Ординатура / Офтальмология / Немецкие материалы / Augenheilkunde 29 auflage_Grehn_2006
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3.3 · Untersuchung des Auges an der Spaltlampe
Abb. 3.7. Spaltlampe der Firma Haag-Streit. Der rechte Schwenkarm trägt das binokulare Mikroskop (schwarz, horizontal), der andere Schwenkarm (Bildmitte) die Beleuchtungseinrichtung (weiß und schwarz, vertikal). Beide Arme lassen sich in einem beliebigen Winkel zueinander verstellen. Der Patient sitzt hinter der Spaltlampe (links im Bild die Kinnstütze). Die ganze Spaltlampe lässt sich an dem Handgriff (rechts unten) verschieben
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Abb. 3.8. Spaltlampe der Fa. Zeiss. Linker Schwenkarm, hell: Mikroskop, Mitte, schwarz: Spaltbeleuchtung
des Schwenkarmes in unterschiedlichem Winkel einfallen lässt und die Breite des Lichtspaltes variiert. Meist verwendet man eine 6- bis 16fache Vergrößerung.Wenn man eine starke Sammellinse (+78 oder +90 dpt) vorschaltet oder ein Kontaktglas auf die Hornhaut setzt, kann man auch Glaskörper, Netzhaut und Papille binokular mikroskopieren.
Abb. 3.9. Untersuchung des Augenvorderabschnitts an der Spaltlampe. Das Lichtbündel der Spaltlampe kommt von rechts. Das schmale rechte Lichtbündel ist der optische Schnitt durch die Hornhaut. Das Lichtbündel der Iris leuchtet oben und unten hell auf. Hinter der Iris liegt die Linse, die im optischen Schnitt gut zu erkennen ist
42 Kapitel 3 · Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen
3.4Untersuchungsmethoden der Netzhaut
3.4.1 Ophthalmoskopie ( Kap. 2)
33.4.2 Spaltlampenmikroskopie der Netzhaut
Direkte Spaltlampenmikroskopie der Netzhaut mit dem Kontaktglas. Hierzu dient das Dreispiegelglas nach Goldmann. Es wird nach Lokalanästhesie auf die Augenoberfläche aufgesetzt und hebt die Brechkraft der Hornhaut auf, da seine vordere Oberfläche plan ist. Dadurch ist es möglich, mit dem Spaltlampenmikroskop den Augenhintergrund zu betrachten. Das Kontaktglas enthält eine zentrale Durchblickzone sowie drei schräggestellte Spiegel, die es erlauben, die Netzhautperipherie zu untersuchen. Diese Methode ist für die Diagnose und Therapie peripherer Netzhautrisse und für die Beurteilung feinster zentraler Netzhautveränderungen unerlässlich.
Indirekte Spaltlampenmiskroskopie der Netzhaut. Durch Vorhalten einer 78- oder 90-dpt-Lupe vor das Auge oder eines Panfundoskops (eines Kontaktglases mit gewölbter Oberfläche), sieht man ein umgekehrtes reelles Bild der Netzhaut, das mit dem Spaltlampenmikroskop vergrößert wird und einen größeren Überblick erlaubt als das Kontaktglas nach Goldmann. Das Panfundoskop eignet sich besonders für die Laserkoagulation.
3.4.3Fluoreszenzangiographie der Netzhaut
Sie dient der Diagnostik bei Gefäßerkrankungen des Auges.Nach intravenöser Bolus-Injektion eines fluoreszeierenden Farbstoffs strömt dieser in die Gefäße des Auges ein,in die Aderhautgefäße früher als in die Netzhautgefäße, da die Aderhaut stärker durchblutet ist.DieVerteilung des Farbstoffs in den Netzhautund Aderhautgefäßen lässt sich mittels einer Funduskamera mit speziellen Farbfiltern darstellen und dokumentieren ( Abb. 3.10).
