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Tränenapparat
4.1Veränderungen der Tränendrüse
Verlauf/Komplikationen: Gewöhnlich kurz, akut, mit vollständiger Abheilung innerhalb von 1 – 2 Wochen; manchmal Abszessbildung mit Spontanentleerung in den oberen Fornix; selten subakuter Verlauf mit langsamer Abheilung innerhalb von 3 Monaten; evtl. Fistel-, Zystenbildung, Tränendrüsenatrophie; selten Orbitaphlegmone, Sinus-cavernosus-Infektion.
Differenzialdiagnose: Lidabszess (S. 126), Hordeolum (S. 130) Orbitaphlegmone/- abszess (S. 396), Stirnbeinosteomyelitis (Druckschmerz an der Orbitakante), eitrige Konjunktivitis.
Therapie:
Konservativ: Breitbandantibiotikum lokal: z. B. Gentamicin AT 5-mal tgl. und systemisch (vgl. S. 151); Rivanol(10%)-Umschläge; wenn Antibiogramm zu erhalten, Therapie daran orientieren;
Chirurgisch: Bei Abszessbildung Spaltung, möglichst von konjunktival.
Chronische Dakryoadenitis
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Definition: Entzündung der Haupttränendrüse ohne akute Entzündungszeichen.
Leitbild: Schmerzlose Schwellung des äußeren Oberlidanteils.
Diagnostik/Symptome:
Inspektion/Palpation: Durch Schwellung des äußeren Oberlidanteils mechanische Ptosis (S. 113 nach dem Anheben des Oberlides ist die Drüse sichtbar; lobuläre harte Masse unter der äußeren oberen Orbitakante, evtl. berührungsempfindlich.
Serologie: Serum-Angiotensin-converting-Enzyme erhöht bei aktiver Sarkoidose; FTA-ABS-Test (Antitreponemen-Antikörper-Test) positiv bei Syphilis.
Thorax-Röntgen: Ausschluss Sarkoidose, Tuberkulose
Weitere Untersuchungen: Tuberkulin Hauttest; Biopsie bei Verdacht auf Tumor oder Lepra (Übersendung an lepraversierten Pathologen).
Ursache: Folge einer akuten Dakryoadenitis oder chronischen Konjunktivitis; Aktinomyzeten, Trachom (S. 166), Tuberkulose (S. 340), Lepra, Syphilis (S. 339), Sarkoidose (S. 329), Mikulicz-Syndrom (s. Syndrome).
Differenzialdiagnose:
Dermoid (S. 132), Osteomyelitis, Tumoren (s. u.).
Tränendrüsenbeteiligung bei Überund Unterfunktion der Schilddrüse, Makroglobulinämie Waldenström, Periarteriitis nodosa, Sjögren-Syndrom (s. Syndrome), primärer Amyloidose (vgl. S. 206).
Therapie:
Konservativ: Behandlung der Grundkrankheit;
Chirurgisch: Biopsie bei unklarer Genese.
Dakryops
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Definition: Erworbene einfache Zyste der Haupttränendrüse.
Leitbild: Fluktuierende Schwellung des äußeren Oberlides.
Diagnostik/Symptome: Inspektion/Palpation: meist einseitig; schmerzlose, gespannte, fluktuierende Schwellung des äußeren Oberlides; nach dem Anheben des Oberlides weiche, weiß-blaue, durchleuchtbare, transparente Zyste im oberen äußeren konjunktivalen Fornix sichtbar.
Genetik: Gelegentlich familiäres Auftreten.
Ursache: Obstruktion und Erweiterung der Hauptausführungsgänge der Tränendrüse mit zunehmendem Alter.
Verlauf/Komplikationen: Keine spontane Rückbildung; bei Vergrößerung Bulbusdislokation; bei Infektion evtl. Fistelbildung.
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4.1 Veränderungen der Tränendrüse
Differenzialdiagnose: Multiple zystische Degeneration der Tränendrüse, Echinokokkuszyste, Dermoidzyste (S. 132); kongenitaler Dakryops (s. o.), kongenitale konjunktivale Zyste, Tränendrüsentumor (s. u.), Orbitatumor (S. 399).
