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423

25

 

25.2 · Die wichtigsten Augenerkrankungen in Entwicklungsländern

25.2.4 Xerophthalmie und Keratomalazie

Definition, Ursache

Xerophthalmie und Keratomalazie sind Vitamin-A- Mangelerscheinungen am Auge, die zur Erblindung führen können.

Epidemiologie

Blindheit durch Mangelernährung ist auch heute noch ein weltweites Problem. Mangelernährung verursacht ein Vitamin-A-Defizit, als dessen Folge Nachtblindheit, Xerose der Bindehaut, Hornhautxerose oder -ein- schmelzungresultieren.InAsienentwickelnschätzungsweise 5–10 Mio. Kinder jährlich Xerophthalmie-Zei- chen, davon 5–10% mit Hornhautbeteiligung.

Ätiologie, Pathogenese

Die Krankheit entsteht, wenn der Vitamin-A-Speicher der Leber entleert ist und der Vitamin-A-Gehalt des Serums unter 10 mg% fällt (normal 30–40 mg%). Proteinmangel infolge von Mangelernährung verstärkt die Erkrankung durch Fehlen des Transportproteins. Vitamin A ist ein essentieller Bestandteil von Rhodopsin, dem Sehpigment der Stäbchen. Es wird außerdem für die Aufrechterhaltung der normalen Epithelstrukturen gebraucht. Die Bindehaut reagiert mit Metaplasie des Epithels und Verlust der Becherzellen, die Hornhaut mit Auflösung von Kollagen und Keratozyten. Durchfallerkrankungen und Maserninfektion können die Krankheit zum Ausbruch bringen oder verstärken.

Symptome, Befunde

Zunächst entsteht eine Nachtblindheit. Die Kinder sitzen bei Dämmerung in einer Ecke, weil sie ihre Spielsachen nicht mehr finden und sich nicht mehr orientieren können. Bei grenzwertigem Vitamin-A-Mangel kann die Nacht-Sehschärfe sehr stark schwanken, je nachdem, wie stark die Ausbleichung am Tage war. Die Nachtblindheit kann innerhalb 24 Stunden durch Vi- tamin-A-Gabe beseitigt werden.

Es kommt zu einer Xerose der Bindehaut. Die Bindehaut trocknet aus und metaplasiert (. Abb. 25.5). Auf der Bindehaut entstehen im Lidspaltenbereich temporal dreieckige, leicht prominente Areale mit schaumiger Oberfläche, die sog. Bitot-Flecken, eine Ansammlung von abgeschilfertem Keratin vermischt mit saprophytischen Erregern.

Ein weiteres Symptom ist die Xerose und Einschmelzung der Hornhaut. Nach einer oberflächlichen Keratitis punctata entsteht schnell eine Keratinisierung der Hornhautoberfläche mit Hornhautschwellung (. Abb. 25.6). Ulzerationen führen zur lokalisierten

a

b

. Abb. 25.5a, b. a Xerophthalmie mit Konjunktivitis durch chronischen Vitamin-A Mangel bei einem Kind (Dr. Muños, Panama), b Xerose der temporalen Bindehaut bei Vitamin-A- Mangel (aus Krieglstein et al. 1999)

. Abb. 25.6. Xerose der Hornhaut mit Keratinisierung an beiden Augen (Sammlung Tropenophthalmologie, Prof. V. Klaus, München)

Einschmelzung und Hornhautperforation, die durch die Iris tamponiert wird (Keratomalazie).

Therapie

Die Therapie mit 2-maliger oraler Gabe von 200000 IE Vitamin A oder 100000 IE Vitamin-A intramuskulär ist ausreichend, effektiv und billig. Vitamin-A-Augen-

424 Kapitel 25 · Tropenophthalmologie, Ophthalmologie in Entwicklungsländern

tropfen können den Heilungsprozess beschleunigen. Langfristig müssen Ernährungssituation und Proteinmangel verbessert sowie Darminfektionen ausgeschaltet werden. Die Prophylaxe sollte nicht nur die Risikokinder in Gebieten mit Mangelernährung, sondern auch schwangere Frauen einschließen. Durch flächendeckende Masernimpfung konnte die Häufigkeit der Xerophthalmie um ca. 50% gesenkt werden.

25.2.5 Katarakt in Entwicklungsländern

25

Die Grundlagen der Katarakt und deren Behandlung sind im Kap. 9 beschrieben.