Fluoreszein (in 10%iger Lösung) wird durch blaues Licht zur Fluoreszenz angeregt. Seine Ver-
Abb. 3.10. Fluoreszenzangiographie des normalen Augenhintergrundes mit Fluoreszein, das in die Armvene injiziert wurde. Nach wenigen Sekunden passiert es bereits die Arterien der Netzhaut und die Venen beginnen sich anzufärben. Die Aderhautgefäße sind zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig gefüllt
teilung in den retinalen Gefäßen stellt z.B. Mikroaneurysmen bei Diabetes, Defekte des Pigmentepithels oder pathologische Aderhautgefäße (»chorioidale Neovaskularisationen« = CNV) dar. Hierbei tritt Fluoreszein aus den Gefäßen ins Gewebe aus. Die Angiographie mit Fluoreszein macht also pathologischeVeränderungen sichtbar,die mit dem Augenspiegel oft nur schwer oder gar nicht erkennbar sind, und erleichtert die Differenzialdiagnose von Degenerationen, Tumoren und Entzündungen der Netzhaut und Aderhaut.
Indozyanin-Grün wird durch Infrarotlicht zur Fluoreszenz angeregt.Deshalb werden auch pathologische Gefäßveränderungen der Aderhaut sichtbar, die bei kürzeren Wellenlängen durch Absorption des Lichtes im Pigmentepithel der Netzhaut unsichtbar bleiben.Indozyanin-Grün ist stärker an Protein gebunden, kann daher nicht aus den Aderhautgefäßen austreten und stellt somit die Aderhautgefäße selektiver dar.
3.5 · Gesichtsfeldprüfung (Perimetrie)
3.4.4 Diasklerale Durchleuchtung
Das Instrument besteht aus einer starken Halogenlichtquelle mit einem Lichtleiter. Aus der Spitze eines schmalen fingerförmigen Handstückes, das auf den Bulbus aufgesetzt wird, tritt das Licht seitlich aus. Im Dunkelzimmer und bei Mydriasis sieht man die Pupille rot aufleuchten, wenn dieses sog. Diaphanoskop auf die Sklera gesetzt wird ( Abb. 3.11).
Die diasklerale Durchleuchtung dient u.a. der Diagnose und Differenzialdiagnose des Aderhautmelanoms. Bei Netzhautablösung befindet sich hinter der Netzhaut eine transparente Flüssigkeit, die Pupille leuchtet also normal rot auf. Ist die Vorwölbung der Netzhaut jedoch durch ein (pigmenthaltiges) Aderhautmelanom oder eine Blutung bedingt, so sieht die Pupille bei diaskleraler Durchleuchtung dieser Stelle dunkel aus ( Abb. 3.11). Mit dieser Methode kann man insbesondere die Größe und Ausdehnung eines Aderhautmelanoms und das Einwachsen nach vorne in den Ziliarkörper sichtbar machen.
Abb. 3.11. Diasklerale Durchleuchtung. Wird der Lichtträger auf der Sklera aufgesetzt, so leuchtet im Normalfall im Dunkelzimmer die ganze Pupille rot auf (links). Befindet sich an der Stelle, an der der Lichtträger auf die Sklera aufgesetzt wird, eine lichtundurchlässige Masse (z. B. ein Aderhautmelanom), tritt hier eine Verschattung auf und die Pupille leuchtet nicht rot auf (rechts)
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3.5Gesichtsfeldprüfung
(Perimetrie)
3.5.1 Grundlagen
Das Gesichtsfeld eines Auges ist der Bezirk der Außenwelt, den man bei ruhiggestelltem Auge wahrnimmt. Das Blickfeld dagegen ist das Gebiet, das man bei ruhig gehaltenem Kopf, aber maximalen Blickbewegungen des Auges wahrnimmt. Die Untersuchung des Blickfeldes ist bei Augenmuskellähmungen wichtig ( Kap. 22).
Ausfälle im Gesichtsfeld bezeichnet man als
Skotome (Skotós, griech. = Schatten). Man unterscheidet absolute und relative Skotome. Innerhalb eines absoluten Skotoms nimmt der Patient von der Außenwelt nichts mehr wahr, wobei der Ausfall wegen der Einfüllung des Skotoms wie beim blinden Fleck nicht wahrgenommen wird. Innerhalb eines relativen Skotoms ist die Wahrnehmung reduziert, was in der Regel als »grauer, verwaschener Fleck« empfunden wird.
Skotome liegen im Gesichtsfeld zentral, parazentral oder peripher.