Therapie:
Konservativ: Bei Infektion wie Dakryoadenitis (s. o.).
Chirurgisch: Komplette Exzision.
Tränendrüsentumoren
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Leitbild: Symptomlose Schwellung im Bereich des äußeren Oberlides.
Diagnostik/Symptome:
Anamnese: Völlegefühl des Lides; Schmerzen sind ungewöhnlich, meist bei Beteiligung des Periosts (Malignitätsverdacht).
Inspektion/Palpation: a) orbitaler Tränendrüsenanteil: zunächst symptomlose Schwellung des oberen, äußeren Orbitaanteils, dann Ptosis (S. 113), Exophthalmus (Objektivierung s. S. 2); b) palpebraler Tränendrüsenanteil: Schwellung der äußeren Oberlidhälfte, Tumor sichtbar oberhalb des äußeren Kanthus; Beteiligung des palpebralen Anteils spricht für entzündliche oder lymphoide Veränderung; c) regionäre Lymphknoten: Verdacht auf Metastasen bei positivem Tastbefund.
Röntgen/CT/MRT/Ultraschall: Beurteilung der Ausdehnung, Beteiligung angrenzender Strukturen, evtl. Artdiagnose.
Verlauf/Komplikationen:
Orbitaler Tränendrüsenanteil: Durch zunehmendes Wachstum Verlagerung des Bulbus nach unten, innen; Doppelbilder (evtl. zuerst transient, dann permanent) durch Muskelbeteiligung; Tumordruck kann zu Astigmatismus, Optikusschaden, Papillenödem, venöser Stauung, Netzhautblutungen, Netzhautfalten, Aderhauta-
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Tränenapparat
Tabelle 4.2 · Tränendrüsentumoren
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Gutartig
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–Pleomorphes Adenom (gutartiger gemischtzelliger Tumor):
50% der epithelialen Tumoren; Manifestationsalter 7 – 77 J.; 60% Männer; Überlebenszeit nach 15 J. (bei signifikanter Morbidität) 100%, auch bei Rezidiven; aber je länger
Tumor besteht, umso wahrscheinlicher ist die maligne Entartung.
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Bösartig
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–Adenoid-zystisches Karzinom (de novo):
zweithäufigster epithelialer Tumor (25 – 30%); Manifestationsalter: 12 – 76 J.;
80% Knochenveränderungen; je nach histologischer Differenzierung 5-Jahres-Überlebens- zeit 21 – 71 %.
–Maligner gemischtzelliger Tumor (pleomophes Adenokarzinom):
maligne Degeneration eines pleomorphen Adenoms, Prognose sehr schlecht; Durchschnittsalter 64 J.
–Adenokarzinom (de novo): Manifestationsalter: 18 – 80 J.
–Weitere seltene epitheliale Tumoren: mukoepidermoides Karzinom, Plattenepithelkarzinom, Onkozytom.
–Lymphoide Tumoren: Pseudotumor, Sjögren-Syndrom (s. Syndrome), Non-Hodgkin-Lym- phome, Morbus Hodgkin, Makroglobulinämie Waldenström, lymphoide Infiltrate bei peripherer Blut-Gammopathie.
–Tumoren, die sich primär in der knöchernen Fossa lacrimalis entwickeln: z. B. Dermoidzyste, eosinophiles Granulom, Cholesteringranulom, Karzinommetastasen.
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Tränenapparat
4.2 Veränderungen der Tränenwege
motio und damit Visusverlust führen, häufiger ist der Fundus kaum oder nicht verändert.
Palpebraler Tränendrüsenanteil: Der Tumor füllt die obere Umschlagsfalte des Fornix aus, kann durch weiteres Wachstum subkonjunktival den Limbus erreichen; meist kein Exophthalmus, keine Bewegungseinschränkung, kein Visusverlust.
Differenzialdiagnose: Tab. 4.2, Orbitatumoren (S. 399), Dermoidzyste (S. 132), Osteomyelitis.
Therapie: Chirurgisch: Exzision fachübergreifend; immer Histologie; intraoperative Schnellschnitte zur Bestimmung von Malignität und Ausdehnung (Rezidive oft durch inkomplette Resektion); bei malignen Tumoren Ausmaß der Resektion der umgebenden infiltrierten Gewebe umstritten, desgleichen zusätzliche Bestrahlung und Dissektion der infiltrierten regionären Lymphknoten.