Epidemiologie

Die Katarakt tritt in manchen Regionen der Welt in jüngerem Lebensalter auf als bei uns, insbesondere in Afrika, Indien und den angrenzenden asiatischen Ländern (. Abb. 25.7). Wahrscheinlich sind hierfür genetische, aber auch Umweltfaktoren, vor allem schlechte oder einseitige Ernährung und UV-Bestrahlung von Bedeutung. Obwohl die Katarakt im Prinzip »heilbar« ist, nämlich durch Operation beseitigt werden kann, ist in den armen Ländern die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung ein logistisches und infrastrukturelles Problem. So kommt es, dass die Katarakt nach wie vor zu den häufigsten, obwohl vermeidbaren Erblindungsursachen gehört. Viele arbeitsfähige Menschen werden so dem Arbeitsprozess entzogen.

. Abb. 25.7. Angeborene Katarakt bei einem schwarzen Kind. Nur durch frühzeitige Operation kann eine lebenslange Sehschwäche (Amblyopie) verhindert werden. Die Operationstechnik ist in Entwicklungsländern nur ausnahmsweise verfügbar (Prof. Dr. R. Guthoff, Rostock)

Therapie

In den Entwicklungsländern wird heute nur noch ausnahmsweise die intrakapsuläre Kataraktoperation mit Brillenversorgung ausgeführt. Die extrakapsuläre Kataraktoperation mit oder ohne Hinterkammerlinsenimplantation ist Standard, die Phakoemulsifikation dagegen wegen zu hoher Geräteund Verbrauchskosten meist nur in Privatkliniken üblich. Die extrakapsuläre Kataraktoperation kann in Krankenhäusern, zuweilen auch in »Eye Camps« ausgeführt werden. Die Produktion der Intraokularlinsen im eigenen Land reduziert die Kosten der Operation auf 30–50 US $. Die in den Entwicklungsländern tätigen Augenchirurgen sind oft äußerst geschickt und können unter einfachen Bedingungen sichere und erfolgreiche Kataraktoperationen ausführen.

In Kürze

Trachom. Das Trachom ist eine Chlamydieninfektion des äußeren Auges, die nach wie vor die Hauptursache der Erblindung in Entwicklungsländern darstellt. Die Prophylaxe ist durch Waschen des Gesichtes, die Behandlung durch Tetrazyklinoder Erythromycin-Augensalbe möglich. Im Narbenstadium muss eine Entropiumoperation des Oberlides erfolgen.

Lepra. Bei Lepra ist die Beteiligung der Augen hoch. Die lepromatöse Uveitis wird entweder akut durch Hyperimmun-Reaktion oder durch direkten Befall der Augennerven ausgelöst. Eine Behandlung ist mit lokalen Steroiden oder systemischen Lepramitteln möglich.

Onchozerkose. Die Onchozerkose ist eine Filariose, die durch die Simulium-Mücke übertragen wird. Die Mikrofilarien dringen in das Auge ein und führen über eine chronische Uveitis, über Hornhautnarben oder durch Optikusneuritis und -atrophie zur Erblindung. Eine Behandlung ist heute durch ein spezifisch wirksames Mittel, das Ivermectin, möglich, das nur 1–2u pro Jahr per os eingenommen werden muss.

Xerophthalmie. Die Xerophthalmie ist eine vermeidbare Vitamin-A-Mangelerkrankung mit Nachtblindheit und Hornhauteinschmelzung, die durch Vitamin-A-Substitution, proteinreiche Ernährung und durch Behandlung von Darminfektionen und Masernimpfung vermieden werden kann.

26

Medikamente und Nebenwirkungen

26.1

Lokalanästhetika

– 426

26.2

Mydriatika

– 426

 

26.3

Antibiotika

– 426

 

26.4

Virustatika

– 426

 

26.5

Kortisonpräparate

– 436

26.6

Nichtsteroidale Antiphlogistika – 436

26.7

Antiallergika

– 436

26.8

Vasokonstriktiva

– 436

26.9

Glaukommittel – 437

26.10Künstliche Tränen, Benetzungsmittel, hornhautpflegende

Augentropfen und -salben – 437

26.11 Augenschäden durch Medikamente – 437

26.12Kontraindikationen von ophthalmologischen

 

Medikamenten

– 437

26.12.1

Schwangerschaft

– 437

26.12.2

Stillperiode – 437

 

26.13

Augenschäden durch Gifte – 437

426 Kapitel 26 · Medikamente und Nebenwirkungen

> > Einleitung

In der Augenheilkunde werden die meisten Medikamente als Augentropfen angewendet, da viele Substanzen gut durch die Hornhaut ins Augeninnere penetrieren. Über diesen Weg werden höhere Gewebekonzentrationen erreicht als mit systemischer Applikation und systemische Nebenwirkungen lassen sich weitgehend vermeiden.