Ein Zentralskotom, das genau im Gesichtsfeldzentrum an der Stelle des schärfsten Sehens liegt,tritt z.B.bei Entzündung des Sehnervs auf und beeinträchtigt die Sehschärfe stark ( Abb. 3.12). Das Parazentralskotom kommt bei Glaukom oder Netzhaut/Aderhautentzündungen vor und beeinträchtigt die Sehschärfe nicht direkt ( Abb. 3.13).
Gesichtsfelddefekte der Peripherie nennt man Ausfälle, z.B. Quadrantenausfall, Halbseitenausfall (Hemianop(s)ie) durch neurologische Erkrankungen ( Abb. 16.3 und 16.4). Ein konzentrischer Ausfall (konzentrische Einschränkung) des Gesichtsfeldes kommt z.B. bei der Retinopathia pigmentosa ( Abb. 13.44 und 13.45) vor.Periphere und parazentrale Gesichtsfeldausfälle werden dem Patienten anfangs oft gar nicht bewusst. Bei hochgradiger konzentrischer Einengung kann er sich nicht mehr orientieren und selbständig bewegen. Der Patient stößt beim Laufen überall an, obwohl die zentrale Sehschärfe und die Lesefähigkeit nicht oder evtl. nur gering beeinträchtigt sind.
Die Perimetrie ist eine subjektive Untersuchungsmethode. Artefakte können durch Unaufmerksamkeit oder Ermüdung des Patienten, aber
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Abb. 3.12. Großes absolutes Zentralskotom, das den blinden Fleck einschließt, bei Retrobulbärneuritis (Gold- mann-Perimeter). Sehschärfe 0,05
Abb. 3.13. Bjerrum-Skotom (Bogenskotom, oben) bei Glaukom. Rechts der normale blinde Fleck
Es gibt mehrere Arten der Perimetrie: kinetische und statische Perimetrie, Kampimetrie sowie im weiteren Sinne die Prüfung des zentralen Gesichtsfeldes am Gitternetz nachAmsler.Bei allen Perimetrie-Verfahren müssen die Bedingungen konstant gehalten werden: standardisierte Helligkeit von Hintergrund und Lichtmarke, optimaler Ausgleich von Brechungsfehlern des Auges, bei wiederholter Untersuchung stets gleichbleibende Pupillenweite.
Kinetische Perimetrie (Isopterenperimetrie)
Durchführung. Das Standardgerät für die kinetische Perimetrie ist das Hohlkugelperimeter nach Goldmann ( Abb. 3.14 und 3.15). In die Halbkugel werden Lichtmarken projiziert,die unterschiedlich groß und in ihrer Leuchtdichte abgestuft sind. Das Auge des Untersuchten befindet sich im Zentrum der Halbkugel. Der Abstand (=Radius) zum Fixationspunkt in der Mitte der Halbkugelfläche beträgt 33cm. Der Arzt beobachtet, ob der Unter-
auch durch absichtlich fehlerhafte Angaben (Simulation,Aggravation) zustandekommen.
3.5.2Durchführung und Bewertung der Perimetrie
Die Perimetrie wird an jedem Auge einzeln vorgenommen.
Abb. 3.14. Schematischer Schnitt durch das Hohlkugelperimeter nach Goldmann. Der Arzt (links) beobachtet durch ein Fernrohr, ob der Untersuchte (rechts) das Auge ruhig hält und den zentralen Fixierpunkt anschaut. Das nicht untersuchte Auge wird durch eine Klappe abgedeckt (hier nicht sichtbar). Das Hohlkugelperimeter wird durch dieselbe Glühlampe ausgeleuchtet (roter Pfeil), die auch (mittels mehrerer Spiegel, gestrichelte Pfeile) zur Projekton der Lichtmarken verwendet wird. Dadurch herrschen konstante Lichtverhältnisse
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3.5 · Gesichtsfeldprüfung (Perimetrie)
a
b
Abb. 3.15. Hohlkugelperimeter nach Goldmann (Fa. Haag-Streit). a Ansicht von der Arztseite, b Ansicht von der Seite des Untersuchten. Schwarzer Punkt = Fixierpunkt; weißer Punkt = Prüfpunkt
suchte den zentralen Fixierpunkt fixiert und bewegt mit einem mechanischen Hebelsystem die Lichtmarken radiär von der Peripherie zum Zentrum (daher »kinetische« Perimetrie). Der Untersuchte gibt mit Hilfe eines Signalknopfes an, wann er die Lichtmarken auftauchen sieht. Diese Punkte im Gesichtsfeld des Patienten markiert der Arzt auf einem Vordruck.