4.2 Veränderungen der Tränenwege
Abb. 4.4 · Ableitende Tränenwege
(vgl. Abb. 4.1, S. 143)
Epiphora
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Definition: Tränenträufeln
Tabelle 4.3 · Ursachen der Epiphora
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Symptom erst mit Beginn der Reflex-Tränenproduktion in den ersten Lebenswochen und -monaten zu beobachten.
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a)Vermehrte Produktion von Tränenflüssigkeit:
1.Störungen der Tränendrüse, z. B. starke parasympathomimetische Medikamente; im Verlauf einiger Tränendrüsenerkrankungen (S. 143)
2.Reizzustände der vorderen Augenabschnitte, z. B. Konjunktivitis, Keratitis, Iritis, Trichiasis, Fremdkörper, kongenitales Glaukom (S. 240)
3.Trigeminusneuralgie, Nasennebenhöhlenerkrankungen
4.Zentral oder psychisch
5.“Krokodiltränen„ bei Speichelproduktion durch nervale Fehlregeneration, z. B. nach
Trauma, Chirurgie, beim Duane-Syndrom (S. 416)
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b)Unzureichende Drainage:
1.Tränenpünktchenverlagerung: Entropium (S. 108), Ektropium (S. 109), Schwellung des Lidrandes (z. B. Blepharitis), lokale Amyloidose (S. 206), Hypertrophie der Konjunktiva oder Karunkel, Dermatitis, Schlaffheit und Atonie des Unterlides in hohem Alter, Tumor der Umgebung
2.Tränenpünktchen-Atresie (s. u.), Tränenpünktchen-Aplasie (Fehlen eines Organs)
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4.2 Veränderungen der Tränenwege
Tabelle 4.3 · Fortsetzung
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3.Kanal, Sack oder Gang verlegt bzw. verengt z. B. durch Entzündung, Neoplasma, Trauma, Fremdkörper, Stenose der Hasner-Klappe (s. u.), Acanthosis nigricans (S. 174, 175)
3.Obstruktion der Nase
4.Funktionelle Insuffizienz der Tränenableitung trotz durchgängiger Tränenwege
Angeborene Veränderungen der Tränenwege
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Tabelle 4.4 · Angeborene Veränderungen der Tränenwege
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–Atresie des Tränenpünktchens: isoliert; meist unteres Tränenpünktchen, Bindehaut über dem Kanal gibt diesen nicht frei; evtl. autosomal dominant; (Atresie: Fehlen einer Körperöffnung)
–Atresie des Canaliculus: neben Verschluss meist zusätzlich Tränensack anomal
–Atresie des Ductus nasolacrimalis: meist unteres Ende unzureichend kanalisiert, infolge epithelialen Debris, Mukosafalten oder -lappen, knöchernen Verschlusses; s. auch unten kongenitale Dakryostenose
–Fistel des Tränensacks: unilateral oder bilateral; durch Dacryocystitis neonatorum oder Entwicklungsanomalie
–Dakryozystozele: Flüssigkeit im Tränensack kann nicht abfließen; bläuliche Schwellung; seltene Differenzialdiagnose: Meningozele
Kongenitale Dakryostenose
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Definition: Angeborener Verschluss des Tränen-Nasen-Ganges.
Leitbild: Epiphora mit Beginn 2 – 6 Wochen nach der Geburt.
Diagnostik/Symptome:
Anamnese: Epiphora (Tränenträufeln) beginnt 2 – 6 Wochen nach der Geburt.
Inspektion: Oft Absonderung in den unteren Bindehautsack oder erst nach vorsichtigem Drücken auf den Tränensack; Austritt von (evtl. purulentem) Material aus dem Tränenpünktchen; keine Konjunktivitis.
Mikrobiologie: Abstrich (S. 7) zum Ausschluss pathogener Keime.
Ursache: Bei Geburt unteres Ende des Ductus nasolacrimalis oft nicht kanalisiert.
