme des Vorderkapselblatts.

b Phakoemulsifikation und Hydrodissektion c Absaugen der Rindenreste

d Zustand nach Implantation der Hinterkammerlinse in den Kapselsack

Extrakapsuläre Kataraktextraktion (ECCE)

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Konzept: Wie bei der Phakoemulsifikation (S. 472).

Vorund Nachbehandlung: siehe Allgemeines (S. 471).

Prinzip: Bindehauteröffnung; korneoskleraler Schnitt; im Gegensatz zur Phakoemulsifikation wird der Linsenkern aus dem korneoskleralen Schnittbereich (Schnittbreite ca. 7 – 10 mm) in toto oder in mehreren manuell erzeugten Fragmenten herausluxiert;

Wundverschluss: Zumeist mit Kreuzstichnaht (Nylon 10 – 0).

Komplikationen: ab S. 474 .

Phakektomie (bei kindlicher Katarakt)

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Konzept: Entfernung von zentraler Linsenvorderkapsel, Kern, Rinde und zentraler Hinterkapsel, belassen der peripheren Vorderkapsel und der Kapselsackäquatorregion (Option der späteren Sekundärimplantation).

Vorund Nachbehandlung: siehe Allgemeines S. 320, 471; Besonderheiten:

Bei Kleinkindern am Vorabend Atropin AT 0,5%, am Operationstag Atropin AT 0,5% und Tropicamid AT 2-mal.

Kontaktlinsenversorgung innerhalb der ersten postoperativen Woche.

Engmaschige postoperative Kontrollen zur Amblyopieprophylaxe.

Prinzip: Der gesamte Eingriff lässt sich mit einem Vitrektom ausführen; die Ausschneidung der zentralen Hinterkapsel erfolgt, um die optische Rehabilitation nicht durch die bei Kindern rasche Nachstarbildung zu gefährden.

Operationszeitpunkt: Die Indikation zur Kataraktextraktion zum frühestmöglichen Zeitpunkt ist gegeben, sobald ein signifikanter Transparenzverlust besteht.

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Kataraktchirurgie

27.1 Kataraktextraktion

Beachte Ausnahme: Katarakt bei Galaktosämie innerhalb der ersten Lebenswochen durch Diät reversibel.

Komplikationen:

S. u.

Spätkomplikation: Bei Phaketomie innerhalb der ersten 15 Lebensmonate: sekundäres Offenwinkelglaukom; langfristig in 27%.

Phakektomie via Pars plana

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Konzept: Komplette Linsenentfernung oder Entfernung von Hinterkapsel, Linsenrinde und -kern sowie des Linsenepithels unter Belassen von Zonula und Vorderkapsel.

Vorund Nachbehandlung: siehe Allgemeines, S. 471.

Prinzip: Operation mit Vitrektomieinstrumentarium über einen Pars-plana-Zugang (Abb. 24,1 d, S. 443; Abb. 29.3, S 483) bei nicht zu hartem Linsenkern meist im Rahmen einer Vitrektomie.

Komplikationen: s. u.

Intrakapsuläre Kataraktextraktion (ICCE)

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Konzept: Die Linse wird in toto entfernt.

Vorund Nachbehandlung: siehe Allgemeines S. 471 .

Prinzip: Mittels Kryosonde wird die Linse entfernt, nachdem die Zonulafasern durch fermentative Zonulolyse (α-Chymotrypsin für 2 – 3 Min. intraokular) zerstört wurden; der Zugang erfolgt über einen korneoskleralen 120 -Scherenstufenschnitt; eine periphere Iridektomie ist bei erhaltener Glaskörpergrenzmembran obligatorisch. Implantation: die ICCE erfordert eine nahtfixierte HKL oder eine VKL.

Komplikationen: s. u.

Intraoperative und postoperative Komplikationen der

Kataraktextraktion

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Intraoperative Komplikationen:

Vis a tergo, erhöhter Glaskörperdruck:

Erkennen: Harter Bulbus, Vorderkammerabflachung, angespannte vorgewölbte Hinterkapsel.

– Maßnahme: Kanthotomie (Abb. 31.8 b, S. 496), Diamox 500 mg i. v. (Effekt in 5 – 10 Min. für 2 Std.), Mannit 20% (2 mg/kg KG) i. v. (Effekt in 30 Min. für 6 Std.).

