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Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / BASICS Augenheilkunde 2 auflage_Patzelt_2009

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Erkrankungen und Veränderungen

der Linse

II

Katarakt (Fortsetzung)

Cataracta praesenilis

Tritt eine Katarakt schon bei einer

jüngeren Person auf, muss nach der

Ursache gefahndet werden. Folgende

weiteren Kataraktformen lassen sich

unterscheiden.

Kata ra kt

bei Allgemein-

erkrankungen

Cataracta diabetica

Zum einen können schon bei jüngeren

Typ-I-Diabetikern beidseitige, schneeflo·

ckenartige oder wolkige, subkapsuläre

Trübungen auftreten. Diese können

durch Quellung in eine Totalkatarakt

übergehen. Zum anderen beobachtet

man bei Diabetikern ein früheres und

häufigeres

Auftreten des grauen Alters·

stars.

 

Cataracta

tetanica

Es handelt sich um eine im Rahmen

einer hypokalzämischen Tetanie auf·

tretende beidseitig subkapsulär

beginnende, fortschreitende Linsen·

trübung.

 

Cata ra cta myotonica

Bei der seltenen, dominant erblichen,

myotonischen Dystrophie (Curschmann·

Steinert) tritt fast immer eine doppel·

seitige Katarakt auf.

Cata racta syndermoti ca

Sie kann im Gefolge von Hautkrank·

heiten wie chronischer Neurodermitis

(I Abb. 5) oder Sklero-Poikilodermie

(Werner) auftreten .

I

Abb . 5:

Anteriore subkapsuläre Trübung bei atopischer Dermatitis.

[BJ

Cata racta t raumatica

Bei

Verletzungen der Linse kann sich in

der

Folge ein grauer Star ausbilden.

Nach Prellung kann ein sog. Kontusions-

star mit typischem rosettenartigem Aus-

sehen (I Abb. 6) an der vorderen oder

hinteren Kapsel entstehen. Die Trübung

wandert über Jahre hinweg in tiefere

Schichten. Auch nach Perforations-

verletzungen bildet sich eine Katarakt

aus.

 

 

Katarakt nach Augenope rationen

Nach Vitrektomie und Glaukomopera-

tionen zur Ableitung des

Kammerwas-

sers kann sich allmählich

im Verlauf von

Jahren eine Katarakt entwickeln.

Strahlenstar

 

 

.,.. Rön tgenstar: Etwa zwei Jahre nach

Bestrahlung der Linse mit mehr als 6 Gy

tritt eine scheibenförmige

hintere Pol-

trübung der Linse ein. Bei Jugendlichen

kann sich der Röntgenstar

auch schon

in kürzerer Zeit nach der

Exposition

entwickeln.

 

 

.,.. Infrarotstar: Früher kam es bei Glas-

bläsern und Hochofenarbeitern nach

jahrzehntelanger Exposition öfter zu

diesem Startyp. Es entsteht eine

beid-

seitige scheibenförmige Trübung

am

hinteren Linsenpol und typischerweise

eine Ablösung der vorderen Kapsel-

lamelle (Feuerlamelle).

 

 

Cataracta complicata Die Katarakt bildet sich als Folge anderer primärer okulärer Erkrankungen aus. Die häufigste Ursache ist eine chronische Uveitis anterior. Weitere Ursachen können hereditäre Fundusdystrophien sein, z. B. Retinitis pigmentosa, here· ditäre Lebersehe Optikusneuropathie, Atrophia gyrata, hohe Myopie oder akutes Winkelblockglaukom ("Glaukom· flecken") .

I Abb . 6: Cataracta traumatica mit blütenartigem Au ssehen (Kontu sionsrosette) . [5]

Diabetische Retinopathie

I Abb. 1: Fortgeschrittene Background-Retina- pathie mit Mikroaneurysmen, Punktblutungen und harten Exsudaten. [5]

I

Abb.

2:

Netzhautveränderungen

bei präprolifera-

 

tiver diabetiseher Retinopathie. [5]

 

I

Abb.