In diesem Kapitel werden die Anwendungsgebiete kurz vorgestellt und erläutert. Die einzelnen Substanzen sind in . Tabelle 26.1 aufgelistet und erläutert. In . Tabelle 26.2 sind Hinweise auf Augenschädi-

26 gung, Kontraindikationen sowie Nebenwirkungen von nichtopthalmologsichen Medikamenten am Auge zu finden. . Tabelle 26.3 führt Augenschäden bei Vergiftungen und Überdosierung von Medikamenten auf.

26.1Lokalanästhetika

In der Augenheilkunde kann durch Lokalanästhetika als Augentropfen eine gute Oberflächenanästhesie, insbesondere der Bindeund Hornhaut erreicht werden. In Tropfanästhesie sind auch kleinere Operationen möglich, z.B. die Entfernung eines oberflächlichen Hornhautfremdkörpers oder die Naht einer Bindehautwunde. Wirken die Lokalanästhetika länger ein, penetrieren sie in die Vorderkammer. Die dadurch erzielte Anästhesie ist für Kataraktoperationen geeignet. Anästhetika können außerdem direkt in die Vorderkammer gegeben werden, wodurch schmerzfrei an der Regenbogenhaut operiert werden kann.

Für die Augeninnendruckmessung ist eine kurze Lokalanästhesie der Hornhautoberfläche notwendig, damit die Berührung mit dem Druckmesskörperchen nicht schmerzhaft ist und der Patient die Lider nicht zusammenkneift.

!Lokalanästhetika dürfen nicht »zu Händen des Patienten« werden. Tropft der Patient, z.B. bei Schmerzen aufgrund eines Hornhautulkus unkontrolliert Lokalanästhetika, kann es schnell zu einer Hornhautperforation und zum Verlust des Auges kommen. Lokalanästhetika bewirken bei häufiger Anwendung auch ohne schon bestehende Hornhautläsion eine Auflockerung des Hornhautepithels, was wiederum Beschwerden auslöst. Der Patient wird erneut Lokalanästhetika tropfen, so dass schließlich eine Hornhauterosio entsteht.

26.2Mydriatika

Mydriatika werden zur diagnostischen Pupillenerweiterung und zur Ruhigstellung von Iris und Ziliarkörper bei inneren Augenentzündungen angewendet. Für die diagnostische Pupillenerweiterung verwendet man ein kurzwirksames Parasympatholyticum, meist Tropicamid, welches den Sphincter pupillae lähmt. Wenn eine starke Mydriasis, z.B. zur Untersuchung der peripheren Netzhaut erforderlich ist, wird Tropicamid mit Phenylephrin, einem Sympathomimetikum, kombiniert, das den Dilatator pupillae anspannt. Für die Zykloplegie zur Skiaskopie bei Kindern eignen sich Cyclopentolat, das relativ kurz, aber ausreichend stark wirkt, sowie Atropin, dessen Wirkung aber länger anhält und bei dem durch systemische Resorption nicht selten Tachykardie und Unwohlsein entstehen. Bei Entzündungen des Augeninneren (Iritis, Iridozyklitis) gibt man am besten

Scopolamin oder Atropin zur Ruhigstellung der Ziliarund Irismuskulatur.

26.3Antibiotika

Augentropfen sind vor allem bei bakteriellen Infektionen der Augenoberfläche wirksam. Der Keim muss durch einen Abstrich nachgewiesen und seine Resistenz bestimmt werden. Gentamicin ist bei sehr vielen Keimen wirksam. Chloramphenicol penetriert durch die Hornhaut und dringt ins Augeninnere ein, wird heute aber nur noch selten eingesetzt. Tetrazyklin und Erythromycin sind Mittel der Wahl bei Chlamydieninfektionen des Auges. Bei Kleinkindern oder Säuglingen soll nur Erythromycin gegeben werden. Die Gyrasehemmer Norfloxacin und Ofloxacin sind breit wirksame lokale Antibiotika. Als Pilzmittel ist nur Natamicin als Handelspräparat erhältlich, Amphothericin B oder Voriconazol (VFEND ) kann aber vom Apotheker als Augentropfen hergestellt werden.

26.4Virustatika

Virustatika werden bei Herpes simplex und Herpes zoster des Auges eingesetzt. Trifluorthymidin wirkt nur oberflächlich, also bei Keratitis dendritica durch Herpes simplex Virus und wird nur noch selten verwendet. Aciclovir dringt in die Hornhaut und die Vorderkammer ein und ist deshalb das Mittel der Wahl bei tiefen HSV-Infektionen und bei Herpes zoster.