Die Untersuchung wird mit Lichtmarken immer geringerer Größe und Leuchtdichte wiederholt.
Auswertung. Die Punkte im Gesichtsfeld,an denen der Untersuchte Lichtmarken gleicher Größe und Helligkeit zum ersten Mal wahrnimmt,sind Punkte gleicher Netzhautempfindlichkeit. Die Verbindungslinie zwischen diesen Punkten ist die Isoptere, jeweils für die eingesetzte Leuchtdichte und Größe der Lichtmarke ( Abb. 3.16).Je geringer
Abb. 3.16. Normaler Gesichtsfeldbefund bei kinetischer Perimetrie. Die Isopteren eines 20bis 30jährigen Gesunden für eine Lichtmarke von 0,25 mm2 am Goldmann-Perimeter.
Äußerste Linie: volle Helligkeit (Marke I/4), nächste innen folgende Linie: 1/3 der Helligkeit (Marke I/3), nächste innen folgende Linie: 1/10 der Helligkeit (Marke I/2), innerste Linie: 1/30 der ursprünglichen Helligkeit (Marke I/1). Rechts vom Zentrum des Gesichtsfeldes der blinde Fleck
die Leuchtdichte und Größe der Lichtmarke ist, desto näher rücken die Isopteren dem Zentrum des Gesichtsfeldes, da die Helligkeitsempfindlichkeit zum Zentrum der Netzhaut hin zunimmt ( Abb. 3.16 und 3.17). Die Isopteren sind annähernd konzentrisch, vergleichbar mit den Höhenlinien eines Berges auf der Landkarte.
Bei der Begutachtung von Gesichtsfelddefekten wird die Marke III/4 des Goldmann-Perimeters zugrunde gelegt ( Kap. 28).
Das binokulare Gesichtsfeld ist die Summe beider Gesichtsfelder und somit etwas größer als das monokulare Gesichtsfeld ( Abb. 3.18). Das binokulare Gesichtsfeld ist für die Begutachtung der Fahrtauglichkeit wichtig: Skotome an beiden Augen dürfen sich nicht überlagern.
Statische Perimetrie
Durchführung. Bei der statischen Perimetrie wird an verschiedenen Stellen des Gesichtsfeldes die Helligkeit einer unbewegten (statischen) Lichtmarke allmählich gesteigert, bis diese wahrgenommen wird. Dies lässt sich manuell am Goldmannoder Tübinger Perimeter durchführen (manuelle statische Perimetrie). Die Absicht, die Ergebnisse der Gesichtsfeldprüfung unabhängig
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46 Kapitel 3 · Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen
Lichtunterschiedsempfindlichkeit
Abb. 3.17. Kinetische und statische Perimetrie im Vergleich. Bei der kinetischen (Isopteren-) Perimetrie (oben) werden Lichtmarken abnehmender Größe und Helligkeit von der Peripherie zum Zentrum des Gesichtsfeldes bewegt. Bei der statischen Perimetrie (unten) wird an verschiedenen Orten im Gesichtsfeld die Helligkeit unbeweglicher Lichtmarken bis zur Wahrnehmungsschwelle gesteigert. Bei dreidimensionaler Darstellung der Verteilung der Helligkeitsempfindlichkeit ergibt sich bei beiden Verfahren ein »Berg«, dessen Spitze die Fovea centralis und dessen »Loch« bzw. »Spalt« den blinden Fleck darstellt. Ein horizontaler Querschnitt durch den »Berg« ergibt die Isopteren, ein senkrechter Querschnitt durch den »Berg« ergibt die Schwellenwerte der statischen Perimetrie
Abb. 3.19. Computergesteuertes Humphrey-Perimeter (Fa. Zeiss-Humphrey). In der linken Bildhälfte Einblick für den Patienten mit Kinnstütze und Vorrichtung zum Refraktionsausgleich des Auges. Nach der Untersuchung wird der Gesichtsfeldbefund auf dem Bildschirm (rechts) ausgegeben und ausgedruckt
Abb. 3.20. Ansicht des Octopus-Perimeters (Fa. Interzeag) von der Patientenseite aus. Die Perimetriedaten können über einen PC ausgewertet und gespeichert werden
