Добавил:
kiopkiopkiop18@yandex.ru t.me/Prokururor I Вовсе не секретарь, но почту проверяю Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:

Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / BASICS Augenheilkunde 2 auflage_Patzelt_2009

.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
28.03.2026
Размер:
29.32 Mб
Скачать

Erkrankungen der Tränenorgane

Zu den Tränenorganen zählen

die Trä-

nendrüse und die ableitenden

Tränen-

wege. Erkrankungen äußern sich in

einem Zuviel oder Zuwenig an

Produk-

tion bzw. Abfluss der Tränen .

 

 

Der Schirmer-Test erlaubt die

Üb erprü-

fung auf ausreichende Produktion der

wässrigen Phase des Tränenfilms . Dabei

wird ein Filterpapierstreifen in das tem-

porale Unterliddrittel eingelegt.

Nach

fünf

Minuten sollen mindestens 15 mm

des

Streifens befeuchtet sein. [I Abb. 1).

Durch Bestimmen der Tränenfilmauf-

risszeit (Normwert> 10 Sek.) kann die

Muzinschicht des Tränenfilms

beurteilt

werden.

 

 

I

Abb.

1:

Schirmer-Test.

[61

Das trockene AugejKerato-

conjunctivitis sicca

 

 

 

Die Keratoconjunctivitis sicca ist eine

Benetzungsstörung von Horn-

und Bin-

dehaut mit dadurch bedingter

Reizung

und

 

Entzündung des Auges. Es kann

jede der drei

Phasen des Tränenfilms be-

troffen sein, also die Lipidphase (chron.

Blepharitis), die wässrige Phase (Trä-

nendrüsenaplasie, Sjögren-Syndrom,

Leukämie etc.) oder die Muzinschicht

(Vitamin-A-Mangel, Stevens-Johnson-

Syndrom, chronische Konjunktivitis,

Verätzung). Die Keratoconjunctivitis

sicca kommt mit zunehmendem Alter

und

bei Frauen häufiger als bei

Männern

vor.

Medikamente wie z. B. östrogen-

haltige Präparate, Betablocker oder topi-

sche

Kortikoide beeinflussen Menge

und

Zusammensetzung des Tränenfilms .

Klinik: Neben der Trockenheit klagen

die Patienten

über Fremdkörpergefühl

und

Brennen.

Bei schweren Formen

entstehen punktförmige Erosionen des

Hornhautepithels (Keratitis superficia-

lis punctata, I Abb. 2) und Epithel-

fäden

(Keratitis filiformis).

Durch die

Reizung der Augenoberfläche kann es

paradoxerweise zu Epiphora kommen.

Therapie: Das Auge wird durch Appli-

kation künstlicher Tränen

(z. B.

 

Methyl-

hydroxypropylcellulose =

Hypromellose,

Hyaluronsäure ) feuchtgehalten .

Ein

Versch luss der Tränenpünktchen

(tem-

porär

mi t Silikonstöpseln oder dauerhaft

durch

Kauterisation) kann sinnvoll sein,

um die vorhandenen Trän en möglichst

lange

im Auge zu halten .

 

 

 

Nach neuerem pathophysiologischem

Verständnis spielt ein chronischer Ent-

zündungsprozess der Augenoberfläche

bei der Entstehung und Aufrechterhal-

tung des trockenen Auges eine zentrale

Rolle. Deshalb zielt ein neuer Therapie-

ansatz darauf,

diesen Entzündungs-

prozess durch lokale immunmodulieren-

de Med ikamente wie Ciclosporin zur

unterdrücken .

 

Das tränende Auge

Das Tränen des Auges wird als Epipho-

ra bezeichnet.

Verantwortl ich dafür ist

entweder eine

Hypersekretion der Trä-

nendrüse oder, häufiger, eine wie auch

immer geartete Tränenabflus sstö rung.

Für eine Hypersekretion können neuro-

gene und psychische Ursachen oder

eine Reizung der Augenoberfläche

(Fremdkörper, Entropium mit Trichiasis)

verantwortlich sein. Ursachen für

Ab-

flussstörungen sind im Folgenden

er-

klärt. Auch Adenokarzinome des Na-

senraums können

sich in Form eines

Tränenwegsverschlusses äußern, wenn

sie in den Tränen sack einwachsen.