26.4 · Virustatika

427

26

 

 

 

. Tabelle 26.1. Die wichtigsten opthalmologischen Medikamente (diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständig-

keit und gibt Präparatenamen nur beispielhaft wieder)

 

Anwendungsgebiete

Wirkstoffe

Handelspräparate

Anmerkungen/

Augenschädigungen/

 

 

 

Wirkungen

Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

Lokalanästhetika

Oxybuprocain

Conjuncain-EDO£

ohne Konservie-

Bei falscher Anwen-

 

 

Novesine

rungsstoffe

dung vom Patienten

 

Proxymetacain

Proparakain-POS£

 

kann ein Hornhaut-

 

 

0,5%

 

ulkus mit Hornhaut-

 

Tetracain

Ophtocain£-N

stark wirksam

perforation die Folge

 

 

 

 

sein.

 

 

 

 

 

Mydriatika

Atropin 0,5%,

Atropin-POS £

Parasympatholyti-

Auslösen eines akuten

 

1%

 

kum, wirkt stark

Winkelblockglaukoms

 

 

 

über 6–10 Tage,

bei engem Kammer-

 

 

 

bei intraokularen

winkel

 

 

 

Entzündungen

 

 

Scopolamin

Boro-Scopol£ N

Parasympatholyti-

kann bei Kindern

 

0,25%

 

kum, wirkt stark

wie Atropin

 

 

 

über 2–5 Tage,

Halluzinationen

 

 

 

bei starken

hervorrufen

 

 

 

Entzündungen

 

 

Cyclopentolat

Cyclopentolat

Parasympatholyti-

kann bei Kindern

 

 

0,5%£ /1%£,

kum, zur kurzen

wie Atropin

 

 

Zyklolat-EDO £

Zykloplegie für die

Halluzinationen

 

 

 

Skiaskopie bei

hervorrufen

 

 

 

Kindern

 

 

Tropicamid

Mydrum£,

Parasympatholyti-

Trotz kurzer Wirkung

 

 

Mydriaticum

kum zur diagnos-

kann bei engem

 

 

Stulln£

tischen Mydriasis

Kammerwinkel ein

 

 

 

 

Glaukomanfall

 

 

 

 

ausgelöst werden

 

Phenylephrin

Neosynephrin-

Sympathomimeti-

Bei zu häufiger

 

 

POS£ 5% /10%

kum zur diagnos-

Anwendung sind

 

 

 

tischen Mydriasis,

sympathomimetische

 

 

 

zur maximalen

Kreislaufreaktionen

 

 

 

Mydriasis in

möglich (Blutdruck-

 

 

 

Kombination mit

steigerung)

 

 

 

Tropicamid

 

 

 

 

 

 

a1-Rezeptoren-

Dapiprazol 0,5%

Benglau£

wirkt antagonis-

Nur zum gelegentlichen

blocker

 

 

tisch zu

Gebrauch geeignet

(zur Umkehrung

 

 

Phenylephrin

 

der Phenylephrin-

 

 

 

 

Mydriasis)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antibiotika

Chloram-

Thilocanfol£,

penetriert ins

sehr geringe Gefahr der

 

phenicol

Thilocanfol£ C,

Augeninnere, gut

Agranulozytose

 

Azidamfenicol

Terramycin

bei resistentem

 

 

 

 

Staph. epidermidis

 

 

 

 

 

 

428

Kapitel 26 · Medikamente und Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

. Tabelle 26.1 (Fortsetzung)

 

 

 

 

 

 

Anwendungsgebiete

Wirkstoffe

Handelspräparate

Anmerkungen/

Augenschädigungen/

 

 

 

 

 

 

Wirkungen

Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gentamicin

Gentamytrex£,

Standardanti-

bei sehr häufiger

 

 

 

 

 

Gentamicin-POS£,

biotikum, breites

Anwendung

 

 

 

 

 

Refobacin£,

Wirkungsspektrum

Epitheltoxizität

 

 

 

 

Kanamycin

Kanamytrex£

schmales Wirkungs-

 

 

 

 

 

 

 

spektrum

 

 

 

 

 

Tobramycin

Tobramaxin£

Wirkungsspektrum

 

 

 

 

 

 

 

ähnlich Gentamicin

 

 

 

 

 

Chlortetracyclin

Aureomycin£

gegen Chlamydien,

Nicht bei Kleinkindern

26

 

 

 

 

 

 

 

 

Trachom;

wegen der Gefahr der

 

 

 

 

 

 

Augensalbe

Einlagerung in die

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zähne anwenden,

 

 

 

 

 

 

 

besser Erythromycin!