Abb. 3.18. Binokulares Gesichtsfeld (hellgrau). Die äußeren Grenzen geben das binokulare Gesichtsfeld an. Die temporalen Gesichtsfeldanteile (dunkelgrau) werden wegen des nasenwärts kleineren Gesichtsfeldes jeweils nur von einem Auge gesehen, links vom linken, rechts vom rechten Auge
vom Untersucher zu registrieren, führte zur Entwicklung der automatischen statischen Perimeter ( Abb. 3.19 und 3.20, computergesteuerte statische Perimetrie), die heute überwiegend eingesetzt werden. Diese lassen an verschiedenen Stellen des Gesichtsfeldes unbewegte, sehr kleine Lichtmarken kurz aufleuchten. Der Untersuchte signalisiert mittels einer Taste jedesmal, ob er sie
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3.5 · Gesichtsfeldprüfung (Perimetrie)
gesehen hat. Hat er die Lichtmarke nicht wahrgenommen, so erscheint sie später am selben Ort heller noch einmal. Hat er sie wahrgenommen, so wird sie später noch einmal dunkler gezeigt. Auf diese Weise wird die Reizschwelle eines Netzhautorts »eingegabelt«. Obwohl ein Computer die Darbietung und Helligkeit der Lichtmarken steuert, sind die Ergebnisse natürlich von der Mitarbeit des Patienten abhängig.
Es gibt unterschiedliche computergesteuerte Geräte. Manche beschränken sich auf die zentralen 24–30° des Gesichtsfeldes, was für die Glaukomdiagnose meist genügt, nicht aber für andere Fragestellungen.Manche Geräte können zusätzlich auch die Peripherie prüfen. Alle modernen computergesteuerten Perimeter bieten vielfältige Programme zur Diagnose und Verlaufskontrolle verschiedener mit Gesichtsfelddefekten einhergehender Erkrankungen (Glaukom, Läsionen der Sehbahn, Makulaerkrankungen).
Auswertung. Trägt man die Schwellenwerte der Helligkeitsempfindung der mittels manueller statischer Perimetrie getesteten Orte im Gesichtsfeld auf, ergibt sich ein »Profil«: Die Helligkeitsempfindlichkeit nimmt von der Peripherie zum Zentrum des Gesichtsfeldes hin zu ( Abb. 3.17). Bei der computergesteuerten statischen Perimetrie werden die Ergebnisse als Zahlen-, Graustufenoder Farbausdruck dargestellt.Die Ergebnisse sind um so zuverlässiger, je dichter das Netz der Prüfpunkte ist, das man über das Gesichtsfeld legt und je näher an der Wahrnehmungsschwelle geprüft wird. Ist das Netz der Prüforte nicht sonderlich dicht und sind die Schritte, in denen die Helligkeit gesteigert wird, relativ groß, bleiben kleine Skotome unbemerkt. Ist das Netz der Prüforte jedoch dicht und sind die Schritte der Helligkeitssteigerung klein,ergibt sich ein sehr genauer Gesichtsfeldbefund ( Abb. 3.21). Dies ist vor allem bei kleinen, inselförmigen Gesichtsfeldausfällen wichtig, wie sie in der Anfangsphase des Glaukoms in den zentralen 30° des Gesichtsfeldes auftreten. Insbesondere in der Glaukomdiagnostik ist die computergesteuerte statische Perimetrie daher der (manuellen) kinetischen Perimetrie meist überlegen. Über größere Ausfälle, besonders in der Peripherie, orientiert man sich dagegen
Abb. 3.21. Vergleich von kinetischer und computergesteuerter statischer Perimetrie bei zentralen Skotomen infolge einer Neuritis nervi optici (NNO). Die kinetische Perimetrie (oben) zeigt nur eine mäßige Einschränkung der Gesichtsfeldaußengrenzen. Die computergesteuerte statische Perimetrie (Octopus-Perimeter, unten) dagegen zeigt das Ausmaß der Schäden, indem sie die Wahrnehmungsschwelle der zentralen Gesichtsfeldbereiche prüft, die bei NNO besonders stark beeinträchtigt ist
rascher und mit genügender Exaktheit mit der kinetischen Perimetrie am Goldmann-Perimeter.