3:

Makulaödem und Circinata-Figur bei

diabetiseher Makulopathie.

[5]

 

I

Abb. 4: Stark ausgeprägte

Neovaskularisation

 

an der Papille. [5]

 

Netzhautveränderungen

infolge einer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mikroangiopathie bei Diabetes mellitus

werden als diabetische

Retinopathie be-

zeichnet. Hierbei entstehen durch

Verän-

derung der Gefäßwände

Mikroaneurys-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

men. Die Schädigung des Gefäßendothels

führt zu einem Zusammenbruch der

 

 

Blut-Retina-Schranke im

Bereich

dieser

 

 

 

 

 

Mikroaneurysmen, wodurch Serum und

Lipoproteine in das Netzhautgewebe

aus-

 

 

treten: das sog. diabetische

Makola-

 

 

 

 

der

 

ödern entsteht. Die Ablagerungen

 

 

 

 

ausgetretenen Lipide in der Netzhaut

 

 

werden als harte Exsudate

 

bezeichnet.

 

 

 

 

 

 

 

Circinata-Figur nennt

man die ringför-

mige Anordnungharter

Exsudate.

Durch

Kapillarverschlü sse kommt es zu punkt-

und fleckförmigen Blutungen

am

 

 

ganzen Fundus und zu Mikroinfarkten

in

 

der Nervenfaserschicht mit Axoplasma-

stau. Letztere werden

als Cotton-woal-

Herde bzw. weiche Exsudate

bezeich-

 

 

 

 

 

net. Die unterversorgten

Netzhaut-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

bereiche regen durch Ausschü ttung von

VEGF (vascular endothelial growth

 

 

factor)eine Angioneogenese

an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die diabetische Retinopathie stellt in

 

 

der westlichen Welt die

häufigste

ErbliD-

zwi-

 

dungsursache in

der Altersgruppe

 

schen 20 und 65

Jahren dar. Bei

90%

 

aller Diabetiker findet man

innerhalb

 

der ersten 15 Krankheitsjahre Fundus-

 

veränderungen im Sinne einer Retino-

 

pathie. Nach 20-jähriger Krankheits-

 

 

dauer tritt bei 56 %der

Typ+ und bei

 

24% der Typ-li-Diabetiker eine

prolifera-

tive Retinopathie

(s. u. ) auf.

 

Es besteht

 

eine enge Korrelation zwischen der

 

 

Manifestation diabetiseher Komplikatio-

nen am Auge und jenen an anderen

 

 

Organen (Niere,

 

 

 

 

 

 

 

.

 

 

 

 

Nervensystem)

 

 

 

 

Klinik: Im Vordergrund

stehen Seh-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

störungen,

die jedoch erst im fortge-

 

schri ttenen

Stadium der

Erkrankung

 

 

auftreten. Bei der Makulopathie

stellt

 

 

 

der Patient typischerweise erst geringe

Sehstörungen fest, die allmählich

-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schlimmer werden. Glaskörperblu

 

 

tungen hingegen führen

oft zu

einer

.

plötzlichen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

starken Visuseinschränkung

Durch regelmäßige augenärztliche Kon-

trollen eines Diabetikers werden

die

 

 

 

 

 

 

Netzhautveränderungen

oft entdeckt,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

bevor Symptome auftreten.

 

 

 

 

 

 

 

Die diabetische Retinopathie kann in die

nicht proliferative und

 

 

 

 

 

 

-

die prolifera

 

tive diabetische Retinopathie

 

eingeteilt

 

 

lauf nach-

 

werden, die im Krankheitsver

 

 

 

 

 

 

 

einander durchschritten

werden. Die

 

diabetische Makulopathie kann

in

je-

 

dem Krankheitsstadium

auftreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Leichte, nicht proliferative

 

dia-

 

 

 

 

-

betische

Retinopathie/Background

 

Retinopathie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese frühen

diabetischen Netzhautver-

 

änderungen

kö nnen sich wieder zurüc k-

bilden,

die Patienten haben

meist keine

 

Sehstörungen. In der

Fundoskopie

sind

 

Mikroaneurysmen,

die

als winzige

 

rote Punkte

erstmals lateral

der Fovea

 

 

 

 

 

 

 

 

 

a_uftreten, die ersten Verände rungen , die

stehtbar werden. Sie können

von intra-

 

retinalen

Punktund

Fleckblutungen

 

umgeben sein und sind dann nicht von

 

diesen

zu

unterscheiden (I

 

Abb.