Angeborene Stenosen der

 

abführenden Tränenwege

 

Bei Neugeborenen stellt die Hasner-

Kiappe den häufigsten Ort einer Stenose

dar. Normalerweise öffnet sie sich

am

Ende der Schwangerschaft bzw. in den

ersten Lebensmonaten.

 

 

Klinik: Es kommt in den ersten Lebens-

wochen neben Epiphora zu Rückstau

von Schleim und Eiter am inneren Lid-

winkel.

 

 

 

 

Therapie und Prognose: Durch

Mas-

sage des Tränensacks kann versucht

werden, die Klappe zu öffnen. Gelingt

dies nicht, ist eine

Sondierung oder eine

Überdruckspülung

angezeigt. Es kommt

auf das Timing der

Therapie an:

Die

Sondierung sollte nicht vor dem

12. Le-

bensmonat erfolgen, da die spontane

Kanalisation in ungefähr 95 %der

Fälle

erfolgt. Erfolgt die Therapie zu spät,

kann es bereits zu irreversiblen Ver-

klebungen in den ableitenden Tränen-

wegen gekommen sein.

 

 

Erworbene Stenosen der

 

 

abführenden Tränenwege

 

Hauptursache für erworbene Stenosen

der abführenden

Tränenwege sind

 

Infektionen und

Verletzungen .

 

 

I

Abb.

2: Mit Fluor-

eszein

gefärbte Epithel-

erosionen bei Kerato-

conjunclivitis sicca. ]61

Erkrankungen

des

äußeren

Auges

341 35

Klinik: Neben

Epiphora abhängig von der Ursache.

Therapie und

Prognose: Bei Verletzungen muss versucht

werden, die Tränenwege durch Intubation und

Schienung

mit einem Silikonschlauch offen zu halten. Gelingt dies nicht

oder sind die Tränenwege z. B. durch Entzündungen ver-

wachsen, stehen verschiedene operative Verfahren zur Ab·

Ieitung der Tränen zur Verfügung.

 

Canaliculitis

 

Entzündung der Tränenkanälchen durch Infektion mit Pilzen,

Bakterien oder

Viren. Besonders oft sind Aktinomyzeten die

Übeltäter.

 

 

Klinik: Meist ist nur ein Canaliculus betroffen.

Das Tränen -

pünktchen ist hochrot entzündet, geschwollen

und schmerz-

haft (I Abb. 3).

Steinharte Konglomerate (Dakryolithen) befin-

den sich in den

Kanälchen, weißer Eiter tritt bei Druck auf

den Tränensack aus dem Tränenpünktchen.

 

Therapie und

Prognose: Die Konglomerate werden

operativ entfernt, die Tränenkanälchen mit Antibiotikalösung

gespült.

 

 

Dacryocystitis acuta

 

Es handelt sich um eine Entzündung des Tränensäckchens

(I Abb. 4). Zugrunde liegt meist eine Abflussstörung mit Be-

siedlung durch

Bakterien (oft Pneumokokken).

Klinik: Die Gegend des Tränensacks ist schmerzhaft ge-

schwollen und

gerötet. Beeinträchtigung des Allgemein-

befindens und Fieber sind möglich.

 

Therapie und

Prognose: Es werden systemisch Antibiotika

nach Antibiogramm gegeben und lokal desinfizierende feuch-

te Umschläge appliziert. Bei starker Schwellung wird das

Tränensäckchen eröffnet, um den Eiter zu entleeren. Kompli·

kationen sind Phlegmone, Sepsis und Sinus-cavernosus-

Thrombose. Nach Abheilung muss meist operiert werden,

da es durch die weiter bestehende Abflussstörung zu Rezidi-

ven kommen kann. Dabei wird eine Fistel zwischen Tränen-

sack und Nasenraum angelegt (Dakryozystorhinostomie/

Toti-Operation).

 

I

Abb.

3:

Canaliculitis links oben.

[6]

kungen (Mumps, Masern, Röteln , Influenza, Mononukleose)

auf.