Je dichter das Prüfraster und je kleiner die Schritte der Helligkeitssteigerung aber sind, desto größer sind auch die Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit des Untersuchten und der Zeitaufwand der Untersuchung. Daher ist ein Kompromiss zwischen einem raschen Suchtest,der den Patienten nicht zu stark belastet, und einer zeitraubenden exakten Messung der Grenzen und der Tiefe eines Skotoms nötig. Neue Prüfstrategien gehen deshalb von der altersbezogenen Normalschwelle oder von bekannten Voruntersuchungen des einzelnen Patienten aus und berücksichtigen
48 Kapitel 3 · Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen
die unterschiedlichen Unterscheidungsschwellen zwischen zentralen und peripheren Gesichtsfeldanteilen (Programme SITA, SITA fast, TOP).
! Nicht nur die Sehschärfe, sondern auch das
Gesichtsfeld ist für die Sehfunktion von gro- 3 ßer Bedeutung, da man sich über das Ge-
sichtsfeld beim Laufen orientiert und neu auftauchende Gefahren (z. B. beim Autofahren) mit den Gesichtsfeldfunktionen erkennt.
Kampimetrie
Die Kampimetrie dient der Prüfung des zentralen Gesichtsfeldes. Der Patient fixiert das Zentrum eines schwarzen Schirms,während der Untersucher durchVorschieben von hellen,an einem schwarzen Stäbchen befestigten Reizmarken die Wahrnehmbarkeit im zentralen und parazentralen Gesichtsfeld testet. Diese ältere Untersuchungsmethode eignet sich, um kleine Skotome aufzuspüren. Bei der moderneren Rauschfeldkampimetrie blickt der Patient auf einen Monitor, der ein Flimmerbild (ähnlich einem defekten Fernsehgerät) zeigt. Dadurch kann der Patient selbst das Skotom sehen und mittels der Computermaus auf dem Bildschirm umfahren.
Prüfung des zentralen Gesichtsfeldes am Gitternetz nach Amsler
Das Gitternetz nach Amsler dient zum Nachweis kleiner zentrumsnaher Skotome und von Metamorphopsie (Bildverzerrung) bei Erkrankungen der Netzhautmitte. Der Untersuchte blickt im Leseabstand auf den zentralen Punkte des Gitternetzes. Anhand der geraden Gitterlinien kann er Lücken im Gitter (bei Skotom) bzw. eine Verzerrung der Gitterlinien (Metamorphopsie) leicht lokalisieren und einzeichnen.
3.6Prüfung der Kontrastempfindlichkeit
Die Kontrastempfindlichkeit prüft man mit Sehprobentafeln, die Streifenmuster abnehmenden Kontrasts enthalten, wobei die Richtung der Streifen vom Patienten angegeben werden muss. Diese Sehqualität ist für das tägliche Leben sehr wichtig,
da nur wenige Gegenstände der Umwelt maximalen Kontrast aufweisen, während viele Details durch niedrigen Kontrast charakterisiert sind (z.B. Gesichtszüge). Die Kontrastwahrnehmung ist insbesondere bei Katarakt und Erkrankungen des Sehnervs herabgesetzt. Man setzt diese Methode ein, um in Grenzfällen entscheiden zu können, ob eine Linsentrübung bereits eine Kataraktoperation rechtfertigt oder welche Änderungen der Sehqualität durch refraktive Eingriffe ( Kap 7.10) hervorgerufen werden.
3.7Untersuchung der Dunkeladaptation und des Dämmerungsund Nachtsehens
3.7.1 Grundlagen
Die Zapfen sind für das Sehen bei Tageslicht (photopisches Sehen, Zapfensehen) zuständig, die Stäbchen für das Sehen bei Nacht (skotopisches Sehen) und bei Dämmerung (mesopisches Sehen) (Stäbchensehen).Elektromagnetische Schwingungen von 400–800 nm lösen eine Lichtempfindung aus.Unter optimalen Bedingungen können hierfür wenige Quanten genügen.