Verlauf/Komplikationen: Spontane Öffnung in den ersten Lebenswochen; durch konservative Therapie bis zum 12. Lebensmonat 95% geheilt; Infektion des Tränensacks möglich, konsekutiv Dakryozystitis (s. u.), Konjunktivitis, Abszess, Dakryophlegmone.
Differenzialdiagnose: Konjunktivitis; kongenitales Glaukom (auch Epiphora).
Therapie:
Konservativ: Tränensackmassage: 4-mal tgl. mit festem Zeigefingerdruck Tränensack in Richtung der Hasner-Klappe massieren; Xylometazolin-HCl 0,05 % T 2- mal tgl. als AT; bei eitriger Konjunktivitis Gentamicin AT 3-mal tgl., AS z. N. (nach Antibiogramm, falls Resistenz gegen Gentamicin);
Chirurgisch: Tränenwegspülung (s. S. 9), -sondierung; nicht bei akuter Dakryozystitis; nicht vor dem 6. Lebensmonat; postoperativ Gentamicin AT 3-mal tgl. und Xylometazolin-HCl 0,05% T 2-mal tgl. als AT für 2 Tage; evtl. Wiederholung;
Endonasale Dakryozystorhinostomie bei Versagen der vorgenannten Maßnahmen.
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Tränenapparat
4.2 Veränderungen der Tränenwege
Kanalikulitis
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Definition: Entzündung des Tränenkanälchens.
Leitbild: Epiphora bei geschwollenem und gerötetem Tränenpünktchen.
Diagnostik/Symptome:
Anamnese: Epiphora (Tränenträufeln).
Inspektion: Rötung, Schwellung von Tränenpünktchen und Bereich des Kanals; Eiterabsonderung; gelbliche Granula (bei Actinomyces-Infektion).
Mikrobiologie: Abstrich (S. 7) zur Keimbestimmung, evtl. Tränenwegspülung, Dakryozystographie (s. S. 10): Stenose oft nur partiell;
Ursachen: Actinomyces-, Nocardia-, Pilzinfektionen, Trachom, Tuberkulose, Syphilis, Vaccinia, Varicella zoster.
Weitere okuläre Befunde: Konjunktivitis, Dakryozystitis (s. u.).
Verlauf/Komplikationen: Evtl. Mukozele, Abszess; nach lange bestehenden Entzündungen können proliferierende Granulationen entstehen; Konkrement-, Dakryolithenbildung möglich.
Differenzialdiagnose: Lidrandtumor, Chalazion (S. 130), Dakryozystitis (s. u.).
Therapie:
Konservativ: Aktinomyzeten: Tetracyclin AS (z. B. Aureomycinoder Oxytetracyclin AS) 3-mal tgl.; Nocardia: nur sulfonamidhaltige AS; Trachom (S. 166); Varicella zoster (S. 125); Pilzinfektion (S. 212);
Chirurgisch: Evtl. Entfernung von Konkrementen, Dakryolithen.
Akute Dakryozystitis
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Definition: Akute Entzündung von Tränensack und -gang.
Leitbild: Rubor, Calor, Dolor, Tumor der Tränensackregion.
Diagnostik/Symptome:
Anamnese: Ausstrahlende Schmerzen in Stirn und Zähne.
Inspektion/Palpation: Sehr druckempfindliche Schwellung, Rötung und Überwärmung der Tränensackregion (Abb. 4.5); Eiteraustritt aus dem Tränenpünktchen (nicht, wenn Kanalikulus komplett blockiert ist).
Mikrobiologie: Abstrich (S. 7) zur Keimbestimmung.
HNO-ärztliche Untersuchung: Röntgen differenzialdiagnostisch zum Ausschluss einer Nasennebenhöhlenerkrankung.
Abb. 4.5 · Akute Dakryozystitis: Schwellung, Rötung und Überwärmung der Tränensackregion
Ursache: Exazerbation einer chronischen Dakryozystitis; als Folge von Infektionen der benachbarten Gewebe (z. B. Sinusitis, Trachom [S. 166 ]), systemischen Infektionen (Influenza, Scharlach, Diphtherie, Windpocken, Pocken, Tuberkulose, Syphilis; selten Lepra, Sarkoidose), Fremdkörpern, Trauma, Tumoren (s. u.), Pilzen, Parasiten (z. B. Myiasis, S. 171).