 

Die Dacryoadenitis chronica ist durch eine schmerzlose

einoder beidseitige Schwellung der Tränendrüse

charakteri-

siert. Es kann eine lokale Infektion mit Bakterien

oder Pilzen

vorliegen, es müssen aber auch granulomatöse Erkrankungen

wie z. B. Sarkoidose, Tuberkulose oder Leukämien in Betracht

gezogen werden.

 

Die Therapie besteht jeweils in der Behandlung der Grund-

erkrankung.

 

I Abb.

4:

Akute Dakryozystitis.

116]

 

 

Dacryocystitis chronica

Bei der Dacryocystitis chronica handelt es sich um eine

Schleimhautentzündung des verschlossenen Tränensacks

nach akuter Entzündung oder primär.

Klinik: Einseitige Epiphora, vorgewölbter Tränensack.

Therapie und Prognose: Es muss eine Toti·Operation (s.o.)

durchgeführt werden.

 

Entzündungen der Tränendrüse

Typisch für Entzündungen der Tränendrüse (Dakryoadeni-

tis) ist ihre Schwellung, was

zu paragrafenförmiger Ver-

engung der Lidspalte führt.

Eine schmerzhafte Dacryoade-

nitis acuta tritt meist einseitig bei systemischen Viruserkran-

Zusammenfassung

Keratoconjunctivitis slcca: Alle drei Phasen des

 

Tränenfilms können gestört sein.

Tränendes

Auge: Meist liegt eine Abflussbehinderung

 

der Tränen

zugrunde.

Tränenabflussbehlnderung: Die Stenose kann im

·

gesamten Verlauf der Tränenwege lokalisiert sein.

Entzündung der TränendrGse: Sie führt zu einer para-

 

grafenförmlgen Verengung der Lldspalte.

Erkrankungen des äußeren Auges

36

I

37

nen ebenso in geringem Maße vorkommen wie eine Motilitätsstörung.

Therapie und Prognose: Die Unterscheidung von einem echten Tumor ist auch mit einer CT oft nicht möglich. Unter einer Kortisontherapie bessern sich die Beschwerden rasch, was auch differenziald iagnostische Bedeutung hat Starke Schmerzen sprechen eher gegen einen echten Orbitatumor.

Endokrine Orbitopathie

Im Rahmen der Hyperthyreose bei

Morbus Basedow kann

 

es durch einen

Autoimmunprozess zu entzündlichen

Veränderunge n mit lymphozytärer In-

filtration von orbitalem Fettgewebe und

geraden Augenmuskeln und letztlich

zur Fibrose des Orbitainhalts und der

Lider kommen.

 

 

Klinik: Die typischen Symptome umfas-

sen die sog. Merseburger Trias mit

Exophthalmus (meist beidseitig, I Abb. 3),

weicher Struma und Tachykardie. Die

Mitbeteiligung des Auges kommt bei

etwa 10 %der Schilddrüsenkranken vor.

Die Symptome am Auge können sehr

vielfä ltigsein und sich u. a. auch in Au-

genmotilitätsstörungen (Veränderungen

an den Augenmuskeln), Retraktion des

Oberlids (Dalrymple-Zeichen: Sklera

über dem Limbus corneae sichtbar;

Graefe-Zeichen: Zurückbleiben des Lids

bei Blicksenkung: Stellwag-Zeichen:

seltener Lidschlag) und Schädigung des

Sehnervs durch Kompression äußern.

Therapie und Prognose: Die Stellung

der Diagnose erfolgt interdisziplinär zu-

sammen mit dem Internisten bzw.

Endokrinologen. Die Therapie der

Schilddrüsenerkrankung

ist dabei sehr

wichtig. Der Exophthalmus kann mit

systemischen Kortikosteroiden und evtl.

einer Röntgenbestrahlung

der Orbita-

spitze behandelt werden,

auch der Ver-

such einer Immunsuppression mit Ciclo-

sporin Aist möglich. Wenn sich schon

eine Fibrose entwickelt hat, bleibt der

Exophthalmus oft bestehen, es besteht

dann die Möglichkeit einer chirurgi-

schen Dekompression der Orb ita durch

Eröffne n der knöchernen

 

Orbitawänd e.