1). Es

 

können

sich auch schon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

perlsehnur-

 

artige Venen und beginnende

harte

 

Exsudate find en (mäßige

nicht prolife-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.

 

 

 

 

rative diabetische Retinopathie)

 

 

 

 

2. Schwere, nicht proliferative

 

 

Retinopathie/präproliferative

 

 

 

diabetische Retinopathie

 

 

 

 

 

 

 

Es finden

sich viele Mikroa

neurysmen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

und viele intraretinale Blutungen in

 

allen vier

Quadranten oder perlsehnur-

 

artige Venen in mindestens

 

zwei

 

 

 

 

Quadranten

oder intraretinale

mikro-

 

 

 

 

 

 

 

vaskuläre

Anomalien

(IRMA,

Shunts

 

und

Veno-

zwischen

retinalen Arteriolen

len) in

mindestens einem

Quadranten

 

("4-2-1-Regel", I Abb. 2).

Man findet

 

auch Cotton-wooi-Flecken

und sieht in

 

der Fluoreszenzangiografie

 

Kapillar-

 

untergän ge und avaskuläre

 

Zonen.

 

 

3. Diabetische Makulopathie

 

 

 

 

Die Veränd erungen betreffen auch die

 

Makula mit

Ödem, intraretinalen

Blu-

 

 

 

 

tungen

und

harten Exsudaten

. Dies ist

 

der häufigste Grund für

 

 

 

 

 

 

 

 

 

-

 

ein e Sehver

 

schlech terung vor allem

bei Typ-li-

 

 

Diabetikern. Häufi g find et sich

eine

 

Ci rcinata-Figur (I Abb. 3)

. Aus dem

 

zystoiden Makulaöd em kann sich ein

 

Makulaschichtloch entwickeln.

 

 

 

 

 

4. Proliferative diabetische

 

 

 

 

 

Retinopathie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie tritt beim Typ-I-Diabetiker

häufiger

 

auf als

beim

Typ-li-Diabetiker.

Die

Ge-

 

Erkrankungen des

inneren

Auges

56

I

57

fäßproliferate

gehen von den Venolen

aus

und finden

sich

meist an Papille

(neovascularization

of the

disc = NVD,

I Abb. 4) und

entlang der

Gefäßbogen

(neovascularization

elsewhere =NVE).

Mit den Gefäßneu bildungen wachsen

auch fibrovaskuläre

Membranen in die

Netzhaut oder in den Glaskörper

ein.

Diese Membranen können

sich kontra-

hieren und so zu einer Traktions-

ablatio führen.

 

In Phasen

hormon eller

Umstellung, wie Pubertät

oder Schwan-

gerschaft, schreitet die proliferative dia-

betische Retinopathie schneller fort.

Komplikationen: Häufige Komplikatio-

nen sind Glaskörperblutungen,

Trak-

tionsablatio der Netzhaut und

Netz-

hautforamina.

Durch Diffusion gelangt

in ischämischen

Netzhautarealen

gebil-

deter VEGF auch in die Vorderkammer

des

Auges und

führt

dort zu Neovasku-

larisationen an

der Iris (Rubeosis iri-

dis) und im Kammerwinkel, wodurch

sich ein sekundäres

Neovaskularisa-

tionsglaukom bilden kann (s. S.

71 ).

In I

Abbildung 5 sind die Lokalisationen

der

Veränderungen bei diabetiseher Re-

tinopathie an

der

Netzhaut dargestellt.