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4.2 Veränderungen der Tränenwege
Manifestationsalter: Meist mittleres Alter; Ausnahme: kongenitale Dakryozystitis (bei kongenitaler Dakryostenose); 75 – 80% Frauen.
Verlauf/Komplikationen: a) spontane Entleerung des Inhalts in die Ethmoidalzellen (interne Fistel); Tränensack anschließend kontrahiert, vernarbt; oder b) Eiteraustritt in den Konjunktivalsack oder die Nase mit evtl. Perizystitis (erysipelartige Haut, Chemosis (S. 155), Augenverschluss durch Lidödeme; Lymphknotenschwellung) und externer Fistel; selten Orbitaphlegmone.
Differenzialdiagnose: Hordeolum (S. 130), Ethmoidaloder Frontalsinusentzündung, Erysipel des Gesichts, akute Periostitis, Kanalikulitis (s. o.).
Therapie:
Konservativ: Breitbandantibiotikum lokal, z. B. Gentamicin AT; Dosis: 4-mal tgl.,
Salbe z. N.; systemisch z. B. Dicloxacillin p. o.; Dosis: ab 6 J. 2 – 4 g tgl. (in 4 – 6 Einzeldosen); Dauer jeweils: 14 Tage; Nebenwirkung s. S. 434 .
Beachte: Behandlung der Grunderkrankung; HNO-Konsilium;
Chirurgisch: Dakryozystorhinostomie (s. S. 498) nach dem Abklingen der akuten Entzündung.
Chronische Dakryozystitis
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Definition: Chronische Entzündung von Tränensack und -gang.
Leitbild: Epiphora, Reflux von mukösem bis eitrigem Material bei der Spülung der Tränenwege.
Diagnostik/Symptome:
Anamnese: Epiphora (Tränenträufeln).
Inspektion/Palpation: Keine Schmerzen bei der Palpation; bei Druck auf den Tränensack evtl. Sekretaustritt von mukösem bis eitrigem Material aus dem Tränenpünktchen; Haut frei verschieblich, evtl. erythematös.
Spaltlampe: Chronische Konjunktivitis im inneren Augenwinkel.
Mikrobiologie: Abstrich (S. 7) zur Keimbestimmung.
Tränenwegspülung (S. 9): Obstruktion/Durchgängigkeit abhängig von der Grunderkrankung; Reflux von mukösem bis eitrigem Material.
HNO-ärztliche Untersuchung und Röntgen differenzialdiagnostisch zum Ausschluss einer Nasennebenhöhlenerkrankung.
Ursache: Wie bei akuter Dakryozystitis (s. o.); die chronische Dakryozystitis kann eine Folge der akuten sein.
Manifestationsalter: Wie bei akuter Dakryozystitis.
Verlauf/Komplikationen: Chronisch, persistierend, keine Spontanheilung; jederzeit Übergang in akute Dakryozystitis möglich; evtl. Bildung einer Mukozele (fluktuierende Schwellung des Tränensacks mit steriler, klarer bis milchiger Flüssigkeit unterschiedlicher Konsistenz), einer Pyozele (ähnelt der Mukozele, enthält aber eitriges Material), ggf. interne (ethmoidolakrimale) Fistel.
Differenzialdiagnose: Erkrankungen, Tumoren der paranasalen Sinus; kalter tuberkulöser oder syphilitischer Abszess; Dermoid (S. 132).
Therapie:
Konservativ: Behandlung der Grunderkrankung; evtl. lokal antibiotisch wie akute Dakryozystitis siehe oben.
Chirurgisch: Dakryozystorhinostomie, siehe S. 498 .
Tumoren des Tränensacks
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Leitbild: Schwellung im Tränensackbereich, Epiphora.
Diagnostik/Symptome:
Anamnese: Oft chronische Dakryozystitis; Epiphora.
Inspektion/Palpation: Zeichen für Malignität: blutige Absonderung; Nasenbluten;
blutiger Reflux bei atraumatischer Spülung; Tumor im Tränensackbereich dehnt
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4.2 Veränderungen der Tränenwege
sich oberhalb des medialen Lidbändchens aus; palpatorisch hart; Teleangiektasien der Haut über dem Tumor; Exophthalmus (Objektivierung S. 2).