 

 

 

 

Oxytetracyclin

Oxytetracyclin-AS

wie Tetracyclin

Nicht bei Kleinkindern

 

 

 

 

 

Jenapharm£

 

wegen der Gefahr der

 

 

 

 

 

 

 

Einlagerung in die

 

 

 

 

 

 

 

Zähne anwenden,

 

 

 

 

 

 

 

besser Erythromycin!

 

 

 

 

Erythromycin

Ecolicin£

Chlamydien bei

gute Lokalverträg-

 

 

 

 

 

 

Kindern, Trachom

lichkeit, auch für

 

 

 

 

 

 

 

Kinder geeignet.

 

 

 

 

Ciprofloxacin

Ciloxan£,

Gyrasehemmer,

gute Lokalverträg-

 

 

 

 

Ofloxacin

Floxal£

breites Wirkungs-

lichkeit

 

 

 

 

 

 

spektrum

 

 

 

 

 

Natamicin

Pima-Biciron£ N

Pilzmittel enthält

 

 

 

 

 

Neomycin

Nebacetin£

außerdem Bacitracin

 

 

 

 

 

Polymyxin B

Polyspectran£

enthalten noch

 

 

 

 

 

 

 

andere Antibiotika,

 

 

 

 

 

 

 

breites Wirkungs-

 

 

 

 

 

 

 

spektrum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Virustatika

Trifluorthymidin

Triflumann£ AS,

oberflächliches

bei sehr häufiger An-

 

 

 

 

 

AT

Virustatikum für

wendung toxische Wir-

 

 

 

 

 

 

Herpes-simplex-

kung auf das Hornhaut-

 

 

 

 

 

 

Infektionen

pithel, wirkt nur ober-

 

 

 

 

 

 

(Keratitis dendritica)

flächlich virustatisch

 

 

 

 

Aciclovir

Zovirax£

Salbe, Virustatikum

gute Lokalverträg-

 

 

 

 

 

 

für Herpes simplex

lichkeit

 

 

 

 

 

 

und Herpes zoster

 

 

 

 

 

 

 

des Auges, penetriert

 

 

 

 

 

 

 

durch die Hornhaut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kortisonpräparate

Dexamethason

Dexapos£,

stark wirksames

Augeninnendruckstei-

 

 

 

 

 

Dexa-sine £,

Steroid

gerung häufig, (insbe-

 

 

 

 

 

Spersadex£,

 

sondere bei Myopie),

 

 

 

 

 

Isopto-Dex£

 

kann bei langer Anwen-

 

 

 

 

 

 

 

dung Katarakt fördern

 

 

 

 

 

 

 

 

26.4 · Virustatika

 

 

 

 

429

 

26

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

. Tabelle 26.1 (Fortsetzung)

 

 

 

 

 

 

 

 

Anwendungsgebiete

Wirkstoffe

Handelspräparate

Anmerkungen/

Augenschädigungen/

 

 

 

 

 

Wirkungen

Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prednisolon

Inflanefran£,

stark wirk-

Augeninnendrucksteige-

 

 

0,12%/1%

Inflanefran forte£,

sames Steroid

rung häufig (insbesonde-

 

 

 

Ultracortenol£

 

 

re bei Myopie), kann bei

 

 

 

 

(Salbe)

 

 

langer Anwendung

 

 

 

 

 

 

 

Katarakt fördern

 

 

 

Betamethason

Betamethason£

mittelstarke

Augeninnendruck-

 

 

 

 

HEXAL

Wirkung

steigerung möglich,

 

 

 

 

 

 

 

kann Katarakt fördern

 

 

 

Fluorometholon

Efflumidex £,

mittelstark wirk-

kaum augeninnen-

 

 

 

 

 

sames Steroid

drucksteigernd

 

 

 

Hydrocortison

Hydrocortison

schwach wirk-

steigert den Augen-

 

 

 

 

POS£

sames Steroid

innendruck kaum

 

 

 

 

Ficortril£ AT, AS

 

 

 

 

 

 

 

Rimexolon

Vexol£

starkes Steroid

soll keine Augendruck-

 

 

 

 

 

 

 

steigerung hervorrufen

 

 

 

 

 

 

 

(gilt nicht immer)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kombinierte

Dexamethason +

Spersadexolin £

Augentropfen

Wegen Steroidwirkung

 

 

Antibiotika und

Chloramphenicol

 

 