Therapie und Prognose: Die diabeti-

sche Retinopathie kann bisher nicht me-

dikamentös behandelt werden. Therapie

der

Wahl ist die panretinale Laser-

koagulation

(s. S. 27). Die Indikation

zu dieser Behandlung ist gegeben, wenn

sich bei nicht proliferativer diabetiseher

Retinopathie in der

Fluoreszenzangio-

grafie minderperfundierte

Gebiete zei-

gen. Eine Laserkoagulation bei großen

ischämischen

Netzhautarealen kann die

Progression zur proliferativen Retino-

pathie verhindern. Bei rezidivierenden

Glaskörperblutungen und

bei Traktions-

ablatio muss eine

Vitrektomie durchge-

führt werden,

häufig ist dann eine intra-

okulare Gasoder Silikonöltamponade

zur Stabilisierung der Netzhaut nötig. Es

stehen auch Antikörper gegen VEGF

(z. B. Avastin, Lucentis) zur intravitrea-

len

Injektion

zur

Verfügun g, die bisher

allerdings für

den

Einsatz

bei diabeti-

-

Glaskörper

oberflächliche -

-ä--

-.:n•

Blutung

 

 

Exsudat

 

 

 

Zapfen

1.1--+-+---

Stäbchen

 

 

 

Gefäß-Leckage

Gefäßverschlüsse - •

Ischämie

 

 

 

• punktund flammen-

tiefe Punktblutung

 

 

 

 

fö rmige Blutungen

Cotton-wooi-Herde

 

 

 

 

·Ödem

Perlschnurvenen

 

 

 

 

Neovaskularisationen - • Glas-

 

 

 

• Exsudate

 

 

 

 

 

körper und präretinale Blutungen

I

Abb.

5:

Veränderungen bei diabetiseher Retinopathie.

 

scher Retinopathie noch nicht offiziell

zugelassen sind (off-labe! use). Das dia-

betische Makulaödem kann durch eine

fokale Laserkoagulation und intra-

vitreale Injektion eines langwirksamen

Kortikosteroids (Triamcinolon) gebessert

werden.

 

Nebenwirkungen der panretinalen Laser-

koagulation können bei zu ausgeprägter

Koagulation epiretinale Gliose und kon-

zentrische Gesichtsfeldeinschränkung

sein.

 

Typ-I-Diabetiker müssen ab fünf

Jahren

nach Krankheitsbeginn jährlich,

ab zehn

Jahren nach Krankheitsbeginn und in

der Pubertät und Schwangerschaft vierteljährlich augenärztlich untersucht werden. Typ-li-Diabetiker sollten ebenfalls jährlich, bei Zeichen einer Nerzhautveränderung vierteljährlich untersucht werden. Kann durch diese regelmäßigen Kontrollen eine adäquate Lasertherapie erfolgen und wird der Blutzucker optimal eingestellt, so ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Sehverlusts kleiner als 5 %!

 

 

 

 

 

 

 

 

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Zusammenfassung

Die diabetische Retinopathie ist in der westlichen Welt die häufigste

 

Erblindungsursache bei Personen mittleren Alters.

Die Erkrankung lässt sich in nicht proliferative und proliferative diabetische

 

Retinopathie einteilen. Sehstörungen treten erst in fortgeschrittenen

 

Stadien bzw. im Rahmen von Komplikationen auf und sind dann schwer zu

 

behandeln.

Bei regelmäßigen Funduskontrollen des Diabetikers und rechtzeitiger

 

Lasertherapie lässt sich in den meisten Fällen ein schwerer Sahverlust

 

abwenden.

Erkrankungen

des

inneren

Auges

581 59

die Sehschärfe nach einigen Monaten

(geringgradig)

wieder.

Eine

häufige

Ursache für eine bleibende

Beeinträch-

tigung des Sehens

ist ein chronisches

Makulaödem.

 

 

 

 

 

 

 

 

Retinale Arterienverschlüsse

Ein retinaler

Arterienverschluss ist ein

seltenes Ereignis. Betroffen sind vorwie-

gend ältere Patienten.