Tränenwegspülung (S. 9): Trotz Epiphora häufig Durchgängigkeit; blutiger Reflux bei atraumatischer Spülung spricht für Malignität; Dakryozystographie (S. 10): besonders zur Frühdiagnose.
Röntgen der Orbita/NNH, HNO-Untersuchung: Ausdehnung, evtl. Artdiagnose.
Manifestationsalter: Maligne epitheliale Tumoren: 41. bis 75. LJ.
Verlauf/Komplikationen:
Papillome: 40% Rezidive, jederzeit maligne Entartung möglich.
Maligne Tumoren: Metastasen (lymphogen, hämatogen); orbitale Invasion, Ausbreitung entlang des nasolakrimalen Ganges; Knochendestruktionen; Einbruch in angrenzende Strukturen; 5-Jahres-Überlebenszeit in größerer Serie 46%.
Differenzialdiagnose: Vgl. Tab. 4.5; außerdem: chronische Dakryozystitis; Pseudotumor oder inflammatorisches Granulom (25% aller Tränensackvergrößerungen); Tumor der angrenzenden maxillären, ethmoidalen Sinus oder der Nase; Orbitatumoren (S. 399); Metastasen (selten).
Therapie: Chirurgisch: weite lokale Resektion unter Gefrierschnittkontrolle; Bestrahlung bei papillomatösen Tumoren mit kompletter Resektion nicht indiziert. Ausbreitung eines Karzinoms in Sinus maxillares, ethmoidales, Orbita, Nase: radikale Exzision (erweiterte orbitale Exenteratio) und Bestrahlung.
Tabelle 4.5 · Tränensacktumoren
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Epitheliale (häufigste): Papillom, onkozytisches Adenom
Plattenepithelkarzinom, mukoepidermoides Karzinom, Übergangskarzinom, undifferenziertes Karzinom, onkozytisches Karzinom
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Nichtepitheliale:
Fibröses Histiozytom, Angiosarkom, Neurilemmom, Lymphom, malignes Melanom
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5.1 Vorbemerkungen zur Bindehaut
5Bindehaut
5.1Vorbemerkungen zur Bindehaut
Definitionen/allgemeine Erläuterungen
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Abb. 5.1 · Bindehaut
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Bindehaut
Histologie: Zwei oder mehr Lagen nicht verhornendes Plattenepithel mit Becherzellen, meist zylindrischen basalen Zellen, Melanozyten in der basalen Epithelschicht und einer Basalmembran; darunter liegendes Stroma mit oberflächlicher Lage von lymphoidem Gewebe, das sich postnatal in den ersten Lebensmonaten entwickelt.
Palpebrale Konjunktiva: Beginn an der mukokutanen Verbindung, bedeckt Innenseite des Augenlides.
Bulbäre Konjunktiva: Lockere Verbindung mit der vorderern Sklera, reicht vom Limbus bis zum Fornix; am Limbus 2 – 3 mm fest mit der Tenon verbunden.
Fornix-Konjunktiva: Locker verbunden mit orbitalem Septum, reicht temporal hinter den lateralen Kanthus, nasal zur Semilunarfalte.
Regionäre Lymphknoten: Präaurikulär, submandibulär; vorwiegend tastbar bei viralen und Chlamydieninfektionen.
Okulo-glanduläres oder konjunktivoglanduläres-Syndrom nach Parinaud:
Einseitige chron. Konjunktivitis mit gleichseitiger regionaler Lymphadenitis z. B. bei Sarkoidose, Viren, Bakterien, Rickettsien, Chlamydien, Tularämie, Tbc, Aktinomykose, Leptotrichose, Syphilis.
Wässriges Sekret: Seröses Exsudat und Reflextränenproduktion bei viralen und toxischen Konjunktivitiden.
Muzinöses Sekret: Becherzellenanteil erhöht, sezerniert vermehrt Muzin bei Conjunctivitis vernalis, Keratoconjunctivitis sicca.
Eitriges Sekret: Schwere, akute, bakterielle Infektionen.
Mukopurulentes Sekret: Schleimig-eitrig bei bakteriellen und Chlamydieninfektionen.