 

bei unklaren Entzün-

 

 

Kortisonpräparate

 

 

 

 

dungen nur kurzzeitig

 

 

 

Dexamethason +

Isopto-Max£

Augentropfen

anwenden

 

 

 

Neomycinsulfat

 

 

 

 

 

 

 

 

Dexamethason +

Dexamytrex£

Augensalbe und

 

 

 

 

 

Gentamicin

 

Augentropfen, häufig

 

 

 

 

 

 

 

als postoperative

 

 

 

 

 

 

 

Medikation geeignet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nichtsteroidale

Flurbiprofen

Ocuflur £

wässrige

gute lokale Verträg-

 

 

Antiphlogistika

Diclofenac

Voltaren ophtha£

Suspension

lichkeit

 

 

 

Ketorolac

Acular£

 

 

 

 

 

 

 

Olopatadin

Opatanol£

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antiallergika/

Cromoglicin-

Allergocrom£,

Stabilisierung der

Konservierungsmittel-

 

 

Vasokonstriktiva

säure

Opticrom£,

Mastzellen, bei

freie Präparate sind in

 

 

 

 

Dispacromil-sine £, Heuschnupfen-

dieser Erkrankungs-

 

 

 

 

Vividrin£

konjunktivitis und

gruppe vorzuziehen

 

 

 

 

 

Conjunctivitis

 

 

 

 

 

 

 

vernalis, auch

 

 

 

 

 

 

 

prophylaktisch und

 

 

 

 

 

 

 

im Intervall

 

 

 

 

 

Lodoxamid-

Alomide£

 

 

 

 

 

 

 

Tromethamin

 

 

 

 

 

 

 

 

Tramazolin,

Biciron£,

Vasokonstriktive

Initiale Vasokonstriktion

 

 

 

Naphazolin,

Tele-Stulln£

Mittel, die nur vo-

wird von Gefäßweitstel-

 

 

 

Xylometazolin,

Visine£-Yxin£

rübergehend ge-

lung gefolgt, die zu häu-

 

 

Tetryzolin

 

nommen werden

figerer Anwendung veran-

 

 

 

 

dürfen (Gefahr der

lasst und dann das Krank-

 

 

 

 

reaktiven Hyper-

heitsbild verschlechtert.

 

 

 

 

 

ämie)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

430

Kapitel 26 · Medikamente und Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

. Tabelle 26.1 (Fortsetzung)

 

 

 

Anwendungsgebiete

Wirkstoffe

Handelspräparate Anmerkungen/

Augenschädigungen/

 

 

 

Wirkungen

Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

Glaukommittel (Es werden nur Einzelsubstanzen aufgelistet, zahlreiche Kombinationspräparate sind im Handel)

 

 

Betablocker

 

 

gute lokale Ver-

kontraindiziert bei

 

 

(alphabetisch

 

 

träglichkeit

Asthma bronchiale,

 

 

geordnet)

 

 

 

schwerer Herzinsuffi-

 

 

 

 

 

 

zienz, AV-Block 2. und

 

 

 

 

 

 

3. Grades, Vorsicht auch

 

 

 

 

 

 

bei leichteren kardio-

26

 

 

 

 

 

pulmonalen Erkrankun-

 

 

 

 

 

gen, systemische Re-

 

 

 

 

 

 

sorption beachten

 

 

 

Betaxolol

Betoptima £

selektiver

trotz weitgehend selek-

 

 

 

 

 

E1-Blocker

tiver E1-Wirkung bei

 

 

 

 

 

 

Asthma bronchiale

 

 

 

 

 

 

verboten

 

 

 

Carteolol

Arteoptic£

intrinsisch sym-

Trotz ISA bei Asthma

 

 

 

 

 

pathomimetische

bronchiale verboten

 

 

 

 

 

Aktivität (ISA)

 

 

 

 

Levobunolol

Vistagan£

durch Benetzungs-

 

 

 

 

 

Liquifilm

mittel bessere lokale

 

 

 

 

 

 

Verträglichkeit

 

 

 

 

Metipranolol

Betamann£

unspezifischer

 

 

 

 

 

 

E1/E2-Blocker

 

 

 

 

Pindolol

Glauco-Stulln£

intrinsisch sym-

eingeschränkte lokale

 

 

 

 

 

pathomimetische

Verträglichkeit

 

 

 

 

 

Aktivität, unspezifi-

 

 

 

 

 

 

scher E1/E2-Blocker

 

 

 

 

Timolol

Chibro-Timoptol£,

E1/E2-Blocker, am

 

 

 

 