Diese Operation wir von

manchen

Ärzten auch als primäre

Behandlungs-

method e bevorzugt

 

 

I

Abb.

3:

Endokrin e Orbitopathie: Beidseitiger Exophthalmu s mit Li dretrak tion. 1111

Verletzungen der Orbita

Blow-out-Fraktur

 

Bruch des Orbitabodens bei Gewaltein-

wirkung auf den Bulbus.

 

Siehe hierzu Seite 82.

 

Tumoren der Orbita

 

Der häufigste gutartige Orbitatumor so-

wohl bei Kindern als auch bei Erwach-

senen ist das Hämangiom.

Bei Erwach-

senen tritt es als kavernöses

Häm-

angiom auf, bei Kindern meist als

kapilläres Hä mangiom. Das kapilläre

Hämangiom bildet sich meist spontan

zurück, der Prozess kann durch eine

Laserkoagulation oder eine Kortison-

behandlung beschleunigt werden. Oft

führt der Tumor bei entsprechender

Größe zu einer Verlagerung des Bulbus oder drückt auf den Sehnerv. In diesem Fall muss er operiert werden.

Der häufigste maligne primäre Orbitatumor im Kindesalter ist das embryonale Sarkom (Rhabdomyosarkom).

Der Tumor geht von den äußeren Augenmuskeln aus, ist äußerst maligne und wächst sehr schnell. Wegen der entzündlichen Symptomatik stellt sich oft die Differenzialdiagnose einer Orbitaphlegmone. Das embryonale Sarkom führt zu einem monströsen Exophthalmus. Es erfolgt eine Computertomografie bzw. eine Kernspintomografie. Die Diagnose muss bioptisch gesichert werden, es folgen Staginguntersuchungen zum Ausschluss von Metastasen. Die Therapie erfolgt mittels Chemotherapie und Bestrahlung, eine chirurgische Entfernung ist meist nicht nötig.

Zusammenfassung

Der pulsierende Exophthalmus wird durch eine Karotis-Sinus-cavernosus-

 

Fistel ausgelöst, der intermittierende durch Orbitavarizen.

Orbitaphlegmone: Die bakterielle Entzündung muss dringlich behandelt

 

werden, da es zu einer lebensbedrohlichen Sinus-cavernosus-Thr'ombose

 

kommen kann.

Endokrine Orbitopathie: Meist beidseitiger Exophthalmus bei weicher

 

Struma und Tachykardie.

Blow-out-Fraktur: Bruch des Orbitabodens bei Gewalteinwirkung auf den

 

Bulbus.

Das Hämangiom ist der häufigste gutartige Orbitatumor.

Der häufigste maligne primäre Orbitatumor bei Kindern Ist das

 

Rhabdomyosarkom.

Infektiöse Konjunktivitis

Die Leitsymptome einer infektiöse n Konjunktivitis sind im

Folgend en angegeben, eine Diagnosesicherung erfolgt nur in

schweren Fällen und bei V. a. Keratoconjunctivitis epidemica

(s

. u.) mittels Abstrich zur mikrobiologischen Untersuchung:

II> Rotes Auge (konj unktivale In jektion)

11>

Sekretion (wä ssrig, schleimig oder eitrig)

II>

Bindehautschwellung (Chemosis )

II>

Follikel: Lymphozytenansammlungen in der Bindehaut.

Sie imponieren als kuppige Vorwölbun gen der Bindehaut mi t

einem glasigen Zentrum (I Abb. 1).

II>

Papillen: polygonale, pflastersteinartig abgeplattete Vor-

wölbungen der Bindehaut. Im Zentrum jeder Erhebung be-

find et sich ein feines Gefäßbäumch en (I Abb. 2).

II>

Lichtscheu (Fotophobie), verstärk ter Tränenfluss

(Epiphora) und krampfhafter Lidschluss (Blepharospasmus)

find en sich in wechselndem Ausmaß.

 

Erreger

Spezielle Symptome, Kllnlk

 

Grampositive Erreger

 

 

 

1>- Staphylokokken (Staph . aureus, Stap h.