Das Auge passt sich den jeweils herrschenden Lichtverhältnissen an. Begibt man sich von Tageshelligkeit ins Dunkle,so sieht man zunächst nichts. Bald tritt aber eine Dunkeladaptation ein, die in einer raschen Steigerung der Lichtempfindlichkeit der Netzhaut besteht. Nach den ersten 5 Minuten der Sofortoder Zapfenadaptation durch Regeneration des durch Belichtung zerfallenen Sehpigments wird die Adaptationskurve zunächst flacher, zeigt dann aber einen Knick ( Abb. 3.22),weil nun die Stäbchen nicht mehr gehemmt sind und für die weitere Dunkelanpassung sorgen, indem sie ihr Rhodopsin, das bei Belichtung der Stäbchen zerfällt, regenerieren (Daueroder Stäbchenadaptation).Die Dunkeladaptation hat nach 35 Minuten nahezu ihr Maximum erreicht.Dies hängt auch von der Ausgangskonzentration des Rhodopsins ab: Wer tags am Strand extrem hellem Licht ausgesetzt war,wird abends bei der Heimfahrt auch nach 2 Stunden noch nicht so gut dunkeladaptiert sein
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3.7 · Untersuchung der Dunkeladaptation und des Dämmerungsund Nachtsehens
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normal |
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Zeit [min]
Abb. 3.22. Dunkeladaptationskurve. Beim Gesunden (durchgezogene Linie) zeigt die Adaptationskurve nach
5 Minuten einen Knick, weil dann die Zapfenadaptation beendet ist. Die weitere Adaptation erfolgt durch die Stäbchen. Bei Nachtblindheit (gestrichelte Linie) fehlt die Stäbchenadaptation, so dass nach 5 Minuten bereits der maximal mögliche, nur geringe Adaptationszustand erreicht ist
wie sonst. Bei Nachtblindheit (Nyktalopie, Kap. 13.8) fehlt die Stäbchenadaptation, so dass nach 5 Minuten bereits das Maximum der Dunkeladaptation erreicht ist ( Abb. 3.22).
Bei Dunkeladaptation sind wir farbenblind, da wir nur mit Hilfe der Stäbchen sehen (die farbentüchtigen Zapfen haben ihre Funktion eingestellt). Daher ist die Sehschärfe bei starker Dunkelheit auf 1/10 herabgesetzt, und es besteht ein physiologisches Zentralskotom: Will man im nächtlichen Wald einen Gegenstand erkennen und blickt hin,so verschwindet er – blickt man daran vorbei, so taucht er wieder auf. Das Helligkeitsmaximum verschiebt sich bei Dämmerungssehen von Gelb (560 nm) nach Gelb-Grün (510 nm), so dass rote Farben dunkler erscheinen als blaue (PurkinjePhänomen). Zugleich wird das Auge leicht myop, weil die Brennweite für kürzerwelliges Licht kürzer ist.
Im nächtlichen Straßenverkehr wird der Adaptationszustand der Netzhaut durch die Blendung verändert. Die Blendungsempfindlichkeit ist individuell unterschiedlich.Man kann sich gegen Blendung durch ein entgegenkommendes Fahrzeug schützen,indem man kurzfristig ein Auge schließt. Dieses Auge wird dann nicht geblendet und verhindert, dass man nach Passieren des blendenden Fahrzeugs eine Strecke ohne Sicht fährt. Bei Nacht
ist es darüber hinaus schwieriger, Entfernungen einzuschätzen. Das Autofahren bei Nacht ist also eine komplexe Aufgabe. Die Nachtfahrtauglichkeit hängt von dem Erkennen schwacher Lichtkontraste trotz Blendung ab.
Auch bei großer Helligkeit passt das Auge seine Lichtempfindlichkeit an (Helladaptation). Die Helladaptation wird durch Ausbleichen des Sehpigments hervorgerufen und verläuft wesentlich schneller als die Dunkeladaptation (innerhalb von 2–5 Minuten).