Der Verschluss

der Zentralarterie

oder eines Zentral-

arterienasts ist meist durch eine Embo-

lie bedingt. Hauptemboliequelle sind

atheromatöse

Plaques der Karotisbifur-

kation, aber auch

eine verkalkte Aorten-

klappe oder Thromben

an der Mitral-

klappe bei Vorhofflimmern kommen in-

frage. Bei einer Endocarditis lenta

 

können bakterielle Embolien entstehen.

Selten kann eine Riesenzellarteriitis (Ar-

teriitis temporalis) die

Ursache

für

einen

Zentralarterienverschluss sein (

~

Blut-

körperchensenkungsgeschwindigkeit

bestimmen!).

Auch lokale Wandverän-

derungen v. a.

im

Bereich der

Lamina

cribrosa kommen

als Ursache

für

einen

arteriellen Verschluss

infrage (I

Abb. 1).

Da Netzhautarterien Endarterien

ohne

Kollateralen

sind,

zieht ein Verschl uss

des Gefäßes

den Untergang des nach-

geschalteten Netzhautareals nach sich.

Die Neurone sind nach 60-90 Minuten

Ischämie irreversibel geschä digt.

 

Klinik: Es kommt zu einer plötzlichen

schmerzlosen Sehverschlechterung auf

dem betroffenen Auge , bei manchen Pa-

tienten tritt als Prodrom eine

Amaurosis

fugax auf. Bei einem Zentralarterien-

verschluss kommt es

zur plötzlichen

Erblindung.

Wird

die

Makula

über die

anatomische Variante eines zilioretina-

len Gefäßes

versorgt (leider selten) ,

bleibt die zentrale Sehschärfe

erhalten.

In der Fundoskopie sieht man bei einem

Zentralarterienverschluss ein

milchig-

weißes Netzhautödem,

die Fovea ist als

kirschroter Fleck zu

sehen.

Da

hier

Ganglienzell-

und

Nervenfaserschicht

zur Seite verlagert sind

und somit kein

ödemfähiges

Gewebe vorhanden

ist,

sieht man die

rötliche

Aderhaut durch-

schimmern.

Die retinalen Gefäße

sind

verengt und

zeigen eine segmentierte

Blutsäule (I

Abb .

3). Manchmal kann

man auch die das Gefäß versch ließen-

den Em boli sehen (I Abb. 4). Bei Verschluss eines Arterienasts treffen die genannten Veränderungen nur für das von ihm versorgte Netzhautareal

ZU . Therapie und Prognose: Man versucht, die Durchblutungssituation durch Bulbusmassage, Erweiterung der Blutgefäße durch Gabe von lsosorbiddinitrat sublingual (die Wirksamkeit von gefäßerweiternden Medikamenten ist umstritten), Senkung des Augeninnendrucks (Acetazolamid} sowie durch isovolämi - sche Häm odilution zu verbessern. Bei Erfolglosigkeit wird nach 20 Minuten der Augeninnendruck durch Ablassen von Kammerwasser aus der Vorderkammer durch Parazentese gesenkt und evtl. eine systemische intravenöse Lysetherapie du rchgeführt. Es besteht neuerdings auch die Möglichkeit einer selektiven Fibrinolyse. Hier wird vom interventionellen Radiologen über einen perkutan in ein großes arterielles Gefäß

eingebrachten Katheter direkt die

A. ophthalmica sondiert und ein Fibrino-

lytikum inji ziert. Beide Verfahren sind

mit erheblichen Risiken verbunden, so-

dass eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Ab-

wägung stattfinden muss. Bei Verdacht

auf eine Riesenzellarteriitis werden zur

Prophylaxe eines Zentralarterienver-

schlusses am anderen Auge hoch dosiert

Steroide verabreicht.

Soweit in einem

zeitlich vertretbaren

Rahmen möglich,

sollte vor Einleitung der Therapie eine

Biopsie der ipsilateralen A. temporalis

zur Diagnosesicherung angestrebt

werden. Es muss nach Emboliequellen

gefahndet und Risikofaktoren müssen

ausgeschaltet werden.

Insgesamt ist die Prognose bezüglich

des Sehvermögens trotz maximaler

Therapie aufgrund der kurzen Ischämie -

toleranz-Zeit der Netzhaut bei einem

Zentralarterienverschluss oder einem

Arterienastverschluss mit Affektion der

Makula schlecht.