 

dispatim£,

häufigsten verord-

 

 

 

 

 

Tim-Ophtal£,

nete Betablocker-

 

 

 

 

 

Timomann£,

Augentropfen

 

 

 

 

 

Timohexal£,

 

 

 

 

 

 

Timo-COMOD£

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sympatho-

Dipivalylepi-

Glaucothil£,

wirkt über Verbesse-

Häufig rotes Auge

 

 

mimetica

nephrin

d-Epifrin£

rung der Abfluss-

(reaktive Hyperämie),

 

 

 

(Dipivefrin)

 

fazilität (Trabekel-

da nach anfänglicher

 

 

 

 

 

werk und uveoskleVasokonstriktion immer

 

 

 

 

 

raler Abfluss), keine

kurzfristiger eine Gefäß-

 

 

 

 

 

Akkommodations-

erweiterung erfolgt.

 

 

 

 

 

störung, bessere Pe-

 

 

 

 

 

 

netration als Adre-

 

 

 

 

 

 

nalin, geringe Gefahr

 

 

 

 

 

 

allgemeiner Neben-

 

 

 

 

 

 

wirkungen, da nur

 

 

 

 

 

 

1/10 der Adrenalin-

 

 

 

 

 

 

menge enthalten ist,

 

 

 

 

 

 

indiziert bei Asthma-

 

 

 

 

 

 

tikern

 

26.4 · Virustatika

 

 

 

 

431

 

26

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

. Tabelle 26.1 (Fortsetzung)

 

 

 

 

 

 

 

 

Anwendungsgebiete

Wirkstoffe

Handelspräparate

Anmerkungen/

Augenschädigungen/

 

 

 

 

 

Wirkungen

Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Clonidin

Isoglaucon£

höhere Konzen-

Blutdrucksenkend bei

 

 

 

 

1/8%, 1/4%, 1/2%,

trationen senken

Konzentrationen

 

 

 

 

Dispaclonidin£

Blutdruck

>1/8%, wegen Lipo-

 

 

 

 

Clonid-Ophtal£

 

 

philie zentralnervös

 

 

 

 

 

 

 

wirksam

 

 

 

Apraclonidin

Iopidine£

kurzfristig wirk-

weniger Blutdruck-

 

 

 

 

 

sam, indiziert bei

senkung als Clonidin,

 

 

 

 

 

Druckanstieg

aber Allergisierungs-

 

 

 

 

 

nach Laserbehand-

rate hoch, weniger

 

 

 

 

 

lung

zentralnervös wirksam

 

 

 

 

 

 

 

als Clonidin

 

 

 

Brimonidin

Alphagan£

wirkt stärker als

Lokale Allergisierung

 

 

 

 

 

Clonidin, längere

möglich, aber weniger

 

 

 

 

 

Wirkungsdauer

als Apraclonidin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Karboanhydrasehemmer

 

 

Hemmung der

Nebenwirkungen bei

 

 

 

 

 

Kammerwasser-

systemischer Gabe:

 

 

 

 

 

produktion, bei

Kaliummangel, Azidose,

 

 

 

 

 

systemischer Appli-

Kribbeln in den Fingern,

 

 

 

 

 

kation sehr effektive

Geschmacksstörungen.

 

 

 

 

 

Drucksenkung,

Langfristige Nebenwir-

 

 

 

 

 

Unverträglichkeiten

kungen: Blutbildverän-

 

 

 

 

 

bei systemischer

derungen möglich,

 

 

 

 

 

Dauertherapie,

Nierenkoliken bei Pa-

 

 

 

 

 

auch als Augen-

tienten mit Nieren-

 

 

 

 

 

tropfen gute

steinen möglich

 

 

 

 

 

Verträglichkeit

 

 

 

 

 

Dorzolamid

Trusopt£ Augen-

Karbonanhydrase-

teilweise eingeschränkte

 

 

 

tropfen

hemmer, der durch

Verträglichkeit durch

 

 

 

 

 

gute Hornhautpene-

Brennen, Augenrötung

 

 

 

 

 

tration eine lokale

 

 

 

 

 

 

 

Therapie ermöglicht.

 

 

 

 

 

 

 

Es wird eine Ver-

 

 

 

 

 

 

 

besserung der oku-

 

 

 

 

 

 

 

lären Perfusion ver-

 

 

 

 

 

 

 

mutet.