1>- Vor allem Staph. aureus: schleimige

 

 

epidermidis)

 

Sek retion

 

1>- Streptokokken

1>- Blephari ti s ulcerosa

 

1>- Pneumokok ken

1>- Hämo rrhagien der Bindehaut, einsei-

 

 

 

 

tiger Beginn

 

Gramnegative Erreger

 

 

 

1>- Pseudomonas aeru ginosa

1>- Grün lich-gelber, zä h haftender

 

 

 

 

Sch leim;

 

 

 

 

foudroyanter Verlauf;

 

 

 

 

Gefa hr der Hornhautperforation!

 

1>-

Haemophilus influenzae

1>-

Seröse oder mukopurulente Sekretion

 

1>-

Neisseri a gonorrhoeae (Neugeborene!)

1>-

Eitrige, verklebte Lid er

I

Tab. 1: Erreger und erregerspezifisc h e Sympto me bei b akterie ll er Konj unk-

t ivit is.

 

 

Bakterielle Konjunktivitis

 

Häu fige Erreger der bakteriellen Konjunktivitis sind

mit der

erregerspezifischen Klinik in I Tabelle 1 aufgeführt.

 

Therapie und Prognose: Die meisten bakteriellen Konj unk-

tivitiden verlaufen selbstlimitierend . Ein Abstrich wird nur in

schweren oder unklaren Fälle n genommen, um die

Therapie

gezielt auf das wirksamste Antibiotikum korrigieren

zu kön -

nen. Ansonsten wird die Behandlung sofort mit antibioti-

schen Augentropfen und -salben breiten Spektrums (z. B.

Ofloxacin, Gentamicin, Erythromycin) begonnen. In leichten

Fällen sollen die Tropfen fünf mal tä glich, in schweren Fällen

stün dlich angewandt werd en. Abends wird eine Salbe ver-

abreicht.

 

Virale Konjunktivitis

 

Als Erreger kommen viele pathogene Vire n in Betracht, wobei

Adenoviren (Keratoconjunctivitis epidemica, s. u.) und Her-

pes-Viren die häufigsten Auslö ser sind.

 

Klinik: Sehr ansteckend! Die virale Konjunktivitis ist oft mit

einem fieberhaften Infekt kombiniert. Das Sekret ist

überwi e-

gend serös . Man find et regelmäßig Subkonjunktivale Blutungen. Der Erregernachweis ist schwierig.

Therapie und Prognose: Eine spezifische Therapie ist nicht mö glich. Die Beschwerden könn en mit antiphlogistischen

Augentropfen gelindert werd en. Kortisonhaltige Augentropfen sind kontraindiziert, da sie die Viruselimination verzögern . Zur Verhind erung einer Superi nfektion werden antibiotische Augentropfen gegeben.

Keratoconjunctivitis epidemica

Die Entzündun g wird durch Adenoviren Typ 8 oder Typ 19 hervorgerufen.

Klinik: Die Erkrankung beginn t an einem Auge mit Schwellung der Bindehaut (besond ers von Karunkel und von Plica semil unaris) und Rötun g, Juckreiz und starkem Fremdkörpergefühl. Die Sekretion ist zunä chst wä ssrig, später schleimig. Es kann auch zu Bindehau thäm orrhagien kommen. Häufig sind die ipsilateralen prä aurikulären und submand ibulären Lymphknoten geschwollen. Nach ein paar Tagen wird auch das and ere Auge befallen. Typisch ist eine Hornhautbeteili-

1

Abb.

1:

Bin

d

eh

au tfoll ik eL [ 5]

I

Abb .

2:

Bind

e

ha

utp

ap

ill en

(

Ri

ese npap illen) .

161

Chlamydienkonjunktivitis

und Ophthalmia neonatorum

 

Chlamydienkonjunktivitis

Trachom

Chlamydia-Spezies sind obligat intrazelluläre Bakterien, sie kö nnen sich extrazellulär nicht vermehren. Sie kommen in zwei Formen vor: extrazellulär als robuster Elementarkörp er und in trazellulär als vermehrungsfähiger und fragiler Retikularkör per.