Papillen: Vaskuläre Strukturen, die von entzündlichen Zellen infiltriert sind; meist im Bereich der oberen Lidkonjunktiva polygonale, hyperämische 0,1 – 0,2 mm messende Areale mit zentraler fibrovaskulärer Struktur, die mittels blasser Kanäle voneinander getrennt sind (subepitheliale Fibrillen, die bis zum Tarsus reichen, bedin-
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Aus A.Burk u. R.Burk.: Checkliste Augenheilkunde, 4. Aufl. (ISBN 3-13-100573-4) © 2005 Georg Thieme Verlag, Stuttgart
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Bindehaut
5.1 Vorbemerkungen zur Bindehaut
Papillen mit 
zentralem 
Blutgefäß 
Follikel mit Gefäßstruktur im Randbereich
Abb. 5.2 · Papille/Follikel (nach Naumann)
gen diese Einziehungen; vgl. Abb. 5.2); insgesamt ergibt sich ein mosaikartiges Bild, samtenes Aussehen.
Riesenpapillen: Entstehen bei Zerstörung der subepithelialen Fibrillen von Papillen (z. B. bei Kontaktlinsen).
Follikel: Lymphfollikel; meist in der unteren Fornix-Konjunktiva; multiple, leicht prominente 0,5 – 1,5 mm messende, kleinen Reiskörnern ähnliche Veränderungen, von einem zarten Blutgefäß umgeben (Abb. 5.2, 5.3); bei viralen, toxischen, Chlamydien bedingten Konjunktivitiden (frühestens eine Woche postpartal beschrieben; wenige Follikel im unteren Fornix bei Kindern normal).
Abb. 5.3 · Follikuläre Konjunktivitis: Nach dem Ektropionieren des Oberlides werden die gerötete tarsale Bindehaut und zahlreiche Follikel sichtbar
Pseudomembran: Fibrinnetz mit Leukozyten, exsudativen Produkten, das eine Epithelverbindung aufweist; lässt sich ohne Defekt abziehen; z. B. bei Adenovirus-, vernaler Konjunktivitis.
Membran: Fibrinnetz mit entzündlichem Exsudat, Leukozyten, das zwischen die Epithelzellen dringt und eine feste Verbindung mit diesen aufweist; beim Entfernungsversuch wird das Epithel abgezogen, mit Blutung verbunden; z. B. bei schwerer Diphtherie.
Granulom: Knoten oder polyploide Masse bei milder Irritation (z. B. Fremdkörper), Sarkoidose, chronischer Infektion: Tuberkulose, Syphilis, Lepra, Tularämie, Blastomykose, Sporotrichose.
Konjunktivale Veränderungen der Gefäßzirkulation
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Aktive konjunktivale Hyperämie (vgl. Tab. 5.1, S. 157): Ursachen sind allgemein jede entzündliche Reizung der Konjunktiva (Konjunktivitis), außerdem z. B. Noxen (z. B. Fremdkörper, Trichiasis (S. 107), Rauch, Chemikalien); Reflexirritation (z. B. unzureichend auskorrigierter Refraktionsfehler, Strabismus, Trübungen der brechenden Medien, Erkrankungen benachbarter Organe, Weinen); Medikamente (z. B. Pris-
154 col); Alkohol; Lähmung des sympathischen Nervs; Gicht; Rosazea (S. 160); Staphylo-
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5.1 Vorbemerkungen zur Bindehaut
kokken-Blepharitis (S. 123); Lidrandwarzen; Sicca-Syndrom (S. 144); lokale Entzündungen; Konjunktivitiden bei systemischen Erkrankungen (S. 170 ff); allerg. Reaktionen (S. 159).
Passive konjunktivale und episklerale Hyperämie: Ursachen sind venöse Obstruktion, z. B. lokalisiert bei chorioidalem Tumor (Bonamour-Zeichen), z. B. generalisiert bei Carotis-sinus-cavernosus-Fistel (S. 396), orbitaler Thrombophlebitis, Rechtsherzversagen oder durch erhöhte Blutviskosität (z. B. Polyzythämie, Makroglobulinämie, Plasmozytom, Sichelzellerkrankung, malignes Karzinoid des Darms).