 

 

 

 

 

Brinzolamid

Azopt£-Augen-

2 u tägliche

gute lokale Verträg-

 

 

 

 

tropfen

Anwendung

lichkeit

 

 

 

Acetazolamid

Diamox Tbl£,

besonders bei

bei längerer Einnahme

 

 

 

 

Diamox retard

Glaukomanfall

Geschmacksstörungen

 

 

 

 

Kps£, Diamox

geeignet, Sekundär-

(Metallgeschmack),

 

 

 

 

parenteral i.v.£,

glaukom. Retard-

Kribbeln der Finger,

 

 

 

 

Glaupax£

Kapseln bei hoher

Azidose, Provokation

 

 

 

 

 

Dosierung besser

von Nierensteinen,

 

 

 

 

 

verträglich

Müdigkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

432

Kapitel 26 · Medikamente und Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

. Tabelle 26.1 (Fortsetzung)

 

 

 

 

 

Anwendungsgebiete

Wirkstoffe

Handelspräparate

Anmerkungen/

Augenschädigungen/

 

 

 

 

 

 

Wirkungen

Nebenwirkungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prostaglandin-

Latanoprost

Xalatan£

PG-F2D-Derivat,

keine systemischen

 

 

derivate

 

 

sehr starke Augen-

Nebenwirkungen, bei

 

 

 

 

 

 

drucksenkung, wirkt

längerem Gebrauch

 

 

 

 

 

 

durch Verbesserung

Braunfärbung der Iris,

 

 

 

 

 

 

des uveoskleralen

verstärktes Wimpern-

 

 

 

 

 

 

Abflusses (Erweite-

wachstum, wird bei ent-

 

 

 

 

 

 

rung der Septen

zündlichen Sekundär-

 

 

 

 

 

 

des Ziliarmuskels)

glaukomen weniger

26

 

 

 

 

 

 

empfohlen

 

 

 

Travoprost

Travatan£

ähnliches

ähnliches Neben-

 

 

 

 

Bimatoprost

Lumigan£

Wirkungsprofil

wirkungsprofil

 

 

 

 

 

 

 

 

ähnliches

ähnliches Neben-

 

 

 

 

 

 

Wirkungsprofil

wirkungsprofil

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Parasympatho-

 

 

Augeninnendruck-

Pupillenverengung,

 

 

mimetika

 

 

senkung durch

Akkommodations-

 

 

 

 

 

 

Verbesserung des

spasmus mit Schmerzen

 

 

 

 

 

 

Kammerwasser-

und Myopisierung bei

 

 

 

 

 

 

abflusses: Ziliar-

jüngeren Patienten,

 

 

 

 

 

 

muskelkontraktion

Öffnung der Blut-Gefäß-

 

 

 

 

 

 

bewirkt Entfaltung

schranke, Hyperämie;

 

 

 

 

 

 

des Trabekelwerks

bei Überdosierung mit

 

 

 

 

 

 

und des Schlemm-

systemischer Resorption:

 

 

 

 

 

 

Kanals

gastointestinale Neben-

 

 

 

 

 

 

 

wirkungen, Schwitzen

 

 

 

 

Pilocarpin

Pilomann£,

Standardmittel

 

 

 

 

 

 

Pilopos£

 

 

 

 

 

 

 

0,5%–3%,

 

 

 

 

 

 

 

Pilocarpin-

Als Öl oder als Gel

wegen Pupillen-

 

 

 

 

 

Augenöl 2% £,

längere Wirkungs-

engstellung nur noch

 

 

 

 

 

Spersacarpin£

dauer

für ältere Patienten

 

 

 

 

 

 

 

mit Kunstlinse geeignet

 

 

 

 

 

 

 

(keine Sehverschlechte-

 

 

 

 

 

 

 

rung durch enge Pupille

 

 

 

 

 

 

 

bei klarer Kunstlinse,

 

 

 

 

 

 

 

keine Akkommoda-

 

 

 

 

 

 

 

tionsstörung)

 

 

 

 

Carbachol

Carbamann £,

stärker augen-

stärkere Neben-

 

 

 

 

 

Isopto-

drucksenkend als

wirkungen als

 

 

 

 

 

Carbachol£

Pilokarpin, wirkt

Pilokarpin, nur noch

 

 

 

 

 

 

sowohl am Rezeptor

selten indiziert

 

 

 

 

 

 

als auch durch

 

 

 

 

 

 

 

Hemmung der

 

 

 

 

 

 

 

Cholinesterase

 

 

 

 

 

Neostigmin

Präparate nur im

Cholinesterase-

verstärkte Nebenwirkun-

 

 

 

 

 

Ausland erhältlich

Hemmstoff, starke

gen, heute nur in Aus-

 

 

 

 

 

 

Wirksamkeit

nahmefällen indiziert