3.7.2 Durchführung
Die Dunkeladaptation wird mittels Goldmann- Weekers-Adaptometer ( Abb. 3.23) untersucht. Es zeichnet die Dunkeladaptationskurve auf. Der Untersuchte blickt zunächst einige Minuten auf ein hell erleuchtetes Areal im Adaptometer. Dann wird das Licht ausgeschaltet und in kurzen zeitlichen Abständen die Helligkeits-Wahrnehmungsschwelle für eine Lichtquelle gemessen,die von dunkel nach hell aufgedreht wird.
Die Nachtfahrtauglichkeit prüft man mittels
Nyktometer, mit dem das Erkennen einfacher Sehzeichen bei unterschiedlichem Kontrast zum Umfeld mit und ohne Blendung binokular getestet wird ( Abb. 3.24).
Abb. 3.23. Adaptometer nach Goldmann-Weekers. Der Untersuchte blickt in das Gerät. Die links oben im Bild sichtbare Papiertrommel des Gerätes enthält die Aufzeichnungsvorrichtung für die Adaptationskurve
50Kapitel 3 · Untersuchungsmethoden des Ophthalmologen
3.8.2Durchführung und Auswertung
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Abb. 3.24. Nyktometer (Rodenstock). Mit diesem Gerät wird das Erkennen mittelgroßer Sehzeichen bei schwachem Kontrast und bei zusätzlicher Blendung getestet
3.8Untersuchung des Farbensinns
3.8.1 Grundlagen
Als Farbensinn bezeichnet man die Fähigkeit des Auges, den Farbton, die Sättigung (Weißunähnlichkeit) und die Helligkeit von Licht wahrzunehmen. Das normale helladaptierte Auge kann etwa 150 Farbtöne unterscheiden, das dunkeladaptierte dagegen ist farbenblind und kann nur Helligkeit unterscheiden: »Nachts sind alle Katzen grau«. Alle Farbtöne des Spektrums lassen sich durch Mischen von drei Spektralfarben (Rot, Grün und Violett) herstellen. Hierauf baut die Young-Helm- holtz-Farbtheorie auf, die drei entsprechende Farbkomponenten in den Zapfen der Netzhaut annimmt. Entsprechend dieser Theorie nennt man Farbentüchtigkeit Trichromasie. Die Theorie erklärt jedoch nicht alle physiologischen Tatsachen. Auf der Ebene der bipolaren Zellen und der Ganglienzellen der Netzhaut ist das Farbensehen nach »Gegenfarben« kodiert (Rot-Grün bzw. BlauGelb). Die elektrophysiologische und photochemische Forschung über das Farbensehen ist weit fortgeschritten: Die für das Farbensehen verantwortlichen Gene konnten lokalisiert werden ( Kap. 23).
Der praktische Arzt, der Schularzt und der Augenarzt untersuchen den Farbensinn zunächst mit den pseudoisochromatischen Farbtafeln nach Ishihara. Die Farbtafeln nach Ishihara ( Abb. 3.25) zeigen Zahlen, die aus zahlreichen verschiedenen Farbpunkten zusammengesetzt und so gedruckt sind, dass der Farbentüchtige die richtige Zahl erkennt,der Farbenuntüchtige aber keine oder eine falsche Zahl liest. Das Prinzip besteht darin, dass Sättigung und Helligkeit der farbigen und der grauen Punkte gleich sind (isoluminant). Mit diesen Farbtafeln kann man zwar die meisten Störungen des Rot-Grün-Farbensehens erkennen, aber das Ausmaß der Störung nicht genau analysieren.
Eine genaue Analyse der Rot-Grün-Farben- sinnstörung erlaubt das Nagel-Anomaloskop, dessen Anwendung bei allen gutachterlichen Fragen und bei den Eignungsprüfungen imVerkehr vorgeschrieben ist. Es handelt sich um ein Farbenmischgerät. Der Untersuchte blickt durch ein Okular auf eine runde Scheibe, deren untere Hälfte ein spektrales (Natrium-)Gelb zeigt (589 nm).Die Helligkeit der unteren Hälfte kann mittels einer Helligkeitsschraube variiert werden. In der oberen Hälfte soll
Abb. 3.25. Pseudoisochromatische Farbtafel nach Ishihara. Die Punkte sind so gestaltet, dass der Rotblinde (Protanope) 6 liest, der Grünblinde (Deuteranope) 2, der Farbentüchtige 26