Beachte: Bei massiver chorioidaler Effusion als Erstmaßnahme sofortiger Wundverschluss (S. 349).

Hinterkapselruptur ohne Glaskörperverlust:

Erkennen: Schlitzförmiger Defekt in der Hinterkapsel.

Maßnahme: Extrem vorsichtige Rindenaspiration, Verzicht auf Kapselpolitur, IOL-Implantation unter Schonung der vorderen Glaskörpergrenzmembran.

Hinterkapselruptur mit Glaskörperverlust:

Erkennen: Abgerundeter Kapseldefektrand.

Maßnahme: Vordere Vitrektomie (mit Vitrektom).

Zonulolyse:

Erkennen: Mobiler, bei Aspiration sichtbarer Kapselsackäquator.

Maßnahme: Extrem vorsichtige Kernmobilisation/Rindenaspiration, ggf. Verzicht auf Kapselpolitur, ggf. Implantation eines Kapselspannringes.

Kernoder Rindenfragmentverlust in den Glaskörper:

Erkennen: Unterhalb des Kapseldefektes flottierende weißliche Linsenpartikel.

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27.1 Kataraktextraktion

Maßnahme: Vitrektomie mit Rinden-/Kernrestentfernung (mit Vitrektom); nach Abschluss der Vitrektomie Freistreichen der Irisvorderfläche mit einem feinen Spatel; zipflige Pupillenverziehungen weisen auf noch zu entfernende Glaskörperstränge hin.

Ruptur der Glaskörpergrenzmembran bei ICCE:

Erkennen: Glaskörperaustritt aus dem Kataraktschnittbereich.

Maßnahme: Vordere Vitrektomie (Stieltupfer, Wecker-Schere, ggf. Vitrektom).

Postoperative Komplikationen:

Wundfistel:

Leitbild: Hypotonie, positiver Seidel-Test (S. 33), Descemet-Falten.

Maßnahmen: z. B. therapeutische Kontaktlinse, evtl. Wundrevision mit Nahtnachlegung.

Iritisschub (Therapie s. S. 323): Leitbild: Fibrinreaktion in der Vorderkammer, häufig pilzförmig.

Fibrinolyse bei massiver Fibrinexsudation: Gabe von 20 µg/0,1 ml Plasminogen- Human-Aktivator rekombiniert (z. B. Actilyse) über eine Parazentese in die Vorderkammer.

Zystoides Makulaödem (Therapie s. S. 288): Leitbild: Diskrepanz zwischen Visus (schlecht) und Vorderabschnittsbefund (gut).

Hornhautdekompensation durch Endothelschädigung:

Leitbild: Persistierende Stromaquellung.

Maßnahmen: Dehydrierende Therapie (Adsorbonac AT); ggf. perforierende Keratoplastik (S. 465).

Lidsperrerbedingte aponeurotische Ptosis (konservativ s. S. 117; chirurgisch

s. S. 494).

Aphakie-/Pseudophakieamotio (s. S. 481 f).

Endophthalmitis (s. S. 435):

– Häufigkeit nach Kataraktoperationen: 0,02 – 0,5%.

– Maßnahmen: Linsenexplantation, Pars-plana-Vitrektomie mit Materialgewinnung für mikrobiologische Analyse, intraokulare (s. S. 484) und systemische Antibiose.

Augeninnendruckerhöhung durch unvollständiges Absaugen des Viskoelastikums. Maßnahmen: Medikamentöse Augeninnendrucksenkung; falls nicht ausreichend, Vorderkammerspülung.

Iriscapture:

– Leitbild: Vollständige oder teilweise Verlagerung der Optik einer Hinterkammerlinse vor das Irisdiaphragma.

– Maßnahmen: Konservativ: Mydriasis; chirurgisch: Optikreposition mittels eines über eine Parazentese (S. 451) eingeführten Phakospatels; nach erfolgreicher Reposition medikamentöse Miosis.

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Kataraktchirurgie

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Aus A.Burk u. R.Burk.: Checkliste Augenheilkunde, 4. Aufl. (ISBN 3-13-100573-4) © 2005 Georg Thieme Verlag, Stuttgart