 

I Abb. 3: Zentrala rte rienversc hluss mit Netzhaut-

 

 

 

ödem, kirschrotem Fleck der Makula und Segmen-

I

Abb . 4: Cholesterinemboli in Netzhautarterie.

[5]

tierung der Blutsäule in verengten Gefäßen. ]5]

 

 

 

Zusammenfassung

Retinale Venenverschlüsse zählen zu den häufigsten Erblindungsursachen

 

älterer Menschen.

Die Akuttherapie besteht in isovolämischer Hämodilution, auf längere Sicht

 

muss bei Auftreten von Neovaskularisationen eine Laserkoagulation durch-

 

geführt werden. Die Prognose ist relativ gut.

*C

Retinale Arterienverschlüsse sind selten. Bei einem Zentralarterien-

 

verschluss imponiert die Fovea als kirschroter Fleck.

Die Prognose hinsichtlich des Sehvermögens ist schlecht, da reperfusions-

 

fördernde Maßnahmen meist zu spät kommen.

Stadium G):

Demarkationslinie zwischen

 

 

 

vaskulärer und avaskulärer

II

 

 

Netzhaut

 

 

I

Stadium ®:

Erhabene Leiste an der

 

 

 

Demarkationslinie

 

Stadium G):

Fibrovaskuläre Proliferation

in

 

 

Richtung Glaskörp er

 

Stadium @: Subtotale Netzhautablösung

Stadium @

: Vollständ ige Netzhautablös ung

 

 

mit tunnelfö rmiger Netzhaut-

 

 

schrumpfung

 

Erkrankungen des inneren Auges 60 I 61

I Abb. 4: Stadien der Frü hgeborenen-Retin o· path ie.

Netzhaut wieder anzulegen. lm Stadium Vist das Auge irreversibel erblind et.

Morbus Coats (Retinitis exsudativajretinale Teleangiektasien)

Dies ist eine idiopathische, hauptsächlich bei mä nnlichen Jugendlichen auf· tretende Störung des Wandbaus der retinalen Blutgefäße mit Ausbildung von Teleangiektasien und Aneurysmen. Durch Stör ung der Blut-Retina-Schranke bilden sich großfläc hige harte Exsudate aus, die neben Arealen mit Kapillarektasien liegen (I Abb. 5). Es komm t meist zu einer exsudativen Netzhautablösung. Die Erkrankung wird zum

Teil erst durch einen hellen Fundus· reflex (Leukokorie ~ DD Retinoblas· tom) entdeckt.

Therapie und Prognose: Laseroder Kryokoagulation . Die Prognose ist relativ ungü nstig.

Sichelzellretinopathie

Im Verlauf der in Europa seltenen Sichelzellerkrankung können die verformten Erythrozyten kleine Netzhautgefäß e verschließen. Durch die nachfolgende Ischämie der Netzhaut kommt es zu Neovaskularisationen,Glaskörpe rblutungen und Traktionsablatio. Therapeutisch wird eine fokale oder panretinale Laserkoagulation durchgefüh rt.

I Abb . 5:

M. Coats.

Harte

(6)

Exsudate

m

it

Kapill arek tasien bei

Zusammenfassung

ac

Bei

den

hypertensiven

Fundusveränderungen

unterscheidet

man

eine

Retinopathia

angiospastica,

welche

in

vier

Stadien

unterteilt

wird

,

und eine

arteriosklerotische Retinopathie.

Bei der Frühgeborenen -Retinopathie kommt es zu einer Schädigung der noch nicht voll ausgereiften Netzhaut, v. a. im Zusammenhang mit einer

Sauerstoffbeatmung.

Morbus Coats: idiopathische Störung des Wandbaus retinaler Blutgefäße

mit Bildung von Teleangiektasien und Aneurysmen.

Bei einer Sichelzellerkrankung kann die Netzhaut mitbetroffen sein (evtl. Netzhautischämien mit Neovaskularisationen).