Paroxysmale konjunktivale Hyperämie: Ursachen sind konjunktivoziliare Paroxysmen Franceschetti sowie (vgl. Syndrome) Sluder-Neuralgie, Charlin-Neuralgie, Clusterkopfschmerz.
Konjunktivale Anämie: Konjunktivale Blässe, Beurteilung am besten am Unterlid.
Sludging und Segmentation in den Konjunktivalgefäßen: Ursachen sind z. B. kornealer Herpes, hohes Alter, BSG 30 mm in der ersten Std., Makroglobulinämie, Plasmozytom, Kryoglobulinämie, Sichelzellerkrankung.
Kaliberschwankungen der konjunktivalen Gefäße, Tortuositas, Teleangiektasien, Varizen, Aneurysmen: Ursachen sind z. B. Arteriosklerose; Hypertonus, Diabetes mellitus; Rosazea; Senfgas-Keratitis; Teleangiectasia hereditaria haemorrhagica; Louis-Bar-Syndrom (vgl. Syndrome); Sturge-Weber-Syndrom (S. 352; u. a. angiomatöse Malformationen der bulbären Konjunktiva).
Subkonjunktivale Blutung (Hyposphagma):
Rötliche Farbe, flach, scharfe Ränder; keine Entzündungszeichen; Tendenz, zum Limbus zu wandern; Resorption in der Regel in 7 – 14 Tagen.
Beachte: Eine subkonjunktivale Blutung unter dem Oberlid innerhalb von 12 – 24 h nach einem Trauma macht eine knöcherne Verletzung der Orbita sehr wahrscheinlich. Eine subkonjunktivale Blutung vom nasal unteren Fornix zum Bulbus ziehend, die nach 24 h oder später auftritt, ist pathognomonisch für eine Schädelbasisfraktur.
Ursachen: Lokales Trauma (z. B. Fremdkörper); Subarachnoidalblutung (subkonjunkt. Petechien); Polytrauma (subkonjunkt. Splitterblutungen, besonders oberer Fornix); Konjunktivitiden (Blutung größeren Ausmaßes): z. B. Picornaviren, Adenoviren, Pneumokokken, Hämophilus; lokale vaskuläre Anomalien (z. B. Teleangiektasien, s. o.); plötzliche venöse Stauung im Kopfbereich (z. B. Husten, Trompete blasen, Erbrechen, hoher Druck auf Thorax und Abdomen); Fragilität der Gefäße (z. B. hohes Alter, Arteriosklerose, Hypertonus, Nephritis, Diabetes mellitus); hämorrhagische Blutdyskrasie (fehlerhafte Zusammensetzung, z. B. thrombozytopenische Purpura, Thrombozytopenie bei z. B. Leukämie, aplastischer Anämie); Cumarin-Derivat-Therapie; akute fiebrige Infekte (Petechien, oft assoziiert mit Hyperämie; z. B. Malaria, subakute bakterielle Endokarditis, Scharlach, Masern, Windpocken, Influenza); Menstruation.
Therapie: Keine, evtl. Heparin Pos AT 3 – 6-mal tgl.
Blutung aus der Lidkonjunktiva (spontan): Ursachen sind z. B. Hämophilie, Menstruation, Silbernitrat-AT (insgesamt selten).
Anomalien der Lymphgefäße (normal: Lymphgefäße kaum oder nicht sichtbar):
Lymphangiektasien: Kleine Zysten, Kette von Perlen, mit der Konjunktiva frei beweglich.
Ursachen sind z. B. Fremdkörper, Narbe, Pinguecula (S. 177); Lymphangiectasia haemorrhagica conjunctivae (jedes Alter; Verbindung zwischen Lymphund Blutgefäß mit Konstriktionen und ballonförmigen Dilatationen; spontan, nach geringem Trauma, evtl. transient).
Chemosis:
Durchsichtige Schwellung (Ödem) der Bindehaut.
Ursachen sind erhöhte kapilläre Permeabilität bei lokalen Noxen oder Entzün-
dungen des Auges (z. B. Virus-Konjunktivitis [S. 167], Ulcus corneae [S. 194], Panophthalmie, Lidentzündungen, Erkrankungen der Tränenwege, Sinusitis, akute
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