Unterschiedliche Serotypen von Chlamydia trachomatis sind die Erregerzweier unterschiedlicher Formen der Konjunktivitis.

In Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen

rufen

 

die Serotypen A-C das Trachom hervor. Es wird neben dem

direkten Kontakt mi t Augenoder Nasensekreten durch Flie-

gen übertragen, die sich in die Lidwinkel von Kindern

setzen

und so den Erreger von Mensc h zu Mensch tragen. Das Tra-

chom wurde früher wegen des häu figen Auftretens in Ä gyp-

ten und wegen der kornfö rmigen Bindehautfollikel als "ägyp-

tische Körnerkrankheit" bezeichnet.

 

Einschlusskörperchenkonjunkt ivitis

 

 

 

 

In Lä ndern mit guten hygienischen Bedingungen rufen die

Serotypen D - K die sog. Einschlusskö rperchenkonjunktivitis

(auch Paratrachom , Schwimmbadkonjunktivitis) hervor. Als

Einschlusskörp erehen werden die mikroskopisch

in

abge-

schabten und nach Giemsa gefär bten Epithelzellen

nachweis-

 

 

 

baren Retikularkörperehen bezeichnet.

 

 

 

 

Es handelt sich um eine okulogenitale Infektion. Die Erreger

werden beim Geschlechtsverkehr übertragen und

gelangen

üb er die Händ e ins Auge. Die Übert ragung durch

infektiöses

Badewasser ist heute eher selten.

 

 

 

 

Klinik: Die Erkrankung beginnt mit der Absonderung eines

Sekrets am betroffene n Auge. Es bilden sich große

Follikel am

Fornix [I Abb. I), die bis zum Limbus fortschreiten

könn en.

Peri phere Hornhautinfiltrate können sich ausbilden.

Ebenso

 

 

kann es zum Einsprossen von Blutgefäß en arn oberen Horn -

hautrand kommen. Die Patienten leid en an ein er berührun gs-

empfindlichen Lymphadenopathie.

Konjunkti-

Therapie und Prognose: Unbehandelt wird die

vitis chronisch, heilt jedoch in der Regel nach drei

bis zwölf

Monaten ab. Die Behandlung erfol gt lokal mit Tetrazyklin-

Augentropfen oder Erythromycin-Augensalbe und

systemisch

mit

Azithromycin oder Doxycyclin. Die systemische Therapie

soll

nicht vor der obligaten urogenitalen Untersuchung

erfol·

 

gen.

 

 

 

 

 

Klinik: Di e Erkrankung beginnt meist schon in der Kindheit

mit ei ner unspezifischen serösen Konjunktivitis.

Bald kommt

es zu einer Bildung von Follikeln an der tarsalen

Bindehaut,

welche sch ließlich platzen und ein infektiöses Sekret ent-

leeren.

Es

kommt zu einer konjunktivalen Narbenbildung

[I Abb.

2).

Durch die Vernarbung wird die Lid kante nach

innen gezogen (Entropium cicatriceum , I Abb. 3). Durch

 

 

 

 

-

chronisches Scheuern der Wimpern auf der Hornhautober

fläc he bildet sich unter dem Epithel der Hornhaut ein gefäß-

ha ltiges Granulationsgewebe [Pannus).

 

 

Therapie und Prognose: Lokale Gabe von Tetrazyklin-

Augensalbe, systemische Therapie mit

Azithromycin bzw.

Erythromycin. In Entwicklungsländern

kommt es durch die

schlechten hygienisch en Bedingungen zu häufi gen Reinfek-

tionen, wodurch das Auge allmählich immer meh r geschädigt

wird. Dies

führt durch Vernarbung und Vaskularisation der

Hornhaut schließlich zu Erblindung. Deshalb ist die Berei t-

stellung einer hygienischen Infrastruktur (ausreichende

Wasserversorgung) in diesen Länd ern zur Bewältigung des

Trachoms unabdingbar.

 

 

-

I

Abb.

l :

Große

Binde

hautfoll

ik

el bei

Ein

sch

lu

sskörpe rchenkonjunktivitis . [61

I

Abb.

2: Vernarbung

der

Bi

nd

ehaut

bei

chronischem Trachom.]5]